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Kulturenvergleich - |
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| Herbst
/ Abend | ||||
18
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Uhr |
| Spätkultur
& Zivilisation | ||||
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![]() | 18-20 Uhr |
| Ehe oder Napoleonismus |
Die geistige Keimlegung einer später werdenden Kultur erfolgt bereits im Herbst zweier älterer Kulturkreise, also zweier Zivilisationen. Sie sind die Erwachsenen, die Vollendeten, aber auch die werdendenEltern, die Älteren, die ihr Dasein und Sosein offenbar auf einen Nenner gebracht haben und sich deshalb vom oberen Zähler nicht mehr geprägt fühlen, weil sie sich selbst dazu rechnen, trotz der Gefahr, daß auch Zähler gelegentlich ins Unendliche wachsen. Etwas zu prägen liegt ihnen am Herzen, sich prägen zu lassen dagegen nicht. Sie sind Kulturen am Abend, wiedie Spätkulturen des Herbstes: eine Weinlesekultur und Abenddämmerung zugleich. Sie sind romantisch - gar keine Frage. Eigenes zustande bringen wollen sie und vergessen dabei leicht, daß sie einmal Kinder waren, geprägt wurden. Sie sind demokratisch - gar keine Frage. Das müssen werdende Eltern sein. Als Ehepartner und Selbständige ersinnen sie Planungen für den Lebensabend, bauen Häuser, gehen einer Arbeit und einem Berufsziel nach. Sie sind Industrialisierte - gar keine Frage. Als Klassiker unter den Menschen haben sie die Reife, die nötig ist, um für alles Folgende die eigene Verantwortung und Leistung immer wieder repräsentiert zu bekommen. Sie sind die Vertreter der diplomatischen Kritik, weil sie nörgelnde Kritik nicht mögen. Ihre Liebe zur Partnerschaft ist fast grenzenlos und deshalb gefährlich. Dieser Idealismus führt oft zu Ungleichgewichten, weil die Gleichheit ständig angestrebt wird. Allen wollen sie es recht machen, weshalb für sie juristische Fragen nur demokratisch zu lösen sind. Abgesehen davon, daß ihnen das Geld immer wichtiger zu werden hat, weil die Hypothekenzinsen für ihr Eigenheim gestiegen sind, befinden sie sich in einer Phase der Konsolidierung und Routine. Wären da nur nicht immer die schlechten Nachrichten, die ihnen, wie eine andere Presse, die Gefühle der Einengung vermitteln. Aber sie lieben die Medien - gar keine Frage. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Geburtenrückgang in Frankreich |
| 1783 / 1789 | 1801 / 1810 | 1811 / 1820 | 1821 / 1830 | 1831 / 1840 | 1841 / 1850 | 1851 / 1860 | 1861 / 1870 | 1871 / 1880 | 1881 / 1890 | 1891 / 1900 | 1901 / 1910 | 1911 / 1913 | |||||||||
| 38,4 | 32,2 | 31,6 | 30,8 | 29,0 | 27,4 | 26,3 | 26,3 | 25,4 | 23,9 | 22,1 | 20,7 | 18,8 | |||||||||
| Geburtenrückgang in Frankreich |
| 1921 | 1924 | 1925 | 2003 * | Prozentualer Geburtenrückgang | 1783/1789 - 1871/1880 | 1871/1880 - 1925 | 1925 - 2003 * | ||||||||||||||
| 20,7 | 19,2 | 19,6 | 13,0 * | 1783/1789 - 2003: 66% * | 34% | 23% | 34% * | ||||||||||||||
Beispiele für Eheversprechen:
Bürgerliche Revolutionen
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Nach Alexanders Tod (323 v. Chr.) begannen
die Kämpfe um seine Nachfolge, die Diadochenkriege.
Nach dem 3. Diadochenkrieg (315-301) sollten vier und nach dem letzten Diadochenkampf
(281 v. Chr.) nur noch drei große monarchische Reiche übrig bleiben:
Makedonien unter den Antigonen, Vorderasien unter den Seleukiden und Ägypten
unter den Ptolemaiern. In der westlichen Antike, die
zuvor nur als Kolonie bedeutend gewesen war, entstand in Rom nach dem Ständekampf
durch die Licinisch-sextischen Gesetze von 367/366 ein Amtsadel aus Plebejern
und Patriziern. Rom steigerte seine Erfolge nach und nach im 1. Samnitenkrieg
(343-341), im Latinerkrieg (340-338), im 2. Samnitenkrieg (326-304), im 3. Samnitenkrieg
(298-290) und in den Kämpfen mit den Kelten (285-282), deren Gebiet Rom eroberte
und sich damit die Herrschaft in Mittelitalien sicherte. Und auch im alten Griechenland
kam Neues auf: es gab dort seit 367 v. Chr. z.B einen Ätolischen Bund,
aber seit 357-355 keinen Seebund mehr: Chios, Kos, Rhodos, Byzanz waren vom 2.
Attischen Seebund abgefallen, wogegen Athen im sogenannten Bundesgenossenkrieg
(357-355) vergeblich angekämpft hatte. Die von Makedonien ausgehende Revolution
drängte in Griechenland die Idee der Polis immer mehr zurück, ließ
u.a. auch den Achaischen Bund (280 v. Chr.) entstehen und nahm dadurch
vielen Polis die Selbständigkeit. Hatte die 1. Tyrannis mit Hilfe des Nichtadels
die Polis noch vollendet (vgl. 14-16),
so begann jetzt der Nichtadel mit Hilfe der 2. Tyrannis, sie zu zerstören.
Bürgerliche Revolutionen sind eben der Beginn der Zivilisation
und demontieren mit immer expansiverem Drang nicht nur alte Ideen, sondern oftmals
auch alte Formen. Herbst ist Pflückzeit. Herbst ist Ernte durch Schnitt
(Schneiden). In der Antike wurde
die Polis, im Abendland der dynastische Staat zum Negativ-Symbol; aber auch das
ist ein Teil der gesamten Kultursymbolik. (Vgl. Ursymbol).
Nur um dieses Chaos zu verhindern, entstand das System des
Gleichgewichts der großen Mächte, beginnend mit der Heiligen Allianz
zwischen Österreich, Preußen und Rußland. Verträge wurden
geschlossen, Bündnisse gesucht, Kongresse abgehalten, um nach Möglichkeit
jede Erschütterung des politischen »Europa« zu verhindern ...
