Herbst / Abend |
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24 Uhr |
Spätkultur und Zivilisation |
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Die geistige Keimlegung einer später werdenden Kultur erfolgt bereits im Herbst zweier älterer Kulturkreise, also zweier Zivilisationen. Sie sind die Erwachsenen, die Vollendeten, aber auch die werdenden Eltern, die Älteren, die ihr Dasein und Sosein offenbar auf einen Nenner gebracht haben und sich deshalb vom oberen Zähler nicht mehr geprägt fühlen, weil sie sich selbst dazu rechnen, trotz der Gefahr, daß auch Zähler gelegentlich ins Unendliche wachsen. Etwas zu prägen liegt ihnen am Herzen, sich prägen zu lassen dagegen nicht. Sie sind Kulturen am Abend, wie die Spätkulturen des Herbstes: eine Weinlesekultur und Abenddämmerung zugleich. Sie sind romantisch - gar keine Frage. Eigenes zustande bringen wollen sie und vergessen dabei leicht, daß sie einmal Kinder waren, geprägt wurden. Sie sind demokratisch - gar keine Frage. Das müssen werdende Eltern sein. Als Ehepartner und Selbständige ersinnen sie Planungen für den Lebensabend, bauen Häuser, gehen einer Arbeit und einem Berufsziel nach. Sie sind Industrialisierte - gar keine Frage. Als Klassiker unter den Menschen haben sie die Reife, die nötig ist, um für alles Folgende die eigene Verantwortung und Leistung immer wieder repräsentiert zu bekommen. Sie sind die Vertreter der diplomatischen Kritik, weil sie nörgelnde Kritik nicht mögen. Ihre Liebe zur Partnerschaft ist fast grenzenlos und deshalb gefährlich. Dieser Idealismus führt oft zu Ungleichgewichten, weil die Gleichheit ständig angestrebt wird. Allen wollen sie es recht machen, weshalb für sie juristische Fragen nur demokratisch zu lösen sind. Abgesehen davon, daß ihnen das Geld immer wichtiger zu werden hat, weil die Hypothekenzinsen für ihr Eigenheim gestiegen sind, befinden sie sich in einer Phase der Konsolidierung und Routine. Wären da nur nicht immer die schlechten Nachrichten, die ihnen, wie eine andere Presse, die Gefühle der Einengung vermitteln. Aber sie lieben die Medien - gar keine Frage.
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Die römische Kunst war von Beginn an von der etruskischen und griechischen Kunst beeinflußt. Die Griechen nahmen insbesondere durch die unteritalienischen und sizilianischen Kolonien Einfluß auf die Römer. (Vgl. 10-12, 12-14 und 14-16). Infolge der Siege über die östlichen Mittelmeerländer drangen auch hellenistische Formelemente in die römische Kunst ein. Die Säulenordnung wurde der griechischen immer ähnlicher. (Vgl. 20-22 und 22-24). Die römische Ordnung, eine Mischung oder Zusammenstellung aus ionischen und korinthischen Elementen, entwickelte auch das Kompositkapitell, das sich später als Erbe im Abendland großer Beliebtheit erfreuen sollte. Beispielsweise übernahm die spätere karolingisch-ottonische Kunst die römischen Kapitelle in stark vereinfachter Form, während Romanik und Gotik eigenwilligere abendländische Formen fanden und erst die Renaissance, der Barock und das Rokoko die antiken Formen wieder reintegrierten, bevor sie in der jetzigen Phase in aller Klarheit veredelt werden konnten: im Klassizismus und in der Romantik. |
Die führenden abendländischen Bauherrn, Bildhauer und Maler des Klassizismuss
sollen hier noch einmal erwähnt werden, um anzudeuten, wie umfangreich
die Regungen dieser Zeit waren: Winckelmann () als theoretischer Wegbereiter,
von Erdmannsdorf (), Langhans (), J. L. David (),
J. H. W. Tischbein (), Carstens (), Dannecker (),
Gilly (), Weinbrenner (), von Klenze (), K. Fr. Schinkel
(), Schadow (), Rauch (), J. A. Koch ();
bekannt sind als Romantiker C. D. Friedrich (), Runge (),
von Schwind (), der Nazarener Overbeck () sowie der
Garten- und Landschaftsbaumeister Lenné (). In der Dichtung
glänzten Wegbereiter wie Gottsched () und der pietistische
Klopstock (), der sich vom Pietismus lösende und dem Klassizismus
sich nähernde Wieland (), J. G.Herder (), J. W. Goethe
(), F. Schiller (), romantisch dann: Hölderlin
(), Wackenroder (), Tieck (), Novalis (),
F. Schlegel (), A. W. Schlegel (), Schleiermacher (),
H. von Kleist (), C. Brentano (), von Eichendorff (),
Görres (), Creuzer (), der Naturwissenschaftler Ritter
(, J. Grimm
(), W. Grimm
(), Uhland (), Heine (), Mörike ()
und die in der Übersicht
angegebenen Denker.
Auf geistiger Ebene der Kulturkreise tummeln sich in dieser frühen Erwachsenenphase
viele Denkrichtungen, als wären sie die frühen Kurse einer Abendschule
auf dem zweiten
Bildungsweg. Waren es in der Antike in der vorletzten Phase (14-16)
nur 6 und in der letzten Phase (16-18)
8, so waren es jetzt 12 Schulen, die sich fast alle, mehr oder weniger
erfolgreich, mindestens ein halbes Jahrtausend halten sollten. Das ist eine
ganze Jahreszeit, ein ganzes Quartal.
