Die Welt als Wille und Vorstellung,
1818
§ 1Die Welt ist meine Vorstellung«
- dies ist die Wahrheit, welche in Beziehung auf jedes lebende und erkennende
Wesen gilt; wiewohl der Mensch allein sie in das reflektierte abstrakte Bewußtseyn
bringen kann: und thut er dies wirklich, so ist die philosophische Besonnenheit
bei ihm eingetreten. Es wird ihm dann deutlich und gewiß, daß er keine
Sonne kennt und keine Erde; sondern immer nur ein Auge, das eine Sonne sieht,
eine Hand, die eine Erde fühlt; daß die Welt, welche ihn umgiebt, nur
als Vorstellung daist, d.h. durchweg nur in Beziehung auf ein Anderes, das Vorstellende,
welches er selbst ist. Wenn irgendeine Wahrheit a priori ausgesprochen
werden kann, so ist es diese: denn sie ist die Aussage derjenigen Form aller möglichen
und erdenklichen Erfahrung, welche allgemeiner, als alle andern, als Zeit, Raum
und Kausalität ist: denn alle diese setzen jene eben schon voraus, und wenn
jede dieser Formen, welche alle wir als so viele besondere Gestaltungen des Satzes
vom Grunde erkannt haben, nur für eine besondere Klasse von Vorstellungen
gilt; so ist dagegen das Zerfallen in Objekt und Subjekt die gemeinsame Form aller
jener Klassen, ist diejenige Form, unter welcher allein irgend eine Vorstellung,
welcher Art sie auch sei, abstrakt oder intuitiv, rein oder empirisch, nur überhaupt
möglich und denkbar ist. Keine Wahrheit ist also gewisser, von allen andern
unabhängiger und eines Beweises weniger bedürftig, als diese, daß
Alles, was für die Erkenntniß daist, also die ganze Welt, nur Objekt
in Beziehung auf das Subjekt ist, Anschauung des Anschauenden, mit Einem Wort,
Vorstellung. Natürlich gilt Dieses, wie von der Gegenwart, so auch von jeder
Vergangenheit und jeder Zukunft, vom Fernsten, wie vom Nahen: denn es gilt von
Zeit und Raum selbst, in welchen allein sich dieses alles unterscheidet. Alles,
was irgend zur Welt gehört und gehören kann, ist unausweichbar mit diesem
Bedingtseyn durch das Subjekt behaftet, und ist nur für das Subjekt da. Die
Welt ist Vorstellung. (Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung,
1818, S. 27-28).Neu ist diese Wahrheit keineswegs. Sie lag schon
in den skeptischen Betrachtungen, von welchen Cartesius ausgieng. Berkeley aber
war der erste, welcher sie entschieden aussprach: er hat sich dadurch ein unsterbliches
Verdienst um die Philosophie erworben, wenn gleich das Uebrige seiner Lehren nicht
bestehn kann. Kants erster Fehler war die Vernachlässigung dieses Satzes,
wie im Anhange ausgeführt ist. Wie früh hingegen diese Grundwahrheit
von den Weisen Indiens erkannt worden ist, indem sie als der Fundamentalsatz der
dem Vyasa zugeschriebenen Vedantaphilosophie auftritt, bezeugt W. Jones, in der
letzten seiner Abhandlungen: on the philosophy of the Asiatics; Asiatic researches,
Vol. IV, p. 164: the fundamental tenet of the Vedanta school consisted not
in denying the existence of matter, that is of solidity, impenetrability, and
extended figure (to deny which would be lunacy), but in correcting the popular
notion of it, and in contending that it has no essence independent of mental perception;
that existence and perceptibility are convertible terms. (**).
Diese Worte drücken das Zusammenbestehn der empirischen Realität mit
der transscendentalen Idealität hinlänglich aus. (Arthur Schopenhauer,
Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 27-28). Das
Grunddogma der Vedantaschule bestand nicht im Ableugnen des Daseyns der Materie,
d.h. der Solidität, Undurchdringlichkeit und Ausdehnung (welche zu leugnen
Wahnsinn wäre), sondern in der Berichtigung des gewöhnlichen Begriffs
derselben, durch die Behauptung, daß sie kein von der erkennenden Auffassung
unabhängiges Daseyn habe; indem Daseyn und Wahrnehmbarkeit Wechselbegriffe
seien. (Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung,
1818, S. 28).
Also nur von der angegebenen Seite, nur sofern
sie Vorstellung ist, betrachten wir die Welt in diesem er sten Buche. Daß
jedoch diese Betrachtung, ihrer Wahrheit unbeschadet, eine einseitige, folglich
durch irgendeine willkürliche Abstraktion hervorgerufen ist, kündigt
Jedem das innere Widerstreben an, mit welchem er die Welt als seine bloße
Vorstellung annimmt; welcher Annahme er sich andererseits doch nimmermehr entziehn
kann. Die Einseitigkeit dieser Betrachtung aber wird das folgende Buch ergänzen,
durch eine Wahrheit, welche nicht so unmittelbar gewiß ist, wie die, von
der wir hier ausgehn; sondern zu welcher nur tiefere Forschung, schwierigere Abstraktion,
Trennung des Verschiedenen und Vereinigung des Identischen führen kann,
durch eine Wahrheit, welche sehr ernst und Jedem, wo nicht furchtbar, doch bedenklich
seyn muß, nämlich diese, daß eben auch er sagen kann und sagen
muß: »Die Welt ist mein Wille.« (Arthur Schopenhauer,
Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 28-29).Bis
dahin aber, also in diesem ersten Buch, ist es nöthig, unverwandt diejenige
Seite der Welt zu betrachten, von welcher wir ausgehn, die Seite der Erkennbarkeit,
und demnach, ohne Widerstreben, alle irgend vorhandenen Objekte, ja sogar den
eigenen Leib (wie wir bald näher erörtern werden) nur als Vorstellung
zu betrachten, bloße Vorstellung zu nennen. Das, wovon hiebei abstrahirt
wird, ist, wie später hoffentlich Jedem gewiß seyn wird, immer nur
der Wille, als welcher allein die andere Seite der Welt ausmacht: denn diese ist,
wie einerseits durch und durch Vorstellung, so andererseits durch und durch Wille.
Eine Realität aber, die keines von diesen Beiden wäre, sondern ein Objekt
an sich (zu welcher auch Kants Ding an sich ihm leider unter den Händen ausgeartet
ist), ist ein erträumtes Unding und dessen Annahme ein Irrlicht in der Philosophie.
(Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 29). §
2Dasjenige, was Alles erkennt und von Keinem
erkannt wird, ist das Subjekt. Es ist sonach der Träger der Welt, die durchgängige,
stets vorausgesetzte Bedingung alles Erscheinenden, alles Objekts: denn nur für
das Subjekt ist, was nur immer daist. Als dieses Subjekt findet Jeder sich selbst,
jedoch nur sofern er erkennt, nicht sofern er Objekt der Erkenntniß ist.
