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| Embryonik oder Organbildung |
Nach der Einnistung bilden sich um den Keim, jetzt Embryo genannt, schützende Fruchthüllen. Die Gebärmutterschleimhaut und die Hüllzellen entwickeln sich zum Mutterkuchen, zur Plazenta. Bekanntlich sind die Mutter und das embryonale Kind nicht nur zwei verschiedene Lebewesen, sie sind auch durch zwei verschiedene Blutgefäßsysteme voneinander getrennt, also von Anfang an zwei verschiedene Lebenssysteme in zwei verschiedenen Welten. Folgende Unterscheidung ist für jede werdende Mutter zu treffen, auch wenn viele Mütter sie häufig verwechseln oder nicht treffen wollen: mein Bauch gehört mir, aber: mein Kind gehört nicht mir. Die Wände der kindlichen Blutgefäße trennen das Blut von Mutter und Kind; sie bilden die Plazentaschranke. Sauerstoff und Nährstoffe aus dem mütterlichen Blut gelangen von der Plazenta aus durch eine Nabelschnur zum Embryo, während Stoffwechselprodukte über die Nabelschnur ins Blut der Mutter transportiert werden. Der Embryo nimmt, was er braucht, gibt ab, was er muß - ohne irgendeinen Kontakt zum System Mutter. Auf diese Weise verfahren auch embryonale Kulturen. Sie haben zunächst einmal mit den erwachsenen Kulturen, den Zivilisationen, nicht viel im Sinn. So bildeten z.B. die Germanen in den eroberten römischen Gebieten bald eine herrschende Minderheit, die die Kultur des Imperiums weder besonders schätzten noch zerstörten. Sie nahmen sich, was sie brauchten, aber sie zerstörten nicht das Kultursystem. Sie drückten dem fremden System einen germanischen Stempel und das zur ihrer eigenen Macht Notwendige auf. Derartige Übergänge müssen reformerisch, aber auch bruchlos sein. weil sich ohne eine gelungene Zweiteilung keine neue Kultur entwickeln kann. (Vgl. 22-24 und 0-2). Die Welt in Uterus und Mutterkörper verläuft während der Schwangerschaft auf genau diese Art. Zum Beispiel waren in der embryonalen Kulturphase der Antike, zwischen 1800 und 1600, aus Indogermanen und Altmediteranen diejenigen Protogriechen geworden, die man als die Organe der werdenden antiken Kultur bezeichnen kann. In der embryonalen Kulturphase des Abendlandes, von 375 bis 568, waren aus Germanen und Christrömern diejenigen Protoabendländer geworden, die über die Germanen-Reiche hinaus Organe ausbildeten, indem sie auf westliche Art anfingen, Mönche und Missionare zu werden. Die Vorbedingungen dafür waren die Entwicklung des Eremitenlebens und das Toleranzedikt von Mailand im Jahre 313, das die Christenverfolgungen beendete. Antonius der Große (251-356), auch der Einsiedler genannt, ging um 300 als Eremit in die Einsamkeit, in die ägyptische Wüste, und begründete auf diese Weise das Eremitenleben. Er gilt als Patriarch der Mönche. Pachomius war seit 308 ebenfalls Eremit und gründete um 320 das erste Kloster (Koinobitentum). Das Ziel war die Erlangung der Vollkommenheit durch strengste Askese. Von Ägypten aus verbreitete sich das Mönchtum im ganzen Morgenland. Basileios der Große (330-379) begründete seit etwa 370 eine für das griechische Mönchtum verbindliche Regel. Ebenfalls seit 370 entfaltete sich das westliche Mönchtum unter Einfluß der Vita Antonii. Es bildeten sich die abendländischen Organe aus, die einhergingen mit der Auslösung der sogenannten Völkerwanderung (3. Germanische Wanderung). 376 erhoben sich die durch Ansiedlungsvertrag in das Römische Reich aufgenommenen Westgoten; sie besiegten die Römer bei Adrianopel (378). 379 gab es eine erneute Ansiedlung der Ostgoten in Pannonien und der Westgoten in Makedonien, Thrakien und Moesien. 380 wurde der Arianismus, dem die Goten anhingen, verboten und der Athanasianismus Staatsreligion. Der westgotische König Alarich begann mit seinem Volk eine Plünderung durch Balkanhalbinsel und Peloponnes und wurde zum Heermeister Illyriens, zum Magister militum per Illyricum ernannt. Von hier aus unternahm er seine Angriffe gegen Italien (401-403), wo seit 380, nach Bekanntwerden des Mönchtums, bereits westliche klosterartige Einrichtungen entstanden. 391 wurde das Christentum Staatsreligion und 395 das Römische Reich geteilt. Ost- und Westrom sollten von nun an getrennte Wege gehen. 