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 Das
Mesmerhaus in Meßkirch, in dem Martin Heidegger aufwuchs.
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„Das Dasein steht als alltägliches Miteinandersein in der
Botmäßigkeit der Anderen. Nicht es selbst ist, die Anderen
haben ihm das Sein abgenommen. Das Belieben der Anderen verfügt über
die alltäglichen Seinsmöglichkeiten des Daseins. Diese Anderen sind
dabei nicht bestimmte Andere. Im Gegenteil, jeder Andere kann sie
vertreten. Entscheidend ist nur die unauffällige, vom Dasein als Mitsein
unversehens schon übernommene Herrschaft der Anderen. Man selbst gehört
zu den Anderen und verfestigt ihre Macht. »Die Anderen«, die man so
nennt, um die eigene wesenhafte Zugehörigkeit zu ihnen zu verdecken, sind
die, die im alltäglichen Miteinandersein zunächst und zumeist »da
sind«. Das Wer ist nicht dieser und nicht jener, nicht man selbst und
nicht einige und nicht die Summe Aller. Das »Wer« ist das Neutrum,
das Man.“ (Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S. 126).
„In
der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, in der Verwendung des Nachrichtenwesens
ist jeder Andere wie der Andere. Dieses Miteinandersein löst das eigene Dasein
völlig in die Seinsart »der Anderen« auf, so zwar, daß
die Anderen in ihrer Unterschiedlichkeit und Ausdrücklichkeit noch nicht
verschwinden. In dieser Unauffälligkeit und Nichtfeststellbarkeit entfaltet
das Man seine eigentliche Diktatur. Wir genießen und vergnügen uns,
wie man genießt; wir lesen, sehen und urteilen über Literatur
und Kunst, wie man sieht und urteilt; wir ziehen uns aber auch vom »großen
Haufen« zurück, wie man sich zurückzieht; wir finden »empörend«,
was man empörend findet. Das Man, das kein bestimmtes ist und das
Alle, obzwar nicht als Summe, sind, schreibt die Seinsart des Alltäglichen
vor.“ (Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S. 126-127).
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 Blick
auf Martin Heideggers Hütte oberhalb von Rütte, Todtnauberg. Hier
schrieb Martin Heidegger den größten Teil von „Sein und Zeit“.
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„Das Man hat selbst eigene Weisen zu sein. Die genannte Tendenz
des Mitseins, die wir die Abständigkeit nannten, gründet darin, daß
das Miteinandersein als solches die Durchschnittlichkeit besorgt. Sie ist
ein existenzialer Charakter des Man. Dem Man geht es in seinem Sein wesentlich
um sie. Deshalb hält es sich faktisch in der Durchschnittlichkeit dessen,
was sich gehört, was man gelten läßt und was nicht, dem man Erfolg
zubilligt, dem man ihn versagt. Diese Durchschnittlichkeit in der Vorzeichnung
dessen, was gewagt werden kann und darf, wacht über jede sich vordrängende
Ausnahme. Jeder Vorrang wird geräuschlos niedergehalten. Alles Ursprüngliche
ist über Nacht als längst bekannt geglättet. Alles Erkämpfte
wird handlich. Jedes Geheimnis verliert seine Kraft. Die Sorge der Durchschnittlichkeit
enthüllt wieder eine wesenhafte Tendenz des Daseins, die wir die Einebnung
aller Seinsmöglichkeiten nennen.“ (Martin Heidegger, Sein und Zeit,
1927, S. 127).
„Abständigkeit, Durchschnittlichkeit, Einebnung
konstituieren als Seinsweisen des Man das, was wir als »die Öffentlichkeit«
kennen. Sie regelt zunächst alle Welt- und Daseinsauslegung und behält
in allem Recht. Und das nicht auf Grund eines ausgezeichneten und primären
Seinsverhältnisses zu den »Dingen«, nicht weil sie über
eine ausdrücklich zugeeignete Durchsichtigkeit des Daseins verfügt,
sondern auf Grund des Nichteingehens »auf die Sachen«, weil sie unempfindlich
ist gegen alle Unterschiede des Niveaus und der Echtheit. Die Öffentlichkeit
verdunkelt alles und gibt das so Verdeckte als das Bekannte und jedem Zugängliche
aus.“ (Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S. 127).
