
Als
ich meine eigene Theorie entwarf, kannte ich die Theorie von Peter Mersch
noch nicht, doch als ich sie später kennenlernte, stellte ich fest, daß
sie zu meiner Theorie recht gut paßt, d.h. zwar etwas anders, aber doch
ähnlich ist. Thema auf dieser Seite soll also sein, worum es Mersch mit seiner
Systemischer Evolutionstheorie geht und wie sehr sie zu meiner Theorie
paßt.Mersch hat ein Modell entworfen, in dem das Reproduktionsinteresse
und nicht der Reproduktionserfolg (wie bei Darwin) entscheidend ist. Das Modell
von Mersch ist also ein akteurbasiertes Evolutionsmodell .... Dazu zählen:| | Die
Natur hat zwei grundlegend unterschiedliche Selektionsweisen zur Erlangung von
Ressourcen hervorgebracht: Dominanz und Gefallen-Wollen (Push
und Pull). | | | Im
Rahmen der Evolution erfolgt eine Hierarchisierung »lebender« Systeme:
einzellige Organismen (Einzeller), vielzellige Organismen (Vielzeller) und Superorganismen. | | | Lebende
Systeme zeichnen sich vor allen Dingen durch ihr Reproduktionsinteresse aus, das
heißt durch ihr Bestreben, ihre Kompetenzen in bezug auf ihre Umwelt fortwährend
zu erhalten. | Es
wird eine auf der allgemeinen Systemtheorie fußende Systemische
Evolutionstheorie formuliert und begründet, in deren Zentrum nicht mehr
die natürliche Selektion, sondern der Evolutionsakteur mit seinen
Reproduktionsinteressen steht. (**).
Die Darwinsche Evolutionstheorie wird von Mersch nicht verworfen, sondern integriert,
so daß er die folgenden Resultate erzielt beziehungsweise skizziert:| | Erfüllt
eine biologische Population die Prinzipien der Systemischen Evolutionstheorie,
dann evolviert sie auch im Darwinschen Sinne. | | | Die
natürliche und sexuelle Selektion lassen sich auf die gleichen Evolutionsprinzipien
zurückführen. | | | Die
Systemische Evolutionstheorie kann neben der biologischen auch die technische,
wissenschaftliche und kulturelle Evolution beschreiben. | Abschließend
wird die Vermutung geäußert, daß sich auf der Erde alle Evolutionen
gemäß den Prinzipien der Systemischen Evolutionstheorie ereignen. Eine
besondere Bedeutung kommt dabei der Gefallen-wollen-Kommunikation zu, auf deren
Basis fortwährend neue evolutive Lebensräume entstehen können.
(**).
Diese besondere Bedeutung ist der Grund dafür, daß Mersch auch nicht-biologische
Evolutionen verständlich machen kann.Mersch geht davon aus, daß
die individuellen Reproduktionsinteressen ganz erheblich durch die soziale Organisation
beeinflußt werden (und nicht zwingend genetischer Natur sind). (**).
Für Mersch gilt: Selbsterhalt = Kompetenzerhalt während des aktuellen
Lebens; Fortpflanzung = Kompetenzerhalt über das eigene Leben hinaus.
(**).Bei
der Darwinschen Evolutionstheorie steht der Reproduktionserfolg im Vordergrund,
bei der Systemischen Evolutionstheorie dagegen das Reproduktionsinteresse.
(**).
Anders als die individualistische Darwinsche Evolutionstheorie besitzt die
Systemische Evolutionstheorie ein integriertes soziobiologisches Konzept.
(**).Laut
Peter Mersch ist die natürliche Selektion lediglich ein Ergebnis der
Wirkungen grundlegenderer, auf den Selbsterhaltungs- und Reproduktionsinteressen
von Individuen beruhender Prinzipien, die er unter dem Namen Systemische Evolutionstheorie
zusammenfaßt. Gemäß dieser können nur selbsterhaltende,
selbstreproduktive Systeme eigendynamisch evolvieren. Sexuelle Selektion
und Darwinsche Evolutionstheorie verhalten sich zueinander wie Gefallen-wollen-Kommunikation
und Systemische Evolutionstheorie. Das Zusammenspiel von Systemischer
Evolutionstheorie und Gefallen-wollen-Kommunikation kann den Ursprung
von Allem (**)
- so Mersch - erklären.Sexuelle Selektion und Darwinsche
Evolutionstheorie verhalten sich zueinander wie Gefallen-wollen-Kommunikation
und Systemische Evolutionstheorie. Die Systemische Evolutionstheorie
schafft eigenständige selektive Umwelten, in denen dann autonorne evolutive
Prozesse ablaufen können. Anders gesagt: Die Gefallen-wollen-Kommunikation
erzeugt den Rahmen; sie erstellt die evolutive Infrastruktur. Anschließend
gestaltet sich darin alles gemäß den Prinzipien der Systemischen Evolutionstheorie.
(**).Die
Systemische Evolutionstheorie überzeugt auch deshalb so sehr, weil sie und
- so weit ich sehe - nur sie in der Lage ist, eine Brücke zu schlagen zwischen
Biologie und Soziologie (einschließlich Demographie und Ökonomie).
Über diesen Brückenschlag hinaus ist sie sehr sinnvoll, weil sie eine
theoretische Lösung des demographisch-ökonomischen Paradoxons
(**|**|**|**)
bzw. des Central Theoretical Problem of Human Sociobiology (**)
und auch eine praktische Lösung unseres modernen demographischen Problems
(**|**|**|**)
anbietet. Was diese Lösungen angeht, so versag(t)en nämlich alle bisherigen
biologischen (einschließlich evolutionistischen) und alle bisherigen soziologischen
(einschließlich ökonomischen) Theorien.
Mersch
schlägt vor, ein Familienmanagement (**|**)
einzuführen, die Familie zum Beruf zu machen (**|**).
