Ich
nenne hier - aus reiner Konvention - die Haltung rechts, die darin besteht, die
Vielgestaltigkeit der Welt und folglich die relativen Ungleichheiten, die ihr
notwendiges Ergebnis sind, als ein Gut und die fortschreitende Vereinheitlichung
der Welt, die durch den Diskurs der egalitären Ideologie der seit zweitausend
Jahren gepredigt und verwirklicht wird, als ein Übel anzusehen.| Alain
de Benoist, Kulturrevolution von rechts, 1985, S. 14 |
Es
gibt zahlreiche Ungleichheiten, die ganz und gar ungerecht sind. .... Ich billige
keinerlei Kastenprivileg. Ich mache die Chancengleichheit zu einer Forderung jeder
Sozialpolitik. Ohnehin heißt eine antiegalitäre Lebensauffassung zu
vertreten nicht, die oft verabscheuungswürdigen Ungleichheiten verstärken
zu wollen ....| Alain
de Benoist, Kulturrevolution von rechts, 1985, S. 15 |
Ich
sehe rechts wie links Ideen, die dem entsprechen, was ich denke .... Die Wörter
sind schließlich nicht die Dinge selbst.| Alain
de Benoist, Kulturrevolution von rechts, 1985, S. 27 |
Im
einen Fall ist die Menschheit die Summe aller Individuen, in jedem besonderen
menschlichen Wesen gleichermaßen repräsentiert: man ist zunächst
'Mensch' und erst in zweiter Linie, wie zufällig, Angehöriger einer
bestimmten Kultur oder eines bestimmten Volkes. Im anderen Fall ist die Menschheit
nur die Gesamtheit der Kulturen und Volksgemeinschaften: das Individuum ist lediglich
bestimmt durch seine organische Zugehörigkeit zu ihr. .... Der Einzelmensch
besteht nach unserer Auffassung nur in Verbindung mit den Gemeinschaften, in die
er eingeschlossen ist (und bezüglich deren er sich als Einzelwesen abhebt).
Jede individuelle Tätigkeit stellt einen Akt der Teilnahme am Leben eines
Volkes dar. Dem Interesse des Einzelnen kommt, »an sich« keine Wertschätzung
zu.| Alain
de Benoist, Kulturrevolution von rechts, 1985, S. 133 |
Um
die abstrakten Rechte eines Menschen an sich wissen wir aber nichts - und können
auch nichts wissen. Der »universale« Mensch existiert nicht.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Was allerdings existiert, ist eine
zoologische Einheit des Menschengeschlechts; im strengen Sinne macht die Art Mensch
die »Menschheit« aus. Ein solcher Begriff hat aber eine rein biologische
Bedeutung. Nun glauben wir nicht, daß der Mensch sein Wesen aufgrund seiner
biologischen Merkmale bestimmen kann. Wir sind vielmehr der Ansicht, daß
das Spezifische am Menschen, d. h. was den Menschen-als-Menschen gründet
und ausmacht, aus der Kultur und der Geschichte hervorgeht.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Auf kultureller Ebene gibt es aber
kein Muster für die gesamte Menschheit. Historisch gesehen entfalten sich
die Kulturen immer in der Mehrzahl. In einem kulturellen rein menschlichen Sinne
von »Menschheit« zu sprechen heißt nichts anderes, als die Kultur
zur Natur zurückzuführen, als die Geschichte auf die Biologie zu reduzieren.
