Je
länger eine Bevölkerung von Sozialisten und Kommunisten regiert worden
ist, desto dümmer ist sie.Je länger eine Bevölkerung
von Sozialisten und Kommunisten regiert worden ist, desto dümmer ist sie.
Was ist dabei Ursache? Was Wirkung? Sie dürfen zu dieser Frage bei den nächsten
Wahlen antworten.Da die kapitalistische Produktionsweise
heute schon Millionen Menschen dauerhaft aus dem Arbeitsprozeß ausgliedert,
und auch die allerklügsten Manager und Staatenlenker bald nicht mehr in der
Lage sein werden, die Massenverelendung aufzuhalten, zuerst relativ und dann immer
häufiger auch absolut, wird der Gedanke immer breiteren Widerhall finden,
daß wenn es schon unvermeidlich ist der Abstieg sich in gemeinsamer
Armut aller besser ertragen läßt. Dann, im Großen Chaos, schlägt
erst die eigentliche Stunde des Kommunismus, von der Marx geträumt hat und
vor der andere gewarnt haben (Ferdinand Gregorovius, 1890; Newte 1907; George
Orwell 1948).| Volkmar
Weiss, Der richtige Kommunismus kommt erst noch! Unser Wettlauf in die Armut,
2009 |
Man stelle sich in Anbetracht
der geschichtlichen Erfahrungen die realen Typen Politiker, Bürokraten
und Geheimpolizisten des ökodiktatorischen Weltstaats der Armen vor, die
für die Verteilung der Bezugsscheine und die Überwachung der Verteilungsgerechtigkeit
zuständig wären und abweichende Bedürfnisse und Gedanken als antikommunistisch
verfolgten. Auch alt zu werden, dürfte - logisch mit unausweichlicher Konsequenz
- als ein unökologisches und damit antikommunistisches Bedürfnis definiert
werden. Und gar die Aufbringung großer Mittel für die Heilung einer
seltenen Krankheit oder der Folgen eines schweren Unfalls, wäre das nicht
ein schwerer Verstoß gegen das Gleichheitsprinzip? Die rasche Entsorgung
der Betreffenden ohne Sang und Klang nicht gerechter? Weder die Phantasie eines
Gregorovius, Newte oder Orwell, noch die Realitäten der Großen Stalinschen
»Säuberung« in der Sowjetunion, der »Kulturrevolution«
in China und der Alltag in Nordkorea reichen aus, um der Gedankenwelt eines so
tief überzeugten linken Intellektuellen gerecht zu werden. Jedes literarische
Schreckensgemälde würde von der Realität noch weit übertroffen
werden. Die Einheitsschule ohne Zensurgebung wäre in einem derartigen System
zwar obligatorisch, aber um alle Einflüsse irgendeiner sozialen Herkunft
auszugleichen, da müßte man sich schon mehr einfallen lassen.| Volkmar
Weiss, Der richtige Kommunismus kommt erst noch! Unser Wettlauf in die Armut,
2009 |
Das Entstehen eines dauerhaften kommunistischen
Weltstaats im oder nach dem Großen Chaos erscheint aber wenig wahrscheinlich.
Die Verteuerung der Energie wird nämlich jede Kommunikation, allen Handel
und jede Verwaltungstätigkeit über größere Entfernungen verteuern,
erschweren oder ganz unmöglich machen und damit auch einen ökokommunistischen
»Weltwirtschaftsrat für Rationierung«, den man sich als eine
Art Weiterentwicklung der gegenwärtigen Vereinbarungen über die Fangquoten
der Fischereiflotten vorstellen könnte. Wahrscheinlich dürfte deshalb
in weiten Teilen der Welt eher der Zerfall der größeren Machtbereiche
in lokale und regionale Einheiten (J. H. Kunstler, 2008) stattfinden, wo religiöse
Fanatismen sich austoben und machtbewußte Banden um Einfluß kämpfen.