Den Auslöser für den erneuten Prestigegewinn der antiken Philosophie
gaben die Attiker. |
3) Pythagoreer Rel.-pol.-arist. Rationalismus
seit -550 |
3) Pol.-rel. Empirismus Polit. Rationalismus
seit 1600 |
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Platon (427-347)
4 Entwicklungsstufen (2 vorakademische und 2 akademische) |
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Natur- |
Meta- |
Kritisch- |
Nach- |
Sokrates- 407 |
Studien |
Akademie Kritik der |
Spätzeit Weiter- |
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Platon (eigentlich: Aristokles), Sohn des Ariston und der Periktione, stammte mütterlicherseits aus reicher und vornehmer Familie Athens. Nach dem Tod des Sokrates (399), dessen Schüler Platon 8 Jahre lang war und dessen Prozeß er erlebte, hielt er sich eine Zeitlang bei dem Eleaten Eukleides von Megara auf, der ebenfalls ehemaliger Schüler des Sokrates war. Eukleides' megarische Schule war eine der an Sokrates orientierten Philosophenschulen, die eine Synthese zwischen dem sokratischen Begriff des Guten und dem unbeweglichen, unveränderlichen Sein der eleatischen Philosophie zum Ziel hatte. Auf Reisen nach Unteritalien und Sizilien lernte Platon auch die Denkweise der Pythagoreer kennen. 385 v. Chr. gründete er die Platonische Akademie. Hier wurde der Platonismus geprägt, die Lehre Platons durch mittelbare und unmittelbare Schüler augebaut und die platonische Philosophie, insbesondere die Ideenlehre, auf andere philosophische Systeme übertragen. | ||||||
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Begriff (e) |
Urteil (e) |
Schluß |
These |
Antithese |
Synthese |
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Metaphysik |
Mathematik |
Physik |
Natur-Seele |
Bewußtsein
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Identität |
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Politik |
Ökonomik |
Ethik |
Familie |
Gesellschaft |
Staat |
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Technik |
Ästhetik |
Rhetorik |
Subjekt |
Objekt |
Gott |
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Pflanzenhaft. |
Tierhafter |
Intellektueller |
Anschauen |
Vorstellen |
Wissen |
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Monarchie |
Aristokratie |
Demokratie |
These |
Antithese |
Der Unterschied zwischen Form
und Inhalt zeigt ebenfalls den Gegensatz zwischen apollinischer und
faustischer Kultur an. Für derartige Gegenpole gilt, daß hier
Inhalt ist, wenn dort Form war und daß hier Form ist, wenn dort Inhalt
war. Wahrscheinlich ist diese Polarität der Grund dafür, daß
wir uns jede antike Form zum Inhalt und jeden antiken Inhalt zur Form machen.
Da aber in der Antike auch der Inhalt förmlich gedacht wurde, als Substanz
oder Urstoff (arch),
so kann man zu der Vermutung gelangen, daß es im Abendland eigentlich
kein Formdenken geben könne. Und in der Tat wird hier jede Form so lange
analysiert oder ins Grenzenlose idealisiert, bis man auf jene mathematischen
Formen trifft, die Gauß () geometrisch
begründet hat und später in der Physik auf andere Weise durch Heisenbergs
Unbestimmtheitsrelation wieder auftauchen sollten. (20-22).
Über lange wissenschaftliche Wege ist man also zu einem Gedanken gelangt,
den Platon auf ähnliche Weise schon vertreten hatte, ohne naturwissenschaftlich
zu experimentieren. Er experimentierte nur mit seinen Gedanken und denen seiner
Akademieschüler. Als Platon seine Akademie betrieb, d.h. sich und seine
Schüler aus der athenischen Grausamkeit nahm, sollte eine Philosophieschule
in Gang gesetzt werden, die die Antike bis dahin nicht gekannt hatte. Als Kant
im fernen Königsberg, das er nie verließ, wirkte, geschah durch die
idealistisch-romantischen Bewegungen Ähnliches auf abendländische
Weise.
Wenn wir also Parallelen zwischen Platon und Hegel (oder Goethe) einerseits
und zwischen Aristoteles und Kant andererseits feststellen, dann können
wir auch welche zwischen den antiken und abendländischen Richtungen annehmen,
die auf die Klassiker folgten, auf sie reagierten. Für die
Antike (rot gefärbt) und für das Abendland,
insbesondere für Deutschland, das hier absolut führend war, sind das:| Musik
und andere Kunst
sind hier aus Platzgründen nicht berücksichtigt |
| Vgl. (16-18) -390/370) Atomismus (Demokrit), Einzelgänger-Philosophen (Hippokrates) |
| Vgl. (16-18) -390/370) Späte Sophisten (Gorgias, Hippias) |
| Vgl. (16-18) -390/350) Späte Pythagoreer (Archytas von Tarent) |
| bis 1760/78) Rousseauismus (Alter Rousseau und Anhänger). Vgl. (16-18) -390/350) Sokratiker (Xenophon) |
| 1760/80) Rousseau-pietist. bew. Sturm & Drang. Vgl. (16-18) -390/350) Kyniker (Antisthenes, Diogenes) |
| (Herder,
junger Goethe, junger Schiller).