Es ist durchaus bemerkenswert, daß die Anhänger der Ideologie der Menschenrechte
gerade in diesen biologischen Reduktionismus verfallen, indem sie ein moralisches
Gebot aus einem Umstand folgern, der nur mit Zoologie zu tun hat.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Es gibt ebensowenig »ewige Ideen«
wie das »Gute« oder das »Wahre« an sich.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Wir ... möchten ... daran erinnern,
daß der Mensch ... keine andere Natur hat als die Kultur, kraft deren er
sich selbst aufbaut. Wird der Mensch allein, in abstracto, außerhalb
jeglicher Gelegenheit, sich in Form zu setzen, aufgefaßt, so ist er weder
gut noch böse. Nur der durch die historischen Institutionen und Verwirklichungen
in Form gesetzte Mensch existiert als Mensch.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Wie Max Weber es nachwies, ist das
»Naturrecht« grundsätzlich revolutionär, denn die gesellschaftliche
Ordnung wird immer in seinem Namen in Frage gestellt, und zwar dadurch, daß
eine vermeintliche Legitimität einer feststehenden Legalität entgegengehalten
wird.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Die Ideologie der Menschenrechte ist
nicht nur unfähig, die individuellen Freiheiten bei den anderen zum Erstarken
zu bringen; sie trägt auch dazu bei, daß die zivilen Freiheiten bei
uns verkümmern. Indem sie die Rechte des abstrakten Einzelnen über die
konkreten Zugehörigkeiten stellt, neigt die Ideologie der Menschenrechte
eben sowie der Liberalismus, im Namen einer fortwährenden Gegenwart die Vergangenheit
wegzuradieren und die Zukunft zurückzusetzen.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Als profane Übertragung der mosaischen
Gesetze und der noachidischen Gebote kann die Ideologie der Menschenrechte eigentlich
nur eine Reduzierung oder eine Homogenisierung bewirken (und wahrscheinlich auch
bezwecken). »Jene vereinheitlichende Funktion des Dekalogs gegenüber
dem Volk Moses«, schreibt Ghislaine R. Cassin ferner, »soll die Allgemeine
Erklärung diesmal gegenüber der gesamten Menschheit ausüben.«
Zu diesem Zweck gilt es, auf die Rechte des Menschen an sich hinzuweisen, und
zwar gegen die konkreten Rechte der konkreten Menschen innerhalb ihrer konkreten
Gemeinschaften. Der Mensch, den die Ideologie der Menschenrechte beschützt,
ist ein nicht-bodenständiger. Er hat kein Erbe und keine Zugehörigkeit
- oder er will beide zerstören. Dieser Mensch möchte gern, daß
die anderen ebenfalls ungebunden werden. Er würde gern zusehen, wie sie ihr
eigenes Erbe abtreten und zu Nachtwandlern werden. Dieses Schreckgespenst berührt
uns aber nicht.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Indem die Ideologie der Menschenrechte
Recht und Freiheit auf Universalien, auf eine »abstrakte Vollkommenheit«
gründet, untergräbt sie die Freiheiten und die konkreten Rechte der
Individuen und Gemeinschaften. Indem sie verschiedene Quellen des Rechts homogenisiert,
d.h. vermischt, schafft sie die (für moderne Gewaltherrschaften günstigen)
Voraussetzungen zu einer ständigen Aufhebung der besonderen, differenzierten
Rechte im Namen eines »Universal- und Naturrechts«.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Gibt es etwa auf der ganzen Erde nur
eine Einheitskultur, deren Modell überall durch ein nach westlichen Kriterien
zivilisiertes« Schulsystem gelehrt werden müßte? Besteht nicht
in manchen Kulturen auch eine traditionelle Schulung, die außerhalb der
Schule geschieht? Der Westen versucht, der ganzen Menschheit eine einheitliche
Form des Unterrichts und der Wissensübertragung, folglich auch eine einheitliche
Kultur und Weltanschauung aufzuzwingen. Was ist andererseits unter »Sklaverei«
zu verstehen? Nach Auffassung der Ideologie der Menschenrechte hört die Sklaverei
