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„Klimahysterie“

oder: Zu den

Lügen über das Klima

Im folgenden Text soll zwar nicht geleugnet werden, daß sich das Klima verändert (das Klima hat sich immer verändert) oder daß sogar auch der Mensch Einfluß auf das Klima hat; es soll aber deutlich gemacht werden, daß es auch bei diesem Thema um einen Mißbrauch geht, daß damit die Mehrheit der Menschen von ihrer Herrschaftskaste ausgebeutet werden kann und wird, daß also die politische und ökonomische Einflußnahme auf die Mehrheit der Menschen viel schlimmer ist als die Einflußnahme des Menschen auf das Klima.

Wie leicht sich auch Naturwissenschaftler vor den Karren der „Politischen Korrektheit“ („Politische Korrektheit“) spannen lassen, zeigen u.a. die Beispiele Harald Lesch und Karsten Schwanke, die sogar in Kauf nehmen, ihrer Zunft in den Rücken zu fallen, weil sie den Politikern helfen, ein, ja sogar das Fundament der Wissenschaft zu zerstören: Freiheit. Der Freiheit in Wissenschaft und Forschung entspricht auf gesellschaftlicher Ebene die Freiheit der Meinungsäußerung. Um genau diese beiden so wichtigen Errungenschaften abendländischer Kultur geht es, wenn ich sage, daß Menschen aus Politik, Lobby und Medien mit Hilfe der von ihnen mißbrrauchten Wissenschaftler sie abschaffen wollen. Wie gesagt: Keiner der Gegner der „Klimahysterie“ als des Versuchs, eine Neu-(Säkular-)Religion (Neu-RelgionNeu-RelgionNeu-Relgion) zu etablieren, bestreitet, daß (a) das Klima der Erde () sich derzeit verändert und (b) auch der Mensch das Erdklima beeinflussen kann; aber jeder dieser Skeptiker weiß, daß (a) das Klima der Erde primär von der Sonne () bestimmt wird (was übrigens Lesch, Schwanke & Co. verschweigen  –  ein uralter rhetorischer Trick) und (b) das Erdklima auch schon in vorindustriellen, ja sogar auch schon in steinzeitlichen Epochen ähnlich war, wie es das der zukünftigen Jahrzehnte und Jahrhunderte sein wird.  —  Uns Skeptikern geht es um die Freiheit in Wissenschaft und Forschung sowie Gesellschaft und Meinung!
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„Banken und Börsen freuen sich über den Handel mit Emissionsrechten. Rückversicherungen freuen sich auch, denn die gefühlte Zunahme von Unwettern treibt die Preise der Policen hoch. Und sogar die ewig murrenden Bauern freuen sich: Für den Anbau von Biosprit-Pflanzen winken ergiebige Subventionen. Es sprudeln auch die Fördergelder für Klimawissenschaftler. Weltweit flossen in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten zweistellige Milliarden-Dollarbeträge in ihr Forschungsgebiet. Gut angelegtes Geld, denken sich Politiker, die gern als Weltretter posieren. Sie überbieten sich gegenseitig mit »Klimaschutz«-Bekenntnissen und mehr oder weniger intelligenten Vorschlägen, wie die Erderwärmung zu stoppen sei. Der Soziologe Ulrich Beck bezeichnete die Klimapolitik treffend als »eine Sinnressource für die delegitimierte und von Vertrauensverlust gezeichnete Politik«. Und das Schönste ist, man kann mit dem »Klimaschutz« () alles rechtfertigen, jedes Verbot, jede Steuererhöhung. Ob es was gebracht hat, stellt sich angenehmerweise erst in hundert Jahren heraus. Um das Publikum im Alarmzustand zu halten, kann es nie schlimm genug kommen. »Fliegt uns die Erde um die Ohren?«, fragte Bild im Januar 2007 und verkündete im Februar die Antwort: »Unser Planet stirbt! Jetzt amtlich: Erde immer heißer.« Kurz darauf dann: »Wir haben noch elf Jahre …« Bild bildet keine Ausnahme: Hörfunk, Fernsehen und die allermeisten anderen Blätter stimmen die gleiche Tonlage an. Wie einst bei Waldsterben, Nachrüstung, Tschernobyl und BSE steigern sich die professionellen Deuter in einen Untergangsrausch, der jeden Zweifel niederwalzt. Der Erfolg ist überwältigend: Ohne Führer und ohne Staatspartei entstehen Meinungsmehrheiten, die SED-Wahlergebnissen gleichen. … Kaum einer traut sich zu fragen, ob es wirklich seriös ist, das Weltklima für 50 oder 100 Jahre vorherzusagen. Schließlich gelingt dies nicht einmal für die nationale Wirtschaftsentwicklung eines Jahres – obwohl man es dabei mit weitaus weniger Unbekannten zu tun hat. Es ist keine Verschwörung und kein böser Wille, der diese Dampfwalze treibt – eher eine Art Selbstgleichschaltung aus guter Absicht. Doch mit Aufklärung hat es nichts zu tun. Aufklärung würde bedeuten, Zuschauer und Leser in die Lage zu versetzen, selbst abzuwägen und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Das Gegenteil geschieht. Moderatoren und Redakteure wiederholen wie ein Mantra den Satz: Es gibt keinen Zweifel mehr, die Diskussion ist beendet. Richtig daran ist: Kein Wissenschaftler bezweifelt, daß die durchschnittliche globale Oberflächentemperatur im 20.Jahrhundert um circa 0,7 Grad Celsius zugenommen hat. Wie groß die Rolle des Kohlendioxids dabei ist, wie stark der Mensch das Klimageschehen beeinflußt und insbesondere wie sicher die Hochrechnungen sind, mit denen die Temperatur der Zukunft vorausgesagt wird, ist nach wie vor wissenschaftlich umstritten.“ (Michael Miersch, Die Klimahysterie, in: Cicero, 06 / 2007, S. 38-42, hier: S. 40-41).

NACH OBEN

„Für eine dominierende Rolle des Kohlendioxids im aktuellen Klimageschehen gibt es keinen direkten Beweis, sondern nur eine indirekte Herleitung: Man glaubt alle anderen Ursachen für die in den vergangenen 30 Jahren beobachtete Erderwärmung ausschließen zu können. CO2 bleibt derzeit nach Meinung der meisten Klimaforscher als einziger Tatverdächtiger übrig. Richtig ist: Die Kohlendioxid-Konzentration ist seit der vorindustriellen Zeit um etwa ein Drittel angestiegen, von etwa 0,029 Prozent auf heute 0,038 Prozent. Richtig ist auch, daß die Temperatur im gleichen Zeitraum um etwa 0,7 Grad angestiegen ist. Der Zusammenhang beider Entwicklungen ist aber nicht sehr deutlich. Das Kohlendioxid stieg langsam und stetig an. Man sollte also meinen, daß die Temperaturen in diesem Zeitraum ebenfalls kontinuierlich zugenommen hätten. Das ist aber nicht der Fall. Erst wurde es wärmer, dann wieder kälter, dann stiegen die Temperaturen wieder an. .... Astro-Physiker und Geo-Wissenschaftler … glauben, daß zwei Drittel der Temperaturschwankungen mit der kosmischen Strahlung erklärbar sind. Sie könnte somit der Hauptmotor für Erwärmung und Abkühlung sein. Die kosmische Strahlung muß man sich wie einen unsichtbaren Sandsturm vorstellen. Sie stammt von explodierenden Sternen in der Galaxie und enthält winzige Partikel, die beim Auftreffen auf die Erdatmosphäre Kondensationskerne und in der Folge Wolken bilden. Eine Änderung der Wolkenbedeckung um nur wenige Prozent hat enorme Auswirkungen auf das Erdklima. Die Kausalkette dafür scheint plausibel und läßt sich physikalisch genauso schlüssig wie die Kohlendioxid-Hypothese erklären: Die auf die Atmosphäre treffende kosmische Strahlung wird von der Sonne moduliert. Je stärker das Magnetfeld der Sonne ist, desto mehr schirmt sie die Erde gegen den Partikelsturm ab. Nun hat sich das Magnetfeld der Sonne im 20.Jahrhundert verdoppelt. Weil die Erde dadurch besser abgeschirmt wird, bilden sich in den unteren Schichten weniger kühlende Wolken: Es wird wärmer. Doch auch hier gilt das gleiche Problem wie bei der Kohlendioxid-Hypothese: Die Physik der oberen Atmosphäre ist zu wenig verstanden. Forscher aus 18 Instituten und neun Ländern haben sich inzwischen zu einem Großprojekt »Cloud« (Wolke) zusammengetan, um unter anderem mit einem Experiment am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf zu überprüfen, ob und wie der diskutierte Erklärungsansatz für den Einfluß der Sonnenaktivität auf unser Klima funktioniert.“ (Dirk Maxeiner, Unbequeme Wahrheiten, in: Cicero, 06 / 2007, S. 44-50, hier: S. 44-46).

Übrigens: 97 Prozent der jährlichen Kohlendioxidemissionen entstammen der Natur, also nur höchstens drei Prozent aus der Verbrennung fossiler Rohstoffe durch den Menschen.

Antworten auf „Sesamstraßen“-Fragen:

Kann das Klima aus dem Ruder laufen?  Einige Wissenschaftler befürchten, das Klima könne durch eine sich selbst verstärkende Kettenreaktion einen »Tipping«-Point erreichen und gleichsam umkippen. Das Szenario lautet wie folgt: Mehr Kohlendioxid verursacht höhere Temperaturen, die produzieren mehr Wasserdampf und damit noch mehr Wärme, woraufhin wiederum mehr natürliches Kohlendioxid und andere Treibhausgase aus Meeren und Böden aufsteigen, was wiederum die Temperaturen erhöht. Das Ganze löst eine fortwährende Kaskade positiver Rückkopplungen aus, schmelzende Eisflächen reflektieren weniger Wärmestrahlung, was wiederum mehr Eis schmelzen läßt, und so weiter und so fort. Dem steht entgegen, daß es in der Erdgeschichte Phasen mit zehn- bis zwanzigmal höheren Kohlendioxidkonzentrationen als heute gab – und gleichzeitig eine Eiszeit herrschte. Es kam auch wiederholt zu Temperatursprüngen um mehrere Grad innerhalb weniger Jahre, ohne daß ein solcher »Runaway-Effekt« eingetreten wäre.“ (Dirk Maxeiner, Unbequeme Wahrheiten, in: Cicero, 06 / 2007, S. 44-50, hier: S. 48).

Schmelzen die Gletscher?  In den Alpen nehmen die Gletscher ab – wie fast überall auf der Welt. Auch hier ist es schwierig, eine Abgrenzung zwischen natürlichen Zyklen und einem menschengemachten Klimawandel als Ursache vorzunehmen. In den Schweizer Zentralalpen gab es in den vergangenen 10000 Jahren acht ähnliche Rückzugsphasen, teilweise über den heutigen Stand hinaus. In den Geröllhalden finden sich Zeugnisse früherer Vegetation und Zivilisation.“ (Dirk Maxeiner, Unbequeme Wahrheiten, in: Cicero, 06 / 2007, S. 44-50, hier: S. 48).

Schmelzen die Pole?  Die Situation an den Polen ist nicht eindeutig. Am Südpol ist es in den vergangenen Jahrzehnten überwiegend kälter geworden. Wenn von einer Erwärmung die Rede ist, bezieht sich dies in der Regel auf die antarktische Halbinsel. Die macht allerdings nur zwei Prozent der antarktischen Landmasse aus. Am Nordpol ist es hingegen tatsächlich wärmer geworden. Allerdings gibt es sehr große regionale Unterschiede. Der Nordpol besteht aus auf dem Wasser schwimmendem Eis, das den Meerespegel beim Schmelzen nicht ansteigen läßt (genauso wenig wie ein Eiswürfel im Wasserglas). Abschmelzende Eismassen auf den Festlandsockeln der Antarktis oder Grönlands würden den Meerespegel aber sehr wohl ansteigen lassen. Diese Eismassen verändern sich derzeit; während das Eis an den Rändern teilweise abnimmt, kommt im Inneren durch Niederschlag neues hinzu. Die Antarktis scheint insgesamt stabil, in Grönland soll zwischen 1993 und 2003 ein Nettoverlust an Eismasse zwischen 50 und 100 Gigatonnen pro Jahr stattgefunden haben. Diese Jahresmenge entspricht grob abgeschätzt einem Fünfzigtausendstel des gesamten Eisschildes.“ (Dirk Maxeiner, Unbequeme Wahrheiten, in: Cicero, 06 / 2007, S. 44-50, hier: S. 48-50).

Dehnen sich die Wüsten immer mehr aus?  .... Es gibt mehr als 100 verschiedene Definitionen für den Begriff »Verwüstung«. Je nachdem welche man wählt, kommen verschiedene Aussagen heraus. Es liegen aber auch kaum quantitative Daten vor, die Aussagen über einen globalen Trend erlauben würden. Es gibt Wüsten, die sich ausdehnen, und solche, die schrumpfen. Auswertungen von Satellitenbildern und Niederschlagsmessungen zeigen beispielsweise, daß im Sahel südlich der Sahara das fruchtbare Land zunimmt und die vegetationslose Fläche auf dem Rückzug ist. Die Ausdehnung von Wüsten muß ihre Ursachen nicht unbedingt in Klimaveränderungen haben. Abholzung, Überweidung und falsche landwirtschaftliche Methoden können genauso ausschlaggebend sein. In Afrika werden nach Angaben der UN 58 Prozent der Bodenerosion auf Überweidung zurückgeführt. Auch der erhöhte Kohlendioxidgehalt der Luft spielt eine Rolle. Er bewirkt ein stärkeres Pflanzenwachstum, insbesondere auf der Nordhalbkugel. Satellitenbilder dokumentieren, wie sich die Wälder ausdehnen.“ (Dirk Maxeiner, Unbequeme Wahrheiten, in: Cicero, 06 / 2007, S. 44-50, hier: S. 50).

Gibt es immer mehr Naturkatastrophen?  Für diese Behauptung gibt es keine eindeutige Datenlage. Beispielsweise ist nicht klar, ob extreme Wetterereignisse zugenommen haben – oder nur die Aufmerksamkeit für diese. Richtig ist, daß die materiellen Schäden immer mehr zunehmen. Das liegt aber vor allem daran, daß immer mehr Menschen in gefährdeten Gebieten – beispielsweise an den Küsten – siedeln. Auch haben sie durch wachsenden Wohlstand immer mehr Hab und Gut. Und sie sind immer häufiger versichert. Viel wichtiger aber ist eine andere Entwicklung: Die Zahl der bei Stürmen, Hochwassern und anderen klimabedingten Katastrophen getöteten Menschen ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts stark rückläufig.“  (Dirk Maxeiner, Unbequeme Wahrheiten, in: Cicero, 06 / 2007, S. 44-50, hier: S. 50).

NACH OBEN

„Die heutige Unruhe hat ihre Ursachen zum größten Teil in mangelnden Kenntnissen darüber, was bei Wetter und Klima normal ist. Extreme Wetterphänomene gibt es immer, und nach Angaben zahlreicher Institutionen vom National Hurricane Center der USA bis zum IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, populär auch »Weltklimarat« genannt) gibt es keine Anhaltspunkte, daß sie systematisch zugenommen hätten. Außerhalb der Tropen sagt die Theorie für eine wärmere Welt sogar eine Abnahme der Schwankungen voraus. Was die Tropen angeht, gibt es Meinungsverschiedenheiten, aber alle meteorologischen Organisationen sind sich einig, daß man auf keinen Fall den Menschen für einzelne Hurrikane verantwortlich machen kann. Neuere Arbeiten legen sogar die Vermutung nahe, daß Wirbelstürme in einer wärmeren Welt schwächer wären.“ (Richard Lindzen, Überhitzte Prognosen, in: Cicero, 06 / 2007, S. 54-56, hier: S. 54).

„Der Meeresspiegel steigt seit dem Ende der vergangenen Eiszeit, wobei der Anstieg vor ungefähr 12000 Jahren am schnellsten war. In den vergangenen Jahrzehnten lag er den Befunden zufolge in der Größenordnung von einem bis zwei Millimeter im Jahr. In Wirklichkeit läßt er sich nur schwer genau messen, denn ein solcher Anstieg ist das, was nach Abzug viel größerer lokaler Schwankungen übrig bleibt. Von der globalen Erwärmung geht also eine geringere Gefahr aus als von anderen (vor allem tektonischen) Verschiebungen.“ (Richard Lindzen, Überhitzte Prognosen, in: Cicero, 06 / 2007, S. 54-56, hier: S. 54).

„Die Auswirkungen der Erwärmung auf Krankheiten erscheinen im besten Fall zweifelhaft. Von Insekten übertragene Seuchen wie die Malaria sind weniger von der Temperatur abhängig als vielmehr von Armut und mangelnder medizinischer Versorgung – insbesondere nachdem das DDT aus dem Arsenal verschwunden ist. Noch vor nicht allzu langer Zeit war die Malaria auch in Sibirien und Michigan verbreitet. Kälte ist in der Regel gefährlicher und nach Lieblingswohnorten von Pensionären zu urteilen auch weniger angenehm. Die armen, hungernden und verzweifelten Eisbären sagen über die gewaltige Wirkung einprägsamer Bilder mehr aus als über die Realität. Al Gore mußte in seinem oscarprämierten Film »Eine unbequeme Wahrheit« auf Animationen zurückgreifen. Das vielfach nachgedruckte Foto mit Eisbären, die scheinbar auf einer Eisscholle gestrandet waren, wurde vor mehreren Jahren von einem Fotografen aus etwa 30 Metern Entfernung aufgenommen (wobei man bedenken sollte, daß Eisbären bis zu 100 Kilometer weit schwimmen können). Vor allem aber haben die Eisbären auch die dreißiger Jahre des 20.Jahrhunderts überlebt, und damals war es in der Arktis viel wärmer als in letzter Zeit; in den vergangenen 65 Jahren ist ihre Zahl wegen den Jagdbeschränkungen um ein Mehrfaches angestiegen.“ (Richard Lindzen, Überhitzte Prognosen, in: Cicero, 06 / 2007, S. 54-56, hier: S. 54).

„Sämtliche Untersuchungen zu den Auswirkungen des Klimawandels gehen von einer langen Kette von Voraussetzungen aus, und es besteht nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, daß die Folgen dieser Kette richtig vorausgesagt werden. Daß beängstigende Folgen genannt werden, liegt vor allem daran, daß die Modelle im Großen und Ganzen keine eindeutige Antwort geben können. Bei den 19 Modellen, die von der IPCC benutzt werden, reichen beispielsweise die Voraussagen für den Rückgang des Meereises bis 2100 von hundert Prozent bis zehn Prozent. Damit haben wir eine große Auswahl, wenn wir uns Folgen ausmalen wollen, aber schon an der Schwankungsbreite selbst kann man ablesen, daß die Modelle sehr unzuverlässig sind.“ (Richard Lindzen, Überhitzte Prognosen, in: Cicero, 06 / 2007, S. 54-56, hier: S. 54-55).

„Insbesondere aber hat die Kette ein bestimmtes Glied, dessen Bruch sämtliche Voraussagen über Auswirkungen zur Makulatur macht. Alle Szenarien gehen davon aus, daß das Klima empfindlich auf den vorausgesagten Anstieg der Treibhausgase reagiert. Al Gore vertritt in »Eine unbequeme Wahrheit« eine Argumentation, die nach seiner Auffassung jedem Kleinkind einleuchten sollte. Zunächst zeigt er in einem Diagramm den Verlauf von Temperatur und Kohlendioxidmenge während der vergangenen 650000 Jahre, wie man ihn aus den Eisbohrkernen der Wostok-Forschungsstation in der Antarktis ableiten kann. Er stellt fest, daß Temperatur und Kohlendioxid gemeinsam schwanken, und deshalb wird das Kohlendioxid als Triebkraft des Klimas ins Spiel gebracht. Damit verletzt er zunächst die wissenschaftliche Grundregel, daß Korrelation nicht gleich Kausalität ist. Er übergeht aber auch die Einzelheiten der Graphik, die er zeigt: Daraus geht hervor, daß die Temperaturen in den vier vorausgegangenen Wärmeperioden höher waren als heute, obwohl der CO2-Gehalt der Atmosphäre niedriger lag. Er übersieht, daß die Temperaturen offenbar viel früher gesunken sind als der CO2-Gehalt (und er übergeht die Befunde aus detaillierteren Studien, wonach die Temperatur auch früher anstieg). Und schließlich nimmt er nicht zur Kenntnis, daß die Veränderungen des CO2-Gehalts, die sich mit den Zyklen der Eiszeiten verbinden, den derzeitigen Modellen zufolge eine heute für unmöglich gehaltene Empfindlichkeit erfordert hätten.“ (Richard Lindzen, Überhitzte Prognosen, in: Cicero, 06 / 2007, S. 54-56, hier: S. 55).

„Alle diese Anmerkungen ergeben sich nur aus der von Gore selbst gezeigten Graphik und neueren Forschungsergebnissen. Aber auch die Ableitung von Temperatur und CO2-Gehalt aus Eisbohrkernen und deren Datierung ist eine komplizierte, unsichere Angelegenheit, und es wäre alles andere als klug, solche Messungen dogmatisch zu betrachten. Wer weiß, wie die Interpretationen sich noch ändern werden?  Schon heute unterstützen weder unsere Kenntnisse noch die von Gore gezeigte Graphik seine Interpretation, außer vielleicht in den Augen der Kleinkinder, die seine Zielgruppe zu sein scheinen.“ (Richard Lindzen, Überhitzte Prognosen, in: Cicero, 06 / 2007, S. 54-56, hier: S. 55).

„Nachdem Gore nun festgestellt hat, wie wichtig das CO2 ist, erklärt er im weiteren Verlauf, warum es zur Erwärmung beiträgt. Seine grundlegende Behauptung lautet: CO2 ist ein Treibhausgas (das heißt, es absorbiert im Infrarotbereich, während es im Bereich des sichtbaren Lichtes durchlässig ist) und hüllt die Erde wie eine Decke ein, so daß sie die von der Sonne aufgenommene Energie nicht mehr abstrahlen kann und das Energiegleichgewicht verlorengeht. Leider ist auch dieses Bild fehlerhaft. (Das ist allgemein anerkannt, aber in der Regel wird behauptet, das wirkliche Bild sei für den Normalbürger zu kompliziert.).“ (Richard Lindzen, Überhitzte Prognosen, in: Cicero, 06 / 2007, S. 54-56, hier: S. 55).

„In Wirklichkeit kühlt die Erdoberfläche sich nicht in erster Linie durch Abstrahlung von Wärme ab; dazu enthält sie zu viel Treibhausmaterial – insbesondere Wasserdampf und Wolken. Die Wärme wird vielmehr physisch durch Luftströmungen abgeführt, die die Wärme weiter oben, aber noch innerhalb der Atmosphäre wieder abgeben, und da in diesen Höhen weniger Treibhausmaterial vorhanden ist, kann sie von dort effizient in den Weltraum abgestrahlt werden. Bei einer Vermehrung der Treibhausgase kann die Strahlung erst in größerer Höhe effizient in den Weltraum entweichen, und da die Temperatur aus komplizierten Gründen mit größerer Höhe abnimmt, wird die Strahlung (die proportional zur vierten Potenz der Temperatur in der Höhe ihres Ausgangspunktes ist) so gering, daß sie kein Gegengewicht zur einfallenden Sonnenstrahlung mehr bildet. Um das Gleichgewicht wieder herzustellen, muß sich die Atmosphäre in der Höhe der Abstrahlung erwärmen. Der Zusammenhang zwischen dieser Erwärmung und der Erwärmung an der Erdoberfläche ist alles andere als geklärt, aber in neueren Modelluntersuchungen wurden diese Prozesse isoliert betrachtet, und dabei stellte sich heraus, daß die Treibhauserwärmung sich auf die Höhe der Emissionen in den Tropen konzentriert, wo die Erwärmungsrate etwa 2,5mal so hoch ist wie an der Erdoberfläche. Satelliten- und Ballonmessungen zeigen, daß die Erwärmung in dieser Höhe nur ungefähr drei Viertel dessen beträgt, was man am Boden beobachtet, und an den Ergebnissen der Modelle kann man ablesen, daß nur ungefähr 40 Prozent davon auf Treibhauseffekte zurückzuführen sind. Demnach können solche Effekte nur für 30 Prozent der Erwärmung auf der Erdoberfläche verantwortlich sein. Also hat die Erwärmung an der Erdoberfläche ihre Ursache zum größten Teil nicht im Treibhauseffekt. Schon heute ist die Erwärmung am Boden viel geringer, als die Modelle es aufgrund der von Menschen erzeugten Treibhausgase voraussagen. Damit will ich nicht sagen, daß die von Menschen erzeugten Treibhausgase überhaupt keinen Effekt hätten, aber dieser Effekt ist relativ gering im Vergleich zu den normalen Schwankungen, die das Klima ständig durchmacht. Er ist sogar noch geringer als die eigentlich schon zu geringen Reaktionen, die wir am Erdboden beobachten.“ (Richard Lindzen, Überhitzte Prognosen, in: Cicero, 06 / 2007, S. 54-56, hier: S. 55-56).