Dieser Vorschlag geht offenbar einher mit der Einsicht, daß es anscheinend
(noch) kein Zurück zur patriarchalisch organsierten Familie geben
kann und der einmal von der abendländischen Kultur eingeschlagene Weg der
Frauenemazipation, obwohl sie ein Irrtum ist (vgl. den Buchtitel: Die Emanzipation
- ein Irrtum! [**])
ist und unsere Gesellschaft restlos ruinieren wird (vgl. den Buchuntertitel:
Warum die Angleichung der Geschlechter unsere Gesellschaft restlos ruinieren
wird [**]),
wohl (noch) nicht rückgängig gemacht werden wird. Mersch will also nicht
einen anderen politischen Weg als Lösung, sondern einen anderen gesellschaftlich-wirtschaftlichen.
Er will nicht oder jedenfalls nicht direkt die Politik ändern, sondern die
Familie retten, indem er sie gesellschaftlich attraktiver machen will: Familie
als Beruf heißt ja im modernen Sinne, daß die Familie wieder ins Zentrum
der Gesellschaft gerückt wird, und das geht bei uns heute anscheinend nur
noch dadurch, daß man sie wirtschaftlich reizvoll macht.Die Geburtenrate
soll dadurch steigen, daß z.B. eine Familienmanagerin (**|**),
die zuvor gut ausgebildet worden ist, viele - eigene und/oder fremde - Kinder
großzieht, dafür viel Geld bekommt und vielen anderen Müttern
dadurch ermöglicht, in Lohnarbeit zu gehen bzw. zu bleiben.Mersch
behauptet zu Recht, daß die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
(**|**|**|**|**|**|**),
die sich mittlerweile auch die Parteien auf die Fahnen geschrieben haben, zum
Scheitern verurteilt ist. Wenn also die Frauen auf ihre beruflichen Karrieren
(noch) nicht verzichten wollen und Familie und Beruf nicht wirklich vereinbar
sind, dann gibt es offenbar nur eine Lösung für das demographische Problem:
Famile als Beruf.Die Politiker wollen, daß der Staat zur Familie
wird - das erinnert an die kommunistischen Staaten -, Mersch will, daß ein
Unternehmen zur Familie wird. Immer wieder stellt er auch deshalb den Vergleich
zwischen wirtschaftlichen Unternehemen auf der einen und Staaten bzw. Gesellschaften
auf der anderen Seite her. Wenn ein wirtschaftliches Unternehmen so wie unsere
heutigen westlichen und westlich-orientierten Staaten bzw. Gesellschaften seine
Reproduktion vernachlässigte, wäre er sehr bald pleite. In wirtschaftlichen
Unternehmen heißt das, was in Staaten bzw. Gesellschaften Nachwuchs, Nachkommen
oder auch Reproduktion heißt, Forschung und Entwicklung bzw.
Produkt-Reproduktion. Wenn ein Unternehmen nicht oder nicht genug in ihre Forschung
und Entwicklung investiert, dann ist es nicht oder schon bald nicht mehr überlebensfähig.
Pleite! Bankrott! Aus! Ende! Wenn ein Staat bzw. eine Gesellschaft sich ebenfalls
so verhält, ist er ebenfalls nicht oder schon bald nicht mehr überlebensfähig.Je
mehr die Konkurrenz zunimmt, desto mehr steigt die Bedeutung der Reproduktion.
Innovativen Unternehmen sind die Zusammenhänge natürlich längst
bewußt. Zukunftsfähige Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, daß
in ihnen die Abteilungen für Forschung und Entwicklung die gehätschelten
Lieblingskinder sind und sie folglich üppig wachsen und gedeihen. Dagegen
wird in den anderen Abteilungen zeitgleich stetig Personal abgebaut. Einige
Unternehmen bestehen sogar überwiegend aus einem Management zuzüglich
einer Entwicklungsabteilung (Reproduktion), während die gesamte Produktion
ausgelagert ist. Um es salopp zu sagen: Nike könnte sich auf den Entwurf
neuer Schuhmodelle konzentrieren, die Herstellung der Schuhe aber der Konkurrenz
überlassen. (**).
Wenn ein Unternehmen aber die Reproduktion der Konkurrenz überließe
und selbst nur die Produktion behielte, wären seine Tage gezählt. Bei
Produktion und Reproduktion handelt es sich um eigenständige und gleichgewichtige
Aufgaben. .... Unternehmen investieren in neue Produkte (das heißt in ihre
Reproduktion) häufig ähnlich lange vor, wie dies menschliche Gesellschaften
beim Aufziehen von Nachwuchs tun. (**).
Wenn sie es tun.Käme man der Forderung nach der Vereinbarkeit
von Familie und Beruf (**|**|**|**|**|**|**)
ernsthaft nach, so wäre das so, als wenn in einem Unternehmen das in der
Produktion arbeitende Personal nach Feierabend auch noch in der Reproduktion (Forschung
und Entwicklung) tätig wäre, und zwar unentgeltlich. In ernsthaften
Unternehmen wäre man sich sehr schnell im klaren darüber: Dies kann
und wird nicht funktionieren. Aber Staaten sind ja auch keine ernsthaften, gewinnorientierten
Unternehmen .... (**).
Schon gar nicht Parteienstaaten.Hart kalkulierende und durch und
durch ökonomisch denkende, gewinnorientierte Unternehmen investieren Milliardensummen
in ihre Reproduktion, obwohl sich diese nicht unmittelbar »rechnet«.
Sie beschäftigen in diesen Bereichen üblicherweise ihre fähigsten
Mitarbeiter. Oft repräsentieren solche Abteilungen sogar die eigentliche
Kernkompetenz des Unternehmens, während fast alles andere ausgelagert werden
könnte und zum Teil auch wird. Dabei fällt aber vor allem eins auf:
Leistungsfähige Unternehmen organisieren sowohl ihre produktiven als auch
reproduktiven Bereiche marktwirtschaftlich, Staaten tun dies dagegen nicht. Wenn
folglich ein Staat die eigene Reproduktionsarbeit vernachlässigt und keine
ausreichenden Investitionen in sein Hauptvermögen - das Humanvermögen
- tätigt, dann hat das nichts mit einem Trend zum Primat der Ökonomie
zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit unprofessionellem Management und einer
völlig verfehlten (sozialistischen) Organisation der gesellschaftlichen Reproduktion.