auf, sobald die Arbeit mit Geld entlohnt wird. Würde aber nicht die Einfuhr
einer billigen fremdländischen Arbeitskraft nach Europa - aus der Sicht eines
Irokesen zum Beispiel - als neue Form der Sklaverei erscheinen? Und überhaupt:
Hat die westliche Welt nicht etwa neue Formen der »Sklaverei« und
der kollektiven Unterdrückung geschaffen, und zwar durch den wirtschaftlichen
Imperialismus, die kulturelle Beherrschung und die »Diktatur der Medien«?| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Auf diese Weise erkennen wir die Gefahr,
welche die »universalen« Prinzipien in sich bergen. Sie schließen
nämlich in juristischen Bezeichnungen sowie in typisch okzidentalischen Vorstellungen
Begriffe ein, die von jeder Kultur unterschiedlich wahrgenommen werden. Mit der
gesamten christlichen, dann rationalistischen Philosophie ... münden sie
in dieselbe Illusion ein: sie geben vor, eine juristische und philosophische Sprache
für den ganzen Planeten freizulegen. Sie wollen einen einzigen Signifikanten
(Ausdrucksseite des sprachlichen Zeichens) für alle Signifikate (Inhaltsseite
des sprachlichen Zeichens) finden.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Indem sie das Schwinden der ethisch-kulturellen
Eigentümlichkeiten legitimiert, bekräftigt die Ideologie der Menschenrechte
die Erhöhung des Lebensniveaus - die jedem »gebührt« - als
allgemeingültiges Ideal und wesentliches »Erfolgs«-Kriterium
für die einzelnen Staatsformen. In diesem Sinne ist beispielsweise der 1966
geschlossene »Pakt über wirtschaftliche und soziale Rechte« zu
verstehen. Ein solches durchaus antihistorisches Ideal ist nichts anderes, wie
Jürgen Habermas es treuherzig formulierte, als eine Perspektive auf Ruhe
und Befriedigung im Leben. Es steht aber keineswegs fest, ob diese Aussicht dem
Wunsch aller Menschengruppen entspricht oder entsprechen muß. Das Glück
hat nämlich nicht nur mit Materiellem zu tun. Es besteht auch in dem zwangsläufig
besonderen Schicksal, das sich die Völker verleihen wollen.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
So unterschiedlichen Autoren wie Max
Weber, Arnold Gehlen, Helmut Schelsky oder Martin Heidegger zufolge beruht das
allgemeine System der liberalkapitalistischen Gesellschaft letzten Endes auf einer
Deutung der Wissenschaft und der Technik als Tätigkeiten, die dem Einzelnen
zweckrational zu seinem ökonomischen Glück verhelfen sollen. Es kommt
also darauf an, über eine Theorie zu verfügen, die eine Synthese der
beiden Schlüsselbegriffe Glück und Rationalität in höchstem
Maße bestätigt. Die Theorie ist die Ideologie der Menschenrechte.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Aus der Sicht ihrer Urheber weist
die Ideologie der Menschenrechte mehrere Vorteile auf. In erster Linie besitzt
sie ein moralisches Wesen, kraft dessen sie zumeist auch dort annehmbar ist, wo
ein rein technokratischer« Diskurs unter Umständen schlecht angenommen
werden würde. .... In dem Augenblick, da die moderne Zivilisation, die ja
auf allen Ebenen ihrer Sub-Systeme - mit Ausnahme der Erfahrungsebene - umstritten
ist, keine politische Ideologie zu deren Legitimation findet, vermag nur noch
die Lehre der Menschenrechte einen Konsens zu schaffen, und zwar in der (etwas
lockeren) Form des kleinsten gemeinsamen ideologischen Nenners.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Die 1776 in Philadelphia unterzeichnete
Unabhängigkeitserklärung von Amerika postuliert: »Folgende Wahrheiten
erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen
sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen
Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach
Glück gehören« daß zur Sicherung dieser Rechte Regierungen
unter den Menschen eingesetzt werden.« Es ist wahrlich schwierig, in so