451 lieferte die entscheidende Schlacht auf den Katalaunischen Feldern ebenfalls einen Beitrag zur Organisation des Abendlandes: Attila wurde hier besiegt vom westgotischen König Theoderich I. (418-451), der dabei fiel, und vom römischen Feldherrn Aetius. Der ostgotische König Theoderich der Große (453-526) regierte in Ravenna und war, nachdem das Römische Reich 476 aufgelöst und Italien vom germanischen König Odowaker regiert, dieser aber von den Ostgoten 489/493 besiegt worden war, auch Herrscher über ganz Italien. Die römische Verwaltung wurde mit der Militärherrschaft der Ostgoten verbunden. Was die Franken betriftt, gilt es nicht nur zu beachten, daß sie oft zeitgleich regierende Könige und Teilkönige hatten, sondern auch mindestens zwei Linien. (Vgl. unten). Die fränkischen Könige des 5. Jahrhunderts Richimer, Theudomer und Sigibert I. vertraten die rheinfränkische Linie, und die salische Linie vertraten Chlodjo, Chlodobad, Merowech, Childerich I. und Ragnachar, wobei die letzten beiden Könige in das 6. Jahrhundert hineinregierten. Im 5. / 6. Jahrhundert brachte immer bekannter werdende Könige hervor, z.B. Richar, Rignomer, Chararich, Chlodwig I. (um 466 - 511), Theuderich, Theudebert I., Theudebald, Chlodomer, Childebert I. und Chlotachar I. (= Chlothar I.). (Vgl. 0-2 und 4-6). In Gallien wurde der letzte Statthalter 486 von Chlodwig I., dem Sohn Childerichs I. und Vater Childeberts I., vertrieben. Chlodwig I., seit 482 König, sollte das Reich noch erheblich vergrößern und 496 vom Arianismus zum Katholizismus übertreten. Als er 511 starb, war ein Staatswesen begründet, das germanische Franken und Galloromanen vereint hatte. Das germanische Prinzip des Nachfolgerechts aller Königssöhne führte ab jetzt jedoch zu immer neuen Reichsteilungen und Kämpfen zwischen den Teilkönigen. Auch nach außen war dieses Reich in ständigen Folgen von Kriegen gegen die Nachbarn verwickelt, und zwar auf ganz interessante siegreiche Art: um 500 Sieg über die Burgunder mit Hilfe der Westgoten, 507 Sieg über die Westgoten mit Hilfe der Burgunder, 531 Eroberung des Thüringerreiches mit Hilfe der Sachsen. Unter Theudebert I., Childebert I. und Chlothar I. erfolgte 532 bis 534 die Unterwerfung des Burgunderreiches. Rest-Alemannien, die Provence und das Mittelmeergebiet wurden 535-537 fränkisch. Bayern wurde 539 angeschlossen. Wenn auch Alemannien und Bayern bald wieder selbständiger werden sollten, so wurden sie doch später wieder heim ins Frankenreich geholt. (Vgl.Tabelle und 4-6). Auch das waren wichtige Schritte in der Organogenese. Sie waren Organbildungen staatlicher Art in der embryonalen Geschichte des Abendlandes. Ein weiteres wichtiges Organ war die 529 erfolgte Gründung des Klosters Monte Cassino in Kampanien durch Benedikt von Nursia (480-543). Das Kloster wurde das erste abendländische Kulturzentrum. Die Benediktinerregel, z.B. die Verpflichtung zu Eigentumsverzicht, Keuschheit, Gehorsam und Ortsbeständigkeit, sollte sich wie ein roter Faden durch die weitere abendländische Geschichte ziehen. Die ersten europäischen Klosterschulen entstanden nach der Gründung des Benediktinerordens. Die abendländische Hirnentwicklung vollzog sich in den eben angegebenen Prozessen: das klösterliche Neuralrohr sollte ab jetzt das Basisorgan für das abendländische Gehirn in Gang setzen - über das 3-Bläschen-Stadium, in dem Vorder-, Mittel- und Rautenhirn angelegt wurden, bis hin zum 5-Bläschen-Stadium, das bereits das Vorderhirn in 2 Hemisphären des Großhirns gut erkennbar einteilte. Diese 2 Hemisphären waren der Ausgangspunkt, d.h. ein Unendlichkeitsraum der abendländisch-faustischen Mission und Forschung: ora et labora!Auch
die embryonale Antike war noch so klein, daß man, um Überreste aus
dieser Zeit zu finden, nur von dem übermächtigen Einfluß der Kreter
ausgehen kann. An der Kunst, besonders an der Wandmalerei der Kreter in Knossos
fallen die erstaunlichen Übereinstimmungen mit derjenigen in Vorderasien
auf. Die Beziehungen der Kreter zur mesopotamisch-sumerischen Kultur ( | ||||||||||
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![]() 6. Teilung (395) in: West- und Ostrom |
Im Zuge dieser Ereignisse veränderte sich die Landkarte des Römischen
Reiches, das sich selbst schon 6-mal geteilt hatte (254, 293, 305, 337, 364, 395)
und die Entstehung germanischer Reiche dulden mußte. Während die Großgrundbesitzer
erschlagen wurden oder flohen, ganze Städte in Flammen aufgingen und das
Land verwüstet wurde, siedelten sich Germanen neben den Trümmern der
Städte an. Sie degradierten die bisherigen Einwohner, zumeist Gallorömer,
zu Menschen zweiter Klasse, zu Untertanen, die den neuen Herren zu dienen hatten.