Was Metternich unter dem Chaos verstand, das er durch seine entsagungsvolle, unschöpferische, nur auf die Erhaltung des Bestehenden gerichtete Tätigkeit solange als möglich von Europa fernhalten wollte, war aber weniger der Verfall dieses Staatensystems mit seinem Gleichgewicht der Mächte als der daneben hergehende Verfall der Staatshoheit selbst in den einzelnen Ländern, die uns seitdem selbst als Begriff so gut wie verloren gegangen ist. Was wir heute als »Ordnung« anerkennen und in »liberalen« Verfassungen festlegen, ist nichts als eine zur Gewohnheit gewordene Anarchie. Wir nennen das Demokratie, Parlamentarismus, Selbstregierung des Volkes, aber es ist tatsächlich das bloße Nichtvorhandensein einer ihrer Verantwortung bewußten Autorität, einer Regierung und damit eines wirklichen Staates.Am verhängnisvollsten ist das Ideal der Regierung des Volkes »durch sich selbst«. Aber ein Volk kann sich nicht selbst regieren, so wenig eine Armee sich selber führen kann. Es muß regiert werden und es will das auch, solange es gesunde Instinkte besitzt. Aber es ist etwas ganz anderes gemeint: der Begriff der Volksvertretung spielt in jeder solchen Bewegung sofort die erste Rolle. Da kommen die Leute, die sich selbst zu »Vertretern« des Volkes ernennen und als solche empfehlen. Sie wollen gar nicht »dem Volke dienen«; sich des Volkes bedienen wollen sie, zu eigenen, mehr oder weniger schmutzigen Zwecken, unter denen die Befriedigung der Eitelkeit der harmloseste ist. Sie bekämpfen die Mächte der Tradition, um sich an ihre Stelle zu setzen. Sie bekämpfen die Staatsordnung, weil sie ihre Art von Tätigkeit hindert. Sie bekämpfen jede Art von Autorität, weil sie niemandem verantwortlich sein wollen und selbst jeder Verantwortung aus dem Wege gehen. Keine Verfassung enthält eine Instanz, vor welcher die Parteien sich zu rechtfertigen hätten. Sie bekämpfen vor allem die langsam herangewachsene und gereifte Kulturform des Staates, weil sie sie nicht in sich haben wie die gute Gesellschaft, die society des 18. Jahrhunderts, und sie deshalb als Zwang empfinden, was sie für Kulturmenschen nicht ist. So entsteht die »Demokratie« des Jahrhunderts, keine Form, sondern die Formlosigkeit in jedem Sinne als Prinzip, der Parlamentarismus als verfassungsmäßige Anarchie, die Republik als Verneinung jeder Art von Autorität.So gerieten die europäischen Staaten außer Form, je »fortschrittlicher« sie regiert wurden. Das war das Chaos, das Metternich bewog, die Demokratie ohne Unterschied der Richtung zu bekämpfen - die romantische der Befreiungskriege wie die rationalistische der Bastillestürmer, die sich dann 1848 vereinigten - und allen Reformen gegenüber gleich konservativ zu sein. In allen Ländern bildeten sich seitdem Parteien, das heißt neben einzelnen Idealisten Gruppen von Geschäftspolitikern zweifelhafter Herkunft und mehr als zweifelhafter Moral: Journalisten, Advokaten, Börsianer, Literaten, Parteifunktionäre. Sie regierten, indem sie ihre Interessen vertraten. Monarchen und Minister waren stets irgendwem verantwortlich gewesen, zum mindesten der öffentlichen Meinung. Nur diese Gruppen waren niemand Rechenschaft schuldig. Die Presse, entstanden als Organ der öffentlichen Meinung, diente längst dem, der sie bezahlte; die Wahlen, einst Ausdruck dieser Meinung, führten die Partei zum Siege, hinter der die stärksten Geldgeber standen. Wenn es trotzdem noch eine Art von staatlicher Ordnung, von gewissenhaftem Regieren, von Autorität gab, so waren es die Reste der Form des 18. Jahrhunderts, die sich in Gestalt der wenn auch noch so konstitutionellen Monarchie, des Offizierkorps, der diplomatischen Tradition, in England in den uralten Bräuchen des Parlaments, vor allem des Oberhauses, und seiner zwei Parteien erhalten hatten. Ihnen verdankt man alles, was an staatlichen Leistungen trotz der Parlamente zustande kam. Hätte Bismarck sich nicht auf seinen König stützen können, so wäre er sofort der Demokratie erlegen. Der politische Dilettantismus, dessen Tummelplatz die Parlamente waren, betrachtete diese Mächte der Tradition denn auch mit Mißtrauen und Haß. Er bekämpfte sie grundsätzlich und hemmungslos ohne Rücksicht auf die äußeren Folgen. So wird die Innenpolitik überall ein Gebiet, das weit über seine eigentliche Bedeutung hinaus die Tätigkeit aller erfahrenen Staatsmänner notgedrungen an sich zog, ihre Zeit und Kraft vergeudete, und über dem man den ursprünglichen Sinn der Staatsleitung, die Führung der Außenpolitik, vergaß und vergessen wollte. Das ist der anarchische Zwischenzustand, der heute als Demokratie bezeichnet wird und der von der Zerstörung der monarchischen Staatshoheit durch den politischen, plebejischen Rationalismus zum Cäsarismus der Zukunft hinüberführt, der heute mit diktatorischen Tendenzen sich leise zu melden beginnt und bestimmt ist, das Trümmerfeld geschichtlicher Traditionen unumschränkt zu beherrschen. (Oswald Spengler, Jahre der Entscheidung - Deutschland und die weltgeschichtliche Entwicklung, 1933, S. 19, 23-24, 26-28).Über den
notwendigen Verfall, den Untergang, die Vollendung der abendländischen
Kultur wurde schon geschrieben, als dieser Prozeß noch in seinen Anfängen
steckte. So schrieb z.B. Karl Vollgraff
(1792-1863), den man zu den Vorläufern Spenglers zählen kann, ein immerhin
zweitausend Seiten umfassendes Werk - Die Systeme der praktischen Politik im
Abendland -, das 1829 erschien, nie abgeschlossen wurde und die Zeitgenossen
dennoch stark beeindruckte, wozu vor allem eine drei Jahre später erschienene
Kampfschrift gegen die liberalen Ideen beitrug: Die Täuschungen des Repräsentativsystems
(1832). Diese Schrift fand so viel Aufmerksamkeit, daß sie von den aufgebrachten
Marburger Burschenschaften auf dem Marktplatz der Stadt verbrannt wurde. Viele
spätere Autoren übernahmen Vollgraffs Gedanken, waren zumindst von ihnen
wesentlich beeinflußt. ( |
| Die römische Kunst war von Beginn an von der etruskischen und griechischen Kunst beeinflußt. Die Griechen nahmen insbesondere durch die unteritalienischen und sizilianischen Kolonien Einfluß auf die Römer. (Vgl. 10-12, 12-14 und 14-16). Infolge der späteren Siege über die östlichen Mittelmeerländer sollten auch hellenistische Formelemente in die römische Kunst eindringen. Die Säulenordnung wurde der griechischen immer ähnlicher. (Vgl. 20-22 und 22-24). Die römische Ordnung, eine Mischung oder Zusammenstellung aus ionischen und korinthischen Elementen, entwickelte auch das Kompositkapitell, das sich später als Erbe im Abendland großer Beliebtheit erfreuen sollte. Beispielsweise übernahm die spätere karolingisch-ottonische Kunst die römischen Kapitelle in stark vereinfachter Form, während Romanik und Gotik eigenwilligere abendländische Formen fanden und erst die Renaissance, der Barock und das Rokoko die antiken Formen wieder reintegrierten, bevor sie in der jetzigen Phase in aller Klarheit veredelt werden konnten: im Klassizismus und in der Romantik. |
