|  Gibt
es nur unser Universum oder Universen, ein Multiversum?
**)
Der Doppler-Effektist die
nach Christian A. Doppler (1803 - 1853) benannte scheinbare Veränderung der
Wellenlänge oder Frequenz einer elektromagnetischen Schwingung oder einer
anderen Wellenerscheinung, wenn die Quelle der Wellen sich dem Beobachter nähert
oder sich von ihm entfernt. Nähert sich die Quelle dem Beobachter, so steigt
die Zahl der empfangenen Wellenberge und Wellentäler pro Sekunde (also die
Frequenz) an, entsprechend wird die Wellenlänge kleiner. Bei einer Entfernungsbewegung
der Quelle sinkt die Frequenz bzw. steigt die Wellenlänge. Im Hinblick auf
das Licht, das in der astronomischen Forschung vor allem eine Rolle spielte, zeigte
sich der Doppler-Effekt in einer Verschiebung der Linien im Spektrum. Wenn sich
ein Himmelskörper, z.B. ein Stern, uns nähert, erfolgt die Verschiebung
der Spektrallinien zum violetten, kurzwelligen Ende hin (Violettverschiebung)
und bei einer Entfernungsbewegung der Lichtquelle zum roten, langwelligen Ende
hin (Rotverscheibung). (Vgl. Elektromagnetisches Spektrum ).
Aus dem Betrag der Verschiebung kann die relative Geschwindigkeit zwischen Erde
und dem Himmelskörper in km/s bestimmt werden (Radialgeschwindigkeit). **)
Max Planck  
(23.04.1858 - 04.10.1947)Das Planck'sche Wirkungsquantum
(Planck'sche Konstante, Elementarquantum) ist die von Max Planck bei der Aufstellung
des ebenfalls nach ihm benannten Strahlungsgesetzes eingeführte Konstante:
(h = 6,625 1034J s) Sie besitzt
die Dimension einer Wirkung und ist gleichzeitig der Proportionalitätsfaktor
in der Beziehung W = hv zwischen der Frequenz v einer
elektromagnetischen Welle und der Energie W der in ihr enthaltenen Energiequanten
(Photonen ).
**)
Der Hubble-Effektist die vor allem von Edwin Powell Hubble
(20.11.1889 - 28.09.1953) erforschte systematische Rotverschiebung der Spektrallinien
der Galaxien in Abhängigkeit von ihrer Entfernung. Da diese Rotverschiebung
heute fast allgemein als eine Auswirkung des Doppler-Effekts **
gedeutet wird, handelt es sich hier um einen beobachtungsmäßigen Hinweis
auf die Expansion des Weltalls.
**) Werner Heisenberg 
(05.12.1901 - 01.02.1976)
Die Unschärfe-, Unbestimmtheits-
oder Ungenauigkeitsrelation ist in der Quantentheorie eine Beziehung, die festlegt,
wie genau zwei physikalische Größen eines mykrophysikalischen Systems
(z.B. eines Elementarteilchens )
gleichzeitig gemessen werden können. Wird z.B. der Impuls eines Teilchens
exakt gemessen, dann ist keinerlei Aussage mehr möglich über den Ort
dieses Teilchens zum Zeitpunkt dieser Messung.Dieses Naturgesetz
der Unbestimmtheitsrelation bedeutet, daß das Produkt der Ungenauigkeit
von Impuls- und Ortsbestimmung eine Korpuskels, z.B. eines Elektrons im Atom mindestens
gleich der Planck'schen **
Konstante h ist. Der Impuls und der Ort, z.B. eines Elektrons
im Atom, ist also nicht genau bestimmbar. Jede Steigerung der Genauigkeit im Bezug
auf den einen Faktor durch Veränderung der Versuchsordnung würde einen
Eingriff in das atomare Geschehen bedeuten, der die Bestimmbarkeit des anderen
Faktors beeinträchtigt. Metaphysisch gesehen gibt
die Unbestimmtheitsrelation die Grenze der Überprüfbarkeit und der begründeten
Anwendung der Kausalität an: die letzten Gleichungen, zu denen ein Physiker
gelangt, sind Wahrscheinlichkeitsgleichungen, jedoch nicht solche, bei denen es
sich um statistisch gewonnene handelt, sonden solche, deren Veränderliche
selbst eine Wahrscheinlichkeitsfunktion ist. Das mikrophysikalische Geschehen
läßt sich so interpretieren, als käme ihm eine Art von Spontaneität,
von fehlender Ursächlichkeit zu.Heisenberg
stellte 1924-1927 fest, daß sich die Elementarteilchen ( )
durch weitere Teilungen nicht mehr in weitere (z.B. kleinere) Teilchen (Körperformen)
zerlegen lassen, sondern lediglich und für kurze Zeit in mathematisch-geometrische
Formen, die nicht lokalisierbar sind und dann wieder in ihre ursprüngliche
Teilchenform übergehen. Fazit: Man kann keine exakten Vorhersagen mehr machen
und ist statt dessen auf Wahrscheinlichkeiten der Wahrscheinlichkeit angewiesen.
Heisenberg beeinflußte mit seinen fundamentalen Beiträgen zur Atom,-
und Kernphysik die Entwicklung der modernen Physik nachhaltig.Kulturgeschichtlich
gesehen kam Heisenberg hier Platon näher (bzw. das Abendland der Antike): Literaturquellen
hierzu von Werner Heisenberg: Über quantentheoretische Umdeutung kinematischer
und mechanischer Beziehungen (1925); Die physikalischen Prinzipien der
Quantentheorie (1930); Wandlungen in den Grundlagen der Naturwissenschaft
(1935). Zur Kulturgeschichte:
|
- Universum -Der Radius
des Universums dürfte etwa 18 Mrd. Lichtjahre betragen. Mit Hilfe des Doppler-Effekts **
bei fernen Galaxien wurde die Expansion des Universums tatsächlich gefunden
(Hubble-Effekt **).
Bei gleichbleibender Expansionsgeschwindigkeit kann daraus auf ein Alter des Universums
von etwa 18 Mrd. Jahren geschlossen werden. Wenn es nicht instabil ist, was man
annimmt, dann muß das Universum notwendigerweise großräumige
Expansions- und Kontraktionsbewegungen ausführen. Mit ziemlicher Sicherheit
erfolgte früher die Expansion schneller, so daß das tatsächliche
Weltalter etwas kürzer sein könnte. Altersbestimmungen an besonders
alten Objekten des Kosmos wie alten Galaxien und Kugelsternhaufen zeigen, daß
es aber mindestens 14 Mrd. Jahre alt sein muß. Die Einheiten der sogenannten
Blasenstruktur des Universum und in der räumlichen Verteilung der Galaxien
nennt man auch Hubble Bubbles (vgl. Blasen ).
Energie und Materie
Vorausgesetzt, die gesamte heute im Universum vorhandene
Materie sei in der frühesten Zeit bereits vorhanden gewesen, so müßte
die Materiedichte im Universum am Anfang ungeheuer groß gewesen sein. Erst
im Laufe der Zeit hätte sich die Materiedichte verringert (evolutionäres
Universum). Man könnte aber auch annehmen, daß mit der Expansion
des Universums gerade so viel Materie neu erzeugt wird, daß die mittlere
Materiedichte konstant bleibt. Vor langer Zeit wäre also wesentlich weniger
Materie im Universum vorhanden gewesen (stationäres Universum).
Eine Entscheidung zwischen diesen beiden Theorien brachte u.a. die Entdeckung
der kosmischen Hintergrundstrahlung. ( ).
Heute wird zumeist das evolutionäre Modell bevorzugt. - Normale
Materie mache nur ca. 5% aus, folgern Forscher, ca. 25% bestehe aus Dunkel-Materie,
ca. 70% aus Dunkel-Energie.
Entstehung des Universums
Feuerball, heiß und dicht,
sein Licht, sein Hall, sein Urknall mit ewigem Nachhall ( ):
In den ersten Sekunden und Minuten entwickelte sich das Universum sehr schnell.
Man unterscheidet einige Entwicklungsphasen oder Ären. Der Begriff Urknall
oder Big Bang ist vielleicht ein wenig unglücklich gewählt. Abgesehen
davon, daß die Urknall-Theorie falsch sein kann (davon müssen wir sogar
ausgehen!) und daß, falls sie nicht falsch sein sollte, dem Zeitpunkt
Null noch eine andere Entwicklungsphase des Universums vorgelagert sein
könnte, begann vielleicht das Universum mit der:
1)
Planck-Ära **(Planck-Ära
= Quantengravitative Ära oder Chaos-Ära) (bis 10-43s)
aus einer Quantenfluktuation im Vakuum. Wahrscheinlich kann damit eine Singularität
mit einer unendlich hohen Dichte im Anfangszustand vermieden werden. ( ).
Das Universum war noch kleiner als die Planck-Länge (ca. 1,6
10-33 cm ),
kleinste sinnvoll beschreibbare Länge. Wegen der Heisenberg'schen Unschärferelation **
können in dieser Zeit keine Raumstrukturen festgelegt werden. Alle späteren
4 Wechselwirkungen (4 Naturkräfte )
waren vermutlich noch in einer einzigen Kraft vereint. Zur Zeit fehlt aber noch
eine physikalische Theorie. Sie müßte die Gravitationstheorie (unter
Einschluß der Relativitätstheorie) und die Quantentheorie vereinigen.
Vielleicht spielten hier Phänomene der Quantengravitation eine beherrschende
Rolle. Aus einem schaumigen, gequantelten Gravitationsfeld könnten gegen
Ende dieses Zeitraums die ersten materiellen Teilchen entstanden sein. Jedenfalls
scheinen zu dieser Zeit alle 4 heute vorkommenden Naturkräfte (4 Wechselwirkungen )
in einer Superkraft vereinheitlicht gewesen zu sein. Man muß
davon ausgehen, daß die Zeit selbst vor der Planck-Zeit (ca.
5,4 10-44 s )
noch nicht ihre Eigenschaften als Kontinuum besaß, so daß Aussagen
über einen Zeitraum physikalisch bedeutungslos sind. In diesem
Sinn hatte die Planck-Ära keine Dauer. Entsprechendes gilt für den Raum.
Für Räume mit einer Längenausdehnung von Null bis zur Planck-Länge
verliert der Raum seine Eigenschaft als Kontinuum. Ähnliches gilt auch für
die Planck-Temperatur (ca. 1,4 10-32
K )
und alle anderen Planck-Einheiten ( ).
Für physikalische Beschreibung eignet sich das Universum laut heutiger Kenntnis
erst nach dem Ende der Planck-Ära. So betrug z.B. die Temperatur des Universums
am Ende dieser Ära bei 10-43s ca. 1032K.
 |
2)
Quark-Ära(10-43s bis 10-7s) In dieser
Ära bildeten sich Quarks, Leptonen und Photonen. Bis 10-35s galt
auch die Große Vereinheitlichte Theorie: Von der für die
Planck-Ära vermuteten einzigen Wechselwirkung spaltete sich die Gravitation
als Einzelkraft ab. Bei 10-35s sank
die Temperatur unter 1027K. Es war wahrscheinlich die Zeit der vermuteten
Inflation des Universums, einer vorübergehenden explosiven Ausdehnung des
Weltalls auf das 1050fache und mehr. Jetzt trennten sich auch die starke
Wechselwirkung und die elektroschwache Wechselwirkung von der vereinheitlichten
Kraft. Bei 10-12s und einer Temperatur von 1015K spaltete
sich die elektroschwache Wechselwirkung nochmals in die schwache Wechselwirkung
und die elektromagnetische Wechselwirkung. Danach waren alle heutigen 4 Naturkräfte
(die gravitative, die starke, die schwache und die elektromagnetische Wechselwirkung
getrennt. ( ).
Zum Ende waren Quarks und Leptonen unterscheidbare Teilchen.  3)
Hadronen-Ära(10-7s bis 10-4s) Es
bildeten sich strukturierte Teilchen, also vor allem Protonen und Neutronen sowie
deren Antiteilchen. Diese vernichteten sich ständig, wobei die freigesetzte
Energie zur sofortigen Neubildung herangezogen wurde. Zum Ende der Ära, bei
10-4s, sank die Temperatur auf etwa 1012K. Es konnten keine
neuen Teilchen mehr gebildet werden. Eine vollständige Vernichtung der Teilchen
und Antiteilchen und damit der gesamten Materie im Universum wäre erfolgt,
wenn nicht die Teilchen gegenüber den Antiteilchen einen kleinen Überschß
von 1 : 1 Mrd. gehabt hätten. Dieser Überschß fand zur Zerstrahlung
keinen Partner unter den Antiteilchen und blieb übrig; unsere heutige Materie.
Die wichtigsten Teilchen waren Protronen, Neutronen, Myonen, Elektronen, Positronen,
Neutrinos und Photonen.  4)
Leptonen-Ära (10-4s bis 10s oder 20s) Bei
10-4s und einer Temperatur von unter 1012K zerfielen die
Myonen. Zwischen 0,1s und 1s bei 10 Mrd. K entkoppelten die Neutrinos. Die Elektronen
und Positronen zerstrahlten. Übrig blieben nur so viele Elektronen, daß
die positiven Ladungen der Protonen ausgeglichen wurden. ( ).
Dieser Prozeß war bei 1s und einer Temperatur von 5 Mrd. K zu Ende.  5)
Strahlungs-Ära (Plasma-Ära)(10s
oder 20s bis 100000 / 1 Mio. Jahre) Bei einem Abfall der Temperatur von
1 Mrd. K auf 3000K beherrschte die Strahlung das Universum. Die ersten Kernfusionsprozesse
setzten ein: Protonen (Wasserstoffkerne) lagerten ein Neutron an. Es entstand
Deuterium (schwerer Wasserstoff). Durch weitere Aufnahme von einem Neutron bildete
sich Tritium (überschwerer Wasserstoff). Schließlich nahm ein Tritium-Kern
ein Proton auf: Helium entstand. Es dauerte nur rund 3 Minuten, bis rund 25% der
Materie in Helium umgewandelt wurde. Auch Helium-3-Kerne sowie Lithium und
Beryllium entstanden. Fast alles heute feststellbare Helium wurde in dieser Zeit
gebildet. Schwerere Elemente (außer Lithium und Beryllium) entstanden
später in den Sternen ( )
und bei Explosionen von Supernovae. ( ).
Das Ende dieser Ära lag zwischen 100 000 und 1 Mio. Jahre. Die positiv geladenen
Wasserstoffatome banden jetzt je ein negativ geladenes Elektron an sich: Neutrale
Wasserstoffatome (und neutrale Heliumatome) entstanden. Materie und Strahlung
entkoppelten sich. War das Universum zuvor undurchsichtig, konnte sich die Strahlung
jetzt frei bewegen: ca. 300000 Jahre nach dem Urknall. Das Universum wurde durchsichtig
( ),
d.h.: Freiwerden der kosmischen Hintergrundstrahlung ( ),
die auch Feuerwand ( )
heißt.  |
6)
Materie-Ära (Stern-Ära) (100000
/ 1 Mio. Jahre bis heute und später) ist die Epoche, in der wir
noch heute leben. Durch Dichteschwankungen in der Materie oder andere Ursachen
(vielleicht sogar durch kosmische Strings? )
entstanden Galaxien bzw. Galaxienhaufen. Die Materie-Ära, die auch Rekombinations-Ära
heißt, begann erst, nachdem die Temperatur des Universums auf 3000 K gesunken
war ( ),
also: ca. 300000 Jahre nach dem Urknall. Dieser Zeitpunkt ermöglichte
die Bildung neutraler Wasserstoffatome, und das zuvor wegen der Ionisierung der
Materie ( )
undurchsichtige Weltall wurde durchsichtig (Entkoppelung von Strahlung und Materie),
die kosmische Hintergrundstrahlung ( ),
die Strahlung im extrem kurzwelligen Radiowellenbereich (Mikrowellenbereich),
also frei. Materie-Ära heißt auch Stern-Ära, da sich erst in ihr
allmählich Sterne und Galaxien bilden konnten.     7)
Zukunft des UniversumsFür die künftige Entwicklung
des Universums ist die vorherrschende Meinung heute, daß sich das Weltall
weiter ausehnt, seine Aktivität nachläßt, die Sterne allmählich
sterben und die Galaxien sich zu Gas- und Staubwolken verdünnen.
Es gibt aber auch die Theorie des pulsierenden Weltalls; demnach enthält
das Universum genügend Materie (bzw. Energie), um die gegenwärtige Expansion
später in eine Kontraktion zu überführen; es würde wieder
eine ungeheure verrdichtete Masse (bzw. Energie) entstehen, die in einem weiteren
Urknall erneut explodieren und zur Neuentstehung eines Weltalls führen müßte.
Favorisiert für die künftige Entwicklung des expandierenden Universums
sind folgende Möglichkeiten:
(I)
Geschlossener, elliptischer Raum. Die Expansion führt zu einer bestimmten
Zeit zu einem maximalen Weltradius. Darauf geht die Expansion in Kontraktion über.
Sie endet u.U. in einem Big Crunch. |
(II)
Euklidischer, parabolischer Raum. Die Expansionsgeschwindigkeit nimmt ab und strebt
in unendlich ferner Zeit dem Wert Null zu. Der Weltradius erreicht dann einen
endlichen Wert. |
(III)
Offener, hyperbolischer Raum. Die zunächst sehr rasche Expansion wird zwar
in ferner Zukunft etwas langsamer, hört aber niemals auf. Der Weltradius
geht gegen unendlich. |
(IV)
Die Expansionsgeschwindigkeit wird immer mehr beschleunigt. Der Grund dafür
ist nicht bekannt, vermutet wird z.B. eine kosmologische Konstante. Unendliche
Fortdauer (Ausnahme: Fall ins Schwarze Loch ). |
Welcher der 4 Fälle ist wahrscheinlicher?
|
Welcher Fall vorliegt, geht aus der mittleren
Materiedichte im Universum hervor, die oberhalb (I),
gleich (II),
unterhalb (III)
oder aber sogar unabhängig von (IV)
der kritischen Dichte sein kann. Diese kritische Dichte beträgt
(unter der Annahme einer Hubble-Konstante von 75, falls es eine solche
Konstante überhaupt gibt): 10-29g/cm3. So wäre
bei einer höheren Dichte der I.
Fall, bei einer der kritischen Dichte entsprechenden Dichte
der II. Fall,
bei einer niedrigeren Dichte der III.
Fall und bei einer völligen Unabhängigkeit von der Dichte
der IV. Fall
erfüllt. Für den IV.
Fall spricht, daß die Expansion des Universums in immer rascherem
Tempo fortgesetzt wird, daß die Dichte der Materie dabei egal ist, obwohl
es schon merkwürdig ist, wenn die Expansion so stark beschleunigt wird, daß
sie dabei sogar immer mehr Energie gewinnt - vergleichbar z.B. mit einer Bombe,
die bei ihrer Explosion sogar noch an Energie gewinnt, also immer mehr explodiert.
(Eine interessante Variante ist auch die Theorie vom Großen Rückprall
bzw. Big Bounce von H.-J. Blome und W. Priester, gemäß der es
keinen Urknall gab, sondern ein bereits expandiertes materiefreies Universum sei
zu einem Minmimaldurchmesser geschrumpft, danach sei durch Quantenfluktuationen
[ ]
auch die Materie entstanden und das Universum wieder expandiert, das in Zukunft
wieder materiefrei sein werde [und sehr wahrscheinlich dann auch wieder schrumpfen
werde u.s.w. u.s.w. u.s.w. - ein Kreislauf] - diese Theorie erfordert einen positiven
Wert für die kosmologische Konstante und ein Weltalter von rund 32
Milliarden Jahren). Für ein offenes Univerum, wie es der III.
Fall vorsieht, spricht vor allem, daß der beobachtbare
Wert für die mittlere Materiedichte bei 10-30g/cm3
liegt - das ist rund 1/10 der kritischen
Dichte. Doch dürfte es eine größere Menge unsichtbarer Massen
geben; dann ist unser Universum näher am II.
Fall oder vielleicht sogar mit ihm identisch. Vermutlich hat die Inflation
des Universums 10-35s nach dem Urknall diese Glättung
in einen euklidischen Raum bewerkstelligt. ( ).
Weil ja alle diese kosmologischen Theorien von der glatten und ziemlich flachen
Raumzeit ausgehen, zerbrechen sie am Urknall, denn anfangs muß die Krümmung
der Raumzeit unendlich gewesen sein, und eine Raumzeit mit unendlicher Krümmung
ist eben nicht oder nur schwerlich als ziemlich flach zu bezeichnen.