„Damit sind wir bei der eigenartig kategorischen Aussage der vom IPCC herausgegebenen Zusammenfassung für Politiker über die wissenschaftliche Beurteilung. Danach besteht eine Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent (man beachte, daß diese Formulierung hier nicht im statistischen Sinn gemeint ist), daß die Erwärmung der vergangenen 50 Jahre zum größten Teil von Menschen verursacht wurde. Dem eigentlichen Text ist keine mathematische Begründung zu entnehmen. Wie man außerdem an den zuvor gemachten Ausführungen ablesen kann, ist die Wahrscheinlichkeit, daß seine Aussage stimmt, praktisch gleich null. Was aber das Seltsamste ist: Selbst wenn die Aussage sinnvoll wäre, würde sie für sich betrachtet keinen Anlaß zur Sorge geben. Ein Grund zur Beunruhigung wäre sie nur dann, wenn die Erwärmung, die auf den Menschen zurückgeführt wird, durch die Modelle vorhergesagt würde, die eine beunruhigende Erwärmung prophezeien.“ (Richard Lindzen, Überhitzte Prognosen, in: Cicero, 06 / 2007, S. 54-56, hier: S. 56).

„In Wirklichkeit enthält die Zusammenfassung eine Graphik, welche die heutige Situation sehr gut deutlich macht. Die Kette der Zusammenhänge von den Emissionen bis zum Temperaturanstieg ist ziemlich lang. Um von den Emissionen zum CO2-Gehalt der Atmosphäre zu gelangen, muß man die chemischen Verhältnisse von Meer und Land genau kennen, und darüber wissen wir in Wirklichkeit nur wenig. Vom CO2-Gehalt der Atmosphäre zur Einschränkung der Strahlung ist es ein relativ einfacher (allerdings nicht sehr genau formulierter) Weg, und um von der Einschränkung der Strahlung zur Temperatur zu gelangen, muß man die Empfindlichkeit des Klimas kennen, die in den Modellen sehr unsicher ist; sie dürfte aber wegen der gerade angeführten Argumente geringer sein, als es alle Modelle heute zeigen. Das genannte Schema zeigt, wie verschiedene Substanzen die Abstrahlung einschränken. Manche davon sind von Menschen erzeugte Treibhausgase, vor allem CO2, Methan, Stickoxid, Freon und halogenierte Kohlenwasserstoffe sowie das Ozon. Addiert man alle diese Substanzen, so erhält man 86 Prozent dessen, was man bei einer Verdopplung des CO2-Gehalts erwarten würde (womit man zu ungefähr 3,5 Watt je Quadratmeter gelangt). Nach den derzeitigen Modellen sollte dies zu einem Temperaturanstieg zwischen 1,5 und 4,5 Grad Celsius führen. In Wirklichkeit haben wir bisher nur 0,55 bis 0,75 Grad Celsius beobachtet (wobei verschiedene Analysen der Daten zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangen). Die Urheber der Modelle behaupten, sie könnten die beobachtete Erwärmung simulieren, aber das gelingt nur mit zwei Tricks. Erstens bemühen sie Aerosole in jeder gerade benötigten Menge, um mindestens die Hälfte der treibhausbedingten Strahlungseinschränkung los zu werden, aber wie man der Zusammenfassung entnehmen kann, ist die tatsächliche Verteilung der Aerosole so gut wie unbekannt. Und zweitens wird allgemein behauptet, die Ozeane würden die Reaktion verzögern. Das stimmt zwar, aber die Verzögerung hängt von der Empfindlichkeit des Klimas und dem Ausmaß der turbulenten Diffusion in den Ozeanen ab. In beiden Fällen wird die Verzögerung in den Modellen stark übertrieben. In einer normalen wissenschaftlichen Arbeit würde man ohne weiteres einräumen, daß sich die Situation am einfachsten dadurch erklären läßt, daß die Modelle eine übertriebene Reaktion auf die treibhausbedingte Strahlungseinschränkung unterstellen, aber ohne diese Übertreibung würde das Thema aus dem Bewußtsein der Öffentlichkeit verschwinden, und mit ihm würden sich auch die Prioritäten bei der Finanzierung der Klimaforschung verändern.“ (Richard Lindzen, Überhitzte Prognosen, in: Cicero, 06 / 2007, S. 54-56, hier: S. 56).

„Politische Bedeutung ist natürlich wichtig, aber sie kann keine wissenschaftliche Entscheidungsgrundlage sein. Und schließlich wird trotz aller Belege für das Gegenteil lapidar behauptet, es bestehe kein Grund zu der Annahme, daß es noch Faktoren gibt, die den Urhebern der Modelle nicht bekannt sind.“ (Richard Lindzen, Überhitzte Prognosen, in: Cicero, 06 / 2007, S. 54-56, hier: S. 56).

„Was sollen wir nun von alledem halten?  Immer noch fehlt das entscheidende Glied in der langen Kette der Schlußfolgerungen, die zu den beängstigenden Geschichten … führt, und das trotz der ständig wiederholten Behauptung, alle Wissenschaftler stünden hinter sämtlichen Szenarien, die die Unruhestifter sich ausmalen, trotz der Voraussagen, die sich über hundert Jahre erstrecken, obwohl man mit den gleichen Modellen noch nicht einmal das Wetter der nächsten Woche vorhersagen kann. Leider werden die armen Eisbären genau wie wir alle mit einem Klima zurechtkommen müssen, das sich ändert, wie es sich immer geändert hat, ganz gleich, für welche Maßnahmen wir uns entscheiden. Die Fortschritte in Technologie und Wohlstand werden uns weiterhin helfen, uns auf solche Veränderungen einzustellen. Die Vorstellung, das Rad zurückzudrehen und die Gesellschaft wieder in den verletzlichen Zustand vor dem Industriezeitalter zu versetzen, ist nicht nur vergeblich, sondern auch dumm, unmoralisch und kontraproduktiv.“ (Richard Lindzen, Überhitzte Prognosen, in: Cicero, 06 / 2007, S. 54-56, hier: S. 56).

Al Gore predigt Wasser und trinkt Wein - wie alle scheinheiligen „Moralapostel“, auch „Gutmenschen“ genannt. „Besagter »Klima-Prophet« Al Gore fliegt nicht nur mit dem Privatjet von Vortrag zu Vortrag, um über CO2-Gefahren zu fabulieren. In seiner Öko-Luxusvilla verbraucht der Klima-Alarmist soviel Strom wie 232 durchschnittliche Haushalte.“ (Rolf Finkbeiner, Die Klima-Lüge **).

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Nicholas Stern, ehemaliger „Chefökonom“ der Weltbank, hat seinen Bericht (auch „Stern-Bericht“ genannt) offenbar nur für sich selbst und bestimmte Lobbyisten geschrieben, weil er extrem pessimistische Szenarien beschreibt, die Schäden viel zu hoch und die Kosten, z.B. für die Emissionsreduktion, viel zu niedrig ansetzt, um die entsprechenden Effekte in Medien, Politik und Gesellschaft zu erzielen, die er für seine persönlichen Vorteile und Erfolge braucht. Sterns Bericht bietet keine wirkliche Kosten-Nutzen-Analyse und kann als „alarmistisch und inkompetent“ abgetan werden. Das sagt übrigens auch der Ökonom Richard Tol: „The Stern Review can therefore be dismissed as alarmist and incompetent“. Dies soll nicht heißen, daß der „Klimawandel“ für uns kein Problem sei und Treibhausgasemissionen nicht reduziert werden müßten. Aber die Kritik am „Stern-Bericht“ muß unbedingt verteidigt werden. Stern hat für seine Schadensschätzung von 5 bis 20 % des globalen Bruttoinlandsprodukts nur extrem pessimistische Szenarien herangezogen; andere Studien, die Schäden von weit unter 1 % errechnet haben, hat er offenbar unterschlagen; jedenfalls hat er die Schäden viel zu hoch und die Kosten für die Emissionsreduktion viel zu niedrig angesetzt. Ähnlich kritisch äußert sich auch der Ökonom Björn Lomborg, der außerdem behauptet, es gebe Projekte, mit denen sich für die Förderung des weltweiten Wohlstands bei viel geringeren Kosten viel mehr erreichen lasse als mit den Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen. - Außerdem sollten wir nicht vergessen, was schon mehrfach erwähnt worden ist: Das Klima unserer Erde wird zum weitaus größten Teil von kosmischen Faktoren beeinflußt - der dabei die allergrößte Rolle spielende Himmelskörper ist die Sonne (), also nicht einmal die Erde selbst (), von den auf ihr lebenden Lebewesen, also auch Menschen, ganz zu schweigen, da sie beim Einfluß auf das Klima der Erde eine viel zu geringe Rolle spielen !

Klimawandel ist der Normalfall! Das Klima hat sich immer schon verändert, und wird dies auch weiterhin tun! „Die wirkliche Gefahr geht von der Vernichtung von Lebensrämen aus, etwa von der ungebremsten Abholzung der höchst artenreichen Tropenwälder. Gerade als Naturforscher halte ich die Fokussierung auf den Treibhauseffekt für sehr gefährlich. Das Klima wird zunehmend zum Sündenbock gemacht, um vor anderen ökologischen Untaten abzulenken. Ein typisches Beispiel sind die irreführenden Debatten nach Hochwasserkatastrophen, die ja in Wahrheit auf die Verbauung der Flüsse zurückzuführen sind und nicht auf extremer gewordene Wetterereignisse, an denen wir ohnehin nichts ändern können. .... Bei uns ist die industriell betriebene Landwirtschaft der Artenkiller Nummer 1. Mit ihren Monokulturen und überdüngten Feldern haben die Bauern die Lebensbedingungen für viele Tiere und Pflanzen radikal verschlechtert. Zahlreiche Arten sind bereits vom Land in die Städte geflüchtet, die sich so in Hochburgen der Artenvielfalt verwandelt haben. Übrigens gibt es noch eine interessante Beobachtung: Großstädte wie Hamburg, Berlin oder München bilden Hitzeinseln, in denen schon seit Jahrzenhnten ein um zwei, drei Grad wärmeres Klima herrscht als im Umland. Wenn höhere Temperaturen (gemeint ist die globale Erwärmung, denn vor der haben die heutigen Klima-Hysteriker ja so unglaublich viel Angst! Anm. HB) wirklich so schlimm wären: Warum fühlen sich dort immer mehr Tiere und Pflanzen so pudelwohl? .... Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Biodiversität und Temperatur. Von den Polrandgebieten über die gemäßigten Breiten bis zum Äquator steigt die Artenzahl exponentiell. Man kann es auf die Formel bringen: Je wärmer ein Lebensraum ist, desto artenreicher ist er auch.“ (Josef Reichholf, in: Spiegel, 19, 2007, S. 156).

Übrigens gibt es eine Vergleichbarkeit von Klima und Demographie, was quasi das „Gesetz der Trägheit“ angeht: Die Auswirkungen durch den menschlichen Einfluß auf das Klima und die Auswirkungen durch den menschlichen Einfluß auf die Demographie zeigen sich - je nach Fall und in Abhängigkeit davon, wie oft, wie intensiv und wie lange schon vorher der jeweilige Einfluß war - erst Jahrzehnte bis Jahrhunderte später. In den hochindustrialisierten Ländern haben die Menschen zu wenige Kinder, leiden also am Schwund der eigenen Bevölkerung; in den Dritte-Welt-Ländern haben die Menschen zu viele Kinder, leiden an der Explosion der eigenen Bevölkerung. Die Weltbevölkerung insgesamt nimmt immer noch zu. Für eine sozial und wirtschaftlich positive Entwicklung ist es ganz dringend und unbedingt notwendig, daß die Bevölkerungen in den Dritte-Welt-Ländern die Produktion von Kindern drastisch reduzieren und die Bevölkerungen der hochindustrialisierten Länder die Produktion von Kindern erhöhen. Falls dies nicht bald geschieht, werden wir riesige soziale und wirtschaftliche Probleme bekommen. Gleiches gilt bekanntlich auch bezüglich des Klimas. Was für den von Menschen verursachten „klimatischen Wandel“ gilt, gilt also auch für den von Menschen verursachten „demographischen Wandel“. Wenn über den „demographischen Wandel“ auch so viel wie über den „klimatischischen Wandel“ in den Medien berichtet, auch so viel positive Bevölkerungspolitik wie positive Klimapolitik betrieben würde, dann würde vielleicht auch eine nachhaltrige Lösung für beide Probleme gefunden, ansonsten aber wieder nur die Negativität von Medien und Politik offenbar werden.

Wer von Lösungen der Bevölkerungsprobleme nichts wissen will, soll von Lösungen der Klimaprobleme schweigen!

Moderne   Moderne  Moderne  Moderne

Wer von Lösungen der Bevölkerungsprobleme nichts wissen will, soll von Lösungen der Umwelprobleme schweigen!

Unser größtes Problem sind nicht die „Hysterien“, sondern die Weltbevölkerungsstruktur. Die Demographie muß das wichtigste Thema auch der Politik sein, und zwar insbesondere das Problem der immer gefährlicher werdenden ungleichen Bevölkerungsstruktur auf der Erde, denn bekanntlich haben gerade die unproduktiven Völker die meisten und die produktiven Völker die wenigsten Kinder. Das ist unser Hauptproblem. Unsere wichtigste Aufgabe ist folglich, dieses Hauptproblem, daß die Unproduktivsten am reproduktivsten und die Produktivsten am unreproduktivsten sind, zu lösen. Wenn wir das Demographieproblem nicht in den Griff bekommen, dann ist nicht nur sicher, daß sich der Untergang der abendländischen Kultur beschleunigen wird - und das heißt, daß alle (alle!) abendländischen Nationen bald verschwunden sein werden -, sondern auch, daß die Menschheit auf ihr wohl größtes Chaos zusteuern, vielleicht sogar ebenfalls untergehen wird.

Wir müssen verdammt aufpassen, denn es gibt u.a. den „Plan einiger eingeweihter Politiker und Superreicher, sich mit technologisch hochgerüsteten Archen zu retten und den Rest der Menschheit aufzugeben .... Die Auslöser sind weniger Naturkatastrophen als politische Spannungen und Terrorismus. .... Wir haben keine starken Führer mehr .... Unsere politischen Führer meinen es vielleicht gut, aber persönlich stehen sie nicht für das Prinzip Verantwortung ein. .... Ich habe Zensur erlebt. .... Es geht nicht um Wahrheit, sondern um Ideologien.“ (Roland Emmerich, in: Cicero, 11 / 2009, S. 110).

Mittlerweile gibt es sehr viel mehr unechte als echte Umweltschützer: die unechten Umweltschützer wollen, um biologische Landwirtschaft betreiben zu können, den Regenwald abholzen oder abbrennen und behaupten scheinheilig bis verlogen, dies diene dem globalen Klima, weil auf dem Boden biologisch einwandfrei und in Konkurrenz zu der die Umwelt verschmutzenden Erdöl- und Erdgasindustrie angebaut werde; demgegnüber wollen die echten Umweltschützer den Regenwald und damit letztlich auch den Boden und die Luft schützen und behaupten mit Recht, es wäre selbst dann, wenn die „Monokulturellen“ die Erdöl- und Erdgasindustrie zum Verschwinden brächten, das Problem der Umweltverschmutzung nicht beseitigt, sondern wahrscheinlich sogar noch gewachsen, weil ja durch das Verschwinden des Regenwaldes der Boden zur Wüste wird und die „Monokultur“ diesen Prozeß sogar noch beschleunigt, d.h. den Boden kurzfristig unbrauchbar macht. Daß die „Monokultur“ der „Monokulturellen“ auch auf das Klima nicht positiv, sondern negativ wirkt, leuchtet ein.

2007 überholte erstmals weltweit die Anzahl der Stadtbevölkerung die Anzahl der Landbevölkerung. Die Städte wachsen also immer noch mit hoher Geschwindigkeit. Um die steigende Nachfrage nach Wohnraum, Nahrung, Trinkwasser, Energie und Industriegütern gewähren zu können, wird die Landschaft immer mehr versiegelt und zerstückelt - mit der Folge, daß Ökosysteme zusammenbrechen, weil Massenbewirtschaftung und Monokultivierung die Artenvielfalt zerstören und der immer kleiner werdende Lebensraum nicht mehr zu deren Erhalt reicht. Diese Sätze klingen nach Neomalthusianismus, doch soll hier gleich vorweg gesagt sein: schon Malthus (1766-1834Malthus) und seine Anhänger waren zu ungeduldig und wurden bald auch von der Wissenschaft widerlegt. „Durch die Verbesserung der Anbaumethoden, durch Erfolge bei der Pflanzen- und Tierzüchtung und später durch den Einsatz des Mineraldüngers, der von Justus von Liebig (1803-1873Liebig) 1840 entdeckt wurde, wuchsen die landwirtschaftlichen Erträge nicht linear, sondern geometrisch. Die jährliche Wachstumsrate der Nahrungsmittelmenge überstieg sogar die Wachstumsrate der Bevölkerung, so daß die Pro-Kopf-Nahrungsmittelmenge zunahm.“ (Herwig Birg, Die Weltbevölkerung, 1996, S. 31-32Birg). Außerdem war Malthus’ „Bevölkerungsgesetz“ bereits 57 Jahre vor seiner Veröffentlichung von dem deutschen Nationalökonom und Statistiker Johann Peter Süßmilch (1707-1767Süßmilch) widerlegt. Doch kommen wir zurück zum immer kleiner werdende Lebensraum: betroffen davon sind nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch Menschen (also doch „Volk ohne Raum“!). Laut Professor Helmut Haberl vom Institut für soziale Ökologie an der Klagenfurt-Universität in Wien verbrauchen wir Menschen jährlich rd. 15,6 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Biomasse, entsprechend 24 Prozent der Ressourcen, welche die Biosphäre der Erde mit Hilfe der Photosynthese erzeugt. Der Prozeß, dr im wesentlichen aus Sonnenlicht und Wasser mikrobielle sowie pflanzliche Biomasse erzeugt, steht am Beginn fast aller Nahrungsketten und bildet also auch die Lebensgrundlage für uns Menschen. Vom weltweiten menschlichen Ressourcenverbrauch gehen allein 53 Prozent auf das Konto der Lebensmittelerzeugung in der Landwirtschaft - jedenfalls wird das von Professor Helmut Haberl und seinen Kollegen behauptet -, weitere 40 Prozent entfallen auf den Verbrauch für Wohnraum, Verkehrsinfrastruktur und Industrie, und 7 Prozent fallen Bränden zum Opfer, für die wir Menschen die Verantwortung tragen.

„Der Mensch ist dabei, durch seinen ungebremsten Flächenverbrauch die Erdoberfläche umzuwandeln; er greift damit massiv in biogeochemische Kreisläufe des Planeten ein mit unabsehbaren Folgen für die davon abhängigen Ökosysteme“, so Professor Helmut Haberl und seinen Kollegen. Der immer größer werdende „Energiehunger der Menschheit“ und der absehbar weiter steigende Flächenverbrauch in der Natur führt zu einem paradoxen Effekt ausgerechnet bei den sogenannten „erneuerbaren Energien“: „Die Ausweitung des Anbaus für die Energieumwandlung aus Biomasse erhöht den Druck auf die natürlichen Ökosysteme und sollte deshalb mit großer Umsicht erfolgen“, mahnen die Wissenschaftler.

Warmes Erdklima ist die Regel! Kaltes Erdklima ist die Ausnahme von dieser Regel!

Naturwissenschaftler lassen sich mittlerweile von Politikern vorschreiben, was sie wie, wann und wo sagen dürfen. Ein Beispiel dafür ist auch der ansonsten sympathische Naturwissenschaftler Harald Lesch, der sich immer wieder von Politikern insbesondere das Thema Klima vorschreiben läßt. Das war früher anders, und zwar besser, viel besser! Denn die Politik darf sich nicht in die Wissenschaft einmischen, und früher hat sie das auch nicht getan (dies war übrigens nicht allein, aber immerhin eben doch auch ein Grund mehr dafür, daß Deutschland in der Wissenschaft zwei Jahrhunderte lang mit weitem Abstand weltweit führend warMehr).

Die Politik darf sich nicht in die Wissenschaft einmischen, und die Wissenschaft darf sich auch nicht in die Politik einmischen. Dies war früher eine Selbstverständlichkeit. Daß der Parteienstaat immer mehr Einfluß auch auf die Wissenschaft nimmt, verdankt sich u.a. auch den Aktivitäten der sogenannten „1968er“. Weil hier der falsche Ort ist, um darauf noch näher einzugehen, möchte ich nur noch appelieren: Politiker sollen die Wissenschaft und Wissenschaftler die Politik wieder meiden!

Was z.B. die heutige „Klimahysterie“ betrifft, so ist uns Kennern längst bekannt, daß sehr wenige von den Herrschenden ausgesuchte Wissenschaftler das Thema einseitig vortragen, es dann genauso scheinheilig wie alle anderen von der Politik diktatorisch vorgegebenen Themen als Ergebnis einer angeblichen „Diskussion“ hinstellen, obwohl die meisten ihrer Kollegen, also die meisten Wissenschaftler genau wissen, daß hier nur Propaganda betrieben, ein Kognitionskrieg geführt wird, der sich gegen die Mehrheit richtet (und dabei darf eben nicht diese Mehrheit, sondern nur die ausgesuchte Minderheit in den Massenmedien zu Wort kommt) und wieder einmal mehr beweist, daß die angebliche „Freiheit“ gar keine Freiheit ist, sondern nur genau so ein rhetorisches Mittel wie die angebliche „Demokratie“, die keine Demokratie ist, sondern höchstenfalls ein Parlamentarismus, also: ein Parteiensystem.

Beispielsweise wissen Kosmologen und noch mehr Geologen und Paläontologen ganz genau, daß das Klima unseres Planeten Erde in der Regel ein von warmen bis heißen Temperaturen begleitetes war, ist und sein wird, daß also die von der Einheitsblockpartei ausgehende „Klimahysterie“ diese Regel zur Ausnahme, ja zur Krankheit machen will. In Wahrheit ist viel mehr dieses Gesellschaftssystem namens Parteiensystem eine Krankheit. Eiszeiten sind die Ausnahme von der Regel und nicht umgekehrt. Eiszeiten sind selten, sie sind ein Teil der vielen verscheiden Erscheinungen des Revolutionären an der Evolution, besonders wichtig auch für die des Menschen. Eiszeiten bestehen aus Warm- und Kaltzeiten, und heute leben wir in einer Warmzeit einer Eiszeit, nämlich der Quartär-Eiszeit, die auch Pleistozän () genannt wird. Wenn in Zukunft die Eiszeit zu Ende sein wird, dann beginnt keine „Krankheit“, wie die „Klima-Hysteriker“ predigen, sondern wieder eine Zeit, die zum Regelfall gehört und (wenn man schon mit medizinischen Wörtern jonglieren will) zur „Gesundheit“.

Ob wir Menschen die Erde bis zu den Temperaturen, die heute auf der Venus vorherrschend sind (), aufheizen können, ist sehr unwahrscheinlich, und wenn doch, dann wäre es weder zu verifizieren noch zu falsifizieren, also wissenschaftlich gesehen kein Thema, was wiederum die These noch mehr bekräftigen dürfte, daß es lediglich ein Politikum ist (Stichwort: „Klimahysterie“). Wir lassen uns nicht verrückt machen, denn wir wissen, daß der Hauptgrund für die Veränderungen auf unserem Planeten kosmische Einflüsse sind, daß die Veränderungen durch Lebewesen, die wir nicht abstreiten und auch nicht zu gering einschätzen wollen, im Vergleich zu der Macht, die z.B. die Sonne über die Erde hat, verschwindend gering ist. Wir müssen uns an den naturgesetzlichen Takt halten, der uns ganz direkt betrifft, und das ist der Takt, den in unserem Sonnensystem der Stern namens Sonne im Zentrum als Chef absolut vorgibt. So lange die Macht der Sonne nicht gebrochen wird, z.B. durch in ihren Machtbereich eindringende stärkere Mächte, gilt für das gesamte Sonnensystem: Die Sonne ist der absolute Sponsor und der absolute Tyrann.

NACH OBEN
„Die Kirche verstand es, die Bereitschaft zur Buße zu nutzen.
Ablaßzahlungen sollten helfen (wie in unserer Zeit die »Klimasteuer«).“
(Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 96).
Buß-Ähnlichkeiten bei Christentum (Ablaßzahlungen) und Öko-/Klimabewegung (Öko-/Klimasteuer)!

Die Herrschenden aus Politik, Medien und Lobby vergrößern ihre Macht, ihren Einfluß durch Mißbrauch, um das Volk noch mehr ausbeuten und noch gefügiger machen zu können; sie bringen z.B. Hysterie, Angst, gesetzliche Verbote und Tabus in die Welt, hetzen Volksgruppen gegeneinander auf, zerstören dadurch jedes Vertrauen und jede Solidarität - und das alles nur, weil ihnen das Ausbeuten und Kleinmachen des Volkes wichtiger ist als das Versprechen zu Volksloyalität und Volksvertretung, das sie ja eh nicht halten (können). Politik und Glaube (Religion, Theologie) sollen ja angeblich im Westen getrennt sein, doch: was Buße und Ablaß angeht, so scheinen wir gar nicht in der Spätmoderne, sondern im Spätmittelalter zu leben und auf die Neuzeit, auf die Erlösung durch Martin Luther zu warten (z.B. auf die von Luther 1517 veröffentlichten 95 Thesen gegen den Ablaß); denn es ist ja egal, ob die Ablaßzahlungen (Zahlungen zum Ablaß von Strafen für begangene Sünden!) „moderner“ geworden sind und z.B. „Ökosteuer“, Klimasteuer“ u.s.w. heißen. Sie sind: Ablaßzahlungen!

„Der Katastrophismus ... bekommt ... immer mehr Zulauf. Längst glauben im
(christlichen!) Abendland mehr Menschen an ein katastrophales Ende als an eine bessere Zukunft.“
(Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 170).
Das Abendland ist eben immer noch ein christliches (!) Abendland!

