Herbst / Abend

18 Uhr 24
Uhr

Spätkultur und Zivilisation



(22-24 Uhr) Befruchtung oder Cäsarismus

Automobil (VW 'Käfer'), 1960 Astronaut im Weltraum, 1999/2000 Pantheon, 27 v. Chr. Kolosseum, 70-80 erbaut

Die Befruchtung vollzieht sich im Verschmelzen zweier sexuell unterschiedlicher Geschlechtszellen oder Zellkerne. Im Fall der Geschlechtszellen spricht man von Gametogamie, im Fall der Zellkerne von Karyogamie. Das Produkt dieser Verschmelzung ist eine doppelte (diploide) Zelle, die Zygote genannt wird. Die Bedeutung der Befruchtung liegt in der Neuverteilung des elterlichen Erbgutes in den Nachkommen. Dadurch wird eine große Variabilität erreicht. Der Zufall kommt also ins Spiel. Die Verschmelzung eines männlichen Kerns mit einem weiblichen Kern würde in jeder Generation zur Verdoppelung der Zahl der Chromosomen führen, wenn nicht vor jeder Befruchtung bei der Bildung der Geschlechtszellen (Gameten oder Keimzellen) und Geschlechtskerne reduziert würde, nämlich vom diploiden Chromosomensatz (2 mal 23) auf einen einfachen (haploiden: 23). Dies geschieht während der Reifeteilungen (Meiose), deren Prophase sich über Wochen bis Monate hinziehen kann. Die Reduktion vollzieht sich in Form von zwei aufeinander folgenden Reifeteilungen an den Keimzellen, welche dadurch zur Befruchtung reif werden. Die Meiose erfolgt also bei beiden Geschlechtern in zwei Schritten: Während der 1. Reifeteilung werden die Chromosomen, die die aus DNS bestehenden Gene tragen, auf die Tochterzellen übertragen. Der diploide Chromosomensatz wird auf diese Weise halbiert, also haploid. Deshalb nennt man die 1. Reifeteilung auch Reduktionsteilung. Während der 2. Reifeteilung werden in beiden Tochterzellen - wie bei der Mitose, der Körperzellenteilung - die Chromatiden getrennt, so daß schließlich vier Zellen mit einem haploiden Chromosomensatz entstehen. Die Verteilung der vom Vater und von der Mutter ererbten Chromosomen erfolgt nach dem Prinzip des Zufalls. Dadurch wird das Erbgut in den Keimzellen neu kombiniert. Aus dem Grunde spricht man auch von Rekombination.

Zwillinge Verschmelzen bei der Befruchtung eine Eizelle und ein Spermium, das ein Y-Chromosom trägt, ensteht eine männliche Zygote, ein Junge entwickelt sich. Handelt es sich um eine Verschmelzung mit einem Spermium, das ein X-Chromosom trägt, entwickelt sich ein Mädchen. Eineiige Zwillinge entstehen aus derselben befruchteten Eizelle, aber nach den ersten Zellteilungen dadurch, daß sich der Keim nochmals vollständig trennt. Zweieiige Zwillinge hingegen entstehen, wenn gleichzeitig zwei Eizellen im Eierstock heranreifen und befruchtet werden.

Zum Anfang der Schützen Oogamie ist als beweglich-unbewegliche Fortpflanzungsart ein Sonderfall für alle höheren Pflanzen und Tiere, also auch für Menschen. Hier sind nicht mehr beide Gameten frei beweglich, sondern die weibliche Keimzelle, die Eizelle, ist im Laufe der Evolution bewegungsunfähig geworden, und die männliche Keimzelle, die Samenzelle (Spermium), muß aktiv zu ihr vordringen. Durch das Eindringen des Spermiums in die Eizelle wird die Befruchtung eingeleitet, und sobald das passiert ist, beginnt die sogenante Eiaktivierung.Während dieser Aktivierung wird dafür gesorgt, daß kein weiteres Spermium in die Eizelle gelangt. Außerdem hebt und verhärtet sich die Eimembran. Die Eioberfläche wölbt sich dem eingedrungenen Spermium entgegen, sozusagen als Empfängnishügel, und nimmt es auf. Dabei löst sich der Schwanzfaden des Spermiums ab. Der Kopf des Spermiums schwillt an und wird zum männlichen Vorkern, der dann auf den aktiven weiblichen Vorkern stößt, sich dort kappenartig anlegt und mit ihm zu einem diploiden Furchungskern verschmilzt. Die Furchungsteilung, auch Eifurchung, Eiteilung oder Blastogenese genannt, ist eine gesetzesmäßig aufeinanderfolgende mitotische Teilung des aktivierten Eies. Dieses befruchtete Ei teilt sich, gesteuert von Kontrollgenen, in zwei Tochterzellen (Blastomere). Es bildet sich eine gefurcht erscheinende Hohlkugel (Blasenkeim oder Blastula). Durch Längs- und Querteilungen entstehen stets kleiner werdende Furchungszellen, und nach etwa 3 Tagen hat sich eine vielzellige Morula ausgebildet, wenn es sich um eine totale Furchung handelt, wie z.B. bei allen Säugern. Die Furchung ist somit der Beginn der Keimesentwicklung entweder bereits mit deutlicher Determination bezüglich der einzelnen Blastomeren oder noch ohne eine solche. Bei einer totalen Furchung wird das ganze befruchtete Ei in Furchungszellen zerlegt, weil nur wenig Dotter vorhanden ist, und die Eizelle teilt sich in zwei gleich große Furchungszellen. Dieser Prozeß ist eine äquale Furchung und vollzieht sich während der Wanderung zur Gebärmutter. Weil der geringe Dottervorrat rasch verbraucht ist, muß sich die Morula möglichst bald einnisten. (0-2).

Es wird also geteilt, damit später niemand doppelt, sondern halbiert vereint ist. Es wird reduziert geteilt, zufällig rekombiniert, ein Ei aktiviert, ein gemeinsamer Furchungskern gebildet, wieder geteilt und dabei gewandert. Aus zwei haploiden Keimzellen entsteht eine diploide Zygote. Wie erwähnt, enthält die Zygote somit väterliches und mütterliches Erbgut. Für die Ur-, Spätkultur- und Zivilisationsgeschichte ist das ein interessanter Aspekt, denn bevor eine werdende Kultur überhaupt werden kann, müssen sich 2 Kulturzellen vereinigt, also 2 Zivilisationen begattet und bekriegt haben. Wie Spermien sind auch Führer oder Lenker einer Kulturnation zu den kleinsten Zellen zu rechnen. In ihrem Kopfteil liegt das Erbgut, repräsentiert durch die Superhirne aus den politisch-ökonomischen und geistig-technischen Bereichen. Wenn diese Samenzellen sich mit der Institution Eizelle vereinigen, sie befruchten, beginnt das uterine Leben, zumindest genetisch. Wenn es der Zufall zugelassen hat, kommt die spätere Kindeskultur mehr nach dem einen als dem anderen Elternteil. Die Entscheidung darüber ist von der Rekombination abhängig. Eine abendländische Geschichtswissenschaft müßte eine rekombinatorische sein, um hier ansetzen zu können. Die reduzierenden Elterngene der werdenden Antike waren z.B. die der Ägypter und Sumerer. Beide nahmen in dieser Zeit zivilisatorischen Einfluß auf das Gebiet der späteren Antike, insbesondere auf Kreta und das östliche Mittelmeer, die zu deren Kulturgebiet gehörten. Am meisten und zuerst niedergeschlagen hat sich das Erbe der antiken Eltern also in diesem Raum, den man geographisch, aber auch kulturgynäkologisch genau beschreiben kann. Hingegen sollte die antik-magische Zygote später einmal Abendland genannt werden. Es entwickelte sich hier eine seltsam anmutende Verschmelzung von apollinischem Einzelkörper und magischer Welthöhle, also zwei reduzierten Rekombinationen. Während der apollinisch-magischen Verschmelzung überwogen zunächst die antiken Kulte gegenüber den magischen, später die magischen gegenüber den antiken. Die magischen Religionen waren und sind eine Ansammlung verschiedenster Sekten, aus denen heraus sich das Christentum als das entscheidende Geistgen und das Römische Reich als das entscheidende Körpergen für das werdende Abendland erweisen sollten. Dieses Erbgut kam durch zufällige Rekombination zustande und wurde durch die Befruchtung festgelegt.

Zum Anfang der Schützen Die um das Ei Kämpfenden mußten also nicht nur enorm kämpfen, sondern auch mit intuitiver Intelligenz ausgestattet sein, denn von den unzähligen Samenzellen erreicht bekanntlich nur eine das zu befruchtende Ei. Es muß also eine Koinzidenz stattfinden. Diese Zufälligkeit ergibt sich erstens aus der Partnerwahl zweier Kulturen (18-20), zweitens aus dem Kampf um das Ei, durch die Tatsache nämlich, daß wandernde Zellen um die eine Zelle kämpfen, die bereits den Sieger abwartet (20-22), und drittens durch die eben erwähnte Befruchtung. In der Kulturgeschichte stellt der Beginn der Expansionen Kulturwanderungen dar; im ersten, großelterlichen Fall waren es die Ägypter, im zweiten, elterlichen Fall waren es die antiken Mächte und im dritten, eigenen Fall waren wir es, die Abendländer, die mit einer Kutlurbotschaft im Kopf der Samenzelle auf die Eizelle einen Eindruck machten. Die Rolle des abwartenden Eies spielten somit die mittelmeerischen Alteingesessenen im ersten, die Einwohner der hellenistischen Reiche im zweiten und die eurasisch-afrikanischen Einwohner im dritten Fall. Dieser Kulturtransfer erfolgt über aggressive Medien, also über Kriege, welcher Art auch immer. Der Bote überbringt die Information; im großelterlichen Fall war es Kreta, im elterlichen Fall war es Griechenland und im eigenen Fall war es (West) Europa. Die Information lautete für die großelterliche Minoik versus Indogermanik, für die elterliche Hellenistik versus Gallogermanik und für die eigene Situation Eurozentrik versus Afroasiatik. In jedem der Fälle kam es darauf an, nicht selbst in eine extrauterine Zelle zu geraten, zur Eizelle einerseits und zur Samenzelle andererseits zu mutieren, sich selbst also zu vergessen. Genau das war dem ägyptischen Kreta, dem hellenistischen Griechenland und jetzt auch dem sozialistischen Europa passiert. Sie haben so getan, als seien sie selbst die Zelle, in die sie sich zurückzogen. Erst später werden sie die Tatsache bemerkt haben, daß ein Versus auch einseitig Partei ergreifen kann: "Auch die Antike starb, aber sie wußte nichts davon." (Spengler, 1917, S. 547)

Der weibliche Zyklus stellt für jede Kultur die Grundlage derjenigen Großen Vereinheitlichenden Theorie dar, die sie auf typisch männliche Weise versucht zu finden. Sie soll ihr Weltbild bestätigen. Dieses ist jedoch ein Seelenbild der Kultur selbst. Eine faustische Seele versucht immer herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält (Goethe). Ein Forscher beginnt seine Untersuchungen im Dunkel einer Höhle und bewegt sich auf seßhaft-besessene Art der Dämmerung entgegen - als wäre er in einem Uterus. Ein Erwachsener, also auch eine erwachsene Kultur (Zivilisation), gleicht dabei einer theoretisierenden Keimzelle, die der Reduktionsteilung und anschließender Rekombination ausgeliefert ist. Was Frankreich in der vorletzten Phase und Deutschland in der letzten Phase politisch nicht geglückt war, das glückte den Angloamerikanern. Letztendlich haben Franzosen und Deutsche die kommende Weltmacht der Angloamerikaner unterschätzt, und Deutschland hat den Kampf um die Weltmacht gegen den Konkurrenten U.S.A. verloren. Frankreichs Krieg gegen die halbe und Deutschlands Krieg gegen die ganze Welt liefen am Ende in eine Sackgasse. Das Deutsche Reich hatte das Alter erreicht, das es erreichen sollte. Jetzt mußte dieses Über-Tausendjährige Reich das Ende und den Anfang zugleich denken. (Vgl. 6-8). Die U.S.-Amerikaner, die nur eine bedingungslose Kapitulation kennen, feierten den Endsieg, den Deutschland bedingungslos erkämpfen wollte. Besonders die jeweils letzte Lösung, auch Endlösung genannt, offenbarte bald, wen sie tatsächlich betreffen und wer davon wirklich profitieren sollte. Im Abendland werden auch Endlösungen an der Medienbörse vermarktet. Doch die U.S.A. brauchten Deutschland nach dem Weltkrieg als den Verbündeten, den sie zuvor im Kampf gegen Deutschland in Rußland gefunden hatten. Die Feindverhältnisse hatten sich jetzt also umgekehrt. Der Kampf um das Ei, der mit Einheitskriegen begann und seinen Höhepunkt fand in den zwei Weltkriegen, dem einen Großen Krieg, zeigte im Kalten Krieg sein wahres Gesicht, weil er offenbarte, wer hier auf wessen Kosten zur Weltmacht gelangt war, denn wenn das Deutsche Reich schon in dem großen Weltmachtskrieg ein Verbündeter der Westalliiertern gewesen wäre, was Hitler ja auch ursprünglich als Ziel anvisiert hatte, dann hätte der Konkurrenzkampf zwischen Deutschland und U.S.A. zugunsten Deutschlands ausfallen können, und daran konnten weder das Britische Reich, Frankreich und andere Verbündete noch die U.S.A. Interesse haben. Sie wollten die Weltmacht entweder ganz oder zumindest teilweise für sich; das ging aber nur gegen Deutschland und mit ihm nur, wenn sie es auf ihre, es aber nicht sie auf seine Seite würde ziehen können: Deutschland sollte die westlichen Mächte nicht für seine, sondern der Westen es für die eigene Weltmachtsucht gewinnen. Nur unter freiwilligem Verzicht auf die Weltmacht hätte sich Deutschland die Weltkriege ersparen können und vielleicht mit den Westmächten zusammen einen Rußlandfeldzug oder Verteidigungskrieg gegen den Kommunismus geführt. Nur unter freiwilligem Verzicht auf die Weltmacht hätten sich die U.S.A. mit den Hauptverbündeten England und Frankreich die Weltkriege ersparen können und vielleicht mit dem Deutschen Reich zusammen einen Rußlandfeldzug oder Verteidigungskrieg gegen den Kommunismus geführt. Später, aber zu spät, hat das auch Churchill so gesehen. Da beide Seiten auf den Weltmachtstatus nicht verzichten wollten, war der Gang der Dinge unvermeidlich. Keine Macht verzichtet auf die Möglichkeit, in die unerschütterlich, unbewegliche Position einer Weltmacht zu kommen, wie auch kein Spermium auf die Möglichkeit verzichtet, das zu befruchtende, unbewegliche Ei zu erreichen, es zu aktivieren, damit kein weiteres Spermium mehr in die Eizelle gelangen kann. Jede Macht möchte aktivieren, etwas so in Bewegung bringen, daß kein Konkurrent mehr fähig sein wird, die Position einer Absolutheit einzunehmen. Nur Großmächten bleibt es vorbehalten, dieses Ziel ins Visier zu nehmen, aber am Ende erreicht dieses Ziel doch nur eine von ihnen, die sich danach Weltmacht nennen darf. Wenn Spermien aus dem Uterus berichten könnten, sie würden genau dieses Thema zur Nachricht überhaupt erheben: den Stolz des Einen, im Ganzen aufgegangen zu sein, als der Einzige, der es geschaftt hat, das Unbewegliche zu bewegen. Während dieser Aktivierung wird dafür gesorgt, daß kein weiterer Bewerbungskandidat in diese Welmachtposition gelangt, d.h. ab jetzt werden die Geheimdienste zum Allerwichtigsten; der Abschirmdienst hebt und verhärtet sich. Die Staatsoberfläche der Medien wölbt sich dem eingedrungenen Spermium entgegen, sozusagen als Empfängnishügel, und nimmt es auf. Da die alles entscheidende Kriegsphase, d.h. die Zeit von etwa 1861/1871 bis 1989/2000, vorbei ist, werden die militärischen Schwanzfäden abgelöst, die Superhirne schwellen an und werden zum militärischen Vorkern, der mit dem aktivierten Geheimdienst zusammen zu einem diploiden Weltmachtskern verschmilzt. Jetzt kann die Furchungsteilung beginnen, die Teilung des befruchteten Eies.

Zum Anfang der Schützen Auch die Vereinigten Staaten von Amerika waren seit dem Sieg über Deutschland auf dem Weg zu einer solchen Befruchtung, ob sie tatsächlich vollzogen worden ist oder noch bevorsteht, werden die nächsten Jahre, Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte zeigen. Da das gesamte Abendland davon betroffen sein wird, hängt dieser Prozeß zum erheblichen Teil vom Verhalten der Westeuropäer, insbesondere aber von Deutschland ab. Nach einer solchen Befruchtung, vorausgesetzt, sie ist erfolgreich, stünde eine Aktivierung des Eies, ein Verschmelzen der beiden Vorkerne zu einem Furchungskern und anschließend eine Furchungsteilung an. Auch wenn es hin und wieder so manchen Vorgeschmack auf derartige Prozesse gegeben hat, z.B. die Rille namens Mauer zwischen zwei Hälften, die sich West- und Ostblock nannten, so steht dieser Kalte Krieg eher im Zusammenhang mit den letzten Kämpfen vor dem Erreichen des Ziels: in die Weltmachtposition, ins Ei, zu gelangen. Aus der harten Konkurrenz U.S.A.-Deutschland wurde eine weiche Opposition U.S.A.-Sowjetunion. Die Sowjetunion ließ man einfach aufrüsten, um überhaupt noch einen Gegner zu haben. Ihr hatte man als Preis für den besiegten Konkurrenten Deutschland eine andere Hälfte zugestanden. Weil Rußland im eigentlichen Sinne nie Konkurrent war, eine andere Hälfte aber immer auch eine Feindeshälfte sein muß, mit der man leben kann, war dieser Ost-West-Gegensatz eine Vorbereitung auf eine mögliche Befruchtung mit anschließender Eiaktivierung, d.h eine Vorbereitung auf die alleinige Weltmachtposition ohne ernsthaften Gegner. Die erst danach zu erfolgenden Bildungen der Vorkerne und des diploiden Furchungskerns bis hin zur ersten Furchungsteilung wären dann ein leichtes Spiel. Nur deshalb wurde, auf beiden Seiten, aus dem ehemaligen Feind Deutschland binnen kurzer Zeit scheinbar der beste Freund, aus dem Graben ein Eiserner Vorhang und aus der Mauer ein Spiegel für Raketeneitelkeiten. Auch wenn dies in der Zeit, insbesondere für Deutsche, so ausgesehen hatte, als sei die Sowjetunion ein ernsthafter Konkurrent für die U.S.A. gewesen, so muß man doch berücksichtigen, daß man dafür eine Macht im Ganzen, als System, betrachten muß, und ein solches funktionierendes System hatte Rußland noch nie gesehen. Seit 300 Jahren kleidete sich die Führung westlich-modern, während die Masse, sein Volk, noch nicht einmal ein frühkulturelles Gefühl entwickeln konnte.


Nicht attraktive Sowjetunion
( Y = 1/2 X    und      X < 4 )
Diese russisch-sowjetische Situation, die von ewiger Dauer zu sein scheint, müssen führende westliche Geheimdienste und Berater in ihrem Kalkül gehabt haben. Diese Führer hatten mit den Mitteln den Zweck insgeheim geheiligt und abwartend darauf gesetzt, daß sich diese Nichtkultur Sowjetunion von selbst auflöst. Sie hatten wohl doch nicht das falsche Schwein geschlachtet. (Churchill). Aber man täusche sich nicht in der anderen Funktion, die Rußland in Zukunft für das Abendland innehaben könnte. Es ist die Rolle des ebenen Gens, des Komplements zum abendländischen räumlichen Gen. Nach einer Befruchtung und Aktivation könnte der spätere Furchungskern aus genau diesen beiden genetischen Polen bestehen, wobei die nicht-abendländische Komponente nicht rein russisch, sondern eurasich mit afroasiatischem Einschlag ausfallen dürfte.
Der Begriff des Sowjetrussischen steht jedoch schon seit längerer Zeit für eine mögliche Alternative, wenn auch nur scheinbar, aber das ist ja gerade das Charakteristikum und die Funktion eines solchen geistigen Ebenengens. Sozialkritiken kommen bei der Masse immer gut an und die Sympathien für den Kommunismus waren nicht zufällig und nicht nur in den Zeiten des Kalten Krieges ein willkommener Anlaß für westliche Unterprivilegierte und östliche Überprivilegierte gleichermaßen. Die Äußerungen heutiger Politiker, erst Rußland ins Boot holen zu wollen, bevor entschieden wird, deuten auf gefährliche Weise ebenfalls in diese Richtung. Die sogenannten Europäer und die sogenannte E.U., die Euros, die unwillig sind, sich zu entscheiden und sei es nur dazu, sich selbst festzustellen, scheinen sich schon darauf vorzubereiten, in ferneren Zeiten und Räumen, also auf dem Lieblingsgebiet des Deutschabendländers, nicht mehr selbst im Raum sein zu wollen, und wenn doch, dann nur im Unendlichen als verschwindend kleinster teilbarer Nenner.

Zum Anfang der Schützen Es spricht vieles dafür, daß Deutschland auch bezüglich des abendländischen Untergangs führend sein will. Das Mittehalten, die Diplomatie oder andere Gleichgewichtsübungen sind nicht gerade eine Stärke der Deutschen. Die heute besonders auffällig gewordene Tendenz der deutschen Politiker, nach innen zu treten und nach außen zu buckeln, scheint nicht neu zu sein, mit der jüngeren oder jüngsten Geschichte hat sie jedenfalls überhaupt nichts zu tun. Die benutzen sie aber gern als Ausrede und als Alibi, hinter dem sie sich verstecken können. Hatte die Generation vor ihnen nur geschwiegen, so versteht sich die jetztige Nicht-Verantwortungsgeneration als etwas, was ihr dienstgradmäßig gar nicht zusteht: als Besatzungsmacht. Sie, obwohl selber Deutsche, sehen sich auf der guten alliierten, nicht-deutschen Seite und jeden, der ihnen widerspricht, auf der feindlichen, deutschen Seite. Solche Leute sind der Selbstverwirklichung, also Selbstentwirklichung zum Opfer gefallen. Sie sind Feinde ihrer selbst geworden. Aus der einstigen Selbstliebe ist Selbsthaß geworden. Typisch deutsch ist heutzutage, nicht deutsch sein zu wollen. Typisch deutsch war früher, deutsch sein zu wollen. Psychologisch sind beide ein und derselbe nationale Charakter: deutsch. Es hat sich nichts geändert, denn beide sind zwei Seiten einer einzigen deutschen Münze, und auch jetzt gilt: am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Damals mußte man davor zittern, heute darüber lachen. Obwohl der deutsche Geist so gut wie alles erfunden hat, das politische Gleichgewichtsorgan hat er jedenfalls nicht erfunden. Wenn deutsche Politiker auf unterschiedliche Weise mit den Neofaschisten Berlusconi und Haider umgehen, dann tun sie das, weil sie nach innen einen österreichischen Deutschen treten, der gar nichts anrichten kann, und nach außen den Buckel machen vor dem Ministerpräsidenten Italiens, der schon mehr anrichten kann. Um ihrer eigenen Eitelkeit wegen schicken die deutschen Rotgrün-Regierendenen Soldaten in jeden noch so idiotischen Krieg, in der Hoffnung, daß Amerika ihnen uneingeschränkt auf die Schultern klopft. Hinter der uneingeschränkten Solidarität, die Kanzler Schröder ständig anmahnt, stecken uneingeschränkte Hörigkeit und eingeschränkte Einsicht ins Notwendige, die ihn und seine Nation erst recht zu einem Spielball der U.S.A. und zu einer Projektionsfläche der U.S.A-Feinde machen. Die Erfahrungen, die Griechenland mit der damaligen Weltmacht Rom machen mußte, stehen Europa erst noch bevor. Und dabei spielen Deutschland und die Deutschen die entscheidende Rolle überhaupt, ob sie es wollen oder nicht, ob sie es merken oder nicht. Vielleicht muß der Zahlmeister Deutschland seine Europäische Union in der heutigen globalen Spätmoderne genauso aufgeben wie schon im gotischen Spätmittelalter das Deutsche Reich seine Universalidee, die zugunsten der nationalen Interessen immer mehr verkümmerte. Die Nationen blühten damals auf und hatten die besseren, weil praktisch fundierteren, politischen Argumente. (Vgl 10-12). Wenn es stimmt, daß Deutschland heute nur aus juristischen Gründen existieren soll, dann wegen der damit verbundenen Ansprüche und Titel der restlichen Welt, denn sie ist ja aufgrund des immer noch nicht geschlossenen Friedensvertrages weiterhin Deutschlands Kriegsgegner. Woher kommt dieses Desinteresse an einem Friedensvertrag und dieses merkwürdige Interesse an einer Fortdauer des 2. Weltkrieges, wenn nicht von den Leuten, die ihn schon längst zum 3. Weltkrieg haben werden lassen? Ein finanziell-ökonomisches Interesse am Nerv des Wiederholungszwangs und die Hoffnung der Opfer auf therapeutische Betreuung sind gerade in heutigen Zeiten der westlichen Therapiegesellschaft nichts Außergewöhnliches und auch der Geschäftsregelfall zwischen Therapeut und Patient (Klient !), aber Geschichte läßt sich damit nicht verarbeiten, wohl aber markt- und medientechnisch instrumentalisieren. Ein solcher Zynismus bewirkt lediglich, daß die Opfer des Weltkrieges zum Schein noch einmal durch die Hölle geschickt, die Geldkassen der scheinbaren Opfervertreter gefüllt und die privat orientierten Geldpolitiker zu Scheindemokraten werden. In jeder Kultur beginnt Cäsarismus mit Scheindemokraten, die nur noch Geld denken, Macht meinen und, wenn sie gut sind, großartige Politik machen können. Dann ist ihnen auch die Gefolgschaft der am Personenkult Interessierten sicher. Nur ist dann auch sicher, daß es längst nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch um Formen, um Äußerlichkeiten gehen kann. Wie bereits erwähnt, sehen die im esoterischen Abendland anders aus als in der populären Antike. (Vgl. 18-20). Das Abendland hat diese Phase noch größtenteils vor sich, aber die ersten Vorboten schon hervorgebracht. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, sondern Schicksal, daß Deutsche auch hier wieder die Nase vorn haben wollen, obwohl sie ständig ihre Genies an die U.S.A. verlieren. Das Gleichgewichtsorgan kommt zu Deutschen, wenn sie nicht zu ihm kommen. Entweder sie springen einem an die Gurgel oder sie küssen einem die Füße, soll Churchill einmal über die Deutschen gesagt haben. Er mußte es wissen, denn die Verlierer des Weltkrieges waren alle europäischen Nationen mit Welmachtstatus oder -ambitionen, also nicht nur Deutschland. Somit war Europa der Verlierer des Weltkrieges. Churchill wußte das, und er kannte die Deutschen. Nähere Verwandte kennen sich wie Geschwister, weil sie über eine längere gemeinsame Erfahrung, eine längere gemeinsame kulturelle Tradition verfügen als bloße Freunde, Ehepartner oder Nachbarn, die eher zu Vorurteilen neigen. Deutschland und England unterscheiden sich tatsäclich nur durch ihre jeweilige geographische Lage, die allerdings unterschiedliche Verhaltensweisen zutage führt. Das bringt natürlich Vor- und Nachteile mit sich. Politische Nachteile ergeben sich für Deutschland durch seine Mittellage, die häufig Gleichgewichtsstörungen zu verursachen scheint. Der Gleichgewichtssinn wird manchmal mit dem Geschmackssinn oder dem Geruchssinn verwechselt und muß nicht selten nachkorrigiert werden. Politische Vorteile hat England durch seine Insellage, weil sie Möglichkeiten zum strategischen Rückzug und dem Land durch seine Ringsum-Küsten eine zweite Haut verleiht. In Bezug auf andere Bereiche ist Deutschland eher im Vorteil, den es aber aus politischen Gründen gern ins Gegenteil dreht. Insbesondere durch die eben erwähnten Gleichgewichtsprobleme gerät es viel zu häufig in eine Schieflage. Das Ausland hat nicht erst seit 1945, sondern spätestens seit 1648 erkannt, wie man aus einer solchen Schieflage Kapital schlagen kann. Auch das gehört zur Geschichte einer politischen Reifeteilung.