Vgl. (16-18)
-390/350) Kyrenaiker
(Hedon.: Aristippos) Früh-Positivismus (Hume, d' Alembert) und Sensualismus (Condillac) |
| 1766/70) Ende der Aufklärung bis Kritizismus (wolffscher bis kritischer Kant) -385) Akademie (Platon) |
| 1767/69) Spinnmaschine / Dampfmaschine
(Hargreaves / Watt) 1766/71/72) Wasserstoff / Sauerstoff / Stickstoff (Cavendish / Scheele / Rutherford) ) Auf seiner 2. Reise beweist J. Cook die Nichtexistenz der Terra australis und überquert 1773/1774) zweimal den südlichen Polarkreis: Entdeckung der Antarktis 1776) Liberale Nationalökonomie (Adam Smith) 1778/80) Taucherglocke (zum Bau unter Wasser) / Verbrennungstheorie (Smeaton / Lavoisier) um - 370) Demokrit
erklärt alles Geschehen aus dem Atomaufbau (Atomismus-Lehre)
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| Hier endet der Übergang, der den Anfang bildete für die jetzige Phase (Klassik und Romantik) |
| 1781) Kritizismus (Transzendental-Idealismus, -Erkenntnistheorie: Kant) |
| 1781/83) Entdeckung: Uranus (Herschel) / Eigenbewegung des Sonnensystems (Herschel) |
| 1783/85) Heißluftballon / Mechanischer Webstuhl (Mongolfier / Cartwright) |
| 1790) Berührungselektrizität (Galvani) |
| 1790) Morphologie (Ganzheitliche Gestaltlehre, Struktur-Idealismus: Goethe) |
| 1780/92) Neuhumanismus (Lessing, Herder, Goethe, Schiller, Humboldt) |
| 1794) Ethik-Idealismus (Fichte) |
| 1795) Menschenbildungs-Idealismus (Schiller) |
| 1795/99) Individuell-ästhetischer Idealismus (Schlegel) |
| 1799) Ästhetisch-religiöser Idealismus (Kant) |
| 1799/1801) Absoluter Idealismus (Identitätsphilosophie:
Schelling) um 1800) 83% der Erde (60% ihrer Landfläche) sind bekannt (Vgl. 10-12, 14-16, 22-24) |
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um 1800) Hochklassisches
Neuhochdeutsch (Höhepunkt der deutschen Sprache) (Vgl. AHD, Früh-MHD, Klassisches MHD, Spät-MHD, Früh-NHD, Klassisches NHD, Spät-NHD) |
| 1801/07/17) Logischer Idealismus (Panlogismus: Hegel) -335) Peripatetiker (Aristoteles) |
| 1800) Papiermaschine (Robert) |
| 1801/30) Nicht-euklidische Geometrie (Gauß) um -315) Euklidische Geometrie (Euklid) |
| 1800/04/07) Drehbank / Netzstrickmaschine / Dampfschiff (Maudsley / Jayquard / Fulton) |
| 1807/11) Neue Nomenklatur und Symbole in der Chemie (Berzelius) |
| 1808) Vergleichende Sprachwissenschaft (Wegbereiter: Schlegel, Begr.: Gebr. Grimm) |
| 1812) Germanische Altertumswisenschaft, Germanische Sprachwissenschaft, Deutsche Philologie (Grimm) |
| 1812) Schnellpresse (König, Bauer) |
| 1815) Polarisation des Lichts / Wellentheorie des Lichts (Malus / Fresnell) |
| 1818) Atom-Gewichte (Berzelius) |
| 1819) Lebensphilosophie (Willensmetaphysik: Schopenhauer) um -315) Skeptiker (Pyrrhon) |
| 1824) Realismus-Philosphie (Psychologie: Herbart) |
| 1827) Ohmsches Gesetz (Ohm) |
| 1828) Organische Chemie (Organische Substanzen auch ohne Lebenskraft: Wöhler, Liebig) |
| 1828) Positivismus (Atheismus: Feuerbach; Comte, St. Mill). Vgl. auch (16-18) |
| 1831/33) Elektrisches Induktionshesetz, Elektrolyse (Faraday) |
| 1834) Elektromotor (Jacobi) seit -315 ) Neu-Akademie (2. oder Mittlere Akademie: Arkesilaos) |
| 1836) Amerikanischer Transzendentalismus als Neu-Idealismus (Emerson) |
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1837/39) Schreib-Telegraf (Morse) / Fotografie (Daguerre) |
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) A. von Humboldt und K. F. Gauß fördern Erforschung der Antarktis (d'Ueville, Wilkes, Ross) |
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1841/42) Samenfäden / Periodische Eireifung ( Kölliker / Bischoff) |
| 1843) Absoluter Existenz-Subjektivismus (Kierkegaard) |
| 1846) Entdeckung des Neptun (Galle) |
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1846/48) Äther-Narkose / Blinddarm-Operation (Morton / Haucook) |
| 1845) Radikal-Individualismus bzw. Anarchismus (Stirner) |
| 1845/46) Anarchismus (Proudhon) |
| 1847) Algebraische Logik (Boole) |
| 1848) Kommunismus/Marxismus (Marx, Engels) |
| 1851/54) Soziologie (Comte) um -300) Stoiker (Zenon der Stoiker) |
| 1852) Zellteilung (Remak) |
| 1853/55) Rassen-Ideologie (Gobineau) |
| 1854) Vierdimensionales Kontinuum von Raum und Zeit (Riemann) |
| 1855) Sinnespsychologie (Helmholtz) |
| 1855) Materialismus (Materialismus-Bibel "Kraft und Stoff": Büchner). Vgl. auch (16-18) |
| 1856) Vollendete Theorie des Elektromagnetismus (Maxwell und Boltzmann) |
| 1859) Historischer Materialismus (Marx) |
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1856/64) Vereinigung Mechanik-Theorie mit Idealismus (Lotze) |
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1860) Psychophysik (Fechner) um -300) Epikureer (Epikur) |
| 1859) Spektral-Analyse (Kirchhoff / Bunsen) |
| 1860) Fernsprecher / Kindbettfieber (Reis / Semmelweis) |
| 1860) Darwinismus (Evolutionstheorie: Darwin) -287) Gründung der Bibliothek in Alexandria |
| 1862-96) Evolutionismus (Spencer) -287) Neu-Peripatos (Jüngere Aristoteliker: Straton) |
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1865) Milieutheorie (Taine) / Mendelsche Gesetze (Vererbungslehre: Mendel) |
| 1866/67) Torpedo / Dynamit, Eisenbeton (Whitehead / Nobel, Monier) |
| 1869) Lichtdruck ( Albert) / Periodensystem der Elemente (Meyer, Mendelejew) |
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) Konzil (21) von Rom (Vatikan I): Definition des Primats und der Unfehlbarkeit des Papstes |
| - (!) Vor 406 Jahren war das letzte Ökumensische Konzil (!) - (Vgl. 12-14). |
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Johann Wolfgang Goethe
() 10 Entwicklungsstufen |
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1) Frankfurter Zeit |
2) Leipziger Zeit |
3) Frankfurter Zeit |
4) Straßburger Zeit Jura-Studium |
5) Frankfurter Zeit Advokat |
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6) Wetzlarer Zeit Praktikant am Reichskammergericht |
7) Weimarer Zeit Erzieher und Minister |
8) Italien-Reise Umorientierung der früheren
Elementen zum Klassischen |
9) Weimar-Klassik Leiter des Weimarer Hoftheaters
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10) Romantik Nach dem Tod Herders, Schillers
und Wielands |
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Friedrich Schlegel ()
- Schicksal der Romantik- |
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Die abendländische Romantik kann als Versuch einer Nationalisierung
des humanistisch-idealistiscn Universalismus und als eine Verknüpfung
des schon erwähnten Neuplatonismus mit dem Germanischen bezeichnet
werden, in der eine idealistisch-pantheistische Denkweise vorherrschend
ist. Sie war eine Deutsche Bewegung. Die Verteter ihrer Entwicklungsstufen,
Sturm und Drang, Klassik und Romantik, kennt wohl jeder. Eine
Romantisierung des von der humanistischen Generation geschaffenen Werkes
(10-12
und 12-14)
sowie die Erfahrung des Ich und der Tiefen der menschlichen Seele
ist ihr Wesenszug. In Goethe und Schelling trat der stoffgläubig-mechanistischen
Naturwissenschaft des Westens eine schöpferische Naturlehre gegenüber.
