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- Arbeit und Beschäftigung als heutiges Problem -

Beschäftigungs- und Arbeitsmarktprobleme zählen insbesondere heute zu den größten wirtschaftspolitischen Problemen. Besonders brisant ist die Problemlage in vielen außereuropäischen Ländern, wo die Diskrepanz zwischen der Zahl und Qualität der zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze und die Zahl der Arbeitsuchenden weiter wuchs. Arbeitslosigkeit ist in den fortgeschrittensten, aber mehr noch in den unterentwickelten Ländern zu einem der größten wirtschafts- und sozialpolitischen Probleme geworden. Für realistisch wird die Schätzung gehalten, das weltweit ungefähr 25% aller Erwerbsfähigen arbeitslos oder unterbeschäftigt sind. Hierbei bestehen große regionale Unterschiede. So schätzt die in Genf ansässige ILO (Internationale Arbeitsorganisation), daß von 2003 bis 2004 die Arbeitslosigkeit z.B. in Ostasien von 2,5% auf 3,3% zugenommen und im Nahen Osten und Nordafrika von 12,4% auf 11,7% abgenommen hat.

In den sogenannten Entwicklungsländern entsteht das Problem der Arbeitslosigkeit bekanntlich hauptsächlich durch das Bevölkerungswachstum (siehe Demographie) und die starke Abwanderung vom Land in die Städte. Die Landwirtschaft kann die wachsende Bevölkerung nicht mehr ausreichend ernähren („Push“-Faktor) bzw. die Städte locken mit ihrem höheren Lebensstandard und der Aussicht auf den sozialen Aufstieg („Pull“-Faktor). Die Zahl der neu entstehenden Arbeitsplätze im städtischen Industriesektor und Dienstleitungssektor (siehe: 3 Sektoren) ist jedoch längst nicht ausreichend, um die Masse der Zuwanderer vom Land zu beschäftigen, die in der Regel arbeitslos bleiben oder höchstens im „informellen Sektor“ (Schwarzarbeit, Schattenwirtschaft, Parrallelwirtschaft) eine Beschäftigung finden. Mehr als 50% Arbeitslosigkeit unter der Stadtbevölkerung von ärmeren Entwicklungsländern sind keine Seltenheit. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit ist hier enorm hoch. Sie wird für die meisten afrikanischen und asiatischen Entwicklungsländer auf insgesamt über 25% geschätzt.

In den sogenannten Industrieländern - es sind die Länder, die die Industrialisierung entweder schon in deren Frühphase (Beispiele: England, Deutschland, Frankreich, USA) oder erst in deren Hochphase (Beispiele: Japan, Italien, Rußland) begannen - geht heute das Problem der Arbeitslosigkeit vor allem auf die Kosten menschlicher Arbeit zurück. Weil die Lohn- und Lohnnebenkosten in letzter Zeit in beschleunigtem Maße angestiegen sind, wird in allen Wirtschaftszweigen in ebenso beschleunigtem Maße versucht, die Zahl der Arbeitskräfte zu reduzieren und Arbeitsvorgänge zu vermeiden oder zumindest zu automatisieren bzw. gar zu robotorisieren. (All das war übrigens schon mit angelegt in der ersten Maschine der „Industriellen Revolution“ - mit den Folgen, daß Arbeitermassen wie z.B. Sklaven und bald auch immer mehr nicht versklavte Arbeiter überflüssig werden konnten - und geht zurück auf den abendländischen Rationalismus.). Insbesondere in der Industrieproduktion wurde und wird Handarbeit durch Automaten und Roboter ersetzt, aber auch im Dienstleistungssektor (siehe: 3 Sektoren) wurde und wird kräftig Personal durch Automatisierung und sonstige Rationalisierungen abgebaut (z.B. Verkaufspersonal durch Selbstbedienung, Bankpersonal durch Geldautomaten und Online-Banking, Bahnpersonal durch Fahrkartenautomaten und schaffnerlose Züge u.s.w.). Vor allem die Arbeitsplätze für an- und ungelernte Arbeitskräfte, die wenig zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung beitragen, wurden stark reduziert, und bisher ist kein Ende dieses Trends erkennbar - im Gegenteil: mit zunehmender Globalisierung und damit verstärkter internationaler Wirtschaftsverflechtung spielen Unterschiede der Lohnkosten eine wachsende Bedeutung, da Unternehmen in den „Hochlohnländern“ direkt mit entsprechenden Konkurrenten in „Niedriglohnländern“ im Wettbewerb stehen. Den Globalkapitalisten geht es nicht um Arbeitnehmer, sondern nur um kurzfristig erreichbare finanzielle Interessen, und sie fallen über die Unternehmen her wie die „Heuschrecken“. Vor allem viele Arbeitnehmer und aber auch nicht wenige Arbeitgeber sind in diesem Globalspiel die Verlierer. Das Wirtschaftsergebnis wird mit immer weniger Arbeitskräften erreicht bzw. - umgekehrt - das BIP pro Arbeitskraft steigt laufend. Viele Unternehmer werden vernichtet bzw. - umgekehrt - wenige Globalkapitalisten werden in immer mehr beschleunigtem Maße reicher. Einige dieser Milliardäre haben bereits so viel Reichtum angesammelt, daß sie mehrere Armeen „besitzen“ können.