Zum Anfang der Schützen Die Mächtigen, die eine Weltmacht anstreben und zu einer Befruchtung beitragen wollen, dürfen nicht über das Ziel hinaus schießen, nicht zu früh, aber auch nicht zu spät kommen. Eine Befruchtung muß immer ein Volltreffer sein. Die Besten, nicht die Bestien, werden dabei überzeugen, weil sie es geschaftt haben, ins Schwarze zu treffen, wie in Urzeiten die frühen Wurf- und Werfgemeinschaften, die ersten großen Projektemacher, die Entwerfer. Wie die frühen Menschen mit ihren ersten Wurfgeschossen Projekte im Kopf und Projektile in der Hand hielten, um sich zu schützen, andere zu beschützen oder zum Jäger überhaupt zu werden, so muß der die Große Theorie Vereinheitlichende vorgehen und Projekte bieten, die der Kultur auch das zivilisierte Leben weiterhin ermöglichen. Ein solcher Schütze wird vielleicht gehaßt und geliebt zugleich, aber nur deshalb kann er erfolgreich sein. So sind auch die Religionen, die Kulturen entstanden. Deshalb führt jede G.U.T. (Grand Unified Theory) früher oder später zu einer abgewandelten oder gar neuen Religion. Es gilt darum Sorge zu tragen, daß die eigene Kultur nicht völlig auf der Strecke bleibt. Früher oder später würde es dann heißen: auch das Abendland starb, obwohl es an das Unendliche glaubte. (Vgl. oben). Neue Religionen sind in bereits bestehenden Zivilisationen durchaus möglich, wenn sie richtig integriert werden. China und Indien sind Beispiele dafür, während die magische Kultur ein einzige Sammelsurium an Religionen darstellte und heute grob drei zivilisatorisch bestehende Richtungen aufweist: Judentum, Islam und orthodoxe Christen. Der Islam ist diejenige Komponente, die vom 7., insbesondere aber vom 8. Jahrhundert an mehr Gebiete und Menschen eroberte als knapp über 1000 Jahre zuvor Alexander der Große. Das Judentum hat den umgekehrten Weg eingeschlagen, eine Heimat in Buch und Rolle gefunden und ist ohne Ort geblieben. Als Ausnahme bestätigt der zionistische Staat seit 1948 diese Diasporaregel.

Ob Pythagoras (580-500), Mohammed (570-632) oder Cromwell () jeweils die Entwicklung einer Keimzelle bewirkt hatten, hatten pythagoreische, islamische und puritanische Staatspolitiken unter Beweis zu stellen. (Vgl 14-16). Die Pythagoreer hatten Vorläufer in den Orphikern, die Mohammedaner in den justinianisch-orthodoxen Cäsaropapaisten und die Puritaner im Luthertum calvinistischer Ausprägung. (Vgl. 12-14). Sie wollten alle zurück zu den Ursprüngen, um reinere Zustände zu bekommen. Die Botschaft jeder Renaissance ist ein Rückwärts-immer und Vorwärts-nimmer mit den umgekehrten Folgen. Auf renaissance-reformatorischen Rückbewegungen folgen barock-absolutistische und tyrannische Gegenbewegungen, dann eine zierliche Übereinkunft weniger Gleicher mit Dreispitz, eine stürmisch-napoleonische zweite Tyrannis unter dem Vorwand der absoluten Gleichheit, eine Zeit der kämpfenden Staaten und schließlich der Cäsarismus. Abgekürzt ist das der Weg von der 1. über die 2. zur 3. Tyrannis - von einer absolut ungleich-gleichen über eine absolut gleich-ungleiche zu einer gleich-gleichen Form der Herrscher-Volk-Beziehung. Augustus (63 - 14 n. Chr.), der Erhabene, war Erster unter Gleichen. Das Prinzipat drückte zwar aus, daß es Gleiche gab, aber auch, daß unter ihnen ein Gleicher über ihnen sein durfte. Man sieht in der Großphase der Ersten Reifeteilung den Prozeß, aus Ungleichheit Gleichheit machen zu wollen, was nur an der Oberfläche funktioniert; aus einer Selbsttäuschung wird unterwegs eine Vortäuschung und zuletzt eine Enttäuschung (Endtäuschung). Aus einer Ungleichheit eine Gleichheit machen heißt also de facto: einen Anspruch darauf zu entwickeln, de jure: mehr Gesetze zu etablieren. Mit Ungleichheiten muß jede Kultur und jede Nation fertig werden. So wie der Weg das Ziel oder nicht das Ziel ist, so sehr ist die Demokratie eine Gleichheit oder Ungleichheit.

Zum Anfang der Schützen Wer metaphysischer Uterologe oder Gynäkologe sein will, der muß die im Uterus herrschenden Kräfte genauso gut kennen wie der Astronom die im Universum herrschenden Kräfte. Er muß diejenigen Regelabläufe erkennen können, die Schwerkraft, starke Kernkraft, Elektromagnetismus und schwache Kernkraft bewirken. Da sie Wechselwirkungen von schwachem bis zu starkem Ausmaß und von geringer bis zu unendlicher Reichweite sind, bestehen sie aus Medien, aus Austauschteilchen (Gravitation, Gluonen, Photonen, Bosonen). Wenn man zeitlich zurückgeht, um die 4 Naturkräfte wieder zu vereinigen, dann fängt man mit der schwachen Wechselwirkung an und vereinigt diese zunächst mit der elektromagnetischen, beide mit der starken und schließlich diese mit der gravitativen Kraft. Astronomen haben sich bereits bis zum dritten Schritt durchgekämpft, Schwierigkeiten bereiten ihnen jedoch die sogenannte Planck-Ära, der früheste Zustand des Universums. Sie ist auch als Chaos-Ära bekannt und erweist ihrem Namen Ehre dadurch, daß sie wegen der Heisenbergschen Unbestimmtheitsrelation Zeit zu Raum und Raum zu Zeit werden läßt. Man hat sich auf die schon erwähnten Wahrscheinlichkeiten der Wahrscheinlichkeit zu verlassen. (Vgl. 20-22). Diese typisch faustische Arbeit, dem Chaos auf die Schliche zu kommen, die der antike Geist als irre bezeichnet hätte, soll heute durch die Große Vereinheitlichende Theorie zu Erfolgen kommen. Die Befruchtung auf geistig-technischem Gebiet könnte also bevorstehen, und die politisch-ökonomische Aktivierung würde sich direkt daran anschließen: Die Mächtigkeit der Samenzellen, während der Höhlen-Ära auf ein Ei zu treffen, ist bei einer Trefferwahrscheinlichkeit von 1 : der Einheitskraft während der Planck-Ära zurechenbar und wird in der Kulturgeschichte Weltmächtigkeit der Feldherrn in der Höllen-Ära genannt. In der jetzigen Phase geht es um die Befruchtung zweier geteilter Zellen, die zu einer verdoppelten Zelle werden, welche sich anschließend wieder vervielfältigend teilt, bis zur Morula. Was früher halbiert worden ist, wird jetzt verdoppelt und anschließend halbiert verteilt. Wo ein Halbiertes war, soll ein Verdoppeltes werden, damit die halbierende Fortpflanzung klappt. In der Geschichte des Universums ist das die Zeit von der Quark-Ära bis zur Strahlungs-Ära, die Entwicklung der All-Heimat.

Jetzt kommt es darauf an, uterologisch zu untersuchen, was die Genetikwelt im Innersten zusammenhält. Um dieses Erbgut zu erkennen, muß man Übersetzer und Überträger. ein projektiver Translator oder Dolmetscher werden. Linguistische Kenntnisse sind für Genetiker, besonders aber für Kulturgenetiker von allerhöchstem Wert. Die heutige Gentechnologie und die Computersprachen sind nicht zufällig gleichzeitig auf ihrer Höhe. CGAT-Austausch und Rep.-Ref.-Sem.-Text-Austausch sind Äquivalente in einer Zeit der Biochemie und Lingualphysik. Deren Verhalten entspricht dem der starken Kernkraft in Bezug auf Quarks (6 Arten), Hadronen (Protonen, Neutronen), Ladung (+1, 0, -1) und Austauschteilchen (Gluonen). Das, was das Innerste im Kern zusammenhält, ist für das Leben und für eine Kultur das Erbgut in der befruchteten Eizelle, der Zygote. Der Kulturzygotologe muß also sowohl die Geschichte der Elternkulturen als auch die eigene Kulturgeschichte studiert haben, um seine Eigenart besser verstehen zu können. Er muß ebenso die eigene mit der Kulturgeschichte der Nachbarn vergleichen, um dann überprüfen zu können, ob keine, eine, zwei ( Zwillinge ) oder gar mehrere neue Kulturen im Entstehen sein könnten. (Die Wahrscheinlichkeiten der Wahrscheinlichkeit lassen grüßen !) Er sollte wissen, wer Bettpartner war und wer sich aufgrund wessen Erbe aller Wahrscheinlichkeit nach beginnt zu entwickeln. Eine Befruchtungslehre muß sich also auch mit Wahrscheinlickeiten beschäftigen, zumindest mit der Koinzidenz.

Zum Anfang der Schützen
0) Einheit
(Planck-Ära)

Einheitskraft Männliche und weibliche
Elterngenerationen
Seßhafte Spätkulturen
1.)
Abspaltung
in der Qurk-Ära
Gravitation Eine bewegliche Samenzelle
nähert sich der Eizelle
Eine unbewegliche Eizelle wartet den Zufall ab Ein Staat nähert sich dem Status einer Weltmacht
2.)
Abspaltung
in der Qurk-Ära
Starke Wechselwirkung Eindringen des Spermiums
in die Eizelle
Eiaktivierung
( Konkurrenz ist ausgeschlossen)
Die Ökonomie
wird politisch autonom
3.)
Abspaltung
in der Qurk-Ära
Elektroschwache
Wechselwirkung
Der Schwanzfaden des Spermiums löst sich ab Die Eioberfläche wölbt sich dem eingedrungenen Spermium entgegen (Empfängnishügel) 2 Parteien mit nur einem ökonomischen Interesse (Imperialügel)
4.)
Abspaltung
in der Qurk-Ära
a) Elektromagnetische und
b) Schwache Wechselwirkung
a) Spermienkopf wird männl. Vorkern,
b) aktivierte Eizelle weibl. Vorkern
Privatperson XY
Privatperson XX
II) Ergebnis
(Quark-Ära)
4 Einzelkräfte (1, 2, 4a, 4b) 2 Vorkerne Kulturzwiespalt
( Basis einer Vorkultur)
III)
Hadronen-Ära
Bildung strukturierter Teilchen (Protonen, Neutronen und deren Antiteilchen sowie Elektronen, Positronen, Neutrinos, Antineutrinos und Photonen). Gegenseitige Vernichtung der Teilchen und Antiteilchen. Teilchenüberschuß wird heutige Materie Zusammenstoß der beiden Vorkerne Privatkriege zweier Diktatoren (Cäsaristen)
und Privatbündnisse
(z.B. Triumvirate)
IV)
Leptonen-Ära
Entkoppelung der Neutrinos
und gegenseitige Zerstörung der Elektronen und Positronen. Übrig gebliebenen Elektronen für spätere Materie-Ära (zur Rekombination, d.h. zum Einfangen eines Elektrons)
Verschmelzung der beiden Vorkerne zu einem diploiden Furchungskern
= 1 diploide Zelle (Zygote) (befruchtetes Ei)
Verschmelzung der Gegensätze zu einem diploiden Cäsarismus (Prinzip)
V)
Strahlungs-Ära (Plasma-Ära)
Erste Kernfusionsprozesse
Es entstehen neutraler Wasserstoff, schwerer Wasserstoff (Deuterium), überschwerer Wasserstoff (Tritium) sowie Helium, Helium-3-Kerne und Lithium. Somit entstehen die ersten
3 Elemente (H, He, LI) und die Isotope der
ersten 2 Elemente (H, He)

Furchungsteilung (Blastogenese, Mitose) und
Wanderung zur Gebärmutter

Die Zygote teilt sich, gesteuert von Kontrollgenen, in zwei Tochterzellen (Blastomere). Eine gefurcht erscheinende Hohlkugel (Blasenkeim oder Blastula) bildet sich. Längs- und Querteilungen führen zu immer kleiner werdenden Furchungszellen. Nach etwa 3 Tagen hat sich eine vielzellige Morula ausgebildet

Aus dem Prinzipat wird ein kulturell zweigeteilter Cäsarenwahn (z.B. der Titel: Kaiser und Gott)
VI)
Materie-Ära (Rekombination bzw. Stern-Ära)
Erste Sterne, Galaxien und Galaxienhaufen
Schwere Elemente werden in Sternen erbrütet

Die vielzellige Morula beendet die Wanderung durch ihre Einnistung (Nidation)

Der Cäsarismus wird beendet
(Neu-,
bzw. Vorkultur)


So wie sich biologisch der Keim weiter teilt, während er wandert, so erhält auch eine Kultur einen kontollierenden Teilungs- und Richtungsmotor. Diese Motorrolle hatten die Indogermanen für die mit dem sumerisch-ägyptischen Erbgut ausgestattete Antike und die Germanen für das mit dem antik-magischen Erbgut ausgestattete Abendland inne. Der Begriff Abendland formierte sich, stets in Abhebung gegenüber der östlichen Welt, dem Morgenland. Antike Kultur, römisches Christentum und germanisches Element bildeten die einigenden Faktoren. Die folgende Tabelle möge das verdeutlichen:

Zum Anfang der Schützen
Werdende Kultur Eltern (Gen-Code)
(Kultur-Basenpaar)

DNA als Substanz der Information: CGAT, mit 2 Basen als Basenpaar (AT, TA, CG, GC), die je 3 Basenpaare zusammenstellen (Triplett, z.B.: GTG, TAA, ATT
usw.), den Code einer Aminosäure. Das ergibt 64 Möglichkeiten zur Kennzeichnung der mindestens 20 jeweils regelmäßig vorkommenden Aminosäuren sowie nachrichtentechnische Hinweise für den Anfang einer Sequenz (z.B. GTG) und ihr Ende (z.B. TAA) einzubringen..
Kontrollgene
(Homöo-, Segment-, Chronogene),
die eine raum-zeitlich-funktionale Steuerung der Zellentwicklung bewirken. Mit ihnen beginnt ein durchgängiges kybernetisches Steuerungssystem, das bis zu den Kontrollmotiven der Persönlichkeitspsychologie reicht.
Vaterkultur (XY) Mutterkultur (XX) Steuerungssystem (Kontrollvolk)
Antike Ägyptische Kultur
(Weg, Pyramiden,
Konservierung, Nil)
Sumerische Kultur
(Tempel, Kreis,
Verwaltung,
Mauern)
Indogermanen (Wanderungen)
Abendland Antike Kultur
(Apollonik, Körper,
Statik, Polis)
Magische Kultur
(Welthöhle, Kuppel,
Consensus, Arabeske)
Germanen (Wanderungen)
Kultur (?) Abendländische Kultur
(Unendlichkeit, Raum,
Dynamik, Dome)
Eurasische Kultur
(Ebene, Weite,
Phlegmatik, Schicksal)
? (Wanderungen)

 

Zum Anfang der Schützen Die Antike ist nicht unser Leben, sondern unser Erbe. Da sie sich mit dem Magischen vermählte, heißt die Erbschaft: Römisches Reich und Frohe Botschaft !    Wir müssen am Vorabend der Spätantike anfangen, um uns selbst zu verstehen. Wir müssen die auf die Hitze der Weltkriege folgenden kalten Kriege untersuchen, die tiefensymbolisch so etwas wie eine von der chaotischen Hitze abgekühlte Abspaltung der grvitativen Einzelkraft von der nur noch dreifach-vereinten Restkraft darstellen. Dann wird klar, daß es zu Expansionen, zu einer Inflation, wie sie auch zur Zeit der Entstehung des Universums vor sich ging, kommen mußte, und daß es deshalb z.B. "ganz umsonst war, wenn der große Scipio (235-189) mit wahrer Angst vor dem Schicksal, dem eine mit den Aufgaben der Weltherrschaft belastete Polis entgegenging, von nun an jede Eroberung zu vermeiden suchte. Es war umsonst, wenn seine Umgebung gegen den Willen aller Kreise den makedonischen Krieg durchsetzte, nur um den Osten dann gefahrlos sich selbst überlassen zu können. Der Imperialismus ist ein notwendiges Ergebnis jeder Zivilisation, daß er ein Volk im Nacken packt und in die Herrenrolle stößt, wenn es sie zu spielen sich weigert." (Spengler, 1922, S. 1089). Der Imperilalismus, so verstanden, ist vergleichbar mit der inflationären Expansion des Universums während der sogenannten Quark-Ära, als sich zunächst die gravitative, dann die starke und die elektroschwache Wechselwirkung von der vereinheitlichten Kraft abspalteten und schließlich die elektroschwache sich in die elektromagnetische und schwache Wechselwirkung spaltete. Das war die Geburt der übrig gebliebenen, heutigen 4 Naturkräfte. Lebenssysteme zeigen das Werden auf ihre Art, ob biologisch oder kulturell. In der Kulturgeschichte wölbt sich die erobertete Kultur-Eioberfläche dem eingedrungenen Imperialisten, einem Spermium gleich, als Empfängnishügel entgegen, und nimmt ihn auf, weil ihr nichts anderes übrig bleibt. Sie muß es tun, weil sie im Laufe der Geschichte bewegungsunfähig geworden ist, aber befruchtet werden möchte. Das ist ihr Schicksal. Sie wartet auf den treffenden Zufall. Nur so können sich später Teilchen bilden, biologisch gesprochen: Vorkerne bilden, kulturgeschichtlich ausgedrückt: eine Bikultur bilden, die Basis einer Vorkultur. Diese wird kulturgenetisch mehr der einen oder mehr der anderen Seite ähneln. Das ist eine Frage des Zufalls. Die Teilchen müssen nur gegenüber den Antiteilchen einen kleinen Überschuß haben, damit überhaupt etwas entsteht. So geschah es während der Hadronen-Ära, so geschieht es während der Konfrontation der Vorkerne, und so geschieht es während der Entwicklung zum Kern des Cäsarismus, auf den ein ausgleichender Cäsarismus augusteischer Prägung folgt. Letzterer entspricht der Leptonen-Ära, in der so viele Elektronen übrig blieben, daß später die positiven Ladungen der Protonen ausgeglichen werden konnten. Das kommt biologisch dem Prozeß der Verschmelzung des männlichen und weiblichen Vorkerns zu einem diploiden Furchungskern gleich. Erst die gebildete Hohlkugel, die Blastula kann man zeitlich hinter der eigentlichen Befruchtung ansiedeln. Diesem Prozeß entspricht in der Entwicklung des Universums die Strahlungs-Ära. Nur so können sich später, in der Stern-Ära die schweren Elemente bilden. Eine 20-Sekunden-Geschichte des Universums, nämlich von der Einzelkraft zu Beginn der Quark-Ära bis zum ersten Kernfusionsprozeß in der Strahlungs-Ära, entspricht den wenigen Tagen im Uterus, an denen Befruchtung und Furchung bis zur Morula stattfinden. Eine Kultur braucht dafür jedoch 150 bis 300 Jahre! Der folgende Text sollte deutlich machen, wie die Phase des Cäsarismus verläuft: von der kulturellen Quark-Ära bis zu kulturellen Strahlungs-Ära, vom heißeren Chaos zur kälteren Ordnung der ersten leichten Elemente, vom Eitreffer bis zur Wanderung der Morula. (Vgl. Tabelle).

 

Zum Anfang der Schützen

Entwicklungen nach 1945 bzw. nach 202 / 190 v. Chr.

Zum Anfang der Schützen Die heutige abendländische Befruchtungsphase hat ihr antikes Analogon im Cäsarismus, der sich durch Flaminius (um 250-174) ankündigte, in Marius (156-86) zum ersten Mal Gestalt annahm und die Erhabenheit des Geldes in der Hand starkgeistiger Tatsachenmenschen offenbarte. Nachdem sich also die gravitative Wechselwirkung - die Weltmacht Rom - von der Resteinheitskraft, dem Rest der Welt herausisoliert hatte, trennte sich während der Inflationsphase auch die starke Kernkraft der Ökonomie und die zur elektroschwachen Wechselwirkung mutierte Parteipolitik allmählich vom Rest der Welt, wobei letztere sich in eine elektromagnetische und in eine schwache Wechselwirkung der Privatgefolgschaften aufspaltete. Die Frage, ob jemand politische Erfolge erzielen konnte oder nicht, hing ab jetzt immer mehr vom Privatvermögen ab. Bereits seit 150 lösten sich die um Grundsätze versammelten Parteien immer mehr auf und mutierten zu persönlichen Gefolgschaften um Männer, die ein privatpolitisches Ziel hatten. Das antike Rom ging "seit 146 nur deshalb an die Verwandlung der östlichen Ländermasse in Provinzen, weil es ein anderes Mittel gegen die Anarchie nicht mehr gab. Und auch das hatte zur Folge, daß die innere Form Roms, die letzte, die noch aufrecht geblieben war, sich unter dieser Belastung in den gracchischen Unruhen (136-132) auflöste. Es ist ohne Beispiel, daß hier der Endkampf um das Imperium überhaupt nicht mehr zwischen Staaten stattfindet, sondern zwischen den Parteien einer Stadt, aber die Form der Polis ließ einen anderen Ausweg gar nicht zu. Was einst Sparta und Athen gewesen war, heißt jetzt Optimaten- und Popularpartei. In der gracchischen Revolution, der 134 schon der erste Sklavenkrieg voraufging, wurde der jüngere Scipio heimlich ermordet (129) und C. Gracchus öffentlich erschlagen (133): das sind der erste Prinzeps und der erste Tribun als die politischen Mittelpunkte einer formlos gewordenen Welt. Wenn die stadtrömische Masse 104 zum erstenmal ein Imperium in gesetzloser und tumultuarischer Weise einem Privatmann - Marius - übertrug, so ist die tiefere Bedeutung dieses Schauspiels der Annahme des mythischen Kaisertitels durch Tsin (Chin) 288 vergleichbar: der unvermeidliche Ausgang des Zeitalters, der Cäsarismus zeichnet sich plötzlich am Horizont." (Spengler, 1922, S. 1089f.). Im Jahre 91 gab es einen Antrag des Tribunen M. Livius Drusus, der die Erneuerung der gracchischen Agrargesetze, die Besetzung von Richterstellen durch Ritter und die Verleihung des Bürgerrechts an die italischen Bundesgenossen forderte. Drusus wurde ermordet, und es kam zum Bundesgenossenkrieg (91-89). Die Bundesgenossen (Socii) gründeten einen neuen Staat mit der Hauptstadt Corfinium (= Italia) und wählten einen italischen Senat (500 Mitglieder). Am Ende des Bürgerkrieges (89) kam es zu Zugeständnissen Roms und somit zur Verleihung des Bürgerrechts an die Bundesgenossen (Lex Plautia Papiria). Im Jahre 88 erfolgte der Angriff des Mithridates von Pontus auf römisches Gebiet im Osten und der Aufruf an die Griechen, sich gegen Rom zu erheben. Bekannt ist die Vesper von Ephesus in Kleinasien, bei der 80000 Römer ermordet wurden. Der 1. Mithridatische Krieg folgte (88-84). Dem durch den Senat mit der Führung beauftragten Sulla (138-78) wurde der Oberbefehl durch das Volk entzogen und auf Marius übertragen. Daraufhin eroberte Sulla Rom und stellte die Senatsherrschaft wieder her, d.h. Plebiszite erhielten wieder nur mit Zustimmung des Senats Gesetzeskraft. Nach Sullas Abreise nach Asien kehrten Marius und seine Anhänger nach Rom zurück und errichteten ein Schreckensregiment. Den 2. Mithridatischen Krieg (83-81) im Osten gerade erfolgreich beendet und nach Rom zurückgekehrt, vernichtete Sulla die Marianer (83). Sullas folgende Dikatur (82-79) brachte Proscriptionen (Ächtungslisten) und den Tod von 90 Senatoren und 2600 Rittern. Jetzt hatte er erneut etwas reinstalliert: die Schreckensherrschaft. Nach Sullas Tod schlug Pompeius (106-48) die letzten Marianer in Spanien (77-71), und 74 bis 64 fand der 3. Mithridatische Krieg statt. Den Sklavenaufstand (73-71) unter Spartacus erledigte Crassus, die Reste des Sklavenheeres Pompeius. Nach Pompeius' Neuordnung des Ostens und der Catilinarischen Verschwörung, die der als Homo novus zum Konsul gewählte Cicero (106-43) aufdeckte und niederschlagen ließ (62), bestätigte der Senat nicht die Anordnungen des Pompeius im Osten und die Verteilung von Land an dessen Veteranen. Aus dem Grunde kam es zum 1. Triumvirat (60) zwischen Pompeius, Crassus und Cäsar (100-44), das auf der Konferenz von Lucca erneuert werden sollte (56). Es waren rein private Abmachungen ohne gesetzliche Bestätigung. Diese privaten Abmachungen zur gegenseitigen politischen Unterstützung ließen schon erkennen, daß jetzt der Cäsarismus seinem Höhepunkt entgegengehen sollte, ob der künftige Cäsar nun Pompeius, Crassus, Cäsar oder sonstwie heißen würde. Obwohl: nach der Eroberung Galliens war klar, daß Cäsar im Bürgerkrieg (49-46) gegen Pompeius siegen würde (48), denn die "Eroberung Galliens durch Cäsar war ein ausgesprochener Kolonialkrieg. d.h. von einseitiger Aktivität. Daß er trotzdem den Höhepunkt der späteren römischen Kriegsgeschichte bildet, bestätigt nur deren rasch abnehmenden Gehalt an wirklichen Leistungen." (Spengler, 1917, S. 50). Cäsar siegte über die Helvetier, darunter auch Teile der germanischen Sweben, bei Bribacte und über Ariovist im Elsaß bei Mülhausen (58), er unterwarf die belgischen Stämme, vor allem die Nervier (57), zog gegen die Stämme in der Bretagne, besiegte die Aquitaner (56) und drängte die germanischen Stämme der Usipeter und Tekterer zurück. Seine 1. Rheinübertretung und 1. Überfahrt nach Britannien unternahm er 55. Während der 2. Überfahrt nach Britannien gab es Kämpfe mit einem britischen Heer unter Cassivelaunus und eine Erhebung der Eburonen unter Ambiorix. Die Aufstände der Nervier und Treverer (54) wurden niedergeworfen und ein 2. Rheinübergang (53) im Anschluß daran unternommen. Es folgte ein Aufstand der Gallier unter Führung des Vercingetorix, den Cäsar mit der Eroberung von Cenabum, Avaricum und Lutetia Parisorum beendete und der schließlich zur Unterwerfung ganz Galliens führte. Damit war Gallien eine Stätte des Vorkämpfers, ein Heerführerland, denn das sind die ursprünglichen Bezeichnungen für die Provinz, für pro-vinc-ia. Das Lateinische provincere bedeutet "vorher erobern" und eine provincia ist ein außerhalb Italiens erobertes Land. Der heutige Name Provence für die gleichnamige südfranzösische Region ist ein Relikt aus der Zeit, als sich der spezielle Name für den südlichen Teil der Gallia Narbonensis durchsetze. Warum Cäsar durch Gallien der reichste Mann der (damaligen) Welt und deswegen berühmtester Politiker der römischen (und abendländischen !) Geschichte wurde, beschreibt Spengler:

"Die römische Ämterlaufbahn forderte, seit sie sich in der Form von Volkswahlen vollzog, ein Kapital, das den angehenden Politiker zum Schuldner seiner ganzen Umgebung machte. Vor allem die Ädilität, wo man durch öffentliche Spiele die Vorgänger überbieten mußte, um später die Stimmen der Zuschauer zu haben. Sulla fiel bei der ersten Bewerbung für die Prätur durch, weil er nicht Ädil gewesen war. Dann das glänzende Gefolge, mit dem man sich täglich auf dem Forum zu zeigen hatte, um der müßigen Menge zu schmeicheln. Ein Gesetz verbot das Geleit gegen Bezahlung, aber die Verpflichtung von Vornehmen durch Darlehen, Empfehlung zu Ämtern und Geschäften und Verteidigung vor Gericht, die diese wiederum zu Begleitung und zu täglichen Morgenbesuchen verpflichtete, war teuer. Pompejus war Patron der halben Welt, von den picenischen Bauern an bis zu den Königen im Orient; er vertrat und beschützte alles; das war sein politisches Kapital, das er gegen die zinslosen Darlehen des Crassus und die 'Vergoldung' aller Ehrgeizigen durch den Eroberer Galliens einsetzen konnte. Man läßt den Wählern bezirksweise Frühstücke servieren (Inaurari, zu welchem Zweck Cicero seinen Freund Trebatius an Cäsar empfahl), Freiplätze für die Gladiatorenspiele anweisen oder auch wie Milo unmittelbar Geld ins Haus senden. Cicero nennt das 'die Sitten der Väter achten'. Das Wahlkapital nahm amerikanische Dimensionen an und betrug zuweilen Hunderte von Millionen Sesterzen. Bei den Wahlen von 54 (v. Chr.) stieg der Zinsfuß von 4 auf 8%, weil der größte Teil der ungeheuren Bargeldmasse, die in Rom vorhanden war, in der Agitation festgelegt wurde. Cäsar hatte als Ädil so viel ausgegeben, daß Crassus für 20 Millionen bürgen mußte, damit die Gläubiger ihm die Abreise in die Provinz gestatteten, und bei der Wahl zum Pontifex maximus hatte er seinen Kredit noch einmal so überspannt, daß sein Gegner Catulus ihm Geld für den Rücktritt bieten konnte, weil er im Falle einer Niederlage verloren war. Aber die auch deshalb unternommene Eroberung und Ausbeutung Galliens machte ihn zum reichsten Mann der Welt; hier ist eigenlich Pharsalus schon gewonnen worden. Es handelte sich um Milliarden von Sesterzen, die seitdem durch Cäsars Hände gingen. Die Weihgeschenke der gallischen Tempel, die er in Italien ausbieten ließ, riefen einen Sturz des Goldwertes hervor. Vom König Ptolemäus erpreßten er und Pompejus für die Anerkennung 144 (und Gabinius noch einmal 240) Millionen. Der Konsul Aemilius Paulus (50) wurde mit 36, Curio mit 60 Millionen erkauft. Man kann daraus auf die vielbeneideten Vermögen seiner näheren Umgebung schließen. Bei dem Triumph von 46 (v. Chr.) erhielt jeder der weit über hunderttausend Soldaten je 24000 Sesterzen, die Offiziere noch ganz andere Summen. Trotzdem reichte der Staatsschatz nach seinem Tode aus, um die Stellung des Antonius zu sichern. Denn Cäsar hat diese Milliarden um der Macht willen erobert, wie Cecil Rhodes, und nicht aus Freude am Reichtum, wie Verres und im Grunde auch Crassus, ein großer Geldmann mit politischem Nebenberuf, Er begriff, daß auf dem Boden einer Demokratie die verfassungsmäßigen Rechte ohne Geld nichts, mit Geld alles bedeuten. Als Pompejus noch davon träumte, er könne Legionen aus der Erde stampfen, hatte sie Cäsar durch sein Geld längst zur Wirklichkeit verdichtet. Er hatte diese Methoden vorgefunden; er beherrschte sie, aber er identifizierte sich nicht mit ihnen. Man muß sich klar machen, daß sich etwa seit 150 (v. Chr.) die um Grundsätze versammelten Parteien zu persönlichen Gefolgschaften auflösen um Männer, die ein privatpolitisches Ziel hatten und sich auf die Waffen ihrer Zeit verstanden." (Spengler, 1922, S. 1134ff.).

Zum Anfang der Schützen Nachdem Cäsar den Rubikon überschritten hatte und in Rom eingezogen war, waren die Würfel gefallen (49). Es begann der Bürgerkrieg gegen den Senat und Pompeius (49-46). Im Alexandrinischen Krieg (48-47) wurde Cäsar in Alexandria eingeschlossen, währenddessen die dortige Bibliothek in Brand geriet. Cäsar setzte Kleopatra (69-30) als Königin ein und mit der Geburt des gemeinsamen Sohnes Cäsarion (Kaisarion, 47-30) ein Kind in eine Welt der privaten Weltkriege. Diese Welt bestand einerseits aus Verteilung der Lebensmittel an die Armen und andererseits aus blutigen Schauspielen, aus Brot und Spielen (panem et circenses) zur Unterhaltung der Bevölkerung. Überhaupt wurde auf gewaltige Siege gesetzt: Cäsar siegte am Nil und bei Zela über Pharnaces von Pontus (47), wo er kam, sah, siegte (veni, vidi. vici). Er siegte weiterhin bei Thapsus (46) über die Pompejaner, deren Niederlage Cato (95-46), ein Stoiker, Republikaner und Urenkel des Cato Censorius, mit Selbstmord quittierte. Cäsar hingegen, der unentwegt Triumphe feierte, wurde zum Diktator auf 10 Jahre und Praefectus moribus, d.h. Zensor für Sitte und Moral. Er ordnete den Staat neu durch behördliche Prüfung (census) der Bürgerschaft mittels Bürgerlisten, durch Verminderung der Getreideempfänger auf 150000 und durch die Gemeindeordnung für Italien (Lex Julia municipalis). Bei Munda in Spanien siegte er über die Söhne des Pompeius (45), wurde Diktator auf Lebenszeit (Dictator perpetuus) und Imperator, Konsul auf 10 Jahre, Oberbefehlshaber des Heeres, Pontifex maximus und Träger tribunizischer Gewalt. Dazu erhielt er ein Vorschlagsrecht zur Ernennung der Beamten, die sogleich erneuert wurden. Die Landverteilung an die Soldaten, die Fürsorge für die Provinzen, die Erweiterung des Senats auf 900 Mitglieder, die Kalenderreform, der Bau der Basilika Julia und die Erweiterung des Forum Julium oblagen ebenfalls Gaius Julius Cäsar, dessen Macht und Streben zur Königswürde zur Verschwörung des Brutus und Cassius führte. Marcus Antonius (82-30) hatte am Cäsar das Königsdiadem angeboten und der Diktator dieses zwar zurückgewiesen, doch die Verschwörung im Senat hatte nichts mehr übrig für derartige Bezeugungen. Nachdem Cäsar ermordet worden war (Iden des März, ), übernahm der Senat die Leitung des Staates. Er führte die Anordnungen Cäsars aus, amnestierte aber seine Mörder.

Gaius Octavius ( n. Chr.), auch Octavian und später Augustus genannt, war Cäsars Großneffe, von Cäsar adoptiert und zum Erben eingesetzt, und trotzdem brachte Marcus Antonius die Erbschaft an sich. Nach dem Leichenbegängnis und der Veröffentlichung des Cäsar-Testaments mußten die Mörder Rom verlassen. M. Brutus ging in die Provinz Macedonia, Cassius in die Provinz Syria und Dec. Brutus in die Provinz Gallia cisalpina. Die Diktatur wurde abgeschafft, und bald gab es den nächsten, den sogenannten Mutinesischen Krieg (44-43): Dec. Brutus wurde in Mutina von Antonius belagert, während Octavian mit seiner privaten Armee proprätorische Befehlsgewalt erhielt, Antonius in der Schlacht von Mutina besiegte und das Konsulat für das Jahr 43 erhielt. Jetzt wurden Sondergerichte für die Cäsar-Mörder eingesetzt und das 2. Triumvirat () zwischen Antonius, Octavian und Lepidus gebildet. Es war ein gegen Senat und Cäsarmörder gerichteter Bund, der 38/37 erneuert wurde und jeweils auf 5 Jahre begrenzt war. Über 200 Senatoren und über 2000 Ritter sowie Cicero fielen dieser Schreckensherrschaft durch Proscriptionen zum Opfer. In der Doppelschlacht von Philippi wurden Cassius und M. Brutus von Antonius besiegt. Maecenas vermittelte im Streit zwischen Antonius und Octavian, und es kam zur Verständigung von Brundisium (40), die eine Reichsteilung bedeutete: Antonius erhielt den Osten, Octavian den Westen und Lepidus Afrika. Italien blieb neutralisiert. Mit seinem Feldherrn Agrippa, der 38 die germanischen Ubier am linken Rheiufer angesiedelt und dort eine Siedlung gegründet hatte, die heutige Stadt Köln, war Octavian zum Herrn der westlichen Reichshälfte geworden. Für unser Thema, die Geschichte des Abendlandes, ist hier von eminenter Bedeutung, daß Germanen und Gallier immer mehr zum Bestandteil der römischen Politik wurden, wenn auch der Osten immer noch die Hauptrolle spielte. Im jüdischen Staat wurde jetzt (37) ein Nichtjude König der Juden: Herodes (73-4). In den Osten ging auch Antonius, und zwar nach Ägypten, wie schon Cäsar vor ihm. Obwohl oder weil Antonius die Schwester Octavians, Octavia, geheiratet hatte, verließ er sie sehr schnell - wegen Kleopatra (36). Noch im Jahre 36 vermählte sich Antonius mit Kleopatra VII. Er versuchte, ein hellenistisch-orientalisches Sultanat zu errichten, schenkte Kleopatra römische Gebiete und Cäsars Sohn Cäsarion die Mitregentschaft. Nachdem Antonius' Testament von Octavian veröffenlicht wurde, kam es zum Ausbruch des Ptolemäischen Krieges (32-30), der entschieden wurde durch die Schlacht von Actium (): Agrippa siegte über die Flotte Kleopatras. Es kam zur kampflosen Übergabe von 19 Legionen und zur Einnahme Alexandrias, wo sich Antonius und Kleopatra das Leben nahmen (). Wieder hatte Octavian mit seinem Feldherrn Agrippa durch einen Sieg eine Reichshälfte, dieses Mal war es ein Seesieg und die östliche Reichshälfte. Nach der Neuordnung des Ostens, einem Triumph in Rom und der Ansiedlung von 120000 Veteranen wurden im 6. Konsulat des Octavian die außerordentlichen Gewalten (Potestas omnium rerum) allmählich eingeschränkt, die Republik durch Niederlegung der Macht im Senat wieder hergestellt (). Octavian bekam den Ehrennamen Augustus vom Senat verliehen () und die wichtigsten Provinzen übertragen. Damit war sein politisches Gewicht anerkannt. Nun konnte das Prinzipat beginnen. Am wurde Augustus, nach Verzicht auf die Weiterführung des Konsulats, die tribunizische Gewalt (Tribunicia potestas) auf Lebenszeit übertragen, obwohl (und weil !) er nicht Volkstribun war, denn eine Interzession eines Volkstribunen gegen Gesetze des Augustus waren ab jetzt unmöglich. Im Jahre 22 lehnte Augustus die Übernahme des Konsulats und der mit diesem Amt verbundenen Aufgaben ab, übernahm dafür die Befugnisse zur Fürsorge auf bestimmten Gebieten, z.B. auf dem der Getreideversorgung (cura annonae) und des Straßennetzes (cura viarum). Im Jahre 19 erhielt Augustus die konsularische Gewalt (Imperium consulare) auf Lebenszeit und die Sittenaufsicht (cura morum) auf 5 Jahre. Damit besaß er Amtsbefugnisse, ohne die Ämter zu besitzen. Agrippa, sein Freund, wurde für 5 Jahre Mitregent (18-13). Augustus war selbst der Fiscus, Verwalter der Finanzen. Ab 12 war der Prinzeps auch Pontifex Maximus, er bekam jede Menge Ehrentitel verliehen, z.B. den des Pater patriae (Vater des Vaterlandes). Die befriedeten Provinzen und den Staatsschatz verwaltete der Senat. Der Ritterstand wurde zu einem Dienstadel, zu Beamten, Präfekten, und er übernahm das Kommando über die kaiserliche Leibgarde der Prätorianer. Die Amici Caesaris waren diejenigen Freunde, die den Prinzeps berieten. Augustus' Herrschaft wurde als Pax Augusta verklärt.

Zum Anfang der Schützen Wahrscheinlich ist es kein Zufall, sondern Schicksal, daß Römer und Germanen von Beginn dieser Phase an immer häufiger in Kontakt traten. Die ersten großen Kriege hatte Marius mit ihnen auszutragen (102, 101). Ab jetzt sollten die Römer und ihr Reich ohne Germanen nicht mehr auskommen. Der nächste große Krieg gegen die Germanen fand während Cäsars Eroberungen in Gallien statt, wie bereits erwähnt. Hauptgegner Cäsars war Ariovist († 54). Diesen germanischen Heerführer charakterisierte Cäsar in seinem De bello Gallico sehr eindrucksvoll, obwohl auch dieses Produkt mit Cäsars politischen Motiven, seinen rein privaten Machtinteressen konfrontiert werden muß, wenn man es richtig verstehen will. Er wollte und mußte abgerundete Tatsachen schaffen, um eine Gefolgschaft aufrecht erhalten zu können. In Gallien lebten auch Germanen. Ruhe und Ordnung konnte man dort aber offenbar nur schaffen, wenn man sie voneinander trennte, nicht weil es diesen beiden Völkern, sondern Cäsars Imperium dienen sollte. Erst unter Augustus drehten sich diese Verhältnisse um: Agrippa siedelte die Ubier auf dem linken Rheinufer an. (Vgl. oben). Erst die Niederlage des Marcus Lollius gegen die Sugambrer, 16 v. Chr., führte zu den römischen Offensiv-Kriegen gegen die Germanen von 12 v. Chr. bis 16 n. Chr., die nicht zufällig genau in die Zeit fallen, die das christliche Abendland später Christi Geburt nennen sollte. Die römische Provinz Germania wurde eingerichtet, als von 16 v. Chr. bis 16 n.Chr. die Reichsmacht bis zur Elbe vorgestoßen war. Auch die linksrheinischen Germanen-Stämme gehörten zu diesem Gebiet, dessen religiöser und politischer Mittelpunkt vermutlich Köln, die Colonia Claudia Ara Agrippinensis, gewesen ist. Zunächst versuchte Drusus mit zahlreichen Feldzügen das rechtsrheinische Germanien zur römischen Provinz zu machen (12-9). Von 8 bis 6 v. Chr. hatte Drusus' Bruder Tiberius sein erstes Kommando in Germanien und drang bis zur Elbe vor. Während seines zweiten Kommandos in Germanien (4-6) handelte er einen Vertrag mit den Cheruskern aus , unterwarf die Langobarden, errichtete eine Provinzialverwaltung ein, baute Straßen und sicherte die neugewonnenen Gebiete durch Legionslager. Nach seiner Regierungsübernahme zügelte er die Expansionsbewegungen des Germanicus in Germanien und hielt die römischen Positionen im Osten. Tiberius war konservativ im Sinne des Augustus. Auf den Senat gestützt, geriet seine Herrschaft allerdings immer mehr unter den Einfluß seines Günstlings und Prätorianerpräfekten Seian, der die Garde in ein Standlager am Stadtrand Roms verlegte. Seine Anklagen führten zu Majestätsprozessen, Hinrichtungen und Selbstmorden. Tiberius zog sich verbittert nach Capri zurück (27). Seian setzte auch die Ermordung des Kaisersohnes Julius Caesar Drusus durch, schaltete die Familie des Germanicus aus und wurde später wegen einer Verschwörung gegen den Kaiser verhaftet und hingerichtet (31). Aber die Prozesse gingen weiter. Tiberius' Sohn Drusus unterdrückte 14 n. Chr. als Heerführer den Aufstand der pannonischen Legionen und war 17 n. Chr. Statthalter in Illyrien. Er trug maßgeblich zur Unterwerfung des germanischen Markomannenkönigs Marbod († 37 n. Chr.) bei.

Die Germanenkriege, in deren Verlauf Rom immer mehr Verluste beklagen mußte, insbesondere durch den Sieg des Cheruskers Arminius über Varus (9 n. Chr.), stellten eine Zäsur sowohl in der antiken Germanenpolitik und war somit eine Besiegelung des Schicksals der beginnenden abendländische Geschichte. Die Schlacht im damals herbstlichen Teutoburger Wald bedeutete nicht nur den Verlust von drei Legionen, sondern auch eine kulturhistorische Wende, weil wahrscheinlich mit dieser gesamtgermanischen Provinz schon damals aus den Germanen römische Germanen und aus den Römen germanisierte Römer, also aus beiden Rom(germ)anen geworden wären. Das wiederum bedeutet, daß das kommende Abendland, wenn es unter solchen Bedingungen überhaupt entstanden wäre, ganz anders ausgesehen hätte, als es hinterher aussah. Vielleicht hätte sich später ein solches Römisches Imperium ein anderes neues Weltbild zugelegt, ein mehr germanisches, weniger christliches und damit ein mehr faustisches und weniger magisches Seelenbild entwickelt: das heutige Abendland hätte ein mehr antikes, weniger christliches und damit ein mehr apollinisches und weniger magisches Ursymbol in seiner Tiefenseele. (Vgl. Ursymbol). Das werdende Kind hätte anders ausgesehen, das ist sicher. Es hätte, genetisch gesprochen, mehr antike als magische Information erhalten. Aber es sollte ja anders kommen. Die bereits erreichte Grenzverlegung an die Elbe wurde bald aufgegeben.

Zum Anfang der Schützen Ganz offensichtlich wurde die Schaffung dieser Provinz nach bewährtem Muster vollzogen; die Römer hatten ja auch Gallien, das Land der gefürchteten Kelten, zur Provinz gemacht, und zwar, nach dem Sieg Cäsars im Gallischen Krieg (58-51), ohne größere Schwierigkeiten. Gallien entwickelte sich sogar zu einer blühenden Provinz, die reiche Steuerbeträge abwarf, angeblich mehr als Ägypten, die Kornkammer des Imperiums. Ursprünglich mag man sich von der Provinz Germania einen ähnlichen Aufschwung erhofft haben. aber gerade der plumpe Versuch, aus der neuen Provinz Steuern zu ziehen, führte zur Rebellion, weil derartige Praktiken von den Angehörigen eines Ackerbau betreibenden Naturvolkes mit einer Naturalwirtschaft überhaupt nicht verstanden werden konnten. Die Niederlage des Varus im Jahre 9 n. Chr. zwang Kaiser Augustus zum Umdenken. Zunächst reorganisierte er das einheitliche 6-Legionen-Heer und teilte den Oberbefehl. Jeder der neuen Oberbefehlshaber erhielt das Kommando über 4 Legionen. Die Verwaltungsstruktur wurde umgestaltet, indem man u.a. die linksrheinischen Gebiete mit der Provinz Belgica vereinigte, von wo auch die Provinz Germania verwaltet worden war. Das Wort Verwaltung gibt allerdings ein irreführendes Bild, denn der einzige Zusammenhang zwischen der Belgica und der Germania bestand in der Finanzverwaltung, deren Zentrale sich in Trier befand. Die politische und gerichtliche Herrschaft über die germanischen Landesteile fiel den Legaten zu. Zur Zeit des Augustus war der Legat Vertreter des Kaisers und der Oberbefehlshaber in der Provinz, dem allerdings die Verwaltungsfunktion, d.h. die Eintreibung der Steuern, entzogen war.

Die abendländisch-europäischen Vorkulturprobleme wurden nicht nur damals, vor 2000 Jahren besonders kontrovers ausgetragen, sondern, wie in jeder Kulturgeschichte, auch danach und bis in moderne Zeiten. Deshalb dürfte dieser Zeitraum, in dem Germanen auf Ur-Christen und die zivilisierte antike Kultur treffen, ein Indiz für die dem entsprechende Charakteristik unserer Geschichte sein. Die Zeit um 0 (Jahr des Herrn) ist tatsächlich ein Indiz für unsere genetische Information, die durch die späteren Erfahrungen eine soziale Ergänzung erfahren hat. In keiner europäischen Nation ist das elterliche Erbgut im Sinne von Zwiespalt so ausgeprägt wie in der deutschen. Sie liegt nicht nur geographisch, sondern auch historisch und aktuell-politisch in der Mitte Europas, im Zwiespalt universalen Anspruchs und eigensinniger Absonderung. Der Rückblick in die Antike und ins frühe Mittelalter läßt nämlich den Ursprung dieses Zwiespalts erkennen: was die Germanen pränatal, im Uterus, waren, das waren und sind die Deutschen postnatal, in der Welt. Sie sind das geborene Kind, das auf die Welt kam und in der Welt ist - um mit Heidegger () zu sprechen -, das Kind eines ungleichen, aber sehr fruchtbaren Elternpaares, nämlich des Römerreiches und des magischen Christentums. Wie jedes die Eltern beerbende Kind seinen Raum im Uterus erobern muß, um zu überleben, so beerbten die erobernden Germanen das christlich gewordene Reich der Römer. Das Erbe verpflichtete die Germanen auf den religiösen und geistigen Universalismus der katholischen Ökumene. Die Absonderung bestand in der Sprache, die die deutschen Kinder, die Nachfolge-Germanen, vom romanisch-mittelmeerischen Kulturkreis wieder trennte, denn die in die Mittelmeerwelt abgewanderten Germanen wurden ja durch die Verschmelzung mit den Römern nach und nach zu Romanen. (Rom + Germanen = Rom(germ)anen). (Vgl. 0-2 und 2-4 sowie 4-6).

