Jedes
Wissen ist immer nur Stückwerk. Man darf dabei nur nicht vergessen, daß
diese Stücke verschieden groß sind.Die
Mathematiker sind eine Art Franzosen: Redet man zu ihnen, so übersetzen sie
es in ihre Sprache, und dann ist es alsbald etwas anderes.| Johann
Wolfgang von Goethe |
Das
exakt Wissenschaftliche ist das absolut Poetische.| Novalis
(Friedrich von Hardenberg) |
In
unsrer Wissenschaft, wo der Begriff Ursache und Wirkung reduziert ist auf das
Gleichungs-Verhältnis, mit dem Ehrgeiz, zu beweisen, daß auf jeder
Seite dasselbe Quantum von Kraft ist, fehlt die treibende Kraft: wir betrachten
nur Resultate, wir setzen sie als gleich in Hinsicht auf Inhalt an Kraft ....| Friedrich
W. Nietzsche, Der Wille zur Macht, S. 465 |
Hohe
Bildung kann man dadurch beweisen, daß man die kompliziertesten Dinge auf
einfache Art zu erläutern versteht.Jene,
die von der Unverträglichkeit von Wissenschaft und Religion sprechen, lassen
entweder die Wissenschaft etwas sagen, was sie nie gesagt hat, oder sie lassen
die Religion etwas sagen, was sie nie gelehrt hat.Wirklich
ist nur das, was meßbar ist.Wenn eine neue Erkenntnis sich
nicht durchsetzt, und das ist fast immer der Fall, dann muß man 40 Jahre
warten, bis die Gegner der Neuerung alle gestorben sind, und dann ist auf einmal
alles richtig.Die Findung der Wahrheit ist nur
noch durch den Sprung in das Reich der Metaphysik gesichert.Die
Evolution ist unbewiesen und unbeweisbar. Wir glauben daran, weil die einzige
Alternative dazu der Schöpfungsakt eines Gottes ist, und das ist undenkbar.Zu
den elementaren Gesetzen führt kein logischer Weg, sondern nur die auf Einfühlung
in die Erfahrung sich stützende Intuition.Es
scheint mir, daß der Versuch der Natur, auf dieser Erde ein denkendes Wesen
hervorzubringen, gescheitert ist.Die
Wissenschaft denkt nicht.Die Wissenschaft bewegt sich
nicht in der Dimension der Philosophie, sie ist aber, ohne daß sie es weiß,
auf diese Dimension angewiesen. Zum Beispiel: Die Physik bewegt sich im Bereich
von Raum, Zeit und Bewegung; was Bewegung, was Raum, was Zeit ist, kann die Wissenschaft
als Wissenschaft nicht entscheiden. Man kann nicht mit physikalischen Methoden
sagen, was die Physik ist. Das kann man nur philosophierend sagen.Es
ist auf der Welt nichts unmöglich, man muss nur die Mittel entdecken, mit
denen es sich durchführen läßt.Spezialisten
sind Leute, die immer mehr über immer weniger wissen, bis sie zuletzt alles
über nichts und nichts über alles wissen.Die
Wissenschaft ist weniger ein Mittel zur neutralen Aufhellung der Wirklichkeit
geworden, sondern stellt vielmehr ein Wettrüsten in Interpretationen dar.Wir
haben soviel Ungeklärtes auf dieser Welt, und damit dieses so bleibt, haben
wir die Wissenschaft.Wissenschaft
ist größtenteils Sprache, wenn auch in sehr elaborierter Form.
Der Kampf in der Wissenschaft ist folglich größtenteils ein Sprachkampf,
Sprachkrieg. Es geht in der Wissenschaft - wie auch in der Philosophie und
auch in allen Glaubenssystemen - also fast nur um Sprache (einschließlich
Denken u.s.w.) und die Macht über und durch sie und ihre Semantik als Mittel
zum Zweck: der Macht allgemein. Zum System der Sprache gehört auch ein (Sub-)System
des Glaubens (Für-wahr-Haltens). Die wissenschaftlichen als die sprachlichen
Herrscher können wegen ihres Sieges über ihre Vorgänger des alten
Glaubenssystems ein neues Glaubenssystem erzeugen, denn sie »wissen«,
daß Glaubenssysteme das wohl effizienteste Mittel gegen den stets drohenden
Machtverlust sind. Und: Je größer die Population wird, desto effizienter
müssen solche Mittel werden.Das Hauptproblem
der Wissenschaft: ihr fehlen mindestens 6 Bindeglieder.Der Wissenschaftstheorie fehlen
zur Fruchtbarkeit nicht Fragen, sondern adäquate Antworten.Eine Wissenschaft, wie sie das Abendland
kennt, spielte in der Antike noch kaum eine Rolle. Eine Philosophie, wie sie die
Antike kannte, spielt im Abendland kaum noch eine Rolle.Mit der Ausdehnung der neuen Wissenschaften
wurde eine immer weitergehende Gliederung in Spezial-Wissenschaften nötig,
wodurch vielfach der Blick für das Ganze der Wirklichkeit und den eigentlichen
Zweck der Wissenschaft als Weltwissenschaft verloren ging. Der Rationalismus
wurde damals zur allein herrschenden Form auch für Bildung und Erziehung.