Klassisch heißt vollkommener, idealer Ausgleich von Inhalt und Form, den der deutsche Archäologe und Kunstgelehrte Johann Joachim Winckelmann (1717-1768), Begründer der klassischen Archäologie und der neueren Kunstwissenschaft, in erster Linie der antiken Kunst zuschrieb. Daraus entstand der Begriff der Wiener Klassik (Haydn, Mozart, Beethoven) und der Weimarer Klassik (Goethe, Schiller). Goethe und Beethoven waren diejenigen, die die Klassik zu einer unübertreffbaren Reife führten. Nicht zufällig war die Klassik die Zeit des erwachsenen Goethe und endete mit seinem Tod (1832); nicht zufällig kann man an Beethovens Lebensdaten die Zeit der Klassik ablesen: 1770-1827. Er war der Vollender der deutschen musikalischen Klassik und Kronzeuge der europäischen Musikromantiker. Fast gleichzeitig mit der Klassik begann die (Früh-) Romantik in Instrumentalmusik, Oper und Lied, z.B. durch Franz Schubert (1797-1828). Bloße Nachahmung des klassischen Stils ohne dessen Geist nennt man dagegen klassizistisch, doch ist dieser Ausdruck nicht immer als Tadel zu verstehen. Das ist jedoch der Fall, wenn er für einen leeren Formalismus steht. Der nicht zu tadelnde Klassizismus umfaßt in etwa die Zeit von 1770 bis 1830 und trat damals in allen künstlerischen Erscheinungsformen auf. Er war auch eine Gegenbewegung zu Barock und Rokoko: ein Umschlagen ins Gegenteil von solcher Schroffheit, wie sie in der abendländischen Kunst noch nicht vorgekommen war. Die Neuentdeckung der Größe der antiken Kunst war nicht so sehr Ausgangspunkt als vielmehr Folge der schon seit der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts da und dort spürbaren klassizistischen Neigungen, zu edler und klarer Form zurückzukehren. (Vgl. 16-18). Man fand dieses Ideal verwirklicht in der antiken Kunst, wandte sich dieser mit neuer Liebe zu und suchte im eigenen künstlerischen Schaffen auf gleichen und ähnlichen Wegen das Ziel zu erreichen, das in der antiken Kunst erreicht worden war. Die gelehrten Vertreter der klassizistischen Bewegung waren in Deutschland vor allem der bereits erwähnte J. J. Winckelmann und G. E. Lessing (1729-1781) sowie die zu Beginn dieser Zeit noch jungen J. W. Goethe (1749-1832) und F. Schiller (1759-1805). Die Baukunst zeigt deutlich, daß nicht bloße Nachahmung einer als vergangen empfundenen Kunst gewollt wurde - wie z.B. in den späteren Neo-Stilen des Hoch-Historismus als Eklektizismus (vgl. 20-22) -, sondern eine Erneuerung im Sinne der Antike, die in dieser Zeit ein lebendiges Gegenwartserlebnis darstellte. In Deutschland waren die ersten Vertreter Erdmannsdorf (Schloß Wörlitz, 1769-1773), Langhans (Brandenburger Tor in Berlin, 1788-1791), F. Gilly (Entwürfe zu Nationaldenkmal für Friedrich d. Gr., 1796, und Nationaltheater, 1800), Weinbrenner (Bauplan für Karlruhe, 1807-1825), Klenze (Glyptothek, Pinakothek, Propyläen u. a. in München; Walhalla bei Regensburg, 1830-1847) und vor allem K. Fr. Schinkel (in Berlin und anderen Orten Deutschlands, seit 1803). | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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26) Dionysos-Kult zu: Rationalismus;
seit Pythagoräer 27) Theogonie geht auf in Platonismus/Aristotelismus ** 28) Gegenreformation (6) Zeus-Götterwelt seit - 7. / - 6. Jh. |
26) Neuscholastik (5) zu: Rationalismus;
seit Leibniz
- Wolff 27) Neumystik (4) geht auf in Idealismus/Romantik ** 28) Neuscholastik (6) Gegenreformation seit 16. Jh. |
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Immanuel Kant (1724-1804) 4 Entwicklungsstufen (2 vorkritische und 2 kritische) |
Platon (427-347) 4 Entwicklungsstufen (2 vorakademische und 2 akademische) |
| Natur- |
Meta- |
Kritisch- |
Nach- | Sokrates- 407 |
Studien |
Akademie Kritik der |
Spätzeit Weiter- |
| Aristoteles (383-322) Trichotomie |
Georg Wilhelm Friedrich Hegel |
| Begriff
(e) |
Urteil (e) |
Schluß | These |
Antithese |
Synthese |
|
Metaphysik |
Mathematik |
Physik |
Natur-Seele |
Bewußtsein |
Identität | |
| Politik
|
Ökonomik |
Ethik | Familie | Gesellschaft | Staat | |
|
Technik |
Ästhetik |
Rhetorik | Subjekt |
Objekt |
Gott |
|
Pflanzenhaft. |
Tierhafter |
Intellektueller | Anschauen |
Vorstellen |
Wissen |
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Monarchie |
Aristokratie |
Demokratie | These |
Antithese |
Johann Gottlieb Fichte
(1762-1814) ging von Kants ethischem Rigorismus und Aktivismus aus. Fichtes Philosophie
ist die wissentliche Selbstbeobachtung der schöpferisch-ethischen Aktivität
der Persönlichkeit, des Ich. Seine Philosophie heißt darum Wissenschaftslehre
(1794). Fichte stellte in diesem Sinne 3 Tathandlungen des Ich fest:
1.) Das Ich setzt sich selbst; 2.) Das Ich setzt sich einem Nicht-Ich entgegen;
3.) Das Ich setzt sich im Ich einem Nicht-Ich entgegen. Das Ich war für Fichte
der Inbegriff des gegen die Trägheit ringenden Willens der Menschen. Demnach
gäbe es ursprünglich nur eine absolute Tätigkeit: das Ich. So betrachtet
stellen wir uns Dinge außer uns dadurch vor, daß das Ich eine Realität
in sich aufhebt (außer sich setzt) und diese aufgehobene Realität in
ein Nicht-Ich setzt, das ja auch eine Tathandlung des Ich ist. |
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Der Unterschied zwischen Form
und Inhalt zeigt ebenfalls den Gegensatz zwischen apollinischer und
faustischer Kultur an. Für derartige Gegenpole gilt, daß hier
Inhalt ist, wenn dort Form war und daß hier Form ist, wenn dort Inhalt war.
Wahrscheinlich ist diese Polarität der Grund dafür, daß wir uns
jede antike Form zum Inhalt und jeden antiken Inhalt zur Form machen. Da aber
in der Antike auch der Inhalt förmlich gedacht wurde, als Substanz oder Urstoff
(arch),
so kann man zu der Vermutung gelangen, daß es im Abendland eigentlich
kein Formdenken geben könne. Und in der Tat wird hier
jede Form so lange analysiert oder ins Grenzenlose idealisiert, bis man auf jene
mathematischen Formen trifft, die Gauß
(1777-1855) geometrisch begründet hat und später auf andere Weise durch
Heisenbergs
Unbestimmtheitsrelation in der Physik wieder auftauchen sollten. (20-22).
Über lange wissenschaftliche Wege ist man also zu einem Gedanken gelangt,
den Platon auf ähnliche Weise schon vertreten hatte, ohne naturwissenschaftlich
zu experimentieren. Er experimentierte nur mit seinen Gedanken und denen seiner
Akademieschüler. Als Platon seine Akademie betrieb, d.h. sich und seine Schüler
aus der athenischen Grausamkeit nahm, sollte eine Philosophieschule in Gang gesetzt
werden, die die Antike bis dahin nicht gekannt hatte. Als Kant im fernen Königsberg,
das er nie verließ, wirkte, geschah durch die idealistisch-romantischen
Bewegungen Ähnliches auf abendländische Weise. Nach
Platons Gründung der Akademie (385 v. Chr.) entstanden Aristoteles' Peripatetiker-Schule
(335 v. Chr.), Pyrrhons Skeptiker-Schule (312 v. Chr.), Zenons Stoiker-Schule
(um 300 v. Chr.), Epikurs Schule (um 300 v. Chr.) und die bereits erwähnten
13-bändigen Elemente des Mathematikers Euklid
(um 312/300), dessen Parallelenaxiom genau einen Weltmonat
lang Gültigkeit haben sollte, bis Gauß
(um 1800) die erste nicht-euklidische Geometrie entwickelte. (Hegels
System besteht aus 3 Teilen ( |
|
Hegels Freiheit besteht aber darin, daß der Mensch seine
Wesensidentität mit dem Absoluten erkennt und sich mit den letztlich auch
vom Absoluten geschaffenen Gebilden des objektiven Geistes und ihrem Wollen -
Staat und Recht - identifiziert. Kein deutscher Denker, selbst Kant nicht, hat
so nachhaltig auch auf fremde Nationen gewirkt wie Hegel. So
wie Alexander von Humboldt
(1769-1859) als wissenschaftlicher Entdecker Amerikas gilt, so gilt
Hegel als der universalierende Weltgeist der Weltgeschichte. Sein
bekanntestes und genialstes erstes größeres Werk, die Phänomenologie
des Geistes, ging um die ganze Welt. Der Hegelianismus (Gegenteil:
Aristotelismus?), der sich in eine Rechte (theistische), eine Mitte
(Gans, Michelet u.a.) und eine radikale Linke aufspaltete, also Althegelianer
(Gegenteil: 1.