Leider haben die Globalisierung und der Trend zur Wissensgesellschaft noch nicht
zu der Erkenntnis geführt, daß eine kritische staatliche Aufgabe nun
die Reproduktion ist, und diese dann auch entsprechend zu oganisieren ist. Statt
dessen liegt der Fokus weiterhin auf der wirtschaftlichen Entwicklung. (**).
Die Produktion ist marktwirtschaftlich, die Reproduktion dagegen sozialistisch
organisiert (**).
In der Produktion sind Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert, in der
Reproduktion sind die Aufwände privatisiert und die Erträge sozialisiert.
Die Produktion belohnt folglich Leistung, die Reproduktion dagegen Faulheit.
(**).
Wie dumm! Sozialismus wie überhaupt jede Art von
Egalitarismus macht eben alle gleich, nämlich: gleich arm und gleich dumm!
Ein Beispiel unter vielen: Die Angleichung der Geschlechter macht dumm.
.... Die weitestgehende Angleichung der Geschlechter macht moderne Gesellschaften
zunehmend ärmer und dümmer. (**).
Dieser Prozeß ist eine typische Begleiterscheinung der Moderne, die zunächst
noch nicht so sehr auffällt, und dann, wenn sie auffällt, nur noch schwer
wieder rückgängig zu machen ist - wenn überhaupt. In patriarchalischen
Gesellschaften korreliert die Zahl an Nachkommen mit dem sozialen Erfolg und der
Intelligenz der Männer, wodurch die Bevölkerung von Generation zu Generation
sukzessive an Intelligenz gewinnt. In modernen »gleichberechtigten«
Gesellschaften besteht dagegen üblicherweise eine negative Korrelation zwischen
der Zahl an Nachkommen und der Intelligenz der Männer und Frauen, wodurch
die Bevölkerung von Generation zu Generation sukzessive an Intelligenz verliert.
Da der durchschnittliche IQ einer Bevölkerung auch mit dem Wohlstand des
Landes korreliert, dürfte sich in solchen Gesellschaften zunehmend Armut
ausbreiten. Kurz: Eine solche Gesellschaft brasilianisiert und entwickelt sich
zurück in ein Entwicklungsland. (**).
Wer die Reproduktion vernachlässigt, muß bald auch die Produktion vernachlässigen.
Mersch bietet auch Vergleiche aus dem Sport (**):
In unseren westlichen Gesellschaften steigen nicht die Schlechtesten ab wie z.B.
in der Fußballbundesliga, sondern die Besten. Eliminiert werden bei uns
die Fittesten und nicht die Unfittesten. Wir haben also seit unserer Moderne (sie
begann übrigens schon fünf bis sieben Jahrzehnte vor dem Bekanntwerden
der Darwinschen Evolutionstheorie) die Darwinsche Evolutionstheorie in der Praxis
auf den Kopf gestellt: Survival of the Unfittest. Bei uns überleben
die Unangepaßtesten, steigen die Schlechtesten auf, siegen die Unfittesten,
werden die Faulsten, die Dümmsten, die Unqualifiziertesten am meisten belohnt.
In unserer Kultur war und ist der Hauptgrund für die Qualifikation des eigenen
Nachwuchses eine auf sehr viele Jahrhunderte oder sogar einige Jahrtausende zurückgehende
Erziehung, Bildung und Ausbildung. In den fremdkulturellen Ländern wurden
und werden die Kinder nicht entsprechend unserer Kultur in Richtung auf technisch-wissenschaftliche
Qualifikationen erzogen, gebildet und ausgebildet (vgl. faustische
Abendländer [**|**|**|**]).
Der eigene Nachwuchs darf also niemals vernachlässigt werden. Wenn er vernachlässigt
wird, tritt das Problem ein, das wir heute vor uns sehen: der eigene qualifizierte
Nachwuchs wird immer schneller weniger und von dem aus fremden Kulturen stammenden
unqualifizierten Nachwuchs immer mehr verdrängt. Besonders im Bereich Technik
und Wissenschaft, also in zwei der typischsten Bereiche des faustischen Abendlandes,
werden Qualifizierte benötigt. Außerhalb des Abendlandes sind diese
Qualifizierten aber nicht oder jedenfalls kaum zu finden. Sie sind dort sehr knapp,
um einen Begriff aus der Wirtschaftswissenschaft zu bemühen, und um diese
sehr wenigen Qualifizierten, die es in nichtabendländischen Gegenden (z.B.
in Ostasien) gibt und eigentlich dringend zuhause gebraucht werden, gibt es unter
den abendländischen Ländern mittlerweile einen Wettbewerb, den man auch
Krieg nennen kann.Auch der Sport ist ein typisch abendländisches
Phänomen; doch er ist mittlerweile sogar für einige der anderen Kulturkreise
ein bißchen attraktiv geworden, weswegen also der Vergleich aus dem Sport
mittlerweile ein bißchen hinkt. Aber trotzdem: Wenn z.B. der FC Bayern München
im Konkurrenzkampf allein dadurch bestehen wollte, indem er Spieler zwar immer
noch ein- und verkauft, aber auf die eigene Nachwuchsförderung größtenteils
oder sogar ganz verzichtet, dann würde er schon bald absteigen und bald danach
sogar auch das gesamte Profilager verlassen müssen. Was für Sportvereine
gilt, gilt auch für Staaten bzw. Gesellschaften. Viele Arbeitsplätze
werden erst durch Kinder, oder allgemeiner, durch die gesellschaftliche Reproduktion
geschaffen. Und: Man kann die Arbeit nicht einfach immer weiter steigern. Eine
Erhöhung der Frauenerwerbsquote bei gleichzeitigem Rückgang der Kinderzahl
würde bestenfalls zu einem Verdrängungswettbewerb auf dem Arbeitsmarkt
führen: Ältere und unqualifiziertere Arbeitskräfte werden ausgesondert
und durch qualifiziertere jüngere Frauen ersetzt (**).
