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Prägnant und möglichst knapp formulierte Gedanken

von

Volkmar Weiss (*1944)

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„Je länger eine Bevölkerung von Sozialisten und Kommunisten regiert worden ist, desto dümmer ist sie.“
Volkmar Weiss

„Je länger eine Bevölkerung von Sozialisten und Kommunisten regiert worden ist, desto dümmer ist sie. Was ist dabei Ursache? Was Wirkung? Sie dürfen zu dieser Frage bei den nächsten Wahlen antworten.“
Volkmar Weiss

„Da die kapitalistische Produktionsweise heute schon Millionen Menschen dauerhaft aus dem Arbeitsprozeß ausgliedert, und auch die allerklügsten Manager und Staatenlenker bald nicht mehr in der Lage sein werden, die Massenverelendung aufzuhalten, zuerst relativ und dann immer häufiger auch absolut, wird der Gedanke immer breiteren Widerhall finden, daß – wenn es schon unvermeidlich ist – der Abstieg sich in gemeinsamer Armut aller besser ertragen läßt. Dann, im Großen Chaos, schlägt erst die eigentliche Stunde des Kommunismus, von der Marx geträumt hat und vor der andere gewarnt haben (Ferdinand Gregorovius, 1890; Newte 1907; George Orwell 1948).“
Volkmar Weiss, Der richtige Kommunismus kommt erst noch! Unser Wettlauf in die Armut, 2009

„Man stelle sich – in Anbetracht der geschichtlichen Erfahrungen – die realen Typen Politiker, Bürokraten und Geheimpolizisten des ökodiktatorischen Weltstaats der Armen vor, die für die Verteilung der Bezugsscheine und die Überwachung der Verteilungsgerechtigkeit zuständig wären und abweichende Bedürfnisse und Gedanken als antikommunistisch verfolgten. Auch alt zu werden, dürfte - logisch mit unausweichlicher Konsequenz - als ein unökologisches und damit antikommunistisches Bedürfnis definiert werden. Und gar die Aufbringung großer Mittel für die Heilung einer seltenen Krankheit oder der Folgen eines schweren Unfalls, wäre das nicht ein schwerer Verstoß gegen das Gleichheitsprinzip? Die rasche Entsorgung der Betreffenden ohne Sang und Klang nicht gerechter? Weder die Phantasie eines Gregorovius, Newte oder Orwell, noch die Realitäten der Großen Stalinschen »Säuberung« in der Sowjetunion, der »Kulturrevolution« in China und der Alltag in Nordkorea reichen aus, um der Gedankenwelt eines so tief überzeugten linken Intellektuellen gerecht zu werden. Jedes literarische Schreckensgemälde würde von der Realität noch weit übertroffen werden. Die Einheitsschule ohne Zensurgebung wäre in einem derartigen System zwar obligatorisch, aber um alle Einflüsse irgendeiner sozialen Herkunft auszugleichen, da müßte man sich schon mehr einfallen lassen.“
Volkmar Weiss, Der richtige Kommunismus kommt erst noch! Unser Wettlauf in die Armut, 2009