Alle diese kosmologischen Theorien scheitern an Anfang und Ende. Gegenwärtig
weiß also niemand etwas über Anfang und Ende des Universums, noch nicht
einmal, ob das Universum überhaupt zu Ende gehen wird, ob es endlich oder
unendlich ist. Erstaunlich ist aber, daß die mittlerer Dichte des Universums
doch ziemlich nahe an der kritischen Dichte liegt. Es könnte ja eine
sehr viel stärkere Abweichung vorliegen. In dem Fall käme es aber nicht
zur Entstehung von Sternen und Planeten. Wäre die Dichte deutlich größer,
so würde die Expansion des Universums so schnell in eine Kontraktion übergehen,
daß die Zeit zur Entstehung von Sternen nicht ausreicht. Wäre die Dichte
deutlich kleiner, so würde die Expansion fast ungebremst vor sich gehen.
Die ohnedies dünnen Materiewolken würden sich so schnell zerstreuen,
daß es ebenfalls nicht zur Bildung von Sternen kommt. ( ).
Diese Antworten sind also falsch. Eine richtige Antwort ergibt sich wohl nur dann,
wenn man auch bedenkt, daß Quantenfluktuationen im Vakuum bei der Bildung
eines Universums ganz unterschiedliche Ergebnisse liefern ( ),
und daß es |
(a) unzählige Universen
mit unterschiedlichen Materiedichten und anderen physikalischen Daten gibt ( ),
und |
(b) wir deswegen in diesem
Universum leben, weil es physikalisch günstige Ausgangsbedingungen zur Bildung
von Sternen lieferte. |
Gibt
es andere wichtige Vorhersagen? |
| Was
wird aus dem werden, was das Universum beinhaltet? |
Zunächst
kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, daß z.B.
ein Zeitalter kommen wird, in dem es keine Sterne mehr gibt, keine über Jahrmilliarden
verläßlichen Energiequellen also, die das Leben erhalten. Klar ist,
daß nicht alle Sterne zur gleichen Zeit sterben; es sind bereits unzählige
Sterne erloschen, und ebenso unzählige Sterne werden im Laufe der nächsten
Milliarden Jahre ebenfalls erlöschen. Unsere Sonne wird dieses Schicksal
also auch erleiden (   ).
Doch noch vor ihrem Rentenalter in etwa 5 Milliarden Jahren wird sie
sich zu einem Roten Riesen ( )
aufgebläht und den Planeten Merkur und sehr wahrscheinlich auch den Planeten
Venus verschlungen haben ( )
- so sieht es auch der Astrophysiker Harald Lesch ( ):
ein lokales Ereignis, das zwar das Leben auf der Erde bedroht, das aber
ohne spürbare Auswirkung auf das übrige Universum sein wird. Doch wenn
wir es bis dahin nicht schaffen, auf einen anderen Planeten auszuweichen, vielleicht
auf einen Planeten in einem anderen Sonnensystem, dann ist das Schicksal der Spezies
Mensch besiegelt. Doch auch nach einem derartigen Exodus wären wir noch nicht
auf der sicheren Seite. Es wird der Moment kommen, da keine neuen Sterne mehr
entstehen, weil der Gasvorrat der Galaxien ( )
erschöpft ist. Dann werden alle Sterne unserer Galaxis ( )
und auch die aller anderen Galaxien ausgebrannt sein, und es wird nirgendwo mehr
eine Supernova ( )
explodieren und frisches Material für neue Sterne in das All schleudern.
Von da an wird es finster sein im Universum, zumindest was das für unsere
Augen sichtbare Licht anbelangt, und es wird auf ewig finster bleiben. Anstelle
von Sternen wird es dann nur noch Braune Zwerge ( )
und Weiße Zwerge ( )
geben, Neutronensterne ( )
und Schwarze Löcher ( ).
Die Kosmologen schätzen, daß das in etwa 100 Billionen Jahren der Fall
sein wird. Spätestens dann wird es kein Leben mehr geben, zumindest keines
der uns bekannten Art. Wir wollen nicht behaupten, daß das Universum von
da ab für alle Zeiten tot sein wird; vielleicht schafft es das Leben ja,
sich im Laufe der unvorstellbar langen Zeit von 100 Billionen Jahren zu völlig
anderen, für uns unvorstellbaren Entwicklungsstufen aufzuschwingen, sich
zu wandeln und anzupassen an die neuen Verhältnisse. Aber die neuen Verhältnisse
werden sehr, sehr fremdartig sein, und dieses Leben wird keine Ähnlichkeit
mehr haben mit jenem, wie wir es kennen. Die Galaxien werden auch im Dunkeln noch
für geraume Zeit als zusammengehörige Systeme weiterbestehen, und längst
ausgeglühte Planeten werden um ausgebrannte Sternreste kreisen. Aber diese
Bindungen halten nicht ewig, Galaxien werden auf ihren Wegen durch das All einander
nahe kommen und miteinander kollidieren. Unsere
Milchstraße und die Andromeda-Galaxie sind gegenwärtig schon auf Kollisionskurs.
In etwa sechs Milliarden Jahren könnte es zu einem Zusammenstoß kommen.
Doch auch wenn das zu diesem Zeitpunkt gerade noch einmal gut gehen sollte - langfristig
ist eine Kollision unvermeidbar, da die beiden Systeme durch die Gravitation aneinander
gebunden sind. Sie umkreisen sich, und weil dabei durch Reibung Energie verloren
geht, verschmelzen sie schließlich zu einem riesigen Haufen ungeordneter
Sterne. Für die Sonnensysteme einer Galaxie hat das einschneidende Konsequenzen.
Aufgrund der Schwerkraft aneinander vorbeiziehender Sterne werden die Planeten
allmählich aus ihren Bahnen geworfen und in das All geschleudert. Wissenschaftler
schätzen, daß in rund 100 Billiarden Jahren alle Planetensysteme zerfallen
sind. Schließlich bleiben auch die ausgebrannten Sonnen nicht von diesen
Auflösungserscheinungen verschont. Wie bei den Planeten kann bei der Begegnung
dreier Sterne der masseärmste aus der Galaxie katapultiert werden. Derartige
Drei-Körper-Begegnungen sind zwar relativ selten - sie kommen in einer Galaxie
etwa nur ein halbes Dutzend mal pro einer Milliarde Jahre vor -, aber im Universum
spielt Zeit keine Rolle, und auf lange Sicht ist das Ergebnis dramatisch. Irgendwann
zwischen einer Trillion (1018) und einer Quatrilliarde (1027)
Jahre werden die Galaxien etwa 99 Prozent ihrer Masse verloren und sich somit
praktisch aufgelöst haben. Der jeweils verbleibende Rest wird dann zu einem
einzigen supermassiven Schwarzen Loch kollabieren. Jetzt geht es ans Eingemachte,
an die eigentliche Substanz. Wenn die Theorien der Elementarteilchenphysiker stimmen,
dann löst sich auch die Materie insgesamt auf. Nach etwa 1032
Jahren zerfallen nämlich selbst die Protonen, die elementaren Bausteine der
Materie, in Positronen und Photonen. Treffen die Positronen auf ein Elektron,
so vernichten sich die Teilchen gegenseitig, und es bleiben nur noch Photonen
übrig. Letztlich wird also die gesamte feste Materie, werden alle Stern-
und Planetenreste in Strahlung verwandelt sein. Dann gibt es im Universum nur
noch gigantische Schwarze Löcher, die in einem allumfassenden Meer von Photonen
und Neutrinos schwimmen. Sieht so die Ewigkeit aus? Sie ahnen es schon, verehrte
Leserinnen und Leser, die Kosmologen haben noch einen weiteren Trumpf im Ärmel.
Sie behaupten, daß auch die Schwarzen Löcher einmal ihr Dasein beenden,
indem sie verdampfen. In etwa 1080 Jahren sollen diese Prozesse beginnen
und erst in 10130 Jahren beendet sein. Dann soll es wirklich nichts
mehr geben außer Neutrinos und Photonen in Form von extrem langwelliger
elektromagnetischer Strahlung in einem extrem kalten, leeren Universum. Obwohl
die Kosmologen auch an diesem Punkt mit ihren Spekulationen noch nicht zu Ende
sind, ist es doch für uns an der Zeit, die Gedankenreise in die Zukunft abzubrechen.
(Harald Lesch, Big Bang, zweiter Akt, 2003, S. 405-407).  |
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Zurück zum Anfang 
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Feuerball | Weil
für unser Universum gilt, daß ein sehr dichter Anfangszustand auch
mit sehr hohen Temperaturen einhergehen muß, war also der Beginn des Kosmos
ein dichter, heißer Feuerball, und sein Licht, gleichsam als Nachhall des
Urknalls ( ),
erfüllt noch heute als schwaches Raunen langwelliger Strahlung den Raum.
Es existieren drei tragende Pfeiler für den Nachweis der Urknall-Theorie:
die Messung der Galaxienflucht, die Übereinstimmungen der vorhergesagten
Heliumhäufigkeit mit der tatsächlich beobachteten, der Nachweis der
kosmischen Hintergrundstrahlung ( ).
Bei Rauschpegelmessungen an einem Radioteleskop wurde die kosmische Hintergrundstrahlung
1964/65 entdeckt, die Vermessung des Rauschens danach fortgesetzt und daraus
die Temperatur des Strahlungshintergrundes errechnet: -270,5 Grad = 2,7 Grad über
dem absoluten Nullpunkt (= -273,2 Grad). Seitdem ist die Mehrheit der Astronomen
vom Urknall überzeugt. Aus der Rate der Expansion - der Radius des Universums
dürfte etwa 18 Miliarden Lichtjahre betragen ( )
- läßt sich zurückrechnen, daß die Welt vor ca. 18 Miliarden
Jahren ihren Beginn genommen hat. Und durch den Doppler-Effekt **
bei fernen Galaxien war ja die Expansion des Universums tatsächlich gefunden
worden (vgl. Hubble-Effekt **).
Aus der heutigen Temperatur der Hintergrundstrahlung lassen sich die physikalischen
Bedingungen in den ersten Jahren, Minuten oder gar Sekunden des Kosmos ermitteln.
Je jünger und kleiner das Universum, desto größer die Temperatur
und die Energie. In dem Maße, in dem die Größe des Universums
zunahm, verringerten sich die Temperatur und die Energie. Je weiter man in die
Vergangenheit zurückrechnet, desto höher wird die Temperatur der Strahlung
und desto größer die Energie der der Strahlungsquanten, der Photonen.
 Feuerwand
 Bei
den hohen Temperaturen, die noch bei den ersten Kernfusionsprozessen (Nukleosynthesen)
während der Strahlungs-Ära (auch Plasma-Ära genannt )
herrschten, konnten sich noch keine Elektronenhüllen um die Atomkerne bilden.
Jedes Elektron, das von einem Kern eingefangen wurde, konnte sofort wieder von
einem hochenergetischen Strahlungsteilchen befreit werden. ( ).
Die Materie war also zu der Zeit vollständig ionisiert ( ),
sie bildete ein Plasma ( ),
in dem die Elektronen sich frei bewegen konnten. Erst ca. 300000 Jahre nach dem
Urknall fiel die Temperatur der Strahlung unter 3000 Grad, und da reichte die
Energie der Photonen plötzlich nicht mehr aus, um Wasserstoff zu ionisieren.
Aus Kernen und Elektronen konnten sich endlich vollständige Atome bilden.
Und noch etwas geschah zu dieser Zeit: das Weltall wurde durchsichtig! Erst nach
dem Verschwinden der frei umherschwirrenden Elektronen konnte sich die Strahlung
im All ungehindert ausbreiten. Wenn also die Astronomen in die Vergangenheit schauen,
können sie nur diesseits der Feuerwand etwas sichtbar erkennen, denn jenseits
der Feuerwand ist ihnen die Sicht versperrt, ist das Weltall undurchsichtig. Die
Feuerwand selbst ist wahrnembar, ihre Strahlung ist nämlich die kosmische
Hintergrundstrahlung ( )
! Wer sie beobachtet, blickt zurück in eine Zeit, in der das Weltall ca.
300000 Jahre alt war und nur ein Tausendstel seiner heutigen Größe
hatte. Laut Urknall-Theorie ( )
hat die damals befreite, seither abgekühlte, den Raum durcheilende Strahlung
ein ganz bestimmtes Spektrum, nämlich das der sogenannten Hohlraumstrahlung
(oder: Strahlung Schwarzer Körper), denn eine solche Strahlung tritt
- daher der Name - unter den idealisierten Bedingungen eines völlig isolierten
Hohlraums auf, dessen Wände schwarz sind und eine konstante Temperatur haben.
Im November 1989 bewies der Cosmic Background Explorer (Cobe) die perfekte
Übereinstimmung der Hohlraumstrahlung mit dem Spektrum der Hintergrundstrahlung.
Selbst im Labor läßt sich kein exakteres Spektrum eines Schwarzen
Körpers herstellen. Die genaue Temperatur des Strahlungshintergrunds
wurde von Cobe auf 2,726 Kelvin bestimmt, mit einer Unsicherheit von nur
0,005 Grad! Cobes Bilder zeigen, daß die Hintergrundstrahlung aus
allen Richtungen kommt, also isotrop ist. Die Schwankungen der Temperatur betragen
weniger als 0,001 Prozent. Doch gerade so winzige Abweichungen von der perfekten
Gleichmäßigkeit interessieren die Kosmologen besonders. Gegenüber
dem kosmologischen Strahlungsfeld ist der irdische Beobachter in ständiger
Bewegung: die Erde kreist um die Sonne, die Sonne um das Zentrum der Milchstraße,
und die Milchstraße bewegt sich mit hoher Geschwindigkeit durch das All.
Durch den Doppler-Effekt **
erscheint die kosmische Hintergrundstrahlung deshalb in Bewegungsrichtung kurzwelliger
(wärmer), in der Gegenrichtung langwelliger (kühler). Unter Abzug aller
bekannten Bewegungen läßt sich aus der winzigen Asymmetrie errechnen,
daß unsere lokale Galaxiengruppe ( )
sich mit 630 km/h bewegt, und zwar in Richtung des Sternbildes Centaurus (14 h,
südlicher Sternhimmel). Dort befindet sich eine gewaltige Ansammlung von
Galaxien, die unsere Galaxis anzieht und deshalb Großer Attraktor
genannt wird. Der Hauptstern im Sternbild Centaurus ist Alpha Centauri
( ).
Er ist mit 4,3 Lichtjahren unser nächster Stern. Allerdings besteht er aus
drei Komponenten: A, B, C, und C steht uns ein kelin wenig näher
als das A-B-Paar, weshalb C auch Proxima Centauri heißt.
Wir bewegen uns also in Richtung Centaurus, und das wissen wir dank der strahlenden
Feuerwand (vgl. Abbildung ).
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Alles Ausdehnung
Unser All expandiert. Es war der Deutsche Carl
Wilhelm Wirtz, der zuerst behauptete, daß der Raum selbst sich ausdehnt
und nicht die Galaxien vor unserer Galaxie als der Zentralgalaxie des Universums
fliehen, wie z.B. vor allem Edwin Powell Hubble und Vesto M. Slipher meinten,
denn sie glaubten, unsere Galaxie sei der Mittelpunkt des Universums. Slipher
stieß aber 1923 auf den Befund, daß sich von 41 nahen Spiralgalaxien
36 von uns fort und lediglich 5 auf uns zu bewegen. Bald darauf gelang es Howard
Robertson, aufgrund von Sliphers Messungen und weiteren, sehr genauen Entfernungsbestimmungen
von Hubble, zu zeigen, daß die Rotverschiebung gleichmäßig mit
der Entfernung zunimmt - genau wie bei einer Expansion des Raumes zu erwarten
ist. Hubble untermauerte dies ein Jahr später mit neuen Messungen - und heimste
schließlich alle Lorbeeren ein: Hubblesches Gesetz heißt der
Zusammenhang zwischen Entfernung und Rotverschiebung heute. Robertsons Fehler
war, daß er seine Ergebnisse in einer von Astronomen wenig gelesenen Physik-Zeitschrift
publiziert hatte und nicht, wie Hubble, in einer Astronomie-Zeitschrift. Weil
das All expandiert, nimmt mit der Zeit seine Materiedichte und auch seine Temperatur
ab. Je weiter man in die Vergangenheit des Universums zurückblickt, desto
höher seine Temperatur und desto dichter seine Materie.
 |
Heute nimmt man
an, daß für die ständig wachsende Beschleunigung der Expansionsgeschwindigkeit
die Dunkle Energie verantwortlich ist. Viele der heutigen Kosmologen benutzen
die Dunkle Energie auch nämlich quasi als kosmologische Konstante.
( ).
Kein Wunder, denn beide sind unbekannt. Man geht heute davon aus, daß es
im Universum rund 70% Dunkle Energie, rund 25% Dunkle Materie und
nur rund 5% Normale (= sichtbare) Materie gibt. Die Dunkle Energie ist
also das größte Geheimnis. In dieser Theorie ist also das Wichtigste
das größte Geheimnis. So wie immer. Das Verblüffende ist,
daß das, was man sieht, nur 5 Prozent des gesamten Inhalts ausmacht. Dann
muß es noch eine Art Materie geben, die wirklich auch der Gravitation unterliegt
wie normale Masse, und diese Dunkle Materie beträgt etwa 25 Prozent, die
aber nicht sichtbar ist, weil sie überhaupt nicht an Strahlung und Licht
koppelt. Jetzt hat man erst 30 Prozent - es fehlen 70 Prozent. Und weil man überhaupt
nicht weiß, was das ist - man kann es nicht sehen, und es ist keine Materie
-, nennt man das Dunkle Energie. Das ist, würden ich und viele meiner Kollegen
sagen, eines der mysteriösesten Fragen der modernen Physik: Was ist diese
Dunkle Energie? Und jetzt kommt das Verblüffende, daß man, wenn
man die kosmologische Konstante nimmt, die Einstein eingeführt und danach
wieder verworfen hat, daß man dann diese 70 Prozent erklären kann -
ich sollte genauer sagen: man kann damit die Dunkle Energie erklären, allerdings
nicht ihren Zahlenwert; man kann das einfach so anpassen, daß es genau 70
Prozent sind, aber warum 70, das kann man nicht ausrechnen. (Frank
Steiner). - Zweifellos. - Da die Gravitation eine Antiexpansionskraft ist, also
gegen die Expansion wirkt, sie bremst, eine Kraft des Schrumpfens ist, muß
sie einer Kraft der ständig wachsendem Expansion unterlegen sein, denn wir
wissen ja nun, daß das Universum nicht schrumpft, sondern expandiert und
seine Expansiosgeschwindigkeit sogar immer mehr beschleunigt. Wenn es richtig
ist, daß hierfür nur die Dunkle Energie verantwortlich ist, dann muß
sie entweder ein Dunkler Elektromagnetismus oder eine Kraft sein, die bei
den Abspaltungsprozessen der Kräfte aus der ursprünglichen Einheitskraft
( )
übrig geblieben ist: eine Rest(-Einheits)kraft ( ).
|
 |
Galaxien | Für die Klassifikation
der Galaxien ist die von E. P. Hubble **
(1889-1953) eingeführte auch heute noch am bekanntesten. Hier gibt es zunächst
die normalen Spiralnebel mit dem Buchstabensymbol S. Ein angehängter
Buchstabe a, b oder c weist darauf hin, in
welcher Weise die Spiralarme und der Kern des Systems ausgebildet sind (Sa, Sb,
Sc). Neben den normalen Spiralen (S) gibt es die balkenförmigen
Spiralen (SB), bei denen der Kern balkenartig verbreitet ist. Am Ende dieses Balkens
setzen zwei Spiralarme an, die unter fast genau einem rechten Winkel von diesem
Balken auslaufen und sich erst später krümmen. Wie bei den normalen
Spiralen gibt es auch bei den balkenförmigen Spiralen die drei Untergruppen
a, b, c (SBa, SBb, SBc).Die elliptischen
Galaxien erhalten das Symbol E. Sie sind in ihrer Mitte nur verhältnismäßig
hell. Ist keine Abplattung festzustellen, so erhält der Nebel das Symbol
E0. Die Ziffern 1 bis 7 weisen dabei auf eine mehr oder weniger starke
Abplattung hin.Lassen sich bei Galaxien überhaupt keine Strukturen
erkennen, so bezeichnet man diese Systeme als irregulär oder unregelmäßig
mit dem Symbol Ir.Es
gibt allerdings einige Vorbehalte gegenüber dieser Statistik, wie im Text
bereits erwähnt! |
| Ellipsen (E) | 18
% | Normale
Spiralen (S) (Sa 15 %) (Sb 20 %) (Sc
(28 %) | 63
% | Balkenförmige
Spiralen (SB) (SBa 4 %) (SBb 5 %) (SBc
6 %) | 15 % | | Irreguläre
Nebel (Ir) | 4 % |
Ein besonderer Typ sind die Galaxien der Klasse S0. Sie
stehen etwa zwischen den elliptischen und den spiralförmigen Galaxien. Man
beobachtet hier einen Kern, der von einer scheibenförmigen Struktur ohne
erkennbare Spiralarme umgeben ist. Die neuere Literatur erwähnt
noch andere Einteilungen für die Galaxien. Es spielen dort z.B. das Spektrum
des Gesamtlichts, die spiralförmigen Galaxien allein oder der Typ und die
Leuchtkraftklasse einer Galaxie eine Rolle.Die
ältesten Galaxien - wir nennen sie Urgalaxien ( )
haben wahrscheinlich die Form einer Ellipse und unterscheiden sich wohl nur in
den Eigenschaften von ihren Nachfolgern, die wir Ellipsen nennen ( ).
