| – | Fehlender
eigener Nachwuchs wird durch Zuwanderer kompensiert (ein
fataler Fehler ! Anm. HB).** |
| – | Wir
werden älter und können länger arbeiten (ein
fataler Fehler ! Anm. HB).** |
| – | Ganztägig
geöffnete Bildungs- und Betreuungseinrichtungen (Krippen, Kindergarten, Schulen)
verbessern die Vereinbarkeit von Familien und Beruf. |
| – | Familien
erhalten einen Lastenausgleich (bzw. gar Lasten- und Lesitungsausgleich; vgl.
Irene Gerlach, Familienpolitik, 2004, S. 209ff.; Peter Mersch, Land
ohne Kinder, 2006, S. 94ff.). |
| – | Volle
steuerliche Abzugsfähigkeit von familienunterstützenden Leistungen für
Familien (vgl. Gabor Steingart, Deutschland - Abstieg eines Superstars,
2004, S. 279f.; Robert Bosch Stiftung, Unternehemn Familie, 2006, S. 23). |
| – | Der
Ansatz erlaubt eine präzise und bestandserhaltende Bevölkerungsplanung.
|
| – | Kinderlose
werden an der gesellschaftlichen Reproduktion beteiligt. Dies stellt einen wichtigen
Beitrag zur Generationengerechtigkeit dar. Die Transferausbeutung von Familien
durch Kinderlose (vgl. Herwig Birg,
Die ausgefallene Generation, 2005, S. 84 [**])
wird verringert: »Nicht die Reichen, sondern die Kinderlosen müssen
stärker besteuert werden. Es ist einfataler Webfehler unseres sozialen Systems,
daß Kinderlose die gleichen Versorgungsansprüche erwerben wie Eltern,
obwohl sie nichts zur Erziehung der zukünfligen Beitragszahler beitragen.«
(Norbert Bolz,
Die Helden der Familie, 2006, S. 71 [**]). |
| – | Kinderlose
werden von dem Vorwurf entlastet, auf parasitäre Weise von den Leistungen
anderer zu profitieren und allein für die demographischen Probleme des Landes
verantwortlich zu sein: »Man sollte Kinderlose nicht stigmatisieren, sondern
besteuern.« (Norbert Bolz,
Die Helden der Familie, 2006, S. 71 [**]). |
| – | Es
werden gezielt sozialisatorisch erfolgreiche Großfamilien gefördert.
Gleichzeitig wird das Problem vieler Alternativen, durch fehlende Leistungsanforderungen
und -anreize in erster Linie eine Steigerung der Geburtenraten in sozial schwachen
Schichten zu bewirken, vermieden. Denn: »Und wie stets bei wohlfahrtsstaatlichen
Leistungen muß man damit rechnen, daß der Versuch, den Opfern zu helfen,
das Verhalten reproduziert, das solche Opfer produziert.« (Norbert Bolz,
Die Helden der Familie, 2006, S. 35-36 [**]). |
| – | Kinder
wachsen wieder vermehrt in kinderreichen und damit kinderfreundlichen Umgebungen
auf, ohne sie der Gefahr einer Verarmung auszusetzen. |
| – | Die
Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird verbessert, in dem die Familienarbeit
professionalisiert (zum Beruf gemacht) wird. |
| – | Durch
Professionalität wird die Qualität der frühkindlichen Erziehung
auf ein neues Niveau angehoben. |
| – | Trennungsfolgen
können sozialverträglicher gestaltet werden, da aus der Familienarbeit
ein eigenständiges Einkommen generiert wird. |
| – | Es
kann ein humanitärerer Ausgleich zwischen hohen Fertilitätsraten in
der Dritten Welt und den niedrigen Fertilitätsraten in den entwickelten Staaten
stattfinden, indem Kinder in Not (Waisenkinder) in einem sehr frühen Alter
ins Land geholt werden und nicht erst dann, wenn die gesamte Aufziehleistung bereits
extern erbracht wurde. |
| – | Das
Konzept kann weitestgehend unabhängig von sonstigen (gegebenenfalls bereits
implementierten) familien- und bevölkerungspolitischen Maßnahmen eines
Landes umgesetzt werden.“ (Ebd., S. 13-14). |
| – | Zunächst
erziehen Familienmanagerinnen ihre eigenen Kinder und betreuen gegebenfalls zusätzlich
weitere Kinder anderer Eltern. |
| – | Dann
schließen sich mehrere Familienmagerinnen zu größeren Einheiten
mit eigenen Kindergärten, Musik- und Malschulen zusammen. |
| – | Sodann
kommen von ihnen kontrollierte Restaurants dazu. |
| – | Dann
ein Internet-Café für beruflich gestreßte Eltern, die ihre Kinder
betreuen lassen, aber manchmal dort den Aufenthalt genießen, zumal sie dabie
ins Gespräch mit anderen Eltern kommen. |
| – | Später
werden ein Schwimmbad und diverse andere Sporteinrichtungen dazugebaut. |
| – | Schließlich
eröffnen diverse Geschäfte und eine Pension für Feriengäste. |
| – | Längst
befinden sich diverse medizinische Dienste (inklusive Kinderarzt) auf dem Gelände |
| – | Die
gesamte Aufbauarbeit wird mit besonders günstigen Krediten von Banken gesponsort,
die damit ihr Familienbewußtsein zum Ausdruck bringen wollen. |
Wenn
sich die gesellschaftliche Reproduktion professionalisiert und ökonomisiert
sind vielfältige Entwicklungen denkbar, die denen der Produktion in vielen
Aspekten nicht nachstehen werden.“ (Ebd., S. 44-46).| – | Größere
und kindgerechte Wohnung. Unter Umständen ist dafür ein Umzug in eine
Vorstadt erforderlich, der mit zusätzlichen Verkehrsmitteln (zum Beispiel
einem Zweitwagen für die Ehefrau) erkauft werden muß. Auch verlängert
und verteuert sich dadurch der Weg zur Arbeit. |
| – | Größeres,
der Familiengröße entsprechendes Auto. |
| – | Zusätzliche
Kleidung, nahrung, Energie, Schulbedarf usw. |
| – | Literatur,
Konsumartikel und technische Geräte für die Kinder |
| – | Urlaubsreisen
mitten in der Hochsaison und für mehr Personen |
| – | Zusätzliche
Verkehrskosten (Bahn, Bus) |
Besteht für die Kinder
nur ein Konsumnutzen (weder Einkommens- noch Sicherheitsnutzen), dann können
allein schon die zusätzlichen direkten Kosten pro Kind dazu führen,
die Familiengröße trotz ausgesprochener Familienorientierung auf ein
bis zwei Kinder zu beschränken.“ (Ebd., S. 84).| – | Eine
Familienmanagerin verfügt generell über ein hohes Ausbildungsniveau. |
| – | Auch
während der Ausübung ihres Berufs bleibt sie - unter anderem im Rahmen
regelmäßiger Weiterbildungsmaßnahmen - in Kontakt mit neuesten
Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung. |
| – | Ihre
Arbeit erlaubt eine stärkere Rückkoppelung zu Forschungseinrichtungen.