Ein besonderer unter den abendländischen Werten
Der Arbeit kommt ein hoher Stellenwert zu, allerdings nur im Christentum und hier besonders im westlichen Christentum, also im Abendland (vgl. lat. ora et labora, „bete und arbeite“, als verbindliche Klosterregel seit Benedikt von Nursia (heute: Norcia). Im außerchristlichen Raum ist der Begriff Arbeit unbekannt; dort gilt die Arbeit, wenn nicht als Fluch, so doch als das, was das Leben zur Last macht und den Menschen hindert, sich um sich selbst zu kümmern. Obwohl z.B. China seit Ende des 20. Jahrhunderts ökonomisch kräftig zugelegt hat und seitdem stolze Wachstumsraten aufzuweisen hat, gilt für den gesamten chinesischen Kulturkreis eigentlich eine völlig andere Einstellung zur Arbeit als bei uns im Abendland: „Nach chinesischer Auffassung ist der am kultiviertesten, der auf die klügste und überlegenste Weise müßig zu gehen versteht. Man empfindet bei uns einen geradezu weltanschaulichen Widerspruch zwischen angestrengter Tätigkeit und Weisheit. Der Weise ist nie in Schaffenshast, und der Hastige ist niemals weise.“ (Lin Yutang, Weisheit des lächelnden Lebens, 1949). Kulturgeschichtlich ist der Begriff Arbeit, wie wir Abendländer ihn verstehen, bei uns im Abendland entstanden, auch so nur bei uns im Abendland gebräuchlich und im ausschließlich positiven Sinne auch nur bei uns im Abendland gültig. Eine positive Einstellung zur Arbeit wie die der dynamischen Abendländer ist außerhalb dieses faustischen Kulturkreises nirgendwo zu finden. Nichtabendländer kennen keinen Arbeitswert und demzufolge auch keine Arbeitswertlehre, es sei denn zum Zwecke der Negation. Daß wir Abendländer während unserer Kolonisation bzw. unseres Imperialismus den Nichtabendländern abendländische Werte und also auch z.B. den Arbeitswert beigebracht haben, ist wahr, wahr ist aber auch, daß dies zumeist erfolglos geschah. Dank der abendländischen Moderne sieht man aber, und zwar besonders in Ostasien, daß die verschiedenen Kulturen (
**) auch voneinander lernen können - obwohl solche Lernvorgänge häufig „nur“ Technik und Wirtschaft betreffen.

„Arbeit ist ein Vorgang, der durch den Protestantismus neu und positiv bewertet worden ist, ist aber eigentlich mehr eine Übung als eine Produktion. Denn ich übe, ich beweise, daß ich Gott in der Werkstatt so nahe sein kann wie im Kloster. Luther und Calvin haben ja die Entdeckung gemacht, daß das Kloster kein metaphysisches Privileg mehr hat - kein Heilsprivileg. Alle Punkte auf der Erde sind von dem Heil oder von der Gnade gleich weit entfernt. Und deswgen gibt es keine Klosterprivilegien mehr, und deswegen ist die Arbeit genauso heilig wie das spirituelle Leben. Und wir haben die eigentliche Arbeit erst erfunden - das hat Karl Marx, glaube ich, richtig gesehen -, als diese sogenannte »Frabrikarbeit« dazukam; als die Arbeit überhaupt ..., also die eigenschaftslose Arbeit entstanden ist, in der der Mensch nicht sich selbst erzeugt, selbst sich um sein Heil kümmert, sondern wirklich nur seine Arbeitskraft auf Zeit verkauft, um von dem abstrakten Ertrag dieser Tätigkeit sein Leben zu bestreiten.“ (Peter Sloterdijk, in der TV-Sendung: Philosophisches zur Krise, 12.10.2008 **).