wenig Sätzen soviel Unsinn auszusprechen. Daß »alle Menschen
gleich geschaffen sind«, stimmt nicht - und die Überlegung, ob es gut
ist, daß sie es werden, kann nur subjektiv sein: Nur der Mensch ist wirklich
Schöpfer, und er kann nicht von »Natur aus« mit irgendeinem Recht
oder irgendeiner Pflicht ausgestattet worden sein. Die Regierungen wurden nicht
nur eingesetzt, um die persönlichen Rechte zu sichern; sie setzten sich vielmehr
selbst ein, um verschiedenen Verpflichtungen nachzukommen, allen voran der Pflicht,
den Völkern ein Schicksal zu verleihen. Was die »selbstverständlichen
Wahrheiten« betrifft, sind sie ebenso wenig wirklich und »selbstverständlich«
wie die goldenen Berge oder die sechsfüßigen Einhörner. Aber die
ganze Ideologie der Menschenrechte » keimt« bereits in diesen Behauptungen.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Die Verwirklichung der weltbürgerlichen
Ideologie der Menschenrechte führt ... zu einer Einschränkung der politischen
Souveränität der nationalen Staaten. Mit Bezug auf Montesquieu befürwortete
Jean-Marie Benoist noch vor kurzem eine Art »Richterregierung« für
Europa. Nationale oberste Gerichtshöfe, die einem europäischen obersten
Gerichtshof unterstünden, müßten auf alle Hemmnisse aufmerksam
machen, mit denen die Regierungen den vollen Genuß der Menschenrechte erschweren
könnten. Solche auf dem zweideutigen Prinzip der »Gewaltenteilung«
gründenden Auffassungen könnten nur zur Einsetzung eines Obersten Weltgerichtshofes
führen - eines ungeheuren, gegen die nationalen Mächte und Regierungen
... gerichteteten Gleichschaltungsapparat ....| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Der Vorrang der individuellen Rechte
vor den nationalen Souveränitätsrechten ruft gegenwärtig eine gefährliche
Erscheinung hervor: die Ablösung der politisch exekutiven Kategorie durch
die juristische. Indem sie im Namen einer moralischen »Weltinstanz«
die Macht der nationalen Staaten einschränkt, zielt die Ideologie der Menschenrechte
darauf ab, das Politische um seine Vorrechte zu bringen und es einer höheren
juristischen Entscheidungsinstanz zu unterwerfen. Daß das Politische und
sein Wesen den zersetzenden Praktiken eines metaphysischen, abstrakten Rechtswesens
untergeordnet wird, führt zur Diktatur der Juristen über die Regierenden.
Diese Unterordnung schließt die Absetzung der Staatsräson in sich;
sie bekräftigt den Untergang des Politischen. Der eigentliche Begriff der
»menschlichen Person«, auf den die Ideologie der Menschenrechte so
großen Wert legt, ist ein juristischer: das Recht ist die »natürliche«
Quelle einer Theorie der Person, die das Individuum in erster Linie als Besitzer
von Rechten kennzeichnet. . | Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Die vom Recht gegründete Ordnung
ist ursprünglich immer eine gewollte und konventionelle; sie wird durch stillschweigende
oder ausdrückliche Übereinkunft eingesetzt.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Das Recht ist im eigentlichen Sinne
etwas Künstliches; und hierin ist es rein menschlich. Demnach kann von Rechtsgültigkeit
nur innerhalb einer bestimmten Gemeinschaft die Rede sein.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Außerdem bezweckt das Recht
nicht etwa die »Gerechtigkeit an sich«, sondern die konkrete Rechtlichkeit
in einer Reihe von bestimmten Fällen.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Die politische Macht darf nicht an
die Stelle des Rechts treten: es wäre die Willkür. Oder auch das Recht
darf nicht die politische Macht ersetzen: es wäre die Ohnmacht.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Das Recht, das einem Menschen nur
deshalb zugesprochen wird, »weil er ein Mensch ist«, ist nichtig;
wird dieses Recht nicht unerkannt, und schon kann keiner den Vorteil davon genießen.