Auf diesen Wesensgegensätzen beruht auch die starrdogmatische Ablehnung
der Newton'schen Farbenlehre durch Goethe. Im Mittelpunkt der Naturauffassung
Goethes stehen die Begriffe Urphänomen,
Typus, Metamorphose und Polarität. Nüchtern und realistisch
dachte Goethe über die Möglichkeit gegenständlicher Erkenntnis:
"Man suche nur nichts hinter den Phänomenen; sie selbst sind
die Lehre". Zusammengefaßt ist dies das erste erwachsene,
frühherbstliche oder frühabendliche Projekt zum Selbstverständnis
und zur Feststellung der eigenen (Kultur-) Geschichte. Nicht umsonst haben
die historische Methodik durch Leopold von Ranke () und u.a.
die sprachwissenschaftliche Methodik durch die Märchen sammelnden
Gebrüder Grimm
( und ) gerade in dieser Zeit ganz entscheidende Impulse
erhalten. Und während sich Physik, Chemie, Biologie, Medizin, Verkehrstechnik,
Nachrichtentechnik, Drucktechnik, Kriegstechnik und die Fotografie rasant
weiter entwickelten und das Licht angeknipst wurde, ging den Menschen
jenes Licht noch nicht auf, welches die mit Geld und Geist gerüstete
Technik benutzt, wenn sie Massenmeinungen unter Kontrolle bringen will.
Und sie wollte schon damals. Analog dazu kann man für die
Antike die Errungenschaften nennen, die seit der Gründung der Bibliothek
in Alexandria (287 v. Chr.) zu deren Geistesblitze führten.
Der Geist denkt und Gott lenkt, hatte es früher geheißen.
Jetzt hieß es: der Geist denkt und das Geld lenkt. Die Menschen
mußten jetzt immer mehr das denken, was die freie Meinungsäußerung
ihnen vorgab. Sie ahnten, aber wußten noch nicht so recht, wer der
Lenker sein sollte. Die klassisch-romantische Eisenbahn
fuhr noch eingleisig.
Die Schule des Skeptizismus, der sachlich auch viele Akademiker angehörten,
vertrat in praktischer Hinsicht eine relativistische Ethik,
die auch Pyrrhonismus genannt wird. Pyrrhon war der Ansicht, daß
nichts in Wirklichkeit schön oder häßlich, gerecht oder
ungerecht sei, denn an sich sei alles gleichgültig (ununterschieden),
weil es ebensosehr und ebensowenig das eine wie das andere sei. Alles
Nichtgleichgültige, Unterschiedliche nämlich sei willkürliche
menschliche Satzung und Sitte. Die Dinge seien unserer Erkenntnis unzugänglich,
darum gezieme dem Weisen Urteilsenthaltung (epoch).
Als praktisch-sittliches Ideal des Weisen aber folge daraus die
Unerschütterlichkeit (ataraxia).
Der Skeptizismus erhebt den Zweifel zum Prinzip des Denkens, besonders
den Zweifel an einer sicheren Wahrheit. Der gemäßigte Skeptizismus
beschränkt sich auf die Erkenntnis der Tatsachen, während er
sich gegenüber allen Hypothesen und Theorien Zurückhaltung auferlegt.
Dieser antike Skeptizismus enstand als Rückschlag auf den metaphysischen
Dogmatismus der vorhergehenden philosophischen Schulen. Man sieht also
leicht ein, daß der Skeptizismus, wie die anderen neuen Schulen,
als Reaktion auf die beiden großen von Platon und Aristoteles, einen
Mittelweg darstellte, der als Ausweg gedacht war.
Demzufolge müßte es im Abendland auch eine oder mehrere Alternativen
zu Transzendental-Idealimus und Romantik-Idealismus gegeben
haben, die sich als überlebensfähig herausstellen
sollten. In der Tat war die eben erwähnte Lebensphilosophie -
Schopenhauers Willensmetaphysik - nicht nur eine Modephilosophie
des 19. Jahrhunderts, sondern auch ein Wegbereiter für
Nachfolger und Nachahmer. Bereits Kierkegaard mit seinem
Existenz-Subjektivismus ist ein solcher. Aber die Schulen der Stoa
und der Epikureer haben sich auch lange gehalten, was man für
die Zukunft der abendländischen Soziologie- und Psychologierichtungen
auch annehmen darf. Auch nicht zu vergessen sind die Schulen aus vergangenen
Phasen, die reanimiert worden sind. (12-18).
Die klassische Moderne der Antike, die Platon und Aristoteles einleiteten,
hat also, wie ihre abendländische Entsprechung, eine enorme Reaktion
erfahren.