Arbeit ist ein typisch abendländisches Thema. Den anderen Kulturen war bzw. ist die Arbeit ein Laster - daran ändert die Tatsache zumindest nicht viel, daß heute z.B. in China/Ostasien eine der abendländischen ähnelnde Einstellung zu diesem Thema vorherrscht. Wie dem auch sei - man kann sehr unterschiedliche Einstellungen zur Arbeit haben.

Aber ausgerechnet bezüglich der sogenannten „Wertschöpfung“ ist Arbeit auch häufig falsch aufgefaßt worden, wie Peter Sloterdijk zu berichten weiß:

„Insbesondere haben David Ricardo und Karl Marx die folgenschwerste Verwirrung gestiftet, als sie dozierten, die »Wertschöpfung« gehe letztlich ausschließlich auf den Faktor »Arbeit« zurück. Es gibt vermutlich keine zweiten Fall in der Geschicht der Ideen, in dem ein theoretischer Irrtum so große praktische Folgen nach sich zog. Auf ihm basiert ein bis heute virulentes System der Leistungsträgerverleumdung, das sich über zweihundert Jahre von den Frühsozialisten bis zu den Postkommunisten erstreckt. Der Zeitpunkt scheint gekommen, den Pflock endlich tief genug in den Boden einzuschlagen, damit nie wieder hinter die entscheidende Erkenntnis zurückgegangen wird: daß in der modernen objektiv sozialdemokratisierten Staats- und Gesellschaftswirklichkeit die Leistungsträger im genannten Sinn summ summarum zu einer gebenden Größe geworden sind. Sie können auf der Geberseite mit eindrucksvollen Summen in Erscheinung treten, weil sie und solange sie als Erwirtschafter von Einkommen nicht unbelohnt bleiben. Gewiß, es gab und gibt hierbei Exzesse, die nach Korrektur verlangen, im 21. Jahrhundert nicht anders als im 19. Wer aber reflexhaft »Kapitalismus« ruft, beweist nur, daß er nichts begriffen hat. Wir brauchen statt ökonomischer Halbgedanken ein neue und zu Ende durchdachtes Modell vom Nexus zwischen Eigentum, Zins und Geld. Im Klartext: Es ist Zeit, Gunnar Heinsohn zu lesen (** **).“ (Peter Sloterdijk, Aufbruch der Leistungsträger, in: Cicero, November 2009, S. 106-107).

- Nehmen, Teilen, Weiden -

Wie Carl Schmitt übersetzen auch wir das altgriechische Wort „Nomos“ dreifach: „Nehmen“, „Teilen“ und „Weiden“. (Vgl. Carl Schmitt, Nehmen, Teilen, Weiden, in: Verfassungsrechtliche Aufsätze aus den Jahren 1924-1954, 1958 **). „Dieser Übersetzungsvorschlag sieht zunächst nach reiner Philologie aus, gewinnt aber rasch eine ungeheure Brisanz. Die einfache Pointe liegt darin, daß man nur teilen kann, was man vorher genommen hat. Das wird vergessen, wenn rechts- und staatsphilosophisch von der ursprünglichen Teilung die Rede ist, in der die Gerechtigkeit sich zeigt, indem jeder das Seine erhält und so das Recht an Eigentum knüpft. Weiden schließlich meint Wirtschaften, also Produktion und Konsum. »Das Teilen bleibt stärker im Gedächtnis als das Nehmen.« (Carl Schmitt, ebd., S. 101). Doch wenn man radikal denkt, also die Sache an der Wurzel packt, stößt man immer wieder auf den Vorrang des Nehmens: Landnahme, Eroberung, Kolonisierung, Imperialismus, Migration. Die drei Bedeutungen des Wortes Nomos treten sehr deutlich auseinander, wenn man die drei großen Antworten auf die »soziale Frage« miteinander vergleicht. Der Liberalismus löst die soziale Frage durch das Weiden, also durch die Steigerung von Produktion und Konsum. Der Sozialismus löst die soziale Frage durch das Teilen, nämlich durch radikale Umverteilung der Güter. Hier knüpft der moderne Staat an, dessen Funktion im wesentlichen darin besteht, das Bruttosozialprodukt umzuverteilen. Der Imperialismus löst die soziale Frage durch das Nehmen, also durch koloniale Expansion. Und Carl Schmintt sagt sehr schön: »Das Odium des Kolonialismus, das heute die europäischen Völker trifft, ist das Odium des Nehmens.« (Carl Schmitt, ebd., S. 111). Auch in der Geschichte des Sozialismus kann man mit Hilfe der dreifachen Bedeutung des Wortes Nomos eine interessante Differenzierung anbringen: Charles Fourier setzt utopisch auf das Weiden, Proudhon setzt moralisch auf das Teilen, und Karl Marx setzt geschichtsphilosophisch auf das Nehmen.“ (Norbert Bolz, Diskurs über die Ungleichheit, 2009, S. 174-175 **). Wer nur teilen will, wie z.B. die heutigen bundesrepublikanischen Parteien (laut ihrer Wahlpropaganda gilt das zwar nicht so sehr für die FDP und die CDU/CSU, doch in ihrer Praxis unterscheiden sie sich von den anderen Parteien fast gar nicht **), muß vorher nehmen. Wer nimmt, begeht ein Verbrechen - jedenfalls dann, wenn niemand zu wenig bzw. alle genug haben (dies hängt zwar von der jeweiligen Definition ab, aber: niemand kann ernsthaft bezweifeln, daß es z.B. allen Abendländern gut genug geht) -, und dabei ist es egal, ob danach geteilt wird (siehe: Umverteiler) oder nicht, also nur genommen wird (siehe: Landnehmer, Eroberer, Kolonisierer, Imperialisten, Migranten). Das Nehmen und das Teilen haben nur dann wirklich einen Sinn, wenn das Weiden keinen Gewinn, sondern nur Verlust erbringt.