Ob sich in begünstigten Gebieten noch freie Bürgergesellschaften entwickeln
und halten können, wie sie die libertäre Utopie (Hans-Hermann Hoppe,
2003) sich ausdenkt? Kleinere Gebilde, in denen staatliche Aufgaben nur noch durch
private Gesellschaften wahrgenommen werden, also z.B. Sicherheit durch Versicherungsgesellschaften
und ihren Sicherheitsdienst gewährleistet wird? Es ist zu vermuten, daß
derart freie Gesellschaften, sofern sie während und nach dem Großen
Chaos tatsächlich entstünden, entweder in der Konkurrenz mit machtbewußten
Nachbarn wieder untergehen werden oder in ihrer Eigenentwicklung sich von den
ursprünglichen Absichten der Bürger entfernen und den Gewaltinteressen
von Einzelpersonen oder Gruppen unterworfen werden. Für die Fortdauer einer
homöstatischen ökokommunistischen Weltdiktatur nach dem Großen
Chaos spricht sehr wenig, für eine große Zahl konkurrierender Neuanfänge
auf schmaler energetische Basis weit mehr. Die im Zweiten Weltkrieg untergegangene
völkische Utopie eines Leistungszuchtstaates, eines Reiches Artam
(Volkmar Weiss, 2007), ist für das 21. Jahrhundert nirgendwo ein Thema.| Volkmar
Weiss, Der richtige Kommunismus kommt erst noch! Unser Wettlauf in die Armut,
2009 |
Wenn man, zusammenfassend betrachtet.
auf eine große Zahl von Prognosen zurückblickt, dann stellt man fest,
daß bei einem gewünschten oder erhofften Ergebnis in der Regel der
Zeitraum unterschätzt wird, in dem dieses Ergebnis schließlich erreicht
wird. Das trifft in der Industrie auch auf komplexe Innovationen zu, wo die Zeiträume
und Kosten bis zur Fertigstellung in der Regel unterschätzt werden, nicht
selten auf grobe Weise. Die Zeiträume für das Eintreten von Wandlungen
und Ergebnissen, die man befürchtet, werden hingegen überschätzt.
Optimismus gilt noch als angesagt, wenn der Umsturz unmittelbar bevorsteht. Selbst
mitten im Umbruch und sozialen Wandel werden die Vorgänge noch falsch bewertet.| Volkmar
Weiss, Der richtige Kommunismus kommt erst noch! Unser Wettlauf in die Armut,
2009 |
In Übertragung auf soziale Sachverhalte
bedeutet Beschleunigung, daß immer mehr Ereignisse, mehr Veränderungen
und häufigerer sozialer Wandel pro Zeiteinheit stattfinden (Hartmut Rosa,
2003). Der Faszination der sich beschleunigenden Abläufe war bereits das
19. Jahrhundert voll erlegen ....| Volkmar
Weiss, Der richtige Kommunismus kommt erst noch! Unser Wettlauf in die Armut,
2009 |
Als ich geboren wurde, hatte die Welt
etwa 2,3 Milliarden Einwohner, heute etwa 6,9 Milliarden. Möglich geworden
ist diese Verdreifachung innerhalb 60 Jahren durch die Ausbeutung einer neuen
Energiequelle, deren leichter erschließbare Hälfte in eben diesen 65
Jahren verbraucht worden ist. Wie ein fruchtbares Stück Land, das umgebrochen
wird, innerhalb kürzester Zeit von üppigem Pflanzenwuchs besiedelt wird,
so hat die Menschheit den ihr sich bietenden Spielraum ausgefüllt. Das heißt,
das Tempo des technischen und sozialen Wandels hängt von dem Durchfluß
an Energie ab ....| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
In
der natürlichen Evolution der biologischen Arten hat derjenige einen Selektionsvorteil,
der sich schneller an neue Gegebenheiten anpaßt. Die eine Art überlebt,
die anderen Arten verschwinden. Ähnliche Vorteile hat in der Entwicklung
neuer Produkte derjenige, der ein neues Produkt rascher auf den Markt bringt,
ein ähnliches Produkt zu niedrigerem Preis oder auch nur bei den Verbrauchern
den Eindruck erwecken kann, sein Produkt sei besser oder billiger. Im Wettbewerb
der Konkurrenten kommt es damit zu einem Verdrängungswettbewerb, der mit
einer Beschleunigung der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung einhergeht (Peter
Kafka, 1994). Diese Beschleunigung ist so lange möglich und wird sich so
lange fortsetzen, so lange für diese Entwicklung die energetischen Grundlagen
gegeben sind. Schwinden diese Grundlagen, dann geht dieser beschleunigte technische
Wandel in einen Überlebenskampf der Firmen über, der sich auch wieder
krisenhaft beschleunigt, bis die Produktion wieder mit den energetischen Grundlagen
und damit auch der Kaufkraft der Bevölkerung in Einklang gekommen ist.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Der
Evolutionsmechanismus, der den jeweils Schnelleren überleben läßt,
beschleunigt die Evolution in ihrem Gesamtgefüge, erschöpft die energetischen
Voraussetzungen und erweist sich damit letztendlich als ein Regulations- und Selbstzerstörungsmechanismus,
dem auch die biologische, technische und soziale Entwicklung der Menschheit unentrinnbar
ausgeliefert ist. Wer sich durch Erkenntnis oder Teilerkenntnis aus diesem Prozeß
auszuklinken versucht, wird gnadenlos auskonkurriert und in den Gesamtprozeß
zurückgeworfen. ..... Die Entwicklung der Industriegesellschaft baut ...