Aristoteliker?) und Junghegelianer (Gegenteil: 2.
Aristoteliker?) und damit die folgenreichsten Hegel-Nachfolger - auch
Marx und Engels waren Hegelianer - hervorbrachte, verbreitete sich weltweit und
mündete in den Neu-Hegelianismus (Gegenteil: Aristarchos' Neu-Aristotelismus
?). Könnte es deshalb in Zukunft nicht auch einen Hegelianischen Soziologismus
(Gegenteil: Aristotelische Stoa?) geben? Auch der Kantianismus
(Gegenteil: Platonismus), der Altkantianer (Gegenteil: Alte
Akademie?), Neu-Kantianer (Gegenteil: Mittlere
Akademie?) und Neu-Neu-Kantianer (Gegenteil: Neuere
Akademie?) hervorbrachte, könnte in Zukunft weitere Kantianismen
entwickeln und auch Mittlerer Kant(?)ismus (Gegenteil: Mittlerer Platonismus?)
und Neuerer Kant(?)ismus heißen, wobei letzterer dann tatsächlich
ein Neukantianismus (Gegenteil: Neuplatonismus?) wäre. Überhaupt
entwickelte sich ja der gesamte Idealismus über bestimmte Neoismen
zum Neu-Idealismus (vgl. 20-22)
und über weitere neue Ismen (Neo-Neoismen) zum Neu-Neu-Idealismus.
(Vgl. 22-24).
Die über die eigene Kultur hinausreichende Wirkung, die Platon und Aristoteles
erreichten, könnte auf abendländische Weise auch für Kant und Hegel
gelten. Eine Wirkung bis ins Unendliche
? ( | Kantianismus Hegelianismus Neu-Kantianer Neu-Hegelianer |
Wenn wir also Parallelen zwischen Platon und Hegel (oder Goethe) einerseits und
zwischen Aristoteles und Kant andererseits feststellen, dann können wir auch
welche zwischen den antiken und abendländischen Richtungen annehmen, die
auf die Klassiker folgten, auf sie reagierten. Für die Antike
(rot gefärbt) und für das Abendland, insbesondere
für Deutschland, das hier absolut führend war, sind das:| Musik
und andere Kunst
sind hier aus Platzgründen nicht berücksichtigt |
| (Vgl. 16-18) -390/370) Späte Sophisten (Gorgias, Hippias) |
| (Vgl. 16-18) -390/350) Späte Pythagoräer (Archytas von Tarent) |
| bis 1760/78) Rousseauismus (Alter Rousseau und Anhänger). (Vgl. 16-18) -390/350) Sokratiker (Xenophon) |
| 1760/80) Rousseau-pietist. bew. Sturm & Drang. (Vgl. 16-18) -390/350) Kyniker (Antisthenes, Diogenes) |
| (Herder,
jungerGoethe, junger Schiller). (Vgl. 16-18)
-390/350) Kyrenäiker
(Hedon.: Aristippos) Sensualismus (Condillac) und Früh-Positivismus (Hume, d' Alembert) |
| -387)
GallierKatastrophe: Kelten unter Brennus, zerstören Rom |
| 1761) Musik:
Joseph Haydn wird Kapellmeister in Eisenstadt 1762) Philosophie: Contrat social (Gesellschaftsvertrag; Rousseau) Musik: Der 6jährige Wolfgang Amadeus Mozart spielt auf einer Konzertreise vor der Kaiserin Maria Theresia Archäologie, neuere Kunstwissenschaft und Wegbereitung des Klassizismus (Winckelmann)) 1763) Ende des 3. Schlesischen Krieges und des Britisch-Französischen Kolonialkrieges Friede zu Hubertusburg (Preußen gewinnt gegenüber Österreich und Sachsen) Friede zu Paris (England gewinnt gegenüber Frankreich und Spanien) 1764) Musik: Der 8jährige Wolfgang Amadeus Mozart schreibt seine 1. Symphonie Ende der Aufklärung bis Kritizismus (wolffscher bis kritischer Kant) |
|
1764/65) Spinnmaschine
(Hargreaves) / Wattsche Dampfmaschine (Watt) Beginn der Industriellen Revolution in England 1765) Bergakademie Freiberg - älteste Technische Universität der Welt 1765) Deutsche Siedler gründen in Rußland die Wolga-Kolonie 1766) Lothringen kommt durch Erbfall an Frankreich 1766) Entdeckung: Wasserstoff (Cavendish) 1767) Spanien weist alle Jesuiten wegen Hochverrats aus 1766) Entdeckung: Wasserstoff (Cavendish) |
| 1768) Frankreich kauft von Genua die Insel
Korsika: Napoleon wird dadurch als Franzose geboren (*15.08.1769) Physiokratische Volkswirtschaftslehre (Turgot und Quesnay) 1770) Philosophie: Immanuel Kant wird als Professor an die Universität Königsberg berufen James Cook nimmt für England Australien in Besitz Entdeckung: Sauerstoff (Carl Wilhelm Scheele) |
| -379)
Platon lehrt in seinem Phaidon die Unsterblichkeit der Seele und die Kugelgestalt der Erde |
|
1772) Entdeckung: Stickstoff (Rutherford) 1. Teilung Polens zwischen Preußen, Österreich und Rußland (2. Teilung Polens zwischen Preußen und Rußland, 1793, 3. Teilung Polens zwischen Preußen, Österreich und Rußland, 1795) Dichterbund (Hainbund) in Göttingen 1. ausgebaute Alpenstraße: die Brennerstraße 1772-1775) Auf seiner 2. Reise beweist J. Cook die Nichtexistenz der Terra australis und überquert 1773) Teaparty of Boston: Kolonisten in Nordamerika verlangen Vertretung im englischen Parlament 1773/1774) zweimal den südlichen Polarkreis: Entdeckung der Antarktis -377) 2. Attischer
Seebund (Kampfinstrument Athens gegen Sparta) 1775)
Nordamerikanischer Unabhängigkeitskrieg (bis 1783)Beginn der Weimarer Zeit für Goethe (frühe Weimarer Klassik) 1776)Unabhängikeitserklärung der 13 nordamerikanischen Kolonien Englands: Sie proklamieren die unveräußerlichen Menschenrechte Liberale Nationalökonomie (Adam Smith) 1778/80) Taucherglocke (zum Bau unter Wasser) / Verbrennungstheorie (Smeaton / Lavoisier) |
| 1780/92) Neuhumanismus (Lessing, Herder, Goethe, Schiller, W. Humboldt) |
| 1781/83) Entdeckung: Uranus (Herschel) / Eigenbewegung des Sonnensystems (Herschel) |
| 1781-1793) Kants kritische Entwicklung (kritische Philosophie) |
| Kritizismus (Transzendental-Idealismus, -Erkenntnistheorie: Kant) |
| 1782) Letzte Hexe Europas wird in Glarus (Schweiz) geköpft |
| 1783/85) Heißluftballon / Mechanischer Webstuhl (Mongolfier / Cartwright) |
| 1788) Nach Goethes Italien-Reise: Beginn der Weimarer Klassik |
| 1789) Beginn der französischen Revolution |
| 1790) Berührungselektrizität (Galvani) |
| 1790) Morphologie (Ganzheitliche Gestaltlehre, Struktur-Idealismus: Goethe) |
| 1792) Änesidemus, Skeptizismus-Verteidigung gegen Vernunftkritik-Anmaßung (G. E. Schulze) |
| 1793-1804) Kants nachkritische Phase (Bindeglied zwischen Kants Kritizismus und Deutschem Idealismus) |