Objekt ist aber schon sein Leib, welchen selbst wir daher, von diesem Standpunkt
aus, Vorstellung nennen. Denn der Leib ist Objekt unter Objekten und den Gesetzen
der Objekte unterworfen, obwohl er unmittelbares Objekt ist6. Er liegt, wie alle
Objekte der Anschauung, in den Formen alles Erkennens, in Zeit und Raum, durch
welche die Vielheit ist. Das Subjekt aber, das Erkennende, nie Erkannte, liegt
auch nicht in diesen Formen, von denen selbst es vielmehr immer schon vorausgesetzt
wird: ihm kommt also weder Vielheit, noch deren Gegensatz, Einheit, zu. Wir erkennen
es nimmer, sondern es eben ist es, das erkennt, wo nur erkannt wird. (Arthur
Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 29).Die
Welt als Vorstellung also, in welcher Hinsicht allein wir sie hier betrachten,
hat zwei wesentliche, nothwendige und untrennbare Hälften. Die eine ist das
Objekt: dessen Form ist Raum und Zeit, durch diese die Vielheit. Die andere Hälfte
aber, das Subjekt, liegt nicht in Raum und Zeit: denn sie ist ganz und ungetheilt
in jedem vorstellenden Wesen; daher ein einziges von diesen, eben so vollständig,
als die vorhandenen Millionen, mit dem Objekt die Welt als Vorstellung ergänzt:
verschwände aber auch jenes einzige; so wäre die Welt als Vorstellung
nicht mehr. Diese Hälften sind daher unzertrennlich, selbst für den
Gedanken: denn jede von beiden hat nur durch und für die andere Bedeutung
und Daseyn, ist mit ihr da und verschwindet mit ihr. Sie begränzen sich unmittelbar:
wo das Objekt anfängt, hört das Subjekt auf. Die Gemeinschaftlichkeit
dieser Gränze zeigt sich eben darin, daß die wesentlichen und daher
allgemeinen Formen alles Objekts, welche Zeit, Raum und Kausalität sind,
auch ohne die Erkenntniß des Objekts selbst, vom Subjekt ausgehend gefunden
und vollständig erkannt werden können, d.h. in Kants Sprache, a priori
in unserm Bewußtseyn liegen. Dieses entdeckt zu haben, ist ein Hauptverdienst
Kants und ein sehr großes. Ich behaupte nun überdies, daß der
Satz vom Grunde der gemeinschaftliche Ausdruck für alle diese uns a priori
bewußten Formen des Objekts ist, und daß daher Alles, was wir rein
a priori wissen, nichts ist, als eben der Inhalt jenes Satzes und was aus diesem
folgt, in ihm also eigentlich unsere ganze a priori gewisse Erkenntniß ausgesprochen
ist. In meiner Abhandlung über den Satz vom Grunde habe Ich ausführlich
gezeigt, wie jedes irgend mögliche Objekt demselben unterworfen ist, d.h.
in einer nothwendigen Beziehung zu andern Objekten steht, einerseits als bestimmt,
andererseits als bestimmend: dies geht so weit, daß das ganze Daseyn aller
Objekte, sofern sie Objekte, Vorstellungen und nichts anderes sind, ganz und gar
zurückläuft auf jene ihre nothwendige Beziehung zu einander, nur in
solcher besteht, also gänzlich relativ ist: wovon bald ein Mehreres. Ich
habe ferner gezeigt, daß, gemäß den Klassen, in welche die Objekte
ihrer Möglichkeit nach zerfallen, jene nothwendige Beziehung, welche der
Satz vom Grunde im Allgemeinen ausdrückt, in andern Gestalten erscheint;
wodurch wiederum die richtige Eintheilung jener Klassen sich bewährt. Ich
setze hier beständig alles dort Gesagte als bekannt und dem Leser gegenwärtig
voraus: denn es würde, wenn es nicht schon gesagt wäre, hier seine nothwendige
Stelle haben. (Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung,
1818, S. 29-30). § 3Der Hauptunterschied
zwischen allen unsern Vorstellungen ist der des Intuitiven und Abstrakten. Letzteres
macht nur eine Klasse von Vorstellungen aus, die Begriffe: und diese sind auf
der Erde allein das Eigenthum des Menschen, dessen ihn von allen Thieren unterscheidende
Fähigkeit zu denselben von jeher Vernunft genannt worden ist. (**).
Wir werden weiterhin diese abstrakten Vorstellungen für sich betrachten,
zuvörderst aber ausschließlich von der intuitiven Vorstellung reden.
Diese nun befaßt die ganze sichtbare Welt, oder die gesammte Erfahrung,
nebst den Bedingungen der Möglichkeit derselben. Es ist, wie gesagt, eine
sehr wichtige Entdeckung Kants, daß eben diese Bedingungen, diese Formen
derselben, d.h. das Allgemeinste in ihrer Wahrnehmung, das allen ihren Erscheinungen
auf gleiche Weise Eigene, Zeit und Raum, auch für sich und abgesondert von
ihrem Inhalt, nicht nur in abstracto gedacht, sondern auch unmittelbar angeschaut
werden kann, und daß diese Anschauung nicht etwan ein durch Wiederholung
von der Erfahrung entlehntes Phantasma ist, sondern so sehr unabhängig von
der Erfahrung, daß vielmehr um gekehrt diese als von jener abhängig
gedacht werden muß, indem die Eigenschaften des Raumes und der Zeit, wie
sie die Anschauung a priori erkennt, für alle mögliche Erfahrung als
Gesetze gelten, welchen gemäß diese überall ausfallen muß.
Dieserhalb habe ich, in meiner Abhandlung über den Satz vom Grunde, Zeit
und Raum, sofern sie rein und inhaltsleer angeschaut werden, als eine besondere
und für sich bestehende Klasse von Vorstellungen betrachtet. So wichtig nun
auch diese von Kant entdeckte Beschaffenheit jener allgemeinen Formen der Anschauung
ist, daß sie nämlich für sich und unabhängig von der Erfahrung
anschaulich und ihrer ganzen Gesetzmäßigkeit nach erkennbar sind, worauf
die Mathematik mit ihrer Unfehlbarkeit beruht; so ist es doch eine nicht in der
beachtungswerthe Eigenschaft derselben, daß der Satz vom Grunde, der die
Erfahrung als Gesetz der Kausalität und Motivation, und das Denken als Gesetz
der Begründung der Urtheile bestimmt, hier in einer ganz eigenthümlichen
Gestalt auftritt, der ich den Namen Grund des Seyns gegeben habe, und welche in
der Zeit die Folge ihrer Momente, und im Raum die Lage seiner sich ins Unendliche
wechselseitig bestimmenden Theile ist (Arthur Schopenhauer, Die Welt
als Wille und Vorstellung, 1818, S. 30-31). Kant
allein hat diesen Begriff der Vernunft verwirrt, in welcher Hinsicht ich auf den
Anhang verweise (**),
wie auch auf neue »Grundprobleme der Ethik«. Grundl. d. Moral, §
6, S. 148-154 der ersten Auflage. (Arthur Schopenhauer, Die Welt als
Wille und Vorstellung, 1818, S. 31).