Mit der Professionalisierung der frühkindlichen Erziehungsarbeit darf ein
weiterer Anschub bei der frühkindlichen Forschung erwartet werden. Auch andere
wissenschaftliche Disziplinen wie die Familienforschung oder etwa zur Hauswirtschaft
dürften von der Entwicklung enorm profitieren. |
| – | Der
Erfahrungsaustausch unter den Familienmanagerinnen (vom Umgang mit banalen Konsumwünschen
bis hin zur Haltung gegenüber den Medien) und die gegenseitige Unterstützung
kann die Qualität ihrer Erziehungsleistungen weiter anheben. |
| – | Die
Kinder von Familienmanagerinnen verfügen in aller Regel über Spielgefährten,
wodurch sie regelmäßige kindliche Anregungen erhalten. Die zu erwartende
enge Kommunikation zwischen den Familienmanagerinnen dürfte die Situation
weiter verbessern. |
| – | Die
Familienmanagerinnen könnten nicht nur eine gesunde Ernährung ihrer
eigenen Kinder sorgen, sondern aufgrund ihrer Marktmacht auch zu einer erheblichen
Verbesserung der generellen Lebensmittelversorgung. |
| – | Familienmanagerinnen
verfügen über ein ausreichendes Erziehungspotential, ihre KInder vor
einer nagtiven und zu ausschließlichen Beeinflussung bzw. Berieselung durch
Medien wie Fernsehen, Internet und Computerspiele zu schützen. |
| – | Familienmanagerinnen
könnten die frühkindliche Vermittlung von Englisch fördern. |
| – | (Kooperationen
unter) Familienmanagerinnen könnten ältere Experten (Musik, Kunst, Sprache,
Mathematik, Bewegung usw.), deren Humankapital auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr
gefragt ist, dazu anregen, statt dessen den Kindern Kenntnisse zu vermitteln. |
| – | Familienmanagerinnen
könnten berufstätige Eltern bei ihrer Erziehungsarbeit beraten, unterrichten
und unterstützen. |
... Familienmanagerinnen wären
neue Mütter.“ (Ebd., S. 118).| – | Dauerhaft
deutlich zu niedrige (»nicht bestandserhaltende«) Fertilität.
In diesem Fall spart sich die vorangegangene Generation einen erheblichen
Teil der Nachwuchsarbeit. Dies mag für sie ökonomisch günstig sein.
Für die nachrückende Generation ist das Ergebnis aber geradezu katastrophal,
weil sie damit eine erhebliche Altenlast aufgebürdet bekommt. Der Begriff
»nicht bestandserhaltend« drückt in Hinblick auf die forstwirtschaftliche
Herkunft des Begriffs »Nachhaltigkeit« bereits alles aus: Eine nicht
bestandserhaltende Fertilität verletzt das Nachhaltigkeitsprinzip. Das Problem
in unserem Kontext ist die zu starke bevölkerungspolitische Ausrichtung auf
die Produktion. Stattdessen müßte man zur Finanzierung der Reproduktion
denjenigen, die sich aus der Reproduktion völlig heraushalten, weil nur in
der Produktion Einkommen erwirtschaftet werden, etwas Geld abnehmen, und es in
die Reproduktion transferieren. Letztendlich kennt das Problem jedes Unternehmen:
Man kann nicht alles in die Produktion stecken, sondern benötigt Ressourcen
für Forschung und Entwicklung, aber auch für grundsätzliche Dinge
wie die Abschreibung von Anlagen (die Reproduktion). Wenn sich ein Unternehmen
nicht an diese Regeln hält, veraltet es und kann irgendwann nicht mehr konkurrieren.
Genau so stellt sich auch das deutsche demographische Problem dar. |
| – | Hohe
Staatsverschuldung. Wenn die vorangegangene Generation mehr ausgibt, als
sie einnimmt, lebt sie auf Pump und mutet der zukünftigen Generation nicht
nur die Rückzahlung des Kredits, sondern auch noch hohe regelmäßige
Zinslasten zu. Sowohl durch eine hohe Staatsverschuldung als auch eine nicht bestandserhaltende
Fertilität erhöht sich die Pro-Kopf-Belastung der nachfolgenden Generation.
In Kombination wirken beide Tatbestände geradezu fatal. Es gibt Vermutungen
eines sich gegenseitigen Verstärkens hoher Staatsverschuldungen und niedriger
Fertilitätsraten. Denn niedrige Fertilitäten führen zu einem Verlust
an Humanvermögen, der zu einem Ausgleich durch Realkapital und damit zusätzlichen
Kapitalaufnahmen drängt. Mittlerweile gibt es eine parteiübergreifende
Initiative verschiedener Bundestagsabgeordneter, die die Festschreibung einer
nachhaltigen Haushaltspolitik im Grundgesetz verankert wissen möchte. Es
ist allerdings fraglich, ob ein solcher Anspruch als isolierte Maßnahme
und ohne Berücksichtigung der anderen Nachhaltigkeitsfelder gelingen kann,
zu denen es eigene Rechtsinitiativen gibt. |
| – | Verschwendung
von Energie und/oder Ressourcen. Dies beinhaltet unter anderem eine Priorisierung
erneuerbarer Energiequellen etwa gegenüber Kohle, Öl oder Atom. |
| – | Vernachlässigung
des Umweltschutzes. Damit inbegriffen sind auch global wirkende Umweltbelastungen,
die sich zunächst primär in Hoheitsgebieten anderer Staaten auswirken. |
Die
fehlende Nachhaltigkeit bei der Nachwuchsarbeit (zu niedrige Fertilitätsraten)
wird sich schon bald empfindlich auf alle sozialen Sicherungssysteme auswirken
und damit das Prinzip der Generationengerechtigkeit substanziell verletzen (vgl.