Zum Anfang der Schützen Mit den auf Augustus und Tiberius folgenden Cäsaren begann eigentlich schon die Vorbereitung auf die Zwitterkultur, die antik-magische Phase. (Vgl.0-2). Spengler meint sogar, daß schon früher das Römische Reich "ganz anders geworden wäre, wenn Alexander und Cäsar länger gelebt oder Antonius bei Actium gesiegt hätte" (1917, S. 638). Aus dem Prinzipat wurde immer mehr ein kulturell zweigeteilter Cäsarenwahn. Die kulturgenetische Information zeigte ihre ersten Züge. Dennoch muß man die gesamte julisch-claudische Dynastie (bis 68) als eine Weiterführung des Prinzipats auffassen - Weiterführung nur in dem Sinne, daß sie in Richtung magischer Gebärmutter wanderte. (Vgl. Tabelle). Das Soldatenstiefelchen Caligula regierte von 37 bis 41 und sah sich als Cäsar und Gott. Der augusteische Prinzipat wurde zum ersten Mal in ein hellenistisch-orientalisches Gottkönigtum umgewandelt. Es folgten Claudius (41-54), Nero (54-68), das 1. Vierkaiserjahr (68/69), aus dem die flavische Dynastie hervorging, die Vespasian (69-79) begründete und seine Söhne Titus (78-81) und Domitian (81-96) fortsetzten, wobei bei Domitian der Cäsarenwahn wieder ausartete. Es folgten die Adoptivkaiser Nerva (96-98), Trajan (98-117), Hadrian (117-138), Antonius Pius (138-161), Mark Aurel (161-180) und dessen Sohn Commodus (180-192), bei dem der Cäsarenwahn wieder besonders stark zum Ausbruch kam, deshalb die Zeit der Adoptivkaiser beendet war und das 2. Vierkaiserjahr (193) folgte. Durch die Bestimmung seines Sohnes zum Nachfolger hatte Mark Aurel bereits das Adoptionsprinzip zugunsten einer dynastischen Erbfolge und die Offensivpolitik aufgegeben. Erreichte Rom noch unter dem spanischen Trajan seine größte Ausdehnug, so ging es mit Mark Aurel bereits dem Ende entgegen. Die Kriege im Osten, die die Pest brachten, und die Markomannenkriege drängten Rom in eine Defensive; aber in erster Linie kam der Zerfall aus dem Innern selbst. Rom hatte den apollinischen Körper, das antike Seelenbild und ihr Ursymbol schon halb verlasssen. Die Antike war keine antike Kultur mehr. Der Sieger paßte sich immer mehr den Besiegten an, insbesondere denen des Ostens. Befruchtend wirkte sich das nur auf die Germanen aus, die bald das Territorium des Römischen Reiches beherrschen sollten. (Vgl. 2-4). Der antike Cäsarismus war keine Selbstbefruchtung, und es bleibt abzuwarten, wie der abendländische Cäsarismus enden wird, denn er befindet sich, wie mehrfach erwähnt, im Anfangsstadium. Er läßt aber bereits jetzt eine Richtung erkennen: die theokratisch-demokratisch verfaßte Geschichte der U.S.-Amerikaner seit ihrer Auswanderung aus Europa ähnelt nicht zufällig ihrer mütterlichen Genetikinformation, nämlich der Geschichte der Israeliten seit der Auswanderung aus Ägypten nach Palästina, also seit etwa 1250 v. Chr.; und die Geschichte der U.S.A., die zur einzig übrig gebliebenen Weltmacht führt, ähnelt auch nicht zufällig ihrer väterlichen Genetikinformation, nämlich der Geschichte der Römer seit der Loslösung von der bis dahin griechisch dominierten antiken Kultur, also seit etwa 150 v. Chr., denn die entscheidenden Schlachten von Zama (202) und Magnesia (190) machten militärisch, das Auftreten der ersten Cäsaristen Flaminius und Marius politisch, der Wechsel von griechisch zu römisch ausgeprägtem Stoizismus und anderen Denkrichtungen geistig deutlich, daß Rom einen vom Rest der antiken Staaten losgelösten, eigenständigen und imperialen Weg einschlagen würde. Seit einigen Jahrzehnten - besonders aber seit jüngster Zeit ist das auch im Falle der U.S.A. so. Bezüglich der Zukunft gibt es aber keinen Grund zur Hysterie, weil auch die Zukunft den Imperialismus nicht verhindern kann. Diese Tatsache ist universalen Charakters und galt deshalb auch in der Vergangenheit. Einen Imperialismus hätte es auch ohne Rom gegeben, aber daß er römisch ausartete, ist eine Schicksalsangelegenheit der Kulturgenetik, also eine Frage der Geschichte. Trotzdem war der cäsaristische Imperialismus keine Selbstbefruchtung, wenn er auch noch so gern von vielen Menschen als solcher angesehen wird. Er war eine Überlebensstrategie, die gegen eine andere, eventuell neues Leben spendende, Überlebensstrategie gestellt war. Wie jeder Imperialismus sollte auch der römische verhindern, daß eine eventuell werdende Mutter den eventuell werdenden Vater nicht auffrißt, um sich selbst und das eventuell werdende Kind ernähren zu können. Selbstorganisation und Selektion sind, wie Anpassung und Ausschaltung, die konkurrierenden Faktoren der Evolution, also auch der Kulturgeschichte. Daß in den folgenden Phasen der Untergang der Antike vom römischen Imperialismus nicht verhindert werden konnte, lag nicht am Cäsarismus, sondern in der erst später sich offenbarenden Unfähigkeit der gesamten antiken Kultur, in der werdenden magischen Mutter noch die Ehepartnerin von einst erblicken zu können, die jetzt längst Teile der Antike gefressen hatte. Das ist auch eine Art von Pseudomorphose. (Vgl. Spengler). Real auch bei werdenden Müttern zu beobachten, blühte die magische Mutterkultur um so mehr auf, je mehr ihr die Schwangerschaft bewußt wurde und sich sowohl auf das eigene Leben nach der Schwangerschaft als auch auf das zu erwartende Kind vorbereiten konnte. (Vater Antike hätte wohl besser an einem Schwangerschaftskurs teilnehmen sollen !). Die magische Kultur sollte sich als geistig versorgende Mutter etablieren, von deren Plazenta das abendländische Kind sich ernähren konnte. Die Phase der genetischen Information war nun beendet, aber deren Materialisation konnte und mußte jetzt beginnen. (Vgl. 0-2).



Zum Anfang der Schützen In Wissenschaft und Technik verzeichnen wir in dieser Phase sowohl eine mehr als je zuvor zunehmende Spezialisierung (20-22) als auch eine, insbesondere dem Wohlstand dienende Verbesserung und Verfeinerung mit globalen Auswirkungen. Was wir Abendländer heute Globalisierung nennen, gab es auf euklidisch-begrenzte Art auch in der Antike, und zwar einzigartig und punktuell. Das Abendland vernetzt heute denjenigen Weltraum, den die Antike als körperlich-stoffliche Ordnung dem Chaos geburtshelferisch abgerungen hatte. (Vgl. Kosmos). Die Antike kannte keine Raumfahrt, stellte dem Weltraum aber auf euklidisch-statische Art eine Ordnung, ein ptolemäisches Weltbild entgegen. Dennoch brillierte die Antike (rot gefärbt) in der Zeit von 200/150 bis 80/180 in den Bereichen, die das Abendland zum größten Teil in ihren faustischen Entsprechungen noch vor sich hat, weil diese Phase hier gerade erst begonnen hat. (Vgl. auch den Text zu Musik und anderer Kunst im Abendland und in der Antike).

1941) Erster Computer (Konrad Zuse)
1943/44) Neu-Lebensphilosophie (Existenzialismus: Sartre)
1943/44) Erste Flüssigkeitsrakete (Braun, Dornberger): Grundlage für die Raumfahrt
1945) Atombombe (Hiroshima () und Nagasaki () werden von U.S.A. zerstört)
1945/49) Neu-Marxismus (Frankf. Schule, Kritische Theorie, Horkheimer, Adorno, Marcuse, Habermas)
1945/48) Kybernetik (N. Wiener)  -200) Götterangleichung in Rom: Zeus = Jupiter, Minerva = Athene usw.
1945/49) Neu-Strukturalismus / Linguistische Wende (Lévi-Strauss, Lacan, Foucault)
 um -200) Wissenschaftliche Grammatik (Aristophanes von Byzantion)
1957) Analytische Philosophie / Linguistische Wende (Logistik der Sprachphilosophie: Chomsky)
seit 1945/1990) Spätneuhochdeutsch: Der Höhepunkt der deutschen Sprache (Klassik) ist vorbei.
                          Die Weltsprache Englisch wird auch als Wissenschaftssprache führend

                          (Vgl. AHD, Früh-MHD, Klassisches MHD, Spät-MHD,
                                  Früh-NHD, Klassisches NHD und Hochklassik des NHD)
 seit -200) 1. Lautverschiebung: Germanisch löst sich vom Rest-Indogermanischen
Hier endet der Übergang, der den Anfang bildete für die jetzige Phase (Globalismus und Raumfahrt)
1960/1965) Automobilisierung der Gesellschaft, Zunahme der Massenmedien (Fernsehen)
1960/1965) Synthese von DNS und RNS (Kornberg, Ochoa)
1960/1965) Empfängnisverhütung durch die Antibabypille

) Konzil (22)  von Rom (Vatikan II): Liturgische Erneuerung; Offenbarung;
                  Kirche in der Welt von heute; Kollegialität der Bischöfe; Religionsfreiheit;
                  Ökumenismus; Kommunikationsmittel
                  Schisma zwischen Ost- und Westkirche bleibt bestehen (Gegenseitiger Bann wird aufgehoben)

1960/70) Beginn der Planetensystem-Erforschung mit Raumsonden, z.B. Pioneer 6 (Start zur Sonne: 1965)
seit 1961) 1. bemannter Raumflug
                  (mit den Forschungssateliten beginnen die geophysikalischen, astronomischen, bilogischen u.a.
                  Messungen, mit den Nutzungs-Sateliten verschiedenster Art Verbesserungen von
                  Kommunikation, Wettervorhersagen, Navigation u.v.m.)
1969) 1. Landung auf dem Mond ()
1967/73) Erste Weltraumstationen und -labore (Sojus / Skylab)
1969) Entdeckung der Fortpflanzung bei Bakteriophagen und Viren (Delbrück, Hershey, Luria)
1969) Militärs in den U.S.A. entwickeln das Arpanet, den Vorläufer des Internet
1972) Pioneer 10 startet mit dem Ziel, das Planetensystem zu verlassen. (Vgl. 1998 und 2001)
1976/89) Künstliche Intelligenz, Computerlinguistik (Eisenberg)
1978) Künstliche Samenübertragung: Erster Mensch aus der Retorte (geboren am )
1989/93) Globale Computer-Vernetzung durch HTML (Berners-Lee)
 -160) Neu-Akademie (3. oder Neue Akademie: Karneades)
1991/93) Entwicklung des Internet-Dienstes World Wide Web (www) in Genf (C.E.R.N.)
1995/97) Entschlüsselung des genetischen Codes und Klonen als Humangenetik (Klonschaf Dolly: Wilmut)
 -153) Beginn des Kalenderjahres in Rom mit dem 1. Januar
1998) Die Sonde Pioneer 10 wird von der 1977 gestarteten Sonde Voyager 1 in Jupiters Nähe überholt
1999) Neu-Lebensphilosophie (Regeln für den Menschenpark: Sloterdijk)
um 2000) Alles ist durchleuchtet. Die Technik ermöglicht den Einblick
                in jede Mikro- und Makrosphäre der Welt. (Vgl. 10-12, 14-16,
18-20)
2000) Ab Dezember wieder Kontakt zur Sonde Pioneer 6, die die Sonne umkreist (Vgl. 1965)
um -150) Neu-Stoa (2. oder Mittlerer Stoizismus (römischer Stoizismus): Panaitios,   später: Poseidonios)
-150)
Griechisches Schauspiel erhält eine römische Variante (keine Masken und mehr Personen)
2001) Ab April wieder Kontakt zur Sonde Pioneer 10. Sie hat bereits 12 Mrd. km zurückgelegt! (Vgl. 1972)
um -150/120) Sternkatalog, Verzeichnis der Finsternisse (Hipparch von Nikaia)
um -150/120) Entdeckung und Beschreibung der Präzession (Hipparch von Nikaia)
um -150/120) Stoizistisch geprägte Geschichtsmetaphysik (40 Bücher der Weltgeschichte: Polybios)

um -140/90) Griechische Elementargrammatik (Dionysios Thrax)
um -80) Fußbodenheizung durch Warmluft (Hypokausten)
-70/50) Neu-Skeptizismus (Jüngerer Skeptizismus; 10 Gründe Tropen
): Änesidemus (Ainesidemos)
-70/50) Neu-Epikureer (Jüngere Epikureer, ausgeprägt römisch). Lucretius Carus (Lukrez)
-46) Julianischer Kalender mit 4-jährigem Schaltjahr-Rhythmus (eingeführt von Julius Cäsar)
-100 bis 14 n. Chr.) Goldenes Zeitalter römischer Literatur (neuakademisch-skeptizistisch-stoisch):
(Cicero, Sallust, Vergil, Horaz, Livius, Ovid, Lukrez, Catull, Properz, Tibull, Varro)

 -9) Germanisches Reich (Markomannen) an Main und Donau und in Böhmen (bis 433 Kult-Uhr )
  9) Schlacht im Teutoburger Wald (Germanen besiegen Römer)
19) Germanisches Reich (Quaden) ab 25 mit dem Markomannen-Reich verschmolzen
(bis 375 Kult-Uhr )

-7/6 bis 26/27 n. Chr.) Jesus (nach seinem Tod breiten sich die Evangelien durch die Predigten aus)
20/50) Neu-Stoa (3. oder Neuerer Stoizismus, ausgeprägt römisch): Seneca,   später: Epiktet, Mark Aurel)
20/50) Gnosis (Gnostizismus), Verbindung der Dogmen jüdischer Religion mit griechischer Philosophie
(platonisch, stoizistisch und pythagoreisch), Offenbarungsmetaphysik
, Logos (-Lehre)
als oberste Idee
(Alexandrinische Schule: Philon der Jude)
36) Der Christenverfolger Saulus wird durch eine Christusvision vor Damaskus zum Apostel Paulus
45) Paulus beginnt mit seinen Missionsreisen
48) Apostelkonzil in Jerusalem, an dem Petrus und Paulus teilnehmen
50 bis 56) Paulus' letzte Reisen (3. und 4.) zwecks Mission und Schriften (Briefe) und Haft
66/67) Enthauptung des Paulus (Märtyrertod)

um 70/80) Evangelien entstehen; um 120 vollendet (Markus, Matthäus, Lukas und Johannes)
um 70/80)
Patristik (I)  (Erste Kirchenväter) Apostolische Väter der nachapostolischen Zeit (bis 150)
um 70/80) Mittlerer Platonismus (Ende der Akademie (Alter Platonismus) Beginn des Mittleren Platonismus): Plutarch
) Ausbruch des Vesuv (der Naturforscher Plinius d.Ä. kommt dabei ums Leben)
80) Kolosseum (Amphitheater) mit 50000 Plätzen fertiggestellt
81) Baubeginn des Limes unter Domitian
um 90/100) Trier erhält ein Amphitheater für 2000 Zuschauer
121) Nimes in Südfrankreich erhält ein Amphitheater

80/150) Beginn der 1. Germanischen Wanderung, d.h. Eindringen der freien Germanen aus der
             Germania Libera (Germania Magna) in römisches Territorium (Römisches Reich). Bau des Limes.
             Das Germanische entwickelt durch die Wanderungen immer mehr Einzeldialekte

um 150) Geozentrisches System als Weltbid, Tierkreis- und Planetenastrologie (Viererbuch: Ptolemäus)
um 150) Längen und Breitenbestimmungen von 8000 Orten der Welt (Achterbuch: Ptolemäus)
um 150) Optik mit Messung des Einfalls- und Brechungswinkels des Lichts (Ptolemäus)
um 150) Harmonik-Musiktheorie (Ptolemäus)
um 150) Gravitationstheorie (Ptolemäus)

um 150) Patristik
(2) (Apologeten), Verbindung christlicher Offenabrungslehre mit griechischer Philosophie:
Justinus, Athenagoras
um 150) (Gnostische) Alexandrinische Schule jüdisch-christlicher Prägung (
Begr.: Philon 20/50) soll eine rein christliche Philosophie werden (Clemens von Alexandria)
160/180) Aristotelische (Peripatetische) Stoa: Galenos (Arzt & Phikosoph), Mark Aurel (Politiker & Philosoph)
180/190) Der Bischof von Rom gewinnt an Bedeutung

200) Goten-(Foederaten-) Reich in Südosteuropa (Balkan, N.-Griechenland, Kleinasien, Krim) (bis 400 Kult-Uhr )
213) Alemannen (-Reich) im Dekumatland und jenseits des Limes (bis 746 Kult-Uhr )

200/250) Letzter Skeptizismus (gegen Dogmatismus der Stoa und radikale Skepsis des Mittleren Platonismus): Sextus Empiricus
220/250) Neuplatonismus (
Ende des Mittleren Platonismus, Beginn des Neuen Platonismus):
(Urheber: Ammonios Sakkas) Begründer: Plotinos
220/250) (Gnostisch-Neuplatonische) Alexandrinische Schule christlicher Prägung (Systematik): Origenes

255) Franken (-Reich) zwischen Weser und Rhein und im Rheindelta (bis 480 Kult-Uhr )
286) Sachsen (-Reich) an Nord- und Ostsee, zwischen Elbe und Niederrhein
(bis 804 Kult-Uhr )

Letzte Tabelle und Nächste Tabelle

 

Zum Anfang der Schützen Der Platonismus, neben dem Aristotelismus das unübertreffliche Kennzeichen der antiken Geisteskultur, ist gut geeignet, die geistesgeschichtliche Kulturentwicklung der zivilisierten, erwachsenen Antike nachzuzeichnen.

Analoge Philosophien
(22-24): seit -200 und seit 1945
(12-14, 14-16, 16-18, 18-20, 20-22)

13) Skeptiker Zweifler/Pyrrhonisten seit -315
14) 2. Alt-Platonismus Mittlere Akademie seit -315
15) Stoiker seit -300
16) Epikureer seit -300

17) 3. Kyniker seit -300
18) 2. Aristoteliker Jüngere Peripatetiker seit -287

19) 4. Kyniker seit -190
20) 3. Alt-Platonismus Neuere Akademie seit -160
21) 2. Stoizismus Mittlere Stoa seit -150
22) 2. Skeptizismus Jüngere Skeptiker seit -70-50
23) 2. Epikureismus Jüngere Epikureer seit -70-50
24) 3. Stoizismus Neue Stoa seit 20-50
25) 1. Gnostizismus Gnosis seit 20-50
26) 1. Patristik Apostolische Kirchenväter seit 70-80

27) 5. Kyniker seit 70-80
28) Mittlerer Platonismus seit 70-80
29) 2. Gnostizismus Alexandrinische Gnosis seit 150
30) 2. Patristik Apologeten seit 150
31) Aristotelischer Stoizismus seit 160-180
32) 3. Skeptizismus Letzte Skeptiker seit 200-250
33) Neu-Platonismus seit 220-250

13) Lebensphilosophen seit )
14) Neu-Idealismus seit 1835
15) Soziologisten seit 1850
16) Psychologisten seit 1850
17) 3. Revoltik Anarchie/Kommunisten seit 1850
18) Neu-Realismus seit 1860
19) 4. Revoltik Postmodernisten seit 1960
20) Neu-Neu-Idealismus seit 1990
21) Neu-Soziologismus seit 2000
22) Neu-Lebensphilosophie ab
23) Neu-Psychologismus ab
24) Neu-Neu-Soziologismus ab
25) 1. ..................... ab
26) 1. ..................... ab
27) 5. Revoltik ab
28) Mittlerer ..................... ab
29) 2. ..................... ab 2300
30) 2. ..................... ab 2300
31) Realistischer Soziologismus ab
32) Neu-Neu-Lebensphilosophie ab
33) Neu-..................... ab

Der alte Platonismus mit seinen Akademien gehört selbstverständlich in die Zeit der ziviliserenden und zivilisierten Antike. Der mittlere Platonismus faßt, besonders unter Plutarch (45-120), noch einmal alle Strömungen, alle Wissensgebiete zusammen zu einer weisheitsvoll-harmonischen Lebensphilosophie, auch in Auseinandersetzung mit den zu dieser Zeit aktuellen Themen der Stoa und des Epikureismus. Die Antike erfuhr hier tatsächlich eine Eigen-Befruchtung, da sowohl Griechen als auch Römer in ihrem öffentlichen Leben eindrucksvoll beschrieben wurden und eine einheitliche antike Kultur noch zu erkennen war. Mit Celsus (2. Jh.) bildete der mittlere Platonismus aber auch bereits den Übergang in die pseudomorphe oder schwangere Kultur, da er sich ab jetzt mit dem Christentum auseinandersetzen mußte, gegen das Celsus heftige Einwände erhob und es angriff, weil es den Staat gefährde. Aus seiner antiken Sichtweise war das konsequent, also folgerichtig. Der dritte, neue Platonismus, der unter der Bezeichnung Neuplatonismus in die Geschichte einging, war, kultur-schwangerschaftlich gesehen, der folgenreichste Platonismus, weil er bereits mit der Einnistung an der Kulturwand der magischen Gebärmutter zu tun hatte. (Vgl. (0-2).

Zum Anfang der Schützen Die antike Kunst dieser Zeit entsprach einem Eklektizismus mit stark orientalisierenden, hellenistischen Vorlagen. Eklektizistisch war v.a. die letzte, aber auch schon die vorletzte Phase gewesen. (18-20 und 20-22). Die Ansammlungen aus vergangenen Richtungen der griechischen Klassik oder des allgemeineren Hellenismus erhielten jetzt aber auch römische Eigenarten, wie sie z.B. an der Ahenobarbusbasis zu sehen sind. Ihre historischen Reliefs im trockenen römischen Stil sind naturalistischer und griechischer Art zugleich. Auch die Reliefs an Triumphbögen und Kaisersäulen zeigen dieses römische Element.

 

Cäsarforum, 51 bis 46 erbaut, später restauriert und verändert

Externsteine

 

Zum Anfang der Schützen War vorher der Kulturtransfer vornehmelich von Ost nach West verlaufen, so änderte sich diese Richtung jetzt allmählich. (Vgl. 20-22). Durch die Siege der Römer im östlichen Mittelmeerraum erfolgte nicht sofort eine kulturelle Emanzipation der römischen Kunst, sondern zunächst eine Übernahme der griechsichen, obwohl das sogenannte Kompositkapitell als ein Kapitell der römischen Säulenordnung gelten kann.

 

Kompositkapitell (Römische Ordnung) Erst durch die Entwicklungen in dieser Phase änderten sich die Ost-West-Richtungen, und zwar sowohl in der Antike als auch im Abendland: die Antike wurde römischer, das Abendland amerikanischer. Später sollte diese Richtung sich in der antiken Kultur erneut ändern, und das Abendland wird sich höchstwahrscheinlich in 250 Jahren auch damit abfinden müssen. (Vgl. 0-2). Doch jetzt, in dieser Phase, sollten beide Kulturen einen aus westlichen Richtungen wehenden Wind zu spüren bekommen. Die Antike erlebte jetzt zum ersten Mal eine römische Dominanz, auch wenn sie historisch als griechisch zu bezeichnen ist. Aber gerade deshalb sind ja auch Griechen und Römer zum selben Kulturkreis zu rechnen. Alle früher allein auf Griechenland konzentrierten antiken Kulturelemente bekamen jetzt einen zweiten Schwerpunkt im Westen: Rom wurde zum neuen antiken Kristallisationspunkt und trat in einen kulturellen Wettbewerb mit dem Hellenismus, statt ihn nur zu kopieren.

Das Goldene Zeitalter der römischen Literatur ist ein hinreichendes Indiz für die Emanzipation der römischen Teilkultur innerhalb der antiken Gesamtkultur. Das gilt auch für den zuvor rein griechisch, ab jetzt aber auch römisch ausgeprägten Neu-Epikureismus oder für die zur Volksreligion überhaupt gewordene Stoa, die in dieser Phase gleich zwei römische Richtungen ausprägte: die Mittlere Stoa und die Neue Stoa. Der Stoizismus hielt auch geistigen Einzug in die Kunst, und die Tatsache, daß griechische Bildhauer wie Pasiteles (1. Jh. v. Chr.) in Rom wirkten, sorgte für eine Verlagerung des reinen griechischen auf den griechisch-römischen Stil, weil die Römer jetzt auch eine selbstbewußtere, nationalere Kulturhaltung wünschten, obwohl und weil die Initialzündung für die römischen Eigenarten immer noch in erster Linie von Griechen ausging. Das war halt so etwas wie der Kulturauftrag der Griechen, solange es Antike gab und geben sollte. Die Griechen waren für die Römer das, was die Europäer für die Amerikaner sind. Jedenfalls waren die Römer nicht mehr die reinen Kopierer wie vorher, sondern befruchtende Vollender. Ähnlich ergeht es den heutigen U.S.A., die nicht mehr nur Kopierer europäischer Stile und Stilrichtungen sein, sondern im Rahmen der abendländischen Kultur eigene Wege gehen wollen. Daß das schwer fällt in einer gemeinsamen Kultur, in der ja fast alles schon mal da gewesen zu sein scheint, ist evident, denn so empfanden wahrscheinlich auch Römer vor 2150 Jahren: die Griechen hatten irgendwie immer alles schon früher erdacht und in Kunstform gebracht. Die Künste der Antike und des Abendlandes waren seit ihren Zeiten der Klassik und des Idealismus eigentlich bereits vollendet - also erwachsen. (Vgl. 18-20). Seit Römer und Amerikaner alleinige Weltmächte geworden waren, wurden nicht nur die Kriegsformen andere - imperiale Verteidigungskriege nämlich -, sondern auch die Kunstformen, denn für die Antike war durch Rom und für das Abendland durch die U.S.A. ein zweiter (westlicher) Schwerpunkt erwachsen. Eingewanderte Menschen aus dem älteren Kulturgebiet beschleunigten diesen Prozeß.

Zum Anfang der Schützen Nach dem 2. Weltkrieg in die U.S.A. eingewanderte Europäer, wie z. B. der Deutsche Wernher von Braun, sorgten für den Beginn der Raumfahrt, die Festigung der U.S.A. als Weltmacht und für den kulturellen Retransfer. Wissenschaftler und Techniker, später auch Künstler, brachten sich und ihr Können nach Amerika, das deren (Aus-) Wirkungen nach Europa zurückschickte. Aber es waren immer Europäer, vor allem Deutsche, die, von Amerikanern ins Land geholt, auf Europa und die Welt zurückwirkten. Nach dem 2. Weltkrieg hatte der innerkulturelle Transfer also zum ersten Mal seine Richtung um 180° gedreht. Mars als neue Heimat

Nicht nur neues Wissen und neue Technik, sondern auch die neuen Kunstformen kamen ab jetzt aus den U.S.A. nach Europa und nicht mehr umgekehrt. Neben den rein kommerziellen Produkten, die der Ökonomie den Geldrückfluß sichern müssen, waren darunter auch neue Kunstformen, z. B. neue musikalische Stilrichtungen. Beeinflußt von Teilelementen des Jazz wurden z. B. Hindemith (1922: Suite für Klavier, 1947: Klarinettenkonzert), Liebermann (1954: Konzert für Jazzband und Sinfonieorchester), Honegger (Rugby, Concertino für Klavier), Brubeck (Dialoge für Combo und Orchester), Gershwin (Rhapsody in blue; Porgy and Bess), Strawinski (Ragtime für 11 Instrumente; Ebony-Concerto), Ravel (Violinsonate; L'enfant et les sortilèges), Milhaud (Ballett La creation du monde), Berg (Lulu), Schostakowitsch (Suite für Jazzorchester, Tahiti-Trott), Gruenberg (The Daniel-jazz), Bernstein (1957: West Side Story), Weinberger (Cowboys Christmas), Britten (A charm of lullabies) und andere Musiker. Um 1950 begann die Zeit des Progressive Jazz.. Seine Klänge sind mächtig und erinnern im Aufwand an die Nachromantik. Die Harmonik ist angereichert durch Rückgriffe auf Hindemith, Milhaud, überhaupt auf die Frühzeit der modernen Musik. In dieser Musik hört man die typisch abendländische, weil kontrapunktische Arbeit, deutlich heraus. Förmliche Suiten. Nach dem 2. Weltkrieg erfuhr die Schönberg-Schule eine Ausweitung zur seriellen und elektronischen Musik, z. B. durch Karlheinz Stockhausen (*1928), vorwiegend von Experiementierplätzen wie Darmstadt und Donaueschingen her sowie über das Mäzenat der Rundfunkanstalten. In den U.S.A. sorgten die ausgewanderten europäischen Komponisten für eine enorme Breitenwirkung. Für Europäer scheint es in Zukunft immer schwieriger zu werden, zu verhindern, daß ihre Eliten in die U.S.A. auswandern. In der Antike gab es für Griechenland dieselben Probleme mit den nach Rom ausgewanderten Griechen.