Damit würde aber eine Entwicklung in Gang gesetzt, die ohne entsprechende
Gegensteuerung geradezu fatale Züge annehmen könnte: Qualifizierte Frauen
drängen verstärkt auf den Arbeitsmarkt und ersetzen weniger qualifizierte
und ältere Arbeitnehmer, beziehungsweise verhindern, daß Schulabgänger
Arbeit oder Lehrstellen finden, denn es entstehen ja auf diese Weise keine neuen
Arbeitsplätze. Im Gegenteil: Möglicherweise verrichten die qualifizierten
Frauen die Arbeit besonders effizient. Ein Großteil der ersetzten oder nicht
eingestellten Personen wird in der Folge arbeitslos oder frühzeitig in Rente
gehen. Es entsteht eine größere Zahl weniger qualifizierter Arbeitswilliger,
die aber auf Dauer keine Arbeit findet und sich bald aufgibt. Auf der anderen
Seite bekommen qualifizierte und berufstätige Frauen nun besonders wenige
Kinder. In der Folge verschiebt sich die Nachwuchsarbeit verstärkt in sozial
schwächere Schichten, was - wie das Kapitel »Evolution« ... zeigen
konnte (**)
- langfristig beträchtliche Einbußen bei der Bevölkerungsqualität
beziehungsweise dem Humanvermögen nach sich ziehen dürfte. Nun wachsen
also prozentual noch mehr Menschen heran, die auch mit zusätzlichen Bildungsanstrengungen
nur schwer für die Anforderungen einer modernen und im Wind der Globalisierung
stehenden Wissensgesellschaft fit gemacht werden können. Die Wirtschaft wird
deshalb fordern, die Frauenerwerbsquote weiter zu erhöhen, denn nur hier
können noch ungenutzte Potentiale mobilisiert werden. Sie wird also qualifizierte
Frauen noch stärker ködern und diese werden daraufhin mit einer noch
niedrigeren Geburtenrate reagieren. Gleichzeitig werden sich die Stimmen derer
mehren, die behaupten, man könne doch weitestgehend auf die teure eigene
Nachwuchsarbeit verzichten und stattdessen Zuwanderer ins Land holen (so wie das
ja Bayern München auch tue), die all das in ihren Heimatländern bereits
erfahren hätten, was sonst deutsche Eltern ihren Kindern mühselig vor
Ort beibringen müßten, weswegen sie dann weniger arbeiten könnten.
Am Ende ist die gesamte Bevölkerung ausgetauscht, das Humankapital geplündert
und das Land verarmt. Und niemand hat dem zugestimmt. (**).
Wie schon gesagt (**):
Eine solche Tenndenz geht in Richtung Verdummung und Verarmung!
Ähnliche Fehlsteuerungen wie die gerade beschriebene kennt man auch
in der Unternehmenswelt. Zum Beispiel könnte sich ein Unternehmen in wirtschaftlich
schwierigen Zeiten (oder als Folge einer Übernahme mit kurzfristigen Gewinnmitnahmen)
dazu entscheiden, die Investitionen in die Zukunft, nämlich in Forschung
und Entwicklung, zurückzufahren. Damit könnten gegebenenfalls zunächst
wieder erhöhte Gewinne erzielt werden. Wird diese Strategie aber für
eine zu lange Zeit durchgehalten, dann fehlen irgendwann die Produkte, mit denen
man auf dem Markt konkurrieren könnte. Eine erneute Steigerung der Investitionen
zur Rückerlangung der Konkurrenzfähigkeit dürfte in einer solchen
Phase dann aber viel zu spät kommen: Der Konkurs wäre unvermeidlich.
(**).
So ist es! Und das kann man wie ein Gesetz hinschreiben, am besten gleich
ins Grundgesetz (**).Bei
der gesellschaftlichen Reproduktion handelt es sich um Investitionen in die Zukunft
eines Landes. .... Was fehlt, sind die täglichen zeitlichen und materiellen
Aufwendugen für das jahrzehntelange Aufziehen von Kindern. Kinderlose konsumieren
statt dessen den größten Teil ihres Einkommens. Die Zukunftsinvestitionen
überlassen sie ganz wesentlich den Familien. Stellen Sie sich zum Beispiel
vor, ein Unternehmen erwirtschafte einen Gewinn von einer Milliarde Euro. Dann
macht es einen großen Unterschied, ob der Gewinn in zusätzliche Forschungs-
und Entwicklungsprojekte (Reproduktion) investiert wird, oder ob dafür rote
Ferraris und Yachten für Top-Manager gekauft werden. Forschungs- und Entwicklungsprojekte
sind Investitionen in die Zukunft des Unternehmens, Ferraris und Yachten dagegen
nicht (**).
Die unterschiedlichen Investitionen von Kinderlosen und Familien sind analog zu
bewerten. Sollten Sie als Leser zur Zeit keinen Arbeitsplatz oder ihre Kinder
keine Lehrstelle finden, dann lassen Sie sich bitte nicht durch Aussagen wie »Es
ist gut, daß wir so wenig Nachwuchs bekommen, denn der würde doch auch
wieder arbeitslos und müßte dann finanziert werden« verunsichern.
Die aktuellen Arbeitsmarktprobleme werden ganz wesentlich durch die folgenden
Umstände mitangetrieben: Als in der Bundesrepublik Deutschland der letzte
Babyboom stattfand, wurden pro Jahr ca. 1,35 Millionen Kinder geboren. Heute sind
es noch knapp die Hälfte. Hinzu kommt: Diese Generation verinnerlichte ganz
besonders stark das Paradigma der gleichberechtigten, berufstätigen Frau.
Die Frauen setzten folglich weniger Kinder in die Welt und arbeiteten dafür
um so mehr. Auch profitierte diese Generation bereits von der Bildungsexpansion.
Durch die hohe Erwerbsbeteiligung der Frauen nimmt diese Generation besonders
viele Arbeitsplätze in Anspruch. Heute ist diese Generation ... besonders
leistungsfähig. Mit einer Familiengründung hat sie abgeschlossen, sie
verfügt über weitreichende Berufserfahrungen und muß in der Regel
nicht erst kosten- und zeitaufwandig eingearbeitet werden. All das trägt
dazu bei, daß jüngere und ältere Menschen zur Zeit auf dem Arbeitsmarkt
vergleichsweise nur schwer zu vermitteln sind, denn sie weisen gegenüber
diesen starken Generationen Defizite (zum Beispiel fehlende Berufserfahrung) auf.