Stefanie Wahl, | – | Ende
der 1990er-Jahre beanspruchten Über-59-Jährige knapp die Hälfte
der Mittel der gesetzlichen Krankenversicherung. Pro Kopf wendete die gesetzliche
Krankenversicherung für einen Über-59-Jährigen durchschnittlich
dreimal mehr auf als für einen Unter-59-Jährigen. Bei Beibehaltung des
gegenwärtigen Systems dürften sich die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen
bis 2040 vor allem aufgrund der Alterung real rund verdoppeln. Über-59-Jährige
würden dann etwa zwei Drittel der Mittel der gesetzlichen Krankenversicherung
beanspruchen. |
| – | Ältere
beanspruchen die gesetzliche Pflegeversicherung überdurchschnittlich. 1999
waren reichlich 2 Millionen Personen pflegebedürftig. Bei konstanten altersspezifischen
Pflegefallquoten dürfte diese Zahl bis zum Jahr 2040 auf rund 4 Millionen
anwachsen. |
| – | 1960
hatten rund 3 Beitragszahler zur gesetzlichen Rentenversicherung einen Rentner
zu versorgen. Im Jahr 2002 betrug das Verhältnis 1,8 : 1. Werden
nur die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in die Betrachtung einbezogen,
dann stünden nur noch 1,4 Aktive einem Rentner gegenüber. Im Jahr 2040
wird das Verhältnis sogar bei 0,8 : 1 liegen.
Allerdings gibt es Vorschläge, wie das Unterstützungsverhältnis
durch die Mobilisierung heute beruflich inaktiver Menschen in den kritischen Jahren
ab 2020 signifikant verbessert werden kann. |
| – | Ohne
tiefgreifende Reformen aller sozialen Sicherungssysteme dürften die Sozialbeiträge
bis 2040 von heute reichlich 42% auf weit über 50% des Bruttolohns steigen.
Damit würde sich die Erwerbsarbeit weiter verteuern (bei gleichzeitig nachlassender
Vitalität der Erwerbstätigen), der Rationalisierungsdruck steigen und
das Arbeitsvolumen beschleunigt zurückgehen. |
Die
letzte Aussage zu den tiefgreifenden Reformen der sozialen Sicherungssysteme muß
allerdings etwas relativiert werden. Ein populärer Vorschlag einer Veränderung
des Sozialstaates besteht zum Beispiel darin, die Altersversicherung durch eine
Einheitsrente mit optionaler Privatrente zu ersetzen: »Diese Garantierente
würde eine Einheitsrente sein, wie sie Biedenkopf schon vor Jahrzehnten vorgeschlagen
hat ... Biedenkopf und sein Mitstreiter Meinhard | – | In
der Produktionssphäre bleibt das Privateigentum und die unternehmerische
Dispositionsfreiheit grundsätzlich gewahrt; beide werden allerdings einschränkenden
Bedingungen unterworfen, um die Machtdifferenz zwischen den Unternehmen und ihren
Arbeitskräften - ›Kapital‹ und ›Arbeit‹ - unwirksam zu
machen, und um unerwünschte externe Effekte, d.h. außerhalb der Kostenrechnungen
der Betriebe anfallende ,soziale Kosten' zu reduzieren. Nationale Wohlfahrtsstaaten
unterscheiden sich hinsichtlich des dominierenden Typus dieser Einschränkungen
(staatliche Verbote, Schadenersatzpflichten, Verfahrensregelungen, Aufsichts-
oder Verhandlungssysteme). |
| – | In
der Verteilungssphäre wird nach marktwirtschaftlichen Prinzipien die ausschließlich
am Entgelt für Produktionsfaktoren orientierte primäre Einkommensverteilung
durch eine staatlich organisierte sekundäre Einkommensverteilung korrigiert,
welche auch den nicht erwerbstätigen und unvermögenden Bevölkerungsgruppen
(Alte, Behinderte, Kinder, Arbeitslose usw.) ein Einkommen sichert. Nationale
Wohlfahrtsstaaten unterscheiden sich hinsichtlich der Finanzierungsweise dieser
Transfereinkommen (durch Steuern und/oder Beiträge) sowie hinsichtlich der
Ausgestaltung der hierauf bezogenen Ansprüche und der Organisation des sozialen
Sicherungssystems. |
| – | In
der Reproduktionssphäre werden die Leistungen der privaten Haushalte durch
öffentlich subventionierte oder voll finanzierte Dienstleistungen des Bildungs-,
Gesundheits- und Sozialwesens ergänzt und unterstützt. Nationale Wohlfahrtsstaaten
unterscheiden sich hinsichtlich des Verhältnisses von staatlicher, kommunaler,
freigemeinnütziger und privatwirtschaftlicher Trägerschaft der leistungserbringenden
Einrichtungen sowie nach Art und Umfang ihrer politischen und rechtlichen Steuerung. |
Vom
liberalen rechtsstaatlich-marktwirtschaftlichen Gesellschaftstypus, wie er annäherungsweise
in großen Teilen der Vereinigten Staaten und in einigen Schwellenländern
anzutreffen ist, unterscheidet sich der wohlfahrtsstaatliche Typus durch den höheren
Grad legitimer Staatsintervention: Die gesellschaftlichen Verhältnisse werden
hier nicht grundsätzlich staatsfrei gedacht, sondern dem Staat wird die Kompetenz
zu wohlfahrtssteigernden Interventionen in die gesellschaftlichen Verhältnisse
zugesprochen.« (Franz-Xaver | – | Bedarfsnormierung:
Unter der Prämisse eines individualistischen Menschenbildes müssen wir
davon ausgehen, daß individuelle Bedürfnisse zunächst unbekannt
sind. Ein kollektiv wirksamer Steuerungsmechanismus muß also die Eigenschaft
besitzen, den Akteuren Zielgrößen zu setzen, die in möglichst
hohem Umfange mit individuellen Präferenzen Dritter vermittelbar sind. |
| – | Koordination
von Akteuren: Unter der Prämisse von Arbeitsteilung stellt sich das Problem,
wie Pläne, Entscheidungen und Handlungen unterschiedlicher Akteure so aufeinander
abgestimmt werden können, daß eine effektive Produktion, d.h. ein an
der Deckung definierter Bedarfe orientierter Ressourceneinsatz resultiert. |