auf der Ausbeutung fossiler Energie auf, die gegenwärtig weltweit zur billigeren
Hälfte abgebaut ist und sich nicht erneuern wird. Doch nach wie vor ist die
Geschwindigkeit des Wandels ein Selektionsvorteil, selbst noch im Abschwung.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Für
eine erfolgreiche Familiengründung steht den jungen Frauen nur ein in Jahren
begrenztes Zeitfenster zur Verfügung. Je höher die Qualifikation ist,
desto länger ist die Ausbildungszeit und desto kleiner das Zeitfenster für
eigene Kinder. Getrieben von der Angst, den beruflichen Anschluß zu verlieren,
bleiben sehr viele hochqualifizierte Frauen kinderlos oder bekommen nur ein Kind.
Die kleinen Kinder müssen Kindergärten besuchen, wo sie zu Versuchspersonen
im Wettlauf zwischen der Evolution der Bakterien und Viren und der Entwicklung
ständig neuer Antibiotika werden. Für die Männer ist die Situation
nur bei oberflächlicher Betrachtung eine andere. Unter dem ständigen
Zeitdruck und im Getriebe der beruflichen Anforderungen leiden Partnerschaft und
Familie, für die der erzwungene Wechsel von Arbeitstelle und Arbeitsort,
die vielgerühmte Flexibilität der Arbeitnehmer, Gift sind. Das spielt
sich in allen Industrieländern ab, und ist einer der wesentlichen Gründe,
daß immer weniger Kinder geboren werden, je höher die Frauen qualifiziert
sind. Auch auf diese Weise sägt sich die Industriegesellschaft den Ast ab,
auf dem sie sitzt. Nüchtern betrachtet handelt es sich aber um einen Regulationsvorgang,
der im Plan der Natur so vorgesehen ist.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Wer
viel Geld hat und Geld ist ja nichts anderes als ein Äquivalent für
Energie demonstriert das durch seinen Prestigekonsum, dessen Objekte der
Mode unterliegen. Demzufolge beschleunigen sich die Modezyklen und die Vielfalt
der Modenischen bis ins Absurde. Geradezu als ein Symbol der Beschleunigung darf
der Leistungssport gelten.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Bei
meiner statistischen Auswertung der sozialen Mobilität in Sachsen (Volkmar
Weiss, 1993) über den Zeitraum 1550-1880 fiel mir auf, daß erst um
1800 einzelne Männer auftauchen, deren Beruf und sozialer Stand mehrfach
gewechselt haben. Vorher gab es zwar auch Wandel während eines Erwerbslebens,
aber der war in den allermeisten Fällen durch die Alterskurve der Arbeitsfähigkeit
und Arbeitsfertigkeiten bedingt. Heute ist das lebenslange Verbleiben im ursprünglichen
Ausbildungsberuf und auf der ersten Arbeitsstelle eher die Ausnahme. Das läßt
sich mit objektiven Statistiken belegen. Betrug z.B. die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit
bei deutschen Industriebeschäftigten 1991/'92 11,6 Jahre, so war sie schon
sieben Jahre später auf 11,0 Jahre gesunken. Der Gipfel der Land-Stadt-Mobilität
war bereits vor über einem Jahrhundert erreicht worden, als der Bevölkerungsüberschuß
der Dörfer zur Existenzgründung in die Städte und Stadtnähe
wandern mußte. Verlängert haben sich jedoch in der zweiten Hälfte
des 20. Jahrhunderts die durchschnittlichen Arbeitswege, was durch den individuellen
Autoverkehr und relativ niedrige Kraftstoffpreise möglich geworden war. Ebenso
wie der Energieverbrauch exponentiell angestiegen ist, so auch die Innovationsrate
der technischen Evolution. Die Zyklen, in denen alte Produkte durch neue Produkte
verdrängt werden, sind seit Jahrzehnten immer kürzer geworden. | Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
In
der Industrie verschiebt sich dabei das Verhältnis für den Aufwand von
Forschung und Entwicklung zum Gewinn zuungunsten des Gewinns. Wer selbst Einblick