Mit den heutigen Teleskopen kann man sehr weit zurück in die Vergangenheit
des Universums schauen, sodaß wir z.B. Galaxien in Entfernungen von Milliarden
Lichtjahren sehen können, aber eben nur so sehen können, wie
sie vor Milliarden Jahren aussahen, weil ja das Licht von dort bis zu uns Milliarden
Jahre gebraucht hat. Je weiter wir sehen, desto älter die Objekte. Leider
ist es darum so, daß wir nicht wissen können, wie sich die Objekte
bis heute entwickelt haben. Wir wissen nicht einmal, ob es sie noch gibt. Logischerweise
wissen wir aber, daß ältere Galaxien aus mehr älteren Sternen
bestehen als jüngere Galaxien und daß jüngere Galaxien aus mehr
jüngeren Sternen bestehen als ältere Galaxien. Also haben die elliptischen
Galaxien mehr alte Sterne als die spiralartigen Galaxien. Normale Spiralgalaxien
kennen wir deswegen am besten, weil eine davon unsere eigene Galaxie ist: die
Milchstraße (= Galaxis ).
In diesem Galaxientyp unterscheidet man drei Bereiche: 1.) Zentrale, nahezu kugelförmige
Verdickung (Bulge) im Zentrum ( );
2.) Scheibe, dünn und ausgedehnt, mit Spiralarmen ( );
3.) Halo, ein sphärischer Bereich, der die gesamte Galaxie umgibt ( ).
Das für Spiralgalaxien wohl wichtigste Merkmal ist die Rotation seiner Sternmassen
um das galaktische Zentrum. ( ).
Im Gegensatz dazu gibt es in den elliptischen Galaxien kein dominierendes Zentrum,
keine vorherrschende Bewegungsrichtung, diesbezüglich keine Unterordnung
der Sterne, sondern eher chaotische Bewegungen. Hier kommt es häufig zu Beinahe-Begegnungen;
Bahnstörungen wegen der gegenseitigen Anziehungskräfte sind die Regel.
Also: was in spiralartigen Galaxien die Ausnahme ist, ist in elliptischen Galaxien
die Regel, und was in spiralartigen Galaxien die Regel ist, ist in elliptischen
Galaxien die Ausnahme. Ansammlungen
von wenigstens 10, meistens aber 100 bis 10 000 Galaxien nennt man Galaxienhaufen.
Daneben gibt es auch kleinere Ansammlungen, die als Doppel- bzw. Mehrfachsysteme
bezeichnet werden. Man entdeckt also bei den Galaxien eine ähnliche Vergesellschaftung
wie bei den einzelnen Sternen innerhalb der Galaxien. Neuerdings werden auch die
Galaxienhaufen in verschiedenene Typen eingeteilt. Diese Klassifikationen haben
sich allerdings noch nicht so recht durchgesetzt. Die Zahl der Galaxien pro Raumeinheit
ist in den Galaxienhaufen etwa 9000mal größer als bei den Feldgalaxien
(= Galaxien, die nicht zu einem Galaxienhaufen gehören). Insgesamt ist auch
die Zahl der Galaxien, die zu einem Haufen gehören, größer als
die der Feldgalaxien. Das Verhältnis der Galaxien in einem Haufen und den
Feldgalaxien beträgt etwa 23 : 1. Innerhalb der Galaxienhaufen kommt es durchschnittlich
alle etwa 100 Mio. bis 1 Mrd. Jahre zu einem Zusammenstoß zweier Haufengalaxien.
Einige Forscher sehen darin den Grund dafür, daß sie in den Galaxienhaufen
mehr elliptische Systeme gefunden haben, daß also die Spiralsysteme in den
Galaxienhaufen unterrepräsentiert sind gegenüber den Verhältnissen
bei den Feldgalaxien. (Vgl. die Vorbehalte gegenüber den Zahlen in obiger
Galaxien-Statistik ).
Bei Kollisionen zweier Galaxien könnte nämlich für die Entstehung
der Spiralarme notwendige interstellare Materie herausgefegt werden, so daß
die sich wieder lösenden Systeme später nicht mehr in der Lage sind,
Spiralarme zu bilden. Unsere spiralförmige Galaxis (die Michstraße )
gehört zu einem kleineren Galaxienhaufen, der sogenannten lokalen Nebelgruppe.
Die Galaxie, die uns am nächsten ist, ist Andromeda (Andromedanebel), und
diese unsere Nachbargalaxie und unsere Galaxie werden in etwa 3 Milliarden Jahren
kollidieren. Bei einem solchen Prozeß ist die Annäherungsgeschwindigkeit
so hoch, daß beide Galaxien sich nach erster Interaktion zunächst
aneinander vorbei bewegen, doch danach durch ihre Anziehungskräfte sich wieder
annähern, die Interaktionen mehrere Male wiederholen und am Ende
zu einer Einheit verschmelzen. Durch die Verschmelzung werden die Spiralformen
der beiden Galaxien in eine einzige Ellipse umgewandelt. Was für Galaxien
gilt, gilt auch für Galaxienhaufen. Galaxienhaufen schließen sich (wieder)
zusammen zu Superhaufen; Superhaufen sind eine Zusammenfügung mehrerer
Galaxienhaufen. Ferner zeigt die großräumige Anordnung der Galaxien,
Galaxienhaufen, Superhaufen eine Blasensstruktur im Weltall. Merke: Die Blasenstruktur
des Universums ist eine großräumige Struktur in der Anordnung der Galaxien,
Galaxienhaufen, Superhaufen im Universum. Dabei scheinen z.B. die meisten Galaxien
auf der gedachten Oberfläche von Blasen oder Zellen zu liegen, deren Inneres
nahezu leer ist.  Ein
Beispiel für eine lokale Galaxiengruppe ist unsere lokale Gruppe - sie ist
ein kleiner Galaxienhaufen:
| Die
bedeutendsten Mitglieder unserer lokalen Gruppe (Nebelgruppe) |
| Name des Systems | Typ
 | Entfernung | Durchmesser | Rg
in km/s  |
Milchstraße | Sb
| | 100 000
Lj. | | | Große
Magellansche Wolke | Ir oder SBc |
165 000 Lj. | 21 000 Lj | +
280 | | Kleine Magellansche Wolke | Ir |
165 000 Lj. | 9 500 Lj. | +
167 | | Draco-System | E |
195 000 Lj. | 1 000 Lj. | - |
| Ursa-Minor-System | E |
260 000 Lj. | 1 000 Lj. | - | | Sculptor-System | E |
360 000 Lj. | 2 300 Lj. | - | | Ursa-Maior-System | E |
390 000 Lj. | | - | | Sextans
C | E | 460 000
Lj. | | - | | Pegasus-System | E |
550 000 Lj. | | - | | Fornax-System | E |
750 000 Lj. | 5 200 Lj. | +
40 | | Leo-II-System | E1 |
750 000 Lj. | 1 000 Lj. | - | | Leo-I-System | E4 |
750 000 Lj. | 2 000 Lj. | - | | NGC
6822 | Ir | 1 600 000
Lj. | 6 800 Lj. | -
40 | | IC 1613 | Ir | 2 150 000
Lj. | 6 500 Lj. | -
240 | | Andromeda-Nebel (M 31) | Sb | 2 250 000
Lj. | 150 000 Lj. | -
270 | | NGC 185 | E3 | 2 250 000
Lj. | 3 300 Lj. | -
340 | | NGC 147 | E5 | 2 250 000
Lj. | 3 300 Lj. | - | | Dreiecksnebel
(M 33) | Sc | 2 350 000
Lj. | 45 00 Lj. | -
190 | | Wolf-Lundmark-System | Ir | 2 800 000
Lj. | 4 200 Lj. | -
80 | | Sextars A | Ir | 3 260 000
Lj. | 4 900 Lj. | - | | Leo-III-System | Ir | 3 600 000
Lj. | | - | | Ic
10 | SB | 4 100 000
Lj. | 4 200 Lj. | - |
Rg
= Radialgeschwindigkeit (Geschwindigkeit eines Himmelskörpers längs
der Sehlinie zur Erde): + (positiv) bedeutet, daß das Gestirn sich
von uns weg bewegt (Rotverscheibung); - (negativ) bedeutet, daß
das Gestirn sich auf uns zu bewegt (Blauverschiebung). Vgl. Doppler-Effekt ** |
 |
Milchstraße (Galaxis) | Das Wort
Milchstraße leitet sich von dem aus dem Altgriechischen stammenden Wort
galaxías ab. Die Milchstraße würde von
oben gesehen als Spirale und von der Seite gesehen als Linse erscheinen. Diese
Rekonstruktionen basieren auf einer Analyse jener Radiowellen, die von den interstellaren
Gasmassen ausgestrahlt werden. Die rote Punkt in der Abbildung ist der Mittelpunkt
(das Zentrum) der Galaxie (29° Schütze ).
Die Abbildung zeigt auch die Position der Sonne, die sich 28 000 Lichtjahre vom
Zentrum entfernt befindet. Vor der Erfindung der Radioastronomie konnten nur diejenigen
Teile der Spirale wahrgenommen werden, die in der Abbildung durch gelbe Linien
markiert sind. Diejenigen Gebiete, die später von den Radioastronomen erforscht
wurden, sind in der Abbildung durch rote Linien markiert.
 |
Die Galaxis ist zunächst das diffuse, neblige Band, das sich
rings über das gesamte Himmelsgewölbe nahezu in der Form eines Großkreises
spannt. Im weiteren Sinne wird der Begriff aber auch auf das gesamte Milchstraßensystem
(galaktisches System) übertragen. Die Galaxis kann in einer klaren Nacht
außerhalb der Städte sehr gut mit bloßem Auge beobachtet werden.
Ihre größte Helligkeit zeigt die Galaxis im Bereich der Sommersternbilder,
insbesondere im Sternbild Schütze ( ),
Dagegen ist sie im Feld der Wintersternbilder, besonders im Fuhrmann,
am schwächsten. Eine durch die Galaxis gelegte Linie bezeichnet man als galaktischen
Äquator. Er ist um etwa 62° gegen den Himmelsäquator
geneigt.Die Ursprünge unserer Erde und unseres Sonnensystems sind
eng verbunden mit der Struktur unseres Sternsystems, unserer Milchstraße.
Sie gehört zu der Kategorie der abgeflachten, diskusförmigen Spiralnebel.
(Vgl. die Galaxie-Haupttypen ).
Das wichtigste Merkmal eines Spiralnebels ist die Rotation seiner Sternmassen
ums Zentrum. ( ).
Die Sonne, eher den äußeren Regionen unserer Galaxis zugehörig,
benötigt ungefähr 237 Millionen Jahre (= 1 Kosmisches Jahr)
für die Umkreisung unseres galaktischen Zentrums.   Eine
Art Vorhof (Halo) um unsere Galaxis bilden Kugelsternhaufen, die eine deutliche
Konzentration zum galaktischen Zentrum zeigen. (Siehe Abbildung). Dies zeigt sich
z.B. daran, daß 50% aller Kugelsternhaufen in dem galaktischen Längenbereich
um ungefähr 360° (also Richtung Sternbild Schütze )
vorkommen. Die Kugelsternhaufen im Halo unserer Milchstraße, von denen einige
sich weit außerhalb der Scheibenebene befinden, sind gleich bei Beginn der
Entstehung unserer Galaxis entstanden, sind also 10 bis 14 Milliarden Jahre alt.
Allgemein gilt: Kugelsternhaufen beherbegen sehr viele der ältesten Sterne
des Universums und der Abstand voneinander beträgt 10 000 bis 100 000
Lichtjahre, das sind immerhin 94 605 000 000 000 000
bis 946 050 000 000 000 000 km oder 3070 bis 30700 pc
(parsec = Parallaxensekunde). Spektraluntersuchungen zeigen, daß die Sterne
in Kugelsternhaufen verhältnismäßig wenig schwere Elemente enthalten,
wie es eben auch für sehr alte Objekte angenommen werden darf. Überhaupt
gehören ja die Kugelsternhaufen zu den ältesten Objekten des Universums,
mindestens aber unserer Galaxis, wie gesagt. Gelegentlich wird je nach Grad der
Konzentration eines Kugelsternhaufens eine weitere Unterscheidung gemacht: Klassen
I bis XII, d.h. von einer sehr hohen Konzentration (Klasse I) bis zu einer sehr
niedrigen Konzentration (Klasse XII). Auch hinsichtlich ihrer chemischen Zusammensetzung
wird unterschieden: Gruppe der Metallärmeren im galaktischen Halo
versus Gruppe der Metallreicheren in der Nähe des galaktischen Zentrums
( )
und der galaktischen Scheibe ( ).
In unserer Galaxis existieren wahrscheinlich 200 bis 2000 Kugelsternhaufen, doch
150 davon sind bisher auch entdeckt worden. Die Durchmesser der Kugelsternhaufen
betragen übrigens nur 15 bis 350 Lichtjahre.In
unserer galaktischen Scheibe mit ihren Spiralarmen gibt es reichlich Gas für
die Entstehung neuer Sterne, und ausreichend hoch ist hier auch der Anteil an
schwereren Elementen und vor allem an Kohlenstoff in den Molekülwolken des
interstellaren Mediums ( ),
sodaß die Bildung von Planeten möglich ist, demzufolge also eventuell
auch: Leben auf der Grundlage der Kohlenstoffchemie ( ).
Allerdings: Auch in galaktischen Scheiben und Spiralarmen gibt es geignete und
ungeeignete Zonen. Hauptsächlich beruht das auf der Verteilung des
Metallgehalts, der vom Scheibenzentrum zum Rand hin abnimmt. Bei einem zu geringen
Metallgehalt in den Randbereichen der Scheibe wird die Bildung gesteins- und eisenhaltiger
Planeten immer unwahrscheinlicher. Nahe der Scheibenmitte ist der Metallgehalt
dagegen überproportional hoch und ausreichend Material für erdähnliche
Planeten vorhanden. Dafür taucht dort ein anderes Problem auf, das mit den
Spiralarmen zusammenhängt ...: Spiralarme entstehen aufgrund von Dichtewellen
und sind im Prinzip Zonen, in denen das Scheibengas im Vergleich zu den Bereichen
zwischen den Armen dichter ist. Die Spiralarme rotieren mehr oder weniger starr
mit konstanter Winkelgeschwindigkeit um das Zentrum. Das Scheibengas und die Sterne
rotieren dagegen differenziell, schneller in Zentrumsnähe und langsamer am
Rand der Scheibe. Insgesamt betrachtet dreht sich das System der Spiralarme jedoch
langsamer als das Scheibengas mit den Sternen. Das führt dazu, daß
das Scheibengas die Spiralarme überholt und der Reihe nach durchläuft.
Die Verdichtung, die das Scheibengas dabei in jedem Spiralarm erfährt, führt
zu einer Neubildung von Sternen. Das erklärt auch, warum die Spiralarme so
hell leuchten: Sie sind die Orte, an denen die jungen, gleißend hellen,
blau strahlenden Sterne geboren werden. In den Spiralarmen sterben aber auch viele
Sterne, vor allem die massereichen. Das hängt damit zusammen, daß massereiche
Sterne eine vergleichsweise kurze Lebenserwartung haben und sich trotz ihrer Bewegung
relativ zu den Spiralarmen in der kurzen Spanne ihres Lebens nicht weit von ihrem
Geburtsort entfernen. Wie wir schon wissen, enden massereiche Sterne in einer
Supernova mit den bekannten negativen Auswirkungen für Leben auf benachbarten
Planeten. Soweit die Fakten. Doch was hat das mit dem Leben zu tun? Wie
es scheint, kann man auch unserer Milchstraße eine habitable Zone (bewohnbare
Zone, d.h. Lebenszone; Anm. HB; vgl. Lebensgürtel )
zuweisen. Sie liegt etwa auf halber Entfernung zwischen dem Bulge und dem Rand
der Scheibe und scheint ziemlich schmal zu sein. Dort ist die Metallhäufigkeit
für erdähnliche Planeten ausreichend hoch und die Differenzgeschwindigkeit
von Spiralarmen und Scheibengas gering. Ein Stern, der hier gerade zwischen zwei
Spiralarmen liegt, verbleibt auch relativ lange in diesem von astronomischen Katastrophen
weniger bedrohten Bereich, sodaß dem Leben viel Zeit bleibt, sich zu etablieren.
Was bedeutet das für uns? Die Sonne rotiert mit einer Geschwindigkeit
von 220 Kilometern pro Sekunde in einer Entfernung von 26 000 Lichtjahren
um das Zentrum der Milchstraße, also ziemlich genau in der habitablen Zone
der Galaxis. Da die Spiralarme am Ort der Sonne nur etwa halb so schnell rotieren,
dauert es rund 500 Millionen Jahre, bis alle Spiralarme einmal durchlaufen sind.
Außerdem steht unsere Sonne gegenwärtig ziemlich genau zwischen zwei
Spiralarmen: in einem Bereich, in dem die Gefahr einer Supernova gering ist. Vielleicht
haben wir es nicht zuletzt diesen glücklichen Konstellationen zu verdanken,
daß das Leben auf der Erde Fuß fassen konnte. Inwieweit sich die Verhältnisse
in unserer Milchstraße auch auf andere Spiralgalaxien übertragen lassen,
ist schwer zu sagen. Im Allgemeinen sind sich Spiralgalaxien, was ihren Aufbau
und ihre Struktur betrifft, jedoch sehr ähnlich. (Harald Lesch, Big
Bang, zweiter Akt, 2003, S. 260-262).Obgleich eine Rotation der Milchstraße
Hunderte von Jahrmilliarden dauert, ist es seit der Bildung unserer Galaxis vor
10-14 Milliarden Jahren wahrscheinlich zu 20 oder mehr Verdichtungsstößen
durch Druckwellen gekommen. (Solche Druckwellen scheinen Geburtswehen
zu sein ).
Erreicht die Dichte einen kritischen Punkt, so beginnt sie sich unter dem Sog
der eigenen Schwerkraft rasch zusammenzuziehen. Eine typische Wolke dieser Art
enthält genug Materie für eine große Anzahl Sterne. Sie bricht
auseinander in kleinere Wolken, die weiter kontrahieren. Der damit verbundene
Temperaturanstieg führt zur Kernfusionen.Auch unsere Sonne ist aus
einem solchen Verdichtungsprozeß innerhalb einer Gaswolke hervorgegangen,
die sich dann zu dem uns bekannten Planetensystem weiterentwickelt hat. ( ).