| – | Rückkoppelung:
Unter der Prämisse einer hohen Ungewissheit von Handlungsfolgen kann nicht
damit gerechnet werden, daß die beiden zuvor genannten Probleme auf Anhieb
und dauerhaft gelöst werden können. Deshalb kann von effektiver sozialer
Steuerung nur gesprochen werden, wenn die Adressaten bestimmter Handlungen oder
Leistungen die Möglichkeit haben, dieselben im Lichte ihrer eigenen Bedürfnisse
und Prioritäten zu bewerten, und wenn diese Bewertungen für die Akteure
Folgen zeitigen, so daß sie aus Erfolg oder Mißerfolg lernen können.«
(Franz-Xaver Kaufmann,
Sozialpolitik und Sozialstaat: Soziologische Analysen, 2. Auflage, 2005,
S. 192). |
Wie in den letzten Abschnitten gezeigt wurde,
gehört eine nachhaltige Bevölkerungspolitik unter den heutigen gesellschaftlichen
Bedingungen zu den wichtigsten Aufgaben des Staates. In Wissensgesellschaften
wird die Reproduktion zum Kerngeschäft des Staates. Eine | – | Der
Staat gibt mehr aus, als er einnimmt. Die Differenz wird über eine steigende
staatliche Verschuldung ausgeglichen, deren Darlehenszinsen und Tilgungsbeträge
selbst einen nennenswerten Teil des Haushalts ausmachen. Das staatliche Defizit
hat auf diese Weise mittlerweile den fast unvorstellbaren Betrag von 1,5 Billionen
Euro erreicht. Diese Schulden werden der nächsten - zahlenmäßig
geringeren - Generation als Erblast vorgetragen. Die Verschuldung der Haushalte
geht einher mit der Kinderlosigkeit der Gesellschaft, im Prinzip laufen beide
Phänomene zeitlich parallel ab, so daß der Verdacht nahe liegt, sie
bewirkten sich gegenseitig. Insgesamt handelt es sich in beiden Fällen um
den allgemeinen Trend, sich Geld bei der nächsten Generation zu borgen und
heute auszugeben. Ökonomen sind beispielsweise der Auffassung, eine effiziente
Altersversorgung benötige entweder Human- oder Realkapital: »Realkapital
muß in dem Maße gebildet werden, wie es an Humankapital fehlt.«
(Hans-Werner Sinn,
Ist Deutschland noch zu retten ?, 2003, S. 409). Plastisch ausgedrückt
heißt dies: Um den gewohnten Lebensstil auch im Alter halten zu können,
muß man entweder genügend Kinder und Enkel haben, die einen dann versorgen,
oder man hat genug Geld, um sich im Alter alles, was man benötigt, kaufen
zu können. Im letzteren Fall müßte folglich bei fehlendem Humankapital
dann schließlich Realkapital eingesetzt werden. Wenn dieses etwa nur in
Form von Immobilien vorliegt, dann müßten gegebenenfalls einige Wohnungen
beliehen oder verkauft werden. Deswegen liegt der Schluß nicht fern, der
Staat gleiche bereits jetzt fehlendes Humankapital durch Realkapital aus, eine
Vorgehensweise, die ihn immer weiter in die Schuldenfalle treiben kann. Weitere
zukünftige Verluste beim Humanvermögen müßten dann entweder
durch vorhandenes Realkapital, zusätzliche Kapitalanleihen oder durch signifikante
Wohlstandseinschnitte ausgeglichen werden. In Anlehnung an die obige Äußerung
von Hans-Werner Sinn
hätte dies für den Wohlstandsstaat und seine sozialen Sicherungssysteme
die Konsequenz: Realkapital muß in dem Maße gebildet werden, wie
es an Humankapital fehlt. Umgekehrt muß der Wohlstand in dem Maße
eingeschränkt werden, wie es an Human- und Realkapital fehlt, andernfalls
droht die Staatsverschuldung.“ (Ebd., S. 155-156).„Erhebliche
Teile der staatlichen Ausgaben dienen nicht der Zukunftssicherung, sondern der
Subventionierung veralteter Industrien oder der Erfüllung sozialstaatlicher
Verpflichtungen. Beispielsweise zahlten 34 Millionen Beitragszahler in 2005 insgesamt
167,6 Milliarden Euro an die Deutsche Rentenversicherung, während der Staat
einen Zuschuß von 54,8 Milliarden Euro beisteuerte. (Die aktuellen staatlichen
Zuschüsse mögen zwarwesentlich durch gesetzliche Sonderverpflichtungen
begründet sein, dies ändert aber nichts an der grundsätzlichen
Aussage.). Weitere 5,9 Milliarden kamen aus den Reserven der Rentenversicherung
(Nachhaltigkeitsrücklage). Insgesamt hatte die Deutsche Rentenversicherung
in 2005 ein Budget von 228,3 Milliarden Euro. Allein diese Zahlen lassen die aktuelle
Gültigkeit des Humankapital-Realkapital-Gleichnisses von Sinn vermuten. Ein
weiterer Verlust an Humankapital würde - bei unverändertem Niveau der
sozialstaatlichen Leistungen - zwangsläufig stärkere staatliche Haushaltsdefizite
zur Folge haben, wobei sich der Staat zum Ausgleich ironischerweise vorwiegend
bei denjenigen Geld leihen müßte, die aufgrund ihrer Kinderlosigkeit
über genügend Realkapital verfügen, selbst aber nur wenig zur Anreicherung
des gesellschaftlichen Humanvermögens beitragen. Die Alternative lautet deshalb
nicht unbedingt Abbau des Staatsdefizits oder zusätzliche Bildungsausgaben,
sondern vermutlich eher zusätzliche staatliche Defizite oder Besteuerung
von Kinderlosen.“ (Ebd., S. 156-157). |
| – |
„Die aktuelle Generation reproduziert sich nur noch zu Zwei-Dritteln.
Auf diese Weise spart die jetzige Generation erhebliche Aufwände bei der
Nachwuchsarbeit, während die kommende Generation einer zahlenmäßig
größeren Elterngeneration den Lebensabend finanzieren muß. Man
könnte die Situation, vereinfacht ausgedrückt, mit einer Familie vergleichen,
die lediglich ein Kind in die Welt setzt und diesem dann im Erwachsenenalter erklärt.