„Das Entstehen eines dauerhaften kommunistischen Weltstaats im oder nach dem Großen Chaos erscheint aber wenig wahrscheinlich. Die Verteuerung der Energie wird nämlich jede Kommunikation, allen Handel und jede Verwaltungstätigkeit über größere Entfernungen verteuern, erschweren oder ganz unmöglich machen und damit auch einen ökokommunistischen »Weltwirtschaftsrat für Rationierung«, den man sich als eine Art Weiterentwicklung der gegenwärtigen Vereinbarungen über die Fangquoten der Fischereiflotten vorstellen könnte. Wahrscheinlich dürfte deshalb in weiten Teilen der Welt eher der Zerfall der größeren Machtbereiche in lokale und regionale Einheiten (J. H. Kunstler, 2008) stattfinden, wo religiöse Fanatismen sich austoben und machtbewußte Banden um Einfluß kämpfen. Ob sich in begünstigten Gebieten noch freie Bürgergesellschaften entwickeln und halten können, wie sie die libertäre Utopie (Hans-Hermann Hoppe, 2003) sich ausdenkt? Kleinere Gebilde, in denen staatliche Aufgaben nur noch durch private Gesellschaften wahrgenommen werden, also z.B. Sicherheit durch Versicherungsgesellschaften und ihren Sicherheitsdienst gewährleistet wird? Es ist zu vermuten, daß derart freie Gesellschaften, sofern sie während und nach dem Großen Chaos tatsächlich entstünden, entweder in der Konkurrenz mit machtbewußten Nachbarn wieder untergehen werden oder in ihrer Eigenentwicklung sich von den ursprünglichen Absichten der Bürger entfernen und den Gewaltinteressen von Einzelpersonen oder Gruppen unterworfen werden. Für die Fortdauer einer homöstatischen ökokommunistischen Weltdiktatur nach dem Großen Chaos spricht sehr wenig, für eine große Zahl konkurrierender Neuanfänge auf schmaler energetische Basis weit mehr. Die im Zweiten Weltkrieg untergegangene völkische Utopie eines Leistungszuchtstaates, eines Reiches Artam (Volkmar Weiss, 2007), ist für das 21. Jahrhundert nirgendwo ein Thema.“
Volkmar Weiss, Der richtige Kommunismus kommt erst noch! Unser Wettlauf in die Armut, 2009

„Wenn man, zusammenfassend betrachtet. auf eine große Zahl von Prognosen zurückblickt, dann stellt man fest, daß bei einem gewünschten oder erhofften Ergebnis in der Regel der Zeitraum unterschätzt wird, in dem dieses Ergebnis schließlich erreicht wird. Das trifft in der Industrie auch auf komplexe Innovationen zu, wo die Zeiträume und Kosten bis zur Fertigstellung in der Regel unterschätzt werden, nicht selten auf grobe Weise. Die Zeiträume für das Eintreten von Wandlungen und Ergebnissen, die man befürchtet, werden hingegen überschätzt. Optimismus gilt noch als angesagt, wenn der Umsturz unmittelbar bevorsteht. Selbst mitten im Umbruch und sozialen Wandel werden die Vorgänge noch falsch bewertet.“
Volkmar Weiss, Der richtige Kommunismus kommt erst noch! Unser Wettlauf in die Armut, 2009

„In Übertragung auf soziale Sachverhalte bedeutet „Beschleunigung“, daß immer mehr Ereignisse, mehr Veränderungen und häufigerer sozialer Wandel pro Zeiteinheit stattfinden (Hartmut Rosa, 2003). Der Faszination der sich beschleunigenden Abläufe war bereits das 19. Jahrhundert voll erlegen ....“
Volkmar Weiss, Der richtige Kommunismus kommt erst noch! Unser Wettlauf in die Armut, 2009