„Das
Man ist überall dabei, doch so, daß es sich auch schon immer davongeschlichen
hat, wo das Dasein auf Entscheidung drängt. Weil das Man jedoch alles Urteilen
und Entscheiden vorgibt, nimmt es dem jeweiligen Dasein die Verantwortlichkeit
ab. Das Man kann es sich gleichsam leisten, daß »man« sich ständig
auf es beruft. Es kann am leichtesten alles verantworten, weil keiner es ist,
der für etwas einzustehen braucht. Das Man »war« es immer und
doch kann gesagt werden, »keiner« ist es gewesen. In der Alltäglichkeit
des Daseins wird das meiste durch das, von dem wir sagen müssen, keiner war
es.“ (Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S. 127).
„Das
Man entlastet so das jeweilige Dasein in seiner Alltäglichkeit. Nicht
nur das; mit dieser Seinsentlastung kommt das Man dem Dasein entgegen, sofern
in diesem die Tendenz zum Leichtnehmen und Leichtmachen liegt. Und weil das Man
mit der Seinsentlastung dem jeweiligen Dasein ständig entgegenkommt, behält
es und verfestigt es seine hartnäckige Herrschaft.“ (Martin Heidegger,
Sein und Zeit, 1927, S. 127-128).
„Jeder
ist der Andere und Keiner er selbst. Das Man, mit dem sich die Frage nach
dem Wer des alltäglichen Daseins beantwortet, ist das Niemand,
dem alles Dasein im Untereinandersein sich je schon ausgeliefert hat.“ (Martin
Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S. 128).
„In
den herausgestellten Seinscharakteren des alltäglichen Untereinanderseins,
Abständigkeit, Durchschnittlichkeit, Einebnung, Öffentlichkeit, Seinsentlastung
und Entgegenkommen liegt die nächste »Ständigkeit« des Daseins.
Diese Ständigkeit betrifft nicht das fortwährende Vorhandensein von
etwas, sondern die Seinsart des Daseins als Mitsein. In den genannten Modi seiend
hat das Selbst des eigenen Daseins und das Selbst des Andern sich noch nicht gefunden
bzw. verloren. Man ist in der Weise der Unselbständigkeit und Uneigentlichkeit.
Diese Weise zu sein bedeutet keine Herabminderung der Faktizität des Daseins,
so wenig wie das Man als das Niemand ein Nichts ist. Im Gegenteil, in dieser Seinsart
ist das Dasein ein ens realissimum, falls »Realität« als daseinsmäßiges
Sein verstanden wird.“ (Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S.
128).
„Allerdings ist das Man so wenig vorhanden wie das Dasein überhaupt.
Je offensichtlicher sich das Man gebärdet, um so unfaßlicher und versteckter
ist es, um so weniger ist es aber auch nichts. Dem unvoreingenommenen ontisch-ontologischen
»Sehen« enthüllt es sich als das »realste Subjekt«
der Alltäglichkeit. Und wenn es nicht zugänglich ist wie ein vorhandener
Stein, dann entscheidet das nicht im mindesten über seine Seinsart. Man darf
weder vorschnell dekretieren, dieses Man ist »eigentlich« nichts,
noch der Meinung huldigen, das Phänomen sei ontologisch interpretiert, wenn
man es etwa als nachträglich zusammengeschossenes Resultat des Zusammenvorhandenseins
mehrerer Subjekte »erklärt«. Vielmehr muß sich umgekehrt
die Ausarbeitung der Seinsbegriffe nach diesen unabweisbaren Phänomenen richten.“
(Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S. 128).
„Das Man
ist auch nicht so etwas wie ein »allgemeines Subjekt«, das über
mehreren schwebt. Zu dieser Auffassung kann es nur kommen, wenn das Sein der »Subjekte«
nicht daseinsmäßig verstanden wird und diese als tatsächlich vorhandene
Fälle einer vorkommenden Gattung angesetzt werden. Bei diesem Ansatz besteht
ontologisch nur die Möglichkeit, alles was nicht Fall ist, im Sinne der Art
und Gattung zu verstehen. Das Man ist nicht die Gattung des jeweiligen Daseins
und es läßt sich auch nicht als bleibende Beschaffenheit an diesem
Seienden vorfinden. Daß auch die traditionelle Logik angesichts dieser Phänomene
versagt, kann nicht verwundern, wenn bedacht wird, daß sie ihr Fundament
in einer überdies noch rohen Ontologie des Vorhandenen hat. Daher ist sie
durch noch so viele Verbesserungen und ErWelterungen grundsätzlich nicht
geschmeidiger zu machen. Diese »geisteswissenschaftlich« orientierten
Reformen der Logik steigern nur die ontologische Verwirrung.“ (Martin Heidegger,
Sein und Zeit, 1927, S. 128-129).