in das Innere der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Hochtechnologiebranchen
hat oder sie durch seine Kinder, Verwandte und Freunde in realistischer und kritischer
Weise vermittelt bekommt, dem überraschen die Folgen des stattfindenden Innovationskrieges
zwischen den Unternehmen nicht. Die Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung
der Hochtechnologiefirmen sind einem enormen Zeit- und Leistungsdruck ausgesetzt
und haben den Eindruck, daß sich dieser Druck fortlaufend verschärft.
Für Frauen mit Kindern ist das kein empfehlenswerter Arbeitsplatz, ihren
Lebensabschnittspartnern geht es nicht viel besser. Ein Ausscheren aus diesem
Wettbewerb würde jedoch für das betreffende Unternehmen den Konkurs
bedeuten.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Bei
hochkomplexen technischen Innovationen, wie sie in der Elektronik, im Fahrzeugbau,
in der Luftfahrt und anderen Branchen gefordert sind, ist die Zahl der Mitarbeiter
klein, die die Komplexität wirklich überschaut und die eine sehr große
Anzahl von Mitarbeitern zielgerichtet einsetzen und leiten kann. Der Erfolg steht
und fällt mit dem Vorhandensein einer kooperativen Führungsgruppe, bei
der von jedem einzelnen ein sehr hoher IQ und geeignete Persönlichkeitseigenschaften
unverzichtbare Voraussetzung sind. Oft hängt der Erfolg von einer einzigen
überragenden Persönlichkeit ab, die derartige Eigenschaften in anderen
erkennen und entsprechend einsetzen kann. Das heißt, zu den Fähigkeiten
eines außerordentlich erfolgreichen Fußballtrainers müssen noch
weitere hinzutreten.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Persönlichkeiten,
die erfolgreich erfinden und führen können und der schöpferischen
Zerstörungen des Bestehenden fähig sind, sind das Kostbarste, was eine
menschliche Gemeinschaft hervorbringen kann. Im Extremfall ist der Wert einer
solchen Persönlichkeit nicht mit Gold aufzuwiegen. Wer das Glück hatte,
unter einem solchen Leiter arbeiten zu dürfen, profitiert für sein ganzes
Leben davon. Aus Nationen mit einem mittleren IQ um 100 gehen derartige fähige
und schöpferische Persönlichkeiten in einer solchen Zahl hervor, mit
denen sich auch tiefgehende Krisen meistern lassen.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Die
Beschleunigung der Produktlebenszyklen, der sich verringernde Grenznutzen der
Aufwendungen für Forschung und Entwicklung und die wachsende Komplexität
der Probleme und Aufgabenstellung bringen es mit sich, daß der Stellenwert
der außerordentlichen schöpferischen Persönlichkeit ständig
steigt.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Heute
sind wir in den Hochtechnologiebranchen bei einer Komplexität der Aufgaben
angelangt, die nur noch von wenigen Experten verstanden wird und nicht einmal
von diesen vollständig. Der Ausfall eines einzigen erfahrenen Mitarbeiters
kann Entwicklungsprozesse um Monate verzögern. Eine einzige Fehlentscheidung
des Managements das die notwendigen Details nicht mehr verstehen oder nachvollziehen
kann kann das Aus für ein kostspieliges Projekt bedeuten, vollständig
oder zugunsten des Wettbewerbers. Die Innovationsbeschleunigung bewirkt, daß
schwerwiegende Entscheidungen in immer kürzeren Zeiträumen getroffen
werden müssen, sich die Risiken und die Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen
erhöhen. Die subjektive Meinung, daß der Wettbewerber seinen Aufwand
für Forschung und Entwicklung erhöht, genügt, um den eigenen Aufwand
zu erhöhen. Es kommt zu einer Eskalation der Forschungs- und Bildungsausgabem
ähnlich wie bei der Rüstungseskalation. Die Verkürzung der Produktlebenszeit
führt nicht selten dazu, daß Produkte bereits zu früh aus dem