Nur diejenigen Rechte, die von einer politischen Macht geschützt werden oder
die zu schützen sich eine politische Macht entschließt, können
effektiv anerkannt und verwirklicht werden.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Einige schwarzafrikanische Staaten
der nachkolonialen Zeit, die die »Allgemeine Erklärung« von 1948
unterzeichnet hatten, verzichteten gleichzeitig auf ihr herkömmliches Gewohnheitsrecht
- da sie es viel lieber hatten, nur noch an drei Seiten eines philosophischen
und moralisierenden Diskurses gebunden zu sein. Und wir sprechen hier lediglich
von den politischen Freiheiten des klassischen Typs: den sprachlichen, kulturellen
u.a. Freiheiten ist die Ideologie der Menschenrechte bekanntlich völlig gleichgültig,
wenn nicht feindlich gesinnt.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Daß die juristischen Begriffe
des angelsächsischen biblischen Demokratismus weltweit übernommen werden,
erweist sich nicht nur als völlig fruchtlos für die Besserung der Verhältnisse;
diese Entwicklung kennzeichnet ... auch einen eindeutigen Verfall des Rechts,
der übrigens auch mit dem Rückgang des Politischen zusammenhängt.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Da das Recht allmählich aufhört,
praxisbezogen zu sein, an Bräuche oder an überlieferte und vererbte
Rechtsprechungen gebunden zu sein, wird es moralisch und ideologisch. Zum Thema
wissenschaftlicher Abhandlungen umgewandelt, der Unaufgeklärtheit von Journalisten
und Meinungsmachern zur Speisung gegeben, erweist es sich als völlig unfähig,
seiner Aufgabe in aller Form gerecht zu werden.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Damit die Völker und die Sozialgruppen
sich von der wirtschaftlichen Herrschaft und der auf die liberalkapitalistische
Gesellschaftsform zurückgehende - soziokulturellen Entfremdung freimachen,
müssen sie eine antiindividualistische Ideologie und Strategie übernehmen,
wo die Widerstandsräume möglichst von einem Befreiungswillen beherrscht
sowie strukturiert werden, der nur souverän und politisch sein kann. Zu einer
entgegengesetzten Haltung drängt leider die Ideologie der Menschenrechte,
deren pseudo-befreiender Diskurs sich letzten Endes für das gesamte System
verbürgt, indem er dieses anscheinend nur punktuell, auf der oberflächlichen
unwesentlichen Ebene der formalen Semiologie anficht.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Die Ideologie der Menschenrechte bildet
nunmehr den Treffpunkt all derjenigen, die der Egalitarismus enttäuschte;
den Ort, wo sie zugleich ihre Irrfahrten gestehen, ihre Pleiten zugeben, ihre
Grundbestrebungen beibehalten und nach wie vor ein gutes Gewissen haben können.
Sie ist der ideologische Raum, in den alle gegenwärtigen Universalismen,
alle der monotheistischen Mentalität entsprungenen Systeme hineinfließen
werden. Sie ist die Religion des ausgehenden 20. Jahrhunderts.| Alain
de Benoist, Die Religion der Menschenrechte, in: Mut zur Identität,
1988 |
Die Vergangenheit muß vergehen,
nicht, um in Vergessenheit zu geraten, sondern, um ihren Platz in dem einzigen
Kontext zu finden, der ihr zukommt: in der Geschichte. Nur eine historisierte
Vergangenheit kann nämlich die Gegenwart angemessen »informieren«,
während eine ständig aktuell gehaltene Vergangenheit nur eine Quelle
von voreingenommenen Polemiken und von Mißverständnissen sein kann.| Alain
de Benoist, Totalitarismus, 2001, S. 21 |
Es
leuchtet ... nicht ein, weshalb es weniger schlimm oder zumindest weniger verwerflich
wäre, diejenigen umzubringen, denen man das Glück versprochen hat, als
diejenigen zu töten, denen man solches nicht verheißen hat. Es leuchtet
nicht ein, warum eine Ideologie weniger verwerflich wäre, nur weil sie die
verlogenste ist. Böses zu tun im Namen des Guten ist nicht besser, als Böses
zu tun im Namen des Bösen. Die Zerstörung der Freiheit im Namen der
Freiheit ist nicht besser als ihre Zerstörung im Namen der Notwendigkeit,
sie zu beseitigen. In mancher Hinsicht ist es sogar schlimmer.| Alain
de Benoist, Totalitarismus, 2001, S. 39 |
Ein
Laster ist noch weniger entschuldbar, wenn es von Tugendlehrern ausgeübt
wird, denn diese sind noch mehr als andere gehalten, ihre Grundsätze zu befolgen.