Dabei spielte das Erbmaterial der vorherigen Sterne, das Material
aus ihren Supernova-Explosionen ( )
eine ganz entscheidende Rolle, weil diejenigen schweren Metalle, die schwerer
als Eisen (Fe) und Nickel (Ni) sind, nicht in Sternen, sondern durch Supernovae
entstehen können. ( ).
| |  | Einige
Daten zur Milchstraße |  | |  | Lebensgürtel |  |
| Gesamtmasse | Durchmesser | Mittlere
Dichte | Halo-Durchmesser |
 |
200 Milliarden Sonnenmassen | 100 000
Lichtjahre
| 0,1 Sonnenmassen pro Kubikparsec | 160 000
Lichtjahre | | | Dicke
im Kernbereich | Dicke
im Außenbereich | Offene Sternhaufen | Kugel- Sternhaufen |
| 16 000 Lichtjahre | 3 000
Lichtjahre | 15 000 (geschätzt) | 200
bis 2 000 (geschätzt) | | | | Assoziationen | Distanz
GZ-S | Distanz GE-S | Alter |
ca. 700 (geschätzt) | 28 000 Lichtjahre | 45 Lichtjahre | 10
bis 14 Milliarden Jahre | | | | Geschwindigkeit
beim Umlauf | Dauer
eines Umlaufs ums Zentrum | Mittlere
Distanz zwischen den Spiralarmen | | z.B.
der Sonne: 225 km/s | z.B. der Sonne:
237 Millionen Jahre | 4 000 Lichtjahre |
GZ = Galaktisches Zentrum; GE = Galaktische Ebene;
S= Sonne
Galaktische
Koordinaten
| | Diese
Koordinaten beziehen sich auf die Ebene der Milchstraße (Galaxis)
als Äquator. sie werden in galaktischer Länge und Breite angegeben. |
| Der Nullpunkt für die Zählung
der Länge ist die Richtung zum galaktischen
Zentrum im Sternbild Schütze
bei 28°55' (1950.0) bzw. 17h42m4. |
| Vom galaktischen Zentrum aus wird sie weiter Richtung Norden
von 0° bis 360° gezählt. Das sogenannte alte System hatte
seinen Nullpunkt beim Schnittpunkt des galaktischen Äquators mit
dem Himmelsäquator (l=33°) |
 |
Galaktisches Zentrum | Der Kern
unseres Milchstraßensystems (Galaxis) kann wegen der interstellaren Absorption
auf optischem Wege nicht beobachtet werden. Neuerdings gelingt es aber - mit radioastronomischen
Mitteln sowie mit Hilfe der Infrarot- und Röntgenstrahlung - den Kernberreich
unseres Milchstraßensystems zu erforschen. Das galaktische Zentrum wird
vor allem gebildet durch die Radioquelle Sagittarius A. Sie ist etwa
28 000 Lichtjahre von uns entfernt. Im zentrumsnahen Bereich rotiert unsere Galaxis
wie ein starrer Körper, also nahe dem Kern mit kleinerer, weiter außen
mit größerer Umlaufgeschwindigkeit. In etwas größerem Abstand
vom Zentrum nimmt die Umlaufgeschwindigkeit der Sterne, von kleinen Schwankungen
abgesehen, weiter langsam zu und erreicht in etwa 2000 Lichtjahren Abstand vom
Zentrum ein Maximum mit etwa 225 km/h. Weiter außen nehmen aber die Umlaufgeschwindigkeiten
nur sehr zögernd ab. Diese Verhältnisse stehen scheinbar im Widerspruch
zu den Keplerschen Gesetzen (Johannes Kepler, 27.12.1571 - 15.11.1630
),
nach denen die Umlaufgeschwindigkeit stetig vom Zentrum nach außen abnehmen
müßte. Tatsächlich hat man es hier aber in einem Sternsystem nicht
mit so übersichlichen Verhältnissen zu tun wie in unserem Sonnensystem,
da hier die Gesamtheit aller Sterne und anderer Massen statistische Wirkungen
hat, die dazu führen, daß sich die Keplerschen Gesetze selbst
in den äußersten Teilen eines Sternsystems nur langsam durchsetzen
können. Das ganze Milchstraßensystem, das auch Wolken interstellarer
Materie ( )
umfaßt, rotiert um das Zentrum.Die Sonne braucht rd. 250 Millionen
Jahre (= 1 Kosmisches Jahr) für die Umkreisung des Zentrums.
 
 |
Schütze | Die lateinische Bezeichnung für Schütze, ein
Sternbild des südlichen Himmels, ist Sagittarius. In der Astronomie
benutzt man die Abkürzung Sgr. Dieses Sternbild kann von mittleren
und nördlichen geographischen Breiten aus vor allem in Sommernächten
tief über dem Südhorizont beobachtet werden. Der Schütze ist gleichzeitig
ein Tierkreissternbild. Der alten Mythologie zufolge soll er der Erfinder von
Pfeil und Bogen gewesen sein. Im Schützen können besonders helle Teile
der Milchstraße beobachtet werden. Das galaktische Zentrum liegt im westlichsten
Rand des Schützen. Hier befindet sich auch die Radioquelle Sagittarius
A. Im Schützen kann man bereits mit kleinen Fernrohren eine sehr große
Zahl von offenen Sternhaufen, aber auch einige Kugelsternhaufen sehen. Dasselbe
gilt auch für einige helle Nebel. Dazu gehören z.B. der Trifidnebel
(vgl. Bild) und der Omega-Nebel. Eine starke Radioquelle im
Sternbild Schütze ist Sagittarius A, die mit dem Zentrum unserer
Galaxis identisch ist. Ihr Durchmesser beträgt etwa 40 Lichtjahre. Am Himmelsgewölbe
hat sie eine Ausdehnung von etwa 2°. Neuere Untersuchungen zeigen, daß
die Quelle außerordentlich kompliziert aufgebaut ist. Vor allem unterscheidet
man neuerdings zwischen der Radioquelle Sagittarius A-West, die eine
thermische Radiostrahlung aussendet, und der Quelle Sagittarius A-Ost,
die eine nichtthermische Radiostrahlung erzeugt und vielleicht der Überrest
einer alten Supernova ( )
sein könnte. Innerhalb der Radioquelle Sagittarius A-West liegt ein kompakter
Kern, die Radioquelle Sagittarius A*. Sie ist vermutlich das eigentliche
Zentrum unserer Galaxis. Mit hoher Wahrscheinlichkeit befindet sich dort ein Schwarzes
Loch, das mehr als 2 Mio. Sonnemassen ausmacht. ( ).
Die Radioquelle wird noch von einem Halo mit thermischer und nichtthermischer
Radiostrahlung umgeben. Weitere äußere Teilbereiche sind die Radioquellen
Sagittarius B2, B und C. -
Ein riesiges Schwarzes Loch im Zentrum unserer Galaxis! - (Ein
riesiges Monster mit ungefähr 4 Millionen Sonnenmassen!)
Ein
Schwarzes Loch ist ein Objekt, das entweder durch einen gravitativen
Zusammensturz von Materie (Gas und Staub) oder durch einen gravitativen Kollaps
am Ende der Entwicklung eines Sterns entstanden ist. Ein Schwarzes Loch hat
an seiner Oberfläche eine so enorm starke Schwerebeschleunigung, daß
nicht nur materielle Teilchen, sondern auch sämtliche elektromagnetische
Strahlen - wie z.B. Licht, Radiowellen u.s.w. - das Schwarze Loch nach
außen nicht verlassen können. Es kann also auf direktem Wege
von außen nicht nachgewiesen werden.Das Schwarze Loch im
Zentrum der Galaxis hat riesige Ausmaße, z.B. einen Radius von ca. 9 Millionen
km, einen Durchmesser von ca. 18 Millionen km! (Vgl. Abbildung).
Dieses Schwarze Loch ist so supermassiv wie kein zuvor entdecktes Objekt.
Im Vergleich dazu ist das erste entdeckte Schwarze Loch, es heißt
Cygnus X-1, mit seinem Radius von ca. 50 km, seinem Durchmesser von ca. 100 km
um das 180000fache kleiner und selbst im Vergleich zu unserem Mond oder zum Planeten
Merkur noch ein Zwerg. Schwarze
Löcher sind sehr wahrscheinlich besonders wichtig für das Verständnis
der Entstehung von Galaxien. Als unser Universum ungefähr 1 000 000 000 Jahre
alt war, bildeten sich weiße Regionen; die Fluktuationen in
der Verteilung der Materie nahmen zu. In Bereichen höherer Dichte sammelte
sich immer mehr Materie an. Durch diesen Prozeß entstanden Anhäufungen
von Gasen und Staub: (ur)galaktische Samenkörner, und (wie) diese Samenkörner,
um die sich Galaxien bilden, sind vermutlich Schwarze Löcher, also:
Förderer vieler Sterne und Galaxien. Die Frage, ob Schwarze Löcher
oder Galaxien zuerst da waren, ist damit beantwortet, oder? Weil schon im
noch jungen Universum ein Schwarzes Loch in dichtem Gas entstehen und durch
seine sehr starke Anziehungskraft noch mehr Gas an sich binden konnte, konnte
sogar eine so sehr dichte Ansammlung an Gas erreicht werden, daß viele Sterne
und eine erste Galaxie entstehen konnten. Noch ist das zwar Theorie, aber wahrscheinlich
ist es wirklich so, daß Schwarze Löcher die größte
treibende Kraft bei der Entstehung von Galaxien sind.Schwarze Löcher
verschlucken alles, was in ihre Nähe kommt. Im Zentrum einer Galaxie ist
es deshalb so hell, weil das Schwarze Loch von der Galaxie mit Sternen,
Gas und Staub versorgt und gefüttert wird, und erst dann satt ist, mit dem
Wachsen aufhört, wenn es etwa 0,1 % bis 0,2 % der Masse seiner Wirtsgalaxie
erreicht hat. Die Wirtsgalaxie wird also nicht verbraucht. Das Schwarze Loch
im Zentrum der heute ca. 10 bis 14 Milliarden Jahre alten Milchstraße soll
bereits nach 50 bis 100 Millionen Jahren satt gewesen sein; seitdem wächst
es nicht mehr, sendet kein intensives Licht mehr. Dies könnte sich bei Vergrößerung
unserer Galaxie aber wieder ändern, z.B. durch den in ungefähr 3 Milliarden
Jahren beginnenden Zusammenprall mit unserer Nachbargalaxie Andromeda. Bei einem
solchen Prozeß ist die Annäherungsgeschwindigkeit so hoch, daß
die beiden Galaxien sich nach erster Interaktion zunächst aneinander
vorbei bewegen, doch danach durch ihre Anziehungskräfte sich wieder annähern,
die Interaktionen mehrere Male wiederholen und am Ende zu einer Einheit
verschmelzen. Durch die Verschmelzung werden die Spiralformen der beiden Galaxien
in eine einzige Ellipse umgewandelt. | **)
Oppenheimer-Volkoff-Grenze Bezeichnung der oberen
Massengrenze für einen Neutronenstern (= hauptsächlich aus Neutronen
bestehender Stern, der am Ende seiner Entwicklung steht). Oberhalb von etwa 3
Sonnenmassen (999 000 Erdmassen bzw. 3000 Jupitermassen) reicht der Elektronen-
und Neutronendruck nicht mehr aus, einen solchen Stern stabil zu halten. In einem
Gravitationskollaps stürzt das Objekt zu einem Schwarzen Loch zusammen.
**) Schwarzschild-Radius Der
Radius eines extrem dichten Körpers, an dessen Oberfläche die Fluchtgeschwindigkeit
gleich der Lichtgeschwindigkeit ist ( ).
Derartige extreme Zustände können bei einem Schwarzen Loch auftreten.
Die Oberfläche wird als Ereignishorizont bezeichnet ( ).
Der Schwarzschild-Radius beträgt 2 G M/c². Dabei ist G die Gravitationskonstante,
M die Masse und c die Lichtgeschwindigkeit. Für unsere Sonne
würde der Schwarzschild-Radius 2,9 km, für die Erde 0,9 cm betragen,
falls diese Körper zu einem Schwarzen Loch degenerieren könnten.
Allerdings dürften sich solche massearmen Körper wohl nicht in ein
Schwarzes Loch verwandeln.
|
Ein Schwarzes Loch kann dann aus einem Stern hervorgehen,
wenn der Stern am Ende seiner Entwicklung mindestens eine Masse von ungefähr
3,2 Sonnenmassen (Oppenheimer-Volkoff-Grenze **)
zurückbehält. Masseärmere
Sterne entwickeln sich nur bis zu einem Weißen Zwerg ( )
oder einen Neutronenstern, d.h. zu einem hauptsächlich aus Neutronen
bestehenden, am Ende seiner Entwicklung stehenden Stern. Der Radius eines Schwarzen
Lochs entspricht dem Schwarzschild-Radius **.
Die kollabierende Masse fällt aber darin unweigerlich noch weiter in sich
zusammen. Der Kollaps endet mit einer Singularität, in einem Punkt mit unendlicher
Dichte. ( ).
Für ein derartiges Gebilde versagt jegliche Physik: Singularität
ist ein Bereich im Raum-Zeit-Kontinuum, in dem die bekannten physikalischen
Gesetze keine Geltung besitzen. Eine Singularität ist wahrscheinlich
der Zustand im Zentrum eines Schwarzen Lochs - wie der Zustand Urknall
( ).
Der Erignishorizont
ist die Grenze eines Schwarzen Lochs oder einer Region im Raum, von
der aus keine Materie und keine Strahlung nach außen hin entweichen
kann.Die früheren Betrachtungen über Schwarze Löcher
wurden jedoch ohne Berücksichtigung quantenmechanischer Effekte durchgeführt.
Mit ihnen könnte der Kollaps zu einer echten Singularität wahrscheinlich
vermieden werden. ( ).
Der Kollaps zu einem Schwarzen Loch ist mit einer Supernova ( )
verbunden, aber nicht jede Supernova führt zu einem Schwarzen Loch,
sondern z.B. auch zu Neutronenstern. (Vgl. oben
).
Obwohl Schwarze Löcher nicht auf direktem Wege nachgewiesen werden
können, sind sie prinzipell nachweisbar, wenn sie z.B. Komponenten eines
Doppelstern-Systems sind. In solchen Fällen fließt Materie von dem
sichtbaren Stern auf das Schwarze Loch, sammelt sich in einer Accretions-Scheibe
um dieses und stürzt schließlich in das Schwarze Loch. In der
Accretions-Scheibe wird eine Röntgenstrahlung erzeugt. Einige Quellen von
Röntgenstrahlen, die in den letzten Jahren gefunden wurden, stehen stark
im Verdacht, mit Schwarzen Löchern im Zusammenhang zu stehen. Wenn
Schwarze Löcher nachweisbar sind, müssen sie auch sichtbar gemacht
werden können. Zieht nämlich ein Schwarzes Loch an einem Stern
vorbei, wird dieser durch jenes verdunkelt- vorausgesetzt natürlich, daß
aus Sicht des Beobachters der Stern sich im Hintergrund, das Schwarze Loch
sich also vor ihm befindet.Die oft superdichten
Kerne der Galaxien, besonders die der Quasare (punktförmig erscheinende Objekte
mit meist starker Radiostrahlung) und aller sogenannter aktiven Galaxien dürften
vermutlich aus Schwarzen Löchern von vielen Mio. Sonnenmassen bestehen.
Derartige Riesenmonster hätten demzufolge - gerechnet bis zum
Schwarzschild-Radius **
- nahezu die Ausdehnung unseres Planetensystems und eine Dichte, die in der Nähe
von 1 g/cm³ liegt! Schwarze Löcher
können sich auch wieder auflösen. Möglicherweise gibt es auch restliche
Schwarze Löcher aus den Anfängen unseres Universums, die im Laufe
der Zeit wieder zerfallen. In der Theorie könnten Schwarze Löcher
über eine oder mehrere Einstein-Rosen-Brücken (Wurmlöcher)
mit anderen Schwarzen Löchern (bzw. Weißen Löchern)
zwei verschiedene, weit entfernte Teile unseres Universums oder zwei ganz verschiedene
Universen verbinden. Ob es aber diese Brücken in der Realität gibt,
entzieht sich unserer Erkenntnis. Es ist auch schwer vorstellbar, daß diese
Brücken für Zeit- und Raumreisen im großen Stil nutzbar gemacht
werden können. Theoretisch aber ist dies möglich. Der
endlose Raum - ist er angefüllt von ineinander verschachtelten und hierarchisierten
Universen, die blasenförmig strukturiert sind? Ist der (selbstproduzierende)
Kosmos ein Verzweigungsbaum eines Geflechts inflationärer Blasen, wobei jede
Blase einem Urknallsystem entspricht?     Denn:
Es widerspricht nicht den gängigen Theorien über die Entstehung
des Universums, daß sich aus dem Quantenschaum des Vakuums fortwährend
Blasen abschnüren, die zu neuen Universen expandieren. ( ).
Jedem dieser Universen liegen vermutlich andere Anfangsbedingungen zugrunde, und
in jedem bestimmen andere Gesetzmäßigkeiten und Naturkonstanten die
Entwicklungsgeschichte. Bei einer riesigen, vielleicht sogar unendlichen Anzahl
von Paralleluniversen muß zwangsläufig auch eines dabei sein, dessen
Feinabstimmung der Parameter genau der unseren entspricht. Da wir jedoch prinzipiell
nicht über den Rand unserer Blase hinaussehen können - und in Anbetracht
der andersartigen Gesetzmäßigkeiten -, werden wir über diese Universen
leider nie etwas in Erfahrung bringen. Vielleicht muß man analog zur biologischen
Evolution die spezielle Einstellung der Parameter unseres Universums als das Ergebnis
einer Evolution der Naturkonstanten betrachten: Aus einem Universum könnten
»Tochteruniversen« hervorgehen, wobei sich die Naturkonstanten leicht
verändert vererben. Universen mit »schlechten Genen«, zum Beispiel
einer zu großen Gravitationskonstante, würden schnell wieder kollabieren,
von der Bühne verschwinden und aussterben. Andere mit »besseren Genen«
würden sich weiter »fortpflanzen«. Wie in der Biologie würden
schließlich die Arten dominieren, welche die größte Anzahl von
Nachkommen hervorbringen. Doch wie soll man sich den Mechanismus der Fortpflanzung
bei einem Universum vorstellen? Der Quantenphysiker
Lee Smolin glaubt die Lösung in der Entstehung Schwarzer Löcher am Ende
des Lebens massereicher Sterne gefunden zu haben. Seiner Meinung nach sind die
Zustände in einem Schwarzen Loch nicht von denen des Urknalls zu unterscheiden.
In beiden Fällen handelt es sich um eine Singularität, einen Zustand
extremer Dichte, Temperatur und Energie. Könnte es aufgrund dieser Analogie
nicht sein, daß hinter dem Ereignishorizont eines Schwarzen Lochs ein neues
Universum entsteht? Smolin hält es für möglich. Wenn die
Parameter des neuen Universums die Bildung von Sternen begünstigen, wird
es viele neue Schwarze Löcher hervorbringen und sich weiter fortpflanzen,
andernfalls aber aussterben. Anders ausgedrückt: Nur Parameterkombinationen,
die zahlreiche Sterne hervorbringen, werden auch zahlreiche Nachkommen haben.
Das entspricht dem Prinzip der Evolution und Auslese, wie wir es aus der Biologie
kennen, nur daß hier die Naturkonstanten die Rolle der Gene übernehmen.
Laut dieser Hypothese wäre eine Vielfalt von Universen möglich, die
unentwegt neue Sterne hervorbringt, welche sich weiterentwickeln, zu Schwarzen
Löchern kollabieren und wiederum neue Universen entstehen lassen. Die Sternentwicklung
wird zwar aufgrund der jeweiligen Parameterwerte jedesmal etwas anders verlaufen,
aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis irgendwann einmal ein Universum auftaucht,
dessen Naturkonstanten die Bildung von Elementen, Molekülen und schließlich
auch die Existenz von Leben ermöglichen, ein Universum mit »unseren«
Naturkonstanten. Damit wäre die Entstehung von Leben auch auf der kosmischen
Ebene das zwangsläufige Ergebnis einer langen natürlichen Entwicklungsreihe.
Weder der Zufall noch eine übergeordnete Macht hätten dem Leben auf
die Beine geholfen, sondern dies wäre einer Reihe physikalisch bedingter
Ausleseprozesse zu verdanken gewesen. Und was ist mit den vielen anderen Universen
? Unter ihnen gäbe es sicher einige, die unserem Universum sehr ähnlich
wären, vielleicht auch mit einer gleichartigen Form von Leben. Leider werden
wir nie erfahren, wie das »Parallel-Leben« aussieht, geschweige denn,
was sich wirklich in einem Schwarzen Loch abspielt oder beim Urknall geschah.
(Harald Lesch, Big Bang, zweiter Akt, 2003, S. 401-403). |
Elektromagnetisches Spektrum
| KS |
GS | RS |
UV IV | UV
III | UV II | UV
I | Violett | Blau | Grün | Gelb | Orange | Rot | IR
I | IR II |
IR III | IR
IV | MW | RW | LW |
 |  |  | Ultraviolett | Sichtbar | Infrarot |  |  |  | bis 104 nm | 105 bis 101 nm | 103 bis 10 nm | 10 bis 100 nm | 100 bis 200 nm | 200 bis 300 nm | 300
bis 380 nm | 380 bis 420
nm | 420 bis 480 nm | 480 bis 560
nm | 560 bis 580 nm | 580 bis 630
nm | 630 bis 780 nm | 780 bis 1500
nm | 1500 bis 6000 nm | 6000 bis 40000 nm
| 40000 bis 1 Mio. nm | 106 bis 109 nm | 109 bis 1014 nm | ab 1014 nm |
Das
elektromagnetische Spektrum reicht also von den unendlich kurzen Wellen der kosmischen
Strahlung bis zu den unendlich langen Wellen. Je
kürzer eine elektromagnetische Welle, desto stärker die Wirkung der
Strahlung. Bei den längeren Wellen wird meistens die Frequenz angegeben -
schwingt die Welle pro Sekunde z.B. nur einmal, so schwingt sie mit einem Hertz
(1 Hz). Bei den kürzeren Wellen wird meistens die Energie angegeben, die
ein Strahlungsteilchen (sprich: Photon) transportiert; diese Energie ist nämlich
gleich der Frequenz der Strahlung multipliziert mit der vom deutschen Physiker
Max Planck **
entdeckten Naturkonstante, dem Planckschen Wirkungsquantum ( ).