»Wir haben es uns einfach gemacht und nur dich großgezogen. Als Dank
dafür darfst du doppelt so viel arbeiten und uns beide pflegen.« Franz-Xaver
Kaufmann meint denn auch: »Was früher fiir den Familienverband galt,
daß nämlich Kinderlosigkeit nicht nur ein persönliches, sondern
auch ein ökonomisches Unglück darstellt, gilt unter den vorhandenen
sozialstaatlichen Bedingungen in der Bundesrepublik zwar nicht mehr in jedem Einzelfall,
wohl aber weiterhin mit Bezug auf das Kollektiv der Generationen.« Franz-Xaver
Kaufmann,
Sozialpolitik und Sozialstaat: Soziologische Analysen, 2. Auflage, 2005,
S. 177). Bei einer Nachwuchsarbeit deutlich unter bestandserhaltendem Niveau handelt
es sich um eine erhebliche Verletzung des Nachhaltigkeitsprinzips, wodurch der
kommenden Generation zu hohe Lasten aufgebürdet werden. Eine Generationengerechtigkeit
ist dann aus ökonomischen Gründen nicht gegeben. Ähnliche Gedanken
wurden bereits von Franz-Xaver Kaufmann
oder Herwig Birg
geäußert.“ (Ebd., S. 157-158).„Daneben ist der Verdacht
geäußert worden, kinderlose Gesellschaften operierten besonders unökologisch,
nicht nur, weil Einzelpersonen pro Kopf generell mehr Ressourcen verbrauchen und
einen verschwenderischeren Freizeitstil pflegen als Familien, sondern weil sie
auch weniger Interesse an der Zukunft haben. (Vgl. Norbert Bolz,
Die Helden der Familie, 2006, S. 71 [**]).“
(Ebd., S. 158).„Generationengerechtigkeit muß immer im Kontext
ökologischer und Ökonomischer Gegebenheiten betrachtet werden. Setzt
etwa eine Population von 1000 Menschen nur 10 Kinder in die Welt, dann werden
der nachfolgenden Generation offensichtlich zu hohe ökonomische Belastungen
aufgebürdet, denen sie sich nur durch Kündigung des Generationenvertrags
entziehen kann. Die Frage ist deshalb: Bei welchen Fertilitätsraten werden
kritische Grenzen Überschritten ? Vermehrt sich eine Population
von 1000 Menschen mit einer Fertilitätsrate von 3,0, dann wächst sie
binnen 10 Generationen auf fast 60000 Menschen an. Die meisten Ökologen sind
der Ansicht, daß hierdurch Prinzipien der ökologischen Nachhaltigkeit
verletzt werden könnten. Vermehrt sich die gleiche Population dagegen nur
mit einer Fertilitätsrate von 1,33, schrumpft sie binnen 10 Generationen
auf nur noch 18 Menschen. Die meisten Ökonomen sehen darin eine Verletzung
der ökonomischen Nachhaltigkeit. Oder anders ausgedrückt: Ein solches
gesellschaftliches Reproduktionsverhalten wäre ruinös. Bestehen bereits
offenkundige Probleme im Rahmen der ökologischen Nachhaltigkeit, dann kann
eine langfristige Bevölkerungsschrumpfung angezeigt sein, allerdings stets
auch unter Berücksichtigung von Kriterien der ökonomischen Nachhaltigkeit.
Ferner können sich ökologische Probleme durch eine zu starke Reduzierung
von Humanressourcen auch verstärken, weil es dann an Kapazitäten zur
Verbesserung der Situation oder generell für ein Einhalten eines ökologisch
sinnvollen Verhaltens mangelt.“ (Ebd., S. 158-159). |
| – | „Familien
werden gegenüber Kinderlosen wirtschaftlich erheblich benachteiligt. Fachleute
sprechen von einer Transferausbeutung der Familien durch Kinderlose. Auch das
Bundesverfassungsgericht hat die Schlechterstellung von Familien mehrfach gerügt
und Nachbesserungen gefordert.“ (Ebd., S. 159).„Familien
stehen indirekt für die nächste Generation, da sie die Kinder aufziehen.
Aus diesem Grund handelt es sich bei einer Transferausbeutung von Familien um
eine Verletzung des Nachhaltigkeitsprinzips und um eine Vernachlässigung
der Generationengerechtigkeit (siehe dazu den Abschnitt Nachhaltigkeit
ab Seite 139).“ (Ebd., S. 159).„Aufgrund der wirtschaftlichen
Benachteiligung von Familien wächst ein signifikanter Teil der Kinder in
Armut oder gar unter Sozialhilfebedingungen auf und erhält nicht die Ressourcen,
die ihm zustehen sollten. Ferner ist das familiale und häufig auch schulische
Bildungsangebot unzureichend. Daneben sind weitere Mängel wie nährstoffarme
Ernährung, Bewegungsarmut, fehlende Aufmerksamkeit und Erziehungsdefizite
festzustellen (siehe dazu die Ausführungen im Kapitel Kindererziehung
ab Seite 105). Die wirtschaftliche Benachteiligung von Familien drückt
sich aber auch in geringeren Rentenansprüchen der Eltern aus, die aufgrund
der Elternarbeit auf erhebliche Teile des Einkommens verzichtet haben und folglich
auch nur geringere Rentenbeiträge abführen konnten. In wirtschaftswissenschaftlichen
Darstellungen wird die Stärke der gesellschaftlichen Ungleichheit zwischen
Arm und Reich über Equity-Faktoren ausgedrückt. Gesellschaften, die
sich - wie zum Beispiel die meisten Länder der Europäischen Union -
auch intern gemäß des demographisch-ökonomischen
Paradoxons vermehren (das heißt deutlich höhere Fertilitätsraten
in Schichten mit niedriger Bildung und niedrigem Einkommen, niedrige Fertilitätsraten
in der Mittel- und Oberschicht), laufen Gefahr, in verstärktem Maße
Ungleichheit zu produzieren, da sie - auch und gerade unter wohlfahrtsstaatlichen
Bedingungen - Armut reproduzieren (vgl. Norbert Bolz,
Die Helden der Familie, 2006, S. 36 [**]),
und sich dadurch langfristig die wohlfahrtsstaatliche Basis selbst entziehen.