 

NACH OBEN Hochwasserkatastrophen

„Gleich mehrere Hochwasser der letzten Jahre wurden »Jahrhundertfluten« genannt. Sie scheinen nun in größerer Stärke und in gesteigerter Häufigkeit als in früheren Zeiten zu kommen: Pfingsthochwasser 1999 am Alpennordrand, die Elbflut vom August 2002 und ein weiteres, sehr starkes Hochwasser Ende August 2005, das gewaltige Schäden und großflächige Überschwemmungen von der Schweiz bis in den Osten Österreichs verursachte. Unmittelbar davor hatte es in den 1990er Jahren gleichfalls drei sehr starke Hochwasser an Rhein und Oder gegeben. Drei Katastrophenhochwasser in den sechs Jahren von 1999 bis 2005 erwecken zwangsläufig den Eindruck, daß sich gegenwärtig die Hochwasser in noch nie dagewesenem Maße häufen. Doch solche »Eindrücke« haben mit Zeit und Vergessen zu tun. Die Angaben der Versicherungen bestätigen die Häufung allerdings nur höchst vordergründig, weil sie auf (versicherte) Schäden bezogen sind.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 107).

„Das stärkste Hochwasser im ganzen 20. Jahrhundert, das Julihochwasser von 1954, liegt noch nicht einmal ein volles durchschnittliches Menschenalter zurück, und dennoch wird es in der Öffentlichkeit kaum noch einmal erwähnt. Am Inn bei Passau, dem zusammen mit dem Rhein wasserreichsten Alpenfluß Mitteleuropas, erreichte dieses Hochwasser 6000 Kubikmeter pro Sekunde. Die Menge ließ sich recht genau bestimmen, weil der untere Inn in eine Kette von Stauseen aufgegliedert und in Dämme gefaßt ist, die kein Ausufern der Fluten mehr zulassen. Das Hochwasser von 1954 übertraf alle seitherigen bei weitem, das schon zur »Jahrhundertflut« ernannte vom 23. August 2005 mit eingeschlossen. In der Rangfolge wurde es schon vom Hochwasser 1899 jedoch ganz klar an Pegelstandshöhe und noch viel mehr an Menge des Wassers übertroffen. Weitaus größere Überschwemmungen gab es 1786, und die höchste im letzten halben Jahrtausend über Wasserstände an Gebäuden verzeichnete Flut fand 1598 statt. Zahlreiche weitere Katastrophenhochwasser hatte es in den vier Jahrhunderten von 1500 bis 1900 gegeben. Sie wurden längst nicht alle an Gebäuden vermerkt, wenn sie unterhalb der früheren Spitzenwerte geblieben sind. Aber aus anderen Quellen lassen sich Häufigkeiten und ungefähre Höhe der Hochwasser ermitteln.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 107-108).

„Für den Rhein und seine süddeutschen Nebenflüsse sowie für die obere Donau werteten R. Glaser, J. Jacobeit, M. Deutsch, H. Stangl () die Daten aus. Sie konnten zeigen, daß es gut erkennbare Phasen unterschiedlicher Häufigkeit und Stärke der Hochwasser gegeben hat. So ist für den Niederrhein bei Köln und Koblenz die markanteste und stärkste Hochwasserperiode in den 100 Jahren zwischen 1350 und 1450 ausgebildet. Von 1500 bis 1650 folgt eine breitere und von 1700 bis etwa 1770 eine Zeit geringer Häufigkeit. Danach steigt die Hochwasserhäufigkeit steil an und erreicht um 1800 einen neuen Höchstwert, der 1900 zu einem fast historischen Tiefstand absinkt und seither wieder kontinuierlich auf das bislang dritthöchste (!) Niveau des ganzen letzten Jahrtausends angestiegen ist.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 108).

Hochwassermarken am Inn
Hochwassermarken am unteren Inn in Schärding/Oberösterreich (Foto: Reichholf). Linke Seite vom Innufer aus, rechte Seite landseitig oben anschließend. Der Pfeil verweist auf die Position des Hochwassers 1954 in der landseitigen Fortsetzung auf die jeweils gleiche Höhe.

„Für die obere Donau ergeben die historischen Daten jedoch einen ganz anderen Verlauf. Der große »Rheingipfel« von 1350 bis 1450 ist hier nur schwach ausgeprägt. Erst nach 1500 steigt die Hochwasserhäufigkeit stark an und erreicht zwei markante Gipfel zwischen 1650 und 1680 sowie 1750 bis 1800. Ab dem frühen 19. Jahrhundert liegen für alle größeren Flüsse Messungen vor, die sowohl die Häufigkeit als auch die Stärke der Hochwasser hinreichend genau dokumentieren. Ganz allgemein besagen sie, daß die Fluten im 20. Jahrhundert weder häufiger gekommen noch stärker ausgefallen sind als in den Jahrhunderten davor. Im Gegenteil: Für die beiden wasserreichsten Flüsse Süddeutschlands, den Rhein und den Inn, der beim Zusammenfluß mit der Donau in Passau mehr Wasser und erheblich stärkere Hochwasser als diese bringt, ergibt sich für die vergangenen 100 Jahre eine Abnahmetendenz. Das zeigen die genauen Aufzeichnungen für den Oberrhein und die Auswertungen zur Wasserführung des Rheins von J. Karl () sowie die zahlreichen Hochwassermarken an Ufergebäuden. Dabei ist nämlich zu berücksichtigen, daß die großen Flüsse erst im 19. Jahrhundert reguliert und in Dämme oder Deiche gefaßt worden sind. Die Verminderung des Durchflußquerschnitts erzwingt einen Anstieg der Fluthöhe bei gleicher Wassermenge. So hatte sich etwa das stärkste Hochwasser des 20. Jahrhunderts am Inn im Juli 1954 praktisch nicht mehr über die früheren Talweitungen ausbreiten können, die noch den starken Hochwassern vom August 1897, Juni 1940, September 1920 und September 1899 zur Verfügung standen, denn die Stauseen wurden erst ab 1942 gebaut. Die Abfolge der Jahreszahlen gibt die Stärke der Hochwasser wieder (vgl. Abbildung). 1954 rückte die Fluthöhe bis auf etwa einen Meter an den letzten Höchstwert von 1899 heran. Damals waren aber bereits erste »Abflußbeschleunigungen« über Durchstiche und Längsverbau des außeralpinen Inn getätigt worden.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 109-110).

Sommerabflüsse des Rheins bei Basel seit 1810
Die Entwicklung der Wasserführung des Rheins im hydrologischen Sommerhalbjahr seit 1810 anhand der 10-jährigen Mittelwerte läßt keinen Rückgang erkennen, obwohl die Gletscher so stark abgeschmolzen sind. (Daten: J. Karl, 1997).

„Am Rhein fing die Regulierung mit der Tulla'schen Korrektur Anfang des 19. Jahrhunderts an, am Inn dagegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Hochwasser zeigen dennoch das gleiche Bild größerer Höhe im 19. als im 20. Jahrhundert. Aus den Höhenlinien im Flußtal kann man einigermaßen verläßlich abschätzen, wie groß die Wassermengen gewesen sein dürften, die im Zustand des gänzlich unverbauten Wildflusses mehrere Meter höhere Anstiege der Flutspitzen als nach der Regulierung verursachten. Die Inn-Hochwasser von 1786 und vor allem das ganz gewaltige von 1598 müssen demnach noch ein Mehrfaches der Wassermenge gebracht haben als die mit 6000 Kubikmeter pro Sekunde gemessene Flut von 1954. Größenordnungen von 20000 Kubikmeter pro Sekunde und darüber hinaus erscheinen realistisch, denn damals konnte sich die Überschwemmung auf fünf bis sieben Kilometer Breite im Tal ausdehnen. Der Vergleich mit dem Rhein vermittelt einen weiteren Aufschluß. Während sich im Donausystem, zu dem der Inn gehört, der spätmittelalterliche Gipfel um 1400 noch nicht abzeichnet, steigt die Hochwasserintensität nach 1500 stark an, obgleich der Rhein nur eine mittlere Hochwasserhäufigkeit erreicht und dessen zweithöchster Gipfel um 1800 deutlich verzögert auf die besonders großen und häufigen Hochwasser im System der oberen Donau zwischen 1730 und 1800 folgt. Das Spitzenhochwasser von 1786 am Inn deckt sich zeitlich recht gut mit dem Extremhochwasser an Main und Neckar von 1784, das wohl in Zusammenhang mit dem Ausbruch des Vulkans Laki auf Island in den Jahren 1783/’84 steht und gleichfalls mit »alpiner Verzögerung« den Inn und das Stromsystem der oberen Donau erfaßte. Denn die wahrscheinlichste Erklärung für die in der Zeit verschobenen Verläufe der Hochwasser an Niederrhein und Donau/Inn ergibt sich aus der Zwischenspeicherung großer Mengen an Niederschlagswasser im Eis der Alpengletscher. Diese wuchsen, wie die Untersuchungen von C. Pfister () für die Schweiz gezeigt haben, im Spätmittelalter sehr stark, allerdings um nach nur einem Jahrhundert Gletschervorstoß schon wieder zu schrumpfen. Erst nach 1500 setzte ein anhaltendes Gletscherwachstum ein, das im 19. Jahrhundert den Höchststand erreichte und danach rasch zu Ende ging. Seither ziehen sich die Gletscher zurück. Auf die Jahreswasserführung der Alpenflüsse hat das so gut wie keinen Einfluß, denn der Anteil des Gletscherwassers macht darin nur wenige Prozent aus ().“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 109-111).

„Aber die Extremhochwasser müssen im Zusammenhang mit den alpinen Gletschern, den winterlichen Schneemassen und der Eisbildung auf den Flüssen gesehen werden. Viele der Katastrophenhochwasser der letzten Jahrhunderte, die zweite Hälfte des 20. ausgenommen, waren spätwinterliche Eisstoß-Hochwasser gewesen. Sie führten dazu, daß der Rhein über die Mainmündung hinaus in manchen Jahren noch im April oder sogar Anfang Mai Eisschollen abtrieb. Damit taucht ein noch komplexerer Zusammenhang zwischen Hochwasser und klimatischer Änderung auf. In grober Bilanzierung läßt sich feststellen, daß die warmen Jahrzehnte und Jahrhunderte auch die »guten« gewesen sind, während die kalten und niederschlagsreichen die schlimmsten Hochwasser gebracht hatten.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 111).

„Werfen wir vor der Behandlung der Kältewinter und ihrer Auswirkungen auf die Natur Mitteleuropas noch einen etwas genaueren Blick auf den Zustand der Flüsse in den Jahrhunderten vor Beginn der Regulierungen durch den Wasserbau. Was kennzeichnete sie damals, und worin unterschieden sie sich von den heutigen Verhältnissen?“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 111-112).

„Zunächst gilt es, ein weitverbreitetes Mißverständnis auszuräumen. Die Flüsse Mitteleuropas waren im 19. Jahrhundert vor den ersten Begradigungen und Ausbaumaßnahmen sicher nicht »im Naturzustand«, wenn damit jener Zustand gemeint sein sollte, in dem ein Fluß vom Menschen tatsächlich nicht nennenswert verändert ist. Ihr Fließen war zwar nicht wesentlich reguliert und ihre Hochwasser auch nicht gelenkt oder gebändigt. Aber dennoch waren längst so gut wie alle größeren Fließgewässer und die meisten Bäche nicht mehr »Natur«, auch wenn sie »natürlich« aussehen mochten. Seit Jahrhunderten waren sie vielfältigen Einwirkungen der Menschen ausgesetzt. Die Auen wurden genutzt zur Gewinnun von Brennholz und als Weide für Rinder, Ziegen und Schafe. Sand und Kies wurden entnommen, Uferwege waren angelegt und als sogenannte Treppelwege auch dazu benutzt worden, mit Pferdegespannen Lastkähne gegen die Strömung flußaufwärts zu ziehen. Holz wurde geflößt, und die Flößerei stellte in früheren Zeiten das dar, was heutzutage die von starken Motoren getriebenen Lastkähne der Binnenschiffahrt sind: Verkehrsmittel auf Wasserstraßen. Natürlich wurde gefischt. Reusenanlagen sperrten ganze Flußarme ab. Es gab Korb- und Netzfischerei, Jagd und eine Wasserverschmutzung, von der wir uns kaum eine Vorstellung machen können. Aller Unrat, Schmutz und die Fäkalien aus den Städten gingen an den Flüssen einfach »ins Wasser«. Auch das Vieh, das zur Tränke kam, hinterließ Exkremente. Wenn wir die heutige Fischproduktion von Flüssen, die aus den Alpen kommen, und die schon seit Jahrzehnten kein ungeklärtes Abwasser mehr erhalten, mit den früheren Angaben zum Fischreichtum vergleichen, scheint etwas grundsätzlich nicht zusammenzupassen. Wo seit geraumer Zeit ein erwerbsmäßiger Fischfang nicht mehr lohnt und für das Sportangeln immer wieder neuer »Besatz« aus Fischzuchtanstalten nachgesetzt werden muß, wimmelte es »früher« nur so von Fischen unterschiedlichster Arten. Die Fischerei war so einträglich, daß »Fischrechte« auf Uferstrecken bezogen vergeben worden waren wie Rechte der Flur- und Waldnutzung an Land. Auch noch die kleinsten Bäche wurden von Fischereirechten erfaßt. Man faßte sie vielfach als »Verbundrechte« in den sogenannten Koppelfischereirechten zusammen. Das Privileg zum ausschließlichen Fischfang auf bestimmten Strecken konnte an Häuser gebunden sein, und es fiel automatisch den jeweiligen Bewohnern zu, weil diese die dem Haus zugedachte Funktion, etwa eine Fähre zu betreiben oder einen Uferbereich für das Anlanden von Schiffen instand zu halten, zu erfüllen hatten. Unterließe man heute in unseren sauber gewordenen Flüssen und Bächen den Besatz, würden lange Strecken etwa von Inn oder Isar kaum zum Sportangeln locken. Großartige Erträge lassen sich auch mit intensiven Besatzmaßnahmen nicht erzielen. Schuld daran sind keinesfalls die fischefressenden Wasservögel, denn solche hatte es in früheren Zeiten auch und wahrscheinlich sogar in weitaus größeren Mengen gegeben als in der Gegenwart. Wo es in unserer Zeit außerordentlich fischreiche Flüsse gibt, kommen auch Wasservögel in großen Mengen und eindrucksvoller Vielfalt vor. Wie soll man aber die Chroniken verstehen, die von Fischzügen solcher Stärke berichten, daß das Wasser schwarz geworden war, weil die Fische Rücken an Rücken daherkamen? Raubfische, wie die großen Huchen (Hucho hucho) in der Donau und ihren Nebenflüssen, erreichten nach heutigen Standards wahre Rekordgrößen. Wanderfische müssen durch viele Flüsse gezogen sein wie Heringsschwärme im Meer. Im Hohen Mittelalter war es angeblich den Bürgern in Köln zeitweise untersagt, den Dienstboten mehr als fünfmal die Woche Lachs zu essen zu geben. Ob übertrieben oder nicht, daß damals Lachse den Rhein in Mengen hochgezogen kamen, steht außer Zweifel. Kaum etwas anderes fällt für die früheren Jahrhunderte so übereinstimmend aus wie die Angaben zum Fischreichtum in den Gewässern. Kein Fluß, kein See ist davon anscheinend ausgenommen. Die Chroniken berichten von großartigen Ergebnissen der Netzfischerei. Fisch als Nahrungsmittel war so begehrt, daß im späten Mittelalter große Fischteiche und Teichanlagen angelegt wurden, in denen vor allem Karpfen gezüchtet wurden. Die Aischgründer und die Oberpfälzer Karpfenteiche, die riesigen Teichanlagen von Mähren und in der Brenne Ostfrankreichs und viele weitere Fischteiche wurden damals angelegt. Die meisten davon gehen auf Klöster zurück. Bezeichnungen in der Teichwirtschaft wie »Mönch« zeugen davon.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 112-114).

„In unserer Zeit halten Ringkanalisationen die meisten Seen sauber. Die menschlichen Abwässer werden über hochwirksame Kläranlagen gereinigt, und wenn irgendwo Giftstoffe in einen Fluß gelangen, berichten sogleich die Medien von dieser Umweltkatastrophe. Die Teichwirtschaft sichert ihre (hohen) Erträge mit massivem Einsatz von Futtermitteln für die Fische. Ohne diese würde sich heutzutage kaum noch eine rentieren.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 114-115).

„Die Paradoxie dehnt sich sogar noch weiter aus, wenn wir auch anderes Wassergetier betrachten, das einstens (große) Bedeutung hatte. Zum Beispiel die Krebs- und die Perlmuschelfischerei. Flußkrebse gab es bis in das späte 18. Jahrhundert reichlich. Eine Fülle von speziell auf den Krebsfang ausgerichteten Geräten gibt davon ebenso Zeugnis wie umgangssprachliche Begriffe. »Krebsrot« zu werden benutzen wir als Zeichen für einen starken Sonnenbrand. Das wirkliche »Krebsrot«, den nach dem Fluß- oder Edelkrebs Astacus benannten Farbstoff »Astaxanthin«, kennt aber kaum jemand aus eigener Erfahrung. Zwar erholen sich in manchen Bächen die Flußkrebsvorkommen gegenwärtig wieder etwas, aber von früheren Verhältnissen kann dennoch überhaupt nicht die Rede sein.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 115).

„Noch schlechter steht es um die Flußperlmuschel (Margaritifera margaritifera). Allen Bemühungen des Artenschutzes zum Trotz, die letzten Restvorkommen zu erhalten, sieht es nicht gut aus für sie. Die Muschelbänke erzeugen kaum noch Jungmuscheln, oder sie haben überhaupt keinen Nachwuchs mehr. Nun waren aber in früheren Jahrhunderten, als zum Beispiel im Bayerischen Wald die Glashüttenindustrie Einzug gehalten und das Gebiet von weit mehr Menschen als heute besiedelt war, die hochgradig giftigen Abwässer keineswegs geklärt worden. All das, was andernorts Gerbereien oder Färbereien an Abwässern erzeugten, lief gleichfalls als stinkende Giftsoße in die Bäche oder Flüsse. Dennoch hatten diese, von örtlichen Schäden abgesehen, offenbar nicht nur keine geringere Produktivität als gegenwärtig nach so gründlicher Abwasserreinigung, sondern eine sehr viel höhere. Fische, Krebse und Muscheln lebten in den Bächen, Flüssen und Seen in Hülle und Fülle, aber aus hygienischer Sicht herrschten darin katastrophale Verhältnisse. Warum das so war, wird klar, wenn man die Vorstellung von »unregulierten Flüssen im Naturzustand« aufgibt. Zwar hatten die Menschen seit dem Mittelalter wenig sichtbaren Einfluß auf die Struktur der Wasserläufe genommen, dafür aber umso mehr das Leben in den Flüssen verändert. Denn die Abwässer von Mensch und Tier düngten die Fließgewässer ununterbrochen und versetzten von Natur aus »magere« Flüsse in hochproduktive Zustände. Was Menschen und Haustiere ausscheiden, steckt voller verwertbarer Nährstoffe, die keineswegs nur den Böden auf den Fluren als Biodünger zugutekommen und ihre Erträge heben, sondern auch den Gewässern. Von den organischen Reststoffen und den Massen von Bakterien, welche die Exkremente durch- und zersetzen, leben die Kleintiere des Bodenschlammes und der flachen, wenig durchwirbelten Uferzonen der Gewässer. Voraussetzung für ihr Wirken ist allerdings, daß reichlich Sauerstoff vorhanden ist oder nach dessen Zehrung durch die Wasserwirbel rasch genug wieder nachgeliefert wird. Der unregulierte, »offene« Fluß hatte diese Struktur. Ihre Wirkung wurde sogar noch verbessert, weil so viele und weitläufige Uferbereiche offen gehalten worden waren. Die Flußauen dienten seit Jahrhunderten als Weideland. Die uralte Bezeichnung »Aue« meint »Wasserwiese«. Das Vieh konnte bei drohendem Hochwasser vergleichsweise rasch auf sicheren Grund herausgeführt werden. Denn die Siedlungen legte man nicht in den von Überschwemmungen gefährdeten Niederungen, sondern an deren Rändern an. Heute werden die meisten Flußauen als Ackerland genutzt. Bei Überschwemmung geht die Ernte buchstäblich zugrunde. Ungleich besser paßte die Weidewirtschaft zur Wasserdynamik in der Flußaue; Besiedlung und feste Felder gab es kaum oder nur an solchen Stellen, die selten genug vom Hochwasser heimgesucht wurden. Die alten Karten zeigen, daß die Dörfer und Städte im allgemeinen den Flutgrenzen folgten und nicht in die Überschwemmungsbereiche hineingelegt worden waren. Weidevieh und die Abwässer der Siedlungen stellten also die Grundlage für die hohe Produktivität der Flüsse an Fischen und Krebsen, an Muscheln und auch an Insekten dar. Diese schwärmten in früheren Zeiten in solchen Mengen, daß sich manchmal zentimeterdicke Schichten von toten Leibern bestimmter Arten von Eintagsfliegen bildeten. »Uferaas« wurden diese Wasserinsekten genannt, deren Larven im nahrungsreichen Flachwasser leben und zusammen mit anderen Arten der Gruppen von Köcherfliegen, Eintagsfliegen und Steinfliegen die wichtigste Nahrung für viele Fische darstellen. Sie selbst verbrauchen die organischen Reststoffe, die ins Wasser hineinkommen. Im echten Naturzustand wäre dies der Abfall an Blättern und anderen Pflanzenteilen aus dem Auwald gewesen, der die Ufer dicht gesäumt und vor zu starken Abtragungen und Uferverlagerungen geschützt hatte. Beweidung und Holznutzung degradierte frühzeitig die Auwälder zu lückigem Buschwerk. Ganz entsprechend sind die Flüsse auf den Bildern der Landschaftsmaler dargestellt. Es gibt weitflächige Kiesbänke und vielfach einzeln stehende Baumgruppen, unter denen Hirten und Kühe Schatten fanden.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 115-117).

„Gewiß, die Flüsse, zumal die größeren, machten unreguliert einen »wilderen« Eindruck als die begradigten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. In diesen sollte das Wasser möglichst schnell und ungehindert abfließen. Natürlicher waren sie jedoch dadurch nicht geworden. Der Wasserbau des 20. Jahrhunderts führte sie dann von einem bereits menschengemachten Zustand in einen anderen über. Unsere heutigen Vorstellungen von Sauberkeit entziehen den Flüssen die letzten Möglichkeiten, biologische Produktivität zu entfalten, denn mit dem Säubern des Abwassers von organischen Reststoffen wird ihnen die Nahrung genommen. Früher gab es, auf den »Naturzustand« bezogen, viel zu viel davon, jetzt aber zu wenig. Hieraus erklärt sich sowohl der frühere Reichtum an Fischen und Krebsen, Perlmuscheln und Massenschwärmen von Eintagsfliegen als auch ihr heutiger Rückgang oder das weitgehende Fehlen trotz (wegen!Anm. HB) »sauberen Wassers«. Die organischen Reststoffe hatten den Fischen eine so überreiche Nahrungsgrundlage an Insektenlarven und schlüpfenden Wasserinsekten geboten, daß sie nicht in der Lage waren, die Schwärmflüge erkennbar zu dämpfen. Von den organischen Resten lebten auch die Muscheln, die Perlmuscheln in den Waldbächen zumal, weil die Täler von Ziegen und auch von Rindern beweidet worden waren. Das hielt die Ufer der Bäche offen, sonnig und verhinderte, daß wie gegenwärtig fast nur Nadeln als pflanzlicher Abfall in die Bäche fallen und diese versauern lassen. Wo Muscheln leben können, gibt es auch Wasserschnecken, große Würmer und anderes Kleingetier im Wasser, von dem sich die Krebse ernähren. Sie dürften auch von zahlreichen Tierkadavern profitiert haben, die früher ins Wasser gelangten. Frösche gab es an den flachen Buchten, an die das Vieh zur Tränke kam, in großen Mengen. In den früheren Jahrhunderten kannte man das Phänomen der »Krötenzöpfe«. Diese entstehen, wenn mehrere Männchen der Erdkröte (Bufo bufo) ein großes Krötenweibchen klammern und so lange unter Wasser drücken, bis dieses stirbt und daher keine Abwehrlaute mehr von sich geben kann. Immer mehr Männchen kommen nun hinzu und klammern ebenfalls, bis ein Gebilde entsteht, das wie ein aus Kröten gemachter Zopf aussieht. Wo sich Erdkröten zum Laichen zu Hunderten oder gar zu Tausenden einfinden, kann so etwas geschehen. Abends schallten dann im Mai und Juni die Chöre der Laubfrösche aus diesen flachen Ufergewässern kilometerweit übers Land. Die alten Angaben zu Vorkommen und Häufigkeit sowie über Merkwürdigkeiten allgemein bekannter Tierarten lassen sich gemäß den heutigen Verhältnissen oft kaum noch verstehen. Erst wenn wir die früheren Verhältnisse in der Landnutzung berücksichtigen, ergeben sich sinnvolle Zusammenhänge.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 117-118).