Als Energieeinheit benutzt man das Elektronenvolt (eV).
Spektralklassen, Spektraltypen, Leuchtkraftklassen und absolute visuelle Helligkeiten
der Sterne
Spektralklassen (Klassifikation der Sterne nach ihrem Spektrum)  |
| W | Sehr
helles Kontinuum, auf dem breite Emissionsbanden von Wasserstoff sowie neutralem
und ionisiertem Helium liegen. Vgl. Wolf-Rayet-Sterne, die von expandierenden
Gashüllen umgeben und meist Komponenten enger spektroskopischer Doppelsterne
sind. (Beispiel: g² Velorum). |
| O | Helles
Kontinuum, auf dem Absorptionslinien von neutralem Helium, Wasserstoff und einfach
ionisiertem Sauerstoff liegen. (Beispiel: z Puppis
mit O5). | | B | Kontinuum,
auf dem vor allem Absorptionslinien des neutralen Heliums sichtbar sind. Je näher
sie an den Typ B9 kommen, desto schwächer werden sie, während verstärkt
Wasserstoff-Linien auftreten. (Beispiel: Algol mit B8). | | A | Das
Spektrum wird von Wasserstoff-Linien beherrscht, obwohl sie gegen A9 hin etwas
schwächer werden. Einige Metall-Lnien treten auf, ebenso gegen A9 hin die
Linien H und K des einfach ionisierten Calciums. (Beispiel: Sirius mit A0). |
| F | Die
Wasserstoff-Linien sind weiter abgeschwächt und die Linien H und K verstärkt.
Das sogenannte G-Band entsteht durch nicht beieinander liegende Linien von Eisen,
Titan und Calcium. (Beispiel: Canopus mit F0 oder Prokyon mit F5). |
| G | Die
Linien H und K sind am stärksten, die Wasserstoff-Linien dagegen noch schwächer.
Zahlreiche Metall-Linien treten auf. Gegen G9 hin sind die Eisen-Linien sogar
stärker als die Wasserstoff-Linien. (Beispiel: Sonne mit G2 ). |
| K | Das
Kontinuum wird auf der kurzwelligen, blauen Seite merklich schwächer. Am
stärksten ist das G-Band. Die Wasserstoff-Linien sind kaum mehr sichtbar.
Banden von Titanoxid treten auf. Die Linien H und K sind sehr stark. (Beispiel:
Arktur mit K0 oder Aldebaran mit K5). Vgl. Rote Riesensterne ( )
und Rote Zwergsterne ( ). |
| M | Die
Titanoxid-Banden sind am stärksten. Das G-Band ist in einzelne Linien aufgelöst.
Das kurzwellige Ende des Kontinuums ist fast ganz verschwunden. (Beispiel: Beteigeuze
mit M2). Vgl. Rote Riesensterne ( )
und Rote Zwergsterne ( ). |
| R | Cyan-
und Kohlenstoffmonoxid-Banden herrschen vor. | | N | Ähnlich
wie R; jenseits von 450 nm ist kein Kontinuum mehr feststellbar. Wegen der bei
den Klassen N und R auftretenden Kohlenstoff-Banden werden diese Sterne auch als
Kohlenstoffsterne bezeichnet. | | S | Ähnlich
M und N, mit Zirkonoxid-Banden. |
R, N, S
gehören zu den Sonderklassen; sie treten nur selten auf.  |
Der Zusammenhang zwischen Spektraltyp
(der Spektralklassen ),
Temperatur und Farbe  |
| Typ | Effektive
Temperatur in K | Farbe | Ungefähre
Beispiele |  |
| O5 | 35
000 | weiß | i
Orionis, z Puppis | | B0 | 22
000 | weißgelb | Spika,
e Orionis | | A0 | 10
700 | hellgelb | Sirius,
Wega, g Ursae Maioris | | F0 | 7
400 | reingelb | Canopus,
i Aquilae | | G0 |
5 900 (Zwerge) 5 200 (Riesen)
| tiefgelb | Capella,
Sonne |
| K0 |
4 900 (Zwerge) 4 100 (Riesen)
| rötlichgelb | Arktur,
g Leonis, e Cygni |
| M0 |
3 600 (Zwerge) 3 400 (Riesen)
| orange | Beteigeuze,
Antares, b Andromedae |
| T = Temperatur; W = Wellen; F = Frequenz |
Spektraltypen (der Spektralklassen ),
Leuchtkraftklassen und absolute visuelle Helligkeiten  |
| Typ | Leuchtkraftklassen | Unterzwerge | Weiße
Zwerge | Population
II | | Ia | Ib | II | III | IV | V | Blauer
Ast | Roter Ast |
| O5 | | |
| -6m, | | -5m,1 | | | | |
| B0 | -6m,4 | -5m,9 | -4m,8 | -4m,0 | | -3m,2 | | | | |
| B5 | | -5m,5 | -4m,8 | -3m,0 | | -0m,9 | | | | |
| A0 | -6m,4 | -5m,3 | | -1m,5 | | +0m,6 | | +13m, | 0m,0 | |
| A5 | | -5m,0 | | 0m,0 | | +2m,0 | +4m,0 | | -0m,3 | |
| F0 | -6m,4 | -4m,7 | -0m,7 | | +3m,0 | +3m,0 | +4m,8 | | -0m,8 | |
| F5 | | -4m,5 | -1m,3 | | +3m,2 | +3m,9 | +5m,7 | | -1m,8 | +2m |
| G0 | | -4m,2 | -1m,6 | +0m,8 | +3m,2 | +4m,6 | +6m,4 | +14m, | -3m,1 |
| G5 | | -4m,2 | -1m,8 | +0m,5 | +3m,1 | +5m,3 | +7m,1 | | | |
K0 | | -4m,2 | -2m,0 | +0m,4 | +2m,9 | +6m,2 | +8m,0 | +14m | | |
| K5 | -6m,0 | -4m,2 | -2m,2 | -0m,1 | | +7m,6 | +9m,6 | | | |
| M0 | -6m,0 | -4m,2 | -2m,3 | -0m,3 | | +8m,8 | +10m,8 | | | |
| M2 | | -4m,2 | -2m,3 | -0m,4 | | +9m,8 | +11m,7 | | | |
| M5 | | | | -0m,4 | | +12m,0 | +13m,9 | | | |
| M8 | | | | | | +16m | | | | |
Anmerkung: Die Leuchtkraftklasse I wird unterteilt in Ia (helle Überriesen)
und Ib (schwächere Überriesen = c-Sterne). Unsere Sonne
(Spektraltyp G2) gehört zur Leuchtkraftklasse
V und hat eine absolute visuelle Helligkeit von +4m,87.
| |
| Um
die Menscheit zu retten - ihr eine neue Heimat zu geben -, gibt es nur 2 Möglichkeiten:(I)
Besiedlung eines Sonnensystem-Körpers, z.B. durch Terraforming.  (II)
Suche nach Möglichkeiten zu einer Besiedlung außerhalb des Sonnensystems,
z.B. durch ein Weltraum-Nomadentum und spätere Seßhaftwerdung.  Unser
Sonnensystem ist aus einer Wolke kosmischer Materie hervorgegangen.  **)
Immanuel Kant (1724-1804), Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels
(und der Planetenbewegungen), 1755.  Die
Sonne und ihre Planeten im Größenverhältnis Verdichtung
durch Gravitation erhitzte den Kernbereich der entstehenden Sonne, bis Kernreaktionen
einsetzten. Wärmestrahlung, Gravitation und Zentrifugalkraft trieben Teile
der nunmehr scheibenartig abgeflachten, rotierenden Masse nach außen. Schwere
Materie sammelte sich nahe der jungen Sonne und bildete die inneren Planeten,
leichtere Materie die äußeren Riesenplaneten.
Das Zentralegestirn unseres Planetensystems, die Sonne, ist ein durchschnittlicher
Stern, der aber infolge seiner Nähe astronomisch sehr gut erforscht werden
kann. Die chemische Zusammensetzung der Sonne ergibt sich aus den Beobachtungen
des Sonnenspektrums. Der Massenanteil des Wasserstoffs beträgt in der Atmosphäre
und an der Oberfläche 70,1%, Helium trägt 27,9% bei. Auf Elemente schwerer
als Helium, die sogenannten Metalle entfallen nur 2%. Wegen der Verwandlung
von Wasserstoff in Helium im Kern der Sonne durch Kernfusionsprozesse ist aber
der Anteil des Wasserstoffs zugunsten von Helium dort etwas geringer. Im innersten
Kern der Sonne, soweit die Temperaturen über etwa 10 Mio. K liegen, werden
in jeder Sekunde etwa 655 Mio. t Wasserstoff in 650 Mio. t Helium verwandelt.
Der Massendefekt von 5 Mio. t pro Sekunde wird jeweils in Energie verwandelt.Man
kommt nicht umhin, die Sonne, das Sonnensystem samt Planeten, insbesondere Jupiter
und die inneren Planeten (v.a. die Erde) als ein im Universum außerordenlich
entwickeltes Zusammenspiel, als zufälliges Gesamtphänomen
zu betrachten. ( ).
Wir Menschen sind nicht nur Sternwesen, sondern haben auch noch das
außerordenliche Jupiter-Glück ( ),
auf der Erde als Intelligenztiere und dank unserer Sprache zumindest
geistig ein Universum nachbauen zu dürfen.   Für
Venus, Erde und Mars bahnte sich zunächst mit der Stabilisierung der Sonne
der gleiche evolutionäre Prozeß an. Kohlendioxid und Wasserdampf waren
die Hauptbestandteile der ursprünglichen Atmosphären. Auf der Venus
war die Temperatur hoch genug, das Wasser gasförmig zu halten. Wasserdampf
und Kohlendioxid bewirkten in der Atmosphäre eine Aufheizung (Treibhauseffekt).
Strahlungsenergie der Sonne durchdringt die Venus-Atmosphäre und erwärmt
den Boden. Dieser strahlt Wärmeenergie zurück, jedoch in Wellenlängen
des Infrarotbereiches. die von Kohlendioxid und Wassermolekülen absorbiert
und damit nicht in den Weltraum abgestrahlt werden. So kam es in der Folge zu
einer weiteren Aufheizung der Venusoberfläche, deren Temperatur heute bei
475° liegt.
Der
4. Planet unseres Sonnensystems ist etwa 227,9 Mio. km (= 1,524 AE) von der Sonne
entfernt. Seine Masse beträgt nur 10% der Erdmasse ( ),
was sich vor allem durch den Umstand aus der Frühzeit des Sonnensystems erklärt,
als Jupiter einen Großteil der Masse, die für den Mars bestimmt war,
in Richtung auf die Erde lenkte und sich dadurch als Geburtshelfer der Erde erwies.
Auf dem Mars sind die Jahreszeiten wegen der Bahnexzentrizität
unterschiedlich lang. Für die Nordhalbkugel dauert der Frühling 199,6
Tage, der Sommer 181,7 Tage, der Herbst 145,6 Tage und der Winter 160,1 Tage.
Auf der Südhalbkugel sind die Verhältnisse ungekehrt. |
Wo
ist unser Zuhause?
Angesichts der unendlichen Weiten, möchte man
nicht glauben, daß im Unendlichen unser Zuhause, unsere Heimat ist.
Seit der Neuzeit, spätestens aber seit der Moderne ist offenbar, daß
es doch in dieser gähnenden Leere liegt, die von Kosmos-Inseln durchzogen
ist. Planeten, Sterne, Galaxien und Galaxienhaufen sind tatsächlich nichts
anderes als Inseln im Universum. Unserer schöne Erde umkreist im
Sonnensystem dessen Zentrum, die Sonne, die sich ca. 30 000 Lichtjahre vom
galaktischen Zentrum entfernt befindet. Die Größen-und Massenverhältnisse
der neun Planeten und ihrer vielen Satelliten im Vergleich zur Sonne sind bemerkenswert:
mehr als 99% der Sonnensystem-Masse vereint die Sonne in sich, während Jupiters
Magnetfeld die größte Struktur des Sonnensystems darstellt und Jupiter
doppelt mehr Energie abgibt als er bekommt. ( ).
Die Erde ist hier also eine Insel im See einer Insel. Unser Zuhause,
unsere Heimat, ja jedes unserer Nester hat immer auch einen Inselcharakter.
( ).
Sonne
und Sonnensystem
Neue Sterne entstehen aus den Verdichtungen in der interstellaren Materie.
( ).
Von besonderer Bedeutung sind dabei die Rotationsbewegung der Spiralnebel ( )
und ihre gewundenen Arme, die auch unsere Galaxie ( )
kennzeichnen und gewaltige Mengen an Materie enthalten. Die Ursprünge des
Sonnensystems und damit auch der Erde sind also eng verbunden mit der Struktur
unseres Sternsystems, der Milchstraße. Sie gehört zu der Kategorie
der abgeflachten, diskusförmigen Spiralnebel. Wichtigstes Merkmal des Spiralnebels
ist die Rotation seiner Sternamassen um ein Zentrum. ( ).
Die Sonne, eher den äußeren Regionen unserer Galaxis zugehörig,
benötigt rund 250 Millionen Jahre (= Ein Kosmisches Jahr )
für die Umkreisung des Zentrums, daß zur Zeit bei 29° Schütze
liegt.  Schon
Immanuel Kant **
war sich sicher, daß die Sonne aus einer kosmischen Wolke entstand und durch
die Fliehkraft der sich noch sehr schnell drehenden Sonne eine Staubscheibe mit
frei beweglichen Teilchen sich bildete, in der dann die Planeten zusammengeklebt
wurden. ( ).
Planeten entstehen also als Ansammlungen von Sonnenstaubteilen und
Sonnen bzw. Sonnensysteme in einer sich drehenden Gaswolke, die so dicht
geworden ist, daß sie kollabiert. Diese Gaswolke muß ihren Drehimpuls
- ihre Drehenergie - loswerden, damit ein Stern, ein Doppelsternsystem oder ein
sonstwie geartetes Sonnensystem entstehen und diesen Drehimpuls übernehmen
kann. Der Drehimpuls steckt danach in dem neuen System - zumeist aus 2 sich umkreisenden
Sternen (Doppelsterne) oder aus einem Stern mit jupiterähnlichem Begleiter,
manchmal aber auch aus einem Stern mit mehreren Planeten bestehend. Unser Sonne-Planeten-System
scheint also eher eine Seltenheit oder gar ein Wunder zu sein: ein Zufallsprodukt
im zufällig entstandenen Universum. ( ).
Ziemlich sicher scheint auch zu sein, daß
nur 750 000 Jahre vor der Geburt des Sonnensystems eine Supernova
( )
in der Nähe stattfand, die eigentlich nichts anderes bedeutet als eine galaktisch-intestellare
Befruchtung. ( ).
Reiner Sauerstoff (O16), der nur in Supernova-Explosionen
entstehen kann, wurde z.B. in Kometen gefunden, die aus benachbarten, also nicht-sonnensystemischen
Gebieten stammen und ab und zu, als Meteoriten, die Erde treffen. ( ).
Eine Supernova hat es aber seit Bestehen des Sonnensystems (4,5-5 Mrd J.) in seiner
unmittelbaren Nähe - im Umkreis von 50 Lichtjahren - nicht mehr gegeben.
Das erzählt uns jedenfalls das Sedimentgestein der Erde.Die
Sonne, über 99% der Sonnensystem-Masse ausmachend, ist unser Energiespender
und in unserem System deshalb auch der Hauptgarant für die Evolution, also
auch für das Leben auf unserem Planeten. Systemintern sorgt Jupiter dafür,
daß das auch so bleibt, denn er schützt die inneren Planeten. ( ).
Wenn die Sonne nicht binnen kurzer Zeit (ca. 1 Mio. Jahre) einen fast zur Sonne,
dann zum großen, auf ideale Distanz gehenden und relativ selbständigen
Jupiter bekommen, sondern statt dessen ihr Material in die Unendlichkeit geblasen
hätte, wäre unser Planetensystem mit der späteren Evolution nicht
entstanden. Noch in der Frühzeit wurde der Energie- und Materialspender Sonne
ruhiger und übertrug seinen Drehimpuls zu über 99% auf die sie umkreisenden,
werdenden Planeten, die dadurch die Möglichkeit erhielten, sich selbst zu
drehen. Das ist vorteilhaft für die Evolution, weil es auf einem Planeten,
der sich selbst dreht, Tag und Nacht gibt, d.h. daß die der
Sonne zugewandte Seite auch abgekühlt und die der Sonne abgewandte Seite
auch erwärmt werden kann. Der Sonne ist gleich
in die Wiege gelegt worden, daß sie sich in ihrer frühen Kindheit
ziemlich eigenwillig verhalten, dann ihren Drehimpuls behalten oder auf Planeten
übertragen darf, um ruhiger zu werden, aber letztlich auch sterben muß.
Im Fast-Renten-Alter wird sie immer heißer werden, sich als
Roter Riese ( )
aufblähen, als Roter Überriese Merkur und Venus verschlingen
und auch der Erde bedrohlich nahe kommen, danach als Weißer Zwerg
( )
abkühlen und wegen ihrer thermischen Energie sogar noch mindestens 10 Milliarden
Jahre weiter leuchten, und im Endstadium als Schwarzer Zwerg ( )
ein Körper aus kaltem, entartetem Gas sein. Mit ihrem Tod werden auch die
innerern Planeten verschwunden sein, während die übrig gebliebenen Planeten
noch um das Zentrum kreisen werden, das zwar noch genauso schwer, aber absolut
klein und dunkel sein wird.  So
sicher die Sonne die Planeten und das Leben gespendet hat, so sicher wird sie
sich eines Tages gegen die Planeten und das Leben wenden:Die
Sonne hat die Hälfte ihres Aktiv-Alters (Kernfusionsalters) fast
beendet oder sogar schon überschritten, und die 2. Hälfte ihres Aktiv-Alters
heißt auch, daß die Sonne sich gegen ihre Planeten wenden muß.
Die Temperatur der Sonne steigt nämlich seitdem um 10% pro 1 Mrd. Jahre.
In 1 Mrd. Jahren wird die Erde das bereits zu spüren bekommen, in ca. 2 bis
3 Mrd. Jahren wird sie bereits ein ähnliches Treibhaus sein,
wie es die Venus jetzt schon ist. Schließlich wird die Erde verdampfen,
weil die Sonne noch heißer geworden sein wird. Der Mars wird dadurch, aber
auch nur noch für ca. 0,5 Mrd. Jahre, in die Rolle der heutigen Erde schlüpfen,
d.h. auf ihm könnte Leben erwachen: zum 2. Mal, denn in der Frühzeit
gab es wahrscheinlich schon einmal Leben auf dem Mars. Langfristig wird aber auch
der Mars zu heiß. Dann bleiben dem Leben nur noch die Gasgiganten als Fluchtmöglichkeit.
Jupiters Mond Europa beherbergt vielleicht sogar jetzt schon Leben. In späten
Zeiten des Planetensystems wird vielleicht auch Saturns Titan Leben entwickeln,
d.h. von der aufgeblähten, heißer gewordenen Sonne profitieren. Trotzdem:
Die Zeit der Merkur und Venus verschluckenden Sonne wird zu Ende gehen. Die Sonne
wird sterben müssen, und dieser Sonnenuntergang bedeutet tatsächlich,
daß hier alle Lichter ausgehen werden.   Aus
all dem folgt, daß auch das Leben auf der Erde die 2. Hälfte seines
Alters erreicht hat bzw. gerade dabei ist, sie zu erreichen. Das primitive
Leben auf der Erde wird, weil fast so alt wie die Erde selbst, fast so lange
exisitieren wie die Erde selbst. Erst etwa 0,57 Mrd. Jahre alt ist das höhere
Leben (ich nenne es auch: das phanerozoische Leben )
auf der Erde. Und wenn es ebenfalls die 2. Hälfte seines Alters erreicht
hat bzw. gerade dabei ist, es zu erreichen, dann wird es eben nur noch etwa 0,57
Mio. Jahre vor sich haben, also insgesamt nur etwa 1,14 Mrd. Jahre alt werden.
Alt-Erde und Terraforming
als Erschaffung der Neu-Erde
Terrestrische
Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft - Venus, Erde, Mars - Im
sehr frühen Kindheitstadium der Sonne, d.h. bevor sie zur
Ruhe kam, war die Erde ein heißer, luftloser Gesteinskörper.