Was aber passieren wird, wenn der größte Teil dieser starken Jahrgänge
in Rente geht und dann von den nachrückenden schwächeren Jahrgängen
finanziert werden will, darüber läßt sich zur Zeit nur spekulieren.
(**).
Und als wäre das noch nicht problematisch genug, läßt unser Staat
bzw. unsere Gesellschaft immer mehr Unqualifizierte aus dem Ausland einwandern,
die ebenfalls von den Steuerzahlern finanziert werden müssen!Zu
Recht muß man doch fragen (dürfen): Warum darf ausgerechnet ein Staat,
der zu wenig Wert auf den Nachwuchs legt und sich immer mehr verschuldet, sein
Ende länger hianusschieben als ein Unternehmen? Zählt da überhaupt
noch die Ausrede, er habe sich dabei ja nur nach den Wünschen eines bestimmten
lobbyistischen Unternehmens gerichtet?Ein Unternehmen, das seinen Nachwuchs
bzw. seine Forschung und Entwicklung vernachlässigt, wird prompt dafür
bestraft. Ein Staat darf, indem er sich verschuldet und dafür seine wichtigsten
Bürger ganz besonders belastet, seine Strafe zeitlich verzögern und
seine Verantwortung den zukünftigen Generationen aufbürden. Ist das
gerecht?Im linken Sozialismus ist - anders als in Marktwirtschaften -
die vom Einzelnen erbrachte Leistung nicht immer präzise zuordbar (beziehungsweise
dies ist manchmal sogar ausdrücklich nicht erwünscht), denn viele Arbeiten
werden im Kollektiv erbracht. Kritiker weisen darauf hin, es käme dann sehr
leicht zur Tragik der Allmende (**),
weshalb die einzelnen Individuen bei dieser Wirtschaftsform insgesamt deutlich
weniger leisten würden, als sie leisten könnten. (**).
Ein zentrales Problem moderner Gesellschaften kann also identifiziert werden:| | Die
Produktion ist in den meisten modernen Gesellschaften marktwirtschaftlich organisiert,
die Reproduktion dagegen sozialistisch. | Oder
anders ausgedrückt: In der Produktion können Gewinne privat abgeschöpft
werden, während Verluste meist sozialisiert werden. Dagegen sind in der Reproduktion
die Aufwände privat zu erbringen, die Einkünfte daraus stehen aber allen
zu. Die Produktion belohnt folglich Leistung, die Reproduktion dagegen Faulheit.
(**).
Kein Wunder also, daß gerade diejenigen Staaten bzw. Gesellschaften,
die alles Westliche und Westlich-Orientierte hassen, umso mehr auf die Reproduktion
setzen, je mehr ihr Haß zunimmt. Was die am Westen bzw. am modernen
Westen nicht mögen, ist seine derzeitige Vorliebe für eine ganz merkwürdige
Koalition zwischen dem Marktwirtschaftlichen und dem Links-Sozialismus - besonders
dem Feministischen, Egalitaristischen (im Sinne einer links-sozialistischen Frauenemanzipation)
-, aus der sich auch seine immer schwächer werdende Reproduktion,
sein immer schwächer werdendes Reproduktionsintereresse ergibt. Das
Morgenland z.B. will nicht untergehen, sondern - wieder - aufgehen. Wenn es das
Abendland kopieren würde, ginge es ebenfalls unter, und das will es vermeiden.
Auch deshalb ist es so antifeministisch und so antiabendländisch.
Das Morgenland erkennt an dem Beispiel Abendland all das, was es vermeiden muß.
Denn es begreift, daß die Moderne des Abendlandes der Untergang des Abendlandes
ist. Man könnte auch sagen: Das Morgenland riecht den Untergang des Abendlandes.
Als Spötter könnte man sagen: Das Morgenland verdankt seinen (Wieder-)Aufgang
dem Untergang des Abendlandes. Peter
Mersch definiert die Begriffe Kultur, Zivilisation und
Moderne zum Teil anders als ich (**).
In meiner Theorie ist eine Kultur erst dann auch Zivilisation, wenn
sie erwachsen bzw. modern geworden ist. Kultur ist hier
stets als Oberbegriff gemeint. Genauer: Kultur als Hyperonym (Superordination)
umfaßt auch Zivilisation als Hyponym (Subordination), auch Moderne
als Hyponym (Subordination). Ähnlich wie Mersch Organisationssystem(e)
(**|**)
definiert, so definiere ich Kultur(en), wobei auch ich davon ausgehe, daß
derartige Organisationsysteme als Superorganismen seit der Moderne
sogar dabei sind, auch biologisch einen ähnlich großen evolutionären
Sprung (Komplexitätssprung [**],
so Mersch) zu vollziehen wie vor ihnen die erfolgreichen Organismen. Organisationssysteme
beinhalten Organismen, die Zellen beinhalten. (Zellen [Einzeller] sind
autopoietische Systeme erster Ordnung; Vielzeller [Organismen] sind autopoietische
Systeme zweiter Ordnung; Organisationssysteme sind autopoietische Systeme dritter
Ordnung.) Mersch begründet seine sympathische Theorie vor allem mit
biologisch-evolutionstheoretischen, ökonomischen und demographischen Argumenten,
ich meine Theorie vor allem mit biologisch-evolutionstheoretischen, ökologischen,
ökonomischen, demographischen und kulturgeschichtlichen. Unsere Theorien
treffen sich also argumentativ in nicht wenigen Bereichen. Mersch vernachlässigt,
wie ich finde, die Kulturgeschichte zu sehr. Kultur ist gemäß
meiner Theorie vor allem als eine G e m e i n s c h a f t s f o r m
- in etwa so wie ein K u l t u r k r e i s
- zu verstehen, und zwar bezogen auf zwei Erscheinungen:| (1.)
Menschen-Kultur (Evolution bzw. Geschichte der Menschheit) als ein
bis heute doch ziemlich abstrakt gebliebener Kulturkreis, da die Kultur
dieser einen Menschheit ja konkret kaum existiert. |
|
| (2.)