„Eine weitere bedeutsame Veränderung in der Wasserführung der Flüsse ergab sich natürlich auch aus anhaltenden Trockenperioden. Solche können kalte Winter mit Dauerfrost, aber auch heiße, trockene Sommer verursachen. Vor wenigen Jahren hatte der so niederschlagsarme Hitzesommer von 2003 gleichsam einen späten Nachtrag aus der Frühzeit des 2. Jahrtausends vorgeführt. Im warmen Hochmittelalter gab es deswegen kaum Hochwasser, die für wert befunden wurden, in den Chroniken vermerkt zu werden, weil die Flüsse insgesamt viel weniger Wasser führten. Dieser Zustand zeigte sich im Hoch- und Spätsommer 2003, als Rhein und Donau und andere Flüsse in Mitteleuropa auf »Rekordtiefs« abgesunken waren. Wie schon erwähnt, war der Trockenbau der berühmten Steinernen Brücke in Regensburg deswegen möglich, weil die Donau damals so wenig Wasser führte. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatten sich die »üblichen« Verhältnisse der Wasserführung in der Wärmezeit des Hochmittelalters im Vergleich zur Gegenwart regelrecht umgedreht: Viel Wasser kam im Winter und wenig im Sommer. Der Wechsel auf ungefähr heutige Verhältnisse kam mit dem großen Umschwung der Witterung zu Beginn der Kleinen Eiszeit, als Schnee und Eis dominant wurden und langer, tiefer Frost das Wasser zurückhielt. Seither führen viele Flüsse im Winter am wenigsten Wasser. Im Frühjahr steigt mit der Schneeschmelze und dem Eisaufbruch die Menge rasch wieder an, und zwischen 1500 und 1900 gab es viele sehr schwere »Winterhochwasser«. Die Chroniken zeigen erstaunlicherweise während der Kleinen Eiszeit auch vermehrt Extremhochwasser im Spätsommer und Herbst. Die in den letzten 100 bis 150 Jahren gemessenen Werte für den Jahresgang der Wasserführung unserer Flüsse müssen deshalb keineswegs »typisch« sein. Die Hochwasser weisen mit Lage und Stärke auf andere Abflußverhältnisse in früheren Jahrhunderten hin, deren ökologische Folgen in den Flüssen wir nicht abschätzen können. Die Wasserbaumaßnahmen änderten auch diese »Vorgaben« der jüngsten Vergangenheit schon wieder. Das Niederschlagswasser kommt nun immer schneller aus dem Einzugsgebiet zum Hauptlauf, wo die Scheitelwellen eines Hochwassers entsprechend steiler auf- und durchlaufen als in früheren Jahrhunderten. Was im 16. und 17. Jahrhundert noch gar nicht als Hochwasser angesehen worden wäre, kann nun bereits zum mittleren Hochwasser anschwellen und am Unterlauf Schäden verursachen. Wo vor den Regulierungen in weit auseinandergezogenen und verzweigten Flußläufen das ganze Spektrum der Fließgeschwindigkeiten zwischen Stillstand oder sogar rückwärts gerichteter Strömung bis hin zu mehreren Metern pro Sekunde vorhanden war, schießt nun der allergrößte Teil des Wassers durch einen engen Schlauch mit stark überhöhter Geschwindigkeit. Das hat Folgen für Stärke und Häufigkeit der Überschwemmungen und für die Sicherheit von Dämmen und Deichen, aber auch für die ökologischen Vorgänge im Fluß. Die früheren Verhältnisse sagen uns aber nicht einfach, wie der Fluß seiner Natur nach sein soll(te). Vielmehr geht aus ihnen nur hervor, wie er einmal (auch) war.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 118-120).

„Flüsse sind allerdings von Natur aus auch nicht »festgelegt« auf bestimmte Zustände, die »richtig« sind. Sie verändern sich beständig von den Quellen bis zur Mündung und über die Jahreskreise und die Zeiten. Es gibt keinen Sollwert für die Wasserführung des Rheins oder der Elbe und auch keinen idealen Verlauf der Jahresgänge, so wenig, wie es die ideale oder die richtige Witterung gibt. Anders als die viel beständiger erscheinenden, weil träger reagierenden Wälder oder die Menschenwelt mit ihren Zielvorgaben drücken die Flüsse aus, wie sehr die Natur »in Fluß« ist. Darin gleichen sie der Witterung und dem Klima. Ob sie unnatürliche Extreme bringen, hängt davon ab, was wir für Vorstellungen damit verknüpfen. Doch genauso unnatürlich wäre es anzunehmen, daß die Flüsse immer gleich fließen würden und das Wetter alle Jahre auf dieselbe Weise verlaufen sollte.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 120).

NACH OBEN

Was wieder einmal stark beschleunigt zunimmt, ist der Katastrophismus. „Sein Einschüchterungspotential wird gegenwärtig wieder hemmungslos ausgenutzt. Längst sind ganz natürliche und häufig wiederkehrende Wetterereignisse zu Katastrophen gemacht worden. In früheren Jahrhunderten hätte man sie nicht für wert befunden, wie Geburten und Sterbefälle in die Kirchenbücher eingetragen zu werden. Die Medien nutzen unseren merkwürdigen Hang zu Katastrophen bekanntlich höchst umfänglich aus und übertreiben in aller Regel bis an die Grenzen des Zumutbaren und darüber hinaus. Vielleicht äußert sich darin unsere kindliche Sehnsucht nach Sicherheit, die eine Gesellschaft nicht mehr bietet, weil sie überaltert ist. Mangels Kinder möchten (zu) viele selbst kindlich bleiben.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 185).

NACH OBEN Justus von Liebig und der Kunstdünger

„Die große Wende löste im Stillen ein herausragender, bis in die Gegenwart hoch geehrter deutscher Chemiker aus, als er das zugrundeliegende Prinzip für die Produktivität der Natur erkannte. Justus von Liebig formulierte es als das (sein) »Minimum-Gesetz«. Danach begrenzt jener Nährstoff die (landwirtschaftliche) Produktion, der im Verhältnis zu den anderen benötigten Stoffen im Minimum ist. Das kann etwas so Einfaches sein wie das fehlende Wasser in der Wüste oder der Mangel an Wärme in den polaren Regionen. Letztere lassen sich schwerlich heizen. In zu kalten Gebieten können nur Glashäuser eine gewisse Lösung sein. Die Wüste kann man bewässern. Das ist seit Jahrtausenden bekannt und vielfach gemacht worden. Liebigs Leistung lag nun darin, den Schlüssel für die Produktionsverbesserung gleichsam für das normale Land gefunden zu haben. Die chemische Analyse kann feststellen, ob der Boden genug Stickstoff- oder phosphorverbindungen, Kalium oder Eisen enthält, oder wie viel ihm davon, bezogen auf den Bedarf der Nutzpflanzen, fehlt. Der Mangel läßt sich bestimmen und direkt im Verhältnis zu den anderen Mineralstoffen messen. Das ermöglicht die richtige Versorgung mit Kunstdünger. Das Zauberwort zur nachhaltigen und außerordentlich starken Anhebung der Produktion lautete alsbald »Nitrophoska«. In diesem Kunstdünger wurden die drei mengenmäßig bedeutendsten Wirkstoffe, nämlich Stickstoff (Nitro), Phosphor (Phos) und Kalium (Ka), in ziemlich genau den Verhältnissen geboten, in denen sie von den Kulturpflanzen für Wachstum und Fruchtbildung benötigt werden. Entsprechend nachhaltig ließ sich die Produktion, gemessen an Hektarerträgen, in kurzer Zeit steigern. Sobald Kunstdünger preiswert genug zur Verfügung stand, merkten die Landwirte, daß sie auch ohne aufwendige Analysen nach dem einfachen Prinzip »viel hilft viel« ihre Erträge steigern konnten. Großtechnische Erzeugung senkte die Preise für den Kunstdünger. Die Landwirtschaft wurde zu einem der Hauptabnehmer von Produkten der chemischen Industrie. Deutsche Firmen stiegen in die Weltspitze auf, weil in Mitteleuropa bei ziemlich guten Böden ein Missverhältnis zwischen Produktionsflächen und Bedarf zustande gekommen war. Die Bevölkerung brauchte weit mehr Nahrungsmittel, als das Land in der herkömmlichen Weise erzeugen konnte.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 187-188).

„Die großtechnische Erzeugung und der großflächige Einsatz von Kunstdünger veränderten die Lage, aber richtig zur Wirkung kam dieser erst, als nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Flurbereinigung ein ganz neuer Anfang gemacht werden konnte. Die beiden Weltkriege hatten die Entwicklung weitgehend unterbrochen und gleichsam auf den Anfang zurückversetzt. Noch zwischen den Kriegen bestand die Vollwertdüngung deutscher Flur in einer Menge von 30 bis 50 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr. So viel gelangt seit rund 20 Jahren allein auf dem sogenannten Luftweg als Dünger flächig übers Land. Die Quellen davon sind die modernen Großfeuerungsanlagen, die bei hohen Betriebstemperaturen Luftstickstoff mitverbrennen und so zu Dünger aus der Luft werden lassen, aber auch der Autoverkehr, wenn die Motoren in hohen Drehzahlen laufen. Der direkte Einsatz von Düngemitteln stieg unabhängig von dieser »Düngung nebenbei« produktionsbezogen stark an. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts übertraf die Bilanz zwischen Ernteentzug und Düngung fast überall in Mitteleuropa die Grenze von 100 Kilogramm Stickstoff (als Reinstickstoff gerechnet) je Hektar und Jahr. In den agrarischen Intensivgebieten verdoppelte sich dieser Überschuß und wurde zur Hauptbelastung für Boden, Grundwasser und auch der Luft, weil immer größere Mengen organischen Düngers nicht mehr, wie früher, als Festmist auf die Fluren gebracht wurde, sondern in Form von flüssiger Gülle. Diese Entwicklung veränderte das Grundwasser, die Nährstoffgehalte der Böden und über diese Lebensgrundlagen auch die Artenzusammensetzung und -vielfalt der Fluren weit stärker als alle früheren »Eingriffe«. Denn nun trat genau das auf, was der Mangel verhindert hatte. Einzelne Pflanzen, die sehr »wüchsig« sind und dafür auch reichlich Nährstoffe brauchen, wucherten und erdrückten die genügsameren und zarteren Arten. Der Stickstoff wurde zum »Erstick-Stoff« für die Artenvielfalt. Die Vegetation wächst nun seit Jahrzehnten schon aufgrund dieser Düngung im Frühjahr viel früher und viel dichter auf als in den »mageren Zeiten«. Bodennah wird es daher im Frühsommer und Sommer feucht und kühl. Je dichter die Vegetation, desto stärker wird dieser Abkühlungseffekt. Die wärmebedürftigen Arten nehmen ab und verschwinden, obgleich »offiziell« das Klima im genau gleichen Zeitraum wärmer wurde. Doch für die Pflanzen und für die meisten Tiere zählen nicht die meteorologisch standardisierten Messwerte, sondern die tatsächlichen Bedingungen in ihren Lebensräumen. Für die Grille oder für die Raupe am Wiesenboden bleibt das Mikroklima kalt und feucht, auch wenn einen Dreiviertelmeter darüber, wo die Pflanzendecke endet, schönster Sonnenschein frühsommerliche Wärme liefert. Nicht das schmelzende Eis der Gletscher ist, als rein physikalischer Vorgang, maßgeblich für die Auswirkungen leichter Erhöhungder Durchschnittstemperaturen, sondern die Art und Weise, wie die Pflanzendecke reagiert. Sie bestimmt in ausgeprägter Weise die thermischen Lebensbedingungen und damit Mikro- und Mesoklima auf den kleinen und mittleren Ebenen der Natur. In unserer Zeit drehte die übermäßige Versorgung des Landes mit Pflanzennährstoffen somit die Verhältnisse des 19. Jahrhunderts geradezu ins Gegenteil um. Damals wurden, wie schon ausgeführt, die Fluren schnell aufgewärmt und abgetrocknet, weil sie weithin offen und intensiv genutzt waren. Jetzt sind sie »zugewachsen«, weil weder Ziegen noch Schafe oder fleißige Hände jeden Streifen und alle Ränder frei halten.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 189-190).

„Die Städte sind seit Jahrzehnten »magerer«, artenreicher und vielfältiger als »die Natur« draußen auf den Fluren. Denn in Städten, Siedlungen und Industrieanlagen enthalten die Böden inzwischen vielerorts weit weniger Nährstoffe für das Pflanzenwachstum als die anhaltend überdüngten Felder und Wiesen. Die Bodenversiegelung mit Pflaster, Beton und Teer leitet das Niederschlagswasser schnell in die Kanalisationen, so daß sich an vielen Stellen trockenwarme Verhältnisse halten können. Die Aufwärmung der Gebäude durch die Heizungen im Winter und die Aufnahme und (nächtliche) Speicherung von Sonnenwärme im Sommer verstärkt diese Effekte und macht die Städte zu »Wärmeinseln«. Entsprechend groß ist der Kontrast in der Artenvielfalt geworden. Das Land verliert sie, während die Städte umso mehr Arten gewinnen, je größer sie sind. Diese Entwicklung stellt das Leitbild Artenvielfalt im Naturschutz seit geraumer Zeit grundsätzlich infrage. Denn es stammt, wie ausgeführt, aus dem 19. Jahrhundert. Die damaligen Verhältnisse werden jedoch auf absehbare Zeit sicherlich nicht wieder nachzuahmen (und anzustreben) sein. Das geht allein schon darum nicht mehr, weil der erreichte, sehr hohe Grad der Selbstversorgung mit den Grundnahrungsmitteln ohne Not nicht wieder aufgegeben werden wird - und auch nicht mehr aufgegeben werden soll. Zurück dreht sich das Rad der Zeit ohnehin nicht. Wie groß die Unterschiede zwischen Stadt und Land in der jüngsten Vergangenheit geworden sind, illustrieren die nachfolgenden Abbildungen.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 191).

Blick auf München
Blick auf München über die Isar um 1820. Gemälde von Ernst Kaiser. Das Bild zeigt, wie offen und wie intensiv genutzt das Isartal wa1; wo heute der Englische Garten und die Hirschau
dicht bewachsen und eigentlich Hochwald geworden sind.

Brutvögel in Mitteleuropa
Verteilung des Artenreichtums von Vogelarten in Mitteleuropa, die in den betreffenden Lebensräumen brüten, von den Innenstädten übers Land bis zu den für besonders artenreich zu erachteten Flußauen. Die Befunde zeigen, wie reichhaltig die Städte im Vergleich zur offenen Flur in unserer Zeit geworden sind.

Nachtaktive Schmetterlinge als Maß für die Verarmung der Feldflur
Ähnliche Verteilungen im Artenreichtum wie bei den Brutvögeln
() ergeben sich bei den nachtaktiven Schmetterlingen. Die Verödung der Fluren kommt noch deutlicher zum Ausdruck.

Arten in Mitteeuropa
Flächenbilanzierung der von der modernen Landwirtschaft ausgelösten Veränderungen im Artenreichtum der Natur Mitteleuropas. Die Werte sind auf die Anteile der jeweiligen Lebensräume an der gesamten Landfläche Deutschlands bezogen.

Brutvögel-Rückgang im Donautal von Regensburg
Rückgang der Artenvielfalt im Donautal von Regensburg in die offene Feldflur des »Gäubodens«. Die Befunde (Zahl der Brutvogelarten) sind darin den Erwartungswerten gegenübergestellt, die sich aus den Größen der untersuchten Flächen errechnen lassen. Hieraus ergeben sich die Defizite.

„Die Defizite können direkt berechnet werden, wenn der allgemeine Landesdurchschnitt zugrunde gelegt wird. Für die Vögel gibt es genügend Befunde, aus denen ein solcher berechnet werden kann ( ). Danach sind pro Quadratkilometer Landfläche in Mitteleuropa rund 43 Vogelarten zu erwarten, die auf dieser Fläche auch brüten. Mit Hilfe einer Formel kann berechnet werden, wie viele Arten von Brutvögeln auf Flächen unterschiedlicher Größe zu erwarten wären, wenn diese durchschnittlichen Verhältnissen entsprechen. Die tatsächlichen Befunde ergeben nun im Vergleich mit den Erwartungswerten das Ausmaß an erhöhtem oder vermindertem Artenreichtum. Wo die Minderung unter die Grenze zufälliger Schwankungen abfällt, handelt es sich um echte Defizite. Solche treten, wie die Abbildung () zeigt, ganz besonders auf den großflächig landwirtschaftlich genutzten Fluren auf, während die Städte allgemein über dem Durchschnitt liegen und oft einen Artenreichtum erreichen, wie er in hochwertigen Naturschutzgebieten auftritt oder erwartet wird. Da nun aber der gesamte Siedlungsraum, einschließlich der Industrieflächen, mit seinem beträchtlichen Artenreichtum in Mitteleuropa nur rund 10 Prozent der Landesfläche einnimmt, die Wälder mit geringen Defiziten an Diversität gut 30 Prozent und die agrarisch genutzte Flur aber 55 Prozent ausmachen, während Naturschutzgebiete und die besonders artenreichen Truppenübungsplätze oder weitere »Restflächen« geringer Nutzungsintensität die restlichen 5 Prozent stellen, kommt insgesamt der in »Roten Listen gefährdeter Arten« dokumentierte, so starke Artenschwund zustande. Hauptverursacher ist die quasiindustrielle Landwirtschaft mit ihrer Überdüngung und der zu ihrer Leistungssteigerung durchgeführten Vereinheitlichung der strukturellen Verhältnisse auf den Fluren. Die in den Abbildungen
( ) dargestellten Befunde drücken dabei gar nicht einmal den Vergleich mit dem 19. Jahrhundert aus, sondern lediglich die relativen Verhältnisse in der Gegenwart. Sofern zu Vorkommen und Häufigkeit der Arten vor 150 Jahren brauchbare Angaben vorliegen, ergibt sich ein gewaltiger Artenschwund für die Fluren. Denn diese waren damals die besonders artenreichen Lebensräume gewesen und nicht die Städte. Pflanzen und Tiere der Fluren stellen daher auch die weitaus höchsten Anteile in den »Roten Listen«. Sie schwanken zwischen gut 50 und über 90 Prozent bei den Rückgängen. Die »Roten Listen der gefährdeten Arten« wurden auch immer länger, weil die Intensität der agrarischen Bewirtschaftung zunahm, und nicht kürzer, weil Maßnahmen des Artenschutzes wirksam geworden wären. Solche kamen nur wenigen Arten zugute, und zwar fast ausnahmslos solchen, die früher intensiv verfolgt worden waren und nun geschützt sind. Diese Zusammenhänge sind vielfach schon ausführlich beschrieben worden ( ). Hier geht es darum, eine Gesamtbilanz zu ziehen ().“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 191-194).

„Diese Gesamtbilanz ergibt für den flächengrößten Anteil der mitteleuropäischen Landschaften, die Flur, die ganz starken Rückgänge der Artenvielfalt und die größte Belastung des Landes. Die Entwicklung führte in weniger als einem halben Jahrhundert vom Mangel zur massiven Überdüngung. Diese, im internationalen Fachjargon Eutrophierung genannte Überversorgung von Böden und Gewässern mit mineralischen und organischen Nährstoffen stellt eines der wichtigsten Kennzeichen der Natur des 20. Jahrhunderts europaweit dar. Doch auch in weiten Regionen der übrigen Welt schreitet die Eutrophierung fort. Sie ist eine der Hauptquellen für klimawirksame Gase wie Methan und Ammoniak, und sie wird im Zusammenhang mit den Klimaveränderungen aus anderem Blickwinkel wieder aufgegriffen. Ausgelöst wurde sie von der Erfindung des Kunstdüngers. Dieser machte Deutschland (später auch einige weitere große Staaten Europas) zum Exporteur von landwirtschaftlichen Produkten auf dem Weltmarkt. Die davon entscheidend mitdiktierten Preise nehmen Einfluß auf die weitere Intensität der Produktion in Europa wie auch auf die übrigen Produktionsgebiete global - mit ganz gewaltigen Folgen für die Natur und für das Klima. Umgekehrt bedeuteten Kunstdünger und Ertragssteigerungen natürlich die ungleich bessere Lösung der ... vorhandenen Versorgungsproblematik. .... Verbesserte landwirtschaftliche Produktion und Zurückdrängung des Hungers stabilisierten so dann die Weltlage ... gewiß mehr als alle politischen Aktivitäten. Eine Zunahme der Nahrungsproduktion in diesem Ausmaß und in so kurzer Zeit hatte es vorher noch nie gegeben (). .... Nichts veränderte im ganzen letzten Jahrtausend die Natur in Europa und darüber hinaus weltweit so sehr wie die industrialisierte Landwirtschaft. Der globale »Impakt« der Industrie bleibt weit hinter dem der Landwirtschaft zurück.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 191-197).

„Die Pflanzen benötigen mehr als nur Kohlendioxid, Wasser und Sonnenlicht zum Wachstum. Auch wir können wie alle Lebewesen nicht nur von Energie leben. Die Stoffe, um die es wirklich geht, das sind die Proteine, die essentiellen Aminosäuren, die lebenswichtige Verbindungen sind.“ (Josef H. Reichholf, Stabile Ungleichgewichte, 2008, S. 47-48).

„Das erkannte Anfang des 19. Jahrhunderts der deutsche Chemiker Justus von Liebig - und revolutionierte mit seiner Erkenntnis die Landwirtschaft. Die Felder und Fluren Mitteleuropas waren und blieben trotz Sonnenlicht, Wasser und zumindest einigen Sommern mit ausreichender Wärme ertragsschwach, weil die Böden ausgelaugt und an Mineralstoffen verarmt waren. Liebig ermittelte das richtige Verhältnis der Mineralstoffe und erfand den Kunstdünger. Seine Hauptbestandteile sind Stickstoff, Phosphor und Kaliumverbindungen, und eine lange Zeit benutzte Abkürzung lautete demzufolge Nitrophoska (Nitro für Stickstoff). Das »richtige Verhältnis« führte ihn auch auf die richtige Spur. Liebig formulierte den Befund als Gesetzmäßigkeit: Die Höhe der (pflanzlichen) Produktion hängt von jenem Stoff oder Faktor ab, der im Vergleich zu den anderen im Minimum ist. Als »Liebigsches Minimumgesetz« ist es bekanntgeworden. Die Landwirtschaft nahm ... daraufhin einen ungeahnten Aufschwung zu gänzlich unerwarteten Produktionshöhen.“ (Josef H. Reichholf, Stabile Ungleichgewichte, 2008, S. 48).

NACH OBEN Die jüngste Erwärmung

„In den 100 Jahren seit dem letzten markanten Minimum der Mitteltemperaturen ergibt sich rein rechnerisch eine Erwärmung um gut ein halbes Grad Celsius. Ob diese leichte Erhöhung des Durchschnittswertes, die kurz vor Ende des 20. Jahrhunderts nach Schönwiese () gerade wieder die anfängliche Höhe ausgangs des 18. Jahrhunderts erreichte, für unsere Natur von Bedeutung war, ist nach den Darlegungen im letzten Kapitel fraglich. Wahrscheinlich ist sie das nicht. Doch seit dem letzten großen Kältewinter 1962/’63 stiegen die Globaltemperaturen in einem, wie es bei den meisten Klimaforschern heißt, »noch nie dagewesenen Ausmaß« und mit »einzigartiger Geschwindigkeit« an (z.B. Graßl, 2005; vgl. a.a.O.). Zwar widerlegen die Eisbohrkerne aus Grönland und die Befunde zum Ende der letzten Eiszeit beide Ansichten ganz klar, weil es damals in ähnlich kurzen Zeiten sogar Temperaturanstiege von 7 Grad Celsius und mehr gegeben hatte, aber das hält offenbar nicht davon ab, daß die »noch nie dagewesene Geschwindigkeit der Erwärmung« in unserer Zeit öffentlich verbreitet und vielfach wiederholt wird. Unbeschadet der klimageschichtlichen Fragwürdigkeit solcher Feststellungen, die auf komplexen Annahmen und Umrechnungen, nicht aber auf direkten Messungen, etwa der Temperaturentwicklung im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts, beruhen, wirft die jüngste Erwärmung die Frage auf, welche Auswirkungen sie tatsächlich hatte. Es ist hierzulande üblich geworden, bei der Diskussion der Folgen der Erwärmung, wie auch in anderen Fällen, in denen es um den »globalen Wandel« geht, die angeblichen oder tatsächlich vorhandenen konkreten Beispiele von möglichst fernen Orten heranzuziehen, während das, was vor Ort, in der Region, geschah, ausgeblendet bleibt. Denn das örtliche Geschehen sei ja unbedeutend. Nun sollte zwar die gleiche Argumentation auch für das örtliche Geschehen andernorts gelten, aber auch dies wird in der Regel ignoriert, weil sich das Ferne, falls überhaupt nur wenigen Bekannte leichter aufbauschen und übertreiben läßt als das in der Nähe Liegende, zu dem es jede Menge direkter Erfahrungen und Befunde gibt. Die Wirbelstürme in der Karibik oder in Ostasien gelten sodann als Kronzeugen für den Klimawandel, der bei uns stattfindet. Aber auch die jüngsten Überschwemmungen in Mitteleuropa schiebt man nunmehr ganz selbstverständlich auf den Klimawandel, auch wenn die sachverständigen Hydrologen klar feststellten, daß die Ursachen in der Verbauung der Bäche und Flüsse und in der viel zu schnellen Ableitung des Niederschlagswassers aus der Landschaft liegen und darin, daß unseren Flüssen keine Überschwemmungsflächen mehr zur Verfügung stehen. Mit dieser Vorgehensweise entledigt man sich vor Ort ganz bequem der Verantwortung, entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen, denn der Klimawandel sei eben ins Laufen gekommen, nicht mehr zu stoppen, höchstens noch im Ausmaß der Erwärmung zu begrenzen, aber nicht »dingfest zu machen«. Verursacher sind nun alle und nicht mehr diejenigen, für die man die Flüsse so eingeschnürt hat, daß jeder mittlere Niederschlag schon zu einem Hochwasser führt. Es kann auch den Kommunen keine Schuld zugewiesen werden, wenn sie Baugebiete in den früheren (und als solchen bekannten) Überschwemmungsgebieten der Bäche ausgewiesen hatten und damit Geld verdienten. Die alten Siedlungen hielten sich an die Überschwemmungsgrenzen. Ganz normale Wetterereignisse, wie längere Zeiten niederschlagsreichen und kühlen Sommerwetters oder trockenheißer Wochen, werden nun als Naturkatastrophen erfolgreich beklagt, weil die davon Beeinträchtigten ihre Einbußen an den günstigsten Erträgen von Ernten bemessen und sich vom Steuerzahler »ausgleichen« lassen. Global tatsächlich ablaufende Vorgänge werden so für eigennützige Zwecke benutzt und mißbraucht. Denn die zahlende Allgemeinheit glaubt sich schuld daran, daß das Wetter so verlief, wie es verlaufen ist. Der Naturschutz bedient sich der ganz gleichen Art der Argumentation. Gerdezu begierig schlachtet er Katastrophen aus, die gar nicht stattgefunden haben.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 215-217).