Markt genommen werden und durch neue ersetzt, sich aber dadurch der Umsatz verringert,
statt erhöht. Volkswirtschaftlich gesehen, kommt es auf diese Weise zu einer
Verschwendung von Rohstoffen und Investitionen.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Die
Beschleunigung der Produktlebenszyklen als eine objektiv nachweisbare und meßbare
Tatsache steht mit der Beschleunigung sonstiger wirtschaftlicher, politischer
und gesellschaftlicher Veränderungen in einem kausalen Zusammenhang.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Mit
dem Wegbrechen der energetischen Grundlage des Wachstums wird eine ebensolche
Beschleunigung in eine andere Richtung einsetzen, nämlich die Beschleunigung
der Verfalls- und Untergangsprozesse.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Es
ist ... eine eigenartige Tatsache, daß selbst dramatisch ablaufende Verfallsprozesse
von der offiziellen Meinung der Zeitgenossen noch als Fortschritt gedeutet werden.
Am Ende des Römischen Reiches war keine Rede von seinem Untergang, sondern
vom Übergang in eine bessere Zeit.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
»Mit
all dem stolpern uns bildungspolitischen Schlaumeier in die stets gleichen Fallgruben:
in die Egalitätsfalle, die Ideologie nämlich, dass alle Menschen, Strukturen,
Werte und Inhalte gleich bzw. gleich gültig seien; in die Machbarkeitsfalle,
den Wahn, jeder könne zu allem begabt werden; in die Falle der Spaß-,
Erleichterungs- und Gefälligkeitspädagogik; in die Quotenfalle, die
planwirtschaftliche Vermessenheit nämlich, es müßten möglich
viele Menschen mit dem Abiturzeugnis ausgestattet werden; in die Beschleunigungsfalle,
die Vision also, man könne in immer weniger Bildungsjahren und mit immer
weniger Unterrichtsstunden pro Woche zu besser gebildeten jungen Leuten und zu
einer gigantisch gesteigerten Abiturienten-, Studenten- und Akademikerquote kommen.«
(Josef Kraus 2009, S. 10). Während der Gebildete der Beschleunigung mehr
oder weniger folgen kann, und nicht wenige Achtzigjährige noch den Umgang
mit Computer und Internet erlernen, gerät der Ungebildete und Arme immer
stärker ins Abseits. Der Ruf nach »Entschleunigung« wird deshalb
laut (schon Goethe forderte die »Entschleunigung«
- die »Beschleunigung« nannte er das »Veloziferische«
[zusammengesetzt aus: »velocitas« {Eile} und »Luzifer«
{Teufel}]! Anm. HB). Peter Glotz (1998, S. 75) fand dafür eine treffende
Definition: Entschleunigung wird zur aggressiven Ideologie einer gerade
in der Entstehung befindlichen, rapide wachsenden Klasse (oder sozialen Schicht)
von Modernisierungsopfern.«| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Von
1993 bis 2005 hatten die Transaktionen der globalen Finanzmärkte in den USA,
Großbritannien und der Eurozone um jährlich etwa 10% zugenommen, in
China um 14% (Financial Times, 18.01.2006). Hinter diesen Geldenergieflüssen
stand jedoch kein reales Wirtschaftswachstum mehr, sondern es war, wie alle erfahren
mußten, nur noch das Aufblasen eines Volumens. Im System der kapitalistischen
Wirtschaft werden Wachstum und soziale Beschleunigung zu einem unentrinnbaren
Sachzwang. Die Steigerung von Produktion und Produktivität und mithin das
Streben nach Zeitvorsprüngen und Zeiteffizienz werden zu einer unausweichlichen
Anforderung, welche die entsprechenden Bedürfnisse gleichsam mitproduziert
(Hartmut Rosa, 2009).| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Die
sozialen Unruhen im Gefolge der Energiekrise werden den politischen Wandel weiter
anheizen.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Meine
Erfahrung teilt ... im Westen nicht die Generation der 68er und ihrer Schüler.