In den 1960er Jahren kam es in den U.S.A zur Popularisierung der Folksongs und zum Aufkommen der Pop-Musik, auch mit starken Auswirkungen auf Westeuropa. Die abendländische Musik wurde dadurch amerikanischer, auch ein wenig afroamerikanischer. Doch auch die gesamte Rockmusik (Rock-'n'-Roll, Beat, Pop usw.), die auf Jazz, Blues und Folklore zurückgeht, hat mit ihnen zusammen Wurzeln in der typisch abendländischen Instrumentalmusik, wie die kontrapunktisch-polyphon gesetzte Musikform beweist, besonders die Fuge. Andererseits gibt jede Kultur einen ganz bestimmten Rahmen vor, den jeder Musikstil entwicklungsgesetzlich auch einhält, weil er sich sonst nicht durchsetzen würde. Also haben verschiedene Musikstile einer Kultur dieselben Rahmenbedingungen erfüllen müssen, um sich behaupten zu können. Auch ein sogenannter Trendsetter ist nicht wirklich frei. In der jetzigen Phase haben Musik und andere Kunst fast nur noch kommerziellen Charakter. Seit den Beatles darf z.B. die Musik als eine Art Mischung aus kommerziellen Jazz und Pop-Musik angesehen werden. Weil aber im Abendland nichts populär sein darf, kann und will auch keine Musikrichtung sich längerfristig als pop(ulär) bezeichnen, auch und gerade dann, wenn sie es ist. Das ist auch der Grund dafür, weshalb sich heutzutage viele Gegener über die Tatsache wundern, daß Volksmusik und Schlager die beliebtesten Musikrichtungen unter den Massen sind und wohl auch bleiben werden, denn Neigungen werden in der abendländischen Kultur am liebsten durch Verschleierung öffentlich gemacht. Unpopularität ist typisch abendländisch und absolut unantik. Für den Kenner sind musikalische Stile einer bestimmten Kultur auch dann noch zu erkennen, wenn sie eine lange Zeit trennt. Innerhalb der abendländischen Kultur ist außerdem zu berücksichtigen, daß ihre Künste sich gern zu einer Wissenschaft entwickeln, am liebsten bis zu einer Esoterik. Nicht umsonst wird im Abendland streng zwischen Kunst und Technik unterschieden. Spezialisierung bedarf einer wissenschaftlichen Technik. Früher oder später verbünden sich daher alle Künste primär mit der naturwissenschaftlichen Technik, wodurch auch das Kunstniveau spiralartig ansteigt. Und die Spirale der Technik hat sich bis heute sehr weit gedreht. Der Kunst, insbesondere aber der Musik, hat diese Entwicklung jedenfalls nicht geschadet. Ist das heute auch noch so?

Was das Wort Techno nicht nur musikalisch offen verrät, das versuchen bildende Kunstsynonymiker mit ihren computer-, audio- und videogestützten Performances noch ein wenig zu vertuschen. Viele heutige Kunstrichtungen müssen sich deshalb vorhalten lassen, entweder nicht anerkannt oder als zu naturalistisch und als zu eklektizistisch eingestuft zu werden. Aber als typische Vertreter des Abendlandes lieben die heutigem Künstler natürlich die Esoterik, und sie bevorzugen es, sich ins eigene Abseits stellen zu dürfen. Auch die abendländische Kunst hat sich selbstverwirklicht, also am Ende selbstentwirklicht. Ist eine solche fremdelnde Restkunst wie Restmüll zu bewerten und wie Sondermüll zu behandeln? Leider geschieht dies immer wieder, denn die heutige Kunst unterliegt einer Sonderbehandlung. Auch die Kunst kann nicht anders, als dem kulturellen Ursymbol zu entsprechen. Ist heute auch die Kunst ein Beitrag zur unendlichen Müllproduktion? Vielleicht ist sie ja auch nur eine Art der Sublimierung unbewußter Haßgefühle gegenüber der Ökobewegung. Wenn das stimmt, dann gilt das erst recht für die Kunst einer sogenannten Wegwerfgesellschaft. Jedenfalls werden Wegwerfkünste von Kultureinheimischen zumeist nicht ernst genommen, aber dennoch getrennt und zum Recycling in den richtigen Eimer gebracht. Was danach geschieht, ist bekannt. Nicht wenige Kunstwerke unterliegen Förderprojekten, die der Vater Staat bezahlt und die dann als politisch wertvolle Kunst von den Mediengesellschaften auf Meinungskurs gebracht werden. In einer universlalen Automobil-, Globalmedien- und Raumfahrtgesellschaft sitzen Menschen mit Meinungen nur auf der Rückbank des Fahrzeugs. Die den Medienatlas studierenden Beifahrer haben zwischen dem privatpersönlichen Fahrzeugführer und seiner Gefolgschaft nur zu vermitteln. Beim Fahren liegt die Macht beim Fahrzeugführer - in der heutigen Gesellschaftsform genauso wie in irgendeiner früheren. Den Führerschein kannten schon die Vertreter der Himmelfahrt, z. B. die Päpste. Heute aber sind die ehemaligen geistlichen Machthaber längst auf Busse und Bahnen umgestiegen, und nur noch Berufspriester kommen auf die lohnbringende Idee, für Anhalter, Abweichler und Autostopper zu bremsen und sie in ihrem automobilen Psychofahrzeug mitzunehmen. Diese Priester unternehmen diese Fahrt nur aus Gründen des Berufes, natürlich als Berufung verstanden. So betrachtet ähneln sie ihren christlichen Vorgängern, aber im Gegensatz zu denen sind sie säkularisiert - entsprechend dieses erwachsenen Kulturquartals, des kulturellen Herbstes. Ihr psychologisches Fahrgestell ist auf eklektizistische Weise am Naturalismus und Realismus orientiert, wie es dem Zeitgeist entspricht, während ihre Fahrgestellnummer postmodern-historizierend daherkommt. (Vgl. Postmoderne). Die Reise in die Unendlichkeiten der Psychotherapie ist ein Kennzeichen dieser cäsaristisch-befruchtenden Phase im Abendland. Diese Reise ist für den Mitfahrenden meistens kostengünstig und für den Fahrzeugführer von der Steuer indirekt absetzbar. Aber auf dieser Reise kennt der Fahrzeugführer nur seinen eigenen Weg. Weil er Berufsfahrer ist, hat er kein eigenwilliges, aber auch kein eigentliches Ziel. Der Mitfahrer dagegen hat meistens ein klar definiertes Ziel und oft schon morgen ein anderes.

Zum Anfang der Schützen Die derzeitige Hochkonjunktur der Psychotherapie sollte aus sozialhistorischen Gründen nicht unterschätzt werden, denn sie hat Auswirkungen auf unsere Kultur bzw. Zivilisation. Jede Spätkultur hat in ihrer letzten Phase starken psychotherapeutischen Charakter, weil die Erfahrungen aus der vorherigen Phase der kämpfenden Staaten klaffende kulturseelische Wunden hinterlassen haben. (Vgl. 20-22). Um sie heilen zu können, muß eine Kultur Bilanz ziehen und Rechenschaft über sich selbst abgeben. Die schwache Wechselwirkung aus der Kriegsphase muß in eine Einheit mit der unendlich weit reichenden Wechselwirkung des Elektromagnetismus gebracht, dann vorübergehend zu einer elektroschwachen Wechselwirkung entwickelt und diese schließlich wieder mit der starken Kernkraft zu einer Trinitätskraft verbunden werden. Am Ende müßte es dann auch mit der Gravitation klappen, und die Einheitskraft wäre dann wieder hergestellt. So verfahren auch die Theoretiker unter den Astronomen, wenn sie verstehen wollen, wie das Universum entstanden ist. (Vgl. Kosmos). Sie müssen den Prozeß von hinten aufrollen, die Entwicklung wieder aufwickeln. Nach dem Kampf um das Ei und den kalten Kriegen mußten die Mauern fallen. Die Mauer muß weg, sagte Willy Brandt 1989, nachdem sie bereits gefallen, aber eben noch nicht beseitigt war. Die fallende Mauer von 1989 löste die politischen Zungen; man war wieder gesprächsbereit. Es konnte jetzt zusammenwachsen, was zusammengehört. Die Politiker mußten jetzt wie die eben angesprochenen Astronomen vorgehen. Sie mußten ihre Geschichte von hinten aufrollen, die Entwicklung wieder aufwickeln. Die U.S.A. hatten den Kontakt zum Konkurrenten Deutschland abgebrochen (1914 bis 1945/48) und nach mehr als 30 Jahren wieder hergestellt, während der Kontakt zwischen Sowjetrußland (Reich des Bösen: Ronald Reagan) und den U.S.A. von beiden Seiten nur für die Zeit erwünscht war, die beide Staaten brauchten, um Hitler-Deutschland zu besiegen, also bis 1945. Danach war ihr Kontakt ganz schnell unterbrochen: wie vom Erdboden verschluckt. Beide erstarrten im Kalten Krieg. Die Antipathie galt wieder voll und ganz dem schon seit 1917 isolierten, aber von 1941 bis 1945 befreundeten und alliierten Anderen. Jetzt, im Jahre 1989, begann der Dialog zwischen Ost und West wieder. Er begann genau so, wie er 1917 bzw. 1945/48 geendet hatte. Auch daran wird deutlich, daß das zwischenzeitliche Ost-West-Bündis ein reines Zweckbündnis war. Die erste Isolierung (Ost-West) wurde auf die zweite Isolierung (Mitte) übertragen, um die dritte Isolierung (Ost-West) zunächst aufschieben zu können, die dann aber die erste nur bestätigte. Hegel () und seine Dialektik, sein Aufheben der Thesis in der Antithesis und das aufbewahrende Aufheben der Thesis in der Synthesis, scheinen sich hier rechtfertigen zu wollen. Für den Kommunismus war der Kapitalismus, für den Kapitalismus der Kommunismus die Antithesis. Beide haben sie aufgeschoben und aufgehoben, auch wenn am Ende das Synthetische siegte. Nur die Mitte (Deutschland) wagte es, sowohl Ost als auch West zur Antithesis zu machen und legte sich deshalb mit der ganzen Welt an. Dieses Risiko gingen Ost und West nicht ein, denn mit einem Gegner lebt es sich leichter. Sie hatten recht. Alles andere hätten beide Seiten nicht überstanden, und das wußten sie, weil ihnen das deutsche Beispiel eines Alleingangs vorgeführt worden war. Nach dem 2. Weltkrieg verharrten diese ehemaligen Freunde des Ostens und des Westens 40 Jahre lang im sogenanten Kalten Krieg. Das Aufschieben der eigentlich immer schon intendierten Isolierung war eine Projektion, in diesem Fall ein Teil eines Abwehrmechanismus, weil das politische Verhalten nicht den Willen ausdrückte, der ihm in der Tiefe zugrunde lag. Die Mitte hatte den Willen auf Eis gelegt oder war, wie Churchill meinte, doch das falsche Schwein geschlachtet worden? Der Westen stand nie zur Sowjetunion, weshalb er sie durch Isolation sich selbst überließ, und so verfuhr auch Rom mit den hellenistischen Staaten im Osten. Im Abendland scheinen sich jetzt, nach 1989, die Verhältnisse wieder geändert zu haben. Aber man täusche sich nicht. Die alten Krisen sind als neue wieder auferstanden, werden aber anders ausgetragen, weil man aus der Vergangenheit gelernt hat, aber zum Kern dieser Geschichtsbewältigung noch nicht vorgedrungen ist. Die eben erwähnte starke Kernkraft ist noch nicht reintegriert, sie muß noch weiter, rückwärts, aufgerollt werden. Man leckt noch die Wunden und gefällt sich in der Opfer- oder Täterrolle. Deutschland, das das Kunststück der 180-Grad-Drehung vollbracht haben soll, muß zu seinem Ego, das Nationalbewußtsein heißt, regelrecht gezwungen werden. Es solle wieder die Verantwortung übernehmen, die es vor der Krise getragen hatte, wie der U.S.-Präsident Bush d.Ä. 1990 riet. Deutschland reagierte auf diesen Vorschlag so wie früher, nur unter umgekehrten Vorzeichen: die 180-Grad-Drehung hatte es schwindelig gemacht. Die Medien haben jetzt eine so umfassende Macht wie nie zuvor, und das Geld scheint die Meinungen wie ein Automobil zu lenken. Personenkult und Gefolgschaften verschiedenster Personen nehmen zu. Diese Tatsache kommt den Verhältnissen zu Beginn des antiken Cäsarismus ziemlich gleich. Es brodelt in der Gerüchteküche. Unliebsame Kultpersonen werden wie Kriegsgegner behandelt. Im Deutschland der 1990er Jahre folgten auf den Skandal um Botho Strauß (*) und Peter Handke (*) der um Martin Walser (*) und der um Peter Sloterdijk (*). Weitere werden folgen. Sie stellen Inszenierungen der Medien dar, und so manche Empörte reagieren auf die Skandale wie die Aktionäre auf die Börsenkurse. (Vgl. Funk(ak)tionäre). Fällt der Walser-Kurs, setze ich nicht mehr auf ihn; steigt er, war er schon immer mein Freund. Die Zivilcourage scheint verloren gegangen zu sein, tatsächlich ist sie aber eine einseitig gelenkte der Medienbörse. Eine einseitig gelenkte Zivilcourage wirkt aber so wenig wie gar keine, weil sie eine Goldmedaille zu sein scheint, wie die Medien nicht müde werden zu behaupten. Auch goldene Münzen haben bekanntlich 2 Seiten. Wenn eine Goldmedaille nur eine Seite hätte, wäre sie keine. In Zeiten des oligarchisch bzw. konstitutionell verfaßten Deutschland gab es wesentlich mehr Zivilcourage als im späteren demokratischen. Kein Wunder: sie war auch nicht einseitig gelenkt. Totalität und Demokratie schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: je mehr Meinungsfreiheit es gibt, desto mehr Meinungslenker gibt es. Eine Demokratie im 18. oder 19. Jahrhundert ist nicht dieselbe wie die des 20. oder 21. Jahrhunderts. Meinungen sind wie Mathematiken. Die Meinung des Konventionalismus dazu: Es gibt so viele gleichberechtigte Mathematiken, wie es Mathematiker gibt. Der Konventionalismus ahnte offenbar schon, daß die Mathematik mit ihrer Meinung bald nicht mehr allein dastehen sollte. Axiome brauchen keine evidenten Wahrheiten zu sein, sondern müssen zweckmäßig ausgewählt, als Setzungen vereinbart sein und dem formal widerspruchsfreien Aufbau eines Axiomensystems genüge leisten. Diese Erkenntnis ist auch in der zweiten großartigen Wissenschaft, der Physik, mittlerweile weit verbreitet. Und auch die Demokratie kommt am Ende an ihre Totalität, mögen es noch so viele Leute nicht einsehen wollen. Die Meinungindustrie, nicht die Staatsform, entscheidet darüber, was Demokratie tatsächlich ist und wer lenkt, wenn der Geist denkt. Die Medien der Geldmacht sind jetzt der Gott, der lenkt, wenn der Geist denkt. (Vgl. Mächtigkeit und Macht unter 20-22).

Zum Anfang der Schützen Was am Ende der Gotik durch den Buchdruck erreicht worden war, ist jetzt, im weltweit vernetzten Rahmen allerdings, komplementiert durch die Bildschirme und Computer, die man, neben dem Auto, als Symbole für die Phase der Globalisierung im unendlichen Raum ansehen kann. Die Informationen rasen wie Raketen durch den Raum und kommen auf ähnlich individuelle Art zum Ziel wie Autos und andere moderne Mobile. Nicht umsonst heißen die Wege der Daten auch Datenautobahnen. In beiden Fällen sind es möglich gewordene Eindrücke der Fernseher und der Fernreisenden. Auf die Autobahnen folgen die Datenautobahnen, auf die Weltraumfahrt die Datenweltraumfahrt.

Kreislauf

 

 Vorkultur    Spätkultur Kreislauf Frühkultur    Hochkultur

In dieser Globalphase steht uns das Erreichen des Zivilisationshöhepunkts bevor, dessen Anfänge wir gerade erleben. Schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts, am Ende der Gotik, erreichte der abendländische Kulturspracherwerb auch den ersten Kulturhöhepunkt mit den portugiesischen Globuseroberungen, dem deutschen Erdglobus und dem deutschen Buchdruck: die Zunahme der Leser, Globuskenner und Kulturreisenden bedeutete eine kultursymbolische Schriftfähigkeit. Mit der in der Gotik offenbar gewordenen Kompetenz zur eigenspezifischen Kultursymbolik ging am Ende auch der Humanismus einher, der sich heute gewissermaßen auf der gegenüberliegenden Seite befindet und wohl oder übel in einen Hominismus umgewandelt werden wird. Am Ende dieser beiden Phasen waren nicht nur sie selbst, sondern zugleich eine ganze und eine doppelte Kulturjahreszeit zu Ende. Der gotische Humanismus beendete nicht nur das scholastische Quartal, den Frühling des Mittelalters, sondern auch die geographisch auf Europa beschränkte 1. Hälfte der Abendlandkultur: Winter und Frühling (Spätantike und Mittelalter). (Vgl. 10-12). Er bereitete den Sommer der Neuzeit vor. Und am Anfang des 23. Jahrhunderts wird der global befruchtende Hominismus nicht nur den Herbst der Moderne endgültig beendet haben, sondern auch die Sommer und Herbst umfassende 2. Hälfte der Abendlandkultur: den Globalzeitraum. Durch ihn wird sogar die gesamte Sphäre der 4 Kulturjahreszeiten beendet werden. Mit der vollendeten Befruchtung wird er den Kreis geschlossen und den Winter der anderen Zeit vorbereitet haben.

Was vorher rein ursymbolisch-seelenbildlich vorbereitet worden war und in der Gotik auf der Oberfläche der Ozeane zum Beginn der konkreten Welteroberung führte, das wird in der jetztigen Phase mit der Weltalleroberung in aller Tiefe vollendet werden. Bis zum Beginn des 23. Jahrhunderts wird sich die abendländische Kultur auf die anderen Umstände vorbereitet haben müssen, um mit der schwangeren Kulturpartnerin und dem kommenden Nachwuchs gemeinsam überleben zu können, auch weil dann der letzte, vollendende Zivilisationshöhepunkt erreicht sein wird. In der römisch-lateinischen Antike wurde der Höhepunkt dieser Phase mit einem (cicero-cäsarischen) Goldenen Zeitalter erreicht: eine Befruchtung und ein Cäsarismus, der von Marius bis Augustus einen Wechsel von pessimistischer zu optimistischer Stimmung erlebte, wenn auch auf antik verhaltene Art. Das Verhalten eines Gentleman, wie wir heute sagen würden, war in dieser Zeit besonders ausgeprägt, besonders in der mittleren (römisch werdenden) und neueren (explizit römischen) Stoa, die einst von Zenon in Athen gegründet worden war. (Vgl. 18-20). Die Antike war ja bekanntlich eine ständig sich Enthaltsamkeit und politische Zurückhaltung (epoch) auferlegende Kultur. Gerade deswegen waren in der zivilisatorischen Urteilsenthaltung Persönlichkeiten sehr gefragt und die Antike, als populäre Kultur, in der Phase des Cäsarismus viel mehr auf Personenkult, Führer- und Gefolgschaft ausgerichtet als das heutige Abendland, das im Vergleich dazu als unpopuläre Kultur zu bezeichnen ist. (Vgl. Spengler). Weil die Antike an sich schon populär war, war sie es in der Zeit des Cäsarismus um so mehr. Heute assoziiert jeder durchschnittliche Zeitungsleser mit dem Begriff Antike Personennamen wie Cäsar, Augustus, Caligula oder Nero. Sie waren Staatsmänner, Diktatoren, Prinzeps oder Kaiser (Caesares), aber sie standen im politischen Mittelpunkt: als polisartig strahlend-euklidischer Punkt, der auf seiner ganzen Linie keine Parallele kannte. Im Abendland hingegen gibt es seit Gauß mathematisch und seit Wegfall der Demarkationslinie auch politisch unendlich viele Parallelen zur eingefahrenen Linientreue. Deshalb ist man hier auch ständig böse auf die lenkenden Medien, obwohl man ihnen unentwegt nach dem Mund redet und weil man es satt hat, es ständig tun zu müssen. Autolenker und Meinungslenker sind sich offenbar zu ähnlich. Man möchte die unendlichen Möglichkeiten auch repräsentiert sehen, obwohl man sich gleichzeitig nach antiken Mustern umschaut und weil man es satt hat, unendlich viele, aber nicht das eigene Exemplar sehen zu dürfen. Es ist das antik-väterliche Erbe, das zum Durchbruch kommen will und, wenn es erschiene, doch wieder abgelehnt würde. Da die Antike aber tot ist, kann sie auch nicht erscheinen. Die Suche nach dem Cäsar bleibt, und weil das Abendland das Gegenstück zur Antike ist, geht diese Suche immer weiter. Der Cäsarismus steht uns in seinem größten Ausmaß erst noch bevor und wird dieses erst in 100 Jahren erreicht haben, und zwar mit dem angenehmen Nebeneffekt einer künstlichen Befruchtung. Wahrscheinlich wird er geklont daherkommen, weil die Opfer-Täter-Rollen dadurch vertuscht werden können. Ein solcher Cäsarismus steht dem Abendland auch viel besser zu Gesichte, denn es möchte nicht populär, sondern esoterisch erscheinen. Denn schon jetzt gilt: der abendländische Cäsarismus sieht anders aus als der antike, aber er ist genetisch mit ihm verwandt. Und noch eines ist sicher: die Festsetzung der Geburt Jesu als das Jahr 0 und der Beginn des Hinaufzählens bis ins Unendliche ist nicht nur aus christlich-kirchlichen Gründen bedeutungsvoll, sondern auch aus ursymbolischen Gründen für das damals noch werdende Abendland, denn zu dieser Zeit wurde die genetische Information weitergegeben, d.h. zwei Kulturen liefen zu Höchstformen auf und lenkten ihr Interesse derart aufeinander, daß dadurch einer dritten das Leben ermöglicht wurde. Unter Augustus und Tiberius sollte das freie Germanien römisch werden, was Arminius verhinderte, und es sollten die Christen unbefruchtet bleiben, was Jesus verhinderte. Die magische Kultur war schwanger, aber sie wußte es noch nicht.

 

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Zum Anfang der Schützen Schütze 22-24 Uhr) Befruchtung oder Cäsarismus

Johann Wolfgang Goethe () Faust (Teil I), 1808, S. 27, Faust (II), 1832, S.113ff..

Oswald Spengler (), Der Untergang des Abendlandes, 1917 (Band I), 1922 (Band II).

Oswald Spengler, 1917, S.784ff.. "Historische Pseudomorphosen nenne ich Fälle, in welchen eine fremde Kultur so mächtig über dem Lande liegt, daß eine junge, die hier zu Hause ist, nicht zu Atem kommt und nicht nur zu keiner Bildung reiner, eigener Ausdrucksformen, sondern nicht einmal zur vollen Entfaltung ihres Selbstbewußtseins gelangt." (Ebd. S. 784).

Seelenbild der Antike und Seelenbild des Abendlandes sind gegensätzliche Attribute: apollinisch und faustisch. Einzelkörper und Unendlicher Raum heißen ihre Ursymbole. Euklid hat in seinen "Elementen" (um 312 v. Chr.) die mathematische Entsprechung für das antike Seelenbild gegeben und Gauß 2150 Jahre später die für das abendländische. Das Seelenbild der magischen Kultur ist ein dualistisches: Geist und Seele, ihr Ursymbol die Welthöhle. (Vgl. Spengler, 1917, S. 155, 227ff., 234, 390 und 1922, S. 847f.). Vgl. dazu auch das Germanentum.

Karl Friedrich Gauß () veröffentlichte seine nicht-euklidischen Geometrien nicht, weil er das Geschrei der denkfaulen, schwerfälligen und unkultivierten Menschen fürchtete. Er nannte sie Böoter, weil die Einwohner dieser antiken Landschaft (Hauptstadt: Theben) von den Einwohnern anderer Griechenstädte als denkfaul und schwerfällig beschrieben worden waren. Gauß meinte zu recht, daß man die Menschen nicht wirklich würde überzeugen können. Die erste der nichteuklidischen Geometrien entdeckte Gauß nach Vollendung seines Hauptwerkes Disquisitiones Aritmeticae (1801), durch deren in sich widerspruchslose Existenz bewiesen wurde, daß es mehrere streng mathematische Arten einer dreidimensionalen Ausgedehntheit gibt, die sämtlich a priori gewiß sind, ohne daß es möglich wäre, eine von ihnen als die eigentliche Form der Anschauung herauszuheben. (Vgl. 18-20).