Für die entwickelten Staaten sind deshalb bei Fortbestand des aktuellen Reproduktionsverhaltens
generell sinkende Equity-Faktoren zu erwarten. Auch dies dürfte ein Ausdruck
einer nicht mehr gewährleisteten Generationengerechtigkeit sein.“ (Ebd.,
S. 159-160). |
| – | Höhere
Rentenansprüche für Eltern mit Kindern. |
| – |
Steuerentlastungen für Eltern mit Kindern, zum Beispiel in Form eines
Familiensplittings, aber auch andere steuerliche Entlastungen bzw. Aufwandsanrechnungen. |
| – | Stärkere
Besteuerung der Kinderlosen. |
| – | Zwangssparen
(Riesterrente) für Kinderlose, gekoppelt mit höherer Rente für
Eltern. |
| – | Erziehungsgehalt
als Anerkennung für die von Eltern geleistete Erziehungsarbeit. |
| – | Direkte
Zuwendungen, etwa in Form eines Kindergelds (sofern Steuerfreibeträge nicht
ausgeschöpft werden). |
| – | Ausgleichszahlungen
für berufliche Fehlzeiten wie zum Beispiel das Elterngeld. |
Auf
einige der Punkte wurde bereits in den vorherigen Kapiteln bzw. sehr eingehend
in »| – | Ein
Erziehungsgehalt als Anerkennung für die von Eltern geleistete Erziehungsarbeit
ist ohne ein konkretes Arbeitsverhältnis und einer definierten Leistungserwartung
nicht vorstellbar. Außerdem würde ein solches Gehalt einen Baby-Boom
in sozial schwachen Familien auslösen, während einkommensstarke Schichten
weiterhin keinen Anreiz für einen eigenen Nachwuchs sehen würden. Für
diese stellt ein Erziehungsgehalt keine ausreichende Verringerung der wirtschaftlichen
Benachteiligung von Familien dar. Die Maßnahme wäre deshalb eher dazu
angetan, weitere Sozialfälle unter Kindern zu produzieren. (Vgl. Peter Mersch,
Land
ohne Kinder, 2006, S. 143ff.). |
| – |
Dies wird auch von einigen Experten so eingeschätzt: »Das Familiengeld
(Erziehungsgehalt) wird nicht weniger, sondern mehr Menschen in der Sozialhilfe
zurück lassen, weil es besonders fiir unqualifizierte und sehr junge Frauen
eine geradezu magische Anziehungskraft haben wird. Früher oder später
werden sie, mit den vermutlich mehreren Kindern, ohne Ausbildung um so weiter
im Abseits stehen. Selbst wenn das Ergebnis ein steiler Anstieg der Geburtenrate
sein sollte, wird das Humanvermögen mehr beschädigt als vermehrt.«
(Jürgen Borchert,
Irrweg Familiengeld - »Wiesbadener Entwurf« einer familienpolitischen
Strukturreform des Sozialstaats; http://www.Heidelberger-familienbuero.de/erziehungsgehalt/Borchert-Kritik-Familiengeld.htm). |
| – | Das
aktuelle Kindergeld deckt für die meisten Familien nicht die Kosten der Kindererziehung
ab. Es ist deshalb in erster Linie für einkommensschwache Schichten interessant.
Damit stellt es in der Regel keine ausreichende Verringerung der wirtschaftlichen
Benachteiligung von Familien dar. Wie das Erziehungsgehalt fördert das Kindergeld
eher Geburten in einkommensschwachen Schichten. Dies wird von den Familienverbänden
häufig ganz anders gesehen: »Um den Forderungen aus Karlsruhe Genüge
zu tun, hat die Bundesregierung die Steuerfreibeträge fiir Kinder kräftig
erhöht. fm Vergleich dazu blieb das Kindergeld allerdings weit zurück.
Die Folge: Ausgerechnet die Familien am oberen Ende der Einkommens-Skala bekamen
von den Segnungen der letzten Jahre am meisten mit - die also, die es am wenigsten
nötig haben. Daraus ergibt sich als logische erste Notwendigkeit: eine Erhöhung
des Kindergelds, und zwar eine kräftige.« (Josef Pütz / Carsten
Riegert, Der Aufstand der Familien - Eltern und Kinder kämpfen um ihre
Zukunft, 2002, S. 100f.). Im Kapitel Kosten/Nutzen von Kindern ab Seite
67 wurde dagegen aufgezeigt, daß einem Staat eher an Kindern aus Umgebungen,
in denen man sich Kinder auch »leisten« kann, gelegen sein dürfte
und sollte. Deshalb sind steuerliche Entlastungen für Eltern bzw. höhere
Besteuerungen für Kinderlose aus gesamtgesellschaftlicher Sicht vorzuziehen.
Alle sogenannten Gießkannenverfahren besitzen das bedenkliche Potential,
verstärkt die Fälle zu produzieren, die sie zu verhindern vorgeben. |
| – | Das
Elterngeld ist maximal für Familien mit mittleren Einkommen interessant.