Sonnenflecken und Erdklima von 900 bis 2000

„Die meisten der auffälligen und eine besondere »Besorgnis« hervorrufenden Naturereignisse beruhen aller Wahrscheinlichkeit nach gar nicht auf der globalen Klimaerwärmung, sondern auf der in etwa 11-jährigem Rhythmus schwankenden, dabei sich aber verstärkenden oder sich abschwächenden Aktivität der Sonne. Gemessen wird sie am Ausmaß der Sonnenflecken (Sonnenflecken). Mit diesem Zyklus verbinden sich direkt oder über die ökologischen Vorgänge, die Zeit in Anspruch nehmen, etwas verzögert die markanten Schwankungen in Vorstößen oder Häufigkeit vieler Tiere, vor allem solcher, die in höheren Breiten leben. Auch Zyklen massenhafter Fruchtansätze bei Bäumen und Sträuchern gehören dazu. Der gegenwärtig, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, festgestellte Rückgang der Sonnenaktivität hat offenbar auch den Erwämungstrend seit der Jahrtausendwende zumindest gestoppt, wenn nicht sogar wieder etwas rückläufig werden lassen. Darüber zu urteilen, wäre verfrüht, denn erst wenn ein neuer Aktivitätszyklus der Sonne beginnt (Beginn des Aktivitäszyklus der Sonne), wird sich zeigen, ob eine nennenswerte Minderung des globalen Temperaturanstiegs zustande gekommen ist. Die »Kleine Eiszeit«, insbesondere ihre besonders kalten Abschnitte, fallen demnach genau in Phasen stark verminderter Sonnenfleckenaktivität, während das mitelalterliche Klima-Optimum wie unsere letzten Jahrzehnte von hoher Aktivität gekennzeichnet ist. (). Nun soll damit keineswegs der globale Klimawandel infrage gestellt werden. Vielmehr geht es darum, weil die Veränderung des Klimas ein großes Problem ist, das ganz erhebliche Folgen nach sich ziehen wird, die Diskussion zu versachlichen und auf die wesentlichen Vorgänge zu konzentrieren. Falsche oder unsinnige »Zusammenhänge«, die konstruiert worden sind und für die nur ein Zweck erkennbar ist, nämlich den Menschen Angst zu machen, müssen unbedingt vermieden werden, um die Glaubwürdigkeit zu wahren. Darin liegt auch die tiefe Verpflichtung der Forschung.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 229-233).

NACH OBEN Schutz(-Mißbrauch) und Fehlschutz(-Mißbrauch)

Zur Wiederholung: Auf fast allen Gebieten und also auch auf dem Gebiet der Klimatologie und Ökologie operiert und agiert unsere Obrigkeit „mit Angst und Schuld (). »Wir sind/ihr seid schuld, daß sich dieses oder jenes Schlimme ereignet hat oder kommen wird!«  Das wirkt ..., weil Fernwirkungen am wenigsten nachprüfbar sind. Nichtfaßbares wie Klimawandel und »Global Change«, Themen also, in die alles hineingepackt werden kann, was sich auch nur in irgendeiner Weise verändert, bieten die besten Möglichkeiten, Ängste zu schüren und Schuldgefühle zu erzeugen. (). Das war in alten Zeiten nicht anders als heute. Natur- und Umweltschutz nutzen Zukunftsängste umfänglich. Die Anfälligkeit der Menschen für Drohungen ist offenbar seit Urzeiten ziemlich gleich geblieben. Und wie im späten Mittelalter werden auch heute »Ablaßzahlungen« () eingefordert und fast ohne Gegenwehr geleistet. Sie reichen von den Spenden für den Naturschutz und der (nicht selten ganz klammheimlich privaten) Unterstützung aggressiver Umweltaktivisten bis hin zu den Umwelt- und Klimasteuern (), auch wenn deren völlige Unwirksamkeit offensichtlich ist. Aber das schlechte Gewissen wird beruhigt.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 234-235).

„Im Hintergrund bleiben die tatsächlichen Ursachen der Artengefährdung unbeachtet, die zu Rückgängen oder gar zum Aussterben geführt haben. Doch um diese sollte es, zumindest im Artenschutz, vorrangig gehen. Im allgemeinen Natur- und Landschaftsschutz kann man trefflich streiten, welche Veränderung auf jeden Fall schlecht, weil vom Menschen gemacht oder ausgelöst, und welche gut ist, weil sie »von der Natur selbst« verursacht wurde, auch wenn im Endeffekt die gleiche Änderung des Landschaftsbildes zustande kommt. So zum Beispiel, wenn geschützte Flächen zuwachsen und die seltenen Arten, um derentwillen sie unter Schutz gestellt wurden, deswegen verschwinden. Ein »Naturschutzmanagement« muß die früheren »Eingriffe« wieder ersetzen, allerdings umdeklariert als Pflegemaßnahme. Die Ergebnisse, da sie sich in Bildern ganz unmittelbar festhalten lassen, können so mit den Leitbildern verglichen und an ihnen gewertet werden. Die Streuwiese, die als solche entstand, weil sie früher gemäht worden war, ist nun unter Schutz und muß wieder gemäht werden, weil sie sonst das werden würde, was sie »natürlicherweise« wäre, nämlich Wald mit recht feuchtem Untergrund. Als Vorgehensweise mag dies in Ordnung sein, denn nicht anders wird bei Bebauungsplänen und -vorhaben oder bei sonstigen behördlich zu genehmigenden Veränderungen vorgegangen. Bewähren müssen sich die Maßnahmen hinterher in aller Regel nicht mehr, denn sie sind ja formal richtig abgelaufen, d.h. auf der Basis vorhandener Gesetze und Verordnungen abgewickelt worden. Es gilt auch als völlig normal, daß später wieder verändert oder geflickschustert wird, weil eben doch bei weitem nicht alles perfekt vorauszuplanen ist und zukünftige Vorstellungen sich von vergangenen Leitbildern durchaus auch unterscheiden können. Gerade solche in Bilder gefaßte Zielvorstellungen erlauben kaum die nötige Flexibilität.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 235).

Der Naturschutz kann trotz seiner gerade in der jüngeren Vergangenheit gemachten Fehler immer noch auf seine Erfolge verweisen. „Nur fällt es dem staatlichen, noch mehr aber dem in Verbänden organisierten Naturschutz sehr schwer, die vielen und höchst beachtlichen Erfolge zu verkünden, obgleich es sie gibt und obwohl der private Naturschutz wirklich stolz auf das unter solch widrigen Rahmenbedingungen Erreichte sein kann. Viele Arten haben kräftig zugenommen, vor allem größere Säugetiere und Vögel, die früher verfolgt worden waren und nun seit Jahrzehnten geschützt sind. In Mitteleuropa leben gegenwärtig mehr Großvögel und größere Säugetiere als seit vielen Jahrhunderten.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 237).

„Der Bevölkerung wird ein ziemlich verzerrtes Bild vom tatsächlichen Zustand unserer Natur vermittelt. In weiten Bereichen Mitteleuropas gibt es inzwischen, abgesehen von wenigen, mit gewisser Berechtigung als gefährlich eingestuften Großraubtieren (Braunbär, Wolf), wieder das nahezu gesamte Spektrum an Säugetieren wie vor 200 oder 250 Jahren. Die meisten kommen sogar erheblich häufiger vor als in früheren Jahrhunderten. Neue Arten kamen hinzu, so daß auch bei den Säugern, wie bei den Vögeln, die Gesamtbilanz nach 100 Jahren positiv aussieht. Mit den paar noch fehlenden »Großen« würden wir durchaus auch leben können ....“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 243).

„Zusammengefaßt bedeutet dies, daß für die größere Tierwelt, insbesondere für Säugetiere und Vögel, unsere Zeit nicht die schlechteste ist. Viele Arten treten viel häufiger auf als früher. Manche, die am Rand der Ausrottung waren, kommen ... bei uns in Deutschland längst wieder in gut gesicherten Beständen vor. Anzuführen sind hierzu neben den fast überall so erfolgreich wiedereingebürgerten Bibern und den »an den Grenzen im Osten stehenden« Elchen, die wohl bald, wie schon nach Österreich, auch nach Deutschland kommen werden, insbesondere Großvögel wie Kranich (Grus grus), Schwarzstorch (Ciconia nigra), Seeadler (Haliaaetus albicilla) und Fischadler (Pandion haliaetus). Die beiden letzteren kommen nach weltweiten Maßstäben in Ostdeutschland inzwischen in den größten örtlichen Beständen überhaupt vor. Ihre Brutvorkommen weiten sich aus. Bei See- und Fischadler ist zu erwarten, daß sie in naher Zukunft in Deutschland schon mit jeweils 500 Brutpaaren vertreten sein werden. Der Niedergang des Weißstorchs (Ciconia ciconia) konnte in den letzten beiden Jahrzehnten erfolgreich gestoppt und offenbar in eine Wiedererholung des Bestandes umorientiert werden. Steinadler (Aquila chrysaetos) besiedeln den deutschen Alpenrand Revier an Revier, und auch die größte Eule, der Uhu (Bubo buboUhu) gehört zu den Gewinnern im Artenschutz. Mancher Fluß hat wieder Lachse (Salmo salar) oder Huchen (Hucho hucho) und an der deutschen Nordseeküste entwickelte sich nach Einstellung der Jagd der Bestand des Seehundes (Phoca vitulina) im Wattenmeer steil aufwärts. Ausflügler können die zunehmend vertrauter werdenden Robben nun wieder an zahlreichen Stellen bewundern. Der Naturschutz hat sich gelohnt. Er war erfolgreich, und die Anstrengungen, das Erreichte zu erhalten, müssen fortgesetzt werden. Die Nutzungsinteressen anderer bedrängen die meisten der häufiger gewordenen Arten schon wieder. Die tatsächlich starken Rückgänge bei vielen kleinen Arten, die ... von sonnigen, trockenen und »mageren« Lebensräumen abhängen oder denen die Moore und Sümpfe trockengelegt und in fettes Agrarland umgewandelt wurden, bilden die Verlustseite in der Entwicklung im Artenspektrum der Tiere und Pflanzen in Mitteleuropa. Die Bestandserholungen und Zugewinne gerade bei den größeren und auffälligeren Arten schlagen als Gewinne zu Buche. Die Natur Mitteleuropas ist im 20. Jahrhundert, vor allem in dessen zweiter Hälfte, sicherlich sehr stark verändert worden. Aber unsere Tier- und Pflanzenwelt stellt keinen hoffnungslosen Fall dar. Wir kennen die Gründe der Gefährdung und könnten diese daher, anders als das Wetter und das Klima, an geeigneten Orten und im nötigen Umfang durchaus gezielt ändern.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 243-244).

NACH OBEN Waldvernichtungen! Wofür?

„Die tropischen Regenwälder waren nach dem nordischen Nadelwald, der Taiga, die sich über den borealen Bereich von Eurasien und Nordamerika erstreckt, bis in die jüngste Vergangenheit die größten Wälder der Erde. Noch um die Mitte des 20. Jahrhunderts bedeckten die tropischen Regenwälder, fast unangetastet, eine Fläche von rund 12 Millionen Quadratkilometern (Vergleich). Zur Jahrtausendwende, also nur 50 Jahren später, war davon bereits etwa die Hälfte vernichtet. Satellitenaufnahmen, die seit den 1990er Jahren mit guter Auflösungsqualität vorliegen, belegen, daß seit 1994 allein im Regenwald Amazoniens pro Jahr zwischen 1,5 und 3 Millionen Hektar abgeholzt und abgebrannt worden sind. Eine derart hohe Entwaldungsrate hatte es nur während der Vernichtung der Wälder in den heutigen USA etwa zwischen 1750 und 1900 gegeben. Dieser Waldvernichtung fiel der Laubwald der gemäßigten Klimazone Nordamerika bis auf wenige Prozent Restvorkommen zum Opfer. Die jährliche Rodungsrate bewegte sich damals im Durchschnitt zwischen 0,7 und 1 Prozent pro Jahr; in Brasilien liegt sie für die letzten 50 Jahre bei 2,2 Prozent pro Jahr. Europa hatte seine bewaldeten Landschaften im Verlauf von 1500 Jahren mit einer Geschwindigkeit von 0,1 bis höchstens 0,3 Prozent pro Jahr verändert. Die größten historischen Rodungen fanden ... im frühen Mittelalter statt. Der gegenwärtige Waldbestand macht in Mitteleuropa rund ein Drittel der Landesfläche aus. Dieser Wert liegt höher als in Brasilien, das mit dem größten Anteil an den amazonischen Regenwäldern auch der Hauptakteur in der Tropenwaldvernichtung ist. Von 1990 bis 1995 rodete Brasilien allein 128000 Quadratkilometer ....“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 245-246).

Tropenwaldvernichtung und Bevoelkerungswachstum
Bevölkerungswachstum pro Jahr und Fläche der Waldvernichtung pro Jahr (in 1000 km²) in den 12 Ländern mit der größten Tropenwaldvernichtung Ende des 20. Jahrhunderts.

Tropenwaldvernichtung und Bevoelkerungswachstum
Die Wachstumsraten der Bevölkerung und die Raten der Waldbevölkerung ergeben für die 12 bedeutendtsen Tropenländer keinen statistischen Zusammenhang..

„Amazonien enthält (enthielt) mit etwa 55 Prozent mehr als die Hälfte aller Regenwälder der Tropen. Der Fläche nach folgt Afrika mit dem Kongobecken. Teile der südostasiatischen Inselwelt bedeckt gleichfalls (noch) Regenwald. Die bedeutendsten Flächen finden sich auf Neuguinea und Borneo. Die südasiatischen Regenwaldreste sind hingegen so klein, daß sie in der globalen Bilanz in den Schwankungsbereichen der regionalen Angaben für die großen Regenwaldgebiete verschwinden. Von den 12 Ländern mit den größten Verlusten an Tropenwäldern seit den 1990er Jahren liegt mit Brasilien, Bolivien, Venezuela, Mexiko und Paraguay die Mehrzahl im tropischen Amerika. In Afrika trugen nur der Kongo und der (südliche) Sudan stark zur Tropenwaldvernichtung bei; in Südostasien Indonesien, Malaysia und Thailand. Doch während in diesen Ländern der asiatischen Regenwaldzone durchschnittlich fast 100 Menschen pro Quadratkilometer leben, sind es in den amazonischen Regenwaldländern, wo die größte Waldvernichtung stattfindet, nur 16 und in Afrika 21 Menschen pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: In Deutschland leben lm Durchschmtt 233 Menschen je Quadratkilometer, im südasiatischen Bangladesch 825 und in Indien derzeit etwa 300. Damit entfielen pro Brasilianer 0,75 Hektar vernichteter Regenwald von 1990 bis 1995, aber nur 0,25 Hektar pro Einwohner in Indonesien und 0,08 im Kongo im selben Zeitraum. Der Kongo hatte aber einen Bevölkerungszuwachs von 3,2 Prozent pro Jahr, Indonesien von 1,7 Prozent und Brasilien von 1,4 Prozent. Somit stehen Bevölkerungszuwachs und Bevölkerungsdichte in keinem (positiven) Zusammenhang zur Rate der Waldvernichtung. .... Aus diesen Daten geht somit klar hervor, daß kein Zusammenhang besteht zwischen der Bevölkerungszunahme und dem Ausmaß der Waldvernichtung. Das Land mit der mit weitem Abstand größten Vernichtungsrate, Brasilien, hat mit nur 20 Menschen pro Quadratkilometer zudem bloß ein Fünftel der Besiedlungsdichte der Nummer 2, lndonesien, mit über 100 Menschen pro Quadratkilometer. Mit der üblichen Ansicht, die Tropenwälder würden dem Bevölkerungswachstum der Menschheit zum Opfer fallen, weil sich diese seit 1950 von 2,5 Milliarden auf nunmehr schon 6,4 Milliarden vergrößert hat (Weltbevö:lkerung), stimmen diese Befunde also nicht überein.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 246-247).

„Welche Gründe gibt es dann? Bevor diese Frage behandelt wird, sollte jedoch geklärt werden, warum man sich überhaupt so sehr über die Tropenwaldvernichtung sorgt, wo doch, wie oben ausgeführt, die USA in den beiden vorletzten Jahrhunderten in noch viel größerem Umfang ihre Wälder (abgesehen von Alaska) vernichtete und in Europa sowie anderen Regionen der Erde die Entwaldung längst Geschichte ist. Eine häufig vorgebrachte Begründung, die tropischen Regenwälder seien die Lungen der Erde, die dafür sorgen, daß wir genügend Sauerstoff haben, stimmt so nicht. Tatsächlich erzeugt ein ausgewachsener Tropenwald wie jeder andere Wald auch, der keinen Zuwachs mehr hat, kein bißchen Sauerstoff. Denn dieselbe Menge, die tatsächlich bei der Photosynthese von den Blättern oder Nadeln abgegeben wird, verbraucht der ausgewachsene Wald wieder für Atmung und Zersetzung der erzeugten Stoffe im Boden. Nur wachsende Wälder können in der Nettobilanz Sauerstoff freisetzen und im Gegenzug Kohlenstoff aus der Atmosphäre (in Form von CO2) aufnehmen und binden. Ansonsten gibt der Wald auch wieder das CO2 ab, das er aufgenommen hat. Insofern stimmt der Vergleich mit der Lunge nur halb. Diese atmet letztlich dieselbe Menge Kohlendioxid aus, wie sie Sauerstoff aufnimmt. In anderer Hinsicht spielt der Vergleich aber durchaus eine Rolle. Da in nur 50 Jahren etwa die Hälfte der Tropenwälder vernichtet worden ist und davon der weitaus größte Teil ihrer pflanzlichen Masse (Biomasse) verbrannt wurde und in Rauch aufgegangen ist, ohne daß entsprechende Mengen durch nachwachsende Vegetation wieder der Luft entnommen worden wären, trug ihre Vernichtung sehr stark zur Zunahme von CO2 und Ruß in der Atmosphäre bei. Wie schon ausgeführt, übertrifft die Verbrennung von Tropenwäldern und Savannen jedes Jahr den gesamten Umsatz von Energie in Deutschland ganz erheblich. Die Vernichtung der Tropenwälder trägt gleich in dreifacher Weise zur Belastung der Erdatmosphäre bei, nämlich durch die direkte Aufheizung mit der von den Bränden freigesetzten Wärme, durch die CO2-Abgabe und durch die Erzeugung von riesigen Mengen Methan (CH4) durch die Rinder und Termiten, die auf den solcherart geschaffenen oder »verbesserten« Weideflächen leben. Rinder und Termiten liefern mehr als die Hälfte des Methans, das als Treibhausgas in die Atmosphäre gelangt und dort über 20-mal stärker als das Kohlendioxid wirkt. Im Gegensatz zu diesem, das bekanntlich Hauptnährstoff für die Pflanzen ist, wird Methan nur von wenigen spezialisierten Bakterien verwertet, die für den Menschen keine Rolle spielen.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 247-249).

„Hinzuzufügen ist weiterhin, daß sich großflächige Rodungen in den Tropen selbstverständlich auch weit stärker aufheizen als die Wälder, die es vorher an ihrer Stelle gegeben hatte. Man kennt dies aus eigener Erfahrung von der Kühlwirkung des Waldes an heißen Tagen. Die Verdunstung von Wasser, die Transpiration, durch die Bäume bewirkt eine starke Kühlung. In den Tropen kann sie mehr als l0°C ausmachen. Gleichzeitig erzeugt dieses transpirierte Wasser immer wieder Wolken und Niederschläge, so daß sich große tropische Regenwälder zu einem Gutteil selbst mit Wasser versorgen. In Oberamazonien stammen bis über 80 Prozent des Niederschlagwassers aus diesem sogenannten kleinen Kreislauf. Er setzt das vom Atlantik mit den Passatwinden antransportierte Wasser mehrfach um, bis es wieder über den Amazonas zum Ozean zuruckfließt. Werden zu große Waldflächen vernichtet und in Weideland oder Sojafelder umgewandelt, nehmen infolgedessen die Niederschläge ab, während sich gleichzeitig die Atmosphäre weit stärker als über Wald aufheizt. Es scheint zwar noch nicht ganz geklärt zu sein, ob die Vermutung zutrifft, daß die Häufigkeit der Tropenstürme und Hurrikane in der Karibik mit der zunehmenden Aufheizung der inneren Tropen mit den großflächigen Waldrodungen zusammenhängt. Zahlreiche gute Indizien sprechen jedoch dafür. So wie wir umgekehrt inzwischen auch wissen, daß die Tropenwälder Amazoniens deshalb existieren und ihre unvermeidbaren Verluste an mineralischen Nährstoffen ausgleichen können, weil die Passatwinde Nährstoffe aus der Sahara herüberwehen. Die amazonischen Wälder wachsen nämlich fast überall auf äußerst unfruchtbaren Böden, die außer Sand und Kaolinit kaum weitere Mineralien enthalten. Globale Zusammenhänge gibt es also sehr wohl in den Tropen - wie auch in außertropischen Regionen. Wo die natürlichen Transportwege nicht ablaufen können, hat der Mensch inzwischen neue geschaffen. Gegenwärtig fließt ein gewaltiger Strom von Nährstoffen aus den südamerikanischen Tropen nach Europa und ernährt das Vieh in den Ställen (). Europäische, vor allem auch deutsche und französische Rinder »fressen Tropenwälder auf«, weil für unser Stallvieh dort die Futtermittel angebaut werden, die hier nicht zur Verfügung stehen. Denn unsere Viehbestände sind viel zu hoch für eine Selbstversorgung auf mitteleuropäischem Weideland oder mit heimischem Futtergetreide. Die Mast von Geflügel kommt mit weit über 100 Millionen Hähnchen allein in Deutschland hinzu. Der Nutzviehbestand übertrifft hierzulande das Lebendgewicht aller Menschen um das Drei- bis Fünffache.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 249-250).

„Unsere Massentierhaltung könnte ohne die Importe von Futtermitteln, die auf ehemaligen Tropenwaldflächen erzeugt werden, nicht existieren. Deshalb trifft uns der zweite Vorwurf, der mit der Tropnewaldvernichtung verbunden wird: Vernichtung der Biodervisität. Schon die ersten Naturforscher, die sich intensiver mit den Tieren und Pflanzen der Tropenwälder befaßten (allen voran: Alexander von Humboldt; Anm. HB), waren von deren Artenfülle beeindruckt. Sie schien unerschöpflich, weil überall, wo sie genauer suchten, neue Arten zu entdecken waren. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. Denn auch heute kann nicht einmal eine ungefähre Abschätzung vom Artenreichtum der Tropen vorgenommen werden. Verschiedene Hochrechnungen ergaben Werte zwischen 5 und mehr als 30 Millionen unterschiedlicher Arten. Bekannt und wissenschaftlich beschrieben sind aber bislang nur 1,8 Millionen Arten. Wenn auch in gemäßigten Breiten, die auf jeden Fall viel artenärmer als die Tropen sind, Jahr für Jahr neue Arten erkannt werden, so weiß man doch hier ganz gut Bescheid. In den Tropen gibt es jedoch zehn- bis hundertmal mehr als in unseren Breiten. In mitteleuropäischen Wäldern wachsen pro Quadratkilometer zwischen 5 und 20 verschiedene Arten von Holzgewächsen (Bäume und sträucher), sofern es sich um Mischwälder handelt und nicht um gepflanzte Einheitsforste. In tropischen Regenwäldern können auf dem Hundertstel eines Quadratkilometers, einem Hektar, aber mehrere hundert verschiedene Arten von Holzgewächsen vorkommen. In Amazonien und in Südostasien wurden über 500 Arten von Bäumen und Lianen auf einem Hektar ermittelt. Vogelarten gibt es doppelt bis viermal so viele pro Quadratkilometer wie in unseren Wäldern, Schmetterlingsarten aber hundertmal mehr. Doch diese Vielfalt verbindet sich ... mit Seltenheit. Die meisten Arten der Tropen sind nach europäischen oder nordamerikanischen Standards selten bis sehr selten. Schon die frühen Naturforscher stellten zu ihrer Verwunderung in unberührten Regenwäldern fest, daß es viel leichter ist, zehn verschiedene Arten von Schmetterlingen zu sammeln als zehn Exemplare einer einzigen solchen Art. In dieser Seltenheit liegt die Verletzlichkeit des tropischen Artenreichtums. Die seltenen Arten sterben viel schneller aus als die häufigen, und sie sind, was noch bedeutsamer ist, oft sehr kleinflächig verbreitet. Vielfach bilden die Arten so etwas wie ein höchst kompliziertes Mosaik, in dem jedes Steinchen eine Art mit winzigem Verbreitungsgebiet repräsentiert. Wird so ein Steinchen entfernt, kommt diese Art unter Umständen nirgendwo mehr vor. Die Forscher, die sich mit der tropischen Biodiversität intensiv befassen, rechnen deshalb mit immensen Artenverlusten, weil auf den gerodeten Flächen viele Arten vorgekommen sein dürften, die nun nicht mehr existieren. Man hat mit den örtlichen Waldflächen auch ihren Lebensraum vernichtet. Hieraus kann man die schon angedeuteten Hochrechnungen anstellen. Sie ergeben für die derzeitige Vernichtungsrate tropischer Wälder Größenordnungen von einer aussterbenden Art pro Stunde bis zu 500 Arten täglich. Wie viele es wirklich sind, weiß niemand, weil die ausgerotteten Arten nicht bekannt sind. Ihre Anzahl hängt entscheidend da von ab, welche Größenordnung für den globalen Artenreichtum insgesamt zugrunde gelegt werden muß. Die Angaben aus dem internationalen Naturschutz sind somit keine wilden, grundlosen Schätzungen oder gar haltlose Vermutungen, sondern Rechenergebnisse auf einer nicht hinreichend bekannten Basis. Sicher können wir nur sein, daß es ein großes Artensterben in unserer Zeit gibt. Wie groß es ist, könnten wir rasch erfahren, wenn ein paar Prozent der Geldmengen, die in den Weltraum geschossen werden, der Erfassung der Lebensvielfalt der Erde zur Verfügung gestellt würden.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 251-253).