Römisch-katholische Interpretationen attestieren dem Abendland zumeist, daß in ihm die Dominanz des Christlichen überwiege. Diese Meinung teilen vor allem kirchliche und vornehmlich christlich orientierte Vertreter. Theodor Heuss () soll einmal gesagt haben, daß Europa von 3 Hügeln ausgegangen sei: von der Akropolis, von Golgatha und vom Kapitol. Diese Sichtweise würde eher, wenn vielleicht auch nicht beabsichtigt, auf eine Dominanz der Antike verweisen. Wenn man jedoch berücksichtigt, daß aus einem antik-apollinischen Einzelkörper und einer magisch-seelengeistigen Welthöhle ein abendländisch-faustischer Unendlichkeitsraum entstehen kann, dann muß unbedingt ein dritter Faktor hinzukommen, den ich die Kulturpersönlichkeit nenne: das Germanentum. Ohne das Germanentum versteht man die Willensdynamik eines Faust nicht, und ohne das germanische Element ist die Raumtiefe, aber auch die in jeder Hinsicht sowohl ins Mikrokosmische als auch ins Makrokosmische gehende Unendlichkeit nicht als distinktives Merkmal der abendländischen Kultur zu identifizieren. Diese Merkmale treffen auf keinen antiken Menschen zu, aber insbesondere auf die Abendländer, die germanischen Ursprungs sind. Scharfe Gegensätze, wie die zwischen Antike und Abendland, sind zwar unbedingt ein Indiz für Verwandtschaft, weil beide Kulturen so auffallend gegensätzlich sind: aktiv und reaktiv. Offenbar hat die Antike auf das Abendland aber nicht persönlichkeitsstiftend gewirkt und konnte auch erzieherisch nicht tätig werden, weil sie so früh verstarb. Die Biogenetik und Sozialisation geraten nicht selten so weit auseinander, wenn ein Elternteil früh verstirbt, d.h. nicht wirklich erlebt wird. Dem Abendland scheint es auch so ergangen zu sein. Die Auseinandersetzungen mit der magischen Mutter hat beim Kind jedoch zu einer enormen, fast schon verdächtigen Erinnerung bis hin zur Vergötterung des antiken Vaters Beitrag geleistet. Aber liegt deshalb immer auch schon ein Vaterkomplex vor? Es bleibt zunächst festzuhalten, daß auch kulturell zwischen Genetik und Sozialisation, zwischen Anlage und Umwelt, zwischen angeboren und anerzogen ganz klar unterschieden werden muß. Dazwischen bewegt sich die Persönlichkeit. Man kann sie nicht isolieren, folglich auch nicht isoliert betrachten, aber man kann sie beschreiben, und ich beschreibe die Kulturpersönlichkeit des Abendlandes als germanisch, weil dieser Raum zwischen Anlage und Umwelt für die Kulturpersönlichkeit zwanghaft unendlich werden muß, wenn sie die verlorene Vaterkultur zurückholen will. Der unendliche Raum und Wille sind auch deshalb Ursymbol und Urwort des Abendlandes. Wenn der Mensch eine Grundlage von etwa 60 Billionen Zellen hat und einer Umwelt von praktisch unendlicher Vielfalt ausgesetzt ist, so gilt für eine Kultur, daß sie Völker, Staaten oder Nationen zur Grundlage hat und einer Umwelt von unendlichen Möglichkeiten, aber auch gähnender Leere gegenübersteht. Mit dem Germanentum fiel eine faustische Entscheidung zugunsten der unendlichen Möglichkeiten. Die Eltern des Abendlandes waren also antik-magisch, ihre gentragenden Chromosomen römisch-christlich, aber die Kontrollgene germanisch. (Vgl. 22-24).

"Jede Kultur hat ihren ganz bestimmten Grad von Esoterik und Popularität, der ihren gesamten Leistungen innewohnt, soweit sie symbolische Bedeutung haben. Die Antike war populär, weil naiv-körperhaft. Das Abendland ist esoterisch, weil nicht populär." (Spengler, 1917, S. 419ff.).

Phase ist für mich der Inbegriff einer wohltemperierten Abrundung durch geistig-politische Tätigkeiten in einer bestimmten Zeitspanne, oft ausgedrückt durch Kunstrichtungen, aber auch durch ökonomisch-politische und geistig-metaphysische Richtungen. Sie kann nur 60 Jahre andauern, wie im Falle des Rokoko, oder 250-300 Jahre, die jeweils Karolingik, Romanik und Gotik ausmachten. Eine Phase umfaßt im Mittel 165-180 Jahre. Ein Kulturquartal jedoch umfaßt 3 Phasen und damit durchschnittlich 500-600 Jahre, manchmal auch nur 300-350 Jahre, wie im Falle der abendländischen Jugend ( Renaissance, Barock und Rokoko). Ein Kulturquartal ist eine Jahreszeit in dem Sinne, daß an ihr erkennbar wird, was sie ist, wenn sie gewissermaßen innehält. Winter, Frühling, Sommer und Herbst sind wie unterirdisches Wachstum, zarte Blüten, Hochblüte und Verfall, wie die pflanzliche Welt immer wieder bezeugt, aber nicht nur sie: die 4 Jahreszeiten sind wie uterines, kindliches, jugendliches und erwachsenes Leben , vergleichbar mit dem der Säugetiere. Das erwachsene Leben kann mehrere Quartale umfassen; in dem Falle teilen die Älteren (Elteren) ihr Leben mit den Kindern, Enkelkindern oder gar Urenkelkindern. In Kulturen war und ist dies auch möglich: China, Indien und die magische Kultur existieren als Zivilisationen (Erwachsene) schon länger als das Abendland.

Die gegenwärtige Politik der U.S.A. spricht diesbezüglich eine eindeutige Sprache. Die Krise, die aus Sicht einer Weltmacht immer aus dem Osten zu kommen scheint, kam auch in antiken Zeiten aus dem Osten. Bewältigt hat Rom diese Krise letzten Endes nicht, aber immerhin für Jahrhunderte eindämmen und für sich nutzen können. Die Bildung von Klientelstaaten waren dafür eine von vielen Maßnahmen, von denen sich wiederum mehrere als falsch erweisen sollten. Fehler wurden gemacht, aber nicht immer wurde aus ihnen gelernt. Ob die U.S.A. weniger, ähnlich oder mehr erfolgreich sein werden, wird die Zukunft zeigen. Daß die Terroranschläge auf New York und Washington () nicht hingenommen werden konnten, dürfte jedem klar sein; jedem klar sein müßte aber auch, daß die Mittel, diesen Terrorismus zu bekämpfen, richtig oder falsch sein können, vorausgesetzt, es geht auch in der Kriegsführung darum. Eine einheitliche Politik der Krisenbewältigung ist auch eine Frage der Lehr- und Lernfähigkeit bzw. Lehr- und Lernbereitschaft auf beiden Seiten der Schule N.A.T.O.: der relativ jungen Nation U.S.A. (oder früher Rom) und den relativ alten Nationen in Europa (oder früher Griechenland), wenn sie sich überhaupt noch als Vertreter einer gemeinsamen Kultur verstehen und noch nicht in die Alternative einer politischen Transsexualität geflüchtet sind. Eines ist aber sicher: wenn die Weltmacht U.S.A und ihre europäischen Provinzen sich nicht verstehen, also nicht zusammenhalten sollten, dann werden zuerst die Provinzen stückchenweise von Eurasien angefressen. Das Klientelverhältnis zwischen den U.S.A. und Israel zeigt eher in Richtung einer Politik ohne Europa als in eine mit Europa, insbesondere in jüngster Zeit durch die Achse Bush-Sharon. Eine solche Politik der U.S.A. wäre dann genau der Alleingang, den auch die Weltmacht Rom favorisierte, ja: favorisieren mußte.

Zum Untergang der Antike trugen erst die Ereignisse nach 80/150 bei, die Ereignisse der folgenden 3 Phasen des schwangerschaftlichen Kulturquartals, weil die antike Kultur es zuließ, von der magischen Kultur stückchenweise aufgefressen zu werden. (Vgl. 0-2 und 2-4 sowie 4-6).

Die Plazenta als christlicher Mutterkuchen spielt besonders in der übernächsten Phase eine ganz entscheidende Rolle, weil dann Embryo und Plazenta ihre längerfristige Partnerschaft beginnen. (2-4). Nach der Geburt soll das Kind (Abendland) ohne Plazenta (Christentum) und Nabelschnur (Patristik) auskommen können, was offenbar Schwierigkeiten bereitet und nach Ersatz schreit. Wie noch zu sehen sein wird, bekommt das Kind mit der Geburt nicht nur seinen Namen (Abendland), sondern auch seine ganz spezifischen Möglichkeiten zu einem solchen Ersatz: entweder bekommt es dann die Milch (Religion) aus der Brust der Mutter (magischen Kultur) oder aus der Flasche (päpstliche, d.h.. römisch-katholische Kirche). Jedenfalls ist das Kind (Abendland) als Wesen ab dann auch für die Außenwelt erkennbar und benennbar. (6-8). Die Plazenta wird jedoch zeitlebens immer irgendwie vermißt, selbst dann, wenn sie bekämpft wird. Es ist die unbewußte Suche nach dem verlorenen Partner aus der ehemaligen Anfangswelt. Da das Kind (Abendland) im mütterlichen Uterus (der magischen Kulturwelt) aufgewachsen ist, sucht es sich später, auf welche Art auch immer, einen Ersatz für den ehemaligen Mutterkuchen. Es bekommt Muttermilch, Muttermale, erlernt eine Muttersprache, wohnt in einem Mutterland, aber es kämpft für ein Vaterland. Und wenn das Vaterland ein Buch oder eine Rolle sein sollte, wird es genauso verteidigt. (Vgl. oben). Das Zuhause ist Menschen wohl nicht zu nehmen, und wenn doch, wird es sogleich erneut gesucht. Das ist die unbewußte Suche nach der verlorenen Anfangswelt mit dem ehemaligen Partner. Der ehemalige Uterus ist für immer verloren, aber deshalb die Suche nach seinem Ersatz noch lange nicht. Weltsuche ist Weltsucht. Wer nicht sucht, ist auf der Weltflucht und somit nicht willig, von dieser Welt zu sein.

Auf die Hominiden folgte der Homo sapiens sapiens, auf den Humanismus folgt der Hominismus. Damit schließt sich vorerst der Kreis. Schon im 13. Jahrhundert sollen Alchimisten erste Experimente unternommen haben, um einen künstlichen Menschen im Reagenzglas zu erzeugen. Goethe ließ im 2. Teil des Faust den Famulus Wagner einen Homunkulus nach Anleitung des Paracelsus erzeugen. Heute scheinen sich die Möglichkeiten zur Erschaffung des Menschen nach eigenen Wünschen konkretisiert zu haben.

Vgl. hierzu : 10-12 und 12-14.

Meiose (meiosis = Verringern, Verkleinern) bedeutet eine Reduktion des Chromosomenbestandes um die Hälfte. Da bei der Befruchtung die Kerne zweier Geschlechtszellen miteinander verschmelzen, wird der Chromosomenbestand verdoppelt. Dieser muß im Laufe der Entwicklung, spätestens bei der erneuten Bildung der Geschlechtszellen wieder halbiert werden, da sonst die Zahl der Chromosomen pro Zelle nicht konstant bliebe. Diese Reduktion auf den haploiden (einfachen) Chromosomensatz wird durch zwei kurz aufeinander erfolgende Teilungen erreicht. Das erste Stadium der 1. (meiotischen) Reifeteilung, ist die (1.1.) Prophase, die zeitlich z.T. über Wochen bis Monate gedehnt ist, wird in mehrere Unter-Phasen aufgegliedert: Im (1.1.1.) Leptotän werden die Chromosomen als langgestreckte, dünne Fäden sichtbar. Im (1.1.2.) Zygotän paaren sich die die homologen (übereinstimmenden) Chromosomen abschnittsweise. Im (1.1.3.) Pachytän verkürzen und verdichten sie sich und lassen eine Längsspaltung erkennen. Die Chromatiden überkreuzen sich teilweise (Chiasma) mit je einer väterlichen und mütterlichen Chromatide. Im (1.1.4.) Dioplotän (auch: Vierstrangzeit oder Tetradän) sind vier parallele Stränge zu erkennen. Die Chromosomen weichen bis auf die Überkreuzungsstellen auseinander. In der Diakinese (Übergang (1.1. zu 1.2.) trennen sich allmählich die vier Stränge paarweise. Die Überkreuzungsstellen werden an die Enden verschoben. In der (1.2..) Metaphase ordnen sich die Chromosomen in der Äquatorialplatte an. In der (1.3.) Anaphase trennen sich die gepaarten Chromosomen und wandern zu den Polen, wobei eine zufallsgemäße Neuverteilung der väterlichen und mütterlichen Chromosomen erfolgt. In der (1.4.) Telophase lockern sich die spiralisierten Chromosomen dann auf. Nun folgt ein kurzes Ruhestadium, das auch als Übergang von der 1. zur 2. meiotischen Teilung angesehen werden kann: die Interkinese oder Interphase (Übergang (1. zu 2.), in der keine Reduplikationen der Chromosomen stattfindet. Sie ist die Zeit des Zellkerns (Interphasen-Kern), weil der jetzt als Arbeitskern besonders aktiv ist. Die 2. (meiotische) Reifeteilung läuft nach dem Schema einer Mitose ab. Die beiden Chromosomenspalthälften (Chromatiden) werden voneinander getrennt. Es werden neue Kern- und Zellmembranen (bzw. Zellwände: bei Pflanzen) gebildet, und es sind vier neue Zellen mit jeweils einem einfachen (haploiden) Chromosomensatz entstanden.

Mitose (mitos = Faden) bedeutet eine indirekte Kernteilung, Karyokinese, eine Äquationsteilung. Es ist ein Kernteilungsvorgang, bei dem aus einem Zellkern zwei Tochterkerne gebildet werden, die gleiches - mit dem Ausgangsmaterial identisches - Genmaterial und (im Unterschied zur Meiose) die gleiche Chromosomenzahl haben. Auch die Mitose kennt die Phasen (1.1.) Prophase, (1.2.) Metaphase, (1.3.) Anaphase und (1.4.) Telophase.

Unter der Wirkung des Testosteron reifen in den Hodenkanälchen der Hoden die Spermien heran, die in den Nebenhoden gespeichert werden. Es kommt also schon bei der Bildung der Spermien zu diesen Zellteilungsvorgängen, den Reifeteilungen. Die Spermien zählen zu den kleinsten menschlichen Zellen. In deren Kopfteil liegt das Erbgut. Die Energie für die Beweglichkeit des Schwanzfadens liefert das Mittelstück, während der Schwanzfaden dem Spermium eine Schwimmgeschwindigkeit von 3 mm pro Minute verleiht. Jeder Samenerguß enthält Drüsensekrete und etwa 200-300 Millionen Spermien. Nach der Pollution sind die Spermien noch etwa 48 Stunden lebensfähig. Die weibliche Eizelle reift innerhalb des Eierstocks in einem Eibläschen heran, das auch Follikel genannt wird. Durch die Reifeteilungen wird sie zu einer befruchtungsfähigen Eizelle. Das Heranreifen der Eizelle dauert etwa 14 Tage. Danach platzt der Follikel und die Eizelle wird vom Trichter des Eileiters aufgenommen. Nach diesem Eisprung bleibt die Zelle etwa 4-6 Stunden befruchtungsfähig und wird im Laufe von 3-4 Tagen vom Eileiter zur Gebärmutter transportiert. Die Reifung des Follikels und der Eisprung werden angeregt durch die Hormone: FSH, ein Hormon zur Stimulanz des Follikels, und LH, ein luteinisierendes Hormon . Beide Hormone werden in der Hypophyse gebildet. Der Follikel bildet nun Follikelhormone, die Östrogene, die wiederum die Gebärmutterschleimhaut zum Wachstum anregen. Währenddessen beeinflussen sie die Menge der FSH- und LH-Bildungen in der Hypophyse. Bei einem bestimmten Verhältnis von FSH und LH platzt der Follikel. Es kommt zum Eisprung (Ovulation). Die Körpertemperatur der Frau steigt um 0,5 ° C. an. Nach dem Eisprung wandeln sich die Reste des Follikels um zum Gelbkörper, der das Gelbkörperhormon Progesteron bildet. Das Progesteron sorgt dafür, daß die Gebärmutterschleimhaut weiterwächst und schließlich von vielen Blutgefäßen und mit Nährstoffen und Schleim angereichert ist. Nun ist die Gebärmutterschleimhaut für die Aufnahme eines befruchteten Eies vorbereitet. Progesteron und Östrogene wirken hemmend auf die FSH- und LH-Ausschüttung der Hypophyse. Wenn der Gelbkörper verkümmert und die Progesteronbildung zurückgeht, hat keine Befruchtung stattgefunden. In dem Fall wird die Schleimhaut der Gebärmutter abgestoßen, und es kommt zur Regelblutung. Sie erfolgt etwa 14 Tage nach dem Eisprung und dauert etwa 3-5 Tage. Etwa 14 Tage nach Beginn der Regelblutung wird im anderen Eierstock wieder durch Reifeteilung eine befruchtungsfähige Eizelle herangereift sein. Der folgende Text ist eine teilweise substituierte Wiederholung dieses Textes und stellt den Versuch dar, Analogien zwischen Biologie und Kosmologie zu finden:

Die Geschlechszellen (Keimzellen) werden also gebildet, während eine Teilung stattfindet, d.h. es kommt schon bei der Bildung der Samenzellen (Spermien) zu diesen Zellteilungsvorgängen, den Reifeteilungen. Für die Kultur- und Zivilisationsgeschichte ist das ein interessanter Aspekt, weil Staaten, wie Spermien, zu den kleinsten Zellen zu rechnen sind. Auch in ihrem Kopfteil liegt das Erbgut, repräsentiert durch die Superhirne aus den politisch-ökonomischen und geistig-technischen Bereichen. Die Energie für die Beweglichkeit der Steuerzahler liefert die Volkswirtschaft, während der Steuerzahler dem Staat einen Etat von "n" Geldeinheiten pro Kopf verleiht. Jede Politaktion bedeutet Veränderung und etwa "n" internationale Staatsakte. Nach jeder politischen Aktion brauchen die Staaten mindestens "n" Steuern. Der innere (gefestigte) Staat reift innerhalb eines Raumes in einem Herd heran, der auch Hauptstadt genannt wird. Durch die Machtteilung wird er zu einem herrschaftsdienenden Staatsapparat. Das Heranreifen eines solchen Staates dauert "n" Jahrhunderte. Danach platzt die Hauptstadt und der innere Staat wird vom Führer einer Revolutionstruppe übernommen. Nach dieser Revolte bleibt der innere Staat noch etwa "n" Jahre handlungsfähig und wird im Laufe von"n" Jahr(zehnt)en von Revolutionstruppen in eine andere Staatsform gebracht. Die Entwickung des Herdes und der Revolution werden angeregt durch die Sprachmittel: FSH, ein Medium zur Aufstachelung der Hauptstadt, und LH, ein ökonomischer Ausdruck für Unzufriedenheit. Beide Fördermittel sind vom alten Regime verursacht. Die Hauptstadt bildet nun Zentralräte, die Konvente, die wiederum die Massen zur Entwicklung der Gleichgesinntheit anregen. Währenddessen beeinflussen sie die Meinungen der Medien FSH- und LH-Wirtschaftsstrukturen des alten Regimes. Bei einem bestimmten Verhältnis von FSH-Sprachspielerei und LH-Realwirtschaftspolitik platzt die Hauptstadt. Es kommt zu Straßenkämpfen (Schreckenchaos). Die Börsenwerte der Gesamtkulturwelt steigen um 0,5 ° C. an. Nach der Revolution wandeln sich die letzten Altherrschaften um zum Bürgertum, das den Geldadel Demokratiegeist bildet. Der Demokratiegeist sorgt dafür, daß die Masse weiterhin mitmacht und schließlich von vielen Blutgefäßen und mit Kriegsbeute und Schleimerei angereichert ist. Nun ist die Masse der Nation für die Aufnahme einer neuen Kulturverfassung vorbereitet. Demokratiegeist und Konvente unterdrücken die FSH- und LH-Attraktivität der alten Mächte. Wenn das Bürgertum verkümmert und der Demokratiegeist zurückgeht, hat keine Cäsarisierung stattgefunden. In dem Fall wird die Masse (Nation) abgestoßen, und es kommt zur (Zwangs-)Wiederholung. Sie erfolgt etwa "n" Jahrhunderte nach der Revolution und dauert etwa "n" Jahrzehn(hunder)te. Etwa "n" Jahrhunderte nach Beginn der Wiederholung wird im anderen Raum wieder durch Machtteilung ein herrschaftsdienender Staatsapparat herangereift sein. So funktioniert der weibliche Zyklus einer Kultur.

Sozialismus im abendländischen Sinne meint in etwa das, was allgemein unter einer grenzenlosen Fürsorge durch Vater Staat verstanden wird, der unendlichen Raum schafft für wiederum unbegrenzten Liberalismus: den unendlich-anspruchsvollen Rechtsstaat, den mikroskopisch-unendlichen Sozialstaat, die Auf-alles-einen-Anspruch-haben-Sozialdemokratie, die ewiggestrigen Gewerkschaften u.a. politisch-ökonomisch motivierte Gruppierungen, die, wenn sie zu weit gehen (und das tun Abendländer!) im Unendlich-Engen landen. Wenn sie nicht selber die Räume eng machen, wie Fußballspieler sich auszudrücken pflegen, dann ist das nur gut für den Gegner. Der nutzt den Raum, vorausgesetzt, er ist nicht genauso dämlich. Man muß die Räume so offen und so eng halten, wie es die politisch-ökonomische Taktik erlaubt. Das hört sich trivial an, ist aber für viele Staaten das Problem überhaupt. Der Abendländer macht sie zu weit auf und läßt die Abseitsfalle zuschnappen, wenn es klappt. Der Antike machte sie zu eng und ließ kontern, wenn die Defensive klappte. Darin liegt auch das in der Tiefe gleichbedeutende Argument beider begründet, imperial-offensive Politik aufgrund der Verteidigung, als eine Art Notwehr zu betreiben. Ein ganz klarer Fall: Abwehrmechanismus!

Weltmachtskrieg meint Eierkrieg oder Spermienkrieg, weil diese um jene kämpfen, weil Großmächte um die Weltmacht kämpfen. Der Erste und der Zweite Weltkrieg, die de facto ein Weltkrieg darstellen, war ein solcher Weltmachtskrieg, der nicht zufällig mit den Einigungskriegen der U.S.A., , des Zweiten Deutschen Reiches, , und Italiens, , auf schleichende Art begann. In der eigenen Geschichte, d.h. in der längeren Tradition begründet, liegen die Ursachen dafür, daß Deutschland und Italien faschistisch werden sollten und die U.S.A. nicht.

Winston Churchill () soll 1945 zum Präsidenten der U.S.A. gesagt haben, nachdem er die Greueltaten der Sowjetarmee von 1939 in Katyn (Polen) gesehen hatte: "Wir haben wohl das falsche Schwein geschlachtet".

Deutsche repräsentieren, wie alle anderen germanischen Völker, am ehesten den typischen Abendländer, also sowohl im positiven als auch im negativen Sinne, während die romanischen Südländer (Süd-Franzosen, Süd-Italiener, Spanier und Portugiesen) immer noch einen Hauch ursprünglicherer, antik-magischer Qualität verspüren lassen. Es ist auch kein Zufall, daß die geographische Führungslinie vom deutschen (schleswig-holsteinischen) Angeln und (niedersächsischen) Sachsen über England nach Angloamerika (U.S.A.) führt, wenn es auch eine Nebenlinie von den Westgoten zu den Spaniern und Portugiesen und von den Ostgoten zu den Italienern gibt.

Erste Reifeteilung meint hier die Phasen der reifen Kindheit, Jugend, Ehe, Krise und reifen Erwachsenenzeit (Vgl. 14 - 24 Uhr), im Abendland: Barock (Absolutismus), Rokoko (Aufklärung), Klassizismus (Idealismus/Romantik), Historismus (Große Weltmachtskriege) und Globalismus (Cäsarismus), die in der Antike ihre Entsprechungen hatten in: Tyrannis (Ionik), Demokratsierung (Korinthik), Zweittyrannis (Alexander/Hellenismus ), Weltmachtskriege (Rom) und Cäsarismus (Kaiserreich). Solche Reifeteilungen bergen immer die Gefahr in sich, die Macht früher oder später teilen zu müssen, d.h. sie einerseits zu verteidigen und sie andererseits zu erkämpfen. In der Geschichte folgen Staaten mehr oder minder den 3 Hauptwegen: dem absolut-tyrannischen Pfad (Spanien, Frankreich), dem konstitutionell-oligarchischen Pfad (England, Skandinavien) oder dem Zwitterpfad (Deutschland, Italien). In Deutschland blieben die Habsburger-, die Hohenzollern- und die kleineren Fürstenstaaten eher absolutistisch oder konstitutionell-oligarchisch, während das Reich selbst, d.h. die reichsunmittelbaren Gebiete, Städte, und Bistümer rein konstitutionell-oligarchisch, also eher in Richtung Demokratie verfaßt blieben. Im antiken Griechenland war der Übergang zur Demokratie durch die Abschaffung der Monarchie (Ausnahme: Sparta) deshalb relativ früh, weil es keine so unendlichen Räume wie im Abendland zu beherrschen galt, sondern nur politische Körper (Polis); die Polis ließ gar keine andere Entwicklung zu. Die Reihe Oligarchie-Tyrannis-Oligarchie-Demokratie-Tyrannis wurde hier teilweise und zeitweise verkürzt, während die römische Entwicklung, von monarchisch-konstitutioneller Verfassung abgesehen, ziemlich genau der abendländischen entspricht, insbesondere der englischen, skandinavischen und u.s.-amerikanischen. Diese kleinen Unterschiede zwischen Antike und Abendland versteht man nur, wenn man die Seelenbilder und Ursymbole kennt. Es ist halt ein Unterschied, ob Räume oder Körper politisch verwaltet werden.

REP.-REF.-SEM.-TEXT ist eine Zusammenfassung von Texten repräsentativer Referenz-Semantiken, d.h. solche Texte versuchen die Wirklichkeit so abzubilden, daß sie, mediotechnisch globalisiert, wie Fernsehapparate und Bücher zugleich wirken, und zwar weltweit. Der Versuch, solche Abbildungen zu schaffen, existiert schon lange in der Evolution und betrifft insbesondere Primaten, wie Untersuchungen an Menschenaffen gezeigt haben. Menschen und ihre Weltbilder gibt es nicht erst seit der Zeit des Jungpaläolithikums, als z.B. die Cro-Magnon-Menschen ihre Welt durch Zeichnungen in Höhlen abbildeten; in Menschenköpfen bestehen solche Bilder schon länger. Heute, in der Phase des Globalismus, stehen Informationen jederzeit an jedem Ort der Welt zur Verfügung, weil die Erde orbital vernetzt ist. Das Internet stellt eine Verknüpfungsexplosion dar, die bisher kein noch so gut geknüpftes Netz erreicht hat. Die Globalisierung macht jede politisch-ökonomische und jede geistig-technische Aktion zu einer medialen Atmoshäre. (Vgl. Kulturtabelle).

Das ist der Grund dafür, wehalb ich Geschichte und Sprachwissenschaft studiert habe. Doch die rein linear-progressiven Sichtweisen, z.B. die Linie Antike-Mittelalter-Neuzeit, und der damit einhergehende Dogmatismus , der noch nach Kants Überlegungen schon längst ein Kritizismus hätte werden müssen, überzeugten mich nur halbwegs. (Eine Reifeteilung?) Der abendländische Akademismus beweist ja gerade selbst, daß Antike und Abendland zwei verschiedene Kulturen, zwei verschiedene Leben sind. Eine platonische Akademie hat anders ausgesehen. sich anders angehört, anders gerochen, den Studenten anders geschmeckt und sie anders fühlen lassen. Die Antike hatte ihr eigenes Leben. Sie ist nicht unser Leben, sondern unser Erbe.