Man kann auch die Meinung vertreten, daß Verbrecher um so gefährlicher
sind, desto mehr sie sich als Wohltäter der Menschheit darstellen. »Der
Kommunismus ist perverser als der Nationalsozialismus«, schreibt zum Beispiel
Alain Besançon, »da er sich des Geistes der Gerechtigkeit und der
Güte bedient, um das Böse zu verbreiten«.| Alain
de Benoist, Totalitarismus, 2001, S. 39-40 |
Gerade,
weil der Kommunismus von vornherein im Namen der Menschheit kämpfen wollte,
erstreckte sich sein zerstörerisches Wesen auf die gesamte Menschheit. Seine
universalistischen Bestrebungen können ihm keineswegs als mildernde Umstände
dienen, sie sind es vielmehr, die sein universell mörderisches Wesen erklären.| Alain
de Benoist, Totalitarismus, 2001, S. 52 |
Wer
wie Jean-Jacques Becker behauptet, daß »der Nationalsozialismus oder
der Faschismus nie den gleichen Elan hervorgerufen hätten« wie der
Kommunismus, vergißt, daß 368000 ausländische Freiwillige in
der Waffen-SS waren gegenüber nur 35000 in den Internationalen Brigaden.| Alain
de Benoist, Totalitarismus, 2001, S. 56 |
Die
modernen Ideologien sind profane Religionen. Sie stützen sich auf verweltlichte
theologische Begriffe. Diese Feststellung gilt ganz besonders für die totalitären
Systeme, ... die modernen Totalitarismen als »politische Religionen«
oder »weltliche Religionen«, das heißt, als »Lehren, die
in den Seelen unserer Zeitgenossen die Stelle des Glaubens einnehmen und das Heil
der Menschheit hier auf Erden sehen, in einer fernen Zukunft, in Form einer noch
zu schaffenden Sozialordnung«.| Alain
de Benoist, Totalitarismus, 2001, S. 111 |
Die
totalitären Regime sind Regime, die durch eine radikale Beschleunigung der
Geschichte der historischen Existenz ein Ende setzen wollen.| Alain
de Benoist, Totalitarismus, 2001, S. 118 |
Die
totalitären Systeme können in diesem Sinne nie »rechts«
sein, da jede Politik von »rechts« vor allem durch Vorsicht gekennzeichnet
ist: Sie setzt die Verfolgung von Zielen voraus, die nur begrenzt sein können.
Sie kann sich wohl auf eine Ideologie oder eine Lehre stützen, die Ergebnisse
werden aber nie als von vornherein erzielt angesehen. Sie berücksichtigt
die menschliche Natur, und dies verbietet zu denken, alles sei möglich. Bei
ihr wird die Zukunft niemals so angesehen, als bedingte sie einen absoluten Bruch
mit der Vergangenheit. Die Achtung vor der menschlichen Verschiedenartigkeit bildet
dort - zusammen mit dem, was sie unter »Relativität«, unter Bezogenheit
auf den jeweiligen Kontext versteht - eine allgemeine Regel. Dagegen definieren
sich die totalitären Systeme von vornherein im Absoluten. Sie lehnen die
Politik als Vorsicht ab und fassen sie sowohl als Wissenschaft wie auch als Glaubensersatz
auf, der bei sämtlichen menschlichen Angelegenheiten im Besitz der allerletzten
Wahrheit sei.| Alain
de Benoist, Totalitarismus, 2001, S. 118-119 |
In
Verbindung mit der Expansion der Märkte dient die Rhetorik der Menschenrechte
als ideologische Verkleidung der Globalisierung. Vor allem anderen ist sie ein
Instrument der Herrschaft und muß als solches begriffen werden.| Alain
de Benoist, Kritik der Menschenrechte, 2004, S. 10 |
Wenn
der Begriff der Menschenrechte ein rein westlicher ist, kann kein Zweifel bestehen,
daß seine globale Verallgemeinerung eine Einmischung von außen darstellt,
eine andere Art der Bekehrung und Beherrschung, eine Fortsetzung also des kolonialen
Syndroms.| Alain
de Benoist, Kritik der Menschenrechte, 2004, S. 73 |
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