Historien-Kultur als die aus bislang acht unterschiedlichen Historien-Kulturen
bestehende Historiographie-Kultur, und das heißt: die Moderne
der Moderne der Menschen-Kultur bzw. die Historiographie-Kultur der
Historisierung der Menschen-Kultur oder aber sogar die Zivilisation
der Zivilisation der Menschen-Kultur. |
| Man
kann die Entwicklung der Menschheit evolutiv und/oder histori(ographi)sch beschreiben,
aber sie blieb so lange nur evolutiv, so lange ihr die Schrift fehlte - also ist
sie erst seit Beginn der Schrift zusätzlich auch historiographisch. Gemäß
meiner Theorie ist die Schriftlichkeit - zusätzlich zu der ihr vorausgegangenen
Seßhaftigkeit, der Neolithischen Revolution, den ersten Städten
u.ä. - der Grund für die Notwendigkeit der Aufteilung einer Erscheinung
in zwei Erscheinungen: Menschen-Kultur (Evolution bzw. Geschichte
der Menschheit) und die in ihr enthaltene Historiographie-Kultur (Historien-Kultur)
mit den unterschiedlichen Historien-Kulturen. Die Aufteilung in diese
beiden menschlichen Kulturphänome ist auch aus folgendem Grund sehr sinnvoll:
Die Menschen-Kultur hat bis heute keine wirkliche Einheit bzw. kein
wirkliches Organisationssystem werden können, ihre einzelnen Historien-Kulturen
dagegen sehr wohl. Die Menschen-Kultur ist also bis heute sehr blaß
und abstrakt geblieben - ganz im Gegenteil zu ihren Historien-Kulturen.(1.)
Die Menschen-Kultur umfaßt die Evolution bzw. die Geschichte
der Menschheit - das heißt: die Prähominisierung, Hominisierung,
Sapientisierung, Historisierung. Mit ihrer Moderne
als ihrer Historisierung beginnt auch ihre Zivilisation,
obwohl Moderne und Zivilisation nicht genau dasselbe bedeuten.Die
Menschwerdung ist noch lange nicht beendet! Sie wird definitiv erst mit dem Tod
des letzten Menschen beendet sein. Das letztmalige echte Gefühl der
Zusammengehörigkeit der Menschen als eine Menschheit war vielleicht
die Mondlandung (1969). Aber Einrichtungen wie die UNO, die ein historienkulturelles
- nämlich ein abendländisches (und innerhalb des Abendlandes ein angelsächsisches
und also ein genuin sehr wikingerhaftes [Motto: Nimm dir, was du haben willst],
zu individuelles und deshalb unbrauchbares) - Konstrukt ist,
oder die WTO dienen nur der Minderheit (4%) einer Minderheit (20%) aller Menschen
(100%). UNO, WTO, Weltbank und IWF sind also eher Beispiele dafür, daß
ein Zusammengehörigkeitsgefühl aller Menschen eben gerade nicht entstehen
soll und wird. Die echten Gefühle dafür müssen aus der kulturellen
Seele selbst kommen.(2.)
Die Historien-Kultur ist die aus den 8 Historienkulturen bestehende
Moderne der Menschen-Moderne - das heißt: Moderne
der Moderne der Menschen-Kultur bzw. Historiographie-Kultur
der Historisierung der Menschen-Kultur oder eben sogar Zivilisation
der Zivilisation der Menschen-Kultur.Historien-Kultur
bedeutet somit einerseits die Moderne der Moderne der Menschen-Kultur
und andererseits die eigenartigen und sich unterschiedlich beeinflussenden Historien-Kulturen
(in der Fachliteratur oft Hochkulturen oder auch einfach nur Kulturen
genannt), für die gilt: je näher, desto mehr Berührungen, gegenseitiger
Einfluß und also Beziehungen, aber auch entschiedene Abgrenzung voneinander
(vgl. folgende Abbildung): In
meiner Theorie sind Kulturen im allgemeinen und im besonderen als den Lebewesen
sehr ähnlich aufzufassen. Außerdem sind alle Historienkulturen
als Abweichungen (besonders in der künstlerischen Art bzw. Form) von der
Menschenkultur zu verstehen, in die sie über ihre Modernen bzw. Zivilisationen
allmählich wieder einmünden - allerdings auf jeweils andere, nämlich
kulturspezifische Art und Weise. Insofern und auch aufgrund anderer Hypothesen,
z.B. auch der über die vorgeburtliche Existenz einer jeden Kultur,
unterscheidet sich meine Kulturtheorie auch sehr von allen bisherigen mir bekannten
Kulturtheorien.Die
abendländische Kultur ist übrigens die einzige Kultur, die es tatsächlich
geschafft hat, den Globus zu erobern und also ihre Globalisierung - sie ist grundsätzlich
Absicht, Ziel bzw. Finalität jeder Kultur (ähnlich dem Motto: Ausdehnung
ist alles) - in eine Wirklichkeit umzusetzen. Um das zu können, muß
man aber zunächst noch nicht so wirtschaften wie heute, sondern zuvor (!)
eine kulturelle Gemeinschaft gebildet haben. Kulturelle Gemeinschaft -
vor allem als Gefühl (!) - ist die Voraussetzung dafür, nicht ihre Wirtschaft,
die lediglich eine Folge davon ist, wenn auch bald so stark, daß sie gerade
das historienkulturelle Gemeinschaftsgefühl fast ganz in den Schatten zu
stellen vermag und als ein Motor für die oben erwähnte Einmündung
der Historienkulturen in die Menschenkultur fungiert, obwohl diese Einmündung
bisher noch nie so richtig geklappt hat, weil die Menschenkultur ein zu sehr abstraktes
und also zu wenig konkretes Gebilde ist. Die abendländische Kultur hat also
wegen ihrer tatsächlich realisierten Eroberung des Planeten Erde die Möglichkeit
zum Beweis, ob ihr eine solche Einmündung gelingt (dafür müßte
sie alle anderen Menschen und damit alle anderen noch existierenden Kulturen integrieren
[ich persönlich glaube, daß sie gerade das nicht kann]). Die
Wirtschaft hat sich im Abendland bereits viel zu sehr von der Kultur als der Gemeinschaft
getrennt, und die Kulturgemeinschaft selbst ist offensichtlich nicht mehr fähig,
die Wirtschaft zu zähmen. Die abendländische Wirtschaft hat sich von
der abendländischen Kultur so sehr emanzipiert, daß sie
neben anderen abendländischen Erscheinungen eine ziemlich große Gefahr
für den Untergang des Abendlandes bedeutet.Peter
Mersch definiert auch den Begriff Globalisierung zum Teil anders als
ich (**).