Pharsalus (griech. Pharsalos) heißt die Stadt in Süd-Thessalien, die berühmt wurde durch die entscheidende Schlacht zwischen Cäsar und Pompeius am v. Chr.. die mir der Niederlage Pompeius' endete. 20000 Pompejaner ergaben sich, während Pompeius nach Ägypten floh und dort ermordet wurde.

Marius (Gaius Marius), , war römischer Konsul (107, und 86), Plebejer und Feldherr, er kämpfte 109 als Legat im Jurguthinischen Krieg (111-105), den er als Oberbefehlshaber 105 siegreich beendete. Marius schuf ein Berufsheer und schlug die Teutonen 102 bei Aquae Sextiae (= Aix en Provence) und die Kimbern 101 bei Vercellae (= Vercelli). Um seine Veteranen zu versorgen, verbündete er sich 103 mit dem Volkstribunen Lucius Appuleius Saturninus, mußte aber wegen der entstandenen Unruhen den Ausnahmezustand gegen ihn verhängen. Marius scheiterte an den Widerständen der Optimaten, Aufstände wurden von Senatoren und Rittern niedergeworfen. Ab 88 führte Marius den Bürgerkrieg gegen Sulla (138-78), den Oberbefehlshaber im 1. Mithidratischen Krieg (88-84). Marius mußte nach Afrika fliehen, kam aber 87 zurück und bekämpfte die Optimaten. Es begann eine Schreckensherrschaft unter ihm und Cinna. Während seines 7. Konsulats starb Marius.

Parteipolitik war im antiken Rom zu dieser Zeit der untergehenden Republik Sache der Optimaten (von optimas = zu den Besten gehörig), und der Popularen (von populus = Volk). Die Optimaten waren der Teil der Senatsaristokratie, der sich zur Senatsherrschaft bekannte und sich damit als konservative, staatstragende Schicht verstand. Die von ihnen so genannten Popularen waren der Teil der Nobilität (Mischung aus Plebejern und Patriziern), der seine tatsächlichen oder scheinbaren volksfreundlichen Ziele unter Umgehung des Senats allein mit Hilfe der zur Gesetzgebung befugten Komitien durchzusetzen versuchte. Führende Popularen waren z.B. Marius und Cäsar.

Privatpolitik bedeutete in der Antike auch, daß man Privatarmeen hatte. Jedenfalls ging es nicht mehr um Parteienpolitik, sondern um private Interessen einer politischen Machtperson, die die eigenen politischen Vorstellungen auf die große Weltmachtpolitik projezierte und abstimmte sowie, je nach Freunden, d.h. Geldgebern, diese auch durchsetzte. Daß die Parteien nur noch an der Oberfläche wichtig waren, versteht sich von selbst. Das heißt aber nicht, daß sie unwichtig waren: Oberflächen sind in Zeiten der Zivilisation sehr wichtig, weil sie der Ablenkung, Meinungsbildung und -lenkung, der Täuschung und Einbildung dienen. Tatsächlich sind die Parteien jedoch keine echten Oppositionen mehr, sondern politisch von diesen Privatpersonen völlig abhängig. Diese Tendenz ist im heutigen Abendland schon zu beobachten, die Spitze dieses politischen Berges ist aber noch nicht erreicht. Außerdem muß berücksichtigt werden, daß die abendländische Cäsarismusvariante nicht so populär wie in der Antike, sondern auf esoterische Weise daherkommen wird. Trotzdem ist bekannt, daß sich in Westeuropa die Parteien kaum noch unterscheiden, und Vermutungen über diesen oder jenen Privatpolitiker immer häufiger geäußert werden. Erwähnt zu werden braucht nicht, daß die Privatisierungen ehemaliger Staatsdienste seit 1989 enorm zugenommen haben.

Crassus (Marcus Licinius C. Dives [der Reiche] ca. ) war römischer Konsul (70 und 55) und Triumvir (mit Pompeius und Cäsar zusammen). Er beeinflußte mit seinem (sprichwörtlichem) Reichtum die römische Politik nachhaltig und erlangte 73 die Prätur, schlug 71 den Aufstand des Spartacus blutig nieder und wurde mit Pompeius, zu dem er bald in Gegensatz geriet, Konsul. Im Jahre 60 schloß er mit Cäsar und Pompeius das 1. Triumvirat (56 erneuert), überwarf sich 58 mit Pompeius, erhielt 55 mit Pompeius das 2. Konsulat und fiel als Prokonsul von Syrien aus in das Partherreich ein, wo ihn die Parther 53 östlich des Euphrat besiegten. Crassus wurde bei Carrhae überfallen und getötet.

"Der Prinzeps Pompejus und der Tribun Cäsar - Tribun nicht dem Amte, aber der Haltung nach - vertreten noch Parteien, aber sie haben auch schon in Lucca (56) zusammen mit Crassus zum ersten Male die Welt unter sich verteilt. Als bei Philippi (42) die Erben gegen die Mörder Cäsars kämpften, waren es nur noch Gruppen; bei Actium (31) waren es nur noch Einzelpersonen: damit ist auch auf diesem Wege der Cäsarismus erreicht." (Spengler, 1922, S. 1090)

"Schon zur Zeit des Augustus kann von den antiken Kunstwerken aus Edelmetall und Bronze nicht viel übrig gewesen sein. Selbst der gebildete Athener dachte viel zu unhistorisch, um eine Statue aus Gold und Elfenbein nur deshalb zu schonen, weil sie von Phidias war. Man erinnerte sich, daß an dessen berühmter Athenefigur die Goldteile abnehmbar angefertigt waren und von Zeit zu Zeit nachgewogen wurden. Die wirtschaftliche Verwendung war also von vornherein ins Auge gefaßt. Was bei den Triumphen an Statuen und Gefäßen aufgeführt wurde, war in den Augen der Zuschauer bares Geld, und Mommsen (Ges. Schriften IV, S. 200ff.) konnte den Verdacht machen, den Ort der Varusschlacht nach Münzfunden zu bestimmen, weil der römische Veteran sein ganzes Vermögen in Edelmetall auf dem Körper trug. Antiker Reichtum ist kein Guthaben, sondern ein Geldhaufen; ein antiker Geldplatz ist nicht Mittelpunkt des Kredits wie die heutigen Börsenplätze und das ägyptische Theben, sondern eine Stadt, in welcher sich ein erheblicher Teil des Bargeldbestandes der Welt gesammelt hat. Man darf annehmen, daß zur Zeit Cäsars weit über die Hälfte des antiken Goldes sich jederzeit in Rom befand." (Spengler, 1922, S. 1170f.)

Gaius Cilnius Maecenas ( v. Chr.) war Freund des Augustus und vertrat seit 36 ohne offizielles Amt mehrfach Augustus in Rom. Sein Vermögen verwendete er zur Förderung römischer Dichtertalente wie Horaz (), Vergil () und Properz (50-16). Im Zusammenhang mit der kultischen Erneuerung des Staates förderten Augustus und er, als sein Freund (daher: Mäzen), auch Asinius Pollio (76 - 5 n. Chr.) und Messala (64 - 13 n. Chr.).

Marcus Vipsanius Agrippa (64/63-12) war der Jugendfreund Octavians und unterstützte diesen auf dem Weg zur Macht. Als römischer Staatsmann und Feldherr stand er natürlich ebenfalls auf der Seite des späteren Augustus. 38 v. Chr. siedelte Agrippa die germanischen Ubier am linken Rheinufer an, deren stadtähnliche Gründung Oppidum Ubiorum Keimzelle des heutigen Köln wurde. Diese Ubierstadt wurde 50 n. Chr. erweitert, befestigt und zur römischen Kolonie namens Colonia Claudia Ara Agrippinensium bzw. Colonia Agrippinensis erhoben, später hieß sie nur noch Colonia. Er ließ mit Maecenas u.a das Pantheon bauen (25), regte die Anfertigung der ersten Weltkarte an und war seit 21 mit Julia, der Tochter Kaiser Augustus' verheiratet. Für 5 Jahre war Agrippa durch Verleihung der tribunizischen Gewalt Augustus' Mitregent. (Vgl. Prinzipat).

Das Prinzipat leitet sich ab vom Begriff des Princeps (= Erster unter Gleichen) und beruht auf dem Consensus universorum, der allgemeinen Übereinstimmung. Es stellt einen Ausgleich zwischen monarchischen und republikanischen Elementen dar. Die Machtbefugnisse werden vom Senat und vom Volk übertragen. Die Kennzeichen des Prinzipats sind die autoritäre Macht (Auctoritas) und die Ehrfurcht vor den überlieferten Formen (mores maiorum). In dem Gemeindestaat (also in der Polis) Rom erhielt Augustus das Konsulat (27-23), im Reich ein namenloses Imperium, eine Herrschaft. Er bekam den Oberbefehl über das Heer, die Führung der Außenpolitik, das Recht zum Abschluß von völkerrechtlichen Verträgen, daneben ein Imperium pro consulare für die kaiserlichen Provinzen, die interessanterweise genau die Gebiete umfaßten, die vor 148/146 weder zu Rom noch zu griechischen Herrschaftsbereichen gehört hatten. Es waren die Gefahrenherde, der Follikel. In sie entsandte Augustus Legaten (Legati Augusti pro praetore provinciae), die diese Gefahrenherde verwalteten. Auch Varus (um 46 - 9 n. Chr.) war Legat, zunächst in Syrien (6-4), ab 7 n. Chr. in Germanien, wo er die Romanisierung des Gebietes zwischen Rhein und Elbe durch intensivierte Verwaltung und Rechtsprechung einzuleiten hatte. Er wurde jedoch im Herbst 9 n. Chr. im Teutoburger Wald vernichtend durch den Cherusker Arminius geschlagen und nahm sich dort das Leben - im heutigen Kalkriese.

Köln wurde 38 v. Chr. von Agrippa gegründet, als er die Ubier am linken Rheinufer ansiedelte. Die stadtähnliche Gründung der Ubier, die sie Oppidum Ubiorum nannten, wurde 50 n. Chr. erweitert, befestigt und zur römischen Kolonie Colonia Claudia Ara Agrippinensis bzw. Colonia Agrippinensis (später nur Colonia) erhoben. Sie entwickelte sich, vor allem im 2. Jahrhundert, als Hauptstadt Niedergermaniens (Germania Inferior) rasch zu einem Zentrum des Kunsthandwerks (v.a. Gläser) und Handels, während Mainz Hauptstadt Obergermaniens (Germania Superior) war und zu einem bedeutenden Handels- und Ankerplatz wurde. Beide profitierten von ihrer günstigen Verkehrslage. Köln hatte bereits im 3. Jahrhundert christliche Gemeinden und im 4. Jahrhundert einen Bischof. 310 wurde zum heutigen Köln-Deutz eine feste Brücke und dort das römische Kastell Divitia errichtet. Mitte des 5. Jahrhunderts wurde Köln als letzte römische Festung am Rhein fränkisch und Hauptstadt der ripuarischen Franken.In den Geschichtsbüchern wird oft von ripuarischen Franken, sogenannten Ufer- oder Rheinfranken, und von salischen Franken gesprochen. Der Name Ripuarier meint offenbar die ehemaligen Verbände aus einem römischen Miltärbezirk an der Rhône, aus der Gallia riparensis. Die Salier waren offenbar die seetüchtigen Stämme der Franken. (Vgl. 22-24 und 2-4). Der altfänkische Raum umfaßte wohl außer dem rheinfränkischen Kerngebiet, das am Rhein, nämlich zwischen Köln und Xanten zu finden ist, auch die Gegend um Deventer, zwischen dem Niederrhein und der Ijssel, die Mündungsgebiete von Rhein und Maas und die Gegend der fränkischen Brukterer zwischen Lippe und Ems, wo sich an der Lippe noch ein Gebiet der Bruktuarier hielt, das dann endgültig um etwa 700 zum größten Teil von den Sachsen besetzt wurde. Auch der Ruhrgau um Duisburg war wahrscheinlich ursprünglich fränkisch, ebenso der Hettergau rings um Herbede (bei Witten). (Vgl. 0-2 und 2-4 sowie 4-6).

Trier wurde wahrscheinlich zwischen 16 und 13 v. Chr. von Kaiser Augustus im Gebiet der Treverer gegründet. Es wurde rasch Mittelpunkt und besaß schon um 100 n. Chr. ein Amphitheater für rund 20000 Zuschauer. Trier war Hauptort der Provinz Belgica, zu der auch Teile Germaniens gehörten. Unter Claudius ( v. Chr - n. Chr.; Kaiser von 41 bis 54) war es Colonia. Von 260 bis 270 war Trier Residenz der gallischen Gegenkaiser Postumus und Victorinus. Es wurde 275/276 von Franken und Alemannen zerstört und im Jahre 286 von Diokletian zur Kaiserresidenz und unter Konstantius I. Chlorus (Gaius Flavius Valerius Constantius, um ), der seit 293 Mitkaiser und seit 305 Augustus war, Kaiserresidenz und Verwaltungssitz der gallischen Präfektur (bis Ende des 4. Jhs.). Trier war mit 70000 Einwohnern für ein Jahrhundert die größte Stadt nördlich der Alpen. Bereits seit etwa 200 n. Chr. gab es in der Stadt eine Christengemeinde. Ein Bischof ist seit dem 3. Jahrhundert nachweisbar. 475 fiel Trier an die Franken, blieb aber weiterhin Mittelpunkt des christlichen Lebens. (Vgl. 0-2 und 2-4).

Tiberius (Tiberius Julius Caesar;eigtl: Tiberius Claudius Nero, n. Chr.), römischer Kaiser (14-37), der Sohn der Livia Drusilia und ab 38 Stiefsohn des Oktavian (Augustus), der ihn 4 n. Chr adoptierte. Er erhielt als potentieller Nachfolger des Augustus schon früh entsprechende Ehren und öffentliche Tätigkeiten, u.a. war er 13 und 7 v. Chr. Konsul. Mit Julia führte er eine unglückliche Ehe. Von 8 bis 6 v. Chr. hatte Tiberius sein 1. Kommando in Germanien und drang bis zur Elbe vor. Während seines 2. Kommandos in Germanien (4-6) handelte er einen Vertrag mit den Cheruskern aus , unterwarf die Langobarden, errichtete eine Provinzialverwaltung ein, baute Straßen und sicherte die neugewonnenen Gebiete durch Legionslager. Nach seiner Regierungsübernahme zügelte er die Expansionsbewegungen des Germanicus in Germanien (Rheingrenze) und hielt die römischen Positionen im Osten. Tiberius war konservativ im Sinne des Augustus. Auf den Senat gestützt, geriet seine Herrschaft allerdings immer mehr unter den Einfluß des Sejan (Seian, 20 v. Chr. - n. Chr.), der sein Günstling und Prätorianerpräfekt war, der aber auch die Ermordung des Kaisersohnes Julius Caesar Drusus durchsetzte, die Familie des Germanicus ausschaltete und später wegen einer Verschwörung gegen den Kaiser verhaftet und hingerichtet wurde. Tiberius zog sich auch deshalb 21/22 nach Kampanien und ab 27 nach Capri zurück. Tiberius' Sohn, Drusus (Julius Caesar Drusus, 15/12 v. Chr. - 23 n. Chr.), unterdrückte 14 n. Chr. als Heerführer den Aufstand der pannonischen Legionen und war 17 n. Chr. Statthalter in Illyrien. Er trug maßgeblich zur Unterwerfung des germanischen Markomannenkönigs Marbod († 37 n. Chr.) bei. (Vgl. Tabelle).

Drusus (Nero Claudius D. Germanicus, - Sept. 9 v. Chr.), war der Bruder des (Tiberius Claudius Nero) späteren Kaisers Tiberius, Stiefsohn des Kaisers Augustus und Vater des späteren Kaisers Claudius ( v. Chr - n. Chr.; 41 bis 54). Als Feldherr unterwarf er 15 v. Chr. Räter und Vindeliker. Im Jahre 13 v. Chr. war er Statthalter in Gallien und Kommandeur an der germanischen Rheinfront. Er führte zahlreiche Feldzüge gegen die Germanen, insbesondere von 12 bis 9 v. Chr.. So zog Drusus im Jahre 11 v. Chr. durch das Gebiet der Cherusker und erreichte die Weser; im Jahre 13 wiederholte er seinen Zug und stieß über die Werra bis an den Nordhang des Thüringer Waldes vor, marschierte die Ilm und die Saale entlang bis an die Elbe, wo ein Siegeszeichen errichtet wurde. Drusus starb auf dem Rückzug, nach einem Sturz vom Pferd an den Folgen des Knochenbruches.

Germanicus (Gaius Julius Caesar Germanicus, v. Chr. - n. Chr.), Sohn des Drusus und von Tiberius adoptiert (4 n. Chr.), war verheiratet mit Agrippina (d. Ä.), Vater von Agrippina (d.J.) und Caligula (). Er nahm seit 7 n. Chr. an den Kämpfen in Pannonien und von 11 bis 14 an denen in Germanien teil. Trotz erfolgreicher Vorstöße nach Germanien (14-16) wurde er von Tiberius zurückberufen und mit großen Vollmachten in die orientalische Provinz geschickt.

Varus (Publius Quinctilius Varus, um n. Chr.), römischer Statthalter in Germanien, war 13 v. Chr. Konsul, und 7 v. Chr. Prokonsul von Africa, Statthalter in Syrien (6-4) und ab 7 n. Chr in Germanien, wo er die Romanisierung des Gebietes zwischen Rhein und Elbe durch intensivierte Verwaltung und Rechtsprechung vorantrieb, um so die Provinzialisierung des restlichen, noch freien Germanien zu erreichen. Er wurde jedoch im Herbst 9 n. Chr. durch den Cherusker Arminius (18/16 - 19/21) im Teutoburger Wald vernichtend geschlagen und nahm sich dort das Leben.

Arminius (Hermann der Herusker; der Hirschler; 18/16 - 19/21), Cheruskerfürst und Sohn des Cheruskerfürsten Segimer, war verheiratet mit Thusnelda. Er kam etwa 8 v. Chr. nach Rom und nahm als Militärtribun mit seinem Bruder Flavus 4 bis 6 an den Feldzügen des Tiberius gegen das freie Germanien teil, wobei er die Kontingente seiner Landsleute befehligte. Arminius wurde für seine Verdienste mit dem römischen Bürgerrecht und mit der Ritterwürde ausgezeichnet. 7 n. Chr. in die Heimat zurückgekehrt, wurde er zum Gegner Roms. Er organisierte den Widerstand eines Teils der Germanenfürsten und vernichtete im Herbst 9 n. Chr. im Teutoburger Wald ein römisches Heer unter Varus. In dem 14-16 zuerst von Tiberius, dann von Germanicus geführten Krieg gegen ihn blieb Arminius in mehreren Schlachten strategischer Sieger, erlitt zwar 16 eine schwere Niederlage, erreichte aber trotz einer weiteren Niederlage die Räumung des freien Germanien und wandte sich nun gegen den romfreundlichen Markomannenkönig Marbod († 37 n. Chr.), der sich, weil geschlagen, nach Böhmen zurückziehen mußte. Arminius wurde bei einem Aufstand der Cherusker von Verwandten ermordet. Durch Arminius sind die Cherusker (Herusker, germ. herut = Hirsch) erst berühmt geworden. Diese Hirschleute wurden zuerst von Cäsar erwähnt: die Treverer hätten sich bis zu jenem Wald zurückgezogen, der Cherusker und Sweben trennt. Drusus zog im Jahre 11 v. Chr. durch das Gebiet der Cherusker und erreichte die Weser; im Jahre 13 wiederholte er seinen Zug und stieß über die Werra bis an den Nordhang des Thüringer Waldes vor, marschierte die Ilm und die Saale entlang bis an die Elbe, wo ein Siegeszeichen errichtet wurde. Drusus starb auf dem Rückzug, nach einem Sturz vom Pferd an den Folgen des Knochenbruches. 4 n. Chr. schlossen die Römer einen Bündnsivertrag (und Föderatenvertrag) mit den Römern ab. Als Folge dieses Vertrages bekamen Arminius und sein jüngerer Bruder Flavus, der Blondkopf, weil sie zu den Adeligen gehörten, das römische Bürgerrecht und übernahmen Kommandos über Hilfstruppen, welche die Cherusker als Gegenleistung für das Bündnis zu stellen hatten. Der Konflikt zwischen Freiheitswillen und Zivilisation wurde auf dem Thing der Stämme schon damals mit Sicherheit besprochen; daß sich die Partei der Römerfreunde, die ihr Wort halten wollten, und die der Rebellen, die den Untergang des Volkes befürchteten, im Grunde unversöhnlich gegenüberstanden, zeigt eine Textstelle bei Tacitus. Er schildert, wie vor der Schlacht bei Idistaviso an der Weser im Jahre 16 Arminius und sein 16-jähriger Bruder Flavus einander begegneten, wobei Flavus die Partei derer ergriff, für die er gekämpft hatte und verwundet worden war, deren Orden er trug und deren Gemeinschaft er sich verpflichtet wußte. Flavus hatte offenbar im Rang eines Centurionen gestanden und war mit dem Orden des Adler ausgezeichnet, einem Dienstgradzeichen. Er war mit seinen damals 16 Jahren noch kein Ritter, kein Offizier, aber er besaß das römische Bürgerrecht wie Arminius. Flavus hatte auch an den Feldzügen des Tiberius in Pannonien teilgenommen. Die germanischen Feinde nannten Flavus mit Verachtung einen Spion, so berichtet es jedenfalls Tacitus. Durch einen Fluß getrennt, überschütteten die Brüder einander mit Vorwürfen, "indem der eine die Größe Roms, der andere Freiheit und Vaterland beschwört". Es wäre ohne trennenden Fluß wahrscheinlich zu einer kriegerischen Auseinandersetzung gekommen. Ein römischer Reiterführer namens Stertinius soll ein Blutbad verhindert haben. Auch der Bruder des Gaukönigs Segimer, Inguiomer, stand auf Seiten der Römer, und schließlich hatte Segestes, der Schwiegervater des Arminius, seit jeher für ein Bündnis mit Rom plädiert. Er bekam von den Römern das Bürgerrecht verliehen, aber seine Tochter Thusnelda mußte den politischen Konflikt zwischen Cheruskern und Römern, zwischen Mann und Vater mit der eigenen Existenz bezahlen. Ein Sohn des Segestes namens Segimund ging einen Schritt weiter als sein Vater: er wurde Priester am Altar der Ubier in Köln, wo für die Provinz Germania der Kultus des Augustus eingerichtet worden war. Tiberius, auf den diese sehr geschickte Befriedungspolitik zurückging, hatte sich gerühmt, auf diese Weise politisch mehr erreicht zu haben als Drusus und Germanicusdurch ihre Waffen. Tiberius hatte noch im Jahre 5 seinen Vorstoß nach Norden gegen die Chauken führen können, wobei ihm der Marsch entlang der Weser und Aller niemals möglich gewesen wäre, hätten nicht die Cherusker seine Flanke gedeckt. Die Katastrophe des Jahre 9 (Varusschlacht) änderte die Situation, aber selbst als der von Arminius eingeschlossene Segestes von Germanicus befreit worden war, verzieh man ihm seine Teilnahme am Überfall im Teutoburger Wald und sicherte ihm und seiner Sippe Straffreiheit zu. Gerade diese Großzügigkeit brachte die Anhänger des Arminius in Schwierigkeiten, und so eilte er selbst von Gau zu Gau, um für den Kampf zu agitieren. Es ist Arminius damals schließlich sogar gelungen, den Bruder seines Vaters, Inguiomer, auf seine Seite zu ziehen. Später trat Inguiomer aber in der Auseinandersetzung zwischen Arminius und dem Markomannenkönig Marbod mit seinem Gefolge auf die Seite Marbods über, der sich im Gebiet der Boier (Baiern, Bayern) in Böhmen sein Reich geschafffen hatte, das lange neutral blieb. Die Cherusker wählten im Jahre 47 einen Sohn des Flavus, Italicus, zum König. Tacitus erwähnt, daß später die Cherusker sich der Chauken nicht erwehren konnten. Jedenfalls hörte man nur noch einmal von ihnen: der spätere Kaiser Konstantin der Große, damals Regent der weströmischen Provinz, bereitete im Jahre 310 den angreifenden Germanenstämmen, darunter Cherusker, eine Niederlage. Seitdem sind die Cherusker wahrscheinlich Sachsen geworden. Die saßen nämlich zur Zeit des Ptolemäus (150) auf der kimbrischen Halbinsel, wie Ptolemäus schreibt, also im westlichen Holstein. Erst nach 150 bewegten sich die Sachsen von dort nach Westen, Osten und Süden. Die 3 Teilherzogtümer Westfalen, Ostfalen und Engern (Angrivarier) entwickelten sich in dieser Zeit - seit dem 2. und 3. Jahrhundert. (Vgl. 0-2)

Jesus (4 v. Chr. - 29/30 n. Chr.) ist Urheber und zentrale Gestalt des Christentums. Das Christentum umfaßt die Auswirkungen des Glaubens an Person und Wirken Jesu Christi, wie er von den christlichen Kirchen und Gemeinschaften in der Auseinandersetzung mit fremden Religionen, den geistigen und weltanschaulichen Strömungen der verschiedenen Zeiten sowie mit den politischen Mächten entwickelt worden ist. In Rom galt die christliche Gemeinde zunächst als jüdische Sekte. Der römische Staat entzog dieser schnell wachsenden Gemeinschaft bald die religiösen und rechtlichen Privilegien, die er dem Judentum gerade eingeräumt hatte. Die Auseinandersetzung mit dem Römischen Reich wurde intensiv seit der Mitte des 3. Jahrhunderts geführt. Auf das Toleranzedikt des Galerius und Licinius, 311, folgte die Bekehrung Konstantins und mit dem Toleranzedikt von Mailand (313) die Einstellung der Christenverfolgungen. Konstantin der Große machte das Christentum zu der mit allen zeitgenössischen Kulten gleichberechtigten und schließlich zur allein berechtigten Religion im Reich (Konzil von Nicaea, 325). Damit hatte er eine Entwicklung eingeleitet, die zur Entstehung der Reichskirche als einer vom Reich letztlich abhängigen Einrichtung führte. Durch den oströmischen Kaiser Theodosius I. wurde 380 mit dem Edikt von Thessalonike der Athanasianismus (Katholizismus) begründet, im 1. Konzil (= 2. Ökumenisches Konzil, 381) von Konstantinopel das (konstantinopolitanische) Glaubensbekenntnis formuliert und das Nizänum bestätigt, 391 das Christentum überhaupt Staatsreligion, damit alle heidnischen Kulte verboten. 395 teilte sich das Reich in West- und Ostrom, 455 eroberten die Wandalen Rom und 476 erlosch das Weströmische Reich endgültig mit der Absetzung des Romulus Augustus durch den Germanen Odowaker (Odoaker), aber die römische Kultur wurde von den Eroberern nicht zerstört, die arianische Christen waren und mit der unterworfenen Bevökerung, die römisch-katholisch war, die erste und für die Christen-Geschichte wichtigste Verschmelzung eingingen. Für die geschichtliche Erkenntnis Jesu ist man nahezu ausschließlich auf die Evangelien des Neuen Testaments angewiesen. Derjenige, der das Christentum erst zur Weltreligion machte, war Paulus. (Vgl. 0-2 und 2-4 sowie 4-6).