Die dadurch erzeugte Übersteigerung der intellektualistischen Bildung wirkte
wieder auf die Wissenschaft zurück und bewirkte, daß der Wissenschaftler
mehr und mehr zum Spezialisten und die wissenschaftlichen Hochschulen mehr und
mehr zu Ausbildungsstätten für Spezialisten wurden.Die Suche nach der Weltformel
ist typisch faustisch (abendländisch) ....Nur abendländische
Menschen konnten mit ihrem »faustischen« Wissens- und Forschungswillen
auf die Idee kommen zu behaupten, daß der »Unendliche Raum«
das biete, mit dem ein »Faust« alles erklären können müsse:
Der Unendlichkeitsraum begann unendlich klein und wird unendlich groß und
unendlich alt werden. Das »anthropische Prinzip« bestätigt diesen
Glauben und verleiht ihm noch mehr Subjektivität: Es muß mindestens
einen Beobachter (Menschen) geben, um mit den Mitteln der Wissenschaft zu beweisen,
daß es einen Beobachter (Menschen) überhaupt geben kann.Gott ist während
der abendländischen Geschichte mehr und mehr dem Subjekt namens Faust gewichen.
Für Menschen der magischen Kultur mit ihrem strengen Monotheismus ist so
etwas Gotteslästerung. Für sie zählt nur der eine Gott, und es
ist ihnen egal, ob der wissenschaftlich erforschbar und erklärbar ist oder
nicht. Für Morgenländer ist nämlich das, was die Abendländer
den Unendlichen Raum nennen, Gottes Gesetz und nicht ein Naturgesetz,
hinter dem ja doch nur wieder das Gesetz eines Menschen steht oder eine wie auch
immer von ihm naturwissenschaftlich konstruierte Selbstorganisation. Aber alle
Menschen scheinen einverstanden zu sein mit der These, daß es so etwas wie
ein Baumeister (ob Natur, Gott, Selbst oder einfach nur ein Prinzip u.s.w.) gewesen
sein muß, der als Haupt-Techniker nicht nur alle Schrauben, sondern die
Technik überhaupt und alle anderen Techniken so eingestellt hat, daß
es das Universum, das Leben und uns Menschen überhaupt geben kann.Wenn es richtig ist, daß in
der unbelebten Welt die natürliche Tendenz herrscht, sich hin auf einen Zustand
immer größerer Unordnung (z.B. gleichmäßige Durchmischung
zweier Gase) zu bewegen, dann bedeutet doch aber Gleichgewicht Unordnung (Chaos)
und Ungleichgewicht Ordnung, oder?Wissenschaftler haben nach wie vor
die größten Probleme mit der seelischen Funktion! Interessant ist,
daß gerade auch die Psychologen diese Probleme noch größer gemacht
haben. Sie wissen immer noch nicht (sogar noch weniger als früher!), was
die Seele - die »Psyche« - überhaupt ist, wer oder was sie wie
bewegt, ja ob es sie überhaupt gibt, d.h. ob sie überhaupt »existiert«.
Die Wissenschaft hat bezüglich der Psyche weniger Fort- als Rückschritte
gemacht, ist also nicht weiter gekommen, nicht klüger, sondern dümmer
geworden, und bezüglich der Semiotik als der seelischen Funktion - also:
der Funktion der Seele (Psyche) - gilt dies eben sogar noch mehr. Umgekehrt hat
die Wissenschaft bezüglich der Physik bei weitem mehr Fort- als Rückschritte
gemacht, ist also sehr viel weiter gekommen, nicht dümmer, sondern sehr viel
klüger geworden.Vergessen wir nicht, daß auch
die Wissenschaft im Grunde lediglich ein »Für-wahr-Halten«, also
ein Glaube ist. |