Was Alexander der Große und Napoleon auf politischer Seite sind,
das sind Euklids Parallelenaxiom und die nicht-euklidische Geometrie von
Gauß auf geistiger Seite, denn sie vertreten das jeweilige Ursymbol
auf zivilgeistiger Ebene. Sie repräsentieren das jeweilige erwachsene,
zivile Ursymbol am ehesten, weil sie es aus der rein kulturellen
in die Ebene der Zivilisation brachten und durch die Ehe mit einer
anderen Kultur transferierten. Sie haben die antike begrenzte Körperlichkeit
bzw. den abendländischen unbegrenzten Endlosraum der geistigen
Nachwelt erst verdeutlicht, Euklid auf typisch antik-populäre Weise,
Gauß auf typisch abendländisch-esoterische Weise, denn er veröffentlichte
seine nicht-euklidischen Erkenntnisse nicht; seine Ergebnisse waren
offenbar für ihn selbst bestimmt. Er hat dreißig Jahre lang
seine Entdeckung der nicht-euklidischen Geometrie verschwiegen, weil er
das Geschrei der Böoter fürchtete. (Vgl
unten). Die Antike nannte sich schließlich seit ihrer Ehe
mit dem Osten hellenistisch, das Abendland seit seiner europäisch.
Neben der politischen gab es also auch eine geistige Heirat - durch
Euklid mit antik-hellenistischem Geist um 350/300 und mit Gauß und
abendländisch-europäischem Geist um 1800/1850. Vielleicht ist
ein geistiger Napoleonismus (Alexandrinismus) immer auch
die ideale, idealistisch-romantische Version einer Heirat mit gutem Geschmack.
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Oswald Spengler (), Der Untergang des Abendlandes, 1917 (Band I), 1922 (Band II) .Oswald Spengler, 1917, S.784ff.. "Historische Pseudomorphosen nenne ich Fälle, in welchen eine fremde Kultur so mächtig über dem Lande liegt, daß eine junge, die hier zu Hause ist, nicht zu Atem kommt und nicht nur zu keiner Bildung reiner, eigener Ausdrucksformen, sondern nicht einmal zur vollen Entfaltung ihres Selbstbewußtseins gelangt. (Ebd. S. 784).Urphänomen ist nach Goethe das empirische Phänomen, das jeder Mensch in der Natur erkennen kann und das durch Versuche zum wisenschaftlichen Phänomen erhoben wird, indem man es unter anderen Umständen und Bedingungen und in einer mehr oder weniger glücklichen Folge darstellt, so daß zuletzt das reine Phänomen als Resultat aller Erfahrungen und Versuche dasteht. Es ist ideal als das letzte Erkennbare, real als erkannt, symbolisch identisch mit allen Fällen, weil es alle Fälle begreift. (Vgl. Urpflanze).Urpflanze ist ein Begriff aus der Naturbetrachtung Goethes für das Urbild (Idee, begriffliche Urgestalt), nach dem alle anderen Pflanzenarten durch Abwandlungen entstanden sein sollen. Goethe suchte die Urpflanze in der Natur als eine noch unbekannte Art, oder auch etwa in der Grundgestalt eines Blattes oder eines Stammes zu finden, während Schiller in einem Gespräch mit ihm darüber auf den platonischen Ideencharakter der Urpflanze hinwies. (Vgl. Urphänomen)Vorderasien oder Morgenland: diese Begriffe sind nicht ganz zutreffend, weil zum magischen Kulturkreis (Spengler nennt ihn "arabisch") auch der ehemalige (griechische) Osten der Antike gehört, wenn auch nur pseudomorph. Mit Vorderasien bzw. Morgenland meine ich die Kultur der späteren Religionskulturformen, z.B. des manichäischen Babyloniens, des neuen parsistischen (mazdaistischen) Persertums, des Judentums, des Arabertums, des Urchristentums u.a. magischer Elemente.Eurasien ist eine durch die orthodox-islamische Opposition gekennzeichnete Mentalitätskultur, die, wenn man sie sich einen Moment lang geeint vorstellt, einen gemeinsamen Feind (Ehepartner) hat. Sie ist eine Mischung aus morgenländischer (magischer) und abendländischer (faustischer) Weltseele, somit eine noch junge Kultur, die sich im Dualismus zwischen Orthodoxie und Islam ausdrückt. Jede Kultur trägt in sich Oppositionen, wie auch jeder menschliche Körper aus typisch männlichen und typisch weiblichen Kreisläufen (Nerven- und Blutkreislauf) und hormonellen Androgynen (Androgene und Östrogene) besteht. Durch sie wird der Mensch ein Mensch, die Kultur eine Junktur. Konflikte aus früheren und heutigen Zeiten auf dem Balkan und Kulturrandgebieten Eurasiens sind Indizien für die Existenz eines halbmagischen (morgenländischen) und halbfaustischen (abendländischen) Kulturbereiches, der sich von den rein morgen- und abendländischen Kulturteilen unterscheidet, auch wenn dies manchem noch nicht so sichtbar erscheinen will.Europa, Europäismus oder Eurozentrismus sind komplexe Begriffe für den Versuch, aus der Welt eine europäische zu machen. Daß nicht Frankreich oder Deutschland, sondern England bzw. die USA die treibenden Kräfte dieses Prozesses sein würden, nämlich durch die Ausschaltung der Konkurrenten, war zum Zeitpunkt dieser Phase noch nicht entschieden, ändert aber nichts an der Tatsache, daß Frankreich und (später) Deutschland in Wirklichkeit mit ihrem wütenden Anstürmen für den Anglismus kämpften. Letzten Endes haben sich nämlich die Angelsachsen durchgesetzt, mit den wichtigen Kulturelementen Volk (Puritanismus) und Sprache (Anglizismus). (Vgl. 20-22).Phase ist für mich der Inbegriff einer wohltemperierten