Wem aus der einleitenden
Abhandlung die vollkommene Identität des Inhalts des Satzes vom Grunde, bei
aller Verschiedenheit seiner Gestalten, deut lich geworden ist, der wird auch
überzeugt seyn, wie wichtig zur Einsicht in sein Innerstes Wesen gerade die
Erkenntniß der einfachsten seiner Gestaltungen, als solcher, ist, und für
diese haben wir die Zeit erkannt. Wie in ihr jeder Augenblick nur ist, sofern
er den vorhergehenden, seinen Vater, vertilgt hat, um selbst wieder eben so schnell
vertilgt zu werden; wie Vergangenheit und Zukunft (abgesehn von den Folgen ihres
Inhalts) so nichtig als irgend ein Traum sind, Gegenwart aber nur die ausdehnungs-
und bestandlose Gränze zwischen Beiden ist; eben so werden wir die selbe
Nichtigkeit auch in allen andern Gestalten des Satzes vom Grunde wiedererkennen
und einsehn, daß wie die Zeit, so auch der Raum, und wie dieser, so auch
Alles, was in ihm und der Zeit zugleich ist, Alles also, was aus Ursachen oder
Motiven hervorgeht, nur ein relatives Daseyn hat, nur durch und für ein Anderes,
ihm gleichartiges, d.h. wieder nur eben so bestehendes, ist. Das Wesentliche dieser
Ansicht ist alt: Herakleitos bejammerte in ihr den ewigen Fluß der Dinge:
Plato würdigte ihren Gegenstand herab, als das immerdar Werdende, aber nie
Seiende; Spinoza nannte es bloße Accidenzien der allein seienden und bleibenden
einzigen Substanz; Kant setzte das so Erkannte als bloße Erscheinung dem
Dinge an sich entgegen; endlich die uralte Weisheit der Inder spricht: »Es
ist die Maja, der Schleier des Truges, welcher die Augen der Sterblichen umhüllt
und sie eine Welt sehn läßt, von der man weder sagen kann, daß
sie sei, noch auch, daß sie nicht sei: denn sie gleicht dem Traume, gleicht
dem Sonnenglanz auf dem Sande, welchen der Wanderer von ferne für ein Wasser
hält, oder auch dem hingeworfenen Strick, den er für eine Schlange ansieht.«
(Diese Gleichnisse finden sich in unzähligen Stellen der Veden und Puranas
wiederholt.) Was Alle diese aber meinten und wovon sie reden, ist nichts Anderes,
als was auch wir jetzt eben betrachten: die Welt als Vorstellung, unterworfen
dem Satze des Grundes. (Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung,
1818, S. 31-32). § 4 Wer die Gestaltung des
Satzes vom Grunde, welche in der reinen Zeit als solcher erscheint und auf der
alles Zählen und Rechnen beruht, erkannt hat, der hat eben damit auch das
ganze Wesen der Zeit erkannt. Sie ist weiter nichts, als eben jene Gestaltung
des Satzes vom Grunde, und hat keine andere Eigenschaft. Succession ist die Gestalt
des Satzes vom Grunde in der Zeit; Succession ist das ganze Wesen der Zeit.
Wer ferner den Satz vom Grunde, wie er im bloßen rein angeschauten Raum
herrscht, erkannt hat, der hat eben damit das ganze Wesen des Raumes erschöpft;
da dieser durch und durch nichts Anderes ist, als die Möglichkeit der wechselseitigen
Bestimmungen seiner Theile durch einander, welche Lage heißt. Die ausführliche
Betrachtung dieser und Niederlegung der sich daraus ergebenden Resultate in abstrakte
Begriffe, zu bequemerer Anwendung, ist der Inhalt der ganzen Geometrie,
Eben so nun, wer diejenige Gestaltung des Satzes vom Grunde, welche den Inhalt
jener Formen (der Zeit und des Raumes), ihre Wahrnehmbarkeit, d.i. die Materie,
beherrscht, also das Gesetz der Kausalität erkannt hat; der hat eben damit
das ganze Wesen der Materie als solcher erkannt: denn diese ist durch und durch
nichts als Kausalität, welches Jeder unmittelbar einsieht, sobald er sich
besinnt. Ihr Seyn nämlich ist ihr Wirken: kein anderes Seyn derselben ist
auch nur zu denken möglich. Nur als wirkend füllt sie den Raum, füllt
sie die Zeit: ihre Einwirkung auf das unmittelbare Objekt (das selbst Materie
ist) bedingt die Anschauung, in der sie allein existirt: die Folge der Einwirkung
jedes andern materiellen Objekts auf ein anderes wird nur erkannt, sofern das
letztere jetzt anders als zuvor auf das unmittelbare Objekt einwirkt, besteht
nur darin. Ursache und Wirkung ist also das ganze Wesen der Materie: ihr Seyn
ist ihr Wirken. (Das Nähere hierüber in der Abhandlung über den
Satz vom Grunde, § 21, S. 77.) Höchst treffend ist daher im Deutschen
der Inbegriff alles Materiellen Wirklichkeit genannt8, welches Wort viel bezeichnender
ist, als Realität. Das, worauf sie wirkt, ist allemal wieder Materie: ihr
ganzes Seyn und Wesen besteht also nur in der gesetzmäßigen Veränderung,
die ein Theil derselben im andern hervorbringt, ist folglich gänzlich relativ,
nach einer nur innerhalb ihrer Gränzen geltenden Relation, also eben wie
die Zeit, eben wie der Raum. (Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille
und Vorstellung, 1818, S. 32-33).Zeit aber und Raum, jedes
für sich, sind auch ohne die Materie anschaulich vorstellbar; die Materie
aber nicht ohne jene. Schon die Form, welche von ihr unzertrennlich ist, setzt
den Raum voraus, und ihr Wirken, in welchem ihr ganzes Daseyn besteht, betrifft
immer eine Veränderung, also eine Bestimmung der Zeit. Aber Zeit und Raum
werden nicht bloß jedes für sich von der Materie vorausgesetzt; sondern
eine Vereinigung Beider macht ihr Wesen aus, eben weil dieses, wie gezeigt, im
Wirken, in der Kausalität, besteht. Alle gedenkbaren, unzähligen Erscheinungen
und Zustände nämlich könnten im unendlichen Raum, ohne sich zu
beengen, neben einander liegen, oder auch in der unendlichen Zeit, ohne sich zu
stören, auf einander folgen; daher dann eine nothwendige Beziehung derselben
auf einander und eine Regel, welche sie dieser gemäß bestimmte, keineswegs
nöthig, ja nicht ein Mal anwendbar wäre: folglich gäbe es alsdann,
bei allem Nebeneinander im Raum und allem Wechsel in der Zeit, so lange jede dieser
beiden Formen für sich, und ohne Zusammenhang mit der andern ihren Bestand
und Lauf hätte, noch gar keine Kausalität, und da diese das eigentliche
Wesen der Materie ausmacht, auch keine Materie. Nun aber erhält das
Gesetz der Kausalität seine Bedeutung und Nothwendigkeit allein dadurch,
daß das Wesen der Veränderung nicht im bloßen Wechsel der Zustände
an sich, sondern vielmehr darin besteht, daß an dem selben Ort im Raum jetzt
ein Zustand ist und darauf ein anderer, und zu einer und der selben bestimmten
Zeit hier dieser Zustand und dort jener: nur diese gegenseitige Beschränkung
der Zeit und des Raums durch einander giebt einer Regel, nach der die Veränderung
vorgehn muß, Bedeutung und zugleich Nothwendigkeit. Was durch das Gesetz
der Kausalität bestimmt wird, ist also nicht die Succession der Zustände
in der bloßen Zeit, sondern diese Succession in Hinsicht auf einen bestimmten
Raum, und nicht das Daseyn der Zustände an einem bestimmten Ort, sondern
an diesem Ort zu einer bestimmten Zeit. Die Veränderung, d. h, der nach dem
Kausalgesetz eintretende Wechsel, betrifft also jedesmal einen bestimmten Theil
des Raumes und einen bestimmten Theil der Zeit zugleich und im Verein. Demzufolge
vereinigt die Kausalität den Raum mit der Zeit. Wir haben aber gefunden,
daß im Wirken, also in der Kausalität, das ganze Wesen der Materie
besteht: folglich müssen auch in dieser Raum und Zeit vereinigt seyn, d.h.