Atmosphäre und Ozeane entstanden - wie die Atmosphären der Venus und
des Mars - durch Ausgasung von Materie aus dem heißen Erdinnern im Laufe
der allmählichen Abkühlung der Kruste. Starke vulkanische Aktivität
förderte neben Lava und Asche gewaltige Gasmengen zutage, vor allem Kohlendioxid
und Wasserdampf. Stickstoff und Schwefelverbindungen wurden in geringen Mengen
freigesetzt. Die Vermutung liegt nahe, daß unter diesen Bedingungen ein
Planet wie die junge Erde eine an Kohlendioxid und Wasserdampf reiche Atmosphäre
besitzt. Tatsächlich haben Venus und Mars Kohlendioxid-Atmosphären,
und nur die Erde besitzt heute eine Stickstoff-Sauerstoff-Atmosphäre. Grund
dafür war die Entwicklung des Lebens auf der Erde, das Kohlendioxid unter
Freisetzung des Sauerstoffs spaltete und Kohlenstoff in organischen Ablagerungen
wie Kohle speicherte. Ein Teil des Kohlendioxids wurde auch im Wasser der Ozeane
gelöst. Die Sauerstoff-Atmosphäre der Erde signalisiert das Vorhandensein
von Leben; die Kohlendioxid-Atmosphären von Venus und Mars zeigen an, daß
dort kein Leben existiert. Weil Jupiter für alle inneren Planeten Platz geschaffen
hat und sie schützt, fragt man sich natürlich, warum er offenbar die
Erde besonders bevorzugt hat. Merkur und Venus liegen im Einflußbereich
der Sonne; deshalb kann hier Jupiter zwar dafür sorgen, daß die Sonne
die beiden Planeten nicht an sich reißt oder gar verschluckt, was sie ohnehin
im Greisenalter tun wird, er kann sie aber nicht vor der Hitze, der
Strahlungsenergie der Sonne schützen. Jupiter hat offenbar tatsächlich
der Erde mehr Glück zukommen lassen als dem Mars, denn auch der Mars hatte
in der Vergangenheit fließendes Wasser und damit zumindest primitives Leben.
Wegen seiner geringen Masse (10% der Erdmasse) war seine Anziehungskraft aber
zu schwach, um die ursprünglich viel dichtere Atmosphäre zu halten.
Dadurch kühlte der Mars in dem Maße ab, wie seine atmosphärischen
Gase in den Weltraum entwichen. Der Mars war ohnehin niemals so warm, daß
der Treibhauseffekt hätte wirksam werden können, und für eine längerfristige
Evolution eignet er sich auch nicht so gut wie die Erde. Als hätte Jupiter
das gewußt, ließ er der Erde mehr Material zukommen als dem Mars.
Die Masse der Erde wuchs so auf das 10fache der Marsmasse an und erhielt dadurch
auch eine viel stärkere Anziehungskraft als sie vorher gehabt hatte. Jupiter
hatte nämlich durch seine enorme Anziehungskraft viel Materie, die eigentlich
für den Mars bestimmt war, in Richtung auf die Erdbahn abgelenkt und sich
so als Geburtshelfer der Erde erwiesen. Und zur Taufe
schenkte Jupiter ihr auf ähnliche Art den Mond. 
 |
Der Mond ist fast ebenso alt wie die Erde und dürfte
kurz nach seiner Geburt der Erde fast 20mal näher gestanden haben
als heute (384403 km), da er sich seitdem von unserem Heimatplaneten entfernt.
(Heute z.B. mit fast 4 cm pro Jahr). Der Mond könnte nach dem Zusammenstoß
eines anderen jungen Planeten (Orpheus) mit der jungen Erde (Protoerde)
gebildet worden sein, und zwar zu einer Zeit, in der sich im Innern der beiden
jungen Planeten bereits eine Differentiation vollzog: das schwere Material sank
zum Zentrum ab, das leichtere Material stieg auf. Die Kollision riß die
äußeren, leichteren Schichten, den Mantel und die Kruste, beider Planeten
auf. Ein Teil des weggerissenen Materials sammelte sich darauf in Gestalt unseres
Mondes. Das schwere Material des fremden Planeten (Orpheus) sank dagegen
zum Erdkern und vereinigte sich mit diesem. Eine solche Theorie wird jedenfalls
auch von Computerimulationen unterstützt: So
gesehen brachten vor etwa 4,6 Milliarden Jahren die Kollision der beiden Planeten
und im weiteren Verlauf die Bildung des Mondes der Erde ein ungeheures Ungleichgewicht
und beendeten erst einmal das bereits existierende primitive Leben, es sei denn,
daß das Leben erst durch eben diese Kollison entstanden ist ( ),
durch die unser Planet zur Hölle auf Erden wurde: Vulkane spuckten
Feuer, die Erde kochte, die Lavaströme füllten Ozeane. Unser Mond wäre
nicht entstanden, sondern von den Gezeitenkräften zerissen worden, wenn er
sich nicht außerhalb, sondern innerhalb der sogenannten Roche-Grenze
(2,9 Erdradien = ca. 18500 km) befunden hätte. (Ist z.B. die Dichte des umlaufenden
Körpers gleich der des Zentralkörpers, dann liegt die Roche-Grenze
beim 2,456fachen des Radius des Zentralkörpers). Unser Mond hätte die
für sein Überleben notwendige Roche-Grenze von 2.9
Erdradien nicht erreicht, wenn z.B. zuvor bei der Kollision der Planet Orpheus
im rechten Winkel auf die Erde eingeschlagen wäre. Aber durch Zufall oder
Schicksal entstand der Mond eben doch außerhalb der Roche-Grenze
und wurde deshalb eben nicht von den Gezeitenkräften zerissen, um dann als
Erdring (vergleichbar mit anderen Planetenringen) noch einige Zeit zu bestehen
und anschließend von der Erde wieder vereinnahmt zu werden. Also betrug
nach der Kollision die Entfernung des Mondes zur Erde mindestens 18500 km! Durch
die Anziehungskraft des Mondes, die anfangs etwa 4000mal stärker war als
heute, wurden sogar Geröll und Magma den Gezeiten unterworfen. In den Meeren
bildeten sich gigantische Flutwellen. Im Laufe der folgenden 4,5 Milliarden Jahre
kühlte sich die Erde langsam ab, sie beruhigte sich - die anfänglich
gewaltigen Gezeitenkräfte führten dazu, daß sich der Mond schnell
von der Erde entfernte, während gleichzeitig die Eigendrehungen beider Körper
immer langsamer wurden. Unser Tag verlängerte sich von 4 auf 24 Stunden. Die
Gezeitenkräfte führen auch heute noch zu einer ständigen, wenn
auch geringen, Verlangsamung der Eigendrehungen und zu einer zunehmenden Entfernung
des Mondes von der Erde. Genau gesagt: wegen der Wechselwirkung der Gezeiten zwischen
Erde und Mond verringert sich der Eigendrehimpuls der Erde, sodaß die Tage
länger werden; die Erde hat ihren Eigendrehimpuls zum Teil auf den Bahndrehimpuls
des Mondes übertragen, weshalb die Entfernung zwischen Erde und Mond pro
Jahr um etwa 3,8 cm zunimmt. In einem abgeschlossenen System kann der Drehimpuls
eines Körpers entweder ganz oder teilweise auf einen anderen Körper
übertragen werden, aber der ursprüngliche (Gesamt-) Drehimpuls des Systems
bleibt erhalten. Diese Eigenschaft bezeichnet man auch als Drehimpulserhaltung.
Also: Drehimpuls kann nicht verloren gehen! Weder ganz noch teilweise! Er kann
aber übertragen werden!
Drehung um einen gemeinsamen Schwerpunkt
 |
Das Erde-Mond-System ist völlig anders zu bewerten als eine Erde
ohne Mond. Der Mond entstand durch ein Unglück und bedeutete doch bald ein
Glück. Erst brachte er der Erde ein Ungleichgewicht, aber schon bald, weil
er sich wegen der anfänglich gewaltigen Gezeitenkräfte schnell von der
Erde entfernte, trug er wesentlich zum Gleichgewicht bei, und die Erde kam zur
Ruhe, zu einer langsameren Rotation. ( ).
Wird der Mond sich auch in der Zukunft weiter von der Erde entfernen, also die
Erde wieder unruhiger werden, oder wird die Erde genau das verhindern? Zur
Erinnerung: Bei der Drehung der Erde unter den vom Mond aufgetürmten Flutbergen
wird Reibungsenergie verbraucht, sodaß sich ihre Umdrehungsgeschwindigkeit
zunehmend verlangsamt. Erst wenn die Erde für eine Umdrehung genauso lange
braucht wie der Mond für eine Umrundung der Erde, ist das Spiel beendet.
Von da ab wendet die Erde dem Mond immer dieselbe Seite zu. Diesen als Korotation
bezeichneten Zustand hat der Mond schon vor langer Zeit erreicht, denn so wie
die Gravitationskraft des Mondes auf die Erde wirkt, wirkt auch die Gravitationskraft
der Erde auf den Mond. Erde und Mond zwingen sich also gegenseitig zur Korotation
( ),
wobei dieses Schicksal den masseärmeren Partner zuerst ereilt. (Harald
Lesch, Big Bang, zweiter Akt, 2003, S. 235). Wer von beiden masseärmer
ist, braucht wohl nicht erwähnt zu werden.   
 |
-
Gezeiten (Tiden) -
Gezeiten (Tiden) sind zu verstehen als das gesetzmäßige
Heben und Senken der Wasserrmassen in den Ozeanen, der Gase in der Atmosphäre
und des festen Erdkörpers. Die vom Mond verursachten Gezeiten auf der Erde
gehen auf das Wechselspiel zwischen der Anziehungskraft des Mondes und der Fliehkraft
zurück, die beim Umlauf der Erde um das gemeinsame Schwerezentrum des Systems
Erde-Mond entsteht. Dasselbe gilt auch für die Beziehung zwischen Erde und
Sonne. Doch sind die Gezeitem von seiten des Mondes etwa 21mal stärker als
die Gezeiten der Sonne. Die Anziehungskraft des Mondes und die Fliehkraft bei
dem erwähnten Umlauf der Erde heben sich nur für den Erdmittelpunkt
gerade auf. Auf der dem Mond zugewandten Seite überwiegt die Mondanziehungskraft,
so daß dort ein Flutberg entsteht. Auf der dem Mond abgewandten Seite ist
die Mondanziehungskraft kleiner als die Fliehkraft, so daß die Letztere
dort ebenfalls zur Entstehung eines Flutbergs führt. In den um 90° dazwischenliegenden
Bereichen herrscht Ebbe. Bei der Rotation der Erde laufen die beiden Flutberge
innerhalb eines Tages um unseren Planeten. Wegen des Mondumlaufs um die Erde folgen
die Flutzeiten aber nicht in 12 Stunden, sondern in durchschnittlich 12,25 Stunden
aufeinander. Dabei wird zunächst nur auf die Flutberge, die durch den Mond
hervorgerufen werden, geachtet. Fallen aber Mondflut und Sonnenflut zusammen,
so verstärken sich die Fluten zur sogenannten Springflut. Sie tritt dann
ein, wenn Sonne, Mond und Erde etwa auf einer Linie hintereinander stehen, also
bei Neumond und Vollmond. Fallen jedoch Mondflut und Sonnenebbe aufeinander, dann
reduziert sich die Höhe der Flut und es entsteht Nippflut. Diese ist beim
ersten und letzten Viertel des Mondes zu erwarten. Auf dem freien Ozean beträgt
die Fluthöhe im Durchschnitt nur etwa 35 cm. Die Gezeiten machen sich daher
in den offenen Weltmeeren überhaupt nicht bemerkbar. Anders ist es dagegen
an den Meeresküsten, wo durch Stau der Wassermassen wesentlich größere
Fluthöhen entstehen. Der Zeitpunkt, zu dem die Flut oder Ebbe an einem bestimmten
Ort zu erwarten ist, fällt aus demselben Grund auch meist nicht mit der oberen
oder unteren Kulmination des Mondes zusammen. Vielmehr hat jeder Ort seine eigene
sogenannte Hafenzeit (Mondflutintervall). Es ist der Zeitunterschied zwischen
dem Meridiandurchgang des Mondes und dem Eintritt des Hochwassers. Der Unterschied
zwischen dem mittleren Wasserstand bei Flut und Ebbe ist der sogenannte Tidenhub.
Er kann sogar in einigermaßen ausgedehnten Binnenseen festgestellt werden,
ist dann aber außerordentlich gering. | 

Aus
dem Weltraum gesehen, scheint die Erde nur ein ganz gewöhnliches Mitglied
der Gruppe der inneren Planeten zu sein. ( ).
Tatsächlich nimmt sie aber eine Sonderstellung ein, weil ihre Atmosphäre
Sauerstoff enthält. Diese Lufthülle hat unter dem Schutz Jupiters ( )
die Entwicklung höherer Lebensformen auf unserem Planeten ermöglicht
und sichert deren Fortbestehen, solange Jupiter verhindert, daß die gefährlichen
Asteroiden und Kometen die Erde treffen. (Meteoriten). Zugleich schützt
die Erdatmosphäre die Lebewesen vor den schädlichen Bestandteilen der
Sonnenstrahlung. Die Sonne ist also Lebens- und Todpender zugleich.  |
Die
sich durch die Gezeiten ständig bewegenden Wassermassen verursachen vor allem
in Randmeeren und Flachmeeren eine Gezeitenreibung. Sie führt, wie schon
erwähnt, zu einer allmählichen Verlangsamung der Rotationsgeschwindigkeit
der Erde. Dadurch wird die Länge des Tages pro Jahrhundert um durchschnittlich
0,0016 Sekunden länger. Die Gezeitenreibung hat bei anderen Gestirnen schon
zu einer weitgehenden Reduzierung ihrer Rotationsgeschwindigkeit geführt.
Am auffälligsten ist diese Erscheinung bei unserem Mond, der durch die Wirkung
der Gezeitenreibung seine Rotationsgeschwindigkeit soweit abbremste, daß
seine Rotationszeit seit langem gleich seiner Umlaufzeit um die Erde ist; dadurch
weist der Mond unserer Erde stets dieselbe Seite zu. Entsprechendes gilt auch
für Satelliten anderer Planeten, für alle Satelliten, für alle
Körper, für alle Systeme, die um etwas kreisen. Auch bei engen Doppelsternen
können Gezeiten dazu führen, daß sich die beiden Komponenten eines
solchen Systems stets dieselbe Seite zukehren. Darüber hinaus bewirken Gezeiten
auch eine Deformation eng beieinander stehende Doppelstern-Komponenten. Sie unterliegen
also einer Gezeitendeformation.Was
für das System Planet-Mond gilt, gilt für alle Systeme, also auch für
das System Stern-Planet (in dem ja - laut Regel - das System Planet-Mond enthalten
ist ).
Da sich die Gezeitenkräfte umgekehrt proportional zur dritten Potenz
des Abstands Stern-Planet verändern - eine Halbierung des Abstands hat achtmal
so große Gezeitenkräfte zur Folge -, wirkt sich eine Verringerung der
Entfernung zwischen Stern und Planet ziemlich drastisch aus. Bei einem 0,2-Sonnemassenstern,
den ein Planet mit der Masse unserer Erde in der Entfernung von 0,1 AE umkreist,
dauert es nur etwa 25 bis 30 Millionen Jahre, bis der Stern die Korotaion des
Planeten erzwungen hat. Aber Korotation ist nicht gut für das Leben. Wenn
ein Planet seinem Stern stets dieselbe Seite zuwendet, heizt sich diese so stark
auf, daß das Leben dort praktisch gegrillt wird, wogegen die abgewandte
Seite durch Wärmeabstrahlung in den Weltraum abkühlt und das Leben dort
zu Eis erstarrt. In einem sehr schmalen Übergangsbereich kann sich vielleicht
eine für das Leben noch akzeptable Temperatur einstellen. Wenn der Planet
aber eine Atmosphäre besitzt, entwickeln sich aufgrund der hohen Temperaturdifferenz
zwischen den beiden Hemisphären extrem starke Winde, die mit Geschwindigkeiten
von 1000 Kilometern pro Stunde und mehr über den Planeten fegen. Daß
weder das eine noch das andere eine gute Voraussetzung für die Enststehung
von Leben ist, liegt auf der Hand. (Harald Lesch, Big Bang, zweiter Akt,
2003, S. 235-236).
Erdmagnetfeld, Magnetosphäre, Strahlungsgürtel
Im
wesentlichen hat das Erdmagnetfeld seine Ursache in elektrischen Strömen,
die im Erdinnern verlaufen; aber auch Ströme in der Ionosphäre ( )
spielen eine Rolle. Der Sonnenwind ist verantwortlich für die Entstehung
der Magnetosphäre ( ),
die innen von der Ionosphäre, außen von der Magnetopause abgegrenzt
wird. Erdmagnetische Störungen und Stürme werden durch besondere Ereignisse
auf der Sonne ausgelöst, bei denen elektrisch geladene Teilchen ausgeschleudert
werden und das Magnetfeld der Erde beeinflussen. Der Einfang solcher elektrisch
geladenen Partikel erzeugt in der Magnetosphäre die Strahlungsgürtel
der Erde, die auch Van-Allen-Gürtel genannt werden: zwei um die Erde
angeordnete Zonen, in denen elektrisch geladene Teilchen durch das Magnetfeld
der Erde eingefangen worden sind. Die Höhe der Strahlungsgürtel beträgt
1000 bis 6000 km bzw. 15000 bis 25000 km, erleidet jedoch im Laufe der Zeit leichte
Schwankungen. Der innere Strahlungsgürtel besteht hauptsächlich aus
Protonen und Elektronen. Sie stammen im wesentlichen aus dem Sonnenwind, bewegen
sich auf spiralarmigen Bahnen um die Feldlinien des Erdmagnetfelds zwischen dem
magnetischen Nord- und Südpol hin und her und werden dabei immer mehr beschleunigt.
Maximal wird eine 1cm²-Fläche von ca. 50000 Teilchen pro Sekunde durchstoßen.
Ein schwacher dritter Srahlungsgürtel liegt zwischen den Hauptgürteln
und wird von Teilchen der kosmischen Strahlung (Primärstrahlung) aus dem
interstellaren Raum gefüllt. Die Magnetosphäre ist der äußere
Bereich um die Erde (oder einen anderen Planeten mit Magnetfeld). Bei der Erde
erstreckt sich die Magnetosphäre bis in einen Entfernungsbereich, der von
der Richtung der Sonne abhängt, denn unter der Wirkung des Sonnenwinds reicht
die Magnetosphäre auf der der Sonne zugewandten Seite nur bis etwa 10 oder
12 Erdradien in den Raum hinaus, aber auf der der Sonne abgewandten Seite zeigt
der geomagnetische Schweif eine Länge von über 1000 Erdradien.
Die Magnetosphäre ist also dadurch gekennzeichnet, daß sich
in ihr praktisch ausschließlich elektrisch geladene Partikel befinden, die
sich unter der Wirkung des Erdmagnetfelds bewegen. Innerhalb der Grenzen der Magnetosphäre
liegen die Strahlungsgürtel. Auf der der Sonne zugewandten Seite befindet
sich knapp außerhalb der Magnetosphäre ein Bereich mit turbulenter
Struktur des interplanetaren Magnetfelds und noch etwas dahinter eine Stoßfront
(ein Bugschock). Bei höherer Sonnenaktivität wird die Magnetosphäre
tiefer zusammengedrückt als bei geringerer Aktivität. Die geladenen
Teilchen des Sonnenwinds werden abgelenkt und gelangen nur zum kleinen Teil in
den geomagnetischen Schweif. Eigentlich verfügen alle Planeten
über eine Magnetosphäre. Die Veuns z.B. verfügt allerdings allenfalls
über ein extrem schwaches Magnetfeld. Am
ausgeprägtesten ist die Magnetosphäre des Jupiter - er besitzt die größte
Struktur des Sonnensystems und gibt doppelt mehr Energie ab als er bekommt ( ).