Abrundung durch geistig-politische Tätigkeiten in einer bestimmten Zeitspanne, oft ausgedrückt durch Kunstrichtungen, aber auch durch ökonomisch-politische und geistig-metaphysische Richtungen. Sie kann nur 60 Jahre andauern, wie im Falle des Rokoko, oder 250-300 Jahre, die jeweils Karolingik, Romanik und Gotik ausmachten. Eine Phase umfaßt im Mittel 165-180 Jahre. Ein Kulturquartal jedoch umfaßt 3 Phasen und damit durchschnittlich 500-600 Jahre, manchmal auch nur 300-350 Jahre, wie im Falle der abendländischen Jugend ( Renaissance, Barock und Rokoko). Ein Kulturquartal ist eine Jahreszeit in dem Sinne, daß an ihr erkennbar wird, was sie ist, wenn sie gewissermaßen innehält. Winter, Frühling, Sommer und Herbst sind wie unterirdisches Wachstum, zarte Blüten, Hochblüte und Verfall, wie die pflanzliche Welt immer wieder bezeugt, aber nicht nur sie: die 4 Jahreszeiten sind wie uterines, kindliches, jugendliches und erwachsenes Leben , vergleichbar mit dem der Säugetiere. Das erwachsene Leben kann mehrere Quartale umfassen; in dem Falle teilen die Älteren (Elteren) ihr Leben mit den Kindern, Enkelkindern oder gar Urenkelkindern. In Kulturen war und ist dies auch möglich: China, Indien und die magische Kultur existieren als Zivilisationen (Erwachsene) schon länger als das Abendland.Im frühen Erwachsenenalter ist man von der Chance, über den zweiten Bildungsweg die Karriere auszubauen, noch überzeugter als im mittleren oder späten Erwachsenenalter. Das heißt aber nicht, daß diese Chancen tatsächlich immer zu besseren oder effektiveren Ergebnissen führen, sondern als eine Art Orientierungssinn Wahrnehmungen der sich jetzt häufenden Möglichkeiten erlauben: man weiß jetzt, daß der jugendliche Gedanke nicht in jedem Fall der richtige war und drängt zu neuen Ideen (Idealismus). Es ist die klassische Zeit, die Zeit der letzten Experimente, wie der frühe Herbst die Zeit der letzten Früchte und Ernte ist. Auf gewöhnliche Tageszeit übertragen ist jetzt die Zeit des Abendmahls (18-20 Uhr) und der Beginn von Trinkgelagen. Wegen zu starker Belastung der Leber und Nieren sollte von späteren Mahlzeiten abgesehen werden (Ausnahmen bestätigen natürlich diese Regel). Dagegen ist gute Lektüre oder andere Unterhaltung sowie Sex und andere Spielarten von jetzt an von größtem Interesse. Die Tiere draußen wissen das auch. Der Herbst und der Abend gleichen sich in diesen Dingen. Beide sind Ausdrücke für ein vorerst letztes Beisammensein, meistens verbunden mit Genuß und Mahlzeit, der letzten Ernte vor dem Winter, der Nacht.Quartal meint eine Jahreszeit (= 3 Phasen) oder ein Viertel der Uhrzeit (z. B. 0-6, 6-12, 12-18, 18-24 Uhr).Seelenbild der Antike und Seelenbild des Abendlandes sind gegensätzliche Attribute: apollinisch und faustisch. Einzelkörper und Unendlicher Raum heißen ihre Ursymbole. Euklid hat in seinen "Elementen" (um 312 v. Chr.) die mathematische Entsprechung für das antike Seelenbild gegeben und Gauß 2150 Jahre später die für das abendländische. Das Seelenbild der magischen Kultur ist ein dualistisches: Geist und Seele, ihr Ursymbol die Welthöhle. (Vgl. Spengler, 1917, S. 155, 227ff., 234, 390 und 1922, S. 847f.). Vgl. dazu auch das Germanentum.Attische Philosophie meint die Philosophie der in Athen (Zentrumspolis in Attika) lebenden und lehrenden Philosophen Sokrates (469-399), Platon (427-347) und Aristoteles (384/383-322/321) sowie ihre Schulen und Zeitgenossen im Unterschied z.B. zu der ionischen, vorsokratischen und hellenistisch-römischen Philosophie.Polyphonie ist die Vielstimmigkeit, eine musikalische Setzweise, in der die Stimmen ein melodisches Eigenleben führen (linear), das den Zusammenklang (vertikal) übergeordnet ist. Der Gegensatz dazu ist die Homophonie (der einheitliche Klang): der Kompositionsstil, der einer Hauptstimme alle anderen Stimmen unterordnet. Die Hauptzeit der Homophonie beginnt im 17. Jahrhundert, mit Monodie und Generalbaß. Es ist irreführend, die Musik des 19. Jahrhunderts homophon zu nennen, weil ihr Schwerpunkt im Harmonischen liegt; vielmehr zeigen die Werke der großen Meister von Franz Joseph Haydn und Ludwig v. Beethoven bis zu Richard Strauß das Streben nach einem Ausgleich zwischen Homophonie und Polyphonie, wie er vorbildlich von Johann Sebastian Bach erreicht worden war. Seit dem 14. Jahrhundert haben alle großen Komponisten neben der kontrapunktischen Selbständigkeit der Stimmen dem Zusammenklang Beachtung geschenkt, und der vollkommene Ausgleich von linearen und vertikalen Rücksichten (Bach) muß als Ideal bezeichnet werden. Bei heutigen linearen Versuchen wird oft vergessen, daß das Ohr des Hörers seit dem 17. Jahrhundert ebensosehr (wenn nicht mehr!) auf das harmonische wie auf das polyphone Hören eingestellt ist. (Vgl. 22-24). Schlicht volkstümliches Singen, das sich in Terzen und Sextenfolgen abspielt, ist nicht kontrapunktisch, sondern harmonisch ergänzend. Für den Kontrapunkt sind strenge Regeln aufgesetzt (reiner Satz), die die Stimmführung betreffen und Gattungen aufstellen.Der Kontrapunkt (lat. punctus contra punctum = Note gegen Note) stellt ein Verfahren dar, mehrere selbständige und doch aufeinander bezogene Stimmlinien zu übergeordneter künstlerischer Einheit zu binden. Er ist die Kunst, ein mehrstimmiges Tonstück aus melodisch selbständigen Stimmen aufzubauen. Dabei wird praktisch von einem c. f. ausgegangen, indem man die anderen Stimmen nach und nach hinzufügt, obwohl auch gleichzeiges Entwerfen möglich, künstlerisch wertvoller, aber auch wesentlich schwieriger ist. Man spricht bei kontrapunktischen (polyphonen) Werken auch von linearem (horizontal zu hörendem) Stil im Gegensatz zum harmonischen (vertikal zu hörendem), jedoch muß eine rigorose Linearität zur Atonalität bzw. zu einer Art Heterophonie führen. Im übrigen ist es keine Kunst, mehrere Stimmen so zu kontrapunktieren, daß es schlecht klingt. Seit dem 14. Jahrhundert haben alle großen Komponisten neben der kontrapunktischen Selbständigkeit der Stimmen dem Zusammenklang Beachtung geschenkt, und der vollkommene Ausgleich von linearen und vertikalen Rücksichten (Bach) muß als Ideal bezeichnet werden. Die Kontrapunktlehre entwickelte sich aus der ursprünglich improvisierten Erfindung einer überwiegend in Gegenbewegung verlaufenden Stimme, die seit dem beginnenden 14. Jahrhundert in Anweisungen zum Discantus in feste Regeln gefaßt wurde. Seine beherrschende Stellung gewann der Kontrapunkt in der (süd-) niederländischen Musik des 15. und 16. Jahrhunderts bis zu seiner Vollendung (im 16. Jh.) bei Palestrina und Orlando di Lasso , die für mehre Jahrhunderte in Kontrapunkt- und Kompositionslehren maßgebend wurden. Seit dem Frühbarock galt er jedoch als konservative Praxis gegenüber der moderneren, an der Sprache orientierten Ausdruckskunst der Monodie. Als strenge Schreibart blieb er bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts verbindlich. Bei heutigen linearen Versuchen wird oft vergessen, daß das Ohr des Hörers seit dem 17. Jahrhundert ebensosehr (wenn nicht mehr!) auf das harmonische wie auf das polyphone Hören eingestellt ist. (Vgl. 22-24). Schlicht volkstümliches Singen, das sich in Terzen und Sextenfolgen abspielt, ist nicht kontrapunktisch, sondern harmonisch ergänzend. Für den Kontrapunkt sind strenge Regeln aufgesetzt (reiner Satz), die die Stimmführung betreffen und Gattungen aufstellen. Die Anzahl der Stimmen im kontrapunktischen Satz ist theoretisch nicht begrenzt, praktisch sind jedoch nur wenige Ohren fähig, einen mehr als 4stimmigen Satz wirklich linear aufzunehmen. Unter doppeltem Kontrapunkt versteht man einen Satz, in dem sich die Stimmen vertauschen lassen, ohne daß dadurch schlechte Stimmführung (Parallelen) entsteht. Er ist eines der wichtigsten Mittel der thematischen Arbeit und ist in neuerer Zeit besonders genial von Johannes Brahms und Anton Bruckner angewandt worden (innerhalb eines an sich harmonisch-vertikalen Satzes). Die Hauptformen des kontrapunktischen Stils sind Fuge und Kanon, die Haupttechnik die der Nachahmung.Fuge (lat. fuga = Flucht). Die Fuge ist die wichtigste Form der kontrapunktisch-polyphonen Setzweise. (Vgl. Kontrapunkt und Polyphonie) Erste echte Fuge mit Zwischenspielen und formgerechter Antwort sind bei A. Gabrieli (1580) vorhanden, höchste Ausbildung bei Johann Sebastian Bach im Wohltemperierten Klavier und in der Kunst der Fuge. Das Interesse an der Fuge ist nie erlahmt und ist jüngst neu belebt worden. Das Wesen der Fuge liegt in ihrer Einthemigkeit, die eine strenge ästhetische Einheit verleiht. Das Charakteristische des Fugenthemas ist seine Fortspringungstendenz, d. h. es trägt in sich den Keim zur Weiterbildung seiner melodischen Linie. Das Fugenthema ist dynamisch - im Gegensatz zum statischen Thema der Sonate. Die Eigenart der Fuge liegt darin, daß sich in ihr das Dynamische (Thema) mit dem Statischen (Gesamtaufbau) verbindet. Das Thema (auch Dux oder Führer genannt) wird in der 2. Stimme im Quintabstand beantwortet (d. h. wiederholt). Die Antwort heißt auch Comes oder Gefährte. Mit ihr zusammen erklingt die kontrapunktische Fortspinnung des Themas.Kanon (griech. =Vorschrift) ist eine kontrapunktische Form auf der Grundlage strenger Nachahmung. Jede Folgestimme nimmt das Thema notengetreu auf, in wechselnden Abständen (Kanon im Einklang, in der Sekunde usw.). Historisch geht diese Form bis ins 13. Jahrhundert (Sommerkanon) zurück, erlebt ihre erste Blüte in der Caccia (Jagd) der Ars nova und ihren Höhepunkt in der Zeit der Niederländer (z. B. bei Okeghem). Hier wurde der Gipfel kunstvoller, aber auch überkünstelter Kanonkompositionen erreicht. Es gab nicht nur Kanons in Vergrößerung und Verkleinerung, Umkehrung und Rücklauf (Krebskanon), sondern auch sogenannte Rätselkanons, bei denen zuweilen nur eine Stimme notiert wurde und eine kryptische Überschrift den Scharfsinn anspornte, die Art der Ausführung zu finden. So muß z. B. ein Kanon mit der Überschrift in more hebraeorum von hinten nach vorn gelesen und gesungen werden. Das hat natürlich kaum noch etwas mit mit wirklicher Kunst zu tun, wie überhaupt der Kanon besonders bei denen beliebt ist, die