| 1794) Ethik-Idealismus (Fichte) |
| 1795) Menschenbildungs-Idealismus (Schiller) |
| 1795/99) Individuell-ästhetischer Idealismus (Schlegel) |
| 1799) Ästhetisch-religiöser Idealismus (Kant) |
| 1799/1801) Absoluter Idealismus
(Identitätsphilosophie: Schelling) 1799) Alexander von Humboldt beginnt mit seinen weltweiten Expeditionen und Entdeckungen (bis 1859), bereichert u.a. die botanische Systematik um 5000 neue Arten zu den bisher 8000 bekannten Arten, begründet u.a. die Pflanzengeographie (Geobotanik); er ist also der wahre, der wissenschaftliche Entdecker Amerikas um 1800) 83% der Erde (60% ihrer Landfläche) sind bekannt (vgl. 10-12, 14-16, 22-24) |
| um 1800) Hochklassisches
Neuhochdeutsch (Höhepunkt der deutschen Sprache): Deutsch als Wissenschaftssprache der Welt, die Weltsprache der Wissenden. (Vgl. AHD, Früh-MHD, Klassik-MHD, Spät-MHD, Früh-NHD, Klassik-NHD, Spät-NHD) |
| 1800) Logischer Idealismus (Panlogismus: Hegel) -335) Peripatetiker (Aristoteles) |
| 1800) Nicht-euklidische Geometrie (Gauß) |
| um -315) Euklidische Geometrie (Euklid) |
| 1800) Papiermaschine (Robert) |
| 1800) 1. Dampflokomotive (Trewithick) |
| 1802) Erste erfolgreiche Keilschrift-Entzifferung: Georg Friedrich Grotefend |
| 1800/04/07) Drehbank / Netzstrickmaschine / Dampfschiff (Maudsley / Jayquard / Fulton) |
| 1804) Weltbevölkerung (**|**|**): 1 000 000 000 |
| 1806) Franz II. legt die Kaiserkrone nieder (06.08.): Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation |
| 1807) Reichsfreiherr Karl vom und zum Stein führt als Minister liberale Formen durch |
| 1807/11) Neue Nomenklatur und Symbole in der Chemie (Berzelius) |
| 1808) Vergleichende Sprachwissenschaft (Wegbereiter: Schlegel, Begr.: Bopp, Gebr. Grimm) |
| um 1810) Vitalismus (u.a. Louis Dumas) |
| 1812) Germanische Altertumswissenschaft, Germanische Sprachwissenschaft, Deutsche Philologie (Grimm) |
| ab 1812) Begründung
der Vergleichenden Sprachwissenschaft: Franz Bopp (Beweis für die Verwandtschaft indogermanischer Sprachen); Hauptwerk: Vergleichende Grammatik des Sanskrit, Zend, Griechischen, Lateinischen, Litthauischen, Gothischen und Deutschen (6 Bände, 1816 bzw. 1833-55). |
| 1812) Schnelldruckpresse (König, Bauer) |
| 1813) 16. Oktober: Völkerschlacht bei Leipzig (Niederlage Napoleons) |
| 1814) 31. März: Einzug der Verbündeten in Paris und Absetzung Napoleons |
| 1814) Spektroskop (Fraunhofer) |
| 1814) Fraunhofer-Linien, Absorptions- und Emissionslinien im Sonnenspektrum (Fraunhofer) |
| 1814/15) Wiener Kongreß (Beginn der Restauration), Deutscher Bund |
|
1815) Der dem schon so gut wie besiegten englischen Feldmarschall
Wellington zur Hilfe kommende Generalfeldmarschall Blücher besiegt Napoleon am 18. Juni bei Waterloo |
| 1815) Polarisation des Lichts / Wellentheorie des Lichts (Malus / Fresnell) |
| 1818) Atom-Gewichte (Berzelius) |
| 1819) Lebensphilosophie (Willensmetaphysik: Schopenhauer) um -315) Skeptiker (Pyrrhon) |
| Gesellschaft
für Ältere Deutsche Geschichtskunde (Karl v. u. z. Stein) Deutsche Grammatik (Ablautgesetze: Deutsch, Germanisch, Indogermanisch): J. Grimm |
| 1822) Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen: Jean-François Champollion |
| 1824) Realismus-Philosophie (Psychologie: Herbart) |
| 1827) Ohmsches Gesetz (Ohm) |
| 1827) Schiffsschraube (Ressel) |
| 1828) Organische Chemie (Organische Substanzen auch ohne Lebenskraft: Wöhler, Liebig) |
| 1828) Positivismus (Atheismus: Feuerbach; Comte, St. Mill). Vgl. auch (16-18) |
| 1829) Expedition ins asiatische Rußland (A. von Humboldt). Eines der wichtigsten Resultate: |
| Globales Netz magnetischer Beobachtungsstationen (Zusammenarbeit: A. von Humboldt und Gauß) |
| 1830) Darstellung des gesamten Wissens über die Erde (A. von Humboldt) |
| 1830) Erste (brauchbare) Nähmaschine (Madersperger) |
| 1831/33) Elektrisches Induktionsgesetz, Elektrolyse (Faraday) |
| 1833) Elektromagnetischer Telegraf (Gauß und Weber) |
| 1833) Periodische Eifurchung (Bischoff) |
| 1834) Elektromotor (Jacobi) |
| 1836) Amerikanischer Transzendentalismus als Neu-Idealismus (Emerson) |
| 1837) Telegraph (Morse) |
| 1838) Photographie (mit lichtempfindlichen Silbersalzen; Daguerre) |
| 1838) Hallische Jahrbücher von Ruge und Echtermeyer (Hegelianer) |
| 1839) Energetik (Energetismus),
Gesetz von der Erhaltung der Energie: 1. Hauptsatz der Wärmelehre (Thermodynamik) / (J. Robert Mayer / Helmholtz) |
| 1839-1841) A. von Humboldt und Gauß fördern Erforschung der Antarktis (d'Ueville, Wilkes, Ross) |
| 1840) Mineraldünger (Liebig) |
| 1841/42) Samenfäden / Periodische Eireifung (Kölliker / Bischoff) |
| 1842) Doppler-Effekt, Veränderung von Frequenz und Länge einer Lichtwelle oder Schallwelle (Doppler) |
| 1843) Absoluter Existenz-Subjektivismus (Kierkegaard) |
| 1845) Radikal-Individualismus bzw. Anarchismus (Stirner) |
| 1845) Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung (1. Ausgabe) von A. von Humboldt |
| 1845/46) Anarchismus (Proudhon) |
| 1846) Entdeckung des Neptun (Galle) |
| 1846/48) Äther-Narkose / Blinddarm-Operation (Morton / Haucook) |
| 1847) Algebraische Logik (Boole) |
| 1847) Guttapercha-Isolierung für Kabel (Werner Siemens) |
| 1847/54) Geschichte der deutschen Sprache / Germanisch-deutsches Wörterbuch (Gebr. Grimm) |
| 1848) Kommunismus/Marxismus (Marx, Engels) |
| 1850) 2. Hauptsatz der Wärmelehre (Thermodynamik), Entropie (Rudolf Clausius) |
| 1851/54) Soziologie (Comte) um -300) Stoiker (Zenon der Stoiker) |
| 1852) Zellteilung (Remak) |
| 1853/55) Rassen-Ideologie (Gobineau) |
| 1854) 1. elektrische Glühlampe - mit Batterie-Stromzufuhr (Heinrich Goebel) |
| 1854) Vierdimensionales Kontinuum von Raum und Zeit (Riemann) |
| 1855) Bunsenbrenner (Robert Wilhelm Bunsen) |
| 1855) Sinnespsychologie (Helmholtz) |
| 1855) Materialismus (Materialismus-Bibel Kraft und Stoff: Büchner). Vgl. auch (16-18) |