Paulus († oder 67; enthauptet), christlicher Heidenapostel, machte das Christentum durch Überwindung der nationalen und traditionellen Bedingtheiten seitens des Judenchristentums zur Weltreligion, indem er den übernationalen Charakter der durch den Glauben an Christus begründeten Heilsgemeinschaft betonte. Er war Verfasser zahlreicher neutestamentlicher Schriften. Als Quellen zur Rekonstruktion seines Lebens dienen vor allem die wirklich von ihm verfaßten Briefe an die Gemeinden in Rom, Korinth, Galatien, Philippi, Thessalonike und an Philemon, die alle aus der Zeit zwischen 50 und 56 stammen. Bei der spekulativen Durchdringung des Christentums verwendete er Elemente der stoischen und jüdisch-hellenistischen Philosophie. Seine vielen Missionsreisen führten am Ende zur Verhaftung in Jerusalem, zur Überführung nach Rom und dort zur Enthauptung (Märtyrertod). (Vgl. Mission).

Tacitus (Publius Cornelius, um 55 - nach 115) war römischer Geschichtsschreiber und befreundet mit dem Politiker und Schriftsteller Plinius d.J. (61/63 - um 113), dem Neffen und Adoptivkind des Historikers und Schrifstellers Plinius d. Ä. (23/24 - 24. August 79 = Vesuv). Tacitus war 88 Prätor, 97 Konsul und um 112 Prokonsul der Provinz Asia. Er begann mit der Veröffentlichung seiner Werke erst nach der Gewaltherrschaft Domitians, der von 81 bis 96 regierte. Für unser Thema interessant sind die Annales (16 Bücher) und besonders die Germania (De origene et situ Germanorum), die er wahrscheinlich im Jahre 98 verfaßte. Es ist eine geographisch-ethnographische Schrift mit teilweise idealisiertem Germanenbild, das der Dekadenz der Sitten bei den Römern entgegengesetzt werden sollte. Seiner tief pessimistischen Grundanschauung entsprechen eigenwillige Akzentuierung und Stoffauswahl. Nach Tacitus gab es 3 (west)germanische Stammesgruppen (Ostgermanen waren ihm wohl nicht bekannt):
                             - Ingwäonen, die In Jütland und den angrenzenden Gebieten der Nord- und Ostsee lebten.
                             - Herminonen, die zwischen Niederösterreich, Donau, Rhein, Niederelbe und Oder lebten.
                             - Istwäonen, die zwischen Nieder- und Mittelrhein, Untermain und Weser lebten.
Hinzu kamen ostgermanische Verbände von der Ostsee und der unteren Weichsel bis zur unteren Donau. Tacitus benutzte als Quelle die Kriege in Germanien (Bella Germania) von Plinius d. Ä. (23/, Vesuv), der u.a. Autor zweier größerer historischer Werke war, und zwar der eben erwähnten Bella Germania und einer zeitgenössischen Geschichte, aber auch Autor einer großen enzyklopädischen Naturgeschichte, die bis weit ins Mittelalter Gültigkeit hatte. Er selbst rühmte sich, 2000 Bücher gelesen und 20000 Einzelergebnisse mitgeteilt zu haben. Aus begüterter Ritterfamilie stammend, war er Offizier und kaiserlicher Beamter, zuletzt Kommandant der Flotte in Misenum. Er berichtete z.B. über die Chauken (Hauken), daß sie auf Erdhügeln (Wurten) wohnten, vom Fischfang lebten und mit Erde heizten, was darauf hinweisen dürfte, daß Plinius den Torf nicht kannte. Wie die Friesen hatten die Chauken ihren Bündnisvertrag mit den Römern, der 5 v. Chr. geschlossen worden war, treulich eingehalten. Tacitus hat den Stamm der Chauken besonders gelobt: sie seien die Angenehmsten unter den Germanen und hätten einen weiten Blick, ein starkes Gerechtigkeitsgefühl mit wahrhafter Gesinnung. Die Chauken unternahmen aber auch Raubzüge und plünderten 47 die gallische Küste, wie im Jahre 70 die Bataver, die ihrerseits 700 Jahre später von den Wikingern heimgesucht werden sollten. Die ursprünglich zwischen der unteren Ems und der Unterelbe heimischen Chauken breiteten sich auch nach Süden aus. Sie verdrängten die an der unteren Ems wohnenden Amsivarier und die sogenannten Chasuarier (Kasuarier, Hasuarier), die an der Hase zwischen Wiehengeirge und Teutoburger Wald wohnten und Nachbarn der mittelweserischen Angrivarier und rechtsrheinischen Chamaven waren. Als Piraten traten die die Chauken 170 noch einmal in Erscheinung. Im 4. Jahrhundert wurden sie zum letzten Mal erwähnt. Danach scheinen die Chauken (Hauken) mit den Cheruskern (Heruskern), Brukterern, Angrivariern (vielleicht auch mit Teilen der Amsivarier und Hasuarier?) zusammen Sachsen geworden zu sein. Aber auch die Franken setzten sich ja aus aus einer Vielzahl an Stämmen zusammen: Salier, Chattuarier (Hattuarier Hatten/Ruhr)) , Brukterer, Tubanten, Chasuarier (Hasuarier » (an der) Hase), Chamaven (Hamaven), Amsivarier ((an der) Ems), Usipeter (Usipier), Sigambrer und Chatten (Hatten » Hessen). (Vgl. 0-2 und 2-4 sowie 4-6 und 6-8).

Caligula (Gaius Julius Caesar Germanicus, n. Chr. - n. Chr., eigtl. Soldatenstiefelchen, die er als Kind trug) war der Sohn des Germanicus und Agrippinas d. Ä., der nach dem Tod des Tiberius zum Kaiser ausgerufen wurde (37). Er machte sich bald durch Gewalttätigkeiten unbeliebt, ja verhaßt. Caligula strebte eine monarchische Herrschaft im Stil hellenistischer Könige an, was auf die bereits erwähnte Wanderung in Richtung magischer Gebärmutter hinweist. Er schaffte die Majestätsprozesse ab und ließ das Volk wieder den Magistrat wählen. Der augusteische Prinzipat wurde in ein hellenistisch-orientalisches Gottkönigtum (Caesar und Gott) umgewandelt. dazu gehörten auch das orientalische Hofzeremoniell und die göttliche Verehrung des Kaisers. Caligula fühlte sich als Alexander, Cäsar und Gott. Er führte reine Schau-Feldzüge gegen Britannien und Germanien. Eine Militärrevolte am Rhein schlug er blutig nieder (39); er wurde nach Rückkehr von einer gegen Britannien gerichteten Expedition zur Kanalküste durch Prätorianer ermordet. (Vgl. Tabelle).

Claudius (Claudius Nero Germanicus, v. Chr. - ) war der Sohn des Nero Claudius Drusus und Nachfolger des Kaisers Caligula. Er regierte von 41 bis 54. Die Eroberungs Südostbritanniens (43) und die Einverleibung Noricums, Thrakiens und Mauretaniens (46) fielen in seine Zeit. Die Donaugrenze wurde befestigt. Claudius kehrte zurück zur augusteischen Tradition und sorgte für eine geordnete Verwaltung. Trotzdem baute er die Hofämter mit kaiserlichen Freigelassenen aus (Narcissus). Die Frauen hatten während seiner Zeit großen Einfluß. Er war religiös und literarisch sehr interessiert, engagierte sich auch in der Rechtsprechung. Claudius stand jedoch sehr unter dem Einfluß seiner Gattinnen, insbesondere der dritten: Valeria Masselina (25-48), die durch ihren sittenlosen Lebenswandel und ihre Grausamkeit Anstoß erregte, ohne Wissen des Claudius eine Ehe mit Gajus Silius einging und am Ende auch deswegen mit dem Tod bestraft wurde. Seine Frau (und Nichte) Agrippina d.J. , die 15 n. Chr in Köln geborene Tochter des Germanicus und der Agrippina d.Ä., ließ Claudius ermorden, indem sie ihn vergiftete, um ihren Sohn aus erster Ehe, Nero, zum Thron zu verhelfen. Sie selbst wurde auch ermordet (59). (Vgl. Tabelle).

Nero (Nero Claudius Drusus Germanicus Caesar, eigtl. Lucius Domitius Ahenobarbus, ), römischer Kaiser von 54 bis 68, war Sohn Agrippinas d.J.. Er wurde 50 von Claudius adoptiert, 53 mit dessen Tochter Octavia verheiratet und 54 (bis 68) Kaiser. Die ersten 5 Jahre der Regierung verliefen maßvoll, weil sie unter starkem Einfluß von Seneca d.J. (4 v. Chr. - 65) und Burrus standen (Quincquennium Neronis). Der Politiker, Philosoph (Stoiker) und Dichter Seneca d.J. (Lucius Annaeus Seneca, Sohn des gleichnamigen Seneca d. Ä.), unter Kaiser Claudius als Opfer einer Hofintrige nach Korsika verbannt (41-48), von Kaiserin Agrippinas d.J. jedoch zurückberufen und mit der Erziehung ihres Sohnes Nero beauftragt, leitete als Konsul (54-59) zusammen mit Burrus die gesamte Reichspolitik. Neros Herrschaft jedoch steigerte sich mit einer persönlichen Zügellosigkeit zum Caesarenwahnsinn: Ermordung der Mutter Agrippina d.J. (59), Scheidung von Octavia und deren Ermordung (62), Schuld am Tod seiner 2. Ehefrau Poppäa Sabina (65), sein Auftreten als Wagenlenker und Kitharöde, die Einrichtung eigener Festspiele nach dem Vorbild der Olympiaden (Neronia, 60), seine Vortragsreise durch Griechenland (66/67) und andere skurrille Taten. Der Brand von Rom (18./) löste die 1. systematische Christenverfolgung aus, weil Nero den Christen die Brandlegung zur Last gelegt hatte, angeblich, um den Verdacht von sich abzulenken. Seine außenpolitischen Erfolge waren die Niederschlagung des britischen Aufstands (61), die Errichtung der Pontus-Provinz (64) und des Klientelstaats Armenien, der dadurch de facto unter parthische Herrschaft kam (66). Der Aufstand in Judäa (ab 66) weitete sich jedoch zum Krieg aus. Nach der Aufdeckung mehrerer Verschwörungen (ab 65), u.a. der Pisonischen Verschwörung, deren Opfer Seneca, Lukan und Pretonius waren, führte der Aufstand des Vindex in Gallien (68), dem sich in Spanien Galba und in Lusitania Otho anschlossen, zu Absetzung und Selbstmord Neros. (Vgl. Tabelle).

1. Vierkaiserjahr (68 bis 69): Galba ( v. Chr. - ), Otho (), Vitellius (Aulus Vitellius, ) und Vespasian (). Galba wurde während seiner Statthalterschaft in Hispania Tarraconensis (seit 60) im April 68 zum Kaiser ausgerufen und vom Senat bestätigt. Rigorose Maßnahmen und Sparsamkeit führten in Rom seit Herbst 68 zur Unzufriedenheit der Prätorianer und zum Abfall Germaniens, Galliens und Britanniens. Galba fiel der Verschwörung des Otho zum Opfer. Otho war Statthalter der Provinz Lusitana (58-69) und verheiratet mit Poppäa Sabina, die sein Freund Nero zu seiner Geliebten, 62 zu seiner Gattin machte. An der Ermordung Galbas war Otho führend beteiligt und beging nach seiner Niederlage gegen Vitellius Selbstmord. Vitellius, der Befehshaber der germanischen Rheinarmee, wurde am gegen Galba zum Kaiser ausgerufen. Seine Anhänger konnten Otho, den Nachfolger Galbas Mitte April 69 bei Betriacum vernichten, und schon am wurde Vitellius an eben diesem Ort von den Truppen Vespasians besiegt. Er verzichtete Mitte Dezember 69 auf den Thron, den jetzt Vespasian bestieg. (Vgl. Tabelle).

Vespasian (Flavius Vespasianus, ), der Vater des Titus und des Domitian, war ritterlicher Herkunft und Begründer der flavischen Dynastie, regierte von Dezember 69 bis Juni 79 als Kaiser. 41/42 war er Legionslegat in Germanien superior (Obergermanien), 43 an der Eroberung Britanniens beteiligt, 51 Konsul, um 62 (63/64?) Proconsul von Africa und erfolgreich im 1. Jüdisch-Römischen Krieg (ab 66). Nach Ausrufung durch das Heer (Juli 69) und Vernichtung des Vitellius bei Betriacum mußte Vespasian besonders in Gallien die Folgen der Wirren des Jahres 68/69 (1.Vierkaiserjahr) bewältigen. Nach seinem Regierungsantritt wurden drei Aufstände der germanischen Bataver an der Rheinmündung und der Juden in Palästina (ab 66) niedergeworfen. Vespasians Außenpolitik bestand in der Sicherung des Grenzvorfeldes, während seine Innenpolitik durch Veteranenversorgung, Reorganisation des Heeres, rigorose Steuerpolitik und Sparsamkeit sowie Bautätigkeit gekennzeichnet war; er baute z.B. das Amphitheater Flavium (Kolosseum) und den Jupitertempel auf dem Kapitol. Jerusalem wurde von seinem Sohn Titus erobert (70) und ihm zu Ehren in Rom der Titusbogen gebaut. Im Jahre 74 wurde das Neckargebiet unterworfen (Agri decumates; Dekumatenland). Vespasian erhöhte den Senat auf 1000 Mitglieder durch Aufnahme aus dem plebejischen Munizipaladel Italiens, dem er selbst auch angehörte. Spanien erhielt latinisches Recht. Eine Biographie über Vespasian schrieb Sueton (70-146). (Vgl. Tabelle).

Titus (Titus Flavius Vespasianus, ), Sohn des Vespasian und älterer Bruder des Domitian, war Kaiser von 79 bis 81. Er war ab Ende 69 Oberbefehlshaber im 1.Jüdisch-Römischen Krieg (66-70 bzw. 73/74). Ab 69 durfte er sich Caesar nennen, kennzeichnete dieser Titel doch seit dem Geschlecht der Julier, also seit Augustus, dem Adoptivsohn Julius Cäsars, die Zugehörigkeit zum Kaiserhaus und war sie doch seit Claudius Bestandteil der kaiserlichen Titulatur. Nach seinem Triumph (71) besaß Titus den Imperatortitel, hatte er doch im September 70 mit seinem Heer Jerusalem erobert und zerstört und man ihm zu Ehren den Titusbogen in Rom erbauen lassen. Titus hatte auch mehrere Konsulate inne. Als Kaiser ernannte er seinen Bruder Domitian zum Nachfolger, vollendete das Kolosseum und erbaute seine Thermen. In seine Zeit fielen der Ausbruch des Vesuv () sowie der Brand Roms und die Pest (80). Durch den Vesuvausbruch wurden Pompeji, Stabiae und Herculaneum zerstört; der Historiker, Schriftsteller und Naturforscher C. Plinius Secundus (d.Ä., 23/24 - 79) fand hier seinen Tod. (Vgl. Tabelle).

Domitian (Titus Flavius Domitianus, ), Sohn des Vespasian und jüngerer Bruder des Titus, war Kaiser von 81 bis 96, dem Jahr seiner Ermordung und dem Ende der flavischen Dynastie (69-96: Vespasian und Söhne Titus und Domitian). Domitian besiegte 83 die germanischen Chatten, ein den Cheruskern benachbarten Volksstamm zwischen Eder, Fulda und Schwalm (die späteren Hessen). Von den Römern wurde dieser Stamm zu den Hermionen gezählt. Die Feldzüge gegen die vordringenden Chatten veranlaßten Rom, mit dem Bau des germanischen Limes zwischen Neuwied (Rhein) und der Donau zu beginnen - zur Sicherung des Vorfeldes. Es wurden Militärbezirke erhoben, Ober- und Niedergermanien zu selbständigen Provinzen gemacht. Die 78 wieder aufgenommene Eroberung der Provinz Britannien wurde 84 mit der Anlage eines Grenzwalls im heutigen Nordengland (Grenze zu Schottland) beendet (Agricola). Zeitweilig mußte Britannien aber wieder aufgegeben werden. Unter Domitian gab es schwere Kämpfe gegen die unter König Decebalus geeinten Daker an der unteren Donau (85-89). Pannonnien wurde jedoch gesichert. Die Ausartung der anfänglich guten Herrschaft, der Durchbruch des autokratischen Herrschaftsprinzips, des Despotismus mit der Beanspruchung des Titels Dominus et Deus, die erbitterten Kämpfe mit der Senatsopposition und die Verfolgung ideologisch oppositioneller Elemente (Stoiker, Christen) führten zu einer Palastverschwörung und schließlich zur Ermordung des letzten flavischen Herrschers (96). (Vgl. Tabelle).

Nerva (Marcus Cocceius, ), Begründer der Adoptivkaiser (Wahl der Besten), römischer Kaiser von 96 bis 98, war Konsul (71 und 90). Nach der Ermordung Domitians wurde er vom Senat zum Kaiser ausgerufen, und nach einer Meuterei der Prätorianer adoptierte er den Spanier Trajan (97). Nerva eröffnete so die Reihe der sogenannten Adoptivkaiser. Er bemühte sich um die Stabilisierung des Staatshaushaltes und begründete eine staatliche Versorgung armer Kinder (Alimentation). (Vgl. Tabelle).

Trajan (Marcus Ulpius Traianus, ), erster adoptierter Kaiser (98-117), provinzialrömischer, nämlich spanischer Herkunft, verheiratet mit Pompeia Plotina, war 91 Konsul, 94/95 Statthalter der Provinz Moesia, 97 von Nerva adoptiert und zum römischen Caesar ernannt. Trajan eroberte in 2 Kriegen 101/102 und 105/106 Dakien, und 106 wurde das Gebiet der Nabatäer als Provinz Arabia annektiert. Ein armenischer Thronstreit war Anlaß zu dem groß angelegten Partherkrieg, der 113/114 begann. Der Senat verlieh Trajan 114 den Titel Optimus (der Beste). Nach siegreichen Kriegen gegen die Parther (114-117), nach der Eroberung Armeniens und Mesopotamiens wurden die Provinzen Armenia, Assyria und Mesopotamia errichtet. Trajans Außenpolitik war strategisch und wirtschaftlich begründet, seine Innenpolitik nutzte die Möglichkeiten politischer und sozialer Stabilisierung. Nervas Versorgungswerk für arme Kinder wurde fortgesetzt, in Fragen der Provinzverwaltung griff Trajan detailliert ein, wie aus einem Briefwechsel mit Plinius d.J., dem Freund Tacitus', hervorgeht: u.a. über die Christenverfolgungen in Bithynien. Seine umfangreiche Bautätigkeit dokumentieren u.a. das Trajanforum, und die Trajanthermen in Rom. Die Trajanssäule, eine marmorne Ehrensäule in Rom, 113 vollendet (Höhe: 29,60m) stellt als spiralförmiges Reliefband (200m lang) die Dakerkriege (101/102 und 105/106) dar und war mit einer Kaiserstatue versehen (bis 1588, seitdem mit einer Petrusstatue!). Trajan starb auf der Heimreise vom eben erwähnten Partherkrieg (117). Unter ihm erreichte Rom seine größte Ausdehnung. (Vgl. Tabelle).

Hadrian (Publius Aelius Hadrianus, ), Verwandter Trajans, zweiter adoptierter Kaiser (117-138), war seit 116 Statthalter in Syrien und schloß unter Verzicht auf die eroberten Gebiete mit den Parthern einen Frieden. 117 wurde er nach umstrittener Adoption zum Kaiser ausgerufen. Seine Politik des Verzichts auf kostspielige Reichsexpansion und verstärkter Grenzsicherung entspricht dem Bemühen im Innern, v.a. Straßen-, Städte- und Wasserleitungsbau im ganzen Reich bauen zu lassen. Die Euphratgrenze wurde wieder hergestellt, der Ausbau des germanischen Limes an Rhein und Donau intensiviert, wie auch andere Befestigungsanlagen, z.B. in Britannien und am Euphrat. Hadrian verbesserte und verstärkte den Verwaltungsapparat durch Ausbau der Kanzleibürokratie und machte ausgedehnte Reisen zur Überwachung der Reichsverwaltung (Reisekaiser). Unter ihm gab es Neueinrichtungen von Provinzen und eine Heeresreform. Hadrian war Griechenfreund und Philosoph und im Osten göttlich verehrt. Er war erfüllt vom Ziel der Verwirklichung der Pax Augusta im ganzen Imperium. Der Wiederaufbau Jerusalems als Kolonie Aelia Capitolina entfachte den Aufstand der Juden unter Bar Kochba (132-135), der mit der Eroberung Jerusalems durch Hadrian endete. Hadrian adoptierte 137 den späteren Kaiser Antonius Pius, verfaßte eine Biographie und ließ u.a. das Mausoleum (Engelsburg) in Rom, die Villa Adriana bei Tivoli und in Athen die Stoa - mit Bibliothek - bauen. Hadrian wurde in dem monumentalen Rundgrab, dem Mausoleum Hadriani (Engelsburg) beigesetzt. (Vgl. Tabelle).

Antonius Pius (Titus Aelius Hadrianus Antonius, ), dritter, 138 von Hadrian adoptierter Kaiser (138-161), der die Friedenspolitik seines Vorgängers fortsetzte. Die Limesanlagen wurden weiter ausgebaut, das Heer durch einheimische Truppen verstärkt und in Britannien die Grenze bis zum Firth of Forth verschoben (Antoniuswall, um 142). Seine Regierung galt als Zeit des Wohlstands. Antonius Pius adoptierte auf Wunsch Hadrians die späteren Kaiser Mark Aurel und Lucius Verus. (Vgl. Tabelle).

Mark Aurel (Marcus Aurelius Antoninus, eigtl. Marcus Annius Verus, ), vierter, 138 von Antonius Pius adoptierter Kaiser (161-180), der Philosoph auf dem Kaiserthron, regierte zuerst mit seinem Adoptivbruder Lucius Verus (Lucius Aelius Aurelius Commodus, eigtl. Lucius Ceionius Commodus, - Jan./Febr. 169), indem er ihn zum Mitkaiser ernannte. Dieser Doppelprinzipat, wenn es noch einer war, hielt bis zum Tode des Mitkaisers (169). Lucius Verus führte erfolgreich Krieg gegen die Parther (162-166), die Armenien, Kappadokien und Syrien besetzt hatten, und eroberte Seleukeia am Tigris und Ktesiphon. Mesopotamien wurde besetzt. Mark Aurels Regierung war der Beginn des römischen Niedergangs: wegen der Pest, die sich durch heimkehrende Soldaten über das ganze Reich von Osten nach Westen verbreitete, kam es zum Friedensschluß und zu ständigen Grenzüberschreitungen an der Donau durch die germanischen Völker wie Markomannen, Quaden und Bastarnen sowie durch die iranischen Sarmaten (seit 166). Aus diesem Grunde erfolgte der 1. Markomannische Krieg (167-175). Mark Aurels Hauptwerk, die in griechischer Sprache verfaßten Wege zu sich selbst, entstanden während eines Feldzuges; diese Offensive zur Sicherung der Donaugrenze brachte den Frieden (171): die Markomannen und Quaden mußten einen Gebietsstreifen links der Donau räumen. 173 wurde ihm zu Ehren ein Reiterstandbild auf dem Kapitolsplatz in Rom errichtet, 176 folgte eine Säule, die den 1. Markomannischen Krieg darstellende Markussäule. Mitregent wurde sein Sohn Commodus und das Adoptionsprinzip zugunsten einer dynastischen Erbfolge aufgegeben. Der 2. Markomannische Krieg (178-180) veranlaßte die Römer 179, ein neues Legionslager, Castra Regina (Regensburg) zu errichten, aber sie mußten nach dem Tod Mark Aurels in Vindobona (Wien, 180) wegen des ungünstigen Friedensschlusses die Offensivpolitik aufgeben. Diese Entscheidung fällte Mark Aurels Sohn Commodus. (Vgl. Tabelle).

Commodus (Marcus Aurelius Commodus Antonius, seit 191: Lucius Aelius Aurelius Commodus, ./), Sohn des Mark Aurel und derFaustina d.J., war seit 166 Caesar, seit 177 Augustus und von 180 bis 192 römischer Kaiser. Er gab die Offensivpolitik auf und glaubte, eine Inkarnation des Herkules und Mithras zu sein. Ähnlich wie schon bei Caligula zeigt dieser Cäsarenwahn antik-magische Züge, denn der Kult um Herkules (Herakles) ist griechischen, also antiken Ursprungs. während der Mithras-Kult indoiranischen, also orientalisch-indischen Ursprungs ist. Die Willkürherrschaft des Commodus und sein wahlloser Ämterverkauf (Günstlingswirtschaft) brachte ihn in einen verschärfenden Gegensatz zum Senat. Seine Ausschweifungen und die sich steigernden Vorstellungen von eigener Göttlichkeit führten zu einer zunächst mißlungenen Verschwörung (182), zu einem Bandenkrieg in Italien (186), zu Aufständen in Africa und Britannien und schließlich zu einer Palastverschwörung, die nicht mehr scheitern konnte. Er wurde in der Silvesternacht ermordet (192/193). Es folgte das 2. Vierkaiserjahr (193). (Vgl. Tabelle).

2. Vierkaiserjahr (193): Didius Julianus (für Rom), P. Niger (für die Provinz Syrien), Clodius Albinus (für die Provinz Britannien) und Septimius Severus ( (für die Provinz Pannonien)), der am Ende die Gegenkaiser besiegte (April 193) und das severische Herrscherhaus begründete. (Vgl. 1. Vierkaiserjahr, 68/69). Eine Übersicht bietet die Tabelle.

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