sie muß die Eigenschaften der Zeit und die des Raumes, so sehr sich Beide
widerstreiten, zugleich an sich tragen, und was in jedem von jenen Beiden für
sich unmöglich ist, muß sie in sich vereinigen, also die bestandlose
Flucht der Zeit mit dem starren unveränderlichen Beharren des Raumes, die
unendliche Theilbarkeit hat sie von Beiden. Diesem gemäß finden wir
durch sie zuvörderst das Zugleichseyn herbeigeführt, welches weder in
der bloßen Zeit, die kein Nebeneinander, noch im bloßen Raum, der
kein Vor, Nach oder Jetzt kennt, seyn konnte. Das Zugleichseyn vieler Zustände
aber macht eigentlich das Wesen der Wirklichkeit aus: denn durch dasselbe wird
allererst die Dauer möglich, indem nämlich diese nur erkennbar ist an
dem Wechsel des mit dem Dauernden zugleich Vorhandenen; aber auch nur mittelst
des Dauernden im Wechsel erhält dieser jetzt den Charakter der Veränderung,
d.h. des Wandels der Qualität und Form, beim Beharren der Substanz, d.i.
der Materie9. Im bloßen Raum wäre die Welt starr und unbeweglich: kein
Nacheinander, keine Veränderung, kein Wirken: eben mit dem Wirken ist aber
auch die Vorstellung der Materie aufgehoben. In der bloßen Zeit wiederum
wäre alles flüchtig: kein Beharren, kein Nebeneinander und daher kein
Zugleich, folglich keine Dauer: also wieder auch keine Materie. Erst durch die
Vereinigung von Zeit und Raum erwächst die Materie, d.i. die Möglichkeit
des Zugleichseyns und dadurch der Dauer, durch diese wieder des Beharrens der
Substanz, bei der Veränderung der Zustände. Im Verein von Zeit und Raum
ihr Wesen habend, trägt die Materie durchweg das Gepräge von Beiden.
Sie beurkundet ihren Ursprung aus dem Raum, theils durch die Form, die von ihr
unzertrennlich ist, besonders aber (weil der Wechsel allein der Zeit angehört,
in dieser allein und für sich aber nichts Bleibendes ist) durch ihr Beharren
(Substanz), dessen Gewißheit a priori daher ganz und gar von der des Raumes
abzuleiten ist11: ihren Ursprung aus der Zeit aber offenbart sie an der Qualität
(Accidenz), ohne die sie nie erscheint, und welche schlechthin immer Kausalität,
Wirken auf andere Materie, also Veränderung (ein Zeitbegriff) ist. Die Gesetzmäßigkeit
dieses Wirkens aber bezieht sich immer auf Raum und Zeit zugleich und hat eben
nur dadurch Bedeutung. Was für ein Zustand zu dieser Zeit an diesem Ort eintreten
muß, ist die Bestimmung, auf welche ganz allein die Gesetzgebung der Kausalität
sich erstreckt. Auf dieser Ableitung der Grundbestimmungen der Materie aus den
uns a priori bewußten Formen unserer Erkenntniß beruht es, daß
wir ihr gewisse Eigenschaften a priori zuerkennen, nämlich Raumerfüllung,
d.i. Undurchdringlichkeit, d.i. Wirksamkeit, sodann Ausdehnung, unendliche Theilbarkeit,
Beharrlichkeit, d.h. Unzerstörbarkeit, und endlich Beweglichkeit: hingegen
ist die Schwere, ihrer Ausnahmslosigkeit ungeachtet, doch wohl der Erkenntniß
a posteriori beizuzählen, obgleich Kant in den »Metaphys. Anfangsgr.
d. Naturwiss.«, S. 71 sie als a priori erkennbar aufstellt.
(Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 33-35).Wie
aber das Objekt überhaupt nur für das Subjekt daist, als dessen Vorstellung;
so ist jede besondere Klasse von Vorstellungen nur für eine eben so besondere
Bestimmung im Subjekt da, die man ein Erkenntnißvermögen nennt. Das
subjektive Korrelat von Zeit und Raum für sich, als leere Formen, hat Kant
reine Sinnlichkeit genannt, welcher Ausdruck, weil Kant hier die Bahn brach, beibehalten
werden mag; obgleich er nicht recht paßt, da Sinnlichkeit schon Materie
voraussetzt. Das subjektive Korrelat der Materie oder der Kausalität, denn
Beide sind Eines, ist der Verstand, und er ist nichts außerdem. Kausalität
erkennen ist seine einzige Funktion, seine alleinige Kraft, und es [39] ist eine
große, Vieles umfassende, von mannigfaltiger Anwendung, doch unverkennbarer
Identität aller ihrer Äußerungen. Umgekehrt ist alle Kausalität,
also alle Materie, mithin die ganze Wirklichkeit, nur für den Verstand, durch
den Verstand, im Verstande. Die erste, einfachste, stets vorhandene Aeußerung
des Verstandes ist die Anschauung der wirklichen Welt: diese ist durchaus Erkenntniß
der Ursache aus der Wirkung: daher ist alle Anschauung intellektual. Es könnte
dennoch nie zu ihr kommen, wenn nicht irgend eine Wirkung unmittelbar erkannt
würde und dadurch zum Ausgangspunkte diente. Dieses aber ist die Wirkung
auf die thierischen Leiber. Insofern sind diese die unmittelbaren Objekte des
Subjekts: die Anschauung aller andern Objekte ist durch sie vermittelt. Die Veränderungen,
welche jeder thierische Leib erfährt, werden unmittelbar erkannt, d.h. empfunden,
und indem sogleich diese Wirkung auf ihre Ursache bezogen wird, entsteht die Anschauung
der letzteren als eines Objekts. Diese Beziehung ist kein Schluß in abstrakten
Begriffen, geschieht nicht durch Reflexion, nicht mit Willkür, sondern unmittelbar,
nothwendig und sicher. Sie ist die Erkenntnißweise des reinen Verstandes,
ohne welchen es nie zur Anschauung käme; sondern nur ein dumpfes, pflanzenartiges
Bewußtsein der Veränderungen des unmittelbaren Objekts übrig bliebe,
die völlig bedeutungslos auf einander folgten, wenn sie nicht etwan als Schmerz
oder Wollust eine Bedeutung für den Willen hätten. Aber wie mit dem
Eintritt der Sonne die sichtbare Welt dasteht; so verwandelt der Verstand mit