Jupiters Magnetfeld und Strahlungsgürtel sind insgesamt 10000mal stärker
als die der Erde, und sein magnetischer Schweif erstreckt sich noch
bis zur Saturn-Bahn. An zweiter Stelle steht Saturn, dessen Feld eine Gesamtstärke
hat, die nur noch 1000mal größer ist als die der Erde, die des Uranus
ist sogar nur noch etwa 50mal größer als die der Erde, während
die des Merkur 1000mal schwächer ist als die der Erde. Nahe der Erdoberfläche
ähnelt das Feld dem eines magnetischen Dipols. Zur Geschichte der Erforschung
des Erdmagnetfeldes: Die Chinesen und Mongolen erkannten die Nordweisung magnetisierter
Körper schon lange vor uns Abendländern. 1600 veröffentlichte der
englische Arzt und Naturphilosoph William Gilbert (1544-1603) sein Werk De
Magnete, in dem er erstmals erkannte, daß die Erde die Ursache für
die Ausrichtung der Kompaßnadel ist. Messungen durch Henry Gellibrand in
London ergaben zudem, dass das Magnetfeld nicht statisch ist, sondern sich langsam
ändert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfuhr die Erforschung des Erdmagnetfeldes
starke Impulse, so wurde z. B. in Göttingen der Magnetische Verein
gegründet. Carl Friedrich Gauß (1777-1855) gelang es, eine umfassende
Theorie des Erdmagnetismus aufzustellen. Aufbauend auf dem Potentialfeld konnte
er 1839 nachweisen, daß der Hauptteil des Erdmagnetfeldes tatsächlich
aus dem Erdinneren stammt. In diese Zeit fällt auch die systematische Beobachtungen
kleinerer, kurzzeitiger Variationen des Erdmagnetfeldes im Bereich von einigen
Minuten bis hin zu Tagen. Gauß konnte zeigen, daß die Quellen hierfür
außerhalb der Erde zu suchen sind. Seit den Vermessungen aus dem Jahre 1830
hat sich die Stärke des Erdmagnetfeldes um fast 10 Prozent verringert, allein
im 20. Jahrhundert um etwa 6 Prozent. Diese gewaltig schnelle Änderung ist
noch nicht zu erklären, da selbst dann, wenn der Geodynamo sofort ausfallen
würde, das Erdmagnetfeld sich viel langsamer in einem Zeitraum von 10 000
Jahren abbauen würde. Es wird darum vermutet, daß sich das Erdmagnetfeld
momentan umpolt und daher zur Zeit ein Gegenfeld aufgebaut wird, welches das Erdmagnetfeld
weit schneller als bisher angenommen vorübergehend zum Erliegen bringen wird,
bevor die Umpolung einsetzen kann. Die magnetischen Pole sind nicht ortsfest.
Der arktische Magnetpol in Kanada wandert derzeit etwa 90 Meter pro Tag Richtung
Asien, entsprechend 30 Kilometer pro Jahr. Die geomagnetischen Pole der Erde fallen
nicht genau mit den geographischen Polen der Erde zusammen. 2007 z.B. war die
Achse des geomagnetischen Dipolfeldes um etwa 11,5° gegenüber der Erdachse
geneigt.Durch von Sonneneruptionen und Sonnenwind verursachte magnetische
Stürme wird die Stärke des Erdmagnetfeldes kurzzeitig verändert,
jedoch nur im Bereich von einigen 100 bis 1000 nT (Nanotesla). Zusätzlich
führt die Sonneneinstrahlung auf der Tagseite zu einer stärkeren Ionisation
in den oberen Atmosphärenschichten. Die hiermit verbundenen elektrischen
Stromsysteme beeinflussen das Erdmagnetfeld ebenfalls in der Größenordnung
von einigen 10 nT. Physikalisch werden immer magnetische Flußdichten, welche
in Tesla gemessen werden, angegeben. Der Zusammenhang mit der magnetischen Feldstärke,
welche in Ampere pro Meter gemessen wird, ergibt sich über die magnetische
Leitfähigkeit. Die magnetische Feldstärke ist im leeren Raum (Vakuum)
und einigen speziellen Materialien direkt proportional der magnetischen Flußdichte,
der Zusammenhang kann aber in Materie wie im Erdinneren mit magnetisch nichtlinearen
und nichtisotropen Verhalten auch komplexere Verknüpfungen aufweisen. Historisch
und umgangssprachlich hat sich für die magnetische Flußdichte meist
der etwas unpräzise Begriff des Magnetfeldes etabliert. Aufgrund der unterschiedlich
guten magnetischen Leitfähigkeiten von Materie für den magnetischen
Fluß treten innerhalb der Erdkruste kleine lokale Abweichungen (Anomalien)
des Feldes auf. Über die Entstehung des Erdmagnetfeldes
gibt es verschiedene Theorien. Es handelt sich um ein bisher noch ziemlich unvollständig
formuliertes Problem aus der Magnetohydrodynamik. Sicher ist, daß im äußerlichen
Erdmagnetfeld eine Energie (der Größenordnung 1018 Joule)
gespeichert ist und vermutlich die Energie im inneren Feld (innerhalb des Erdkörpers)
um zwei Größenordnungen höher liegt. Das Erdmagnetfeld speichert
auch einen Drehimpuls. Nach der gängigen Theorie geht das Magnetfeld der
Erde vom Erdkern aus ( ).
Für die Entstehung von planetaren Magnetfeldern müssen folgende Bedingungen
erfüllt sein:| (1) | Es
muß der Planet rotieren. Wie die Luftmassen der Erdatmosphäre werden
auch die Konvektionsströme im Erdinneren durch den Coriolis-Effekt, genauer
gesagt durch ihre eigene Trägheit abgelenkt und auf eine Schraubenbahn gezwungen.
Durch diese Verwirbelungen der Konvektionsströme und damit auch der Feldlinien
erhöht sich die magnetische Feldstärke. | | (2) | Es
muß eine Energiequelle vorhanden sein, damit sich das flüssige leitende
Material im Erdkern durch Konvektion bewegt. Man vermutet einheitlich, daß
der Erdkern sehr heiß ist - einige Schätzungen liegen bei rund 7000
K ( )
, das sind rund 1000 K mehr als auf der Oberfläche der Sonne. Neben thermischer
Energie aus der heißen Vergangenheit der Erde und Wärme durch den radioaktiven
Zerfall von Uran und Thorium ist weiterhin noch chemische Energie für die
Wärme im Erdinneren verantwortlich. Wie in einer Lavalampe steigt heißes,
flüssiges, weniger dichtes Eisen im Erdkern zum Erdmantel auf, wo es einen
Teil seiner Wärme abgibt und somit wieder absinkt (diesen Vorgang bezeichnet
man als Konvektion). Dabei bilden sich so genannte Konvektionswalzen, wie man
sie im kleinen Maßstab in jeder Kaffeetasse nach dem Sahneeingießen
beobachten kann. Erstarrt das Eisen wieder am festen Erdkern, so wird Bindungsenergie
frei, was zur erneuten Aufheizung des Materials führt. | | (3) | Es
muß eine große Menge einer elektrisch leitenden Flüssigkeit oder
eines solchen Gases vorhanden sein. Diese Bedingung erfüllt auf der Erde
der flüssige äußere Erdkern, der stark eisenhaltig ist und den
inneren festen Kern aus nahezu reinem Eisen umschließt. | Die
Konvektionsströme aus dem äußeren flüssigen Erdkern werden
durch den Temperaturunterschied zwischen dem festen inneren Erdkern und dem Erdmantel
aufrechterhalten. Dabei handelt es sich um flüssiges Eisen mit insgesamt
dem 6fachen Mondvolumen. Ähnlich dem in Dynamos und Stromgeneratoren angewandten
Prinzip der Selbstinduktion wird durch die Bewegung der elektrisch leitfähigen
Schmelze ein elektrischer Strom induziert, von dem das Magnetfeld der Erde ausgeht.
Man spricht daher auch vom Geodynamo. Das Erdmagnetfeld wird also aus der kinetischen
Energie des Erdkerns erzeugt. Die Konvektion der Schmelze kann auch als Rotationsbewegung
angesehen werden, die das Bestreben hat, die ursprüngliche Richtung der Rotationsachse,
ähnlich einem Foucaultschen Pendel, beizubehalten. Dieses ist eine alternative
Beschreibung für die Ablenkung durch die Coriolis-Effekt. Daher liegen die
magnetischen Pole etwa in der Nähe der geographischen Pole.Einer
anderen unbestätigten Theorie zufolge tragen auch die besonders vom Mond,
aber auch von der Sonne und anderen Himmelskörpers ausgehenden Gezeitenkräfte
zur Entstehung des Erdmagnetfeldes bei. Durch sie wird die Erde in ihrer Rotation
allmählich abgebremst (vgl. das eben erwähnte Beispiel zu den Gezeiten
).
Die Gezeitenkräfte wirken dabei auf den Erdmantel stärker als auf den
Erdkern, denn der größere Radius des Erdmantels führt zu einem
größeren Unterschied der Anziehung durch den Mond, da die dem Mond
zu- und abgewandten Bereiche des Erdmantels weiter voneinander entfernt sind als
die entsprechenden Bereiche des Erdkerns. In der Konsequenz bedeutet die stärkere
Abbremsung des Erdmantels, daß der innere Erdkern ein wenig schneller rotiert
als der Erdmantel, was nicht zuletzt durch die Wirkung des äußeren
flüssigen Erdkerns als reibungsarmes Medium ermöglicht wird. Durch die
schnellere Rotation des festen Erdkerns gegenüber dem Erdmantel wird ein
elektrischer Strom induziert, der das Erdmagnetfeld hervorruft. Mittlerweile kann
man diese als Superrotation bezeichnete schnellere Drehung des Erdkerns auch nachweisen.
Erdbebenwellen zeitlich verschiedener Erdbeben vom selben Entstehungsort, die
durch den Erdkern laufen, werden mit wachsendem Zeitabstand immer unterschiedlicher
im Erdkern abgelenkt. Der unterschiedliche Ankunftspunkt auf der gegenüberliegenden
Erdseite kann dabei gemessen werden. Die Ablenkungsunterschiede rühren sehr
wahrscheinlich von Inhomogenitäten des inneren festen Kerns her, die durch
eine leicht schnellere Drehung des Kerns ihren Ort ändern. Aus diesen Analysen
ergibt sich, daß der innere Erdkern 0,3° bis 0,5° pro Jahr schneller
als der Erdmantel und die Erdkruste rotiert. Damit macht er etwa alle 900 Jahre
eine zusätzliche Drehung. Man geht jedoch aktuell davon aus, daß diese
Superrotation durch den Geodynamo selbst und nicht durch die Gezeiten angetrieben
wird, das heißt, daß die Superrotation eine Folge, aber nicht die
Ursache des Geodynamos ist.Venus
und Erde im Vergleich  Im
Gegensatz zur Erde hat die Venus ein nur schwaches Magnetfeld, außerdem
dreht sich die Venus viel langsamer - ein Venustag dauert 243 Erdtage (!) - und
anders herum (retrograd = rückläufig), ihre Neigung gegen die Bahnebene
beträgt 177,4 Grad, während die der Erde mit 23,45 Grad im Vergleich
dazu als gering erscheint, obwohl sie das nicht ist, denn die sehr außergewöhnliche
Neigung der Venus und ihre ebenso sehr außergewöhnliche Umdrehung um
die Sonne gehören eben zum Ausnahmefall, nicht zum Normalfall. Doch Venus
und Erde haben auch Ähnlichkeiten, sogar ziemlich viele - nur geringfügig
unterschiedlich sind z.B. die Entfernung zur Sonne, die Umlaufzeit, die Masse,
die Dichte, der Durchmesser, die Bahngeschwindigkeit, die Entweichgeschwindigkeit,
die Schwerebeschleunigung, die Bahnexzentrizität. Doch wieso ist die
Venus der Erde so ähnlich und dennoch ganz anders? Liegt es an der
Nähe zur Sonne, machen 45 Millionen Kilometer so viel aus? Hat es mit
der fehlenden Eigendrehung zu tun? Berechnungen haben ergeben, daß
dort ein uns nur zu bekanntes Phänomen, der Treibhauseffekt, die entscheidende
Rolle gespielt hat. Auf der Venus hat er einen katastrophalen Verlauf genommen,
weil die Atmosphäre so viel Kohlendioxid enthält. Auf den ersten Blick
war dieser Befund überraschend, denn ursprünglich enthielten sowohl
die Venus als auch die Erde die gleichen Gase mit annähernd gleichen Häufigkeiten.
Beide Planeten hatten ja eine Uratmosphäre aus Wasserdampf, Kohlendioxid
und Stickstoff, freigesetzt im Wesentlichen durch vulkanische Aktivität.
Auf der Erde aber wurde ein Großteil des Kohlendioxids in den Wassern der
Meere gelöst, zur Bildung der Karbonatgesteine verbraucht und durch die Photosynthese
der Pflanzen der Atmosphäre entzogen. Könnte man den gesamten in den
Karbonatgesteinen und organischen Bestandteilen gebundenen Kohlenstoff in Kohlendioxid
rückverwandeln, so würde man das Hunderttausendfache von dem erhalten,
was heute in der Erdatmosphäre vorhanden ist. Diese Menge entspricht ungefähr
dem Kohlendioxidgehalt der Venus. Erde und Venus unterscheiden sich also nicht
hinsichtlich des Gesamtgehalts an Kohlendioxid, sondern nur bezüglich seiner
Verteilung. Bei der Venus sind die Prozesse unglücklicherweise anders abgelaufen
als auf der Erde. Ohne den Treibhauseffekt läge die Lufttemperatur der Venus
bei höchstens 70 Grad Celsius. (Harald Lesch, Big Bang, zweiter
Akt, 2003, S. 197).Als zukünftiger Zufluchtsort
kommt die Venus nicht in Frage, denn das, was ihr schon in der Vergangenheit passiert
ist, wird wahrscheinlich der Erde in Zukunft passieren. Wenn wir Menschen unseren
Planeten Erde wirklich verlassen wollen und irgendwann in der Zukunft ja sogar
dazu gezwungen sein werden (falls wir dann noch leben werden), dann kommen für
uns nur diejenigen Planeten oder Monde in Frage, die sich außerhalb der
dann größer, heißer und bedrohlicher gewordenen Sonne befinden.
Wir brauchen wie alle Lebewesen eine bewohnbare Zone, eine Lebenszone,
und im Sonnensystem wird sich aus den gerade genannten Gründen der Lebensgürtel
( )
in Zukunft bis zum Mars und sogar darüber hinaus verschieben.   Gute
Sterne sind G-Sterne
 |
»Gute«
Sterne sind G-Sterne, und das ist nicht einmal falsch, denn unsere Sonne ist ein
G-Stern ( )
- und daß sich unter ihr relativ gut leben läßt, davon können
wir uns jeden Tag aufs Neue überzeugen. Doch dieses »G« steht
für etwas anderes: Die Astronomen teilen die Sterne in Klassen ein, die sie
mit O, B, A, F, G, K und M bezeichnen. ( ).
O-Sterne gehören zu den massereichen und sehr heißen Sternen, wogegen
die M-Sterne das andere Ende der Skala bilden, also eine sehr kleine Masse besitzen
und relativ kühl sind. Im Vergleich zur Sonne haben O-Sterne bis etwa 100-mal
mehr Masse, wogegen sich M-Sterne mit rund einem Zehntel der Sonnenmasse begnügen.
(Harald Lesch, Big Bang, zweiter Akt, 2003, S. 227).
Wir wissen ja, daß die Entwicklung von Leben sehr viel Zeit braucht, und
die Entwicklung von Leben auf der Erde lehrt ja, daß sich diese Zeit in
Milliarden von Jahren bemißt. Das irdische Leben brauchte also einen Stern
geeigneter Masse, der während dieser langen Zeit Energie liefern kann. Als
in unserer Sonne das Wasserstoffbrennen ( )
einsetzte, da begann ihre habitable Zone in einer Entfernung von 0,8 AE und reichte
bis 1,2 AE in den Raum hinaus. Unsere Erde liegt gegenwärtig genau in diesem
Bereich (siehe Abb.). Doch mit fortschreitendem Alter
eines Sterns dehnt sich die ursprünglich nur auf das Sternzentrum beschränkte
Waserstoffbrennzone aus, die Leuchtkraft nimmt zu, und der Durchmesser des Sterns
schwillt an. Damit dehnt sich auch die habitable Zone, sie wird breiter und entfernt
sich vom Stern. Je größer die Masse des Sterns, desto schneller entfernt
sich die bewohnbare Zone. (Harald Lesch, ebd., S. 228). Beispielsweise
wird die bewohnbare Zone (Lebensgürtel )
in zwei bis drei Milliarden Jahren bei einem Sonnenabstand von 1,2 AE beginnen
und bei einem Sonnenabstand von etwa 1,7 AE enden. Dann wird die Erde (1 AE) diese
Zone bereits verlassen haben, während der Mars (1,524 AE) sie bereits erreicht
haben wird. Terrarforming: Neogloben, Inseln ( )
für Weltraum-Nomaden (
) Einen Neoglobus oder
gar mehrere Neogloben zu bilden dürfte das zur Zeit begehrenswerteste Projekt
hiesiger Zivilisation sein. Nicht die politisch und mediokratisch vieldiskutierte
Humangenetik ist das Großprojekt der Zukunft, sondern die Schaffung der
praktischen Voraussetzungen für eine mögliche Besiedlung des Weltraums.
Gegenüber diesem gigantischen Unternehmen wird die Humangenetik nur noch
eine parallel und ergänzend verlaufende Entwicklung sein, obwohl auch sie
mit weitreichenden Konsequenzen verbunden ist. Da es aber bedrohliche Situationen,
Kriegszustände oder kriegsähnliche Momente schon immer gab und wohl
auch immer geben wird, hat auch die Besiedlung des Weltraums zuerst militärische
Motive, sei es, um den möglichen Gefahren durch Kometen, Asteroiden oder
Meteoroiden aus dem Weg zu gehen. Statistisch gesehen hätte die Erde schon
längst wieder einen Meteroitenschlag jener Wirkung abbekommen müssen,
der vor 65 Mio. Jahren die Dinosaurier dezimierte und in nächster Konsequenz
austerben ließ. ( ).
Wir müssen hier weg, lautet deshalb die Losung vieler Astronomen
und anderer Menschen, die sich mit diesem wohlmöglichen katastrophalen Schicksal
nicht abfinden wollen. Da erfindet der abendländische Faust lieber
eine neue Technik sowie die dazugehörigen Geräte und läßt
den Homunkulus erst einmal im Glas. Denn eines ist sicher: Die Geschichte dieser
grenzenlosen Mobilmachung, noch dazu im unendlichen Raum des Universums, kann
nur eine typisch abendländische sein.  Was
seit den 1930er Jahren in Peenemünde unter dem deutschen Physiker und Raketeningenieur
Wernher von Braun (1912-1977 )
seinen praktischen Anfang nahm und 1969 wieder unter ihm in der Mondlandung seinen
ersten Höhepunkt fand, war die Verwirklichung eines abendländischen
Traums, also schon seit Beginn abendländischer Kulturgeschichte in den Köpfen
eine theoretische Vollendung. Auch praktisch war sie schon sehr früh
vorweggenommen worden, aber damals fehlten noch die technischen Möglichkeiten
und die ökonomischen Konzepte. Leztere gingen immer aus den militärischen
Strategien hervor und nicht umgekehrt. Das zeigt auch die Geschichte des Computers
und die der Weltvernetzung, denn das World Wide Web, dessen Vorfahren
ARPANET und Gopher hießen, wurde eigentlich durch die Weltkriege
und den Kalten Krieg hervorgebracht. Schon 1941 war das von dem deutschen
Ingenieur Konrad Zuse (1910-1995 )
vollendete erste programmgesteuerte Rechengerät der Welt zur Enigma
des deutschen Militärs geworden. Codieren und Decodieren, Tarnen und Täuschen,
Versschleiern und Entschleiern gelten als Tugenden des Militärs und sind
doch die Grundlagentechnik der Überlebensstrategie aller Lebewesen. Das Immunsystem
namens Militär schlägt Alarm, sendet Boten(stoffe) und Spione aus und
codiert sich dann neu, wenn der Feind den Code geknackt haben sollte, um das System
zu zerstören. Da man trotz und wegen der eigenen Geheimhaltung auch mit Konsequenzen
auf der Seite der feindlichen Geheimhaltung rechnen muß, erhält eine
einmal als richtig erkannte Strategie einen explosionsartigen Entwicklungsschub,
auch bekannt unter dem namen Rüstungsspirale. Das Netzwerk ARPANET
sollte z.B. Ende der 1960er Jahre auch im Falle eines Nuklearangriffs die erfolgreiche
Kommunikation zwischen dem us-amerikanischen Militär und seiner Regierung
sicherstellen. Weil im Falle eines atomaren Angriffs auch die Infrastruktur hätte
zerstört werden können, wurde das Problem dadurch gelöst, daß
alle Knoten des Netzwerks, d. h. die einzelnen angeschlossenen Computer,
beim Versenden, Weiterleiten und Empfangen von Nachrichten als gleichrangig betrachtet
und die zu sendenden Nachrichten in Pakete aufgeteilt wurden, wobei jedes Paket
wieder für sich gesondert adressiert war. Die so in Pakete aufgeteilte Nachricht
wurde vollständig von einem Quellknoten (Computer) abgesandt und anschließend
am Zielknoten (Computer) wieder zusammengesetzt. Dabei suchte sich jedes
Paket seinen eigenen Weg durch das Netzwerk. Das ARPANET war also bereits ein
früher Startschuß für das bis heute anhaltende explosionsartige
Wachstum des Internet. Der erste Knoten wurde noch im Herbst 1969 in der Universität
von Los Angeles installiert. Es folgten 3 weitere Universitäten, sodaß
Ende 1969 insgesamt 4 Knoten bestanden. Weil das Netz wuchs, wurde erkannt, daß
die bis dahin gewählten Protokolle nicht mehr für den Betrieb geeignet
waren. Deshalb entwickelte man das TCP/IP-Protokoll, das 1982 zum Standard
im Internet wurde. Schließlich kam es 1991 durch die Entwicklung des Internet-Dienstes
World Wide Web- ein graphisch-orientierter Dienst mit benutzerfreundlichem
Bedienungskonzept - zu einem weltweiten explosionsartigen Anstieg der an das Internet
angeschlossenen Computer. Sehr schnell machte also das im Europäischen
Kernforschungsinstitut (CERN) entwickelte World Wide Web (WWW)
das Rennen, wozu auch die für die WWW-Anwendungen notwendige Sprache HTML
einen erheblichen Beitrag leistete.  Weil
es also durch den Ausgang der Weltkriege, insbesondere des 2. Weltkrieges, zur
Festigung der USA als Weltmacht und zu einem kulturellen Retransfer kam, sorgten
die nach dem 2. Weltkrieg von den USA abgeworbenen Europäer,
wie z.B. der Deutsche Wernher von Braun, für den Beginn der (US-) Raumfahrt.