| 1855/64) Vereinigung Mechanik-Theorie mit Idealismus (Lotze) |
| 1856) Erdöl-Bohrungen in der Lüneburger Heide: Beginn der sytematische Erschließung von Erdöl |
| 1856) Regenerativ-Flammofen (Friedrich Siemens) |
| 1857) 4. Januar (Schwarzer Sonntag): Beginn der 1. Weltwirtschaftskrise |
| 1857) Erstes Tiefseekabel (Werner Siemens) |
| 1859) Historischer Materialismus (Marx) |
| 1859) Spektral-Analyse (Kirchhoff / Bunsen) / Kirchhoff'sches Gesetz, - Strahlungsgesetz (Kirchhoff) |
| 1859) Darwinismus (Entstehung der Arten: Darwin) |
| 1860) Vereinigung Mechanik-Theorie mit Idealismus (Lotze) |
| 1860) Psychophysik (Fechner) um -300) Epikuräer (Epikur) |
| 1860) Kindbettfieber (Semmelweis) |
| 1861) 1. Telefon bzw. Fernsprecher (Reis) -287) Gründung der Bibliothek in Alexandria |
| 1861-64) Vollendete Theorie des Elektromagnetismus (Maxwell und Boltzmann) |
| 1861-96) Evolutionismus (Spencer) -287) Neu-Peripatos (Jüngere Aristoteliker: Straton) |
| 1862) Viertakt-Motor, auch Ottomotor genannt (N. Otto) / Tuberkelbazillus (Robert Koch) |
| 1863) Ferdinand Lassalle gründet in Leipzig den ADAV (1869: SDAP, 1875: SAP, 1890: SPD) |
| 1864) 1. Internationale (internationale Arbeiterassozisation) aus 13 europäischen Ländern und USA |
|
1864 bis 1873) Moderne Zukunftsromane. Beginn der Science-fiction
(Reise zum Mittelpunkt der Erde, Von der Erde zum Mond, Reise zum Mond, In 80 Tagen um die Welt: Jules Verne) |
| 1865) Vererbungslehre (Mendelsche Gesetze: Mendel) / Milieutheorie (Taine) |
| 1865/66) Keimplasmatheorie (Erbsubstanz in Form von Determinanten im Keimplasma; Weismann) |
| 1866/67) Torpedo (Whitehead) / Dynamit, Eisenbeton (Nobel, Monier) |
| 1866) Dynamo-Maschine (Werner Siemens) |
| 1868) Schliemannsche Archäologie-Methode: Troja wird entdeckt (Heinrich Schliemann) |
| 1869) Periodensystem der Elemente (J. L. Meyer, D. Mendelejew) / Lichtdruck (Albert) |
| 1869) DNS (DNA): Desoxyribonukleinsäure (Miescher, Hoppe-Seyler) |
| 1869) A. Bebel und W. Liebknecht günden in Eisenach die SDAP (1863-69: ADAV, 1875: SAP, 1890: SPD) |
| 1869-1870)
(08.12.1869-20.10.1870)
Konzil (20) von Rom (Vatikan I)
: Definition des Primats und der Unfehlbarkeit des Papstes |
| - (!) Vor 306 Jahren endete das letzte Ökumenische Konzil (!) - (Vgl. 12-14) |
| seit
-270 ) Neu-Akademie: 2. oder Mittlere Akademie (akademische Skepsis); Arkesilaos |
| 1870) Neu-Kantianismus (Mach, Riehl, Helmholtz; Marburger Schule: Cohen, Nartorp; Rickert, u.a.) |
| 1870/71) Deutsch-Französischer Krieg (Frankreich kapituliert im Januar 1871): 2. Deutsches Reich |
| 1871) Versailler (Vor-) Friede (26.02.) und Frankfurter Friede (10.05.) |
|
|
Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) - 10 Entwicklungsstufen - |
| 1)
Frankfurter Zeit |
2) Leipziger Zeit |
3) Frankfurter Zeit |
4) Straßburger Zeit Jura-Studium
|
5) Frankfurter Zeit Advokat |
|
6) Wetzlarer Zeit Praktikant
am Reichskammergericht |
7) Weimarer Zeit Erzieher
und Minister |
8) Italien-Reise Umorientierung
der früheren Elementen zum Klassischen |
9) Weimar-Klassik Leiter des Hoftheaters Weimar. Beziehungen zur Universität Jena Freundschaft mit Schiller: Hochklassik und Morphologie bzw. Metamorphose |
10) Romantik Nach
dem Tod Herders, Schillers und Wielands |
|
Friedrich Schlegel (1772-1829) - Schicksal der Romantik - |
| 1788-1798 |
1798-1808 |
1808-1818 |
1818-1828 |
Die abendländische Romantik kann als Versuch einer Nationalisierung
des humanistisch-idealistischen Universalismus und als eine Verknüpfung
des schon erwähnten Neuplatonismus mit dem Germanischen bezeichnet werden,
in der eine idealistisch-pantheistische Denkweise vorherrschend ist. Sie
war eine Deutsche Bewegung. Die Vertreter ihrer Entwicklungsstufen - aus
Sturm und Drang, Klassik und Romantik - kennt wohl jeder. Eine Romantisierung
des von der humanistischen Generation geschaffenen Werkes (10-12
und 12-14)
sowie die Erfahrung des Ich und der Tiefen der menschlichen Seele ist
ihr Wesenszug. In Goethe und Schelling trat der stoffgläubig-mechanistischen
Naturwissenschaft des Westens eine schöpferische Naturlehre gegenüber.
Auf diesen Wesensgegensätzen beruht auch die starrdogmatische Ablehnung der
Newton'schen Farbenlehre durch Goethe. Im Mittelpunkt der Naturauffassung Goethes
stehen die Begriffe Urphänomen,
Typus, Metamorphose
und Polarität. Nüchtern und realistisch dachte Goethe über die
Möglichkeit gegenständlicher Erkenntnis: Man suche nur nichts
hinter den Phänomenen; sie selbst sind die Lehre. Zusammengefaßt
ist dies das erste erwachsene, frühherbstliche oder frühabendliche
Projekt zum Selbstverständnis und zur Feststellung der eigenen (Kultur-)
Geschichte. Nicht umsonst hat die historische Methodik durch Leopold von
(1795-1866) und hat die sprachwissenschaftliche Methodik
durch Franz
Bopp (1791-1867) und die Märchen sammelnden Gebrüder Grimm
(1785-1863 und 1786-1859) gerade in dieser Zeit ganz entscheidende Impulse erhalten.
Und während sich Physik, Chemie, Biologie, Medizin, Verkehrstechnik, Nachrichtentechnik,
Drucktechnik, Kriegstechnik und die Photographie rasant weiter entwickelten und
das Licht angeknipst wurde, ging den Menschen jenes Licht noch nicht auf, welches
die mit Geld und Geist gerüstete Technik benutzt, wenn sie Massenmeinungen
unter Kontrolle bringen will. Und sie wollte schon damals.Analog dazu kann man
für die Antike die Errungenschaften nennen, die seit der Gründung der
Bibliothek in Alexandria (287 v. Chr.) zu deren
Geistesblitze führten. Der Geist denkt und Gott lenkt, hatte
es früher geheißen. Jetzt hieß es: der Geist denkt und das
Geld lenkt. Die Menschen mußten jetzt immer mehr das denken, was die
freie Meinungsäußerung ihnen vorgab. Sie ahnten, aber wußten
noch nicht so recht, wer der Lenker sein sollte. Die klassisch-romantische
Eisenbahn fuhr noch eingleisig.