So ungenau sind die Nachrichten, so widersprüchlich ist das Bild dieser Epoche,
daß noch heute umstritten ist, ob mit der Bildung der germanischen Reiche
die Antike zu Ende ging oder das Mittelalter
begann, ob eher das germanische Element diese Reiche trug oder die aus Roms Kaiserzeiten
überkommene Infrastruktur. Die Konflikte des Römischen Weltreiches waren
unlösbar, und auch die der ehemaligen Barbaren, die sich auf der Suche nach
Land quer durch die Provinzen des Südens kämpften. Die Lebensverhältnisse
der antiken Welt sind nur in Ausnahmefällen ein Thema für den Chronisten
gewesen. Wie aus barbarischen Verbündeten unentbehrliche Hilfstruppen, aus
Hilfstruppen arrogante Bundesgenossen und aus germanischen Sklaven Herren wurden,
ist von zeitgenössischen Chronisten selten dargestellt worden. Eine ganz
andere Sache war es aber, wenn sich Herrscher dieser Barbaren, die natürlich
längst keine Barbaren mehr waren, anmaßten, auf römischem Boden
eigene Reiche zu errichten. In Nordafrika z. B., auf römischen Boden, hatte
König Geiserich im Jahre 429 sein Wandalenreich errichtet, das über
ein Jahrhundert überstand und die bestimmende Macht im westlichen Mittelmeer
war, Sardinien, Korsika, die Balearen, das westliche Sizilien eroberte und 455
Rom plünderte. Der Gedanke der Staatsgründung war konsequent. Schon
Alarich, der König der Westgoten, der bereits 410 Rom geplündert hatte
und der Schrecken der Italiker war, muß sich mit solchen Gedanken getragen
haben, bevor er in diesem Jahre 410 während eines weiteren Zuges bei Cosenza
starb. Sein Nachfolger Athaulf ist diesem Ziel einen Schritt näher gekommen,
als er in Narbonne die Frau, die er lange als Geisel mitgeführt hatte, die
Prinzessin Galla Placida und Tochter des Kaisers Theodosius
d. Gr., heiratete, um Römertum und Germanentum zu versöhnen. Für
Athaulf, den Gotenkönig, war die Verbindung mit Galla Placida ein hochpolitischer
Akt. Er hätte seine frühere Gattin, von der er sechs Kinder besaß,
verstoßen müssen, wenn sie nicht gestorben wäre - sein Ziel schien
ihm allerdings solche Korrekturen der Situation zu rechtfertigen. Die Hochzeit
selbst, ein spektakuläres Ereignis, ist im Jahre 414 in Narbonne mit allen
Mitteln der Epoche stilisiert worden, aber nicht etwa nach germanischen Rechtsbrauch,
sondern nach römischer, noch nicht christlicher Hochzeitssitte. In einer
römischen Villa fand die Hochzeit statt, der ehemalige Marionettenkaiser
Attalus führte den Hochzeitsreigen an, man feierte nicht in germanischer,
sondern römischer Kleidung, und der Gote nahm nicht den ersten, sondern den
zweiten Platz ein: die Imperatrix saß zur Rechten. Das Ziel dieser mit viel
Überredungskunst erreichten Hochzeit war klar: der Gote gehörte durch
diese Ehe zum kaiserlichen Haus, die Römer hatten in ihm den rechtmäßigen
Herrn zu sehen, und die Prophezeiung des Propheten Daniel schien erfüllt,
die von einer Verbindung des Herrschers im Osten mit dem König aus dem Norden
sprach. Die Integration der Germanen war ein Wunschtraum der Zeit, und in Narbonne
schien sie durch die Hochzeit beispielhaft gegeben. Später zog Athaulf an
der Spitze seiner Krieger durch Südgallien nach Spanien. Konservative Goten
erhoben danach einen der ihren, den König Sigrich, auf den Schild, und der
ließ, ehe er selbst nach 8 Tagen ermordet wurde, die legitimen Kinder seines