„Bei diesem errechneten Artensterben in den Tropen handelt es sich daher um etwas grundsätzlich anderes als bei den »Rote Liste«-Arten in Deutschland und anderen Gebieten Europas. Die allermeisten Pflanzen- und Tierarten kommen weit verbreitet in Europa und Asien vor. Der Artenschutz beklagt ihr örtliches oder regionales Verschwinden, nicht ihr generelles Aussterben, wie es den großen Walen drohte oder dem Großen Panda, allen noch lebenden Arten der Nashörner und den fast 2000 verschiedenen Vogelarten, die vor allem in Amazonien und Südostasien direkt vom Aussterben bedroht sind.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 253).

„In einer anderen Weise stehen die Tropenwälder in bemerkenswertem Zusammenhang mit Mitteleuropa. Denn eine Form der Ausbeutung ist noch nicht aufgeführt worden: Tropenholznutzung. Tatsächlich gibt es vier Hauptursachen der Tropenwaldvernichtung. (1) Die erste und am besten bekannte ist der Eigenbedarf der Menschen in den betreffenden Ländern. Roden, um Siedlungsland zu gewinnen, das war überall das primäre Ziel der Umwandlung von Wäldern. Kleinflächig und ohne nennenswerte Auswirkung auf die Größe der Tropenwälder und auf ihren Artenreichtum wurden die Rodungen als Brandrodung schon seit Urzeiten der Besiedlung durch Menschen betrieben. Die kleinflächige Nutzung im Wanderfeldbau hatte die Regenwaldbewohner auch mit den Eigenschaften der Waldböden vertraut gemacht. Daher kommt es nicht von ungefähr, daß bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts die amazonischen Regenwälder fast unangetastet geblieben sind, obwohl Brasilien und Peru schon erheblich länger als etwa Nordamerika von Europäern besiedelt und kultiviert worden sind. (2) Die zweite Ursache war und ist die Holznutzung. In den Tropenwäldern wachsen Edelhölzer mit sehr hartem, gegen Termiten und Pilze widerstandsfähigem Holz. Die Holzhärte weist übrigens darauf hin, daß diese Bäume ziemlich langsam wachsen und nicht einfach unter tropischer Wärme und Feuchtigkeit in die Höhe schießen. Sie gleichen mehr unseren Eichen, die sie allerdings an Holzhärte noch weit übertreffen, als den schnellwüchsigen Kiefern oder gar den Pappeln. Die mageren Böden der Regenwälder lassen kein stürmisches Wachstum zu, außer sie sind jungen vulkanischen Ursprungs und enthalten entsprechend reichlich mineralische Pflanzennährstoffe. Härte und Formstabilität machen Tropenhölzer begehrt - auch in den außertropischen Gebieten sowie für den Schiffsbau. Daher wurde in Zentralafrika weit mehr Tropenwald gerodet, als die dortige Bevölkerung brauchte, um Bananen oder Cassava anzupflanzen. Die tropischen Edelhölzer waren und sind das Ziel des Holzeinschlags. Weltfirmen haben sich Konzessionen dazu gesichert. Auch in Indien, wo es zwar seit gut 100 Jahren Plantagen für die Erzeugung von Teakholz gibt, und in Südostasien bildet die meist raubbauartige Gewinnung tropischer Edelhölzer den Hauptgrund der Waldzerstörung. Dort hat jedoch eine andere Nutzungsform (3) als dritter Grund in den vergangenen Jahrzehnten an Gewicht gewonnen: die Errichtung von Ölpalmenpflanzungen. Palmöl wird von den Industrienationen für chemische und pharmazeutische Zwecke gebraucht. (4) Der vierte Grund schließlich ist die Umwandlung der Regenwälder in Rinderweiden und Sojafelder. Die mittel- und südamerikanischen Tropenwälder sind davon bei weitem am stärksten betroffen. Mit Ausnahme des ersten Grundes, der sich ausschließlich auf die örtlichen, bedürftigen Bevölkerungen bezieht, sind die Industrienationen an allen anderen massiv beteiligt. Sollten sie nicht in ihren Wäldern genügend Ressourcen haben, um den Holzbedarf zu decken?! Der Verbrauch ist aber so groß, daß das Holz aus den eigenen Wäldern nicht annähernd ausreicht, obgleich es bis in die letzten Jahre kaum noch zum Heizen verwendet wurde. Zunehmend werden in unserer Zeit Wälder des Nordens, in Nordwestrußland und in Ostsibirien, für die Holzgewinnung genutzt. Schutzorganisationen befürchten, daß nach den großen Kahlschlägen in den Tropen nun noch größere in den borealen Wäldern bevorstehen, weil diese pro Quadratkilometer weit weniger Bäume tragen als die dicht bewachsenen Tropenwälder. Noch scheint die Taiga unerschöpflich mit ihren 15 Millionen Quadratkilometern Nadelwald (Vergleich). Doch das Schicksal der Laubwälder im östlichen Drittel der USA mahnt zur Vorsicht. Was dort mit damals noch technisch primitiven Mitteln in eineinhalb Jahrhunderten vollzogen wurde, wäre gegenwärtig schon in einigen Jahrzehnten möglich. Die Maschinen stehen dafür zur Verfügung -und die Abnehmer auch. Denn Holz ist ein gefragter Naturstoff. Den nordischen (borealen) Nadelwäldern wird zwar weniger Aufmerksamkeit zuteil, weil sie recht einförmig aussehen und im Vergleich zu den Tropenwäldern auch nicht mit eindrucksvoller Biodiversität aufwarten können, aber mit den in deutschen Forsten vorherrschenden Fichtenmonokulturen sind sie keinesfalls gleichzusetzen. Auch die Taiga hat ihren spezifischen, unersetzbaren Artenreichtum. Und sie bedeckt in riesigen Bereichen Sibiriens insbesondere Bodenschichten, die weder das in ihnen gebundene Kohlendioxid noch das Methan in den Sümpfen freigeben sollten. Denn die dortigen Massen an potentiell klimabeeinflussenden Gasen sind so groß, daß sie alle Anstrengungen zum Klimaschutz bedeutungslos werden ließen, so sie in den kommenden Jahrzehnten in die Atmosphäre gelangten. Winterfrost und ununterbrochen kalte Klimaverhältnisse speicherten Massen von organischem Material und entziehen so den Kohlenstoff, der darin gebunden vorliegt, dem Gaskreislauf der Atmosphäre. In den Tropen wachsen die Bäume fast überall auf Böden, die kaum Humus haben und die daher auch nichts freisetzen können. In den Tropenwäldern ist es der Wald selbst, der in die Berechnungen zu den Belastungsfolgen mit einbezogen werden muß, während in den nordischen Nadelwäldern die Böden und die teilweise sehr tiefgründigen Sümpfe dazukommen.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 254-256).

„In einer Hinsicht ähneln die nordischen Wälder aber denen in den feuchten Tropen: Auf den weitaus größten Flächen ihres Vorkommens lassen sie sich kaum oder nur sehr schwer nachpflanzen. Bei den Tropenwäldern geht das Pflanzen besonders schlecht. Deshalb scheiterten auch die mit vielen Millionen Dollar ausgestatteten Plantagenprojekte in Brasilien, wie »Fordlandia« (vom Autokönig Henry Ford in den 1930er Jahren) und am Jarí mit den Gmelina- und Pinus(caribaea)-Pflanzungen des Milliardärs Ludwig. Die Tropenwaldverluste bleiben daher in der Flächenbilanz unserer Zeit Verluste, weil sie nicht, wie bei unseren Wäldern geschehen, in großem Umfang wieder aufgepflanzt werden können. Kaum besser gedeihen gepflanzte Forste allerdings auch in der borealen Waldzone. Sie lassen sich daher gleichfalls nicht mit dem vergleichen, was die europäische Forstwirtschaft in den mittleren Breiten während der zwei oder drei letzten Jahrhunderte erreichte. Unsere tatsächlich von deutschen Forstleuten begründete nachhaltige Forstwirtschaft konnte sich auf zwei besonders günstige Gegebenheiten stützen. Die eine liegt in den Böden, die viel besser für den Waldbau als die tropischen und borealen Böden geeignet sind. Der zweite Vorteil kam dadurch zustande, daß einige ziemlich robuste Baumarten vom so wechselvollen Klimaverlauf der vergangenen Jahrtausende ausgelesen worden waren, die sich durch eine vergleichsweise große Bandbreite an Toleranz gegenüber den Faktoren der Umwelt auszeichnen. Die in dieser Hinsicht beiden wichtigsten Baumarten wurden auch die »Brotbaumarten« der europäischen Forstwirtschaft, die Fichte (Picea abies) und die Waldkiefer (Pinus silvestris). Mit ihnen konnten im späten 18. und im 19. Jahrhundert regelrechte Monokulturen begründet werden, die sogar leicht in sogenannten Altersklassen aufwachsen und häufig aus einem einzigen Klon sind. Ein Klon bedeutet, daß es sich um die Samen eines Baumes handelt, so daß alle gepflanzten Jungbäume »Samengeschwister« sind und sich folglich genetisch wenig voneinander unterscheiden. Die große genetische Vielfalt der europäischen Baumarten, die, wie oben schon betont, den Härtetest starker Umweltveränderungen in den letzten Jahrtausenden hinter sich haben, ermöglichte es der Forstwirtschaft, besonders schnellwüchsige oder ertragreiche Sorten und Klone zu wählen. Unsere Wälder entsprechen daher weit mehr dem auf ähnliche Weise strenger Selektion des Saatgutes unterworfenen Getreide als einem Naturwald mit hoher innerer Vielfalt an Arten und genetischen Linien. Das macht sie anfällig.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 256-257).„Europas Forste sind zwar produktiv, aber zu einheitlich, um den Angriffen gewachsen zu sein, die seitens der Insekten, Pilze oder auch von der Witterung auf sie einwirken. Besonders deutlich wurde dies um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und in dessen ersten Jahrzehnten, als auf Hunderten oder Tausenden von Quadratkilometern Insektenkalamitäten die jungen Forste heimsuchten. Es gab Massenvermehrungen von Kiefernspinnern (Dendrolimus pini), Kiefernspannern (Bupalus piniarius) und sogar von den großen Kiefernschwärmern (Hyloicus pinastri), der auch Tannenpfeil genannt wurde. Riesige Schäden richteten Nonnenfalter (Lymantria monacha) und in den Eichenwäldern die Eichenwickler (Tortrix viridiana) an. Kiefern-, Fichten- und Eichenforste waren jeweils am stärksten betroffen. Die Schäden reichten von Beeinträchtigungen des Holzzuwachses bis hin zu so intensivem Kahlfraß, daß die Bestände abstarben und der Wald nachgepflanzt werden mußte. In Laubwald- und Obstbaugebieten kamen in den 1930er und ganz besonders stark wieder in den warmen Sommern Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre Maikäferkalamitäten hinzu. Auslöser waren sowohl die braunen Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) als auch die gewöhnlichen Feldmaikäfer (Melolontha melolontha). Viele weitere Insektenarten und dazu diverse Pilze wie die schon für die Kartoffelkrise im 19. Jahrhundert verantwortliche Kartoffelfäule durch Phytophthora-Pilze traten massiv als Schädlinge auf. Borkenkäfer (Ipidae, insbesondere Ips typographus) sorgen bis in die Gegenwart für Schlagzeilen, weil sie rasch ganze Bestände befallen und die Bäume bis zu deren Absterben schädigen können. In Mitteleuropa entwickelte sich ein besonderer Zweig der Forstkunde, genannt Waldhygiene. Zum Schutz des Waldes wurden besonders die Großen Roten Waldameisen (Formica rufa) geschützt; Lockstoffallen (Pheromonfallen mit dem artspezifischen Sexuallockstoff) wurden entwickelt, um rechtzeitig Bestandszunahmen bei den Schädlingen zu bemerken. Ab einer Häufigkeitsschwelle wurde dann Gift angewandt. Es kam zum großen, aber recht kurzen Siegeszug von DDT (Dichlordiphenyltrichloräthan), das als umfassendes Insektizid wie ein Wundermittel zur Vernichtung der Malariamücken in den Tropen, der Obstbauschädlinge in den Gärten, der Läuse, Flöhe und Wanzen in den Häusern und eben auch der Schadinsekten in den Wäldern eingesetzt wurde. Schon in den 1950er Jahren traten die verheerenden Nebenwirkungen deutlich zutage.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 257-259). Der Einsatz von DDT mußte (besonders wegen seiner gefährlichen Abbauprodukte, zu denen v.a. das Erstabbauprodukt DDD gehört) verboten werden; viele Tiere, auch nicht wenige Menschen, waren daran erkrankt, ein nicht geringer Teil der Vogeleier waren dadurch sogar so zerbrechlich geworden, daß die Eltern sie nicht ausbrüten konnten und ihre Nachwuchs sterben mußte.

„Am Grundproblem, an den Monokulturen, änderte man fast nichts. Vielartige Mischwälder wären weit weniger schädlingsanfällig. Auch gegen Stürme, Waldbrände und jene neue Gefährdung, die im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts zu einer Großkatastrophe aufgebauscht worden war, waren sie widerstandsfähiger: das Waldsterben.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 260).

„In den 1970er und 1980er Jahren traten in den mitteleuropäischen Wäldern an vielen Bäumen Schäden auf, die große Besorgnis bei den Waldbesitzern und Staatsforsten auslösten. Bei den Fichten lichteten sich die Kronen, die Zweige hingen lamettaartig nach unten, die Nadeln verbräunten vorzeitig und fielen ab. Solcherart stark geschädigte Bäume hatten geringen Holzzuwachs oder gar keinen mehr, bevor sie dem Eindringen von Borkenkäfern zum Opfer fielen und vollends starben. Ein System der Ermittlung der sogenannten neuartigen Waldschäden wurde von den Forstdiensten eingerichtet und danach alljährlich ein Waldschadensbericht vorgestellt. Verursacher war, darüber herrschte schnell Einigkeit, die Luftverschmutzung. Merkwürdigerweise war sie zwar viel schwächer als im 19. Jahrhundert geworden, als noch überall die Schlote rußten und schwarzer Rauch den Himmel über England oder dem Ruhrgebiet verdüsterte. Aber der Autoverkehr hatte zugenommen. Die Natur- und Umweltschützer erklärten ihn zum Feind Nr. 1. Das Waldsterben bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen. Bei der raschen Zunahme der Schadensgrade, was allerdings hauptsächlich darauf beruhte, daß immer mehr und immer »genauer« beurteilt wurde, prognostizierten einige Waldschadensforscher öffentlich ein Ende des deutschen Waldes zum Ende des 20. Jahrhunderts. Denn dann würde, so die damals in den Medien bereitwilligst verbreitete Befürchtung, in Deutschland kein Wald mehr stehen. Viele Millionen D-Mark Forschungsgelder flossen in die Waldschadensforschung. Kritiker, wie der renommierte Münchner Botaniker Prof. Otto Kandler, fanden kein Gehör, denn der Tod des (deutschen) Waldes war längst beschlossene Sache.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 260-261).

„Der Reihe nach hielt man das Schwefeldioxid (S02), stickstoffverbindungen (NOx) und Ozon (03) für die Hauptschuldigen, verursacht vom Autoverkehr. Aus allen Anschuldigungen wurde nichts, denn der deutsche Wald geruhte nicht zu sterben. Vielmehr hatte er Ende der 1990er Jahre, als es um sein Sterben allmählich stiller wurde, je näher der vorausgesagte Tod heranrückte, massiv an Holzvorrat und sogar auch an Fläche zugelegt. Die Düngung aus der Luft, die jahrzehntelang mit 30 bis 50 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr auf ihn niederging, ließ ihn schneller wachsen und machte manche Bäume wohl auch wegen der erhöhten Wachstumsgeschwindigkeit anfälliger. Trockenheit und Kälte waren dazugekommen. Die ganze Palette von Widrigkeiten stand der Wald durch, verstärkt umsorgt von der Forstwirtschaft, die natürlich Verluste befürchtete (und auf öffentliche Unterstützung hoffte). Inzwischen kümmert sich in der Öffentlichkeit jedoch kaum noch jemand um die alljährlichen Waldschadensberichte. Der Bevölkerung war offenbar auch mit der Zeit aufgegangen, daß die Bäume in den Städten mit ihrer schlechten Luft recht gut wuchsen und daß selbst der extrem trockene und heiße Sommer 2003 den meisten Bäumen und den Wäldem nicht sehr viel hatte anhaben können. Damit geriet der Umweltschutz als äußerst erfolgreiche Bewegung ... zunehmend in Bedrängnis. Die Zeit des sich Erfüllens vieler Prognosen war gekommen, aber die Befürchtungen traten nicht ein. Tiefes Mißtrauen ist aufgekommen. Verhält es sich wirklich so mit der Natur und mit unserer Umwelt, wie die Umweltaktivisten das behaupten und in ihren Weltuntergangsszenarien immer wieder und immer schlimmer herbeibeschwören? War das 20. Jahrhundert, zumal seine zweite Hälfte, wirklich die schlechteste Zeit, die überwunden werden mußte oder die jetzt in eine noch viel schlimmere Zukunft überleitet, weil mit dem globalen Wandel und der Klimaerwärmung nichts mehr kaIkulierbar sein wird?“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 261-262).

NACH OBEN Prognosen und Fehlprognosen

„Wie die persönliche und häusliche Hygiene zu den besonders fortschrittlichen Leistungen des 19. Jahrhunderts gehört, so kennzeichnet der Umweltschutz als Hygiene unserer Umwelt das 20., insbesondere die zweite Hälfte davon. Zwar rauchten in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die Fabrikschlote schon nicht mehr so stark wie zu Beginn der Industrialisierung, aber die Luft wurde dennoch rasch wieder schlechter, nachdem sich der Rauch der Bomben und der Staub aus dem Schutt der im Krieg vernichteten Städte wieder verzogen hatte. Höhere Kamine schickten nun die Rauchfahnen in höhere Luftschichten und verteilten die Belastungen. Doch ging das nur bei den großen Fabriken und Heizkraftwerken, nicht aber bei den Kaminen der Häuser, aus denen während der Heizperiode, vor allem bei winterlicher Kälte mit Hochdruckwetterlagen, stinkender Kohlerauch hervorquoll und mit dem Nebel Smog bildete. Wo schwefelreiche Braunkohle verheizt wurde, wie insbesondere in der DDR, schädigte dieser saure Rauch, aus dem sich »saurer Regen« entwickelte, die Atmungsorgane der Menschen. In der Natur draußen zerstörte er die Flechten und stellenweise die Bäume und die ganze übrige Vegetation. Dennoch war es nicht die Luftbelastung mit ihren offensichtlichen Folgen für Menschen und Natur, die Anlaß zum Umweltschutz gab und diesen zu einer weltumspannenden Bewegung werden ließ, sondern die Vergiftungen, die von Produkten der Chemie ausgingen. Der Fall des DDT wurde ... bereits angeführt. Schließlich löste er die Abkehr vom naiven Glauben an die Wundermittel der Chemie aus. Rasch zeigten die eingeleiteten Untersuchungen, wie allgegenwärtig vom Menschen freigesetzte Giftstoffe in den Böden, im Wasser und auch in der Nahrung geworden waren. Die Chemie hatte sich in wenigen Jahrzehnten zu einer globalen Gefahr entwickelt. Plötzlich wurde klar, daß es um ernsthafte Bedrohungen und nicht mehr um Kurioses ging, wie man solches in England entdeckt und auch in den westdeutschen und belgischen Industriegebieten bestätigt gefunden hatte. Dort war, beginnend im 19. Jahrhundert, eine seltene Form (eine Mutante) des häufigen Birkenspanners (Biston betularius) immer öfter aufgetreten. Schließlich war die grauweiße, nur fein schwarz gesprenkelte Normalform die Rarität. In Experimenten konnte gezeigt werden, daß Vögel die schwarze Form auf verrußten Stämmen bei weitem nicht so leicht entdecken wie die sich stark abhebende helle Form und umgekehrt, wenn die normalfarbenen Birkenspanner auf dem ihrer Flügelgrundfarbe entsprechenden Bewuchs aus Flechten ruhen. Damit zeigte eine eklatante Umweltveränderung erstmals in der Natur die Wirkung der von Charles Darwin entdeckten natürlichen Selektion. Als 100 Jahre später, gegen Ende des 20. Jahrhunderts, die Luft fast keinen Ruß mehr enthielt und die starke Verminderung von Schwefeldioxid das Flechtenwachstum nicht mehr hemmte, nahm die ursprüngliche Form des Birkenspanners wieder zu und verdrängte die schwarze Mutante. Diese hatte auf geänderte Umweltbedingungen genauso reagiert, wie das nach Darwin zu erwarten gewesen war. Aber ausgestorben ist der Birkenspanner deswegen nicht. Als Art hatte er sich lediglich an die neuen Verhältnisse angepaßt. Solche Erkenntnisse beunruhigten daher nicht allzu sehr. Sie waren etwas für die Lehrbücher und die Evolutionsbiologen. Die Öffentlichkeit brauchte sich nicht betroffen zu fühlen. Erst als immer mehr Gifte an immer ungewöhnlicheren Stellen, bis hin zur Muttermilch, wie oben ausgeführt im Fall des DDT, festgestellt wurden, weil die Analysetechniken entsprechend verfeinert worden waren, reagierten breite Kreise in der westlichen Bevölkerung. Auf anfängliche Irritationen und frühe Proteste folgte eine politische Umweltbewegung, an der weder die Industrie noch die Politiker vorbeikamen. Doch hier geht es nicht um eine Kurzfassung der Geschichte der Umweltbewegung, sondern um die Frage, wie stark Technik, Chemie und motorgetriebener Verkehr tatsächlich die Natur verändert und beeinträchtigt hatten. Merkwürdigerweise gibt es dazu nur wenige Befunde, die eindeutig genug sind. Deshalb werden die bekannten Fälle wiederholt, wie das DDT, während andere Umweltbelastungen vielfach in der Grauzone blieben, die sich zwischen »möglich«, »wahrscheinlich« und »sicherlich« ausbreitet, jedoch bei genauerer Betrachtung eigentlich nur Messergebnisse geliefert hatten. Was besagten aber so und so viele (wenige) »ppm« oder »ppt« wirklich? Ppm steht für Teile pro Million (parts per million), ppt entsprechend pro Trillion. Als Mengen sind sie so unvorstellbar winzig, daß sie die eindrucksvolle Kleinheit der Zahl wieder groß macht. Die Anreicherung über die Nahrungsketten wurde zum Paradebeispiel für die Wirkung solcher Stoffe in der Natur, die nach ihrer Freisetzung keineswegs verschwinden, sondern irgendwo in unvorhersagbarer Weise weiterwirken und ihr Unwesen treiben. Das Grundschema ist einfach: DDT (oder Reste polychlorierter Biphenyle, abgekürzt PCB genannt) gelangt ins Wasser (oder in den Boden). Dort wird es von Mikroorganismen aufgenommen oder einfach an deren Oberfläche angelagert. Winzig, wie diese sind, benötigen größere Lebewesen, die sich davon ernähren, Tausende solcher Feinstteilchen. Damit reichern sie deren Konzentration schon auf das Tausendfache oder noch stärker an. Zu Tausenden werden die Kleinlebewesen nun von größeren, etwa von Klein- oder Jungfischen, verzehrt. Von diesen ernähren sich, wiederum Hunderte benötigend, größere Fische. So geht es weiter bis zu großen Raubfischen, Fisch- und Seeadlern, Robben oder den Menschen, die sich von Fischen ernähren. Am Ende kommt eine millionenfache Anreicherung zustande. Die Stoffe haben nun eine Konzentration erreicht, von der echte Gift- oder Schadwirkungen ausgehen. Der biologische Verstärkermechanismus der Nahrungskette hat das bewirkt. Die starke Abnahme zahlreicher Tierarten, vor allem großer Säugetiere und Vögel, wurde auf diese Giftanreicherung zurückgeführt. Doch es war schwer, ihre Bestandseinbrüche oder ihr regionales Verschwinden allein damit zu begründen, weil andere Veränderungen abliefen und das Ausmaß der direkten Verfolgung oft die größere Rolle spielte. Hilfreich erwiesen sich Vergleiche zwischen den Kontinenten. So wurden in Nordamerika große Greifvögel wie die Weißkopfseeadler (Haliaaetus leucocephalus), der Wappenvogel der USA, und die Fischadler oder die Pelikane praktisch nicht bejagt. In weiten Teilen ihres Vorkommens waren und sind diese Großvögel daher ähnlich vertraut wie in Europa die Weißstörche. Auch bei Großsäugern gibt es entsprechende Unterschiede zwischen anhaltend starker Bejagung mit dem Zweck des »Kurzhaltens« oder nur kurzzeitiger, an der Bestandsentwicklung orientierter Nutzung oder gar keiner jagdlichen Verfolgung. Diese Vergleiche zeigten, daß häufig die direkten Verfolgungen weitaus entscheidender als die Umweltgifte waren, weil sie die gesunden, kräftigen und Überschüsse produzierenden Bestände (auch) betroffen hatten und nicht nur die ohnehin schon geschädigten Tiere. Daher erholten sich nach dem DDT -Verbot die davon tatsächlich stark betroffenen Arten in Nordamerika viel schneller als in Europa. Hier wurde insbesondere bei der »Wieder«(?)-Vereinigung Deutschlands und dem Fall des Eisernen Vorhangs deutlich, wie groß der Unterschied zwischen »West« und »Ost« geworden war. Denn die Länder des Ostblocks, besonders auch die ehemalige DDR, litten immer noch unter sehr starker, gebietsweise regelrecht katastrophaler Umweltverschmutzung, während der Westen längst schon ziemlich sauber geworden war. Die Luft war zu Beginn der 1990er Jahre von den schlimmsten, von jedem Menschen beim bloßen Atmen spürbaren Belastungen gesäubert. In den Flüssen und Seen konnte man nahezu uneingeschränkt wieder baden, in den Wäldern wurden kaum noch Gifte zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt und zwischen den Maisfeldern wollte man ohnehin nicht spazieren gehen. Doch der Kontrast hätte kaum größer ausfallen können. Wo nach wie vor die Schlote ungereinigt rauchten oder gerade erst geschlossen worden waren, wo die Flüsse geschäumt hatten und ihre Giftfracht dem Meer zuführten, wo in flache Seen die gänzlich ungeklärte Brühe von Schlachtereien oder die Abwässer von VEB-Betrieben mit Tausenden von Tieren liefen, gab es alles an Großtieren, was im Westen zum Feinsten und zum auf das sorgsamste gehüteten Artenschatz gehörte. Sogar die so empfindlichen Fischotter, denen die Waschmittelrückstände die Isolationswirkungen ihres Fells genommen hatten, überlebten. Die Biber an Elbe und Mulde schienen mit der schrecklichen Umweltverschmutzung fertiggeworden zu sein. Störche gab es mehr als zehnmal mehr als im Westen. Hier standen einzelne Brutpaare der Seeadler im direkten Grenzbereich zur DDR unter Sonderbewachung durch den Naturschutz, speziell durch den WWF Deutschland. »Drüben« lebten Hunderte Seeadler, und es wurden immer mehr. Die Fischadler (Pandion haliaetus) hatten sich dort zum Großteil Hochspannungsmasten als sichere Nistplätze ausgewählt. Von diesen Masten, die niemand während der Brutzeit erstieg, fiel kaum jemals ein Horst herunter. Das hochgradig belastete Land, wo fast an jedem größeren Wasserloch in den weiten Fluren mit Erfolg Graukraniche (Grus grus) nisteten, erwies sich als reich an seltenen Arten und großartigen Lebensräumen. Die Wiedervereinigung schenkte der alten Bundesrepublik plötzlich Schutzgebiete, wie man sie sich im Westen kaum erträumen konnte. Ganz ähnlich sah es in Polen, Ungarn, Tschechien und den anderen, nun frei und voll souverän gewordenen Staaten des ehemaligen Ostblocks aus. Seit der Öffnung zum Westen ist ihre Natur viel stärker bedroht als vorher, und zwar durch genau jene Maßnahmen und Veränderungen, die dem Westen den Reichtum an Natur gekostet hatte. Das Fazit ist eindeutig: Weit mehr als die Umweltverschmutzung hatte die moderne Landwirtschaft den Artenreichtum der europäischen Landschaften beeinträchtigt und zu starken Rückgängen bei vielen Arten sowie zu flächigen Verlusten von besonderen Biotopen geführt. Im Osten ging es leidlich gut mit dem Nebeneinander von Vergiftung und Belastung landwirtschaftlich genutzter Flächen und solchen, die keiner Intensivnutzung unterlagen. Der Artenschutz hatte sich auf die großen Arten konzentriert und war entsprechend erfolgreich. Wo sich Biber ansiedelten, war nicht zu befürchten, daß sie gleich wieder vertrieben oder getötet würden. Bären und Wölfe, Elche und Luchse überlebten in den Wäldern, in denen nicht wie in Westdeutschland und Österreich private Jagdrevierinhaber möglichst keine Verluste an »ihrem« Wild hinnehmen wollten. Auf stark belasteten, nach westlichen Maßstäben vergifteten Flächen, deren Boden unter die Sondermüllverordnung gefallen wäre, entwickelten sich besondere Gesellschaften seltenster Pflanzen. Kleintiere, allen voran die Insekten und die Kriechtiere, profitierten von der Tatsache, daß solche belasteten Flächen von Intensivnutzungen frei waren. Im Westen gab es zwei Parallelen. Die eine bilden die Bahnhöfe mit ihren Gleisanlagen, die andere die Truppenübungsplätze. Wo die Natur wohl am stärksten denaturiert worden war, auf den Gleiskörpern und ihrem Umfeld in den (Groß-)Städten, und wo auf den Truppenübungsplätzen regelmäßig »Krieg gespielt« wurde, ging es vielen ansonsten bedrängten Arten am besten. Es war zwar folgerichtig und im Interesse der Menschen notwendig, die Belastungen von Nahrung, Luft und Wasser mit Schadstoffen zu vermindern und möglichst ganz auszuschalten, aber diese Vorgehensweise des Umweltschutzes bedeutete keineswegs automatisch, daß damit alle Probleme in der Natur gelöst worden wären.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 262-267).