Die Schule des Skeptizismus, der sachlich auch viele Akademiker angehörten,
vertrat in praktischer Hinsicht eine relativistische Ethik,
die auch Pyrrhonismus genannt wird. Pyrrhon war der Ansicht, daß
nichts in Wirklichkeit schön oder häßlich, gerecht oder ungerecht
sei, denn an sich sei alles gleichgültig (ununterschieden), weil es ebensosehr
und ebensowenig das eine wie das andere sei. Alles Nichtgleichgültige, Unterschiedliche
nämlich sei willkürliche menschliche Satzung und Sitte. Die Dinge seien
unserer Erkenntnis unzugänglich, darum gezieme dem Weisen Urteilsenthaltung
(epoch). Als praktisch-sittliches
Ideal des Weisen aber folge daraus die Unerschütterlichkeit (ataraxia).
Der Skeptizismus erhebt den Zweifel zum Prinzip des Denkens, besonders den Zweifel
an einer sicheren Wahrheit. Der gemäßigte Skeptizismus beschränkt
sich auf die Erkenntnis der Tatsachen, während er sich gegenüber allen
Hypothesen und Theorien Zurückhaltung auferlegt. Dieser antike Skeptizismus
enstand als Rückschlag auf den metaphysischen Dogmatismus der vorhergehenden
philosophischen Schulen. Man sieht also leicht ein, daß der Skeptizismus,
wie die anderen neuen Schulen, als Reaktion auf die beiden großen von Platon
und Aristoteles, einen Mittelweg darstellte, der als Ausweg gedacht
war. Demzufolge müßte es im Abendland auch eine oder mehrere Alternativen
zu Transzendental-Idealimus und Romantik-Idealismus gegeben haben,
die sich als überlebensfähig herausstellen sollten. Tatsächlich
wurde die von Arthur Schopenhauer
begründete Lebensphilosophie und seine Willensmetaphysik nicht nur
zur Modephilosophie des 19. Jahrhunderts, sondern auch ein Wegbereiter
für Nachfolgerund Nachahmer. (20-22
und 22-24).
Solch einer war wohl tendenziell bereits Kierkegaard
mit seinem Existenz-Subjektivismus. Noch später sollten Nietzsche
und Spengler,
die Existenzphilosophen Heidegger,
Jaspers und Sartre, tendenziell auch Sloterdijk,
um nur einige Beispiele zu nennen, dieser ersten abendländischen Lebensphilosophie,
dem Skeptizismus treu bleiben. Schopenhauers Gesellschaft
sollte also eine Schule von langer Dauer sein, wird es wohl auch in Zukunft bleiben,
denn ebenso verlief in der Antike die Weiterentwicklung des Pyrrhonismus
(Pyrrhons
Skeptizismus). Doch auch die Schulen der Stoa und der Epikuräer
hielten sich lange, was man aus Sicht der Zukunft für die abendländischen
Soziologie- und Psychologie-Schulen sicherkich auch annehmen darf.
Auch nicht zu vergessen sind die Schulen aus längst vergangenen Phasen, die
reanimiert worden sind. Die klassische (attische) Philosophie jedenfalls,
die schon durch Sokrates
berühmt, aber durch Platon
und Aristoteles
berühmter denn je wurde, wirkte erfolgreich, wie ihre abendländische
Entsprechung, auf ihre Anhänger, auf ihre Skeptiker und auf ihre Gegner.
Seit Ende des 18. Jahrhunderts, spätestens aber seit Beginn des 19. Jahrhunderts
ist Dekadenz bei den Kulturhistorikern ein geschichtlicher
Perspektivbegriff, der zur Bezeichnung eines Gesamtprozesses des sozialen
oder kulturellen Niedergangs einer Kultur dient. ... Im Unterschied
zur optimistischen Fortschrittsgeschichtsschreibung wird die Dekadenzhistorie
z.T. als die pessimistische Schule der Historiographie bezeichnet.
Wo es für die einen immerzu vorwärts und gleichzeitig aufwärts
geht, geht es für die anderen abwärts, allerdings nicht
unbedingt rückwärts, im Gegenteil: der Niedergang
wird als Abfall von einem Zustand höherer Kultur interpretiert, der meist
in die Vergangenheit verlegt wird. Die meisten Dekadenzhistoriker treffen sich
mit den Fortschrittshistorikern in der Vorstellung eines gesetzmäßigen
und irreversiblen Ablaufs der Geschichte, den sie freilich unterschiedlich bewerten.
Es ist trotzdem zweifelhaft, ob man den Begriff der Dekadenz generell als Gegenbegriff
zu Fortschritt bezeichnen kann. Im Unterschied zum Fortschrittsparadigma
wird nämlich im Dekadenzbegriff die Altersmetaphorik nicht denaturalisiert.
Auch die Dekadenztheoretiker der Nachaufklärung knüpfen bewußt
an die lebensweltlichen Erfahrungen des Alterns und der Vergänglichkeit
alles Irdischen an. Die Folge ist, daß sie das Ende der Welt
oder einer Kultur, im Unterschied zu den klassischen Fortschrittshistorikern,
nicht in eine unendliche, offene Zukunft verschieben. Das Ende bleibt endllich.
Wie im Kosmos oder in der Natur dieselben Ereignisse nach einem festen
Gesetz stets in derselben Reihenfolge ablaufen, so auch in der Geschichte.
... Da die komparatistischen Dekadenzhistoriker die bessere
Zeit (Goldenes Zeitalter, Zeit der Götter,
Klassik u.s.w.) immer in der Vergangenheit suchen, gerät aus
ihrer Sicht eher der Fortschritt in den Verdacht der Dekadenz als
der Rückschritt. Bei den Zyklentheoretikern unter ihnen fällt
die fortschrittliche Entwicklung allerdings insofern mit einem Rückschritt
zusammen, als sie die einmal erreichte Bestform hinter sich läßt;
dieser Rückschritt kann jedoch auch als Fortschritt
verstanden werden, weil er im Zyklus der Wiederkehr die Voraussetzung für
einen neuen Anfang ist. (Robert Hepp, Der Aufstieg in die Dekadenz,
in: Armin Mohler, Wirklichkeit als Tabu, 1986, S. 229-230). So schreiten
also die Menschheit aus der Barbarei der Wilden durch die an sich
verschiedenen, aber miteinander vergleichbaren, weil analogen Phasen der Kultur
und Zivilisation vorwärts in die Barbarei der Reflexion, die
zugleich der Höhepunkt des Fortschritts und der Tiefpunkt seiner
Dekadenz ist. Hier wird die ewige Wiederkehr der Barbarei zur Garantie.