einem Schlage, durch seine einzige, einfache Funktion, die dumpfe, nichtssagende
Empfindung in Anschauung. Was das Auge, das Ohr, die Hand empfindet, ist nicht
die Anschauung: es sind bloße Data. Erst indem der Verstand von der Wirkung
auf die Ursache übergeht, steht die Welt da, als Anschauung im Raume ausgebreitet,
der Gestalt nach wechselnd, der Materie nach durch alle Zeit beharrend: denn er
vereinigt Raum und Zeit in der Vorstellung Materie, d.i. Wirksamkeit. Diese Welt
als Vorstellung ist, wie nur durch den Verstand, auch nur für den Verstand
da. Im ersten Kapitel meiner Abhandlung »Ueber das Sehn und die Farben«
habe ich bereits auseinandergesetzt, wie aus den Datis, welche die Sinne liefern,
der Verstand die Anschauung schafft, wie durch Vergleichung der Eindrücke,
welche vom nämlichen Objekt die verschiedenen Sinne erhalten, das Kind die
Anschauung erlernt, wie eben nur dieses den Aufschluß über so viele
Sinnenphänomene giebt, über das einfache Sehn mit zwei Augen, über
das Doppeltsehn beim Schielen, oder bei ungleicher Entfernung hinter einander
stehender Gegenstände, die man zugleich ins Auge faßt, und über
allen Schein, welcher durch eine plötzliche Veränderung an den Sinneswerkzeugen
hervorgebracht wird. Viel ausführlicher und gründlicher jedoch habe
ich diesen wichtigen Gegenstand behandelt in der zweiten Auflage der Abhandlung
über den Satz vom Grunde, § 21. Alles daselbst Gesagte hätte hier
seine nothwendige Stelle, müßte also eigentlich hier nochmals gesagt
werden: da Ich Indessen fast so viel Widerwillen habe, mich selbst, als Andere
abzuschreiben, auch nicht im Stande bin, es besser, als dort geschehn, darzustellen;
so verweise ich darauf, statt es hier zu wiederholen, setze es nun aber auch als
bekannt voraus (Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung,
1818, S. 35-37).Das Sehnlernen der Kinder und operirter Blindgebornen,
das einfache Sehn des doppelt, mit zwei Augen, Empfundenen, das Doppeltsehn und
Doppelttasten bei der Verrückung der Sinneswerkzeuge aus ihrer gewöhnlichen
Lage, die aufrechte Erscheinung der Gegenstände, während ihr Bild im
Auge verkehrt steht, das Uebertragen der Farbe, welche bloß eine innere
Funktion, eine polarische Theilung der Thätigkeit des Auges ist, auf die
äußern Gegenstände, und endlich auch das Stereoskop dies
Alles sind feste und unwiderlegliche Beweise davon, daß alle Anschauung
nicht bloß sensual, sondern intellektual, d.h. reine Verstandeserkenntniß
der Ursache aus der Wirkung ist, folglich das Gesetz der Kausalität voraussetzt,
von dessen Erkenntniß alle Anschauung, mithin alle Erfahrung, ihrer ersten
und ganzen Möglichkeit nach, abhängt, nicht umgekehrt die Erkenntniß
des Kausalgesetzes von der Erfahrung, welches letztere der Humische Skepticismus
war, der erst hiedurch widerlegt ist. Denn die Unabhängigkeit der Erkenntniß
der Kausalität von aller Erfahrung, d.h. ihre Apriorität, kann allein
dargethan werden aus der Abhängigkeit aller Erfahrung von ihr: und dieses
wieder kann allein geschehn, indem man auf die hier angegebene und an den soeben
bezeichneten Stellen ausgeführte Art nachweist, daß die Erkenntniß
der Kausalität in der Anschauung überhaupt, in deren Gebiet alle Erfahrung
liegt, schon enthalten ist, also völlig a priori in Hinsicht auf die Erfahrung
besteht, von ihr als Bedingung vorausgesetzt [41] wird, nicht sie voraussetzt:
nicht aber kann dasselbe dargethan werden auf die von Kant versuchte und von mir
in der Abhandlung über den Satz vom Grunde § 23 kritisirte Weise.
(Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 37). $
19 Das erkennende Subjekt ist eben durch diese besondere
Beziehung auf den einen Leib, der ihm, außer derselben betrachtet, nur eine
Vorstellung gleich allen übrigen ist, Individuum. Die Beziehung aber, vermöge
welcher das erkennende Subjekt Individuum ist, ist eben deshalb nur zwischen ihm
und einer einzigen unter allen seinen Vorstellungen, daher es nur dieser einzigen
nicht bloß als einer Vorstellung, sondern zugleich in ganz anderer Art,
nämlich als eines Willens, sich bewußt ist. Da aber, wenn es von jener
besondern Beziehung, von jener zwiefachen und ganz heterogenen Erkenntniß
des Einen und Nämlichen, abstrahirt; dann jenes Eine, der Leib, eine Vorstellung
gleich allen andern ist: so muß, um sich hierüber zu orientiren, das
erkennende Individuum entweder annehmen, daß das Unterscheidende jener einen
Vorstellung bloß darin liegt, daß seine Erkenntniß nur zu jener
einen Vorstellung in dieser doppelten Beziehung steht, nur in dieses eine anschauliche
Objekt ihm auf zwei Weisen zugleich die Einsicht offen steht, daß dies aber
nicht durch einen Unterschied dieses Objekts von allen andern, sondern nur durch
einen Unterschied des Verhältnisses seiner Erkenntniß zu diesem einen
Objekt, von dem, so es zu allen andern hat, zu erklären ist; oder auch es
muß annehmen, daß dieses eine Objekt wesentlich von allen andern verschieden
ist, ganz allein unter allen zugleich Wille und Vorstellung ist, die übrigen
hingegen bloße Vorstellung, d.h. bloße Phantome sind, sein Leib also
das einzige wirkliche Individuum in der Welt, d.h. die einzige Willenserscheinung
und das einzige unmittelbare Objekt des Subjekts. Daß die andern
Objekte, als bloße Vorstellung betrachtet, seinem Leibe gleich sind, d.h.