„So teilte sich die Welt in der Anfangszeit der Ära des Umweltschutzes global gesehen in zwei Großbereiche. Der fortschrittliche Westen, der dank seiner Wirtschaftskraft zumindest partiell die Belastungen nachhaltig vermindern konnte, und der große Rest, von dem manche geradezu das Recht auf Umweltverschmutzung einforderten, um in der Entwicklung nachziehen zu können. Die Wirkungen auf die Natur, auf die Lebensräume von Tieren und Pflanzen, standen - und stehen - dabei so gut wie nie zur Debatte. Wir stünden sonst ziemlich schlecht da. Denn unsere Erfolge im Umweltschutz schlagen sich bei weitem nicht so in der Umwelt nieder, in der nicht nur wir, sondern auch Pflanzen und Tiere leben, wie sie das sollten und wie es von der Bevölkerung, die für all diese Verbesserungen sehr viel gezahlt hat, erwartet wird. Wie bereits ausgeführt, gehen die Hauptbelastungen in den mitteleuropäischen Landschaften von der Landwirtschaft aus. Es sind die von ihr ausgelöste Überdüngung und die Hilfsstoffe, die ins Grundwasser und in die Oberflächengewässer gelangen, an denen der Umweltschutz nicht angreifen kann, weil die Landwirtschaft von den Einschränkungen und Gegenmaßnahmen ausgenommen blieb. Zwei Hinweise sollen dies verdeutlichen. So müssen alle 83 Millionen Menschen in Deutschland ihr persönliches Abwasser einer höchst kostspieligen Reinigung in modernsten Kläranlagen unterziehen lassen, während die drei- bis fünffache Menge, die von den Schweinen, Rindern und anderen Nutztieren erzeugt wird, gänzlich ungeklärt auf die Fluren gelangen darf und dort als »Wertstoff« eingestuft wird. Wenn, wie in den letzten Jahren immer wieder einmal geschehen, von einem chemischen Betrieb ein paar Kubikmeter eines »die Atemorgane reizenden Gases« austreten oder eine chemische Substanz gar in den Rhein gelangt, wird dies in den Hauptnachrichten im Fernsehen der Öffentlichkeit als Umweltkatastrophe kundgetan. Daß Mitteleuropa mehrfach im Jahr mit drei Schwerpunkten im zeitigen Frühjahr, im Hochsommer und im Spätherbst, fürchterlich zum Himmel stinkt, weil die Gülle ausgebracht wird, ist keiner Erwähnung wert. Ein halbes Jahrhundert Umweltschutz ging einher mit einer Entwicklung der Landwirtschaft zu industriebetriebsgleicher Bewirtschaftung. Die traditionell als Industrien eingestuften Betriebe wurden strengen Auflagen unterworfen, die industrialisierte Landwirtschaft jedoch nicht, obgleich sie mit Abstand am stärksten in der Fläche wirkt. Wer immer das für sinnvoll oder unumgänglich halten mag, muß umgekehrt begründen, warum die Einschränkungen für die klassischen Industrien und für die Bevölkerung insgesamt zumutbar gewesen sind. Auf welcher Basis wird geurteilt? An dieser Frage drückt sich das Kernproblem des Umweltschutzes aus. Die Standards sind menschengemacht. Sie ergeben sich nicht von selbst aus der Natur. Denn diese ist nicht, wie von der großen Mehrzahl der Natur- und Umweltschützer angenommen wird, ein geschlossenes, wohlgeordnetes Haus der Natur, sondern offen und veränderlich. Urteile von vorgestern stellen sich häufig genug als Vorurteile heraus. Das wäre nicht weiter schlimm, könnten wir die Vorurteile im Bedarfsfall rasch wieder korrigieren. Doch dem ist nicht so. Der Umweltschutz liefert zu dieser gänzlich ungelösten Problematik jede Menge Beispiele. So war es nicht möglich, bei der »Wieder«(?)-Vereinigung Deutschlands westliche Standards schnell und realitätsbezogen an die ostdeutschen Verhältnisse anzupassen. Ostdeutschland, Tschechien und Polen waren uns offenbar zu nah. Sie sollten durch Umweltstandards »werden wie wir«. Was China macht, interessiert viel weniger. Sicher ist es richtig, daß Umweltschutz in manchen Bereichen einen globalen Ansatz nötig hat. Die Luft zirkuliert, ohne sich an Grenzen zu halten. Die Reichweite beim Wasser ist schon beschränkter, wenn es sich um ein Flußsystem handelt, oder bleibt lokalisiert, wie im Fall von Seen. Am stärksten orts- oder nahbereichsbezogen sind Einwirkungen auf den Boden oder der Lärm. Infolgedessen wurde am meisten in diesen Nahbereichen erreicht, gleichwohl gespickt mit Ausnahmen, etwa wenn riesige Traktoren zu den Ruhezeiten betrieben werden, obwohl es nicht um das Einbringen von Ernte vor einem nahenden Unwetter, sondern um das Ackern in der Nacht oder am Sonntagvormittag geht. Für die »Natur« bleiben jedoch solche Belastungen, die zweifellos viele Menschen stören, ärgern oder gesundheitlich beeinträchtigen, zumeist reichlich bedeutungslos. Wiederum demonstrieren dies Erfahrungen aus den Truppenübungsplätzen, wo auch scharf und vor allem sehr laut geschossen wird, wo Panzer und Geländefahrzeuge umherrasseln - und beim Wild nicht einmal mehr ein Anheben des Kopfes verursachen. Die Sicherheit, dabei selbst nicht erschossen zu werden, ist ungleich wichtiger als der Lärm. Der hohe Artenreichtum und die vielfach auch sehr hohe Siedlungsdichte der Vögel in den Großstädten bestätigt dies in vergleichbarer Weise. Wenn mitten in Berlin am Rande des brausenden Verkehrs die Nachtigall singt, so drückt dieses Vogellied, wie andernorts die Gesänge der Amseln, deutlich genug aus, daß ihre Umwelt nicht unserer gleichzusetzen ist. Umweltschutzmaßnahmen »dienen« daher nicht automatisch der Natur. Der Naturschutz muß, sofern er die Erhaltung und Förderung freilebender Tiere und Pflanzen als eines seiner Hauptziele betrachtet (also Lebensschutz sein will; Anm. HB), auch Umweltschutzmaßnahmen kritisch betrachten und auf ihre » Naturverträglichkeit« hin überprüfen dürfen. Nicht alles ist gut, was uns gut dünkt. Ein verdeckter, höchst bedeutsamer Zug im modernen Umweltschutz besteht darin, mit den auf Menschen bezogenen Umweltzielen gleich auch festgelegt zu haben, was »für die Natur gut« ist. Die Natur wurde dazu aber nicht befragt.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 267-270).

„Das beginnt bei so Unverdächtigem wie sauberem Wasser von Trinkwasserqualität, in dem die allermeisten Lebewesen des Süßwassers gar nicht leben könnten, und endet bei solch althergebrachten Vorurteilen, daß das Wild »wild«, also scheu sein müsse, sonst sei es kein Wild. Daß die Scheuheit den größeren Säugetieren und Vögeln aber sehr viel möglichen Lebensraum nimmt, wird dabei nicht mehr berücksichtigt. Die Naturfreunde fahren in ferne Länder, wo sie vertraute Großtiere derselben Arten, die auch in Mitteleuropa vorkommen, in aller Ruhe beobachten und photographieren können, weil dort der Mensch nicht als Feind der Tierwelt empfunden wird. Das 20. Jahrhundert brachte global viele Nationalparks und Naturschutzgebiete, aber keines in Mitteleuropa, wo wir die Natur so erleben können wie in fernen Reservaten. In der Zeit des Natur- und Umweltschutzes hat man uns durch eine Fülle von Verboten und Einschränkungen geradezu naturentfremdet. Ihr Sinngehalt mag zwar nachvollziehbar sein, aber an Nachprüfung ihrer Notwendigkeit und Wirksamkeit mangelt es. Vielleicht sollte verhindert werden, daß die Natur in ihrer Vielfalt und Dynamik allzu direkt erlebt wird. Denn wer sich der Veränderungen, die in Jahrzehnten ablaufen, bewußt ist, wird nicht so leicht auf wohlfeile, aber falsche Argumente hereinfallen. Dann sind die Silberreiher, die allmählich wieder häufiger geworden sind, kein Zeichen einer Klimaerwärmung mehr, sondern der Beweis dafür, daß früher zu viele um ihrer Schmuckfedern willen unmittelbar zu Beginn der Brutzeit abgeschossen worden waren. Niemand wird die Zunahme der zweifellos »nordischen« Seehunde im Wattenmeer auf das kältere Klima seit den 1970er Jahren zurückführen. Denn das würde nicht »passen«. Warum dennoch immer wieder so offensichtlich Falsches verbreitet wird, liegt auf der Hand. Es geht um die »gute Sache«. Dafür ist (fast) jedes Mittel recht. Der uninformierten Gesellschaft kann man nahezu alles erzählen, wenn es nur irgendwie zu passen scheint. Daß damit das Anliegen selbst in Mißkredit gezogen werden könnte, wird billigend in Kauf genommen. Die Vertreter der Warnergilde hoffen auf das Vergessen. Es wird ihnen fast immer gnädig sein. Denn neue Nachrichten verdrängen die alten Vorhersagen, so daß diese ungestraft dem Vergessen anheimfallen können. Wen kümmert es, daß für 2005 in Mitteleuropa ein heißer Sommer vorhergesagt wurde und die Prognose total falsch war. Die Tageszeitungen, die diese Prognose aus Expertenmund in die Öffentlichkeit trugen, haben längst andere Themen. Gleichgültig, wie das Wetter wird, es wird immer »extrem« sein. An eine mehr als dreitägige Wettervorhersage glaubt ohnehin kein vernünftiger Mensch. Die Sucht nach Zukunftswissen, das Propheten zu haben behaupten, steckt offenbar so tief in uns Menschen, daß sich die Wahrsager leichttun. Das habe ich in meinem Buch »Die falschen Propheten« (2002) ausführlich dargelegt. Drei Prognosen, die von den 1970er Jahren bis in die Gegenwart die Umweltdiskussion beherrschten, verdeutlichen Vorgehensweise und Fehlschläge. Das »Waldsterben« ist bereits behandelt worden. Der Fehler, der gemacht worden war, lag in der Nennung eines Termins für das Ende (des deutschen Waldes). Die von Kennern vorgebrachte Kritik, sich doch erst einmal mit der Vergangenheit der Wälder und der Waldschäden genauer zu befassen, um die Vorgänge in der Gegenwart besser beurteilen zu können, blieb unberücksichtigt. Der Blick in die Vergangenheit und auf die allgemeinen Entwicklungen in den Landschaften Mitteleuropas, ihre Überfrachtung mit Nährstoffen, die auch das Wachstum der Waldbäume fördern, eingeschlossen, hätte die Problematik relativiert. Das Waldsterben hätte womöglich von Anfang an von einer Katastrophe zur Krise und schließlich zu einer Übergangszeit im ausgehenden 20. Jahrhundert zurückgestuft werden müssen, was allerdings auch mit Einbußen an Forschungsmitteln verbunden gewesen wäre. Die Forschungen ergaben zwar sehr viel Interessantes, aber keinen schlüssigen Zusammenhang mit dem Autoverkehr. Der Wald existiert seit seiner »Todeszeit« weiter - und wird dies aller Wahrscheinlichkeit nach auch weiterhin tun, selbst wenn sich das Klima erwärmt.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 270-272).

„Einen ganz ähnlichen Fehler, das »Ende« vorherzusagen, machten Dennis Meadows und der »Club of Rome« mit den höchst spannenden Computermodellen und ihren Ergebnissen in den »Grenzen des Wachstums«, Die wesentlichsten Ressourcen der Menschheit sollten danach bereits in den (späten) 1990er Jahren verbraucht worden sein. Die Vorhersage trat nicht ein. Es wurden weit mehr neue Vorräte und Lagerstätten entdeckt, als in den Hochrechnungen angenommen werden konnte. Ein für die Frühzeit solcher Modelle hervorragender Forschungsansatz geriet in Mißkredit und führt dazu, daß nun auch andere, neuere und »bessere« entsprechend kritisch betrachtet werden »sollten«. Denn völlig unerwartet kam es im Prognosezeitraum der »Grenzen des Wachstums« zu Ereignissen von weltpolitischer und europäischer Bedeutung: zum Zusammenbruch des Sowjetimperiums, zur Wende in China und zur »Wieder«(?)-Vereinigung Deutschlands. Innerhalb von nur 30 Jahren hatten sich damit die globalen Rahmenbedingungen, zudem auf ein Jahrzehnt konzentriert, grundlegend geändert. Der »siegreiche« Westen stieg in Form des Hauptvertreters, der USA, zwar zur alleinigen Weltmacht auf, blieb aber globalwirtschaftlich vomunterlegenen Rivalen Rußland im Hinblick auf die Energieversorgung abhängig. Im Grunde genommen wurde der Westen sogar noch abhängiger, weil mit der Wende in China ein Wirtschaftsaufschwung ohne Beispiel einsetzte, der dieses bevölkerungsreichste Land zum Hauptkonkurrenten um die globalen Ressourcen gemacht hat. Auch das war in den Prognosen nicht enthalten und offenbar von niemandem (in einflußreichen Kreisen) vorausgeahnt worden. Die neuen Rahmenbedingungen am Beginn des 21. Jahrhunderts sehen daher erheblich anders als zu Beginn der 1970er Jahre aus. Trotz des Versuchs zwischenzeitlicher Korrektur in den »Neuen Grenzen des Wachstums« blieb Meadows auf der vorgegebenen Bahn. Das Ziel war offensichtlich zeitlich zu kurz gewählt und ließ daher keine Kurskorrektur ohne grundsätzlichen Vertrauensverlust in die Zukunftsberechnungen zu. Es wäre zu wenig übrig geblieben von den Warnungen vor der schlimmen Zeit, die uns schon zum Ende des 2. Jahrtausends ereilt haben sollte. Besser, viel besser steht es um das dritte Prognosemodell. Es ist letztlich wohl auch der wichtigste Teil aller Zukunftsszenarien. Es geht um die Entwicklung der menschlichen Bevölkerung auf der Erde. Vor Ende des 20. Jahrhunderts war die 6. Milliarde erreicht (6 Mrd.). Die Bevölkerungsexplosion der Menschheit fand also hauptsächlich in jenen drei Jahrzehnten statt, von denen die »Grenzen des Wachstums« handelten. Die Zunahme der Zahl der Menschen war weitgehend richtig prognostiziert worden (6 Mrd.). Daß sich das Anwachsen der Menschheit abschwächt, wird nicht nur nicht verheimlicht oder als zu geringfügig abgetan, sondern der Weltöffentlichkeit möglichst wahrheitsgetreu dargelegt. Inzwischen ist ersichtlich, daß auch der Mensch als biologische Art mit seiner »Bestandsentwicklung« dem allgemeinen biologischen Grundmuster folgt, das mit einem nahezu ungebremst exponentiellen Wachstum beginnt und nach Überschreiten der etwa halben Tragkraft der Umwelt (Umweltkapazität) abflacht und auf einen Grenzwert einschwenkt, der dieser entspricht. Daß die Höchstzahl der Menschen wohl erheblich niedriger liegt als ursprünglich befürchtet, gehört gleichfalls zu den guten Nachrichten in dieser Entwicklung, denn das Leben von 10 bis 12 Milliarden Menschen zu sichern eröffnet weitaus bessere Zukunftsaussichten als bei 20 Milliarden oder mehr. Warum aber lief es ,bei den Prognosen zur Bevölkerungsexplosion besser? Der fachliche Grund ist klar. Die statistische Zuwachsrate hängt von der Altersstruktur der Bevölkerung ab. Diese war in den 1970er Jahren gut genug bekannt. Sie bestimmte das Wachstum für die nächsten Jahrzehnte. Die Verfolgung der globalen Bevölkerungsentwicklung unterlag auch keinen politischen Einschränkungen. Die UN-Fachleute konnten so gut arbeiten, wie die Daten waren, die aus den Entwicklungsländern kamen. Diese wurden immer besser und daher auch die permanent korrigierten Prognosen immer zuverlässiger. Schon die Ausgangsbasis war als Teilstück eines Entwicklungsprozesses angesetzt und nicht als feste Ausgangsgröße, bei der noch alles (einigermaßen) in Ordnung gewesen war. Den Grundfehler, letzteres anzunehmen, machten die meisten Natur- und Umweltschützer bis hin zu manchen Klimaforschern, die anhand ihrer Modelle die Zukunft bewerten, ohne ausreichend die Vergangenheit berücksichtigt zu haben. Bei der Erfassung der globalen Bevölkerungsentwicklung gab es keine Einschränkungen, wer berücksichtigt werden darf und wer nicht, wie beim Klimawandel und dem Kioto-Prozeß. Wie immer die jeweiligen Zwischenergebnisse ausfallen, sie blieben unverdächtig und neutral. Solche Prognosen tragen die Selbstkorrektur gleichsam fest eingebaut in sich. Sie tragen auch keine Verpflichtungen in sich, denn jedem Land bleibt seine eigene Bevölkerungsentwicklung von anderen unbenommen. Solche Prognosen werden für die Zukunft gebraucht!(Demographie Literatur zur Demographie)  Nicht »verbesserte« Vorhersagen, die einen für uns Lebende nicht mehr nachkontrollierbar fern in der Zukunft liegenden Weltuntergang verkünden. Vielmehr sollten wertungsfreie Verläufe, die beständig mit realen Messungen justiert werden, die Grundlagen für die Beurteilung und für das Mitverfolgen der bevorstehenden oder angelaufenen Entwicklungen liefern. Wo aber von vornherein in gut und schlecht, richtig und falsch unterschieden wird, geraten die Modelle in den Verdacht, zu einer Weltdiktatur zu führen. Die tatsächlichen Entwicklungen, die Prognosen bestätigen, sollten die falschen von den zuverlässigen Propheten scheiden, und nicht die Absichten zur Weltverbesserung, die vorgegeben werden. Daß wir Prognosen nötig haben, steht außer Frage. Die Welt ändert sich. Es wäre absurd, die Fortdauer eines festen Zustandes annehmen zu wollen. Vielleicht ist das Tempo der Veränderungen gegenwärtig tatsächlich besonders hoch; vielleicht dünkt es uns auch nur so, weil wir hier und jetzt und nicht mehr im 19. Jahrhundert leben, in dem sich so vieles so unfaßbar schnell verändert hatte.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 272-275).

„Europa fand ... den »Ausweg« der Importe von Futtermittel für ... Viehbestände. An ihnen, an den vielen Millionen Rindern, Schweinen und Hühnern in den Mastställen Europas, wird sich die Zukunft der Natur auf den tropischen und subtropischen Kontinenten entscheiden. Die Haustiere sind wirksamer als Veränderungen von Wetter und Klima.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 298-299).

„Auf rund 40 Prozent der Landfläche nimmt die Menschheit gegenwärtig starken Einfluß. Doch auch die übrigen drei Fünftel bleiben nicht frei von Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten. .... Unberührte Natur im strengen Sinn der Bezeichnung gibt es nicht mehr. An kaum einem noch so entlegenen Ort wird ein Mensch, der dorthin gelangt, annehmen dürfen, noch nie vor ihm hätte ein Mensch seinen Fuß darauf gesetzt und seinen »ökologischen Fußabdruck« direkt oder indirekt hinterlassen.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 299).