„Als ich geboren wurde, hatte die Welt etwa 2,3 Milliarden Einwohner, heute etwa 6,9 Milliarden. Möglich geworden ist diese Verdreifachung innerhalb 60 Jahren durch die Ausbeutung einer neuen Energiequelle, deren leichter erschließbare Hälfte in eben diesen 65 Jahren verbraucht worden ist. Wie ein fruchtbares Stück Land, das umgebrochen wird, innerhalb kürzester Zeit von üppigem Pflanzenwuchs besiedelt wird, so hat die Menschheit den ihr sich bietenden Spielraum ausgefüllt. Das heißt, das Tempo des technischen und sozialen Wandels hängt von dem Durchfluß an Energie ab ....“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„In der natürlichen Evolution der biologischen Arten hat derjenige einen Selektionsvorteil, der sich schneller an neue Gegebenheiten anpaßt. Die eine Art überlebt, die anderen Arten verschwinden. Ähnliche Vorteile hat in der Entwicklung neuer Produkte derjenige, der ein neues Produkt rascher auf den Markt bringt, ein ähnliches Produkt zu niedrigerem Preis oder auch nur bei den Verbrauchern den Eindruck erwecken kann, sein Produkt sei besser oder billiger. Im Wettbewerb der Konkurrenten kommt es damit zu einem Verdrängungswettbewerb, der mit einer Beschleunigung der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung einhergeht (Peter Kafka, 1994). Diese Beschleunigung ist so lange möglich und wird sich so lange fortsetzen, so lange für diese Entwicklung die energetischen Grundlagen gegeben sind. Schwinden diese Grundlagen, dann geht dieser beschleunigte technische Wandel in einen Überlebenskampf der Firmen über, der sich auch wieder krisenhaft beschleunigt, bis die Produktion wieder mit den energetischen Grundlagen und damit auch der Kaufkraft der Bevölkerung in Einklang gekommen ist.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Der Evolutionsmechanismus, der den jeweils Schnelleren überleben läßt, beschleunigt die Evolution in ihrem Gesamtgefüge, erschöpft die energetischen Voraussetzungen und erweist sich damit letztendlich als ein Regulations- und Selbstzerstörungsmechanismus, dem auch die biologische, technische und soziale Entwicklung der Menschheit unentrinnbar ausgeliefert ist. Wer sich durch Erkenntnis oder Teilerkenntnis aus diesem Prozeß auszuklinken versucht, wird gnadenlos auskonkurriert und in den Gesamtprozeß zurückgeworfen. ..... Die Entwicklung der Industriegesellschaft baut ... auf der Ausbeutung fossiler Energie auf, die gegenwärtig weltweit zur billigeren Hälfte abgebaut ist und sich nicht erneuern wird. Doch nach wie vor ist die Geschwindigkeit des Wandels ein Selektionsvorteil, selbst noch im Abschwung.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Für eine erfolgreiche Familiengründung steht den jungen Frauen nur ein in Jahren begrenztes Zeitfenster zur Verfügung. Je höher die Qualifikation ist, desto länger ist die Ausbildungszeit und desto kleiner das Zeitfenster für eigene Kinder. Getrieben von der Angst, den beruflichen Anschluß zu verlieren, bleiben sehr viele hochqualifizierte Frauen kinderlos oder bekommen nur ein Kind. Die kleinen Kinder müssen Kindergärten besuchen, wo sie zu Versuchspersonen im Wettlauf zwischen der Evolution der Bakterien und Viren und der Entwicklung ständig neuer Antibiotika werden. Für die Männer ist die Situation nur bei oberflächlicher Betrachtung eine andere. Unter dem ständigen Zeitdruck und im Getriebe der beruflichen Anforderungen leiden Partnerschaft und Familie, für die der erzwungene Wechsel von Arbeitstelle und Arbeitsort, die vielgerühmte Flexibilität der Arbeitnehmer, Gift sind. Das spielt sich in allen Industrieländern ab, und ist einer der wesentlichen Gründe, daß immer weniger Kinder geboren werden, je höher die Frauen qualifiziert sind. Auch auf diese Weise sägt sich die Industriegesellschaft den Ast ab, auf dem sie sitzt. Nüchtern betrachtet handelt es sich aber um einen Regulationsvorgang, der im Plan der Natur so vorgesehen ist.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Wer viel Geld hat – und Geld ist ja nichts anderes als ein Äquivalent für Energie – demonstriert das durch seinen Prestigekonsum, dessen Objekte der Mode unterliegen. Demzufolge beschleunigen sich die Modezyklen und die Vielfalt der Modenischen bis ins Absurde. Geradezu als ein Symbol der Beschleunigung darf der Leistungssport gelten.