Wir
hatten Hörsäle, Schulbänke und Werktische verlassen und waren in
den kurzen Ausbildungswochen zu einem großen, begeisterten Körper zusammengeschmolzen.
Aufgewachsen in einem Zeitalter der Sicherheit, fühlten wir alle die Sehnsucht
nach dem Ungewöhnlichen, nach der großen Gefahr.| Ernst
Jünger, In Stahlgewittern, 1920 |
Wir
Nationalisten glauben an keine Wahrheiten. Wir glauben an keine allgemeine Moral.
Wir glauben an keine Menschheit als ein Kollektivwesen mit zentralem Gewissen
und einheitlichem Recht. Wir glauben vielmehr an ein schärferes Bedingtsein
von Wahrheit, Recht und Moral durch Zeit, Raum und Blut. Wir glauben an den Wert
des Besonderen.| Ernst
Jünger, Das Sonderrecht des Nationalismus, in: Publizistik,
1926, S. 280 |
Man kann sich heute nicht
in Gesellschaft um Deutschland bemühen; man muß es einsam tun wie ein
Mensch, der mit seinem Buschmesser im Urwald Bresche schlägt und den nur
die Hoffnung erhält, daß irgendwo im Dickicht andere an der gleichen
Arbeit sind.| Ernst
Jünger, Das abentuerliche Herz, 1929 |
Das
Maß der Freiheit des Einzelnen entspricht genau dem Maße, in dem er
Arbeiter ist. Arbeiter, Vertreter einer großen, in die Geschichte eintretenden
Gestalt zu sein, bedeutet, Anteil zu haben an einem neuen, vom Schicksal zur Herrschaft
bestimmten Menschentum.| Ernst
Jünger, Der Arbeiter, 1932 |
Die
schlechte Rasse wird daran erkannt, daß sie sich durch den Vergleich mit
anderen zu erhöhen, andere durch den Vergleich mit sich zu erniedrigen sucht.| Ernst
Jünger, Blätter und Steine, 1934 |
Unter
Ihren Bemerkungen fiel mir der Satz auf, daß Sie und Ihre Freunde die Menschen
nur nach ihrem funktionalen Charakter werteten. Wichtig ist aber ohne Zweifel
nur, was übrig bleibt, wenn man den Menschen seiner Funktion beraubt, sei
es seiner technisch-politischen, sei es der des Lebens überhaupt. Das ist
ein metaphysischer, unteilbarer und unorganisierbarer Rest.| Ernst
Jünger, Brief an Edgar Traugott, 21.09.1942 |
Nach
dem Erdbeben schlägt man auf die Seismographen ein. Man kann jedoch die Barometer
nicht für die Taifune büßen lassen, falls man nicht zu den Primitiven
zählen will.| Ernst
Jünger, Strahlungen, 1949 |
Daneben
wird niemand übersehen, daß in der Welt der Tatsachen der Nihilismus
sich den letzten Zielen annähert. Nur war beim eintritt in seine Zone der
Kopf bereits gefährdet, der Leib dagegen noch in Sicherheit. Nun ist es umgekehrt.
Das Haupt ist jenseits der Linie.| Ernst
Jünger, Überdie Linie, 1950 |
Waldgänger
ist ... jener, der ein ursprüngliches Verhältnis zur Freiheit besitzt,
das sich, zeitlich gesehen, darin äußert, daß er dem Automatismus
sich zu widersetzen und dessen ethische Konsequenz, den Fatalismus, nicht zu ziehen
gedenkt.| Ernst
Jünger, Der Waldgang, 1951 |
Wo
der Verstand dem Urphänomen begegnet, stößt er auf Stärkeres.
Hier muß er haltmachen; hier kann ihm ein Damaskus zuteil werden.| Ernst
Jünger, An der Zeitmauer, 1959 |
Wo
der Liberalismus seine äußersten Grenzen erreicht, schließt er
den Mördern die Tür auf. Das ist Gesetz!| Ernst
Jünger, 1960er Jahre |
Wie hat der deutsche
Soldat zweimal hintereinander unter einer unfähigen politischen Führung
gegen die ganze wider ihn verbündete Welt sich halten können?
Das ist die einzige Frage, die man meiner Ansicht nach in 100 Jahren stellen wird.| Ernst
Jünger, im Le-Monde-Interview am 22.02.1973 |
Alles,
was sie heute von sich weisen, wird eines schönen Tages zur Hintertüre
wieder hereinkommen.| Ernst
Jünger, im Le-Monde-Interview am 22.02.1973 |
Ich
bin ja nie mit Staatsformen zurechtgekommen, sondern schon als Unterprimaner in
die Fremdenlegion ausgerissen, offenbar, weil mir die bürgerlichen Umstände
nicht zusagten, und das ist eben mein Elend bis heute. Aber im Zusammenhang mit
dem Goethe-Preis habe ich zahllose Briefe bekommen, und da heißt es immer
weider, mit dem Preis gerade an mich deute sich eine »Tendenzwende«
an. Daher wohl auch die Aufregung. Ich wünsche aber gar keine Tendenzwende.| Ernst
Jünger, im Spiegel-Interview aus Anlaß der Verleihung des
Goethe-Preises, 1982 |
Was darf man denn
heute? Die Sachen, die man darf, sind doch, sagen wir mal, dem Barock
gegenüber, gewaltig reduziert. .... Zum Beispiel dürfen Sie heute nicht
mehr sagen: »Ich bin ein Faschist.« Dann sind Sie schon gleich der
Unterste.| Ernst
Jünger, im Spiegel-Interview aus Anlaß der Verleihung des
Goethe-Preises, 1982 |
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