„Die Natur verliert nichts, weil sie keine Person im Sinne des Menschen ist.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 300).

„Sicherlich ist es auch nicht übertrieben zu behaupten, daß in den Wohungen der Menschen in Deutschland oder in anderen Ländern weitaus deren Ländern weitaus mehr Tiere unterschiedlichster Arten gehalten werden, als in öffentlichen zoologischen Gärten zur Schau gestellt sind. Tierfutter, nicht nur für solche besonderen Haustiere wie Hund und Katze, wird in einer Vielfalt und Menge angeboten, daß das Angebot in entsprechenden Abteilungen von Kaufhäusern in manchen westlichen Ländern das für Menschenbabys bestimmte Angebot übertrifft. Somit braucht eigentlich gar keine besondere Begründung für Schutz und Erhaltung der Artenvielfalt vorgebracht zu werden. Die Menschen stellen selbst die lebendige Praxis des Interesses an Tieren und Pflanzen dar. Insofern verwundert es nicht, daß in unserer Zeit, dank des uneingeschränkten Austausches von Information, dem Artenschutz großes Interesse entgegengebracht wird. Die Arten, um deren Schutz es geht, sollten nur möglichst »ansprechend« sein. Dann finden sie rasch eine entsprechend große Schar von Verteidigern, die auch bereit sind, Geld für ihre Erhaltung auszugeben. In den erstaunlichen Summen, die für den Artenschutz gespendet werden, kommt auch vom utilitaristischen Standpunkt aus betrachtet klar zum Ausdruck, daß wesentliche Teile der Menschheit die Vielfalt der Arten erhalten möchten. Umso befremdlicher muten mitunter die stümperhaften Versuche an, die Unentbehrlichkeit einer Art für »den Naturhaushalt« mit sogenannten ökologischen Argumenten zu rechtfertigen. Offenbar mangelt es den betreffenden Menschen selbst an einer wirklichen Zuwendung zu diesen Arten. Es fehlt ihnen jene Empathie, die aus innerer Überzeugung heraus ganz selbstverständlich und ohne sachliche Begründung wirkt. Aus der Art der Begründung kann man oft ganz leicht erkennen, daß es gar nicht um die betreffende »Rote-Liste-Art« geht, sondern um die Verhinderung eines Bauvorhabens oder um die Hinauszögerung einer sonstigen Änderung, die ihnen aus ganz anderen, zumeist sehr persönlich-eigennützigen Gründen nicht paßt. Die Natur dient dann als Vorwand, um eigene Interessen zu verschleiern. Wollen wir versuchen, zur Beurteilung der Lage der Artenvielfalt solche Vorgehensweisen ,öglichst auszuschließen, was bleiben dann für »Fakten«?.“

„Die europäische Landwirtschaft ließ bisher nicht die geringste Bereitschaft erkennen, auf Futtermittel aus Tropenländern zu verzichten oder auch nur die Mengen, die von dort importiert werden, zu vermindern. Nach wie vor werden die Tropen in kolonialistischer Weise ausgebeutet.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 308).

„Im 19. Jahrhundert herrschten mehr geistige Freiheiten und viel größere Beweglichkeit als im ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 300).

„Als bloße vermittlung von Fakten ist die Aufklärung gescheitert. Viel zu wenige Menschen richten sich nach diesem Prinzip. Sie brauchen Vertrauen, um vom Wissen zur Gewißheit zu kommen. Nachprüfbarkeit allein vermittelt dieses Vertrauen. Die zweite Säule gründet sich in der Verantwortung. Das Übernehmen von Verantwortung ist unserer Zeit fast vollständig abhanden gekommen. Für falsche Prognosen steht niemand mehr gerade. Für falsche Entscheidungen auch nicht. Die Folgekosten haben stets die »Gläubigen« zu tragen. Sollte es tatsächlich einmal dazu kommen, daß die Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden, bleibt das, von den Ausnahmefällen gestürzter Diktatoren mit schrecklichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit abgesehen, in aller Regel dennoch ziemlich folgenlos. Was Wunder, wenn sich die große Masse nicht bewegen möchte und den Status des Erreichten behalten will. Es kommen doch nur schlechte Nachrichten auf sie zu. Gutes ist kein Thema.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 318).

„Somit bleibt der Hoffnung nur das Eigeninteresse. Man mag das Egoismus nennen. Aber was den Menschen unmittelbar zugutekommt, werden sie eher bereit sein zu tun als das, was zwar notwendig wäre, sich aber erst in der Zukunft, in der nächsten oder übernächsten Generation, auszahlen wird. Vielleicht! Sicher ist das auch dann nicht, wenn die besten Argumente dafür sprechen. Das zeigte sich in der jüngsten Vergangenheit bei der Einführung des Katalysators. Als es nach langen Widerständen der Autohersteller endlich so weit war, boomten die Dieselfahrzeuge. Denn Diesel war (erheblich) billiger als das bleifreie (Super-)Benzin. Wären die »Benziner« in den Fahreigenschaften nicht schneller gewesen und wären die von einem Großteil der Bevölkerung geforderten Geschwindigkeitsbegrenzungen gleichzeitig eingeführt worden, wären damals vielleicht schon nach wenigen Jahren fast alle Autofahrer auf Diesel »umgestiegen«, obgleich bestens bekannt war, worum es eigentlich ging: um die Verbesserung der Luftqualität und um unsere Lungen. Aber die Politik hat die 3-Wege-Kat-Fahrer mit den erheblich höheren Spritpreisen für rückstandsarmes Superbenzin bestraft. Ähnlich ging es mit der Energiesteuer (), die zunächst angeblich das Weltklima retten sollte, dann aber für ganz andere Zwecke eingesetzt wurde. Die Nachbarländer machten gewaltige Profite, weil sie ihren Treibstoff nicht mit dieser Steuer belasteten. Wo sie das können, fahren seither viele Menschen zum Tanken über die Grenzen. Es ist den Mitbürgern auch kaum zu vermitteln, daß beim Pro-Kopf-Energieverbrauch die Anteile der Heizkosten nicht berücksichtigt werden, die nun einmal aus Gründen der klimatischen Lage nicht zu umgehen sind. Skandinavier oder die Menschen in Sibirien und Kanada brauchen nun einmal viel mehr Energie in den langen kalten Monaten als Tropenbewohner. Wer seine privaten Energiekosten betrachtet, wird in der Regel feststellen, daß Ausgaben für die Heizung die Hälfte oder mehr ausmachen. Wie hoch die Kosten werden, darüber befinden die Energieversorger und nicht die Privatverbraucher, und natürlich auch die Dauer und Härte des Winters. Milde Winter senken den Energieverbrauch in den kalten Regionen ungleich mehr als die besten Sparmaßnahmen in anderen Bereichen. Eine grobe Bilanz zur globalen Verteilung des ProKopf-Energieverbrauchs drückt diese Gegebenheit ganz klar aus. Deutschlandliegt, seiner mittleren Position entsprechend, ganz gut in der Mitte.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 318-320).

„Beispiele dafür, daß vorhandene Gegebenheiten nicht zu umgehen sind und daß stets nach Schlupflöchern gesucht wird, wenn Nachteile in Kauf zu nehmen wären, aber damit vermieden werden können, gibt es so erdrückend viele, daß die Hoffnung, auf das Gute im Menschen zu bauen, geradezu eine Zumutung für die wirklich Gutwilligen geworden ist. Deshalb nochmals: Zukunft muß sich lohnen! Sie ist zu wichtig, um die Menschen der Gegenwart damit abzustrafen.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 318-320).

„Verzicht zu üben mag moralisch anerkennenswert sein. Die Nutznießer des Verzichts sitzen jedoch anderswo und werden sich bemühen, das Moralische in uns hochzuhalten, für sich selbst aber, aus welchen Gründen auch immer, die Ausnahme in Anspruch nehmen..“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 322).

„Würde jede Generation so lebe, daß sie der nächsten das erhält, was sie selbst vorgedunden hat, und nichts davon unwiederbringlich verbraucht. wäre das Ziel der nachhaltigkeit erfüllt. Wir solten danach streben denn es gibt wahrscheinlich kein besseres Ziel. Aber je mehr nachgemacht wird, desto mehr muß auch »nachgelebt« werden, und umso weniger Individualität bleibt übrig und kann sich entfalten ....“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 324).

„Was wir, was die Menschheit brauchen würde, sind im evolutionären Sinn überlebensfähige Ungleichgewichte.“ (Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, 2007, S. 324).

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Lügen und Diktatur

Die angeblichen „Klimaschützer“ (auch dieses Wort ist unsinnig!) leugnen, daß erstens die entscheidende Rolle für Klimaveränderungen der Sonnenaktivität zukommt, daß zweitens der Anteil des anthropogenen, d.h. von Menschen verursachten Kohlendioxids in der Erdatmosphäre gegenüber dem des dort naturbedingt vorhandenen CO2 ohnehin verschwindend gering ist, daß sich drittens das Klima mit dem Verringern des anthropogenen CO2-Ausstoßes überhaupt nicht schützen läßt. Dies ist aber leider zu wenigen Menschen bekannt, denn es dringt nicht durch, soll es auch nicht; die politischen, fiskalischen und ökonomischen Interessen von Medien, Politik, Verbänden und Wirtschaft sind zu groß, zu einflußreich und (noch) zu mächtig, als daß die gegenteiligen Stimmen der bedachtsam-kundigen Nichtangepaßten in der breiten Öffentlichkeit Gehör finden und diesen Interessen dann schaden. In Wirklichkeit wird der „Klimaschutz“ als Vorwand genutzt, den Bürgern für den Fiskus und die anderen Nutznießer noch mehr Geld abzupressen. Ein Vorwand, gegen den sich die Bürger mangels Information und Macht nicht wehren können - oder (noch) nicht zu wehren wagen. Dieser „Klimaschutz“ gebärdet sich wie eine Ersatzreligion samt heiliger Inquisition gegen die Unbotmäßigen. (). Die Auseinandersetzung ist eine zwischen Schwindlern und Aufklärern. Einst durfte die Erde nur als Scheibe gelten. Nun reden sich Menschen ein, sie könnten die Erde vor einem Klimawandel schützen. Welch ein Wahnsinn!

Erst stimmt man die Menschen auf eine schreckliche Erderwärmung ein und darauf, daß sie selbst Schuldige seien, weil sie (angeblich zuviel) Kohlendioxid erzeugen. Diese „Treibhaus-Schuld“ () soll durch ständige mediale Bearbeitung in den Köpfen immer stärker verankert werden. Dahinter steckt eine Mischung aus geschäftlichen und fiskalischen Interessen: Man sagt den Menschen, sie müßten das Klima „schützen“, den CO2-Ausstoß verringern - doch damit zwingen ihnen jene, die sich mit Inbrunst als „Klimaretter“ darstellen, vor allem immer mehr Investitionen und Abgaben auf (). Das Geschäft läuft wie geschmiert (). Was aus Eigeninteresse global losgetreten wurde - nämlich von einer überaus mächtigen Mischung von Leuten aus Politik, Wirtschaft, Finanzwelt, Wissenschaft und Verwaltung -, ist für die Profiteure ein gewaltiges Beschäftigungspaket, für die Bürger eine weitere Ausbeutung und Umverteilungslast. Was scheinbar harmlos begann, hat sich gemausert zu einer Ökodiktatur. Der „Klimaschutz“ ist nur ein Vorwand. Zahlreiche Wissenschaftler nennen den vorgeblichen Treibhauseffekt Unsinn, sehen die Rolle des anthropogenen CO2 und die Zusammenhänge ganz anders. Aber sie bekommen kein Gehör, werden mit ihren Erkenntnissen unterdrückt. All das ist Wahnsinn mit Methode, ist Diktatur!

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Wissen und Freiheit statt Unwissen und Unfreiheit Wissen und Freiheit statt Unwissen und Unfreiheit Wissen und Freiheit statt Unwissen und Unfreiheit

Abgesehen davon, daß die Sonne mit ihrem System während ihres rd. 250 Mio. Jahre dauernden Milchstraßenzentrumsumlaufs (Umlauf der Sonne um das Zentrum der Milchstraße) unterschiedlichen Störungen ausgesetzt ist, gilt folgendes: Wenn die Sonnenaktivität steigt, sinkt die Kosmische Strahlung (denn heliosphärisch kann die Sonne sie ja mehr abwehren), folglich der Anteil an Radiokohlenstoff, folglich der Anteil an Wolken in der Erdatmosphäre, wodurch die Temperatur in der Erdatmosphäre steigt. Umgekehrt gilt: Wenn die Sonnenaktivität sinkt, steigt die Kosmische Strahlung (denn heliosphärisch kann die Sonne sie ja weniger abwehren), folglich der Anteil an Radiokohlenstoff, folglich der Anteil an Wolken in der Erdatmosphäre, wodurch die Temperatur in der Erdatmosphäre sinkt.

Sonnenaktivität
(Sonnenflecken)
Kosmische Strahlung
im Sonnensystem
Radiokohlenstoff
in der Erdatmosphäre
Wolken
in der Erdatmosphäre
Temperatur
in der Erdatmosphäre
++
+++
+   =   s t a r k   b z w .   z u n e h m e n d ;   –   =   s c h w a c h   bzw.   a b n e h m e n d

Sonnenflecken Sonnenflecken-Erdtemperatur-Korrelation von 1865 bis 1985
Sonnenflecken-Erdtemperatur-Korrelation
Die an der Erdoberfläche gemessene Lufttemperatur (dicke Kurve) der nördlichen Atmosphäre von 1865 bis 1985 zeigt eine enge Korrelation mit der Variation der Intensität der Sonnenfleckentätigkeit im säkularen Gleißberg-Zyklus (dünne Kurve). Vgl. Eigil Friis-Christensen und Knud Lassen, in: Nigel Calder, Globale Erwärmung?,  in: WWW.KONSERVATIV.DE 

„Falls es seit der Industriellen Revolution einen Treibhauseffekt gegeben hat, so muß er viel geringer sein, als behauptet wird. Die Erwartungen einer künftigen Erwärmung müssen entsprechend gedämpft und mit der Möglichkeit in Einklang gebracht werden, daß die Sonne ihre Laune wieder ändern und das Klima wieder abkühlen kann. Unter mehreren möglichen Gründen dafür, daß die Treibhaustheorie irreführend war, wäre der peinlichste eine Umkehrung der ursprünglichen Annahme: Es ist vorstellbar, daß der Anstieg des Kohlendioxids überhaupt nicht auf die menschliche Aktivität zurückgeht, sondern vielmehr die Folge der globalen Erwärmung und nicht deren Ursache ist. Die große Stärke der Wissenschaft liegt darin, daß sie ihre Fehler korrigiert. Tatsächlich sind alle großen Entdeckungen im Grunde Korrekturen früherer Fehler oder Versehen. Aber bis eine Entdeckung akzeptiert wird, können Jahre vergehen.“ (Nigel Calder, Globale Erwärmung?,  in: WWW.KONSERVATIV.DE  ). Erst recht dann, wenn die Akzeptanz einen Geld- und Machtverlust bedeutet, was auch und gerade beim Thema Klima in der heutigen Zeit der Fall ist. Wirtschaft (vor allem die Banken, Versicherungen u.s.w.) und Politik werden versuchen, ihre Interessen gegen die Akzeptanz wissenschaftlicher Entdeckungen durchzusetzen, um Macht, Geld und Ansehen nicht zu verlieren. Dafür sind sie bereit, nahezu jeden „Preis“ zu zahlen, und gerade heute zeigt der sich in seinem Anstieg als zunehmende Diktatur.

Einflüsse auf das Klima der Erde:
  • Sonne. ** ** ** ** ** ** ** ** ** **
  • Anteil der von der Heliosphäre der Sonne durchgelassenen Kosmischen Strahlung. **
  • Sonne-Erde-Abstand - zwischen 147,1 Mio. km (Perihel) und 152,1 Mio. km (Aphel). **
  • Zeitpunkt, an dem die Erde der Sonne am nächsten (Perihel) bzw. fernsten (Aphel) ist. **
  • Dauer, Geschwindigkeit der Erde bei ihrer Drehung um ihre Achse und um die Sonne. **
  • Bahnexzentrizität (des Radius der Umlaufbahn) der Erde - zwischen 0,005 und 0,058. **
  • Schiefe (Neigungswinkel) der Erdachse - zwischen 22,1° und 24,5°. ** **
  • Präzession der Erdrotationsachse („trudelnder Kreisel“). ** **
  • Nutation (Schwankung während der Präzession). ** **
  • Plattentektonik (Kontinentalverschiebung). ** **
  • Lage der Erdteile (Kontinente). ** **
  • Vulkane. ** **
  • Luftströmungen. ** **
  • Meeresströmungen. ** **
  • Gebirgsbildungen. **
  • Lebewesen. **
  • Meteoriten. **
  • Innere und äußere Planeten (v.a. Jupiter). ** ** ** **
  • Mond. ** **
  • Die Kombination der hier genannten Faktoren soll nicht unerwähnt bleiben.
    Jedenfalls ist klar, daß v.a. die Sonne das Klima der Erde bestimmt und
    der rd. 250 Mio Jahre dauernde Milchstraßenzentrumsumlauf (
    **),
    des Sonnensystem diesem verschiedene Störungen „beschert“!

    Um es hier noch einmal deutlich zu sagen: Ich bestreite überhaupt nicht, daß die Menschen das Klima beeinflussen (siehe Text), aber ich bestreite vehement, daß diese neue „Schuld“ - diese neue „Erbsünde“ - der Menschen auch wissenschaftlich „bewiesen“ werden kann. Nichts können sie „beweisen“ - unsere angeblichen „Experten“. Sie können ihre „Theorie“ nicht verifizieren und die ihrer Gegner nicht falsifizieren. Also sind sie gar keine Wissenschaftler, sondern Pseudowissenschaftler, Priester(helfer), hörige Funktionäre, folglich: Wissenschaftsfeinde. Sie stecken mit der Wirtschaft, den Lobbyisten und der Politik unter einer Decke. Wenn sie nicht kuschen, werden sie mit Berufsverbot bestraft. Das ist nicht neu. Neu ist aber, daß nicht mehr die Großindustrie in Zusammenarbeit mit der Finanzwirtschaft, sondern die Finanzwirtschaft allein das Sagen hat. Neu ist, daß dieser mächtigste Zweig der Wirtschaft ein Interesse am Klima, an der neuen „Schuld“ - der neuen „Erbsünde“ - der Menschen hat, und zwar deswegen, weil er sich dadurch noch mehr bereichern kann. Auch diese Geldeinnahmen, diese neuen Buß- und Ablaßgeschäfte, die den Menschen mit dieser neuen „Schuld“ - dieser neuen „Erbsünde“ - extreme Belastungen, Bestrafungen durch Besteuerungen und andere Bußen auferlegen, zeigen deutlich, daß auch „Klimapolitik“ (vgl. z.B. das nur rhetorisch relevante und ansonsten unsinnige Wort „Klimaschutz“„Klimaschutz“) nur Mißbrauch bedeutet, daß dadurch die Mehrheit der Menschen von ihrer Herrschaftskaste ausgebeutet wird, daß also die politische und ökonomische Einflußnahme auf die Mehrheit der Menschen viel schlimmer ist als die Einflußnahme des Menschen auf das Klima. Wir brauchen keine Klimahysterie, kein „Neuestes Testament“!

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    Anmerkungen:


    Die Drehung der Apsidenlinie der Erdbahn bewirkt mit der Zeit eine Veränderung der Lage von Perihel, dem sonnennächsten Punkt, und Aphel, dem sonnenfernsten Punkt. Gegenwärtig (2010) durchläuft die Erde das Perihel Anfang Januar, also im Nordwinter bzw. Südsommer, das Aphel Anfang Juli, also im Nordsommer bzw. Südwinter. In rd. 12000 Jahren wird das Perihel im Nordsommer durchlaufen, so daß die Jahreszeiten auf der Nordhalbkugel dann strenger ausfallen und die Nordwinter länger dauern werden. Gegenwärtig beträgt der Sonne-Erde-Abstand im Perihel 147,1 Mio. km und im Aphel 152,1 Mio. km (das ergibt einen Duchschnitt von: 149,6 Mio. kmSonne-Erde-Abstand). Einflüsse auf das Klima der Erde

    Bei dem bisher Gesagten versteht es sich wie von selbst, daß die Dauer, die Geschwindigkeit der Erde bei ihrer Drehung um ihre Achse und um die Sonne sich verändern. Einflüsse auf das Klima der Erde

    Die Umlaufbahn der Erde um die Sonne ist eine Ellipse. Die Exzentrizität gibt an, wie stark die ellipsenförmige Umlaufbahn von einer kreisförmigen Bahn abweicht. Die Form der Umlaufbahn der Erde variiert von nahezu kreisförmig (geringe Exzentrizität von 0,005) bis leicht elliptisch (hohe Exzentrizität von 0,058). Im Mittel beträgt die Exzentrizität 0,028. Die Hauptkomponente dieser Abweichung tritt in einer Periode von 413000 Jahren (Variation der Exzentrizität um ± 0,012) auf. Derzeit variiert die Sonnenentfernung im Jahresverlauf um 3,4%, dies entspricht einer Variation der Einstrahlung um 6,9 %. Bei minimal exzentrischer Erdbahn beträgt die Strahlungsänderung nur etwa 2%, im Maximum dagegen über 23%. Ursache dieser Variationen sind Störungen der Erdbahn durch die anderen Planeten des Sonnensystems, in erster Linie jedoch durch Jupiter und Saturn - am meisten durch Jupiter. Hinzu kommt, daß ein Umlauf durch die „entferntere“ Hälfte der Erdbahn um die Sonne länger dauert als durch den näher gelegenen Teil. Dieser Unterschied ist umso größer, je ausgeprägter die Exzentrizität der Erdbahn ist. Deshalb ist gegenwärtig das Herbst-Winter-Halbjahr etwa 7 Tage kürzer (Nordhalbkugel) bzw. länger (Südhalbkugel) als das Frühlings-Sommer-Halbjahr. Etliche andere Bedingungen verändern sich in Zyklen zwischen 95000 und 136000 Jahren und vereinen sich lose in einem Zyklus von 100000 Jahren (Variation zwischen –0,03 und +0,02). Die gegenwärtige Exzentrizität beträgt 0,017. Einflüsse auf das Klima der Erde

    Die Schiefe der Erdachse gegen die Senkrechtrichtung der Erdbahn ändert sich periodisch zwischen 22,1° und 24,5°, mit einer Periode von rd. 41000 Jahren. Dieser Effekt führt zu einer Zunahme der jahreszeitlichen Unterschiede, so daß bei größerer Neigung die Winter kälter und die Sommer wärmer sind als bei geringerer Achsneigung. Derzeit beträgt die Achsneigung 23,44°. Eine geringere Achsneigung vermindert auch den Unterschied zwischen polarer und äquatorialer Sonneneinstrahlung. Eine Hypothese besagt, daß dadurch Eiszeiten ausgelöst werden können, denn: In den warmen Wintern entsteht Eis – wenn auch nicht so schnell wie in einem kalten Winter –, schmilzt in den kalten Sommern jedoch nicht schnell genug, um die Gesamteismenge zu reduzieren, so daß es zum Eiswachstum kommt und letztendlich in einer Kaltzeit endet. Einflüsse auf das Klima der Erde

    Die Erdachse kreist mit einer Periode von rd. 25800 Jahren ähnlich der taumelnden Achse eines Kinderkreisels (Präzession) um die Senkrechtstellung. Ursache hierfür sind die Kräfte von Sonne und Mond auf den Äquatorwulst des rotierenden Erdellipsoids. Das führt dazu, daß die Jahreszeiten nicht immer im gleichen Bahnpunkt der Erdbahnellipse auftreten. Einflüsse auf das Klima der Erde

    Die Nutation tritt bei der Präzession als ein Schwanken der Achse eines Kreisels gegenüber einer raumfesten Achse auf und bedeutet kurzperiodische oder langperiodische Schwankungen, z.B. der Erdachse aufgrund der Gravitationswirkung des Mondes, der Sonne und ihrer Planeten. Einflüsse auf das Klima der Erde

    Weil gegenwärtig der größte Anteil der Landmasse der Erde sich auf der Nordhalbkugel der Erde befindet, ist die Verteilung der Sonnenstrahlung während der Jahreszeiten u.U. erheblich. Dieser Effekt ist bedeutsam, da sich an Land Strahlungsänderungen erheblich schneller und stärker auf die Temperatur auswirken als über dem Meer. Einflüsse auf das Klima der Erde

    Christian Pfister, Wetter - Nachhersage, 1990.

    Christian-Dietrich Schönwiese, Klimaänderungen - Daten, Analyse, Prognosen, 1995.

    J. Karl, Szenarien für die Alpen über Folgen des globalen Klimawandels, in: Jahrbuch des Vereins zum Schutz der Bergwelt (62: 241-259), 1997.

    R. Glaser / J. Jacobeit / M. Deutsch / H. Stangl, Hochwasser als historisches Phänomen, in: Rundgespräche der Kommission für Ökologie (24: 15-30), 2002.

    Josef H. Reichholf, Der Tanz um das golden Kalb - Der Ökokolonialismus Europas, 2004.

    Josef H. Reichholf, Die Zukunft der Arten, 2005.

    Josef H. Reichholf, Das letzte Jahrtausend - Ein historisch-ökologischer Rückblick auf die Zeit, aus der die Gegenwart kommt, 2005.

    Josef H. Reichholf, Stadtnatur, 2007.

    Klaus Hahlbrock, Kann unsere Erde die Menschen noch ernähren?,  2007.

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