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Bei meiner statistischen Auswertung der sozialen Mobilität in Sachsen (Volkmar Weiss, 1993) über den Zeitraum 1550-1880 fiel mir auf, daß erst um 1800 einzelne Männer auftauchen, deren Beruf und sozialer Stand mehrfach gewechselt haben. Vorher gab es zwar auch Wandel während eines Erwerbslebens, aber der war in den allermeisten Fällen durch die Alterskurve der Arbeitsfähigkeit und Arbeitsfertigkeiten bedingt. Heute ist das lebenslange Verbleiben im ursprünglichen Ausbildungsberuf und auf der ersten Arbeitsstelle eher die Ausnahme. Das läßt sich mit objektiven Statistiken belegen. Betrug z.B. die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit bei deutschen Industriebeschäftigten 1991/'92 11,6 Jahre, so war sie schon sieben Jahre später auf 11,0 Jahre gesunken. Der Gipfel der Land-Stadt-Mobilität war bereits vor über einem Jahrhundert erreicht worden, als der Bevölkerungsüberschuß der Dörfer zur Existenzgründung in die Städte und Stadtnähe wandern mußte. Verlängert haben sich jedoch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die durchschnittlichen Arbeitswege, was durch den individuellen Autoverkehr und relativ niedrige Kraftstoffpreise möglich geworden war. Ebenso wie der Energieverbrauch exponentiell angestiegen ist, so auch die Innovationsrate der technischen Evolution. Die Zyklen, in denen alte Produkte durch neue Produkte verdrängt werden, sind seit Jahrzehnten immer kürzer geworden. “
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„In der Industrie verschiebt sich dabei das Verhältnis für den Aufwand von Forschung und Entwicklung zum Gewinn zuungunsten des Gewinns. Wer selbst Einblick in das Innere der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Hochtechnologiebranchen hat oder sie durch seine Kinder, Verwandte und Freunde in realistischer und kritischer Weise vermittelt bekommt, dem überraschen die Folgen des stattfindenden Innovationskrieges zwischen den Unternehmen nicht. Die Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung der Hochtechnologiefirmen sind einem enormen Zeit- und Leistungsdruck ausgesetzt und haben den Eindruck, daß sich dieser Druck fortlaufend verschärft. Für Frauen mit Kindern ist das kein empfehlenswerter Arbeitsplatz, ihren Lebensabschnittspartnern geht es nicht viel besser. Ein Ausscheren aus diesem Wettbewerb würde jedoch für das betreffende Unternehmen den Konkurs bedeuten.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Bei hochkomplexen technischen Innovationen, wie sie in der Elektronik, im Fahrzeugbau, in der Luftfahrt und anderen Branchen gefordert sind, ist die Zahl der Mitarbeiter klein, die die Komplexität wirklich überschaut und die eine sehr große Anzahl von Mitarbeitern zielgerichtet einsetzen und leiten kann. Der Erfolg steht und fällt mit dem Vorhandensein einer kooperativen Führungsgruppe, bei der von jedem einzelnen ein sehr hoher IQ und geeignete Persönlichkeitseigenschaften unverzichtbare Voraussetzung sind. Oft hängt der Erfolg von einer einzigen überragenden Persönlichkeit ab, die derartige Eigenschaften in anderen erkennen und entsprechend einsetzen kann. Das heißt, zu den Fähigkeiten eines außerordentlich erfolgreichen Fußballtrainers müssen noch weitere hinzutreten.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Persönlichkeiten, die erfolgreich erfinden und führen können und der schöpferischen Zerstörungen des Bestehenden fähig sind, sind das Kostbarste, was eine menschliche Gemeinschaft hervorbringen kann. Im Extremfall ist der Wert einer solchen Persönlichkeit nicht mit Gold aufzuwiegen. Wer das Glück hatte, unter einem solchen Leiter arbeiten zu dürfen, profitiert für sein ganzes Leben davon. Aus Nationen mit einem mittleren IQ um 100 gehen derartige fähige und schöpferische Persönlichkeiten in einer solchen Zahl hervor, mit denen sich auch tiefgehende Krisen meistern lassen.