Ferner ist die Anspruchszeit zu kurz, als daß es einen Ausgleich für
die Benachteiligung von Familien darstellen könnte. Familien mit mehreren
Kindern, bei denen ein Elternteil wegen der Kinder zu Hause bleiben muß,
werden durch das Elterngeld weiter benachteiligt. (Vgl. Peter Mersch, Land
ohne Kinder, 2006, S. 97ff.). |
| – | Ein
Zwangssparen (Riesterrente) für Kinderlose würde zwar deren wirtschaftskraft
reduzieren, aber das Geld müßte aufgrund der demographischen Krise
und des dadurch zu erwartenden Werteverfalls in Europa vermutlich im fernen Ausland
angelegt werden. Dabei wird Geld der deutschen Konjunktur entzogen, was dann preiswert
im Ausland für Investitionen zur Verfügung steht. Außerdem erhöht
das Riestersparen nicht notwendigerweise die Fertilität, denkbar ist auch
ein Rückgang der Geburtenraten. (Vgl. Peter Mersch, Land
ohne Kinder, 2006, S. 149ff.). |
Bleiben die
Punkte: | – | Durch
die Sicherstellung einer bestandserhaltenden Fertilität werden der nachfolgenden
Generation nicht zu hohe Lasten aufgebürdet. |
| – |
Durch die Bezahlung professioneller Familienmanager wird familienorientierten
Menschen eine wirtschaftlich attraktive Option zur Gründung einer Großfamilie
geboten. Solche Menschen können dann wirtschaftlich abgesichert das tun,
was eigentlich ohnehin ihr Lebensziel war, ihre Kinder sind nicht der Gefahr von
Armut ausgesetzt und die Gesellschaft profitiert als Ganzes davon. Auf diese Gesichtspunkte
wird in den beiden Abschnitten Einkommensnutzen für Familienmanager
ab Seite 181 und Sicherheitsnutzen für Familienmanager ab Seite 182
noch näher eingegangen.Im
Abschnitt Vereinbarkeit von Familie und Beruf ab Seite 84 wurde dargelegt,
daß der heute üblicherweise fehlende Einkommens- und Sicherheitsnutzen
von Kindern auch die Berechtigung für die Kommerzialisierbarkeit des Aufziehens
eigener Kinder in einer sonst arbeitsteiligen Welt begründet: Eine Familienmanagerin
zieht im Rahmen der Erziehungsarbeit einen Konsumnutzen aus ihren Kindern, ähnlich
wie andere Berufstätige eine Befriedigung aus ihrer Arbeit erhalten. Gleichzeitig
erzielt sie ein Einkommen aufgrund der geleisteten professionellen Arbeit. Das
schließlich nach ca. 20 Jahren der Gesellschaft übergebene Endprodukt
(»der erzogene und gebildete erwachsene Mensch«) gehört aber
nicht länger ihr, so daß sie aus der Elternbeziehung keinen direkten
Vorteil schlagen kann: »Eine realistische Familienpolitik muß die
Einsicht ernst nehmen, daß Kinder angesichts der heute dominierenden unselbständigen
Beschäftigungsverhältnisse und der verlängerten Kindheits- und
Jugendphase fiir Eltern lediglich immaterielle Nutzen, aber erhebliche ökonomische
Nachteile mit sich bringen. Kinder sind - ökonomisch gesprochen - zu einem,
öffentlichen Gut geworden, an dessen, Produktion zwar ein erhebliches, aber
im Regelfall keinerlei privates ökonomisches Interesse mehr besteht.«
(Franz-Xaver Kaufmann,
Zukunft Familie - Stabilität, Stabilitätsrisiken und Wandel der familialen
Lebensformen sowie ihre gesellschaftlichen und politischen Bedingungen, 1990,
S. 11). |
| – | Durch
die zusätzliche Besteuerung von Kinderlosen und weitere Steuerentlastungen
für Familien werden die Unterschiede in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
zwischen Kinderlosen und Familien reduziert.“ (Ebd., S. 177). |
| – | Sie
ermöglicht eine relativ schnelle Geburtenfolge. Die Einnahmen der Familien
verbessern sich relativ schnell, ohne daß die beteiligten Frauen unter Druck
geraten, durch frühzeitiges Abstillen für eine beschleunigte Geburtenfolge
sorgen zu müssen. |
| – | Der
Beruf des Familienmanagers könnte auf eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung
stoßen, da die Bezahlung in der Regel nicht ausschließlich für
das Aufziehen leiblicher Kinder erfolgt. Die Familienmanager tun also wichtige
Dienste für andere. So etwas wird in unserer Gesellschaft besonders gern
akzeptiert. |
| – | Der
Beruf bekäme neben der offenkundigen Relevanz für die Zukunft der Gesellschaft
etwas Humanitäres. Dafür sind Menschen eher bereit, auf einen Teil ihrer
Einkünfte zu verzichten. |
| – | Die
Maßnahme würde von jeglichem »Lebensborn«-Verdacht befreit.
(Vgl. Peter Mersch, Land
ohne Kinder, 2006, S. 138ff.).“ (Ebd., S. 184). |
| – | Die
aktuellen und angestoßenen Maßnahmen zur Nachwuchsförderung werden
auch in Zukunft zu keinen bestandserhaltenden Fertilitätsraten führen. |
| – | Zur
Zeit fördert unsere Gesellschaft ein »Survival of the Unfittest«:
Kinder lohnen sich in erster Linie für beruflich wenig erfolgreiche Menschen. |
| – | Aktuell
werden nicht nur zu wenige Kinder geboren, sondern der Nachwuchs weist zum Teil
erhebliche familienbedingte Defizite auf. |
| – | Eine
Gesellschaft, in der die Beteiligung an einer gesellschaftlich relevanten Aufgabe
zwar völlig freiwillig ist (die Nichtbeteiligung führt zu keinerlei
Nachteilen), aber hohe Lasten bzw. Kosten verursacht, wird eine zufriedenstellende
Ausführung der Aufgabe nicht sicherstellen können. |
| – | Ein
demographisches Gleichgewicht wird sich wohlfahrtsstaatlich nur schwerlich allein
durch Verringerung von Opportunitätskosten oder zusätzliche finanzielle
Anreize und ohne substanzielle finanzielle Beteiligung derer, die sich bislang
aus diversen Gründen der Aufgabe entzogen haben, erreichen lassen. Anders
ausgedrückt: Eine einkommensabhängige Besteuerung von Kinderlosen scheint
eine unerläßliche Voraussetzung für die Lösung des demographischen
Problems in modernen Wissensgesellschaften zu sein. |
| – | Eine
Hauptaufgabe des Staates liegt in der gesellschaftlichen Reproduktion. Dazu gehören
insbesondere die quantitative und qualitative Nachwuchssicherung, die Erhaltung
und Mehrung des Humanvermögens sowie die Sicherstellung der Generationengerechtigkeit,
oder allgemeiner ausgedrückt, die Reproduktion erneuerbarer (humaner) Ressourcen.Eine
Kernaufgabe des Staates wäre folglich die Erhaltung des Lebens- und Wirtschaftsstandorts
Deutschland und seiner wichtigsten Ressourcen (insbesondere: Humankapital). Statt
dessen sorgen sich Staat und Regierungen zur Zeit vorwiegend um die aktuelle Produktion
(Wirtschaft, Konjunktur). Seit vielen Jahren werden dafür sogar zunehmend
Anleihen zu Lasten der nächsten Generation aufgenommen (Staatsschulden).