„Das Man ist ein Existenzial
und gehört als ursprüngliches Phänomen zur positiven Verfassung
des Daseins. Es hat selbst wieder verschiedene Möglichkeiten seiner daseinsmäßigen
Konkretion. Eindringlichkeit und Ausdrücklichkeit seiner Herrschaft können
geschichtlich wechseln.“ (Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S.
129).
„Das Selbst des alltäglichen Daseins ist das Man-selbst,
das wir von dem eigentlichen, das heißt eigens ergriffenen Selbst
unterscheiden. Als Man-selbst ist das jeweilige Dasein in das Man zerstreut und
muß sich erst finden. Diese Zerstreuung charakterisiert das »Subjekt«
der Seinsart, die wir als das besorgende Aufgehen in der nächst begegnenden
Welt kennen. Wenn das Dasein ihm selbst als Man-selbst vertraut ist, dann besagt
das zugleich, daß das Man die nächste Auslegung der Welt und des In-der-Welt-seins
vorzeichnet. Das Man-selbst, worum-willen das Dasein alltäglich ist, artikuliert
den Verweisungszusammenhang der Bedeutsamkeit. Die Welt des Daseins gibt das begegnende
Seiende auf eine Bewandtnisganzheit frei, die dem Man vertraut ist, und in den
Grenzen, die mit der Durchschnittlichkeit des Man festgelegt sind. Zunächst
ist das faktische Dasein in der durchschnittlich entdeckten Mitwelt. Zunächst
»bin« nicht »ich« im Sinne des eigenen Selbst, sondern
die Anderen in der Weise des Man. Aus diesem her und als dieses werde ich mir
»selbst« zunächst »gegeben«. Zunächst ist das
Dasein Man und zumeist bleibt es so. Wenn das Dasein die Welt eigens entdeckt
und sich nahebringt, wenn es ihm selbst sein eigentliches Sein erschließt,
dann vollzieht sich dieses Entdecken von »Welt« und Erschließen
von Dasein immer als Wegräumen der Verdeckungen und Verdunkelungen, als Zerbrechen
der Verstellungen, mit denen sich das Dasein gegen es selbst abriegelt.“
(Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S. 129).
„Mit der
Interpretation des Mitseins und des Selbstseins im Man ist die Frage nach dem
Wer der Alltäglichkeit des Miteinanderseins beantwortet. Diese Betrachtungen
haben zugleich ein konkretes Verständnis der Grundverfassung des Daseins
erbracht. Das In-der-Welt-sein wurde in seiner Alltäglichkeit und Durchschnittlicllkeit
sichtbar.“ (Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S. 129).
„Das
alltägliche Dasein schöpft die vorontologische Auslegung seines Seins
aus der nächsten Seinsart des Man. Die ontologische Interpretation folgt
zunächst dieser Auslegungstendenz, sie versteht das Dasein aus der Welt her
und findet es als innerweltlich Seiendes vor. Nicht nur das; auch den Sinn des
Seins, daraufhin diese seienden »Subjekte« verstanden werden, läßt
sich die »nächste« Ontologie des Daseins aus der »Welt«
vorgeben. Weil aber in diesem Aufgehen in der Welt das Weltphänomen selbst
übersprungen wird, tritt an seine Stelle das innerweltlich Vorhandene, die
Dinge. Das Sein des Seienden, das mit-da-ist, wird als Vorhandenheit begriffen.
So ermöglicht der Aufweis des positiven Phänomens des nächstalltäglichen
In-der-Welt-seins die Einsicht in die Wurzel der Verfehlung der ontologischen
Interpretation dieser Seinsverfassung. Sie selbst in ihrer alltäglichen
Seinsart ist es, die sich zunächst verfehlt und verdeckt.“
(Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S. 130).
„Wenn schon
das Sein des alltäglichen Miteinanderseins, das sich scheinbar ontologisch
der puren Vorhandenheit nähert, von dieser grundsätzlich verschieden
ist, dann wird das Sein des eigentlichen Selbst noch weniger als Vorhandenheit
begriffen werden können. Das eigentliche Selbstsein beruht nicht auf
einem vom Man abgelösten Ausnahmezustand des Subjekts, sondern ist eine
existenzielle Modifikation des Man als eines wesenhaften Existenzials.“
(Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S. 130).
„Die Selbigkeit
des eigentlich existierenden Selbst ist aber dann ontologisch durch eine Kluft
getrennt von der Identität des in der Erlebnismannigfaltigkeit sich durchhaltenden
Ich.“ (Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1927, S. 130).


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