wie dieser den (nur als Vorstellung selbst möglicherweise vorhandenen) Raum
füllen, und auch wie dieser im Raume wirken, dies ist zwar beweisbar gewiß,
aus dem für Vorstellungen a priori sichern Gesetz der Kausalität, welches
keine Wirkung ohne Ursache zuläßt; aber, abgesehn davon, daß
sich von der Wirkung nur auf eine Ursache überhaupt, nicht auf eine gleiche
Ursache schließen läßt; so ist man hiemit immer noch im Gebiet
der bloßen Vorstellung, für die allein das Gesetz der Kausalität
gilt, und über welches hinaus es nie führen kann. Ob aber die dem Individuo
nur als Vorstellungen bekannten Objekte, dennoch, gleich seinem eigenen Leibe,
Erscheinungen eines Willens sind; dies ist, wie bereits im vorigen Buche ausgesprochen,
der eigentliche Sinn der Frage nach der Realität der Außenwelt: dasselbe
zu leugnen, ist der Sinn des theoretischen Egoismus, der eben dadurch alle Erscheinungen,
außer seinem eigenen Individuum, für Phantome hält, wie der praktische
Egoismus genau das Selbe in praktischer Hinsicht thut, nämlich nur die eigene
Person als eine wirklich solche, alle übrigen aber als bloße Phantome
ansieht und behandelt. Der theoretische Egoismus ist zwar durch Beweise nimmermehr
zu widerlegen: dennoch ist er zuverlässig in der Philosophie nie anders,
denn als skeptisches Sophisma, d.h. zum Schein gebraucht worden. Als ernstliche
Ueberzeugung hingegen könnte er allein im Tollhause gefunden werden: als
solche bedürfte es dann gegen ihn nicht sowohl eines Beweises, als einer
Kur. Daher wir uns insofern auf ihn nicht weiter einlassen, sondern ihn allein
als die letzte Feste des Skepticismus, der immer polemisch ist, betrachten. Bringt
nun also unsere stets an Individualität gebundene und eben hierin ihre Beschränkung
habende Erkenntniß es nothwendig mit sich, daß Jeder nur Eines seyn,
hingegen alles andere erkennen kann, welche Beschränkung eben eigentlich
das Bedürfniß der Philosophie erzeugt; so werden wir, die wir eben
deshalb durch Philosophie die Schranken unserer Erkenntniß zu erweitern
streben, jenes sich uns hier entgegenstellende skeptische Argument des theoretischen
Egoismus ansehn als eine kleine Gränzfestung, die zwar auf immer unbezwinglich
ist, deren Besatzung aber durchaus auch nie aus ihr herauskann, daher man ihr
vorbeigehn und ohne Gefahr sie im Rücken liegen lassen darf. (Arthur
Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 126-127). §
27 Wenn von den Erscheinungen des Willens, auf den niedrigeren
Stufen seiner Objektivation, also im Unorganischen, mehrere unter einander in
Konflikt gerathen, indem jede, am Leitfaden der Kausalität, sich der vorhandenen
Materie bemächtigen will; so geht aus diesem Streit die Erscheinung einer
hohem Idee hervor, welche die vorhin dagewesenen unvollkommeneren alle überwältigt,
jedoch so, daß sie das Wesen derselben auf eine untergeordnete Weise bestehn
läßt, indem sie ein Analogon davon in sich aufnimmt; welcher Vorgang
eben nur aus der Identität des erscheinenden Willens in allen Ideen und aus
seinem Streben zu immer höherer Objektivation begreiflich ist. Wir sehn daher
z.B. im Festwerden der Knochen ein unverkennbares Analogen der Krystallisation,
als welche ursprünglich den Kalk beherrschte, obgleich die Ossifikation nie
auf Krystallisation zurückzuführen ist. Schwächer zeigt sich diese
Analogie im Festwerden des Fleisches. So auch ist die Mischung der Säfte
im thierischen Körper und die Sekretion ein Analogen der chemischen Mischung
und Abscheidung, sogar wirken die Gesetze dieser dabei noch fort, aber untergeordnet,
sehr modificirt, von einer hohem Idee überwältigt; daher bloß
chemische Kräfte, außerhalb des Organismus, nie solche Säfte liefern
werden; sondern Encheiresin naturae nennt es die Chemie,
// Spottet ihrer selbst und weiß nicht wie. (Arthur
Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 166). §
54 Vor Allem müssen wir deutlich erkennen, daß
die Form der Erscheinung des Willens, also die Form des Lebens oder der Realität,
eigentlich nur die Gegenwart ist, nicht Zukunft, noch Vergangenheit: diese sind
nur im Begriff, sind nur im Zusammenhange der Erkenntniß da, sofern sie
dem Satz vom Grunde folgt. In der Vergangenheit hat kein Mensch gelebt, und in
der Zukunft wird nie einer leben; sondern die Gegenwart allein ist die Form alles
Lebens, ist aber auch sein sicherer Besitz, der ihm nie entrissen werden kann.
Die Gegenwart ist immer da, samt ihrem Inhalt: Beide stehn fest, ohne zu wanken;
wie der Regenbogen auf dem Wasserfall. Denn dem Willen ist das Leben, dem Leben
die Gegenwart sicher und gewiß. Freilich, wenn wir zurückdenken
an die verflossenen Jahrtausende, an die Millionen von Menschen, die in ihnen
lebten; dann fragen wir: Was waren sie? Was ist aus ihnen geworden? Aber
wir dürfen dagegen nur die Vergangenheit unsers eigenen Lebens uns zurückrufen
und ihre Scenen lebhaft in der Phantasie erneuern, und nun wieder fragen: Was
war dies alles? Was ist aus ihm geworden? Wie mit ihm, so ist es mit dem
Leben jener Millionen. Oder sollten wir meinen, die Vergangenheit erhielte dadurch,
daß sie durch den Tod besiegelt ist, ein neues Daseyn? Unsere eigene Vergangenheit,
auch die nächste und der gestrige Tag, ist nur noch ein nichtiger Traum der
Phantasie, und das Selbe ist die Vergangenheit aller jener Millionen. Was war?
Was ist? Der Wille, dessen Spiegel das Leben ist, und das willensfreie
Erkennen, welches in jenem Spiegel ihn deutlich erblickt. Wer Dies noch nicht
erkannt hat, oder nicht erkennen will, muß zu jener obigen Frage nach dem
Schicksal vergangener Geschlechter, auch noch diese fügen: warum gerade er,
der Fragende, so glücklich ist, diese kostbare, flüchtige, allein reale
Gegenwart inne zu haben, während jene Hunderte von Menschengeschlechtern,
ja auch die Helden und Weisen jener Zeiten, in die Nacht der Vergangenheit gesunken
und dadurch zu Nichts geworden sind; er aber, sein unbedeutendes Ich, wirklich
daist? oder kürzer, wenn gleich sonderbar: warum dies Jetzt, sein
Jetzt, doch gerade jetzt ist und nicht auch schon längst war?