Deutschland verhält sich zurzeit wie ein Unternehmen, welches auf Kosten
von Forschung und Entwicklung in die Produktion investiert, um kurzfristige Einnahmen
zu realisieren. Der Grund dafür ist vermutlich ein zu begrenzter Planungs-
und Vorstellungszeitraum.Staat
und Regierungen vernachlässigen also ihre primären Aufgaben, und das
schon seit vielen Jahren. |
| – |
Bei dauerhaft zu niedrigen Fertilitätsraten handelt es sich
um eine Verletzung des Prinzips der Generationengerechtigkeit, weil hierdurch
der zukünftigen Generation zu hohe Lasten aufgebürdet werden. Es gehört
zu den Aufgaben des Staates, ausreichend bestandserhaltende und nicht-ruinöse
Fertilitätsraten sicherzustellen. |
| – | Das
Mißverhältnis zwischen den staatlichen Reproduktions- und Produktionsaufgaben
führt zu Mängeln in der Nachhaltigkeit, zu Einbußen bei der Generationengerechtigkeit
und zu hoher Staatsverschuldung. Hohe Verluste beim Humanvermögen als Folge
der Verletzung des Nachhaltigkeitsprinzips können nur durch Wohlstandseinschränkungen
oder eine Aufnahme zusätzlicher staatlicher Anleihen (das heißt eine
Zunahme der Staatsverschuldung) ausgeglichen werden. Nichtbestandserhaltende Fertilitätsraten
begünstigen folglich Staatsverschuldungen (bzw. bewirken sie sogar). |
| – | Das
aktuelle Reproduktionsverhalten in den entwickelten Gesellschaften produziert
zunehmende gesellschaftliche Ungleichheit und Armut. |
| – | Aktuell
ist die Produktion (Wirtschaft) professionalisiert, die Reproduktion dagegen weitestgehend
nicht. Dies bewirkt einen »Fachkräftemangel« in der Reproduktion.
Oder anders ausgedrückt: Das Reproduktionskapital wird empfindlich beschädigt.
Um ausreichende Ressourcen für die Reproduktion gewinnen zu können,
müßte der Staat in diesem Sektor konkurrenzfähige Angebote unterbreiten
können. Die Konsequenz: Die Reproduktion müßte analog zur Produktion
stärker professionalisiert werden. |
| – | Aus
den zum Teil gegenläufigen Trends| - | Unattraktivität
der Reproduktion aufgrund fehlender Vergütung | | - | Bedeutungszuwachs
der Reproduktion als Folge der starken Gewichtung von Wissen und kognitiven Fähigkeiten
in Wissensgesellschaften | | - | zunehmender
Zwang zur Spezialisierung bei der Nachwuchsproduktion aufgrund des Rückgangs
der Zahl gebärfähiger Frauen | ergibt sich
die Notwendigkeit zur zunehmenden Professionalisierung der gesellschaftlichen
Reproduktion, und zwar ganz explizit bezüglich der Erziehung eigener Kinder,
denn nur dann werden über den zusätzlichen Nutzen ausreichende Anreize
für weitere Kinder gesetzt, und nur dann dürfte die Motivation hoch
genug sein, den Kindern eine optimale Erziehung zukommen zu lassen. |
| – | Eine
der stärksten Triebfedern für die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung
ist der Individualisierungstrend. Letztendlich wird dieser maßgeblich durch
die sich verändernden Anforderungen der Wirtschaft (Produktion) angetrieben.
Zunehmende Individualisierung führt aber gleichzeitig zu zunehmender Pluralisierung
der Lebensformen, Spezialisierung, Professionalisierung und Ökonomisierung.
Maßnahmen zur Verbesserung der »Vereinbarkeit von Familie und Beruf«
sind dagegen integrativ und verfolgen eine genau umgekehrte Zielrichtung. Sie
versuchen folglich dem Trend zur Individualisierung entgegenzuwirken, was nicht
gelingen kann. Kurz: Die These von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht
im Widerspruch zur Individualisierungsthese. (**). |
| – | Individualisierung
und wohlfahrtsstaatliche Entwicklung bedingen sich gegenseitig. Eine Zunahme der
Individualisierung ist meist mit einer individuellen Vernachlässigung von
Kollektivaufgaben verbunden, die dann Dritte, zum Beispiel der Wohlfahrtsstaat,
übernehmen müssen. |
| – | Das
fertige Endprodukt von Familien ist der erzogene und gebildete Erwachsene. Dieser
wird der Gesellschaft gegen Ende der Erziehungsphase ohne weitere Kosten »überstellt«.
Die Familie besitzt keine Urheberrechte an ihrem Produkt und kann auch sonst keinen
ökonomischen Nutzen daraus ziehen. Es dürfte deshalb kaum zu rechtfertigen
sein, einer qualifizierten Tagesmutter für die Betreuung fremder Kinder ein
Gehalt zuzugestehen, für das Aufziehen eigener Kinder dagegen nicht. |
| – | Aus
der biographischen Fertilitätstheorie von Birg et al. (**)
wird in der Regel die Empfehlung abgeleitet, den Anteil der Kinderlosen zu reduzieren.
Genau dieser Schluß läßt sich aber aus der Theorie nicht ziehen.
Die folgerichtige Empfehlung wäre dagegen, gezielt Großfamilien zu
fördern. Kurz: Die biographische Fertilitätstheorie ist vermutlich zutreffend,
die üblichen Folgerungen daraus dagegen nicht. |
| – | Der
zu erwartende Rückgang der Zahl der gebärfähigen Frauen und damit
indirekt des Reproduktionskapitals wird eine stärkere Spezialisierung bei
der gesellschaftlichen Reproduktion erforderlich machen. Mit anderen Worten: Ohne
eine Professionalisierung von qualifizierten Großfamilien dürfte das
demographische Problem kaum lösbar sein. |
| – | Die
zunehmende Individualisierung und die damit einhergehende Pluralisierung der Lebensformen
werden für eine weitere Destabilisierung der Familienformen sorgen. Dabei
wird sich eine Struktur aus einem erziehungsberechtigten Erwachsenen und den dazugehörigen
Kindern als einzig dauerhaft verläßliche Form herauskristallisieren.
Solche Strukturen werden temporäre und häufig wenig dauerhafte Bindungen
mit anderen und insbesondere ähnlichen Strukturen eingehen. Familienpolitische
Maßnahmen sollten sich deshalb verstärkt an den Anforderungen solcher
Basisstrukturen ausrichten. Konkret heißt dies zum Beispiel: Bei der Verbesserung
der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist die Meßlatte nicht die Kernfamilie
mit Vater, Mutter und Kindern, sondern die/der Alleinerziehende mit Kindern. |
| – | Maßnahmen,
die darauf angelegt sind, aus Singles Eltern zu machen, dürften kaum von
Erfolg gekrönt sein. |
Die guten Nachrichten sind
also: