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Der
europäische Kulturzerfall ... ist die conditio sine qua non für
den unkritischen Import des Kulturschutts der ganzen Welt. .... Einer Elite, die
Unterschiedliches nicht mehr verschieden bewerten kann, muß selbstverständlich
alles als gleichwertig erscheinen. Ihre Begeisterung für die »multikulturelle
Gesellschaft« ist nur das Resultat des Zusammenbruchs aller Werte, der eng
mit der Geschichte des politischen Niedergangs und der allgemeinen Dekadenz Europas
verquickt ist. Man kann die »multikulturelle Gesellschaft« als die
Endstation auf der Bahn einer ständig fortschreitenden Entwertung der Werte
begreifen, die über die Zwischenstation des sogenannten Kulturrelativismus
endlich beim puren Kulturnihilismus angelangt ist, der - Perversität der
Perversitäten! - unter dem Vorwand der Vermehrung der Kultur aller
Kultur den Garaus macht. Der Nihilismus, den Nietzsche vor über hundert Jahren
heraufkommen sah und den niemand mehr beim Namen nennt, seit er da ist, manifestiert
sich in unterschiedlichen Formen und läuft unter vielerlei Etiketten: Liberalismus,
Pluralismus, Postmodernismus und eben auch »multikulturelle Gesellschaft«.
Aber an keiner seiner Erscheinungsformen wird so unmittelbar deutlich, daß
unsere Kultur mit ihrem Latein am Ende ist, wie am Engagement unserer Kulturelite
für die »multikulturelle Gesellschaft«| Robert
Hepp, Multa non multum: Kulturkritische Anmerkungen zur »multikulturellen
Gesellschaft«, 1997, S. 10 |
Die
Bereitschaft unserer Intellektuellen, sämtliche kulturellen Äußerungen
der Menschheit als gleichwertig anzuerkennen, ist nicht etwa ein Zeichen ihres
tiefen Respekts vor den Eigentümlichkeiten fremder Kulturen, sondern nur
der Ausdruck eines egalitären, kosmopolitischen und humanitären Nihilismus
(vgl. Friedrich Nietzsche über den kosmopolitischen Karneval der Götter,
Sitten, Künste, Speisen, Literaturen, Zeitungen, Umgangsformen und Geschmäcker
als Zeichen einer Schwäche der Verdauung ...), dem im Grunde alle Kulturen
gleichgültig sind. .... Der Kosmopolitismus könnte durch folgenden Syllogismus
wiedergegeben werden. Die Prämisse ist: alle Kulturen sind gleichermaßen
wahr, keine ist es mehr als die andere. Daraus folgt, daß der totale Mensch
die Summe der früher aufgespaltenen Kulturen sein muß. Schlußfolgerung:
alle Kulturen sind eine einzige Kultur, folglich ist keine Kultur an sich beachtlicher
als eine andere, denn sie sind alle nur Probestücke der Weltzivilisation.
Das Resultat ist das Gegenteil dessen, was die Prämissen aussagten .... Der
Kult der Differenz mündet in quietistischer Gleichgültigkeit: wenn alles
gleichviel wert ist, zerstören und widerlegen sich die Weltanschauungen gegenseitig
... »Wir sind alle gleich, weil ihr mir alle gleichgültig seid«.| Robert
Hepp, Multa non multum: Kulturkritische Anmerkungen zur »multikulturellen
Gesellschaft«, 1997, S. 10 |
In
den USA löste die neue Politik ... einen veritablen Kulturkampf aus. Der
Protest von Vertretern der ... Mehrheit entzündete sich vor allem an Maßnahmen
der umgekehrten Diskriminierung wie den berüchtigten Quotenregelungen, durch
die bestimmte Minderheiten de facto privilegiert wurden ....| Robert
Hepp, Multa non multum: Kulturkritische Anmerkungen zur »multikulturellen
Gesellschaft«, 1997, S. 11 |
Es
leuchtet ein, daß die im normativen Modell der »multikulturellen Gesellschaft«
vorgesehene Kombination von Assimilations- und Diskriminierungsverbot für
eine Minderheit wie die traditionsbewußten Juden, die stets eifersüchtig
auf die Bewahrung ihrer Identität bedacht waren, sehr attraktiv sein mußte.
(Die Legende, daß die Juden in der Galuth grundsätzlich assimilationswillig
gewesen seien und daß ihre Absonderung nur darauf zurückzuführen
sei, daß sie von den Wirtsvölkern zurückgewiesen und in die Ghettos
verbannt worden seien, ist hundertmal widerlegt worden.). Es ist daher auch nicht
überraschend, daß Juden an der Entwicklung der Doktrin des kulturellen
Pluralismus und des Modells der »multikulturellen Gesellschaft« von
Anfang an einen hervorragenden Anteil hatten.| Robert
Hepp, Multa non multum: Kulturkritische Anmerkungen zur »multikulturellen
Gesellschaft«, 1997, S. 11 |
Wie
der christliche Staat nach der Trennung von Staatsbürgerschaft und Konfession
mit der Anerkennung der Glaubensfreiheit zum religiös agnostischen Staat
wurde, so würde der Nationalstaat nach der Trennung von Staatsbürgerschaft
und Volkszugehörigkeit mit der Anerkennung der Kulturautonomie notwendig
zum national agnostischen Staat. Die ethnischen Gemeinsamkeiten, auf denen ein
Nationalstaat, und zumal ein demokratischer, beruht, könnten nun nicht mehr
den Kitt der staatlichen Einheit bilden. Da die Angehörigen der ethnischen
und nationalen Minoritäten trotz ihrer kulturellen Verschiedenheit als gleichberechtigte
Bürger behandelt werden müßten, käme die Kultur als einigendes
Band des Gesamtstaates nicht mehr in Betracht. Auch die Kultur der Mehrheitsbevölkerung
wäre damit notwendig entwertet. Entgegen dem Eindruck, den das Schlagwort
»multikulturelle Gesellschaft« suggeriert, wäre also ein solcher
Staat kein Kulturstaat im traditionellen Sinne mehr. Damit hätte er aber
im Vergleich zum Nationalstaat nicht nur einen Teil seiner Legitimität, seines
Ansehens und seiner Macht eingebüßt. Der nicht nur in konfessioneller,
sondern auch noch in kultureller Hinsicht agnostische Staat einer »multikulturellen
Gesellschaft« wäre jeden Inhalts entleert, der perfekte Nihilist.| Robert
Hepp, Multa non multum: Kulturkritische Anmerkungen zur »multikulturellen
Gesellschaft«, 1997, S. 13 |
Zur
Verteidigung dieses Schwindelunternehmens, das eine regelrechte Verhöhnung
des Rechtsstaats darstellte, wurde von einer humanitären Lobby, die sich
aus Christen, Sozialisten, Liberalen und allerlei Randgruppen des Untergrunds
zusammensetzte, eifrig auf den Topos »multikulturelle Gesellschaft«
zurückgegriffen. Ohne Unterlaß wurde der Öffentlichkeit eingeredet,
sie müsse diese Einwanderung, die nichts als Ballastkosten und Friktionen
verursachte, als eine Chance begreifen.| Robert
Hepp, Multa non multum: Kulturkritische Anmerkungen zur »multikulturellen
Gesellschaft«, 1997, S. 14 |
Das
Modell der »multikulturellen Gesellschaft«, das in den klassischen
überseeischen Einwanderungsländern zunächst als Notlösung
für ein Problem konzipiert worden war, das sich ungewollt angestaut hatte,
und das sich erst nach und nach im Lager der Minderheitenvertreter zu einer ultrapluralistischen
Ideologie auswuchs, wurde in Europa von seinen Anhängern sogleich als eine
Art Heilslehre verstanden. Aus der Verlegenheitslösung des Problems der Integration
zugewanderter Minderheiten, die sich der Assimilation verweigerten, wurde im Handumdrehen
eine Devise von Kulturrevolutionären, die die Wanderungspolitik zum Instrument
einer radikalen Veränderung der politischen Landschaft umfunktionierten.
Die »multikulturelle Gesellschaft« ist heute die Erkennungsparole
aller Feinde des Nationalstaats. Die Verlautbarungen der Wortführer lassen
keinen Zweifel, daß die Anerkennung der kulturellen Identität von Minderheiten
für sie allenfalls eine Mittel zu dem Zweck ist, den Nationalstaat aus den
Angeln zu heben. Keinem geht es wirklich um die Kultur der ethnischen Minderheiten.| Robert
Hepp, Multa non multum: Kulturkritische Anmerkungen zur »multikulturellen
Gesellschaft«, 1997, S. 14-15 |
Heute
sehen selbst liberale US-Amerikaner wie Arthur M. Schlesinger ein, daß dieser
pluralistische Glaube ein Luxus war. Nun müssen sich auch die Pluralisten
in den USA plötzlich wieder der alten politischen Kardinalfrage stellen,
wie man aus dem Vielen eine Einheit machen könnte. Und manches spricht dafür,
daß in modernen dynamischen und pluralitischen Industriegesellschaften bei
der ständig zunehmenden sozialen Differenzierung jene Allmende kollektiver
Güter, die man als nationale Kultur bezeichnet, noch die einzig mögliche
Basis politischer Gemeinsamkeit darstellt. Ernest Gellner hat sogar behauptet,
ein echter kultureller Pluralismus sei unter den heutigen Bedingungen nicht mehr
möglich, weil Menschen heutzutage nur noch in Einheiten leben könnten,
die durch eine gemeinsame Kultur definiert werden und sich durch hohe interne
Mobilität und einen ständigen Kommunikationsfluß auszeichnen.| Robert
Hepp, Multa non multum: Kulturkritische Anmerkungen zur »multikulturellen
Gesellschaft«, 1997, S. 11 |
Damit
sind wir bei der eigentlich interessanten politischen Frage angelangt, wer denn
ein Interesse daran haben könnte, den Völkern Europas die unbezweifelbare
kulturelle Verarmung, die ihnen eine »multikulturelle Gesellschaft«
bescheren würde, als kulturelle Bereicherung zu verkaufen? Cui
bono? Wer profitiert von dem Kulturchaos einer »multikulturellen
Gesellschaft«? .... Für Minderheiten von der Art des europäischen
Hochadels, der seine Identität und Geschlossenheit durch ein jahrhundertelanges
Konnubium nach dem Prinzip der Ebenbürtigkeit wahren konnte, oder der Juden,
die sich durch Religion und Inzucht sogar durch zwei Jahrtausende erhalten haben,
könnte die »multikulturelle Gesellschaft« eine große Chance
sein. An den Kragen gehen wird es aber sicherlich den sogenannten Mehrheitsbevölkerungen
der demokratischen Nationalstaaten, die sich von den Sirenengesängen der
»Multikulturalismus«-Prediger einlullen und solange widerstandslos
unterwandern lassen, bis sie sich in einem Land wiederfinden, in dem nichts mehr
an ihre alte Kultur erinnert.| Robert
Hepp, Multa non multum: Kulturkritische Anmerkungen zur »multikulturellen
Gesellschaft«, 1997, S. 15 |
Der
Unterschied zwischen den Europapolitikern und den »Multikulturalismus«-Propagandisten
besteht nur darin, daß die einen bereits wortlos ins Werk setzen, was die
anderen nur wortreich verkünden. Die Propagandaarbeit der linken Hilfstruppen
ist darum freilich aus der Sicht der Regierenden nicht überflüssig,
denn sie wissen wohl, daß das begonnene Werk nur zu einem gedeihlichen Ende
gebracht werden kann, wenn es gelingt, auch noch die renitente Bevölkerungsmehrheit
zur Akzeptanz des eingeschlagenen Kurses zu bewegen.| Robert
Hepp, Multa non multum: Kulturkritische Anmerkungen zur »multikulturellen
Gesellschaft«, 1997, S. 15 |
Aus
der Perspektive unserer ... Eliten, die dabei sind, sich von der Basis ihrer Völker
zu emanzipieren und nach Europa abzusetzen, ist die Umstimmung der Volksseele
zugunsten der Transformation der ethnisch homogenen demokratischen Nationalstaaten
in einen ethnisch heterogenen supranationalen Vielvölkerstaat vermutlich
der eigentliche Hintersinn der »Multikulturalismus«-Kampagne. Es versteht
sich, daß das nicht allen Mitwirkenden, geschweige denn allen Mitläufern
der Massenbewegung bewußt ist, von denen die meisten sicherlich ganz naiv
an den Wortlaut der Formel glauben. Aber die Ablenkung von diesem eigentlichen
politischen Ziel ist zweifellos die politische Pointe des Schlagworts.| Robert
Hepp, Multa non multum: Kulturkritische Anmerkungen zur »multikulturellen
Gesellschaft«, 1997, S. 15-16 |
Warum
sollte einem europäischen Politiker, und zumal einem Eurotechnokraten, der
Gedanke fremd sein, sich durch die Auflösung der homogenen Völker in
ein Gewirr ethnischer Minderheiten von den Fesseln der Mehrheitsdemokratie zu
befreien? (Der Verdacht, daß der Multikulturalismus nur eine Strategie
der politischen Klasse zur Ausschaltung der Bevölkerungsmehrheit ist, ist
sogar auch in Kanada geäußert worden). Da sich Minderheiten relativ
leicht gegeneinander ausspielen lassen, läßt es sich in einer Minderheitendemokratie
trefflich regieren.| Robert
Hepp, Multa non multum: Kulturkritische Anmerkungen zur »multikulturellen
Gesellschaft«, 1997, S. 16 |
Heute
werden ... bereits multinationale Krisenreaktionskräfte mit einem UNO-Mandat
in wildfremde Länder geschickt, um Völker daran zu hindern, von ihrem
Selbstbestimmungsrecht Gebrauch zu machen. (Vgl. die historische Parallele des
Einsatzes multinationaler Friedenstruppen im Römischen Reich). Der UNO-Generalsekretär
hat wiederholt eigene Truppen zum Einsatz gegen ... Nationalisten gefordert, und
sogar ... haben sich bereits ... Minderheiten und ihre Fürsprecher mit der
Bitte um Blauhelm-Kontingente zur Bekämpfung von Ausländerfeinden an
den UNO-Sicherheitsrat gewandt.| Robert
Hepp, Multa non multum: Kulturkritische Anmerkungen zur »multikulturellen
Gesellschaft«, 1997, S. 16 |
Ich
hatte bei den Diskussionen über meine Vorschläge immer den Eindruck,
daß ich es mit einer Gesellschaft zu tun hatte, die sich zur Ruhe begeben
wollte.| Robert
Hepp, im Gespräch mit der JF, 14.04.2006 |
Spätestens
in der »Konkordanzdemokratie« oder Militärdiktatur der Zukunft
werden die Deutschen erfahren, daß die Liberalen sie um ihre Demokratie
gebracht haben ....Es gibt auch bei Völkern ein
Stadium der Hinfälligkeit, wo man sich sagen muß, sie sollten lieber
»raschen Tod erwerben, als, so verschmachtend, lebenslang zu sterben«
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