Gemäß meiner Theorie ist Globalisierung die Geschichte einer jeden
Historienkultur, besonders die des Abendlandes. Die Kulturgeschichte des Abendlandes
ist eine Geschichte der Globalisierung. Nachdem die drei für das Abendland
unenbehrlichen Faktoren aufeinander getroffen waren - Germanentum, Römerreich,
Christenheit -, wurde sie mittels einer zunächst noch wenig konkrete Formen
annehmende Mythomotorik des jungen Abendlandes möglich. Der Gedanke
an ein Reich spielte also von Beginn an eine ganz besonders wichtige, weil kulturgenetisch
bedingte Rolle, nämlich reichshistorisch
(römisch), reichsreligiös (christlich)
und reichskybernetisch (germanisch), denn
eine Kultur kann nur dann Kultur werden, wenn sie auch sich selbst
steuern kann. Ohne die Germanen gäbe es keine Abendland-Kultur, kein Europa.
Ohne die Germanen hätte sich das Abendland nicht zu einer selbständigen
Kultur entwickeln können. Die Germanen sind die Gründer Europas.Wer
von Globalisierung spricht, kann dreierlei meinen: (a) Globalisierung
als Kulturgeschichte, (b) Globalisierung als eine kulturgeschichtliche Phase (Globalismus,
Cäsarismus, Zeusiokratie u.ä.), (c) Globalisierung als eine absolute
Dominanz der globalen Wirtschaft (Weltwirtschaft, Globalwirtschaft, Globalkapitalismus
u.ä.). Zwei (b und c) dieser drei Definitionen kann man zusammenfassen, weil
das von der heutigen Öffentlichkeit Globalisierung genannte Phänomen
sowohl ein Ausdruck des Zeigeistes im Sinne der erwähnten abendländischen
Kulturphase (vgl. b) ist als auch die Dominanz der ja vom Abendland hervorgebrachten
und dominierten Globalwirtschaft (vgl. c) bezeichnet. Aber das, was Globalisierung
dem Ursprung nach bedeutet, ist den meisten Menschen gar nicht mehr bewußt.Der
Globalismus ist eine Kulturphase, nicht aber die Globalisierung, denn diese wird
häufig lediglich als ein wirtschaftliches Phänomen begriffen, also im
Sinne einer Welt- bzw. Globalwirtschaft, eines Globalkapitalismus.Globalismus
als Kulturphase bedeutet auch Befruchtung und, daß diese Phase allen Akteuren
alle Möglichkeiten schenkt. Doch deren Auswirkungen können positiv,
aber auch negativ sein. Diese Phase ist so offen wie keine andere Phase; in ihr
sind alle Chancen gegeben; in ihr werden die Karten neu gemischt (und verteilt
!); es wird gewürfelt, und wer kein Glück hat oder die Gelegenheiten
verpaßt, ist erst einmal draußen - vielleicht auch für immer.
Das Abendland steht erst am Anfang dieser Phase und sollte sich nicht von ihren
Verlockungen des Allen-alles-Versprechens leiten lassen oder sich etwa
darauf verlassen oder gar berufen, daß die anderen 7 Kulturen diese Phase
glücklich erlebt oder überlebt haben. Keine der anderen 7 Kulturen war
eine so extreme Globalisierungskultur wie das Abendland!Eine sehr interessante
Frage, ob das für die Zukunft der abendändischen Menschen, ja sogar
für die Zukunft aller Menschen (mehr) positive oder (mehr) negative Auswirkungen
haben wird!Organisationen
wollen wachsen .... (**).
Ganz besonders seit der oben beschriebenen Zeit degradieren Organisationssysteme
die jeweiligen Nationalstaaten regelrecht zu ihren Lieferanten für
Humankapital, Ressourcen (Rohstoffe, Entsorgung, Endlagerung u.s.w.) und Infrastrukturen
..., während sie sich selbst zu eigenständigen, international operierenden
Systemen von geradezu ungeheuerlicher Macht und Größe aufbauen, die
nun durch praktisch niemanden mehr kontrollierbar sind. (**).
Dies geschieht - wie gesagt - in ganz besonders hohem Ausmaß seit der oben
beschriebenen Zeit. Basierte der Wohlstand eines Landes bislang maßgeblich
auf der Leistungsfähigkeit seiner Unternehmen (»der Wirtschaft«),
so dürfte er in Zukunft eher auf dem Reichtum seiner Ressourcen (Rohstoffe
wie Erdöl, Humankapital) und der Ausgereiftheit von Regelwerken und Infrastrukturen
beruhen. (**).
Schlechte Zeiten besonders für diejenigen Nationen und Imperien, die darüber
nicht (mehr) oder kaum (mehr) verfügen.Es
ist durchaus möglich, daß die von Peter Mersch beschriebenen Organisationssysteme
der Moderne einen bedeutenden, vielleicht sogar den bedeutendsten
Beitrag (er ist seit Beginn der abendländischen Moderne exponentiell gestiegen),
zur weiteren Entwicklung leisten, aber ob dieser positiv oder negativ zu bewerten
ist, wird erst die Zukunft zeigen können, denn der Globalismus als Kulturphase
(Befruchtung oder Cäsarismus) hat gerade erst begonnen, muß
aber beendet sein, um sich darüber ein Urteil bilden zu können. Hier
wäre eine Prognose angebracht. Ich verweise diesbezüglich auf die vielen
um dieses Thema kreisenden Seiten meiner Webpräsenz (**).