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Die Beschleunigung der Produktlebenszyklen, der sich verringernde Grenznutzen der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung und die wachsende Komplexität der Probleme und Aufgabenstellung bringen es mit sich, daß der Stellenwert der außerordentlichen schöpferischen Persönlichkeit ständig steigt.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Heute sind wir in den Hochtechnologiebranchen bei einer Komplexität der Aufgaben angelangt, die nur noch von wenigen Experten verstanden wird und nicht einmal von diesen vollständig. Der Ausfall eines einzigen erfahrenen Mitarbeiters kann Entwicklungsprozesse um Monate verzögern. Eine einzige Fehlentscheidung des Managements – das die notwendigen Details nicht mehr verstehen oder nachvollziehen kann – kann das Aus für ein kostspieliges Projekt bedeuten, vollständig oder zugunsten des Wettbewerbers. Die Innovationsbeschleunigung bewirkt, daß schwerwiegende Entscheidungen in immer kürzeren Zeiträumen getroffen werden müssen, sich die Risiken und die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen erhöhen. Die subjektive Meinung, daß der Wettbewerber seinen Aufwand für Forschung und Entwicklung erhöht, genügt, um den eigenen Aufwand zu erhöhen. Es kommt zu einer Eskalation der Forschungs- und Bildungsausgabem ähnlich wie bei der Rüstungseskalation. Die Verkürzung der Produktlebenszeit führt nicht selten dazu, daß Produkte bereits zu früh aus dem Markt genommen werden und durch neue ersetzt, sich aber dadurch der Umsatz verringert, statt erhöht. Volkswirtschaftlich gesehen, kommt es auf diese Weise zu einer Verschwendung von Rohstoffen und Investitionen.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Die Beschleunigung der Produktlebenszyklen als eine objektiv nachweisbare und meßbare Tatsache steht mit der Beschleunigung sonstiger wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Veränderungen in einem kausalen Zusammenhang.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Mit dem Wegbrechen der energetischen Grundlage des Wachstums wird eine ebensolche Beschleunigung in eine andere Richtung einsetzen, nämlich die Beschleunigung der Verfalls- und Untergangsprozesse.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Es ist ... eine eigenartige Tatsache, daß selbst dramatisch ablaufende Verfallsprozesse von der offiziellen Meinung der Zeitgenossen noch als Fortschritt gedeutet werden. Am Ende des Römischen Reiches war keine Rede von seinem Untergang, sondern vom Übergang in eine bessere Zeit.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„»Mit all dem stolpern uns bildungspolitischen Schlaumeier in die stets gleichen Fallgruben: in die Egalitätsfalle, die Ideologie nämlich, dass alle Menschen, Strukturen, Werte und Inhalte gleich bzw. gleich gültig seien; in die Machbarkeitsfalle, den Wahn, jeder könne zu allem begabt werden; in die Falle der Spaß-, Erleichterungs- und Gefälligkeitspädagogik; in die Quotenfalle, die planwirtschaftliche Vermessenheit nämlich, es müßten möglich viele Menschen mit dem Abiturzeugnis ausgestattet werden; in die Beschleunigungsfalle, die Vision also, man könne in immer weniger Bildungsjahren und mit immer weniger Unterrichtsstunden pro Woche zu besser gebildeten jungen Leuten und zu einer gigantisch gesteigerten Abiturienten-, Studenten- und Akademikerquote kommen.« (Josef Kraus 2009, S. 10). Während der Gebildete der Beschleunigung mehr oder weniger folgen kann, und nicht wenige Achtzigjährige noch den Umgang mit Computer und Internet erlernen, gerät der Ungebildete und Arme immer stärker ins Abseits. Der Ruf nach »Entschleunigung« wird deshalb laut (schon Goethe forderte die »Entschleunigung« - die »Beschleunigung« nannte er das »Veloziferische« [zusammengesetzt aus: »velocitas« {Eile} und »Luzifer« {Teufel}]! Anm. HB). Peter Glotz (1998, S. 75) fand dafür eine treffende Definition: „Entschleunigung wird zur aggressiven Ideologie einer gerade in der Entstehung befindlichen, rapide wachsenden Klasse (oder sozialen Schicht) von Modernisierungsopfern.