Vorgängers umbringen. Sein Nachfolger Walja hielt Galla Placida immer noch
als Geisel, denn sie war ein Faustpfand im Spiel um die Macht. Es kam zwischen
König Walja und Byzanz zu einem Kompromiß: Placida wurde Byzanz zurückgegeben,
der König erhielt eine Getreidelieferung, und die Goten wurden die von Byzanz
beauftragte Schutzmacht in Spanien gegen die Alanen, Sweben und Wandalen, die
bisher die Herren des Landes gewesen waren. Die Wandalen wichen nach Süden
aus und setzten sich zunächst in jener Landschaft fest, die möglicherweise
heute noch ihren Namen trägt: Wandalusia (= Andalusien). Die Wandalen mußten
aber dann unter dem Druck der Westgoten nach Afrika ausweichen. Die Goten erhielten
die Landschaft Toloso (Toulouse), die eine fruchtbare Gegend war. Im
Kampf gegen Attila (445-453) erreichte der Westgoten-König Theoderich
I., der 451 auf den Katalaunischen Feldern fiel, weltgeschichtliches Format,
denn der Hunnen-König wurde hier ja bekanntlich zum ersten und einzigen Mal
besiegt - vielleicht wegen der wütenden Goten, die sich auf dem Schlachtfeld
für den Tod ihres Königs sogleich rächten. Eine Blütezeit
erlebte das Westgoten-Reich unter dem König Eurich (466-484), der damals
der mächtigste Mann in Westeuropa war. Er hatte ganz Spanien unterworfen
bis auf einen geringen Rest, die Landschaft Galizien, in der sich Sweben festgesetzt
hatten. Eurichs Reich erstreckte sich von Toledo bis nach Nizza, von der Mittelmeerküste
im Süden bis zur Bretagne im Norden, und an seinem Hof drängten sich
die Gesandtschaften und Bittsteller, die Kaufleute und Geistlichen aus vieler
Herren Länder. Unter der Herrschaft dieses Königs wurden die Provinzialrömer
nicht verfolgt, und es scheint, als habe er die kulturelle Überlegenheit
der römisch-griechisch orientierten Bildung als selbstverständlich anerkannt.
Mehrfach betraute er Römer mit hohen Verwaltungsfunktionen im Staat. Eurich
begriff, wie einst Athaulf, die Wohltat eines geordneten Rechtswesens: auf seinen
Befehl ist zum ersten Mal das westgotische Gewohnheitsrecht aufgezeichnet worden.
Mit den Sweben war schon Cäsar
im Jahre 58 v. Chr. in Berührung gekommen, als er gegen die Helvetier und
die germanischen Triboker unter Ariovist ( um 54) kämpfte. 500 Jahre
später herrschten die Sweben in Nordwestspanien und Portugal, über ein
Land also, das die Wandalen gerade verlassen hatten (um 425/430). Zum katholischen
Christentum bekannte sich der swebische König Rechiar während seiner
Regierungszeit von 448 bis 456. Nach seiner Bekehrung führte er Kriege gegen
die Basken. Sein Reich war offenbar so mächtig, daß Theoderich der
Große es für richtig hielt, das Bündnis des swebischen Königs
zu suchen und ihm eine seiner Töchter zur Frau zu geben. Die Macht schien
den Sweben zu Kopf gestiegen zu sein, denn römische und westgotische Gesandtschaften
konnten ihre ständigen Plünderungen nicht mäßigen und mußten
am Ende gegen sie kämpfen. Der westgotische König Theoderich II. schlug
456 die Sweben so überzeugend, daß König Rechiar nur mit Mühe
auf die See entkam, aber zurück an die Küste getrieben, gefangen und
getötet wurde. Swebien geriet ab jetzt immer mehr unter gotische Oberhoheit.
Mehrfach mißglückte der Versuch, die westgotische Herrschaft abzuschütteln,
zuletzt im Jahre 585, als die Feldherrn des Westgotenkönigs Leowgild
den rebellischen Sweben Molarich schlugen und in Ketten nach Toledo schickten.