Bis
auf die angesprochenen Unterschiede in nur manchen, aber dennoch wichtigen Definitionen
(**) ist die
Theorie von Peter Mersch mit meiner Theorie kompatibel, wie schon eingangs erwähnt
(**).
Sie zeichnet sich insbesondere durch die Fähigkeit aus, ein von der Evolutionstheorie
bis dahin nicht erkanntes oder totgeschwiegenes Problem zu lösen: das Reproduktionsinteresse.Wir
wissen heute, daß der von Darwin - wahrscheinlich weil er zu sehr von Malthus
ausging - in den Vordergrund gerückte Reproduktionserfolg übertrieben
ist, also abgeschwächt, eingeschränkt werden muß. Es muß
sogar die gesamte Darwinsche Evolutionstheorie ergänzt und daher in ihrer
Aussagekraft abgeschwächt, eingeschränkt werden.Gemäß
Darwinscher Evolutionstheorie bedeutet Evolution: (1)
daß die Entwicklung, die selbst kein Ziel hat, eine vom Zufall, der eine
Notwendigkeit enthält, abhängige Anpassung an die sich ebenfalls verändernde
Umwelt ist (Stichwort: Selektion); (2)
daß es viele unterschiedliche Lebewesen gibt (Stichwort: Variation); (3)
daß es (eine Überproduktion von) Nachkommen und also Erben gibt (Stichwort:
Vererbung). Ergänzt werden muß aber: (1)
daß der Anpassung an die Umwelt durch die Distanzierung von ihr entgegengewirkt
werden kann und auch wird (siehe z.B. die menschliche Technik); (2)
daß der Unterschiedlichkeit durch die Gleichmacherei entgegengewirkt werden
kann und auch wird (siehe z.B. die menschliche Politik); (3)
daß der Produktion von Nachkommen durch den extremen Egoismus entgegengewirkt
werden kann und auch wird (siehe z.B. die menschlichen Vorgenhensweisen gegen
das Leben nachkommender Menschen wie Abtreibung und andere Kindestötungen).
Die drei Regeln der Darwinschen Evolutionstheorie werden aber durch die drei ihnen
genau entgegengesetzten Tendenzen nicht falsch, wohl aber auf ein kleineres Bedeutungsmaß
eingeschränkt. Mit anderen Worten: Sie werden von den ihnen entgegengesetzten
Ausnahmen also nicht falsifiziert, sondern ergänzt. Wo es Regeln gibt, da
gibt es auch Ausnahmen von diesen Regeln. Wenn es zu Regeln keine Ausnahmen geben
kann, dann handelt es sich nicht um Regeln, sondern um Gesetze (**).
Die Evolutionstheorie stellt also keine Gesetze auf, sondern lediglich Regeln.
Gerade die biologische Evolutionstheorie wird aber mit
diesen Regeln nicht ausreichend erklärt, zumal einige Wissenschaftler
nicht glauben, daß die Natur (wer oder was ist das? Gott?)
selektiert. Die Gründe für die biologische Evolution sind: (A)
der Wille zur Selbsterhaltung (das Selbsterhaltungsinteresse, so Mersch
**)
und (B)
der Wille zur Reproduktion (das Reproduktionsinteresse, so Mersch
**).
Beide (A
und B)
sind Varianten des Willens zum Leben bzw. Überleben. (**).
Entscheidend ist also der Lebenswille (Lebenstrieb). Ergänzt
werden muß auch hier: (A)
der Wille zur Selbszerstörung (das Selbsterhaltungsdesinteresse)
und (B)
der Wille zur Reproduktionsverweigerung (das Reproduktionsdesinteresse).
Beide (A
und B) sind
Varianten des Willens zum Nichtleben (Tod) bzw. Ableben (Sterben). Entscheidend
ist in diesem Fall also der Todeswille (Todestrieb). Lebenswille (Lebenstrieb)
und Todeswille (Todestrieb) sind die zwei Seiten dessen, was wir Leben
nennen. Das Leben hat einen Anfang und ein Ende, dessen Grenze der Tod bildet.
Der Tod ist deshalb Bestandteil des Lebens, weil wir wissen, daß
der Tod das Leben begrenzt. **Die
3 Prinzipien der Systemischen Evolutionstheorie von Peter Mersch sind:
(1) Reproduktionsinteresse
(genauer: Selbsterhaltungs- und Reproduktionsinteresse **),
(2) Variation,
(3) Reproduktion.
(**).
Die Darwinsche Evolutionstheorie nennt: (1)
Selektion, (2)
Variation, (3)
Vererbung. Die 3 Prinzipien der Darwinschen Evolutionstheorie sind
aus den 3 Prinzipien der Systemischen Evolutionstehorie ableitbar. Beim
Prinzip der natürlichen Selektion (- 1)
handelt es sich um kein Basisprinzip der Evolution, sondern um eine zwangsläufige
Konsequenz aus dem grundsätzlicheren Prinzip der kompetenzneutralen Reproduktionsinteressen
(- 1)
(**);
sogar deckungsgleich sind sowohl die Formulierungen des Prinzips Variation
(- 2)
Systemischer Evolutionstheorie und des Prinzips Variation (-
2) Darwinscher
Evolutionstheorie als auch die Formulierungen des Prinzips Reproduktion
(- 3)
Systemischer Evolutionstheorie und des Prinzips Vererbung (-
3) Darwinscher
Evolutionstheorie (**|**).
Man kann zeigen, daß sich für biologische Populationen die Prinzipien
der Darwinschen Evolutionstheorie aus den Prinzipien der Systemischen
Evolutionstheorie ableiten lassen. Mit anderen Worten: Sind in einer Population
die Grundpinzipien der Systemischen Evolutionstheorie erfüllt, dann evolviert
diese auch im Darwinschen Sinne. Die Kriterien der Systemischen Evolutionstheorie
sind folglich hinreichend für die Anwendbarkeit der Darwinschen Evolutionstheorie.
(**).
Ein großer Vorteil der Theorie von Mersch gegenüber der Theorie von
Darwin. Gratulation, Herr Mersch!Hubert
Brune, 2008 (zuletzt aktualisiert: 2011). |