Er sieht, indem er so seltsam fragt, sein Daseyn und seine Zeit als unabhängig
von einander an und jenes als in diese hineingeworfen: er nimmt eigentlich zwei
Jetzt an, eines das dem Objekt, das andere, das dem Subjekt angehört, und
wundert sich über den glücklichen Zufall ihres Zusammentreffens. In
Wahrheit aber macht (wie in der Abhandlung über den Satz vom Grunde gezeigt
ist) nur der Berührungspunkt des Objekts, dessen Form die Zeit ist, mit dem
Subjekt, welches keine Gestaltung des Satzes vom Grunde zur Form hat, die Gegenwart
aus. Nun ist aber alles Objekt der Wille, sofern er Vorstellung geworden, und
das Subjekt ist das nothwendige Korrelat alles Objekts; reale Objekte giebt es
aber nur in der Gegenwart: Vergangenheit und Zukunft enthalten bloße Begriffe
und Phantasmen, daher ist die Gegenwart die wesentliche Form der Erscheinung des
Willens und von dieser unzertrennlich. Die Gegenwart allein ist Das, was immer
daist und unverrückbar feststeht. Empirisch aufgefaßt das Flüchtigste
von Allem, stellt sie dem metaphysischen Blick, der über die Formen der empirischen
Anschauung hinwegsieht, sich als das allein Beharrende dar, das Nunc stans der
Scholastiker. Die Quelle und der Träger ihres Inhalts ist der Wille zum Leben,
oder das Ding an sich, welches wir sind. Das, was immerfort wird und vergeht,
indem es entweder schon gewesen ist, oder noch kommen soll, gehört der Erscheinung
als solcher an, vermöge ihrer Formen, welche das Entstehn und Vergehn möglich
machen. Demnach denke man: Quid fuit? Quod est. Quid erit?
Quod fuit; und nehme es im strengen Sinn der Worte, verstehe also nicht simile,
sondern idem. Denn dem Willen ist das Leben, dem Leben die Gegenwart gewiß.
Daher auch kann Jeder sagen: »Ich bin ein für alle Mal Herr der Gegenwart,
und durch alle Ewigkeit wird sie mich begleiten, wie mein Schatten: demnach wundere
ich mich nicht, wo sie nur hergekommen sei, und wie es zugehe, daß sie gerade
jetzt sei.« Wir können die Zeit einem endlos drehenden Kreise
vergleichen: die stets sinkende Hälfte wäre die Vergangenheit, die stets
steigende die Zukunft; oben aber der untheilbare Punkt, der die Tangente berührt,
wäre die ausdehnungslose Gegenwart: wie die Tangente nicht mit fortrollt,
so auch nicht die Gegenwart, der Berührungspunkt des Objekts, dessen Form
die Zeit ist, mit dem Subjekt, das keine Form hat, weil es nicht zum Erkennbaren
gehört, sondern Bedingung alles Erkennbaren ist. Oder: die Zeit gleicht einem
unaufhaltsamen Strohm, und die Gegenwart einem Felsen, an dem sich jener bricht,
aber nicht ihn mit fortreißt. (Arthur Schopenhauer, Die Welt als
Wille und Vorstellung, 1818, S. 294-296).Der Wille, als Ding
an sich, ist so wenig, als das Subjekt der Erkenntniß, welches zuletzt doch
in gewissem Betracht er selbst oder seine Aeußerung ist, dem Satze vom Grunde
unterworfen; und wie dem Willen das Leben, seine eigene Erscheinung, gewiß
ist, so ist es auch die Gegenwart, die einzige Form des wirklichen Lebens. Wir
haben demnach nicht nach der Vergangenheit vor dem Leben, noch nach der Zukunft
nach dem Tode zu forschen: vielmehr haben wir als die einzige Form, in welcher
der Wille sich erscheint, die Gegenwart zu erkennen76; sie wird ihm nicht entrinnen,
aber er ihr wahrlich auch nicht. Wen daher das Leben, wie es ist, befriedigt,
wer es auf alle Weise bejaht, der kann es mit Zuversicht als endlos betrachten
und die Todesfurcht als eine Täuschung bannen, welche ihm die ungereimte
Furcht eingiebt, er könne der Gegenwart je verlustig werden, und ihm eine
Zeit vorspiegelt ohne eine Gegenwart darin: eine Täuschung, welche in Hinsicht
auf die Zeit Das ist, was in Hinsicht auf den Raum jene andere, vermöge welcher
Jeder, in seiner Phantasie, die Stelle auf der Erdkugel, welche er gerade einnimmt,
als das Oben und alles Uebrige als das Unten ansieht: eben so knüpft Jeder
die Gegenwart an seine Individualität und meint, mit dieser verlösche
alle Gegenwart; Vergangenheit und Zukunft seien nun ohne dieselbe. Wie
aber auf der Erdkugel überall oben ist, so ist auch die Form alles Lebens
Gegenwart, und den Tod fürchten, weil er uns die Gegenwart entreißt,
ist nicht weiser, als fürchten, man könne von der runden Erdkugel, auf
welcher man glücklicherweise nun gerade oben steht, hinuntergleiten. Der
Objektivation des Willens ist die Form der Gegenwart wesentlich, welche als ausdehnungsloser
Punkt die nach beiden Seiten unendliche Zeit schneidet und unverrückbar fest
steht, gleich einem Immerwährenden Mittag, ohne kühlenden Abend; wie
die wirkliche Sonne ohne Unterlaß brennt, während sie nur scheinbar
in den Schooß der Nacht sinkt: daher, wenn ein Mensch den Tod als seine
Vernichtung fürchtet, es nicht anders ist, als wenn man dächte, die
Sonne könne am Abendklagen: »Wehe mir! ich gehe unter in ewige Nacht.«
(**) Hingegen auch umgekehrt:
wen die Lasten des Lebens drücken, wer zwar wohl das Leben möchte und
es bejaht, aber die Quaalen desselben verabscheut, und besonders das harte Loos,
das gerade ihm zugefallen ist, nicht länger tragen mag: ein solcher hat nicht
vom Tode Befreiung zu hoffen und kann sich nicht durch Selbstmord retten; nur
mit falschem Scheine lockt ihn der finstere kühle Orkus als Hafen der Ruhe.
Die Erde wälzt sich vom Tage in die Nacht; das Individuum stirbt; aber die
Sonne selbst brennt ohne Unterlaß ewigen Mittag. Dem Willen zum Leben ist
das Leben gewiß: die Form des Lebens ist Gegenwart ohne Ende; gleichviel
wie die Individu en, Erscheinungen der Idee, in der Zeit entstehn und vergehn,
flüchtigen Träumen zu vergleichen. Der Selbstmord erscheint uns
also schon hier als eine vergebliche und darum thörichte Handlung: wenn wir
in unserer Betrachtung weiter vorgedrungen seyn werden, wird er sich uns in einem
noch ungünstigem Lichte darstellen. (Arthur Schopenhauer, Die Welt
als Wille und Vorstellung, 1818, S. 296-297). In
Eckermann's »Gesprächen mit Goethe« (zweite Auflage, Bd. 1, S.
154) sagt Goethe: »Unser Geist ist ein Wesen ganz unzerstörbarer Natur:
es ist ein Fortwirkendes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Es ist der Sonne ähnlich,
die bloß unsern irdischen Augen unterzugehn scheint, die aber eigentlich
nie untergeht, sondern unaufhörlich fortleuchtet.« Goethe hat
das Gleichniß von mir; nicht etwan ich von ihm. Ohne Zweifel gebraucht er
es, in diesem 1824 gehaltenen Gespräch, in Folge einer, vielleicht unbewußten,
Reminiscenz obiger Stelle; da solche, mit den selben Worten wie hier, in der ersten
Auflage, S. 401, steht; auch eben daselbst S. 528, wie hier am Schlusse des §
65, wiederkehrt. Jene erste Auflage war ihm im December 1818 übersandt worden,
und im März 1819 ließ er mir nach Neapel, wo ich mich damals befand,
seinen Beifall, durch meine Schwester, brieflich berichten, und hatte einen Zettel
beigelegt, worauf er die Zahlen einiger Seiten, welche ihm besonders gefallen,
angemerkt hatte: also hatte er mein Buch gelesen. (Arthur Schopenhauer,
Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 297).