Damals ist das Swebenreich im spanischen Westgotenreich aufgegangen. Es gibt wahrscheinlich
noch heute Verschiedenheiten zwischen Portugiesen und Spaniern, die auf jene Unterschiede
zwischen den verwandten Sweben und Goten zurückgehen. Noch im 16. Jahrhundert,
zur Zeit König Philipps II., des Sohnes Kaiser Karls V., beschimpften die
Kastilianer die Portugiesen als los Sevosos oder los Suevosos. Für
Schimpf- und Spottnamen haben Völker eben ein langes Gedächtnis.
Im damaligen Zeitalter der rigoros gehandhabten Glaubensfragen, der Machtkämpfe
zwischen Königtum und Adel, der verjährten und neuen Besitzansprüche
aus römischer Reichstradition, war Politik genauso kompliziert wie heute,
und das Kräfteverhältnis der Völker änderte sich ständig.
So wurden die Franken im Jahre 486 die Nachbarn
der Westgoten, weil Chlodwig
I. (466-511) die Römer in Gallien besiegt hatte (486). Beide germanischen
Reiche strebten nach Vergrößerung, nach Abrundung ihrer Reiche (
Papst Damasus
I. (reg. 366-384) war die erste wirklich plastische Gestalt des Papsttums,
von einem schwer durchschaubaren, harten und skrupellosen Charakter, der den politischen,
geistigen und kirchlichen Umwälzungen seiner Zeit, auch den immer stärker
sich abzeichenden Verknüpfungen kirchlicher und staatlicher Interesen jedoch
in hohem Grade gewachsen war. Auf unklare Weise Papst geworden - gegen ihn hatten
die Arianer einen gewissen Ursinus
als Gegenpapst aufgestellt -, erkannte er klar den Wert der Macht. Im Dienste
dieser Macht gelang es ihm mit geradezu genialem Spürsinn, die bedeutsamste
Grundlage aller kommenden Machtfülle für die Papst-Monarchen zu schaffen.
Er veranlaßte - hierin vom heiligen Ambrosius
aus Trier (339-397), Bischof von Mailand (seit 374), als der einflußreichsten
Autorität der Kirche unterstützt -, Kaiser Gratian
(reg. 378-383), auf den seit jeher von den Imperatoren geführten Titel
eines Pontifex Maximus zu verzichten und ihn den Bischöfen von Rom
(also den Päpsten) zu übertragen. Einer Zeit, der dieser Titel durchaus
konkret gegenwärtig war, mußte der demonstrative Verzicht durch den
ersten rechtgläubigen Kaiser und die Übertragung auf den
Papst von zeichenhafter religiös-kirchlicher Bedeutung sein. Der Papst wurde
damit zum ersten Repräsentanten einer neuen Kaiseridee. Nachdem mit Valens
(reg. 375-378) der letzte arianische Kaiser gefallen war und die römische
Weltherrschaft sichtlich zu zerbröckeln begann, ließ Gratian auch die
Statue der Victoria aus dem Senat in Rom entfernen (382) und dokumentierte so
in symbolhafter Weise den Untergang des heidnischen Romgeistes. Unterstützt
von Theodosius
I. (reg. 383-395), den Kirchenlehrern Basilius d. G. (ca. 330-379),
Gregor von Nazianz (330-390) und Gregor von Nyssa (ca. 335-394) gelang es Papst
Damasus I., den Arianismus weiter zu schwächen. Die Lehre von der Trinität
wurde endgültig gefestigt und im Drei-Kaiser-Dekret (27.02.380) niedergelegt.
Auf dem 2. Konzil (Konstantinopel, 381) wurde die arianische Lehre des Macedonius,
der Heilige Geist sei ein Geschöpf Christi, verurteilt und dem Credo
als Symbolum Nicaeno-Constantinopolitanum seine gültige Form gegeben.
Nachdem Papst und Gegenpapst einander an Gewalttaten nichts nachgegeben hatten,
war Papst Damasus I. schwer angeschuldigt, in einen Prozeß gezogen, jedoch
freigesprochen worden. Angaben einer päpstlichen Synode zehn Jahre später
und ein Brief des Ambrosius ließen daraufhin die in der Kirchengeschichte
erstmalig erscheinende Behauptung zirkulieren, Kaiser Valentinian
I. (reg. 364-375) habe die Bestimmung erlassen, Geistliche dürften
nur von Geistlichen gerichtet werden. Der Papst erreichte auf dieser Synode auch,
daß die staatlichen Organe, der später so berüchtigt gewordene
weltliche Arm als die hörige Verlängerung der Inquisition,
hinfort die Durchführung der kirchlichen Verurteilungen übernehmen mußten,
wenn diese erschreckende Entwicklung auch erst langsam begann. Mit einer neuen
umfassenden Definition des Primates schuf der Papst auf einer weiteren Synode
schließlich eine breite und haltbare Basis für kommende Erweiterungen
der Macht. Den primus inter pares, als welcher der Bischof von Rom
gedacht war, machte er vollends illusorisch, als er den Bischofssitz von Rom Sedes
Apostolica nannte (es ist der noch heute übliche Titel). Er behauptete
weiter, die Kirche Roms sei von den Aposteln Petrus
und Paulus
gegründet worden (wovon keine Rede sein konnte, denn beide hatten eine bescheidene
Gemeinde vorgefunden, mehr nicht. Nie waren sie als Gründer aufgetreten).