Ihr Einfluß auf die Gesellschaft wird nicht geringer, sondern ständig
größer. Da schon Aristoteles zu der Einsicht gelangt war, daß
auf die Demokratie eine Herrschaftsform folgt, bei der die Massen erfolgreich
auf Umverteilung drängen und alle Anzeichen darauf hindeuten, daß wir
uns tatsächlich auf einen derartigen Gesellschaftszustand hinbewegen, können
wir dem logischen Schluß nicht ausweichen, daß der gegenwärtige
geistige Linkstrend in allen Industriegesellschaften zu sozialistischen Gesellschaftsformen
führen wird. Für mich, den Verfasser, ist diese notwendige jakobinische
Gesellschaftsform, wie sie vor dem absoluten Tiefpunkt der Produktion und Konsumtion
eintreten wird, nur ein Übergangszustand zu neuen Gesellschaftsformen, die
laut Aristoteles eher wieder napoleonisch geartet sein werden.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Diese Buch hier ist mit solchen Schlußfolgerungen mit Sicherheit nicht eine
eine Propandaschrift für irgendeine politische Überzeugung oder gar
politische Partei, sondern ein ernsthafter Versuch der wissenschaftlichen Analyse
der ablaufenden Prozesse und nichts anderes. Den Parteigängern und Heilsverkündern
aller Richtungen mag das nicht gefallen. Ihre Reiche sind von dieser Welt, der
Goldene Schnitt ist von einer ewigen.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Die
Antwort wurde schon gegeben. Es wird keinen Stillstand geben, nicht einmal eine
Atempause. Nur die Marschrichtung wird sich umkehren. Statt größerer
Komplexität und Zentralisierung wird Zerfall und die Auflösung energieintensiver
Strukturen erfolgen.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
In
der nächsten Zeit wird die Wegwerfgesellschaft erst einmal umdenken müssen.
Bei Produkten wird nicht mehr zählen, wie schnell sie durch neue ersetzt
werden, sondern vor allem Beständigkeit und Dauerhaftigkeit wie zu Urgroßväters
Zeiten. In unserem Haus haben wir vor 15 Jahren den zweiten Schornstein
gekappt und die Heizung auf Erdgas umgestellt. Wenn es gut geht, kann der jetzt
eingebaute Brennwertkessel so lange arbeiten, so lange Erdgas bezahlbar bleibt.
Dann wird man vermutlich umdenken müssen, die Heizung wieder umstellen oder
noch weitsichtiger handeln und aus dem Ballungsraum wegziehen. Diese Entscheidungen
werden die Kinder und Enkel zu treffen haben.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Noch
beschließt eine Regierung ein »Wachstumsbeschleunigungsgesetz«,
benutzt also genau die Begriffe, von denen diesem Abschnitt hier die Rede ist,
wird aber damit schon mittelfristig nichts anderes erreichen als die Beschleunigung
des Gegenteils. Ein Mittel, das versucht werden wird, um dem Chaos zu wehren,
wird die Abschottung des Binnenmarktes und der Grenzen sein. Ohne starke Einschnitte
in den erreichten Lebensstandard kann das jedoch alles nicht abgehen.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
Hauptbeschleuniger
des sozialen und politischen Wandels ist der Krieg. Er entfesselt die Energien
der Kriegführenden aufs äußerste. Und an seinem Ende rollen die
Kronen über das Pflaster, wehen die roten Fahnen und zerbrechen die Reiche.
Nicht nur 1815, 1917/'18 und 1945. Die apokalyptischen Reiter satteln schon längst
wieder ihre Pferde.| Volkmar
Weiss, Die globale Beschleunigungskrise, 2009 |
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