«“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Von 1993 bis 2005 hatten die Transaktionen der globalen Finanzmärkte in den USA, Großbritannien und der Eurozone um jährlich etwa 10% zugenommen, in China um 14% (Financial Times, 18.01.2006). Hinter diesen Geldenergieflüssen stand jedoch kein reales Wirtschaftswachstum mehr, sondern es war, wie alle erfahren mußten, nur noch das Aufblasen eines Volumens. Im System der kapitalistischen Wirtschaft werden Wachstum und soziale Beschleunigung zu einem unentrinnbaren Sachzwang. Die Steigerung von Produktion und Produktivität und mithin das Streben nach Zeitvorsprüngen und Zeiteffizienz werden zu einer unausweichlichen Anforderung, welche die entsprechenden Bedürfnisse gleichsam mitproduziert (Hartmut Rosa, 2009).“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Die sozialen Unruhen im Gefolge der Energiekrise werden den politischen Wandel weiter anheizen.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Meine Erfahrung teilt ... im Westen nicht die Generation der 68er und ihrer Schüler. Ihr Einfluß auf die Gesellschaft wird nicht geringer, sondern ständig größer. Da schon Aristoteles zu der Einsicht gelangt war, daß auf die Demokratie eine Herrschaftsform folgt, bei der die Massen erfolgreich auf Umverteilung drängen und alle Anzeichen darauf hindeuten, daß wir uns tatsächlich auf einen derartigen Gesellschaftszustand hinbewegen, können wir dem logischen Schluß nicht ausweichen, daß der gegenwärtige geistige Linkstrend in allen Industriegesellschaften zu sozialistischen Gesellschaftsformen führen wird. Für mich, den Verfasser, ist diese notwendige jakobinische Gesellschaftsform, wie sie vor dem absoluten Tiefpunkt der Produktion und Konsumtion eintreten wird, nur ein Übergangszustand zu neuen Gesellschaftsformen, die laut Aristoteles eher wieder napoleonisch geartet sein werden.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„ Diese Buch hier ist mit solchen Schlußfolgerungen mit Sicherheit nicht eine eine Propandaschrift für irgendeine politische Überzeugung oder gar politische Partei, sondern ein ernsthafter Versuch der wissenschaftlichen Analyse der ablaufenden Prozesse und nichts anderes. Den Parteigängern und Heilsverkündern aller Richtungen mag das nicht gefallen. Ihre Reiche sind von dieser Welt, der Goldene Schnitt ist von einer ewigen.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Die Antwort wurde schon gegeben. Es wird keinen Stillstand geben, nicht einmal eine Atempause. Nur die Marschrichtung wird sich umkehren. Statt größerer Komplexität und Zentralisierung wird Zerfall und die Auflösung energieintensiver Strukturen erfolgen.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„In der nächsten Zeit wird die Wegwerfgesellschaft erst einmal umdenken müssen. Bei Produkten wird nicht mehr zählen, wie schnell sie durch neue ersetzt werden, sondern vor allem Beständigkeit und Dauerhaftigkeit wie zu Urgroßväters Zeiten. – In unserem Haus haben wir vor 15 Jahren den zweiten Schornstein gekappt und die Heizung auf Erdgas umgestellt. Wenn es gut geht, kann der jetzt eingebaute Brennwertkessel so lange arbeiten, so lange Erdgas bezahlbar bleibt. Dann wird man vermutlich umdenken müssen, die Heizung wieder umstellen oder noch weitsichtiger handeln und aus dem Ballungsraum wegziehen. Diese Entscheidungen werden die Kinder und Enkel zu treffen haben.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Noch beschließt eine Regierung ein »Wachstumsbeschleunigungsgesetz«, benutzt also genau die Begriffe, von denen diesem Abschnitt hier die Rede ist, wird aber damit schon mittelfristig nichts anderes erreichen als die Beschleunigung des Gegenteils. Ein Mittel, das versucht werden wird, um dem Chaos zu wehren, wird die Abschottung des Binnenmarktes und der Grenzen sein. Ohne starke Einschnitte in den erreichten Lebensstandard kann das jedoch alles nicht abgehen.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

„Hauptbeschleuniger des sozialen und politischen Wandels ist der Krieg. Er entfesselt die Energien der Kriegführenden aufs äußerste. Und an seinem Ende rollen die Kronen über das Pflaster, wehen die roten Fahnen und zerbrechen die Reiche. Nicht nur 1815, 1917/'18 und 1945. Die apokalyptischen Reiter satteln schon längst wieder ihre Pferde.“
Volkmar Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009

 

 

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