Der nunmehr behauptete Doppelapostolat jedoch vermochte die Primatsvorstellungen
ganz wesentlich zu erweitern. Unerwartete Hilfe kam von Kaiser Gratian, der die
päpstliche Jurisdiktionsgewalt festsetzte, deren Grenzen schließlich
kaum noch fixierbar waren. Das sollte für kommende Primatsansprüche
gleichfalls von unschätzbarer Bedeutung werden und zeigt das Hand-in-Hand-Gehen
mit der Staatsmacht besonders instruktiv. Endlich erließ Papst Damasus I.
die erste Dekrale, Zeugnis der nun erwachten Vorstellung vom Papst-Monarchen und
der gesetzgebenden Gewalt des Papsttums. Damit geriet der historische Apostel
Petrus langsam in geplante Vergessenheit. An seine Stelle trat die Abstraktion
Petrus, so daß von nun an jeder Papst sich Petrus nennen konnte.
Nachdem auf einer Synode der Kanon der Heiligen Schrift festgelegt worden war,
beauftragte Papst Damasus I. seinen Sekretär, den späteren Kirchenlehrer
Hieronymus
(ca. 345-420), mit der Herstellung des lateinischen Bibeltextes, der Vulgata.![]() |
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Die Franken, die sich seit dem 3. und 4. Jahrhundert in römisches Gebiet
vorgewagt hatten (0-2),
leiteten um 500 durch den zum Christentum konvertierten Chlodwig
I. eine Großmachtbildung des Fränkischen Reiches ein, d.h. sie
wurden zum politisch wichtigsten Faktor des beginnenden Mittelalters.
Chlodwig gliederte auch Gebiete zwischen Somme und Loire, Aquitanien und Alemannien
ein. Das kleine Burgunderreich erlag 534 den Franken und wurde als politische
Einheit aufgelöst. Schrittweise vergrößerte sich so das Gewicht
des fränkischen Reiches. Im Gegensatz zum System des arianischen Ostgotenkönigs
Theoderich in Italien, dem Nebeneinander von Goten und Romanen, gelang es Chlodwig
und seinen Nachfolgern, durch die Verschmelzung von Germanen und Galloromanen
ein gemeinsames Staatswesen zu begründen. Die Franken profitierten vom Zusammenbruch
des Ostgotenreiches, von der Schwächung der Westgoten, den Siegen der Byzantiner,
und sie überwältigten schließlich auch die Langobarden, die als
Nachfolger der Ostgoten in Italien eine neue germanische Herrschaft eingerichtet
hatten. (Vgl.
4-6).
Wie schon erwähnt, war die christliche Philosophie, die die Kirchenväter
(Patristen)
immer mehr durchsetzten, zunächst eine alexandrinische, d,h, eine
mehr und mehr von spätgriechischen, jüdischen und christlichen Elementen
bestehende Philosophie gewesen. In dieser Alexandrinischen Schule wurde
der Versuch gemacht, aus der spätgriechischen Philosophie eine christliche
zu machen. Die Patristik als Nabelschnur und die christliche Religion als Plazenta
waren deshalb so bedeutend für das werdende Abendland, weil dieses ja auch
mit magischen Kulturgenen ausgestattet ist. Die magische Kultur stellte die weiblichen
Gene, die antike Kultur die männlichen zur Verfügung. Aus dem Gengemisch
entwickelten sich kulturhistorische Faktoren, die man als kirchenväterlich
bezeichnen kann. (Vgl. 22-24
und 0-2). Die
Kirchenväter wirkten vom Ende des 1. bis zur ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts;
von den apostolischen (70/80-120), den apologetischen wie Justinus (100-167) und
Tertullian (ca, 150-220), den systematischen wie Origenes (185-254), den dogmatischen
wie Eusebius von Cäsarea (260-340), den kirchenpolitischen wie Augustinus
(354-430), seinem (britischen) Gegner Pelagius (ca. 380-420), den
ersten Scholastikern wie Boethius (480-524) bis zum englischen Beda Venerabilis
(674-735). Sie gaben dem abendländischen Keim die ersten Fruchthüllen
bis hin zur Muttermilch und zur ersten postnatalen Entwöhnung, dem Abstillen.