Unsere Parteipolitiker nehmen den Reichen, was sie den sogenannten „Bedürftigen“ geben; sie betreiben also eine Umverteilungspolitik, die man aber dennoch noch nicht einmal als eine „Robin-Hood-Politik“ bezeichnen kann, weil die Bedürftigen im heutigen Abendland längst keine Armen mehr sind. Unsere Umverteiler nehmen den Mehr-Reichen viel, um dieses Viele den Weniger-Reichen zu geben. Beide, also sowohl die Mehr-Reichen als auch die Weniger-Reichen, sind reich - und zwar sowohl absolut, d.h. gemäß ihrer ökonomischen Leistungskraft (umgangssprachlich: sie haben genug), als auch relativ, d.h. im Vergleich zum rund achtzigprozentigen Rest der Welt (**). Bei uns gibt es also im Grunde nur Reiche, und deshalb brauchen wir auch keine rigorose Umverteilungspolitik. Doch die meisten unserer Parteipolitiker und Weniger-Reichen wollen das nicht wahrhaben bzw. tun so, als ob man das nicht dulden dürfe. Und das ist nur gut für den Totalitarismus, für den totalitären Staat, für unsere Parteipolitiker, für den Parteienstaat, für die Diktatur.

- Arbeiten bis zum Alter von 70 Jahren oder sogar mehr? -

Die Griechen gehen mit 45 Jahren in Rente, die Franzsoen mit 60, die Deutschen, die früher auch schon einmal ein Durschnittsrenteneintrittsalter von 50 bis 60 Jahren hatten, sollen jetzt gemäß dem Willen der meisten Politiker, Lobbyisten, Medioten und anderen Wahnsinnigen bis zum Alter von 70 Jahren arbeiten.

Auch Meinhard Miegel hat sich dahingehend im Mai 2011 geäußert. Der ist jetzt also auch schon wahnsinnig!

- Billige Arbeitskräfte! Wir brauchen sie nicht! Wir haben auch keinen „Fachkräftemangel“! -

In der am 8. Mai 2011 ausgestrahlten Fernsehsendung „Presseclub“ anläßlich des Todes von Osama bin Laden äußerten sich die Sprecher ganz nebenbei und so gut wie einheitlich darüber, daß Deutschland möglichst viele Flüchtlinge aus den islamischen Ländern, in denen der von den US-Geheimdiensten inszenierte „Bürgerkrieg“ tobt, aufnehmen sollte. Das verlogene „Argument“ dafür lautete: „Fachkräfte“, das seien fast alles „Fachkräfte“, und in Europa gäbe es doch einen - ach - so großen „Fachkräftemangel“. Alles Lüge!

Glaubt denen kein Wort!

Als zweites „Argument“ zum ersten „Argument“ führten sie die „demographische Lage“ an. Das ist eine Frechheit und natürlich auch eine Lüge! Ausgerechnet diejenigen, die hauptsächlich für die demographische Lage verantwortlich zeichnen - die Hauptschuldigen: Politiker und ihre lobbyistischen Komplizen -, ausgerechnet die wollen darüber entscheiden, was für die demographische Lage „am besten“ sei. Ich kann Ihnen schon jetzt sagen, was dabei herauskommen wird: eine noch miesere demographische Lage, von der sie dann behaupten werden, daß sie es nötig habe, noch mieser zu werden. Natürlich werden sie das wieder hochgradig rhetorisch verpacken. Beispiel: „Fachkräftemangel“. Alles Lüge!

Glaubt denen kein Wort!
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