§
57Auf jeder Stufe, welche die Erkenntniß beleuchtet, erscheint
sich der Wille als Individuum. Im unendlichen Raum und unendlicher Zeit findet
das menschliche Individuum sich als endliche, folglich als eine gegen Jene verschwindende
Größe, in sie hineingeworfen und hat, wegen ihrer Unbegränztheit,
immer nur ein relatives, nie ein absolutes Wann und Wo seines Daseyns:
denn sein Ort und seine Dauer sind endliche Theile eines Unendlichen und Gränzenlosen.
(Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 326-327
).Das Leben der Allermeisten ist auch nur ein steter Kampf um diese
Existenz selbst, mit der Gewißheit ihn zuletzt zu verlieren. Was sie aber
in diesem so mühsäligen Kampfe ausdauern läßt, ist nicht
sowohl die Liebe zum Leben, als die Furcht vor dem Tode, der jedoch als unausweichbar
im Hintergrunde steht und jeden Augenblick herantreten kann. Das Leben
selbst ist ein Meer voller Klippen und Strudel, die der Mensch mit der größten
Behutsamkeit und Sorgfalt vermeidet, obwohl er weiß, daß, wenn es
ihm auch gelingt, mit aller Anstrengung und Kunst sich durchzuwinden, er eben
dadurch mit jedem Schritt dem größten, dem totalen, dem unvermeidlichen
und unheilbaren Schiffbruch näher kommt, ja gerade auf ihn zusteuert,
dem Tode: dieser ist das endliche Ziel der mühsäligen Fahrt und für
ihn schlimmer als alle Klippen, denen er auswich. (Arthur Schopenhauer,
Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 328).Nun ist
es aber sogleich sehr bemerkenswerth, daß einerseits die Leiden und Quaalen
des Lebens leicht so anwachsen können, daß selbst der Tod, in der Flucht
vor welchem das ganze Leben besteht, wünschenswerth wird und man freiwillig
zu ihm eilt; und andererseits wieder, daß sobald Noth und Leiden dem Menschen
eine Rast vergönnen, die Langeweile gleich so nahe ist, daß er des
Zeitvertreibes nothwendig bedarf. Was alle Lebenden beschäftigt und in Bewegung
erhält, ist das Streben nach Daseyn. Mit dem Daseyn aber, wenn es ihnen gesichert
ist, wissen sie nichts anzufangen: daher ist das Zweite, was sie in Bewegung setzt,
das Streben, die Last des Daseyns los zu werden, es unfühlbar zu machen,
»die Zeit zu tödten«, d.h. der Langenweile zu entgehn. Demgemäß
sehn wir, daß fast alle vor Noth und Sorgen geborgene Menschen, nachdem
sie nun endlich alle andern Lasten abgewälzt haben, jetzt sich selbst zur
Last sind und nun jede durchgebrachte Stunde für Gewinn achten, also jeden
Abzug von eben jenem Leben, zu dessen möglichst langer Erhaltung sie bis
dahin alle Kräfte aufboten. (Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille
und Vorstellung, 1818, S. 328-329). $ 58Alle
Befriedigung, oder was man gemeinhin Glück nennt, ist eigentlich und wesentlich
immer nur negativ und durchaus nie positiv. Es ist nicht eine ursprünglich
und von selbst auf uns kommende Beglückung, sondern muß immer die Befriedigung
eines Wunsches seyn. Denn Wunsch, d.h. Mangel, ist die vorhergehende Bedingung
jedes Genusses. Mit der Befriedigung hört aber der Wunsch und folglich der
Genuß auf. Daher kann die Befriedigung oder Beglückung nie mehr seyn,
als die Befreiung von einem Schmerz, von einer Noth: denn dahin gehört nicht
nur jedes wirkliche, offenbare Leiden, sondern auch jeder Wunsch, dessen Importunität
unsere Ruhe stört, ja sogar auch die ertödtende Langeweile, die uns
das Daseyn zur Last macht. (Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und
Vorstellung, 1818, S. 335). § 63 Wie
auf dem tobenden Meere, das, nach allen Seiten unbegrenzt, heulend Wellenberge
erhebt und senkt, auf einem Kahn ein Schiffer sitzt, dem schwachen Fahrzeug vertrauend;
so sitzt, mitten in einer Welt von Qualen, ruhig der einzelne Mensch, gestützt
und vertrauend auf das principium individuationis. (Arthur Schopenhauer,
Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 368-369).Aus
dieser Ahndung stammt jenes so unvertilgbare und allen Menschen (ja vielleicht
selbst den klügeren Thieren) gemeinsame Grausen, das sie plötzlich ergreift,
wenn sie, durch irgend einen Zufall, irre werden am principio individuationis,
indem der Satz vom Grunde, in irgend einer seiner Gestaltungen, eine Ausnahme
zu erleiden scheint: z.B. wenn es scheint, daß irgend eine Veränderung
ohne Ursache vor sich gienge, oder ein Gestorbener wieder dawäre, oder sonst
irgendwie das Vergangene oder das Zukünftige gegenwärtig, oder das Ferne
nah wäre. Das ungeheure Entsetzen über so etwas gründet sich darauf,
daß sie plötzlich irre werden an den Erkenntnißformen der Erscheinungen,
welche allein ihr eigenes Individuum von der übrigen Welt gesondert halten.
Diese Sonderung aber eben liegt nur in der Erscheinung und nicht im Dinge an sich:
eben darauf beruht die ewige Gerechtigkeit. (Arthur Schopenhauer, Die
Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 369). §
71 Wir bekennen es vielmehr frei: was
nach gänzlicher Aufhebung des Willens übrig bleibt, ist für alle
Die, welche noch des Willens voll sind, allerdings Nichts. Aber auch umgekehrt
ist Denen, in welchen der Wille sich gewendet und verneint hat, diese unsere so
sehr reale Welt mit all ihren Sonnen und Milchstraßen - Nichts.
(Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 426). Anhang Kritik
der Kantischen PhilosophieKants größtes Verdienst
ist die Unterscheidung der Erscheinung vom Dinge an sich, auf Grund
der Nachweisung, daß zwischen den Dingen und uns immer noch der Intellekt
steht, weshalb sie nicht nach dem, was sie an sich selbst seyn mögen, erkannt
werden können. (Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung,
1818, S. 450). Ergänzungen Kapitel
31 (dieses Kapitel bezieht sich auf § 36 des 1. Buches):
Vom Genie. Unnütz zu seyn gehört zum Charakter
der Werke des Genies; es ist ihr Adelsbrief. (Arthur Schopenhauer, Die
Welt als Wille und Vorstellung, 1818, S. 909). |