Die bereits erwähnten und für diese Phase wichtigen Fruchthüllen,
die sich zu Beginn dieser Phase um den (bis da:
Wulfila-Keim) Embryo des Abendlandes zu legen hatten, waren bald mit der Gebärmutterschleimhaut
zur Plazenta zusammengewachsen, und am Ende dieser abendländischen Embryonalphase
waren sowohl die nötigen 2 Hemisphären des Großhirns
sowie alle Organe ausgebildet, die später zur vollen Funktionalität
gelangen sollten. (Vgl.
4-6). |
9) .... (Zeus-Theologie) .... seit ca. - 1930
/ - 1900 10) ..... Protohellenen ..... seit ca. - 20. Jh. / - 17. Jh. 11) .......... Mythen .......... seit ca. - 20. Jh. / - 17. Jh. 12) .............. der ............. seit ca. - 19. Jh. / - 17. Jh. 13) ......... Mykener ......... seit ca. - 19. Jh. / - 17. Jh. 14) . . . (Atriden, Perseus, Ödipus) . . . seit ca. - 18. Jh. / - 16. Jh. 15) (7 gegen Theben, Helena, Menelaos) . . seit ca. - 18. Jh. / - 16. Jh. |
9) Neu-Platonismus (Plotinos u.a.) seit 220 (250) 10) Arianismus (Arius, Wulfila u.a.) seit 3. / 4. Jh. 11) 3. Patristik Systematisierende Kirchenväter seit 3. / 4. Jh. 12) 4. Patristik Dogmatisierende Kirchenväter seit 4. Jh. 13) 5. Patristik Kirchenpolitische Kirchenväter seit 4. / 5. Jh. 14) 6. Patristik Ur-Scholastische Kirchenväter seit 5. / 6. Jh. 15) 1. Scholastik Ur-Scholastik (z.T. 6. Patristik) seit 5. / 6. Jh. |
|
| Vgl. (0-2) um 300) Arianismus (1): Christologie des alexandrinischen Priesters Arius (Christus ist mit Gott nicht wesensgleich) um 300) Eremitenleben: Antonius der Einsiedler (der Große) geht in die Wüste um 300) Patristik (3) (Systematiker): Athanasios 305) 3. Reichsteilung 313) Toleranzedikt von Mailand. Die Christenverfolgungen werden eingestellt 318) Verurteilung des Arianismus und Exkommunikation des Arius durch den Bischof von Alexandria um 320) Patristik (4) (Dogmatiker): Eusebius von Cäsarea um 320) 1. Kloster in Ägypten: Pachomius der Eremit 324) Konstantin I. d.Gr. ist Alleinherrscher (Totius orbis imperator) 325) (19.06. - 25.08.) Konzil (1) von Nizäa (I) : Verurteilung des Arianismus und Glaubensbekenntnis unter Einfluß Konstantin I. d. Gr. und Athanasios (Kirchenlehrer und Patriarch von Alexandria) 330) (11.05.) Byzanz wird nach Umbenennung in Konstantinopel christliche Reichshauptstadt (2. Rom) im bewußten Gegensatz zum heidnischen Rom (!) 337) 4. Reichsteilung um 350) Arianismus (2): Wulfila (ca. 311-383) betreibt Mission und übersetzt die Bibel ins Gotische (Westgotische) (der Arianismus lebte bei Goten, Wandalen und Langobarden bis ins 6. Jh. fort, bei den Franken bis 496) um 350/380) Patristik (5) (Kirchenpolitiker): Hilarius von Poitiers, Ambrosius (Trier), Bischof von Mailand, Augustinus (Gottesstaat), vom Manichäismus, Skeptizismus und Neuplatonismus hindurch zum Christentum (deshalb wird Augustinus Gegner des Manichäismus) 364) 5. Reichsteilung um 370) 1. Mönchsregel (Klosterregel) für das griechische Mönchtum von Basileios (Basilius) d. Gr. um 370) Mönchtum entfaltet sich auch im Westen (Vita Antonii) um 370) Musik: Ambrosius (aus Trier), Bischof von Mailand, führt den hymnischen Chorgesang in der abendländischen Kirche ein |
| 375) Beginn der 3. Germanischen Wanderung (Völkerwanderung) - ausgelöst durch die (asiatischen) Hunnen |
|
375) Quaden-Reich erloschen (gegründet
19 |
| 381) (Mai
- 09.07.) Konzil (2) von Konstantinopel
(I) : bestätigt das Nizäum (325); Gottheit des