Die Vorstellung eines linearen Prozesses, der endlos in dieselbe Richtung läuft, ist selbst denjenigen Dekadenztheoretikern fremd, die die Geschichte als Entwicklung begreifen.. Irgendwann kommt immer ein Punkt, wo die Entwicklung abbricht oder eine Wende vollzieht. Wo die Dekadenz als progressive Paralyse verstanden wird, steht am Ende der Tod ... Niemand dat je im Ernst die Ansicht von einer unendlichen Steigerung der Dekadenz vertreten. Im Unterschied zu den Fortschrittsphilosophen der Aufklärung setzen ihre Gegner immer stillschweigend voraus, daß der Verfall seine Grenzen hat. Einmal ist Schluß. Was man bei den Dekadenztheoretikern der Vergangenheit vergeblich sucht, ist die Einsicht in die Partikularität und Relativität des Niedergangs. Es ist immer gleich die ganze Kultur, die ihrem Ende entgegentreibt. (Robert Hepp, Der Aufstieg in die Dekadenz, in: Armin Mohler, Wirklichkeit als Tabu, 1986, S. 230). In einigen Bereichen geht es während des Untergangs tatsächlich eher aufwärts, jedenfalls sehr blühend zu, weshalb dennoch (oder: gerade deswegen) die ganze Kultur untergehen kann. Deshalb gibt es für Kultur ja auch zwei Begriffe: Kultur und Zivilisation. Beide haben Aufs und Abs. Beide sind Teil einer Gemeinsamkeit (Gemeinschaft), die - oberbegrifflich - Kultur genannt wird. |
Was Alexander der Große und Napoleon auf politischer Seite personifiziert
symbolisieren, das sind das Parallelenaxiom von Euklid
und die nicht-euklidische Geometrie von Gauß
auf geistiger Seite, denn sie vertreten das jeweilige Ursymbol
auf zivilgeistiger Ebene. Sie repräsentieren das jeweilige erwachsene,
zivile Ursymbol am ehesten, weil sie es aus der rein kulturellen in die
Ebene der Zivilisation brachten und durch die Ehe mit einer anderen Kultur
transferierten. Sie haben die antike begrenzte Körperlichkeit bzw.
den abendländischen unbegrenzten Endlosraum der geistigen Nachwelt
erst verdeutlicht, Euklid auf typisch antik-populäre Weise, Gauß auf
typisch abendländisch-esoterische Weise, denn er veröffentlichte seine
nicht-euklidischen Erkenntnisse nicht; seine Ergebnisse waren offenbar
für ihn selbst bestimmt. Er hat dreißig Jahre lang seine Entdeckung
der nicht-euklidischen Geometrie verschwiegen, weil er das Geschrei der Böoter
fürchtete ( HERBST |
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Die metaphysische Ideenlehre gewann erneut Bedeutung durch den Deutschen Idealismus. Beispiele zur Idee (Definition): Eine Idee ist nichts anderes als ein Begriff von einer Vollkommenheit, die sich in der Erfahrung noch nicht findet, z.B. die Idee eines vollkommenen, nach Regeln der Gerechtigkeit regierten Staates. Erst muß unsere Idee nur richtig sein, dann ist sie bei allen Hindernissen, die ihrer Ausführung im Wege stehen, gar nicht unmöglich, so Kant. Er bezeichnete als die 3 Ideen der Metaphysik (transzendentale Ideen): Gott, Freiheit, Unsterblichkeit. Goethe fand das Ideelle im Geist des Wirklichen. Und Fichte meinte: Die Idee, wo sie zum Leben durchdringt, gibt eine unermeßliche Kraft und Stärke, und nur aus der Idee quillt Kraft. Für Hegel war die Idee das objektiv Wahre und zugleich das wahrhafte Sein. Sie ist das im dialektischen Prozeß sich entfaltende Denken, die Wirklichkeit ist die entwickelte Idee. Hegel definitierte die Idee als Einheit von Begriff und Realität, Subjektivem und Objektivem. Die absolute Idee ist das, was durch seine Selbstverwirklichung das Sein hervorbringt. Und Schelling löste in seiner Identitätsphilosophie die Gegensätze von Subjekt und Objekt, von Realem und Idealem, Natur und Geist im Absoluten auf, als Identität von Idealem und Realem. Nach Schelling ist dieses Absolute unmittelbar erfaßbar durch die intellektuelle Anschauung und in der Kunst. Auch die idealistische Geschichtsauffassung (vgl. z.B. Ranke) sucht die treibenden Kräfte des hsitorischen Geschehens in den Ideen. (Vgl. Tabelle [Idealismus]).Urphänomen ist nach Goethe das empirische Phänomen, das jeder Mensch in der Natur erkennen kann und das durch Versuche zum wissenschaftlichen Phänomen erhoben wird, indem man es unter anderen Umständen und Bedingungen und in einer mehr oder weniger glücklichen Folge darstellt, so daß zuletzt das reine Phänomen als Resultat aller Erfahrungen und Versuche dasteht. Es ist ideal als das letzte Erkennbare, real als erkannt, symbolisch identisch mit allen Fällen, weil es alle Fälle begreift. (Vgl. Urpflanze).Urpflanze ist ein Begriff aus der Naturbetrachtung Goethes für das Urbild (Idee, begriffliche Urgestalt), nach dem alle anderen Pflanzenarten durch Abwandlungen entstanden sein sollen. Goethe suchte die Urpflanze in der Natur als eine noch unbekannte Art, oder auch etwa in der Grundgestalt eines Blattes oder eines Stammes zu finden, während Schiller in einem Gespräch mit ihm darüber auf den platonischen Ideencharakter der Urpflanze hinwies. (Vgl. Urphänomen).Den
Urfaust vollendete Goethe
1772 bis 1775, das Fragment zum Faust
veröffentlichte er 1790, und die Arbeit am I. Teil des Faust schloß
er 1806 ab (in diesem Jahr heiratete er Christiane Vulpius). Den Sturm
und Drang-Entwurf des Urfaust erweiterte Goethe wesentlich.
Als Idealfigur des genialisch strebenden Menschen mußte den Stürmern
und Drängern die Figur erscheinen, die zudem durch ihre Überlieferung
der Suche nach volkstümlich-urwüchsigen Quellen der Kultur in der eigenen
Vergangenheit sich entgegenkam (vgl. Früh-Romantik):
Faust, der Held aus dem 1587 erschienenen Volksbuch.
Die Stürmer und Dränger spürten in der Faust-Geschichte
das Dämonisch-Titanische auf. Goethe erwarb den Stoff durch Spätformen
der Faust-Tradition: durch Jahrmarktsdrucke auf der Basis der letzten Volksbuch-Bearbeitung
durch den Anonymus Christlich Meynender und durch Puppenspiele, die
die Tradition der Wandertruppen nach den einschneidenden Theaterreformen weiterführten.
Erhalten ist Goethes Urfaust als Abschrift des Fräuleins von
Göchhausen. Die geistige Brücke zu Goethes Jugendwerk schlägt die
Zuneigung (Faust I: S. 9ff.), das Vorspiel (Faust I: S.
11ff.) bezeichnet den gesellschaftlichen Rahmen, in dem Goethe sein Drama wirken
lassen wollte, erst der Prolog (Faust I: S. 17ff.) bietet die Exposition
dse Werks: die Wette zwischen Mephisto und Gott um Faust. Der Osterspaziergang
(Faust I: S. 43ff.) markiert die Gespaltenheit Fausts, dem die naiv feiernde Bürgerwelt
fremd geworden ist, die (romantische) Walpurgisnacht (Faust I: S.
170ff.), in der Faust verjüngt wird, bietet die nicht zuletzt für den
II. Teil bedeutsame Helena-Vision, die sich für Faust aber zunächst
in der Begegnung mit Gretchen konkretisiert. In die Gretchen-Tragödie hat
Goethe die romantische Walpurgisnacht eingefügt, der im II. Teil
die (zahlreiche Gestalten der griechischen Mythologie einbeziehende) klassische
Walpurgisnacht gegenübergestellt wird. Der II. Teil, dessen Bearbeitung
Goethe ab 1825 intensivierte (Abschluß des Helena-Aktes 1826),
zeigt im 1. Akt einen von tiefer Erschütterung zu tätigem Leben aufsteigenden
Faust, der gleichwohl dem Drang nach absoluter Erkenntnis und Vereinigung von
Ideal und Wirklichkeit, Kunst und Leben verpflichtet geblieben ist (Beschwörung
der Urbilder,
aber auch Einsicht in die Unmöglichkeit, die Vollkommenheit der antiken Ideale
in der Gegenwart neu zu beleben). (Vgl auch: Idealismus;
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