in der Musik weniger ein seelisches Erlebnis als eine mathematische Tonkonstruktion rationaler Art sehen.Katharsis (griech. Reinigung) ist die Läuterung, besonders die mystische Reinigung der Seele von den Schlacken der Sinnlichkeit bzw. Leiblichkeit; nach Aristoteles (384/383-322/321) ist es Zweck der Tragödie, eine Katharsis der Seele, eine Läuterung der Leidenschaften bzw. eine Läuterung von den Leidenschaften (und zwar durch Erregung von Mitleid unf Furcht) herbeizuführen. Methoden der Katharsis werden in der modernen Psychotherapie angewandt, wodurch Abreaktionen und Befreiung von verdrängten traumatischen Erlebnissen bewirkt werden.Begriff wird in der Logik verstanden als einbfachster Denkakt im Gegensatz zu Urteil und Schluß. Urteil meint einen Akt der Bejahung oder Verneinung, in dem 2 Begriffe (Subjekt und Prädikat) in Beziehung zueinander gesetzt werden. Im Urteil bezieht das Denken einen Begriff auf einen gegenstand und setzt diesen zugleich mitsamt seinen Prädikaten, und zwar durch dioe Kopula "ist", die stets auf absilute geltung des behaupteten sachverhalts abzielt. Der Schluß (conclusio) ist das formale logische Verfahren, aus mehreren Urteilen (als Voraussetzungen oder Prämissen) ein einziges Urteil, die Schlußfolgerung, begrifflich abzuleiten. (Vgl. Syllogismus bei Aristoteles).Pflicht ist die (verbindliche Pflege, für etwas zu sorgen) als inneres Erlebnis auftretende Nötigung, den von den ethischen Werten ausgehenden Forderungen zu entsprechen und das eigene Dasein diesen Forderungen gemäß zu gestalten. Kant () kam in seiner Kritik der praktischen Vernunft (1788) zu einer autonomen Pflicht-Ethik, die als eine bedeutende philosophische Leistung gelten kann. (Vgl. Ethik). Kants Gedankengang ist in etwa folgender: Der Vernunft ist es zwar unmöglich, Gegenstände rein apriori, d.h. ohne Erfahrung theoretisch zu erkennen, wohl aber den Willen des Menschen und sein praktisches Verhalten zu bestimmen. Seinem empirischen Charakter nach, d.h. als Person, steht der Mensch unter dem Naturgesetz, folgt er den Einflüssen der Außenwelt, ist er unfrei. Seinem intelligiblen Charakter gemäß, d.h. als Persönlichkeit, ist er frei und nur nach seiner (praktischen) Vernunft ausgerichtet. Das Sittengesetz, dem er dabei folgt, ist ein kategorischer Imperativ. D.h. konkret: Nicht auf äußere Güter gerichtetes Streben nach Glück, nicht Liebe oder Neigung machen ein Tun moralisch, sondern allein die Achtung vor dem Sittengesetz und die Befolgung der Pflicht. Getragen ist diese Ethik der Pflicht von der nicht theoretischen, sondern praktischen Überzeugung von der Freiheit des sittlichen Tuns, von der Unsterblichkeit des sittlich Handelnden, da dieser in diesem Leben den Lohn seiner Sittlichkeit zu ernten nicht befugt ist, von Gott als dem Bürgen der Sittlichkeit und ihres Lohnes. Diese 3 Überzeugungen sind nach Kant die praktischen Postulate von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit. Nach Fichte (), dem die ganze Welt das Material der Pflichterfüllung ist, gibt es nur einen Endzweck: die Pflicht.Ethik meint hier die Sittenlehre als praktische Philosophie, die nach einer Antwort sucht auf die Frage: was sollen wir tun? Beide Kulturen - Antike und Abendland - suchen die Antwort zunächst im Selbst bzw. in der Selbsterkenntnis. Aber dieser Subjektivismus hatte in der Antike wegen des Seelenbildes (und Ursymbols) eine andere, entgegengesetzte, Richtung als im Abendland. Die Antike suchte auch ethisch die Antwort am Außen des Körpers (in der begrenzten Äußerung), weil es für sie kein Geheimnis im Innen geben durfte; das Abendland suchte im Innen des faustischen Willens und kategorischen Imperativs (im Raum der unendlichen Verinnerlichung), weil es hier nur Geheimnisse gab. In beiden Fällen stelle man sich in den Dienst einer sozialanthropologischen Ethik. Ein Angebot, das man auch Hilfe zur Selbsthilfe (Selbsterkenntnis) nennen könnte. Wie kann ich dienen? ist eine typische Frage der letzten (dienerischen) Phase. (16-18).Der kategorische Imperativ oder Imperativ der Sittlichkeit wurde von Kant folgendermaßen formuliert: Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne. Ob ein Mensch als Persönlichkeit das prinzipiell wollen kann oder nicht auch (oder vielleicht eher) etwas Eigenes in seinem Verhalten liegt, sollten später die Kritikpunkte an Kants Imperativ sein, z.B. von N. Hartmann (; vgl. 20-22).Ding an sich ist das Ding, wie es unabhängig von einem erkennenden Subjekt für sich selbst besteht, das wahre Sein, dessen Erscheinungen die empirischen Dinge sind, auf welches eben die Erscheinungen hinweisen. Wir erkennen ein Ding als Gegenstand unserer Wahrnehmung nur so, wie es uns - eingekleidet in den Ausbauungsformen von raum und Zeit, in den Kategorien und Verstandesgesetzen - so erscheint. Wie es an sich beschaffen ist, werden wir niemals erfahren. (frei nach: Kant, Kritik der reinen Vernunft, 1781)
Immanuel Kant (). Man unterscheidet
den vorkritischen Kant (etwa ; vgl. 16-18)
vom kritischen Kant.
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