Hl. Geistes 391) Christentum wird Staatsreligion (Verbot aller heidnischen Kulte) 395) 6. (letzte) Reichsteilung - Römisches Reich wird endgültig geteilt: Osten (Byzanz) und Westen (Rom) Ende der Reichseinheit |
| 400) Westgoten-Reich in Osteuropa, Balkan,
Griechenland, Kleinasien erloschen (gegründet
150 |
| - Der Kampf um Rom beginnt: Eroberung Roms durch Westgoten (410), Wandalen (455) und Skyren (476) |
| 395/430) Patristik (6)
(Scholastik) Synesios von Kyrene (neuplatonisch ausgerichtet) 431) (26.06 - Sept.) Konzil (3) von Ephesus: Gottesmutterschaft Marias; Überwindung von Nestorianismus und Pelagianismus 451) (08.10 - 31.10.) Konzil (4) von Chalkedon: Entscheidung gegen Monophysitismus: Christus-Naturen |
| 400) Thüringer-Reich
in Mitteleuropa, zwischen Harz, Elbe und Donau (bis
531 409) Wandalen- (Foederaten-) Reich in Süd-Spanien (bis 429 413) Burgunder- (Foederaten-) Reich um Worms (bis 443 418) Westgoten-Reich in Südfrankreich und Spanien (bis 711 418) Sweben-Reich in Nordportugal / Nordwestspanien (bis 585 429) Wandalen-Reich in Afrika und Balearen, Sizilien, Sardinien, Korsika (bis 534 430) Angeln- und Sachsen-Kleinkönigreiche (vereinigt im 9. Jh.) in England (bis 1066 433) Markomannen-Reich erloschen (gegründet 9 v. Chr. 443) Burgunder- (Foederaten-) Reich um Worms erloschen (gegründet 413 443) Burgunder-Reich in Savoyen (bis 534 |
| 451)
Schlacht auf den Katalaunischen Feldern: Germanen (v.a. Westgoten)
besiegen die Hunnen. |
| 476) Skiren-Reich
des Odo(w)aker in Italien (476 Ende Roms; Untergang) (bis
493 480) Bayern (-Reich) im ehemaligen Rätien, Noricum, Pannonien und nördlich der Donau (bis 728 493) Skiren-Reich in Italien erloschen (gegründet 476 493) Ostgoten-Reich in Italien (Anschluß an das Ostgoten-Reich in Pannonien; bis 555 531) Thüringer-Reich erloschen (gegründet 400 534) Burgunder-Reich erloschen (gegründet 433 534) Wandalen-Reich erloschen (gegründet 429 |
| 551) Der (West-) Gote Jordanes, Notar und Historiker, veröffentlicht seine Gotensaga |
| 555) Ostgoten-Reich in Italien erloschen
(gegründet
493 567) Gepiden-Reich erloschen (gegründet 375 568) Langobarden-Reich in Italien (bis 774 Mit der Bildung des Langobardenreiches sind die Germanischen Wanderungen beendet Vom 6. Jh. bis etwa 750 entwickeln sich bestimmte germanische Dialekte zum Deutschen: Alemannisch, Bayrisch, Süd-, Ostfränkisch, Langobardisch, Burgundisch zum Oberdeutschen, Rhein-, Mittelfränkisch (Maas, Rhein, Mosel, Main), Thüringisch u.a. zum Mitteldeutschen, (Mittel- und Oberdeutsch gemeinsam zum Althochdeutschen: AHD) und Niederfränkisch (Nordbelgien Holland, Niederrhein), Altsächsisch u.a. zum Niederdeutschen 585) Sweben-Reich erloschen (gegründet 418 |
| 500/520) Boethius (erster
westlicher Scholastiker) 510/580) Cassiodorus (westlicher historischer Scholastiker) 529) Benediktiner-Regel (Regula Benedicti) von Benedikt von Nursia, Monte Cassino (westliche Regel des Mönchtums): erstes abendländisches Kulturzentrum 553) (05.05. - 02.06.) Konzil (5) von Konstantinopel (II): Verurteilung der Nestorianer und Origenisten um 590) Musik: Gregorianischer Gesang (Choral; 1stimmige Gregorianik), Papst Gregor I. |
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Westgoten,
Alemannen, Franken, Sachsen, Angelsachsen, Bayern, Langobarden. Die Organogenese war abgeschlossen.
Jetzt konnten die Funktionen
folgen.
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