Wissenschaftler und Techniker, später auch Künstler, brachten sich und
ihr Können nach Amerika, das deren (Aus-) Wirkungen nach Europa zurückschickte.
Aber es waren immer Europäer, vor allem Deutsche, die, von Amerikanern ins
Land geholt, auf Europa und die Welt zurückwirkten. Nach dem 2. Weltkrieg
hatte der innerkulturelle Transfer also zum ersten Mal seine Richtung um 180°
gedreht. 
Inseln und die ziemlich menschliche Tendenz zur absoluten Isolierung ( )
|
Raumstation, Wernher von Braun | Lassen
wir die einzelnen Raumfahrtkonzepte nochmals Revue passieren, so scheint es nicht
ausgeschlossen, daß es der Menschheit in ferner Zukunft gelingen könnte,
bis zu den Strenen in den Weiten des Alls vorzudringen. ... Einige Pessimisten
haben mit der Planung bewohnbarer Oasen im Universum schon begonnen und denken
darüber nach, wie man einen fernen Planeten in eine »Neue Heimat«
verwandeln könnte. Die ersten Stützpunkte auf diesem langen Weg werden
zunächst Kolonien in der Erdumlaufbahn und später im interplanetaren
Raum sein, künstliche Welten auf relativ kleinem Raum mit künstlicher
Schwerkraft und künstlicher Atmosphäre - in jeder Hinsicht unabhängig,
aber einsam ... Wie werden die Menschen dort leben, wie die soziologischen Probleme
bewältigen, wie werden sie damit zurechtkommen, gefangen zu sein in einer
Nußschale im All? Und schlimmer noch: Wie fühlen sich die Passagiere
bei Reisen, die in der einem Menschen zugedachten Lebenszeit nicht zu bewältigen
sind? Müssen sie sich nicht wie Sklaven einer späteren Generation
vorkommen, benutzt als eine Art Brücke in die Zukunft, die man letztlich
nicht mehr braucht und hinter sich abreißen kann? Es müssen außergewöhnliche
Menschen mit außergewöhnlichen Eigenschaften sein, die all das einmal
auf sich nehmen wollen. Aber egal wie lange die Reise auch dauert, einmal wird
man einen Ort, einen Planeten finden, der unserer Erde ähnlich ist, der zumindest
unserer Erde ähnlich gemacht werden könnte - und dann? Dann stehen
die Flüchtlinge vor völlig neuen, noch größeren Herausforderungen.
Die Menschen, die auf einem fernen Planeten landen, können nicht damit rechnen,
ein gemachtes Bett vorzufinden, einen Planeten, der exakt ihren Bedürfnissen
entspricht. Vielleicht ist es dort viel zu kalt oder zu heiß, vielleicht
fehlt eine Atmosphäre, oder sie ist dem Menschen nicht zuträglich, vielleicht
gibt es dort Wasser nur in Form von Eis. Wollen die Menschen hier leben, so gilt
es, dem Planeten eine Kur angedeihen zu lassen, an den Schrauben für Temperatur
und Atmosphäre zu drehen, die neue Heimat einer Metamorphose, einem »
Terraforming«, zu unterziehen, sie erdähnlich zu machen. Das hat natürlich
nur Aussicht auf Erfolg, wenn der Planet die Ressourcen für ein derartiges
Unterfangen auch bereithält ... Tatsächlich hat man bereits ganz konkrete
Vorstellungen, wie man den Mars für Menschen bewohnbar machen könnte.
Nach allem, was wir bisher wissen, scheint sich dieser Planet heute gegenüber
jeglichem erdähnlichen Leben feindlich zu verhalten. Seine Atmosphäre
ist zu dünn, zu kalt, nicht atembar, und seine Oberfläche ist schutzlos
den zerstörerischen Photonen des ultravioletten Sonnenlichts ausgeliefert.
Aber Wasser in gefrorener Form scheint es in größerer Menge in den
eisigen Polkappen und vermutlich auch in oberflächennahen Schichten zu geben.
Und da der Mars zu den terrestrischen Planeten in unserem Sonnensystem gehört,
mangelt es auch nicht an jenen Elementen, welche das Leben und der Mensch für
ihren Unterhalt benötigen. Was also könnte man unternehmen, um den Mars
in einen bewohnbaren Planeten zu verwandeln ? Experten bei der NASA zerbrechen
sich schon seit einiger Zeit darüber die Köpfe. Ihre Pläne sehen
vor, zunächst einige Dutzend Milliarden Tonnen des Treibhausgases Fluorchlorkohlenwasserstoff
(FCKW) in die Marsatmosphäre einzubringen, um so die Temperatur innerhalb
von etwa 20 Jahren um 20 Grad Celsius zu erhöhen. Das FCKW müßte
man nicht von der Erde herbeitransportieren, es könnte direkt auf dem Mars
produziert werden, vorausgesetzt die Elemente Fluor, Chlor und Kohlenstoff sind
ausreichend und leicht zugänglich vorhanden. Sollte das nicht der Fall sein,
so empfiehlt eine spektakuläre Variante des Konzepts, einen passenden Asteroiden
einzufangen und auf den Mars prallen zu lassen, um die Atmosphäre mit den
entsprechenden Komponenten anzureichern. Ist die Temperatur nach einer Anwärmphase
erst einmal auf minus 35 Grad Celsius gestiegen, so würden in der Folgezeit
die Polkappen zu schmelzen beginnen, und das frei werdende Kohlendioxid könnte
den Treibhauseffekt weiter ankurbeln. Allerdings befürchten die Wissenschaftler,
daß das in den Polkappen gespeicherte Kohlendioxid nicht ausreichen könnte,
um den Permafrostboden völlig aufzutauen und das dort vermutete Wasser in
flüssiger Form freizusetzen. Um dieses Problem zu lösen, sollten, so
die NASA, Bakterien auf dem Mars ausgesetzt werden. Bakterien können bei
einem Atmosphärendruck überleben, der zehnmal geringer ist als der auf
unserer Erde. Ihre Aufgabe soll es sein, den Stickstoff aus der Planeten-Kruste
zu verdauen und ihn in Ammoniak, ein ebenfalls sehr effizientes Treibhausgas,
umzuwandeln. Wenn das funktionieren würde, hätte der Mars in kurzer
Zeit eine Atmosphäre, die so dicht wäre wie die der Erde. Bei einer
mittleren Temperatur von etwa null Grad Celsius würden zumindest die oberen
Bodenschichten anfangen aufzutauen. Nach den Vorstellungen der Wissenschaftler
könnte dieser Zustand bereits 100 Jahre nach Beginn der ersten Einflußnahme
erreicht sein. Zu diesem Zeitpunkt wird der Mars aber noch einer trockenen Wüste
ähneln, denn das Wasser ist vornehmlich im Boden gespeichert, und die Atmosphäre
ist weder Pflanzen noch Tieren zuträglich. Jetzt muß der Kreislauf
des Wassers zwischen Boden und Atmosphäre in Gang gebracht werden. Dazu soll
nach den Plänen der NASA eine spiegelnde Platte mit einem Durchmesser von
etwa 100 Kilometern im Marsorbit stationiert werden. Dieser Spiegel lenkt Sonnenenergie
auf die Marspole, um das Wassereis völlig zum Schmilzen zu bringen. Das Wasser,
so glauben die Wissenschaftler, verdampft, steigt in die Atmosphäre auf und
verstärkt somit nochmals den Treibhauseffekt. Als Folge davon erhöht
sich die Marstemperatur weiter, und der Permafrostboden taut bis hinab zu einer
Tiefe von etlichen Dutzend Metern auf. Der in die höheren Schichten der Atmosphäre
aufgestiegene Wasserdampf kondensiert, fällt als Regen zu Boden und füllt
die Becken und Flußtäler wieder mit Wasser. Was für eine lebensfreundliche
Umwelt jetzt noch fehlt, ist Sauerstoff in genügender Menge. Die einzige
uns bekannte Möglichkeit, mit der man die Zusammensetzung der Atmosphäre
grundlegend verändern kann, ist die Photosynthese von Kohlenhydraten durch
Pflanzen. Folglich sieht der letzte Schritt des »Terraforming«-Prozesses
vor, den ganzen Planeten mit einer widerstandsfähigen Flora zu besiedeln.
Sie produziert aus Kohlendioxid, Wasser und Sonnenlicht ausreichende Mengen des
lebenswichtigen Sauerstoffs. Aber dieser Prozeß geht sehr langsam voran.
Nach Schätzung der Wissenschaftler dürften wohl 100 000 Jahre vergehen,
bis die Bewohner des Mars endlich die Sauerstoffmasken abnehmen können. Rückblickend
scheint »Terraforming« zwar ein spektakuläres und zeitaufwendiges,
aber kein unmögliches Unterfangen zu sein, um einen Planeten den Bedürfnissen
seiner Eroberer anzupassen. Sollte es die Menschheit jemals wagen, dieses Experiment
an einem unserer nächsten Planeten auszuprobieren, so könnte das dabei
gewonnene Know-how als eine Art »Kochrezept« für die Weltraumpioniere
der fernen Zukunft dienen. (Harald Lesch, Big Bang, zweiter Akt,
2003, S. 373-378). Vieles spricht auch deswegen dafür, weil der Menschen
zum Isolierungsverhalten neigen:
Absolute
Inseln - absolute Isolierung? 

Absolute Inseln, atmosphärische Inseln, anthropogene Inseln |
Was unsere Raumstationen (kulturell) angeht, kann von Autonomie
oder vollendeter Isolation erst die Rede sein, wenn es eine unabhängige
Bordsemantik oder eine endogene Raum-Religion ( )
gäbe. Dies wäre der Fall, wenn bordeigene wissenschaftliche Fakultäten
eigenständige Forschungsprogramme entwürfen oder wenn orbitale Film-
und Musikstudios von der Erde unabhängige Kunst- und Unterhaltungssendungen
entwickelten. Bei ausgedehnten Aufenthalten könnten unter den Crew-Mitgliedern
spontane Religionen und metaphysische Schulen auftreten. In sprachlicher Hinsicht
wären durch die Dauerschwerelosigkeit der Zunge Lautverschiebungen ( )
wahrscheinlich, die zu unbekannten Dialekten, vielleicht sogar zu eigenwertigen
Lallsprachen und einer neuen Lyrik führen, rezitiert von schwebenden, in
trunkenen Konsonanten entgleitenden Zungen. Solange dergleichen nicht eintritt,
bleiben die bisherigen und künftigen Weltall-Insulaner mit ihrem fernen Ahnherrn,
dem Imitator Robinson Crusoe, vergleichbar, weil sie wie er in kultureller Hinsicht
exklusiv aus dem Arsenal mitgebrachter Sinn-Muster schöpfen. Unnötig
zu sagen, daß die konventionellen Astronauten weit davon entfernt sind,
das reine Bewußtsein ihrer Insel zu sein. - Die Implantation eines Lebensversorgungssystem
in das Weltraum-Vakuum ist anthropologisch informativ, weil es den Ernstfall für
konstruktivistisches Verhalten auslöst. Mit ihm werden das Denken und Operieren
in der Äußerlichkeit bis zum kleinsten Detail verbindlich. Auf üblichen
Baustellen haben die Konstrukteure ihre »Lebenswelt« im Rücken
und dürfen eine tragende Umwelt voraussetzen. Bei der Raum-Baustelle fällt
dieser ontologische Komfort beiseite. Um dort eine Aufenthaltsmöglichkeit
einzuräumen, muß eine minimale» Lebenswelt« in die-Nicht-Lebenswelt
implantiert werden. Somit wird das übliche Verhältnis zwischen dem Tragenden
und dem Getragenen, dem Impliziten und dem Expliziten, dem Leben und den Formen
umgewälzt. Das Inselbauen ist die Umkehrung des Wohnens: Es handelt sich
nicht mehr darum, ein Gebäude in eine Umwelt zu stellen, sondern darum, eine
Umwelt im Gebäude zu installieren. Bei der Architektur im Vakuum ist das
Lebenserhaltende ein integrales Implantat ins Lebenswidrige. Diese Situation läßt
sich mit dem Ausdruck Umwelt-Umkehrung wiedergeben. Während in der natürlichen
Situation die Umwelt das Umgebende und die Menschen die Umgebenen sind, tritt
beim Bau der absoluten Insel die Lage ein, daß die Menschen die Umgebung,
in der sie sich später aufhalten werden, selber entwerfen und einrichten.
Das heißt geradezu: die Umgebung umgeben, das Umgreifende umgreifen, das
Tragende tragen. Die Umwelt-Umkehrung exekutiert das technische Ernstmachen mit
der hermeneutischen Devise: Ergreifen, was uns ergreift. Folglich sind Lebenswelt-Implantate
ins Vakuum keine »Mikrokosmen«, sofern die klassische Mikrokosmos-Idee
untechnisch die Wiederholung der Großen Welt in der Kleinen behauptete.
Sie implizierte, daß eine unerforschliche Ganzheit sich in einer anderen
spiegelt. Jetzt geht es darum, ein erforschtes Environment technisch nachzustellen,
um es realen Bewohnern zum Aufenthalt anzubieten. Vor diesem Hintergrund wird
klar, in welchem Sinn die bewohnte Insel als Weltmodell verstanden werden kann.
Vom Vorliegen einer hinreichend vollständigen Welt darf die Rede sein, sobald
Minimalbedingungen der Lebensversorgung erfüllt sind. Life support
bedeutet genau dies: die Liste der Bedingungen abarbeiten, unter denen eine Humanlebenswelt
als absolute Insel temporär betriebsfähig gehalten werden kann. (Von
Fortpflanzung an Bord und der Entwicklung einer Sondertradition von Raumfahrerkultur
ist bis auf weiteres nicht die Rede.) Von solchen lebensermöglichenden Systemen
bilden die Spezialanzüge für Raumspaziergänge eine reduzierte Version.
... Durch die Umformung der »Lebenswelt« in das Lebenserhaltungssystem
wird sichtbar, was Explikation ( )
bedeutet, sobald sie auf den ökologischen Hintergrund angewendet wird. Wie
sonst nur der Terror - der uns neben der Raumfahrt durch das 21. Jahrhundert begleiten
wird - fordert das Vakuum das genaue Buchstabieren des Alphabets, in dem das Implizite
verfaßt war. Die Raumfahrt kommt in dieser Hinsicht einer ontologischen
Alphabetisierung gleich: Nach ihr können und müssen die Elemente des
In-der-Welt-Seins ( )
förmlich angeschrieben werden. Das In-der-Welt-Sein an Bord wird neu gefaßt
als Aufenthalt in einer Lebensweltprothese - wobei die Prothetisierbarkeit der
»Lebenswelt« selbst das eigentliche Abenteuer der Raumfahrt bzw. des
Stationenbaus darstellt. In Analogie zu dem biotopisch-ökologischen Großprojekt
Biosphäre 2, das seit 1991 in der Wüste von Arizona mit wechselhaftem
Erfolg durchgeführt wird, könnte man die menschliche Situation im Raumschiff
unter dem Ausdruck In-der-Welt-Sein 2 resümieren. ... Die Raumfahrt
ist unter dem philosophischen Gesichtspunkt gesehen die mit weitem Abstand wichtigste
Unternehmung der Moderne, weil sie wie ein allgemein relevantes Experiment über
die Immanenz zur Darstellung bringt, was das Zusammensein von jemandem mit jemandem
und etwas in einem Gemeinsamen bedeutet. (Peter Sloterdijk, Sphären
III - Schäume, 2004, S. 330-333 ).
Es bleibt also festzuhalten, daß die erste absolute Insel eine absolut von
der Erde losgelöste Sphäre (ob als raumstationäre Kapsel
oder als Neoglobus )
sein muß, bevor sie auch als eine absolut andere Kultur (eine Neu-Kultur )
gelten kann.  |
Das
bis heute größte und kostspieligste zivile Projekt der Raumfahrtgeschichte
ist die seit 1998 im Aufbau befindliche, ab 2000 ständig bewohnte ISS (International
Space Station). Ihre Fertigstellung wird bis mindestens 2010 dauern, danach soll
sie bis 2016 noch weiter betrieben werden. Mit der Ankunft der 19. Langzeitbesatzung
im Juli 2009 sollen erstmals sechs (statt bisher drei) Besatzungsmitglieder dauerhaft
auf der ISS arbeiten können, weil dann mehr Schlaf- und Wohnmöglichkeiten
sowie zwei Raumschiffe für eine eventuelle Evakuierung der Station zur Verfügung
stehen werden. Die ISS wird dann 455 t wiegen. Nach einer Verzögerung
von mehreren Jahren wurde am 7. Juli 2008 das europäische Weltraumlabor Columbus
an Bord der US-Raumfähre Atlantis zur ISS gestartet. Nach zweitägigem
Flug dockte der Space Shuttle mit seiner siebenköpfigen Crew an der ISS an.
Das fast 13 t schwere Labor wurde von einem Roboterarm aus der Atlantis gehoben,
an seinen Platz an der ISS transportiert und von zwei NASA-Astronauten in einem
rund achtstündigen Außeneinsatz mit der ISS verbunden. Ursprünglich
war der deutsche ESA-Astronaut Hans Schlegel für diesen Einsatz vorgesehen,
der aber wegen eines kurzzeitigen gesundheitlichen Problems in der ISS bleiben
mußte. Erst einen Tag später wurde das Labor von Schlegel und seinem
ESA-Kollegen Leopold Eyharts betreten, um das Strom- und Wassersystem hochzufahren.

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|
Was die abendländische Kultur selbst betrifft,
so wird die jetzige Phase ( ),
die gerade erst begonnen hat, nach ihrer Vollendung auch über alle folgenden
Phasen regieren, weil es nach dem erreichten Cäsarismus oder Globalismus
keine kulturelle Form mehr geben wird, auch keine kulturell-zivilisatorischen
Formen, sondern nur noch rein zivilisatorische Formen, also kulturelle Formlosigkeiten.
Nach der endgültigen Cäsarismus-Verfassung (am Ende dieser Phase, also
erst im 23. Jahrhundert! )
wird die ebenfalls endgültige Zweit-Religiosität ( )
herrschen, weil der wieder dominant gewordene Glaube ( )
eine auf die eigene kulturelle Tradition aufbauende Neu-Religion ( )
begründet haben wird. Die Frage, ob nebenbei auch noch eine Neu-Kultur
( )
aus einem befruchteten Ei geschlüpft sein wird, um sich danach auch einzunisten,
wird dann beantwortet werden können, und zwar von denjenigen, die Doppelzeichen
auch als solche deuten können. 
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Auch wenn es unter Umständen noch lange dauern
wird, bis die Menschheit ein neues Zuhause gefunden haben wird, so wird aber doch
der Weg über die zwei grundsätzlichen Möglichkeiten beschritten
werden müssen, wenn die Menschheit nicht (zu) früh aussterben will.
( ).
Wenn doch, dann wäre es nicht nur definitiv zu früh, sondern eine Dummheit,
der selbst die frühesten Menschen nicht erlegen gewesen wären, wenn
sie bereits die geistigen und vor allem die technischen Möglichkeiten dazu
gehabt hätten, auch im Universum nomadisierend nach Seßhaftigkeit zu
suchen.
NACH OBEN! | | |
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